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Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 78


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LAG-Info 77       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Dank, Spenden, neue Mitglieder
Vorstand berichtete
Gabriele Seifried
Veranstaltungshinweis
Zum Thema: Aufbruch
Bericht: Grundkurs Straubing
Persönliche Gedanken, Aufbruch
Leserbrief zum Titelthema
Bewährung
Sozialtherapie
Gegenrede, Preusker
Allgemeines und Wissenswertes
Antisoziale Persönlichkeitsstörung
Arbeitsentlohnung für Gefangene
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Leserbriefe
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Unser Flyer Zurück zur LAG-Info - Übersicht


 

Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Aufbruch bedeutet, Energie zusammen nehmen, sich orientieren – wohin brechen wir auf, das Ziel sollte schon bekannt sein. Wie bei einer Expedition, was brauchen wir alles, damit der lange Weg auch durchgehalten wird. Alles gut verzurren, verpacken, damit wir nichts verlieren. Für alles sollten wir gerüstet sein, Sonne – Wind – Regen - Sturm – Verletzungen, wir versuchen anzukommen bei unserem auserkorenen Ziel. Aufbruch heißt für die Gefangenen zunächst mal ungewohnte Gefühle, wohin soll man aufbrechen, man ist ganz unten und hier ist es bekanntlich am Schwersten wieder hochzukommen. Förderlich ist es dem Gefangenen zu vermitteln, auf unserem Weg begleitet uns auch die Sonne, also auch angenehmen Situationen werden wir begegnen. Wenn diese auch auf die Kürze nicht gleich so erkannt werden. Verpackt haben sollten wir Motivation, Langmut und einen innerlichen Kompass, ich will genau dort hin! Wenn der ehrenamtliche Betreuer dann auch noch Wegweiser sein kann, dann ist es schon mal einfacher sich auf den Weg zu machen und dies ist die wichtigste Erkenntnis – ich will und ich nutze meine Chance. Auch wir haben uns sicher für das begonnene neue Jahr etwas vorgenommen – sind wir noch dran, an dem Vorsatz? Oder ist schon wieder alles verschwommen in etwas weiterer Entfernung, hier sieht man am Besten, es ist nicht einfach sich etwas vorzunehmen, aufzubrechen um auch dann an das Ziel zu gelangen. Dazu wünsche ich Ihnen notfalls einen „Neustart“, sich wieder zu sammeln und auch einmal eine Schwäche zu akzeptieren, wenn das Ziel im Auge bleibt ist dies nur menschlich. Mit dem an Ihre Seite gestellten Gefangenen auch dies einmal zu besprechen und sagen, bei mir läuft es auch nicht immer rund. Komm, uns allen geht es ähnlich, wenn wir gravierend etwas ändern wollen. Aufgerufen zu einem Aufbruch sind auch die hauptamtlichen Mitarbeiter, das Qualitätshandbuch Standards und Qualitätssicherung für die Sozialdienste in den bayerischen Justizvollzugsanstalten anzunehmen, auch nach dessen Vorgaben umzusetzen und einheitlich vorzugehen. Sowohl ehrenamtliche als auch hauptamtliche Mitarbeiter in den Sozialdiensten: Nehmen Sie den Gefangenen bei seinem „Aufbruch in die Freiheit ohne Straftaten“ mit! Dazu meine besten Wünsche und eine erfrischende Frühlingsluft dazu!
Herzlichst, Ihr
Rudi Repges


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Vorstand berichtet

10. 1. 2012
Teilnahme am Treffen der Ehrenamtlichen der JVA Landsberg.
Thema waren in einer kleinen Runde: Die Bewährungshilfe, Führungsaufsicht und deren Überwachung der ausgesprochenen Weisungen des Gerichts. Außerdem die „EAÜ“, elektronische Aufenthaltsüberwachung (elektronische Fußfessel), Funktion und Einsatzmöglichkeiten. (siehe auch „Aus den Regionen, S 28.). Außerdem wurde über die Zahl der Ehrenamtlichen gesprochen, derzeit besteht in der JVA Landsberg kein weiterer Bedarf an Einzelbetreuungen, laut Aussage von Kontaktbeamtin Frau Knupfer ist das Interesse seitens der Gefangenen im Moment nicht ausgeprägt.

7. 2. 2012
Vorbereitung der Straubinger Tagung für ehrenamtliche Mitarbeiter im Strafvollzug.
Am 7. Februar trafen sich auf Einladung von Herbert Meißner Peter Möller, Rudolf Repges und Norbert Merz in der Justizvollzugsschule, um die Tagung, die vom 14. bis 16. September 2012 in der JVS stattfindet, vorzubereiten.
Wie können wir den engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglichst viele Informationen, fundiertes Erfahrungswissen und viel Zeit zum Erfahrungsaustausch bayerischer Ehrenamtlicher bieten? So die Frage, die sich das Planungsteam stellte. Und so haben die Erfahrungsträger um Herbert Meißner nicht nur die Struktur, sondern auch die anzubietenden Themen eingehend hinterfragt und diskutiert.
Heraus kam ein ausgewogener Dreiklang aus informativem Referat eines anerkannten Wissenschaftlers mit dem Blick über den Tellerrand, Arbeitsgruppen mit praxisorientierten Themen und viel Zeit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch, in den - wie all die Jahre zuvor - auch das Justizministerium eingebunden sein wird.
Themen werden sein: Suizid, Zusammenarbeit Ehrenamtliche mit den Betreuungsbeamten, Praxis der ehrenamtlichen Betreuung, Übergangsmanagement. Daneben ist ausreichend Zeit eingeplant, um die Sorgen und Anliegen der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansprechen und einer Lösung zuführen zu können
(NM)

Am 29. 1. 2012 fand die 4. Vorstandssitzung wieder in gewohnter Umgebung im Bodelschwingh-Haus der evang. Straffälligenhilfe in München statt.
Der gesamte Vorstand war anwesend, außerdem die Gäste Norbert Merz, Peter Möller und der Regionalleiter der Gruppe Straubing Horst Münzer.
Es wurden in angenehmer Atmosphäre die Aktivitäten des Jahres besprochen. Rückblick auf den Neulingskurs in Straubing, Ausblick und Vorgehensweise bei Neugewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Neue Sponsorensuche wurde wieder aufgegriffen, Brief wird verfasst, Verteilung soll diesmal über WABE-Versand laufen.
Marga Helms übernahm die Reservierung im Kloster St. Stephan für die nächste Mitgliederversammlung.
LAG-Info-Heft bleibt bei 4 Ausgaben, mehr Beteiligung wieder angesprochen.
Das Arbeitsgespräch im Ministerium war Thema, hierzu verschiedene Positionen angesprochen, wie z. B. Deckelung der Fahrkosten, Betreuungsvereinbarung, Beitragszahlung zur Rentenversicherung für Gefangene, Stellenbeschreibung für Kontaktbeamte, Stellenanteil, Fußfessel, Weiterbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter, Übergangsmanagement, Ergebnisse der Arbeitsgruppe im Ministerium. Problematik Entlasszeitpunkt.
Augsburger Gespräche im Jahr 2013 angesprochen.
Norbert Merz und Peter Möller brachten Erfahrungsschätze ein, Horst Münzer berichtete über die derzeitige Situation der Ehrenamtlichen in Straubing. Nächster Termin für die 5. Vorstandssitzung festgelegt auf 2. 9. 2012! (rr)


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Aufbruch

A   Auf den Weg machen
U   Unsicherheit in Kauf nehmen
F   Freude und Begeisterung
B   Beständig und konsequent
R   Raten lassen und Rat annehmen
U   Unbekümmert und zielstrebig
C   Chancen wahrnehmen
H   Handeln statt verkümmern und verrosten

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Bericht: Grundkurs Straubing

Aufbruch in die Öffentlichkeit / Teamwork bei Werbeaktion
Die Idee entsprang dem Mangel an ehrenamtlichen Betreuern in der JVA Straubing. Etwa 60 Gefangene bewerben sich um einen Ehrenamtlichen und 40 davon dringend. Das war das Signal, die Idee umzusetzen und aktiv zu werden. Dabei bedarf es einer gehörigen Portion Mutes des Kontaktbeamten, den Bedarf nicht nur anzumelden, sondern auch öffentlich zu machen. Bei Anfragen kommt es nicht selten zu Beteuerungen: Noch haben wir genügend Betreuer, im Moment - ausreichend. Sind diese wirklich ausreichend? Wird damit nicht das Problem auf später verschoben?
Generationenproblem
Wenn wir also jetzt nicht anpacken, dann werden wir demnächst ein massives Generationenproblem haben. Die Betreuer + 70 ziehen sich zurück und auf die Schnelle gibt es keine Ehrenamtlichen. Es bedarf der Vorbereitung, der Information, der Werbung und dann natürlich der Einweisung der Neuen.
Exponaten-Ausstellung der JVA Straubing
Die Exponaten-Ausstellung der JVA Straubing vom 14. bis 16. Oktober 2011 in der Turnhalle der JVA bot uns eine hervorragende Plattform für unsere Werbung und die Möglichkeit, mit Bürgern in Kontakt zu kommen. Erstmalig präsentierten sich die Ehrenamtlichen mit einem Stand in der Turnhalle.
Aber wie immer, es musste akribisch geplant, vorbereitet und durchgeführt werden. Es wurden Plakate, Flyer, Inserate – leider nicht kostenlos – gestaltet. Über mehrere Monate wurden immer wieder Artikel zum Thema „Ehrenamt im Strafvollzug“ im Straubinger Tagblatt, welches uns beim Thema sehr unterstützte, veröffentlicht. Zielgerichtet wurde in den Lokalberichten auf den Werbestand hingewiesen und Lokalredaktionsmitarbeiterin Frau Sarcher führte auch ein Interview mit dem Kontaktbeamten Herrn Kagerbauer zu diesem Thema.
Durch meinen persönlichen Kontakt mit Frau Neumaier, Sachbearbeiterin „Inserate“ beim Straubinger Tagblatt, brachte dies auch Farbe zum Nulltarif ins Inserat und wurde so mit „Justizgrün“ mit einem besonderen Blickfang ausgestattet.
Am 6. 12. 2011 fand die „General-probe“ mit meinen beiden Seminarreferentinnen Frau Gaby Buß und Frau Anita Dick statt. Folien wurden umgearbeitet, Zahlen aktualisiert und die Redezeit etwas überwacht. Außerdem war viel Vorarbeit von meinen beiden Begleiterinnen notwendig, um diese Veranstaltung gelingen zu lassen.
Ausgezeichnete Unterstützung
Die Unterstützung, welche ich durch den Anstaltsleiter Herrn Ltd. Regierungsdirektor Matthias Konopka, den Kontaktbeamten Herrn Frank Kagerbauer, sowie den Organisationsleiter der Ausstellung und Anstaltslehrer Herrn Schreyer erfahren durfte, war überwältigend. Sehr kooperativ waren auch die Beamten der Arbeitsgruppen, die Bediensteten an der Torwache und des Sicherheitsdienstes sowie die Aufsichtsbeamten der Ausstellung – ein ganz großes Dankeschön für die Mitarbeit.
Unser Stand
In einem Vorabtermin erhielt unser Stand in der Ausstellungsfläche seinen Platz, dieser wurde gemeinsam festgelegt. Mit einfachen Mitteln ausgestattet, mit einem Gesprächs-Stehtisch, auf dem diverses Werbematerial der Justiz und der LAG e. V. zu dem Thema auflag, und einer Litfaßsäule, die mit Bildern, Plakaten und Schlagworten beklebt war, wurde unser Stand zu einem repräsentativen Schaufenster für unsere Inhalte und unsere Botschaft: „Der Ehrenamtliche - Licht im Dunkel“. Hier wurde auch mein derzeit betreuter Gefangener mit eingebunden. Er lieferte auf Anfrage zwei inhaltsvolle Schlagworte, welche auch präsentiert wurden. Gedanken eines Gefangenen - um Menschen für dieses Ehrenamt zu gewinnen.
Feierliche Eröffnung
Bei der feierlichen Eröffnung durch Anstaltsleiter Ltd. Regierungsdirektor Herrn Konopka und Herrn Ministerialdirigent Prof. Dr. Arloth, Leiter der Justizabteilung im Ministerium, erinnerten beide an die Tradition der Veranstaltung und würdigten das Engagement der Gefangenen. Besondere Freude für alle Ehrenamtlichen war die namentliche Erwähnung und der Hinweis auf den Werbe-Stand der LAG e.V. Erstmals haben Ehrenamtliche vor Ort im Rahmen der Ausstellung ihr Anliegen in der Öffentlichkeit präsentiert. Herr Konopka und Herr Prof. Dr. Arloth ließen eindeutig erkennen: Wir sind erwünscht und die Aktion wird nicht nur mit Wohlwollen und Aufmerksamkeit verfolgt, sondern erfährt auch die angemessene Unterstützung.
Musikalisch gestaltet wurde die Eröffnung durch die Gefangenenband „Church of Pain“, welche mir mit ihren Rocksongs nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich sehr gefiel. Durch die Texte der Stücke „Pain inside of me“, „All the good things“, „Everytime when I’m looking in your eyes“ und „I can’t let you down“ gewährte sie Einblick in ihre Gefühle. Danke für dieses Engagement und die Darbietung.
Der große Ansturm
Dann kam am Samstag und Sonntag (15. und 16. Oktober 2011) der große Ansturm. Mit meinen LAG-Kollegen und langjährigen Betreuern, Herrn Horst Münzer, Herrn Gerhard Burger und Herrn Günter Minten, stellten wir uns den vielen und unterschiedlichsten Fragen. Erstaunt waren wir, wie viele Besucher vor den knallroten Plakaten an der Säule stehen blieben und Infomaterial mitnahmen. Etwa 2.500 Besucher zogen an diesen beiden Tagen an uns vorbei. Mit ca. 70 Besuchern führten wir an unserem Tisch, vor unserer Säule längere Gespräche. Was auch immer an Information in der Kürze der Zeit möglich war, 21 ernsthaft Interessierte haben sich in unserer Liste (Interessenten für den Info-Abend) eingeschrieben.
Die Begegnungen vor Ort waren beeindruckend. Viele wussten nichts von diesem Ehrenamt. Manche Meinung musste man einfach stehen lassen, ohne sich zu ärgern. Aber richtig dumm sind wir eigentlich nicht angemacht worden, ein Satz davon: Es gibt so viele Ehrenämter, warum ich mich unbedingt für dieses so einsetze. Darauf antworte ich, gerade deshalb!
Die sympathischen Gespräche getragen von großem Interesse überwogen. Vielen wurden die Augen geöffnet. Natürlich waren Skepsis und Zweifel für ein solches neues Ehrenamt zu spüren, die sich im Laufe des Gesprächs aber meistens ausräumen ließen. Was kommt auf mich zu? Bin ich nicht zu jung? Haben Sie für mich eine Einsatzmöglichkeit? Was sind das für Menschen? Kann man denen überhaupt helfen? Das waren die Fragen, die immer wieder gestellt wurden.
Infoabend im Hotel Gäubodenhof
Aufmerksam durch unsere aufgelegten Flyer geworden, kamen dann 15 Interessierte zum Infoabend am 24. 10. 2011 im Hotel Gäubodenhof. Mit meinen LAG-Mitarbeitern Herrn Günter Minten sowie Frau Heidi Lechner und Norbert Merz, der aus Erlangen zu dem Infoabend angereist war informierten wir gut 2 Stunden über das Ehrenamt, berichteten von unseren aktiven Betreuungen. Interessant für uns die Rückmeldung, dass die Ausstellung, die farbigen Inserate und die Artikel in der Zeitung das Interesse auf allen Kanälen geweckt haben. Eine Teilnehmerin sagte: „Auf dieses Inserat habe ich schon lange gewartet“.
Grundseminar am 13. November 2011
Ziel unseres Engagements, dieser Werbeaktion war und ist, ehrenamtliche Betreuer für die JVA zu gewinnen. Nun wurden die „Neuen“ in einem Tagesseminar-Grundkurs für Ihre Zulassung durch die JVA sowie auf den ersten Kontakt und Besuch auf ihre Aufgabe vorbereitet. Dabei wurde den 20 Teilnehmern (weitere 6 waren zeitlich verhindert und hatten sich entschuldigt) kurz und bündig der Aufbau einer JVA sowie die rechtliche Situation erläutert und auf „Hilfefallen“ hingewiesen. Beispiele aus der Praxis und das Themenfeld: „Nähe und Distanz“ rundeten das Tagesseminar im großen Saal des Hotels Gäubodenhof ab.
Besonders hervorheben möchte ich den Kontaktbeamten, Herrn Kagerbauer. Er ließ es sich nicht nehmen, am Sonntag und in seiner Freizeit für 2 Stunden zu kommen und die JVA Straubing den neuen Ehrenamtlichen ausführlich vorzustellen. Ebenfalls nicht zu vergessen, Herr Norbert Merz half uns bei der Vorbereitung, als wir Zeitnot bekamen, aus der Patsche und war im Hintergrund stets präsent. Auch dies ist nicht selbstverständlich. Abgerundet wurde die gesamte Aktion nochmals mit dem Straubinger Tagblatt mit zwei Berichten am 6. Dezember 11, welchen ein Interview von Redaktionsmitarbeiter Herrn Simon Franz mit mir voranging. Es wurde thematisch nochmals informiert sowie ein kleines Resümee der Aktion gezogen.
Zu späterer Zeit, werden wir über die „Neuen“ und ihren Erfahrungen berichten.
Danke an alle Beteiligten, welche mitgewirkt haben. Danke sagen auch sicher 20 Gefangene, denen nun die Möglichkeit einer ehrenamtlichen Betreuung geboten wird.
Rudolf Repges, im Dezember 2011

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Aufbruch - Perönliche Gedanken

Aufbrechen hat einen Anlass, eine innere Unruhe, eine Sehnsucht, eine Unzufriedenheit, unerfüllte Erwartungen, sucht nach Leistung, nach Veränderung, nach Besserung, nach Neuem.
Aufbruch verlangt nach einem Ziel, einem Weg, der Hoffnung auf Verbesserung, einer Veränderung im subjektiven Bereich.
Aufbruch geht von mir aus, setzt Kraft, Ideenreichtum, Kreativität in mir frei.
Aufbruch - eine Veränderung nur für mich oder auch für mir Nahestehenden?
Aufbruch verlangt eine klare Entscheidung:
Ich breche auf! Ich habe ein Ziel! Ich sehe darin eine Verbesserung für meine Situation, für mein Leben!
Aufbruch verlangt ein engagiertes Erklären, Überzeugen, Gewinnen der Menschen, die mir folgen sollen!
Aufbruch wohin, warum, mit welchen erkennbaren Veränderungen, mit welchen ideellen Nutzen?
Aufbruch in der LAG, mit der LAG
* Was soll anders werden, warum?
* Wen nehme ich mit beim ersten Schritt?
* Wer folgt später?
Aufbruch findet mit jeder Betreuung, die ich anpacke, statt.
* Was nehmen wir uns vor?
* Was wollen wir erreichen?
* Was ist realistisch, was ist Utopie?
Aufbruch, eine Verbesserung der Entlass-Situation.
(Übergangsmanagement!) * Betreuung und Entlassung!
* Runde Tische im Rahmen der Entlassung!
* Zusammenwirken der JVA, Bewährungshilfe und der Ehrenamtlichen!
Aufbruch in eine „aggressive“ Mitarbeitergewinnung
* Geldmitteleinsatz!
* Werbung (Medien)!
* Info-Veranstaltungen!
* Grundseminare!
* Vierteljahres-Treffs (Erfahrungs-austausch und Erzeugen eines WIR-Gefühls!
... und so breche ich – auch im Alter – immer wieder auf, um neue Ziele zu erreichen.

Norbert Merz


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Leserbrief zum Titelthema - Aufbruch

In den Knast und am selben Tag wieder raus
Das Ehrenamt im Strafvollzug
Ein Erfahrungsbericht von Jürgen Graupmann
Rosenheim/Mühldorf - „In den Knast und am selben Tag wieder raus“. So lautete die Überschrift eines Artikels im Januar 2011 in der Rosenheimer Tagespresse.
Damit hat alles begonnen, mit diesem „Tag der offenen Tür“ im Mühldorfer Zentralgefängnis. Die Leitung der Justizvollzugsanstalt am Inn hatte diesen ungewöhnlichen Schritt gewagt. Haupttore und Zellentüren waren weit geöffnet. Freundliche Justizvollzugsbeamte gaben den Besuchern bereitwillig auf alle Fragen Antworten. Wo aber befanden sich die einsitzenden Strafgefangenen? Sie waren wegen durchgeführter Sanierungsarbeiten vorübergehend in der JVA Landshut untergebracht. Die Besichtigung verlor trotzdem nichts von ihrer Authentizität, denn die Einblicke in die verschiedenen Abteilungen, wie Anstaltsbibliothek und Küche sowie die anstaltseigene Arbeitshalle mit Montagebetrieb bis hin zum gesicherten Außenbereich für den täglichen Hofgang fanden großes Interesse bei den zahlreichen Besuchern. Still wurde es dann in den Einzel- und Gruppenzellen, wo das Gefühl des Eingesperrt-Seins körperlich erfahrbar war.
In einer Einzelzelle lag der Prospekt „Der Bayerische Landesverband für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe e.V. - Partner der Justiz“. Das reizte zum Lesen. Da war von der sozialen Integration Straffälliger die Rede und dass hierdurch künftige Straftaten und ihre Folgen vermieden werden können. Ferner war zu lesen, dass das erklärte Ziel der Straffälligenhilfe die Sicherheit der Bürger sein müsse. Darüber hinaus stehe die Rückführung, die Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft nach Verbüßen ihrer Strafe, im Fokus der Gefangenenfürsorge.
Ich wollte mehr wissen und erhielt nach Anfrage vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz die Broschüre „Informationen zur ehrenamtlichen Tätigkeit im Strafvollzug“. In dieser ausführlichen Broschüre erfährt man, wie man ehrenamtlicher Mitarbeiter werden kann und weitere wichtige Einzelheiten, wie z.B., dass man mit Einverständnis des Inhaftierten über die Anstaltsleitung für die Betreuungsarbeit erforderliche Informationen aus der Gefangenenpersonalakte erhalten kann.
Ich entschied mich für die Einzelbetreuung von Gefangenen, informierte mich bei erfahrenen ehrenamtlichen Einzelbetreuern, nahm an Einführungsveranstaltungen teil und last but not least sprach ich mit dem in allen JVAs eigens für ehrenamtliche Betreuer bestimmten Kontaktbeamten. Dann stellte ich einen schriftlichen Antrag auf Zulassung in Verbindung mit einer Einverständniserklärung zur Anforderung eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses von Amts wegen.
„Du hast Post aus dem Knast!“ rief meine Frau einige Zeit später und überreichte mir lächelnd das mit Spannung erwartete Dokument: ja, ich hatte die Zulassung erhalten - mit Stempel und Unterschrift des Anstaltsleiters. Wenig später hatte ich schon wieder Post - mein erster Gefangener! Obwohl oder gerade deshalb, weil der Absender nicht auf die JVA hinwies, war ich mir ganz sicher. Aus Datenschutzgründen schreiben die Gefangenen an eine neutrale Anschrift, von der aus dann umgehend die einzelnen Briefe an die verschiedenen Einzelbetreuer weiterversandt werden. Da lag er nun, mein erster Brief aus der Zelle: der Beginn eines außergewöhnlichen Briefkontakts. Der Gefangene stellte sich vor: Alter, Familienstand, Anzahl der Kinder, erlernter Beruf, Hobbys und die Straftat, wegen der er „drinnen“ ist. Einen Betreuer wünsche er sich, um mit den vielen Gedanken in seinem Kopf nicht immer allein zu sein. Er hoffe, „mich irgendwann kennenzulernen“.
Auf mein Antwortschreiben habe ich ihn nicht lange warten lassen. Sein mir gegenüber bewiesenes Vertrauen honorierte ich ebenfalls mit ein paar Infos über meine Person und aus meinem Leben sowie mit einem in naher Zukunft liegenden ersten Besuchstermin in der JVA. Und dann kam der Tag X. Ich war auf dem Weg ins Gefängnis und aufgeregt wie ein Pennäler vor seinem ersten Rendezvous. In der Besuchszelle legte sich diese leichte Anspannung dann, als wir uns gegenüber saßen. Bloß nicht aus lauter Verlegenheit übers Wetter reden, ging mir durch den Kopf - den Gefangenen interessiert dies eher weniger, denn dreiundzwanzig Stunden am Tag verbringt er in der Regel in der Zelle, oder in verschiedenen Arbeitsbereichen der JVA. Aber aktives Zuhören, auch mal Schweigen, die Kunst der fast „sprachlosen“ Kommunikation, besonders zu Beginn der Betreuung, sind eine stabile Basis für zukünftige gute und vertrauensvolle Gespräche. Gleich bei meinem zweiten Besuch erzählte ich dem Gefangenen - er war noch ein wenig wortkarg - das Beispiel vom Boot: „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Ich sicher in der Mitte und Sie an den äußersten Bootsrand gedrängt. Damit Sie nicht über Bord gehen, werde ich versuchen, Sie im Laufe der nächsten Zeit langsam, aber kontinuierlich, in die Bootsmitte zurückzuziehen!“ Wenig später kam dann von ihm eine für mich überraschende Rückmeldung auf diese Metapher: „Mir ist, durch das mit dem Boot“, sagte er etwas stockend, „bewusst geworden, dass sich außerhalb der Gesellschaft zu stellen einen Neubeginn da draußen unmöglich macht - ich will zurück in die Bootsmitte!“, und dabei lächelte er kämpferisch. Beide spürten wir, das war der Beginn einer guten Zusammenarbeit. Nach einem betreuungsintensiven Sommer und Herbst wurde mein erster Gefangener kurz vor Weihnachten auf Bewährung entlassen, und ich habe während der Feiertage ein paar Stunden mit ihm in der neuen Freiheit verbracht. Einen weiteren von mir betreuten Straffälligen habe ich am Heiligen Abend in der JVA besucht.
Mit beiden Gefangenen habe ich viele Gespräche geführt: über Schuld und Sühne, familiäre und finanzielle Probleme, Entlassungsvorbereitungen, zum Beispiel Wohnungs- sowie Arbeitgebersuche und über Gott und die Welt. Auch so manchen Hofgang haben wir bei jedem Wetter absolviert; und dann die ersten Ausgänge in Freiheit - ein Hauch von Neubeginn. Unsere gemeinsamen Zeiten in der Besuchszelle, während des Hofgangs und draußen bei den Ausgängen konnten im Rückblick nur deshalb so gut funktionieren, weil kein Mitleid, sondern Hilfe zur Selbsthilfe angesagt war und das Versprechen im Raum stand, wenn nötig, auch über die Haftentlassung hinaus mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Nicht zuletzt deshalb, um die Resozialisierung zu fördern und die Rückfallgefahr zu verringern. Kurzum, es gibt viel zu tun und es werden weitere ehrenamtliche Betreuer in bayerischen Justizvollzugsanstalten gesucht.
Übrigens, eine Annäherung ist meines Erachtens nur möglich, wenn beide Seiten, nämlich die da „drinnen“ und wir da „draußen“, bereit sind, Berührungsängste abzubauen. Wobei wir auf sie zugehen, den Anfang machen müssen.
Kurz vor Schluss noch eine kleine Anmerkung: irgendjemand soll behauptet haben, ein Ehrenamt auszuüben mache glücklich. Dieser Irgendjemand hat Recht!
Es ist wieder Januar - wir schreiben das Jahr 2012 - und ich gehe weiterhin in den Knast und am selben Tag wieder raus...

Die Überschrift „In den Knast und am selben Tag wieder raus“ wurde sinngemäß dem Oberbayerischen Volksblatt (OVB) vom 26. 1. 2011 entnommen.
Der Verfasser lebt in Rosenheim, ist Mitglied verschiedener Straffälligen-Hilfsorganisationen und als ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Einzelbetreuung von Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Bernau tätig.


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Gerechte Arbeitsentlohnung und Alterssicherung für Gefangene

Ziethener Kreis fordert die sozialversicherungsrechtliche Absicherung und bessere Arbeitsentlohnung von Gefangenen
Alle Gefangenen sind in die Rentenversicherungssysteme einzubeziehen. Anknüpfungspunkt für die Leistung von Beiträgen sollen alle im Vollzugsplan festgelegten verpflichtenden Aktivitäten sein, also Ausbildungs-, therapeutische und sonstige Behandlungsmaßnahmen sowie die Arbeit.
Die Arbeitsentlohnung und eine Vergütung der unter Ziffer 1. genannten Aktivitäten ist in der monetären Komponente schrittweise in Richtung tarifliche Entlohnung fortzuentwickeln, in einem ersten Schritt mit einer Erhöhung von 9% auf 15% (was der seinerzeitigen Forderung des Bundesjustizministeriums entspräche). Die nichtmonetäre Komponente ist um ein Vielfaches zu erhöhen, um einen wirksamen Anreiz für die Gefangenen darzustellen. Sie sollte eine Vorverlegung des Entlassungszeitpunktes um mindestens 30 Tage pro Arbeitsjahr ermöglichen.
Der Vollzug ist verpflichtet, jedem Gefangenen, der nicht an einer Ausbildungs- oder Trainingsmaßnahme teilnimmt, wirtschaftlich sinnvolle Arbeit zur Verfügung zu stellen. Die Vollzugsverwaltungen müssen prioritär arbeitsmarktgerechte Ausbildungsmaßnahmen für alle Gefangenen bereitstellen und darüber hinaus Strategien entwickeln, die zu einem erweiterten Angebot qualifizierter Arbeit führen. Dies ist umso zwingender, als der o. g. gemeinsame Entwurf von 10 Bundesländern für neue Länder-Strafvollzugsgesetze die Abschaffung der Arbeitspflicht für Gefangene vorsieht. Ohne gesetzliche Verpflichtung, ausreichend Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, wird das Ziel, Gefangene nach ihrer Entlassung in den Arbeitsprozess einzugliedern, verfehlt und das Rückfallrisiko erhöht. Dabei handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Für diese Aufgabe sollte auch die Wirtschaft stärker in die Pflicht genommen werden, die sowohl innerhalb des Vollzugs qualifizierte Betriebe einrichten wie auch für entlassene Gefangene Beschäftigungsverhältnisse bereitstellen sollte.

Im Ziethener Kreis, einer parteipolitisch unabhängigen Gruppe kriminalpolitisch engagierter Wissenschaftler und Praktiker, arbeiten die nachfolgenden Personen zusammen:
Prof. Dr. Andrea Baechtold, Bem; Prof. Dr. Heinz Comel, Berlin; Prof. Dr. Frieder Dünkel, Greifswald; Christoph Flügge, Den Haag; Ulrich Freise, Berlin; Manfred Lösch, Berlin; Anke Pörksen, Hamburg; Dr. Harald Preusker, Dresden; Dr. Ineke Pruin, Greifswald/Mannheim; Prof. Dr. Bernd-Rüdeqer Sonnen, Hamburg.


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Landsberg

Fit für den Arbeitsmarkt
Landsberg – Mit der Verteilung der Abschlusszeugnisse endete vergangene Woche für 19 Häftlinge mit Migrationshintergrund die Teilnahme an einem dreimonatigen „Berufsbezogenen Sprachkurs“. Das bayernweit einzige Pilotprojekt entstammt einer Kooperation der Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Weilheim.
Ausgesprochen gelöste Atmosphäre herrschte vor wenigen Tagen in der JVA am „Tatort Klassenzimmer“. Dort hatten sich Initiatoren, Organisatoren und Teilnehmer des Pilotprojekts „Berufsbezogener Sprachkurs“ zur feierlichen Zeugnisübergabe an die erfolgreichen Absolventen eingefunden. Nach knapp einjährigem organisatorischen Vorlauf war der Lehrgang im August mit den 20 Teilnehmern gestartet. Die bfz hatte sie in einem festen Auswahlverfahren aus 48 Bewerbern „herausgefischt“. Annette Grabow, stellvertretende bfz-Leiterin, stellte klar: „Dies sollte kein Alphabetisierungskurs werden. Wir wollten ein einigermaßen homogenes Sprachniveau in der Klasse.“ Arbeits- und Perspektivlosigkeit seien leider die häufige Ursache für den Rückfall in die Kriminalität bei Ex-Häftlingen. Darauf wies Dr. Harald Eichinger, stellvertretender Leiter der JVA Landsberg, hin. Deshalb hätten sich auf Anregung des Bayerischen Justizministeriums im September 2010 Vertreter der bfz und der JVA zusammengesetzt, um Möglichkeiten zur Qualifizierung von Strafgefangenen zu erörtern. Unweigerlich sei dabei die mit 47-prozentigem Anteil in der JVA einsitzende Personengruppe der Migranten mit ihren besonderen Defiziten im Sprachbereich ins Blickfeld des Expertenkreises gerückt.
Förderwürdiges Projekt
Mit Fördermitteln aus dem Topf des Europäischen Sozialfonds (ESF) und der organisatorischen Unterstützung des Bundesamts für Migranten und Flüchtlinge schnürten nun die Verantwortlichen der bfz „in enger und sehr guter Zusammenarbeit mit der JVA“, wie Annette Grabow ausdrücklich betont, ihr „Bildungspaket“. Eine Art „Dreier-Crashkurs“ wurde aufgelegt: Drei Monate lang sollten, einander abwechselnd, drei Referentinnen in Kurseinheiten à 30 Wochenstunden den Häftlingen Sprachkompetenz, im jeweils angestrebten Berufsumfeld und dem Arbeitsbereich allgemein vermitteln. Die Teilnahme am Unterricht war für die ausgewählten Bewerber verpflichtend.
„Hochmotiviert und sehr fleißig“ seien sie gewesen, lobte bei der Zeugnisvergabe Referentin Claudia Kress ihre Schüler und so hätten sie häufig nicht nur gute Lernfortschritte, sondern regelrechte Lernsprünge gemacht. Angst habe sie in der für sie ungewohnten Umgebung eigentlich nie gehabt. Zur Not wäre da ja immer der „Piepser“ an ihrem Gürtel gewesen. Ein eingespieltes Team hat sich offensichtlich in den vergangenen drei Monaten gebildet; diesen Eindruck hat der Außenstehende, wenn Häftlinge bei der Entgegennahme ihrer Zeugnisse immer wieder spontan die Gelegenheit nutzen, um sich bei „ihren“ Lehrerinnen zu bedanken und im Gegenzug mit den „allerbesten Wünschen für ihre Zukunft“ verabschiedet werden. Auftrag erfüllt.
Der Doppelauftrag an den Strafvollzug, zum einen die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten zu schützen und zum anderen mit den Inhaftierten sinnvoll zu arbeiten, sei im Pilotprojekt „Berufsbezogener Sprachkurs“ in idealer Weise erfüllt worden, sagte JVA-Vize Dr. Eichinger an die Adresse des BAMF-Vertreters Klaus Genzel. Dieser „vernahm das Rufen wohl“ und stellte eine Fortsetzung „des sehr erfolgreichen Projekts“ in Aussicht.

Kreisbote Landsberg, 18. 11. 2011

Treffen der Ehrenamtlichen in Landsberg
In der JVA Landsberg werden in regelmäßigen Abständen Treffen der Ehrenamtlichen abgehalten. Die Kontaktbeamtin Sozialinspektorin Kathrin Knupfer organisiert zuverlässig diese Treffen, stellt sich den Fragen der Ehrenamtlichen, wählt interessante Themen aus.
Am 10. 1. 2012 startete die Gruppe gleich mit einem interessanten Thema: Führungsaufsicht, befasst ist damit die Bewährungshilfe. Frau Gudrun Neumeyer, Bewährungshelferin beim LG Augsburg berichtete fachkompetent aus der Praxis. Berichtet wurde über die Grundvoraussetzungen sowie Prüfung der Notwendigkeit der Führungsaufsicht in der JVA. U. a. muss eine Freiheitsstrafe von mindestens 2 Jahren wegen einer vorsätzlichen Straftat oder eine Freiheitsstrafe von einem Jahr wegen einer Sexualstraftat komplett verbüßt worden sein (§ 68 StGB). Also der 2/3-Strafverbüßung wurde nicht stattgegeben. Wird eine Bewährung widerrufen, tritt nach Vollverbüßung in der Regel Führungsaufsicht ein.
Außerdem: Die Prüfung der Notwendigkeit durch die JVA fragt die Staatsanwaltschaft ca. 6-8 Monate vor Strafende ab. Einzelne Stellungnahmen durch die Fachdienste werden nötig, der Abteilungsleiter teilt Vorgehensweise mit. Das Entfallen dieser Maßregel wird befürwortet, wenn keine schwerwiegenden neuen Straftaten (gegen Leib und Leben) zu erwarten sind und auch z. B. bei Vollverbüßung aus behandlerischen Gründen ( z. B. wegen Beendigung einer Ausbildungsmaßnahme).
Über die elektronische Aufenthaltsüberwachung wurde rege diskutiert, bei welcher Gefährlichkeit des Probanden und des Delikts dies einen Sinn macht. Ein gelungener Treff mit interessanten Themen ging nach über 2 Stunden zu Ende.

Rudolf Repges

Entlass-Vorbereitungsgruppe der JVA Landsberg

Veranstaltung für Ehrenamtliche am 5. 10. 2011 (Kurzbericht):
Von Barbara Stolze und Kathrin Knupfer
Warum gibt es die Gruppe?
Das Training soll den Übergang von der Haft in die Freiheit erfolgreich gestalten helfen und soll den Gefangenen befähigen, den Alltag zukünftig selbständig zu planen, zu organisieren und zu kontrollieren (Life Management). Jedem Menschen stehen hierfür innere (persönliche) und äußere Ressourcen zur Verfügung. Der Gefangene soll im Laufe des Trainings seine persönlichen Ressourcen ebenso wie die vorhandenen Umweltressourcen erleben und lernen und damit umgehen. Im Vordergrund steht, dass dem Gefangenen hierfür handlungsrelevante Informationen vermittelt werden.
Bedingungen der Teilnahme
Der Gefangene befindet sich mindestens vier Monate vor seinem Entlassungszeitpunkt bzw. wird in absehbarer Zeit entlassen, beherrscht die deutsche Sprache, hat nach der Haft seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, zeichnet sich durch einen besonderen Hilfebedarf aus, wie eine besonders lange Haftstrafe, ein fehlendes soziales Netzwerk, fehlerhaftes Life Management. Vollzugslockerungen sind für die Teilnahme am Training nicht erforderlich. Alle Gefangenen, die sich für eine Teilnahme beworben haben und den oben genannten Kriterien entsprechen, werden zu einem Gruppen-Auswahlgespräch geladen, bei dem u.a. folgende Fragen thematisiert werden: Wann ist mit der Entlassung zu rechnen? Warum haben Sie sich für die Teilnahme beworben? Was erhoffen/erwarten Sie sich von einer Teilnahme? Besondere Themenwünsche? Was ist nach der Entlassung geplant bzgl. Wohnung und Arbeiten?
Ablauf
Das Training, an dem maximal 12 Gefangenen teilnehmen können, umfasst mindestens 13 und maximal 16 Einheiten à 90 Minuten und dauert ca. 4 Monate.
Mit folgenden Einheiten: kennen lernen, Gruppenregeln festlegen, Umgang mit Kritik und Feedback, die eigene Wohnung, ohne Moos nix los, finanzielle Absicherung nach Haft, Erfolgsrezepte und Misserfolg - Talente, Stärken vs. Schwächen, Bewerbungstraining, meine Rechte, der Umgang mit Behörden, Freiheit, Freizeit?, Kontakte & Konsum, Stressbewältigung, Abschlussrunde mit Rückmeldungen.
Weitere mögliche Themen: Versicherungen, Bundeszentralregister, Bewährungshilfe, Führungsaufsicht, Schulden, Sorgerecht, Führerschein.


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Straubing

Neujahrsempfang
Am 18. 1. 2012 hatte Anstaltsleiter Herr Ltd. Regierungsdirektor Matthias Konopka zum „Neujahrsempfang“ die ehrenamtlichen Mitarbeiter der JVA Straubing in den Musiksaal zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dies wurde rege angenommen, 33 Teilnehmer, seit langer Zeit gab es nicht mehr so guten Zuspruch. Hr. Konopka bedankte sich eindrucksvoll bei den ehrenamtlichen Betreuern für das geleistete Engagement im abgelaufenen Jahr. Mit dem gezeigten Engagement tragen wir maßgeblich dazu bei, den Inhaftierten wieder neue Sichtweisen und neuen Mut in einer sehr schweren Lebenslage zu vermitteln. Hervorgehoben wurde die Initiative der LAG e. V. zur Gewinnung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter, nach neuestem Stand haben 20 „Neue“ ihre Arbeit bereits aufgenommen. Diese Würdigung habe ich im Namen aller Ehrenamtlichen gerne entgegengenommen. Der Regionalleiter der Gruppe Straubing Herr Horst Münzer wurde natürlich für seine zuverlässige und ruhige Art für sein Wirken auch dementsprechend gewürdigt. Er ist es, der die vierteljährlich Treffen organisiert und durchführt. Der Nachmittag gestaltete sich sehr kurzweilig, Herr Konopka erklärte zum Thema Sicherungsverwahrung das neue Gebäude, welches innerhalb der Umwehrung errichtet wird. Sehr interessant für uns als Ehrenamtliche, die Gestaltung der Besucherterrasse sowie ein großzügiger Besucherbereich, der über eine besondere Torwache an der Südseite verfügt und über einen unterirdischen Tunnelzugang erreicht wird. Die einzelnen Zimmer werden mit separatem Sanitärbereich über ca. 15 qm verfügen. Die Aufschlusszeiten werden gegenüber heute verlängert, der Einschluss wird gegen 22:30 Uhr geplant. Insgesamt sind für das SV-Haus 71 neue Stellen vom Ministerium genehmigt worden. Aus meiner Sicht hätten dies durchaus noch einige mehr sein können. Rechtliches zum Thema Sicherungsverwahrung wurde vom Justiziar Herrn RR Clemens Schmid, Abteilungsleiter für die SV, aufschlussreich in Kurzform mitgeteilt. Wer ist betroffen, wie geht man damit um? Durch Nachfragen aus der Runde wurde auch die Position des Gefangenen in den Fokus gerückt. Hier sollte der Gefangene bereits vor der SV versuchen, seine Lage zu verbessern, heißt die neu geschaffenen sozialtherapeutischen Stellen zu einer Therapie auch anzunehmen. Diese sollen nach und nach auch zur Verfügung stehen. Der stellvertretende Leiter der Sicherheitsabteilung Herr Markus Dendorfer (Insp.i.JVD) berichtete aus der Sicherheitsabteilung über Ausbruchswerkzeuge, die im Laufe der Jahre sichergestellt wurden. Sicherheit wird weiter sehr hoch angesiedelt, aus gutem Grund! Manche Anordnung, die nicht auf Anhieb zu verstehen ist, wird erst angesichts bestimmter Vorfälle verständlich. Stellvertr. Anstaltsleiterin Frau Anja Ellinger erläuterte neben unterstützender Tätigkeit bei der Erklärung des SV-Hauses die eine oder andere „Behandlungsmaßnahme“ bei Zu- und Rückführung vom Besuch des Gefangenen. Insgesamt war die Zeit kurzweilig und wieder sehr schnell um. Ein sehr schöner Höhepunkt der Veranstaltung war es, dass in unserem Beisein der Kontaktbeamte Herr SI Frank Kagerbauer seine Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit entgegennehmen durfte. Die Anwesenden spendeten herzlichen Beifall. Wir, die LAG e. V., gratulieren hier nochmal ganz besonders! Die „Neuen“ erwartet im Frühjahr noch eine Führung durch die JVA. Die Teilnehmer empfanden die Einladung sehr interessant und die Mühen haben sich gelohnt. Vielen Dank für die Anerkennung, ein ereignisreiches Jahr ging für die JVA Straubing und deren ehrenamtlichen Mitarbeiter zu Ende – der Aufbruch in ein neues Betreuungsjahr hat schon begonnen! Viel Erfolg dazu an die Betreuer/innen sowie alle Guten Wünsche für die Bewerkstelligung der Einrichtung zur Sicherungsverwahrung für die Anstaltsleitung und alle damit Beschäftigten. Wenn man einen kleinen Einblick erhält, dann kann man nur sagen, sie leisten sehr gute Arbeit.

Rudolf Repges


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Landshut

Kein alltägliches Ehrenamt
Jährliches Treffen der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Justizvollzugsanstalt

Alle Jahre wieder bedankt sich der Leiter der Justizvollzugsanstalt, Leitender Regierungsdirektor Hans Amannsberger, gerne bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Justizvollzugsanstalt Landshut für ihre Mithilfe in der Resozialisierung von Straftätern. Da der Umgang mit Straftätern nicht gerade beliebt und angesehen ist, kann es den Ehrenamtlichen nicht hoch genug angerechnet werden, dass sie auf diese Weise einen beträchtlichen Beitrag leisten, aus Straftätern wieder gesetzestreue Mitbürger zu machen.
Zwar haben viele Gefangene der Justizvollzugsanstalt ihre Familien und Freunde, die sie nach einer Inhaftierung wieder aufnehmen und bei den ersten Schritten in Freiheit unterstützen. Bei der Arbeit mit den Gefangenen im Vollzug ist die Anstalt jedoch auf die vielfältigen Fähigkeiten der ehrenamtlichen Mitarbeiter angewiesen.
Für die zurzeit 551 Gefangenen und Jugendarrestanten stehen der Anstalt 53 Helfer zur Seite, unter anderem Anonyme Alkoholiker, kirchliche Gruppen, das Haus International, das Landshuter Netzwerk, aber auch Unterstützer anderer Behörden wie die Agentur für Arbeit oder die Stadt Landshut. Hierzu kommen Personen, die Einzelfallhilfe leisten und beispielsweise Gefangene bei Behördengängen oder Wohnungsbesichtigungen begleiten. Auch verschiedene Freizeitgruppen wie Sport -, Gitarren- oder Fremdsprachenkurse werden von Externen innerhalb der Mauern durchgeführt. Zum alljährlichen Gesprächs- und Informationsaustausch gab Anstaltsleiter Amannsberger einen Rückblick über das Jahr 2011 in den Bereichen Arbeitsbetriebe innerhalb der Anstalt, wobei das Catering der Anstaltsküche für externe Veranstaltungen besonders häufig gelobt werde. In diesem Bereich werden auch ständig Gefangene zu Köchen ausgebildet. Gefangene haben mit Unterstützung der Agentur für Arbeit auch die Gelegenheit, sich zu Fachkräften im Bereich der Photovoltaik und erneuerbaren Energien umschulen zu lassen.
Im sozialen Training werden Kurse zur Beherrschung aufkeimender Aggressionen angeboten. Was noch fehle, so Amannsberger, sei ein ehrenamtlicher Betreuer für eine Schachgruppe. Bei einer schmackhaften Brotzeit aus der Anstaltsküche wurden schließlich die unterschiedlichsten Themen zwischen Ehrenamtlichen und Fachdiensten der Anstalt in gemütlicher Runde diskutiert.
Weitere ehrenamtliche Helfer im Strafvollzug werden gesucht. So soll demnächst versucht werden, Personen für die Arbeit mit Jugendarrestanten, welche in der Regel 14 bis 21 Jahre alt sind, zu gewinnen. Dies könnten beispielsweise pensionierte Lehrer sein, die den Jugendlichen Unterricht in Deutsch, Mathematik oder Sozialkunde geben.

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Kaisheim

Einladung zur Weihnachtsfeier der Sozialtherapeutischen Abteilung
Anfang Dezember erreichte mich die Einladung der Abteilung Sozialtherapie für Gewalttäter, welche von den Mitarbeitern und den Teilnehmern ausgesprochen wurde, der 20. Dezember 2011 war hier vorgemerkt. Freundlich wurden die Ehrenamtlichen an der Torwache empfangen und wir durften uns im Warteraum der Besucher sammeln, um dann von Dienststellenleiter Herrn Becker abgeholt zu werden. Ein umfangreiches Programm wurde den erschienenen Ehrenamtlichen geboten. Im Kinosaal wurde ein Theaterstück mit dem Titel „G’heirad werd“ aufgeführt. Das Stück wurde von 5 Therapieteilnehmern sowie einer Beamtin der Sozialtherapiestation aufgeführt. Es handelte sich um eine Verwechslungskomödie, die beim Publikum, hier waren auch noch der stellvertretende Anstaltsleiter Herr RD Mitterer sowie andere Beamte aus den verschiedenen Bereichen der JVA anwesend, sehr gut ankam – es konnte herzhaft gelacht werden! Manches Talent schlummert hier bei den Mitwirkenden, wirklich gekonnt dargebracht. Sehr positiv überrascht hat mich mein derzeit Betreuter dort. Noch relativ kurz vor Aufführung dazu gestoßen, spielte er seine wichtige „Obrigkeiten“-Rolle in diesem Stück sehr gut. Das viele Proben durfte nun in einer gelungenen Darbietung präsentiert werden. 45 Minuten Kurzweil waren im Nu vorbei. Dann durften wir in die Abteilung, hier war an zwei großen Tischen perfekt gedeckt. Plätzchen, Stollen, Lebkuchen und „Kinderpunsch“ sowie Kaffee und Getränke standen reichlich bereit. Dann wurde ein Gedicht vorgetragen - eine gute Vorstellung des Gefangenen. Einer kurzen Pause folgte dann noch ein „Rapper-Nikolaus“, welcher uns in musikalischer Art und Weise humorvoll (war aber wohl doch nicht ganz ernst gemeint) seine persönliche Meinung über die anderen Mitgefangenen, per „Rappgesang“ mitteilte. Ein sehr schön geschmückter Weihnachtsbaum verschönerte das Ambiente noch. Die Mühen dieser Veranstaltung, welche gerne noch ein paar Ehrenamtliche zu Besuch aufgenommen hätte, haben sich wirklich gelohnt – zum Ende haben wir fast zeitlich überzogen. Wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören, war hier jedoch die etwas vorgegebene Devise. Persönlich würde ich mich sehr freuen, wenn die Therapieteilnehmer z.B. auch diese Rückmeldung positiv für sich umsetzen könnten. Ein herzliches Dankeschön für diese genehmigte und durchgeführte Veranstaltung an die Leitung der JVA Herrn Ltd. Reg.-Direktor Kirchhoff, an die Leitung der Sozialtherapeutischen Abteilung Gewalt, Frau M. Egeter, Herrn Dienststellenleiter Herr Insp. Becker sowie alle Sozialtherapeuten, Dienstbeamten der Abteilung sowie allen beteiligten Angestellten und Mitwirkenden. Es war ein gelungener Abend und ein gutes Miteinander.

Rudolf Repges, ehrenamtlicher Betreuer, JVA Kaisheim


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Aschaffenurg

Main Echo,17. Januar 2012

„Ein großes Herz“
Soziales: Brigitte Bühler erhält für ihr Engagement für Bedürftige die Verdienstmedaille

Ihr Motto: „Gutes tun tut gut“
Aschaffenburg - Brigitte Bühler hat anlässlich der Verleihung der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland Verstärkung mit in den kleinen Sitzungssaal des Rathauses gebracht: ihre Tochter, die vier Söhne, einen Enkel, Freunde, Nachbarn, Weggefährten. Mit ihnen teilt die Frau aus dem Aschaffenburger Stadtteil Strietwald die Freude über die besondere Auszeichnung.
„Gutes tun tut gut“ - so lautet einer der Leitsätze, an denen sich die seit 2008 verwitwete Mutter von fünf Kindern und Oma von neun Enkeln im Leben orientiert.
Was sie in den vergangenen drei Jahrzehnten an ehrenamtlichem Engagement für Obdachlose, Gefängnisinsassen und andere Bedürftige geleistet hat, zählt Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) bei der Verleihung auf: Brigitte Bühler hat 350 Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Aschaffenburg (JVA) betreut. Die 67-Jährige hat sie mit vielen kleinen Schritten unterstützt, den Weg in ein geordnetes Leben wiederzufinden, bei der Wohnungs- und Arbeitssuche geholfen.
Bühler ist Gründungsmitglied des Vereins Grenzenlos und hat das Café und den Verein „Wegweiser für Bedürftige und Obdachlose“ in der Glattbacher Straße aufgebaut, dessen Vorsitzende sie seit Jahren ist.
„Ihr großes Herz, Ihre innere Wärme verdient große Anerkennung. Wir sind stolz auf Sie“, lobt der OB. Landtagsabgeordneter Winfried Bausback (CSU) dankt Bühler in seiner Funktion als Vorsitzender des Anstaltsbeirats der JVA: „Jeder Gefangene, den Sie auf den rechten Weg gebracht haben, ist ein gewonnener Mensch für unsere Gesellschaft.“
„Es war und ist ein harter Kampf, aber kämpfen lohnt sich“, bilanziert Brigitte Bühler. Sie dankt der Stadtverwaltung für die Unterstützung. »Aufopferungsvoll und oft mit letzter Kraft« habe sie Gutes getan, sagt Susanne Bott, eine langjährige Freundin.
„Wir wissen gar nicht, wie die Mama das alles gepackt hat“, staunen ihre fünf erwachsenen Söhne und Töchter zwischen 28 und 47 Jahren. Die Familie habe aber immer an erster Stelle gestanden, betonen die Kinder einhellig. Sohn Ralf ist mit 47 Jahren der älteste und hat großen Respekt vor den ehrenamtlichen Taten seiner Mutter.
„Ein echtes Vorbild“
„Sie besitzt so viel uneingeschränkte Nächstenliebe, ein erfülltes Herz, sie würde am liebsten die ganze Welt verändern. Sie ist ein echtes Vorbild für uns.“ - „Und sie hat uns gezeigt, dass wir ohne Vorurteile auf andere zugehen sollen“, sagt Markus Bühler (28).
Er war gerade auf die Welt gekommen, als seine Mutter zufällig ihre ersten Erfahrungen als „Streetworkerin« machte: „Ein junger Mann war in argen Nöten, musste ins Gefängnis. Ich habe ihm geholfen“, blickt Brigitte Bühler, deren Mann Gerhard 2008 nach 47-jähriger Ehe starb, auf den Beginn ihrer ehrenamtlichen Sozialarbeit zurück. Wie sie damals alles auf die Reihe gebracht, woher sie die Kraft genommen hat, das weiß die Medaillenträgerin heute nicht mehr: „Jeder hat im Leben seinen Platz, auf den er gestellt wird. Meiner ist eben hier.“

Cornelia Müller

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Bernau

Die offene Gesprächsgruppe EXODUS (= geh raus aus Dir!) in der JVA Bernau besteht seit April 2009 und wird seitdem von den Inhaftierten sehr gut angenommen und besucht. Die Gruppe findet jeden Montag von 19.00 – 21.00 Uhr statt und wird von zwei Leitern/Moderatoren begleitet. Es wären noch mehr Teilnehmer, doch wir begrenzen sinnvoll die Gruppe auf ca. 15 Teilnehmer, wobei hier nicht zu streng gewertet wird, denn das Angebot ist mehr als nötig! Die Gesprächsthemen werden zusammen mit den Gruppenteilnehmern gewählt und sehr offen – ohne Gegenwart eines Beamten – besprochen. Dadurch geht auch der einzelne Teilnehmer doch besser aus sich heraus. Hervorzuheben ist der gute „Gruppengeist“, gegenseitiger Respekt – gutes einander zu hören, Toleranz bei Beiträgen entgegen der eigenen Meinung. Gerade dies zeigt eine gute Gruppe, dies auch mal auszuhalten. Unterschiedliche Vitas tragen auch zu unterschiedlichen Ansichten bei, die man in der Gruppe äußern darf. Unterschiedliche Besetzungen der Gruppe führten bisher auch zu 8 verschiedenen Herkunftsländern mit entsprechenden Kulturen und Lebenserfahrungen.
Im Jahr 2011 wurden insgesamt 25 vielfältige Themenbereiche gewählt, welche auch über mehrere Gruppenstunden verliefen. Unter anderem waren folgende sehr interessante und gut diskutierte Themen im Gespräch:
1. Verletzungen und Mitleid (Wem habe ich weh getan – Wer tut mir leid?; Wer hat mir weh getan – Wem tue ich leid?
2. Liebe und Sexualität (Woran merke ich, dass ich mich liebe oder nicht liebe?)
3. Von zwei Teilnehmern vorbereitet: Frauen (Was erwarte ich oder brauche ich von Frauen? – Was kann ich Frauen geben?)
4. Maske (Textbearbeitung – Jeder läuft mit einer Maske umher)
5. Rückfallvermeidung (Arbeits-blatt hierzu, Aufgabe von EXODUS, hier beginnt die Resozialisierung, hier in der Gruppe!
6. Gewaltszenen auf Bildern – zuordnen und erklären; (Was heißt für mich Gewalt?).
7. Vater, wo bist du? (Die Rolle des Vaters in meinem Leben – gute Väter/böse Väter)
8. Ängste in der Haft (Aktuelle Befindlichkeiten, welcher Umstand löst Angst aus?)
9. Heimat (Wo bin ich daheim?)
10. Was bedeutet mir Glauben und Religion? (Welche Fragen an die Religion – welche Antworten gibt mir die Religion? Unterschiedliche Konfessionen, Glaubensansichten)
11. Weihnachten (Welche Erinnerungen hab ich an Weihnachten? – Wie erlebe oder überlebe ich Weihnachten in der Haft?)

Dies nur ein Auszug, bei Gelegenheit weitere behandelte Themen in der Runde. Über die rege Annahme dieser Gruppe freut sich ganz besonders das engagierte EXODUS-Team:
Alexander Diephold, Heidi Lechner, Günther Mühlbauer, Rudi Repges sowie Bruni Rollner.
Die Moderatorenteilnahme wechselt neben der stets durchführenden Bruni Rollner im wöchentlichen Rhythmus - wir wünschen uns noch mehr Mitarbeiter aus der Region für diese interessante Aufgabe! Dieses Jahr ist eine Werbeaktion ins Auge gefasst.

Exodus-Team, Bernau im Januar 2012


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Kempten

Ehrenamtlichen-Engagement in der Kemptener Justizvollzugsanstalt gewürdigt
Beim Neujahrsempfang der ehrenamtlichen Helfer in der Kemptener Justizvollzugsanstalt, zu dem mehr als vierzig Personen erschienen waren, würdigte der stellvertretende Anstaltsleiter Uwe Siller die geleistete Arbeit des vergangenen Jahres.
Die Arbeitsbereiche seien vielfältig und reichten von Einzelbetreuungen über Schachturniere, Organisation von Veranstaltungen, Deutsch und Fördergruppen bis hin zu Bibelarbeit und Gestaltungen in der Advents- und Weihnachtszeit. Derzeit würden diese Aufgabenfelder von der Straffälligenhilfe Allgäu, den Anonymen Alkoholikern, den Narcotics Anonymus sowie Einzelpersonen abgedeckt. Siller betonte die gute Art der Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Vollzugspersonal, die sich schon viele Jahre bewährt habe.
Im Jahr 2011, so Siller, seien die Belegungszahlen deutlich angestiegen, so dass derzeit 420 Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Kempten untergebracht sind. Dreißig davon sollen im Sommer 2012 nach Memmingen zurück verlegt werden, wo derzeit umfassende Sanierungsarbeiten anstehen.
Im Durchschnitt sind die Häftlinge in Kempten 103 Tage untergebracht, höchstens aber drei Jahre bei Erstvollzug und zwei Jahre bei Regelvollzug.
Mit 40,4% Beschäftigungsquote könne man, so der stellvertretende Leiter, nicht klagen. Die Einnahmen von Kempten und Memmingen durch Beschäftigungsverhältnisse der Gefangenen betrugen im vergangenen Jahr 1.244.000 Euro. Als neuer Arbeitgeber konnte die Stadt Kempten gewonnen werden, die vier Häftlinge im Straßen- und Winterdienst einsetzt.
Obwohl der Kemptener Standort über keine internen Ausbildungswerkstätten verfüge, doch fünf Gefangene 2011 den Hauptschulabschluss mit Lagerqualifizierung erhalten. Dies sei mit Hilfe externer Lehrkräfte möglich gewesen. Das Angebot besteht auch 2012.
Die Ehrenamtlichenteams konnten vier Neuzugänge verzeichnen und gründeten die sogenannte 3-G-Gruppe, die für Geselligkeit, Gespräch und Gehirn steht. Ein neu gestalteter Gruppenraum, der größer und leichter erreichbar ist, bietet ab sofort noch bessere Arbeitsmöglichkeiten.
Küchenchef Jörg Welsch, der für die Ehrenamtlichen „original JVA-Gulaschsuppe“ gekocht hatte, schloss sich dem Dank Sillers an und betonte „Wenn Sie nicht wären, hätten wir alle hier mehr zu tun.“

Emil Wagner


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Nürnberg

Kunstausstellung
Vom 5. bis 26. 2. 2012 durften wieder 12 Männer aus der Untersuchungshaft-Abteilung der JVA Nürnberg ihre Kunstwerke „Innenansichten“ darbieten.
Innenansichten, um ihre Gefühle nach außen tragen zu dürfen in einer sehr schwierigen Situation. Die Aktion trägt maßgeblich dazu bei, die Gedanken der Inhaftierten hier zumindest ein klein wenig zu ordnen und auch ihre Befindlichkeiten auszudrücken. Sozialpädagogin Sabine Schnee und Anstaltsseelsorger Frank Baumeister unterstützten die Inhaftierten bei der Umsetzung.
Getragen wird diese bemerkenswerte Aktion von Anstaltsleiterin Frau Ltd. Regierungsdirektorin Renate Schöfer-Sigl, das Forum für die Ausstellung wurde von Gabriele Wahl, Kulturladen, Schloss Almoshof, Almoshofer Hauptstraße 49-53, zur Verfügung gestellt. Vielen Dank für die Unterstützung. Diese Kulturausstellung entwickelt sich mit ihren wunderbaren Bildern zum Markenzeichen der U-Häftlinge - aber auch zum Nachdenken darüber. Dank an die 12 Männer der Kunstgruppe für ihre Seeleneinblicke!
(rr)

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Passau

Der LAG e. V. ist es gelungen, die Künstlerin und Autorin Root Leeb für eine Lesung in der JVA Passau zu gewinnen. Aus Ihrem Buch "Die Tramfrau" werden einige Kapitel aus dem Alltag und den Wünschen einer Trambahnfahrerin vorgetragen.
Root Leeb brachte bereits einige „Alltagspublikationen“ auf den Markt. So zum Beispiel auch „Mittwoch Frauensauna“ im ars-vivendi-verlag, ebenso zusammen mit ihrem Mann Rafik Schami: „Die Farbe der Worte“. Mehrere Lesungen hat sie bereits mit viel Zuspruch und Erfolg durchgeführt.
Die stellvertretende Anstaltsleiterin Frau Anja Ellinger koordiniert mit dem Passauer Dienststellenleiter Herrn Ascher dieses kulturelle Event.
Termin 2. April 2012 um 15 Uhr in der JVA Passau, die Anstaltsleitung sowie die Autorin hoffen auf rege Teilnahme der Inhaftierten. Einen Bericht hiervon lesen Sie in der nächsten Ausgabe.
(rr)

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Straubinger Tagung 2012

Freitag, 14. bis Sonntag, 16. September 2012
Justizvollzugsschule Straubing

 

Mitgliederversammlung 2012

Samstag, 13. Oktober 2012
Im Kloster St. Stephan,
Stephansplatz 6, Augsburg p> 
Augsburger Gespräche 2013

Samstag, 16. März 2013, 9:00 bis 17:00 Uhr
Kloster St. Stephan
Stephansplatz 6, Augsburg



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"Man darf niemanden seine Verantwortung abnehmen,

aber man sollte jedem helfen, seine Verantwortung zu tragen."

Heinrich, Wolfgang Seidel, deutscher Schriftsteller (1876-1945)         


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© LAG 2012-03-22