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Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 77


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LAG-Info 77       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Spenden, Neue Mitglieder, Dank
Vorstand berichtete
Steckbrief
Das Thema
Standpunkte im Namen des Volkes
Rede und Gegenrede
Leserbriefe
Bastelausstellung Straubing
Info-Abend
Grundseminar
AA in JVA's
Straubinger Tagung
16 28 meint
Bemerkenswert
Regionen
- Straubing
- Bayreuth
- München
- Ebrach
- Kaisheim
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Leserbriefe
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

„Standpunkte“ ist heute unser Begleitthema. Diese können vielfältig sein, mein eigener Standpunkt z.B. in Meinung, Ansichten, Taten – sowie in „festen Bestandteilen“, Örtlichkeit, Objekten, Bodenhaftung. Mein eigener Standpunkt spiegelt meist meine Meinung, Einstellung zu bestimmten Handlungsweisen in meinem Sein wider. Betrachten wir ein schönes Gebäude – in der Vorderansicht ist es in einem wunderbaren Farbton angestrichen, jetzt wo wir es genau betrachten und um das Gebäude herumgehen, stellen wir fest: hinten blieb es in einem einheitlichen Grauton. Wir verändern durch das Herumgehen unseren Standort und gleichzeitig auch unseren „inneren Standpunkt“ bezogen auf die erste Meinung zu dem Haus.
Der Standpunkt der Örtlichkeit hat sich verändert, dadurch ist uns auch eine neue Sichtweise erschlossen worden. Wenn wir von oben, z. B. von einem Berg, hinunter schauen, erscheint uns alles viel, viel kleiner, winzig – und doch ist alles gleich geblieben, wir sehen es nur aus größerer Entfernung. Für was stehe ich im Leben ein? Welche moralischen Werte sind mir wichtig? Aus meiner Sicht ist es wichtig bei seinen Grundfesten zu bleiben, die für jeden naturgemäß unterschiedlich sind. Andere innere Standpunkte auch zuzulassen gehört mit einbezogen, hier wären wir wieder bei der Empathie für unser Gegenüber. Welchen Standpunkt wird wohl unser Gefangener gehabt haben, als er kurz vor der Tat war? Wut? Verzweiflung? Einsamkeit? Unverständnis? Ungerechtigkeit? Ohne Heimat? Viele Faktoren gehörten hier sicher dazu. Nun heißt es, einen neuen Standpunkt gewinnen, aus dem bisher gescheiterten Vorgehen ein Miteinander zu machen. Hier können wir als ehrenamtliche Mitarbeiter entscheidend Einfluss nehmen, ihn seinen Standpunkt bewußt machen, Gesetze aus eigener Sicht für sinnvoll zu erachten. Ihm vermitteln, er könnte seinen Standpunkt aus den inneren Werten überprüfen. Der örtliche Standpunkt ist derzeit das Gefängnis, das von Mauern umgeben wird. Dies beutet generell Einengung, Zwang, sich fügen müssen, kaum mehr frei entscheiden können. Zielvorgabe ist, die Mauern wieder zu verlassen, in die Freiheit mit neuen Sichtweisen zu gehen. Dies beinhaltet auch, den Standpunkt der Opfer nicht zu vergessen. Ihm mit Ehrlichkeit gegenüber sitzen und auch thematische Gespräche aus unserem Standpunkt führen. Das Leben verändert sich stets, nichts bleibt so, wie es ist. Die Standpunkte verschieben sich, Meinungen ändern sich, durchaus zu Recht, wenn man erkennt: das war jetzt falsch. Manchmal wird dadurch auch eine Grundfeste erschüttert, jedoch es geht weiter. Wir dürfen unsere Ansichten auch mal ändern, jedoch sollten wir immer mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, einen festen Standpunkt eben haben, wie ein Baum mit seinen Wurzeln. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Boden immer spüren und Ihrem Gefangenen neuen Boden geben für ein Leben nach den Mauern, mit einer neuen Zielsetzung auf festem Grund.
Ihr
Rudi Repges


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Der Vorstandberichtet

Am 4. 7. 2011 fand in guter Atmosphäre ein Arbeitsgespräch im Justizministerium mit Herrn Ministerialrat Horst Krä statt. Anlass waren aufgelaufene, aus meiner Sicht wichtige Punkte, und in Kürze wurde uns ein Gesprächstermin angeboten. Teilgenommen hat an dem Gespräch auch Alt-Vorsitzender Norbert Merz.
Die Themen waren vielseitig, z.B., die verschlechterten Besuchsregelungen insbesondere für ehrenamtliche Mitarbeiter in einigen JVAen wieder zu verbessern. Dabei habe ich auch darauf hingewiesen, wenn machbar sogenannte Abendbesuche (bis 19 Uhr) zu gestatten. Als Beispiel habe ich die JVA Landsberg genannt, wo dies möglich gemacht wird. Davon würde natürlich auch jeder andere Besucher, der berufstätig ist, profitieren. Alles hängt von der örtlichen Arbeitszeit, gesetzlichen Vorschriften (z.B. Hofgang), internen Schließvorgängen sowie Personalknappheit ab. Dennoch haben wir auf dieses Problemfeld hingewiesen. Ein weiterer wichtiger Punkt war für mich, den Finanztitel für die ehrenamtliche Betreuung wieder aufzustocken. JVAen sind teilweise weiter in Rückstand mit den Auszahlungen. Immerhin wurde aber im aktuellen Doppelhaushalt der Titel für Auslagenerstattung von zuvor 45.900,- € auf jeweils 55.000 € für 2011 und 2012 erhöht. Insbesondere wurde auch die Möglichkeit einer Beschränkung für weiter anreisende Ehrenamtliche beleuchtet, um mit dem Budget derzeit auszukommen. Ich erinnerte an München, wo einige Ehrenamtliche in Regionen fahren, die strukturell die Anzahl an Ehrenamtlichen nicht stellen können. Herr MR Krä wird sich diesem Thema nochmals widmen. Auf Anregung von Norbert Merz wurden auch die Tätigkeiten „professioneller Ausbilder nach Business-Plan“ in der JVA Landsberg angesprochen. Vor– und Nachteile diskutiert. Eine Ausgewogenheit der zeitlichen Aufwendungen mit den bisher tätigen Ehrenamtlichen in Erinnerung gerufen. Diese Aktion ist vom Ministerium initiiert worden.
Gewinnung neuer Ehrenamtlicher durch mehr Öffentlichkeit wurde angesprochen. Mein Hinweis: die Generation + 70 zieht sich massiv zurück. Wenn wir heute die Neugewinnung von Ehrenamtlichen nicht angehen, dann haben wir zeitnah ein erhebliches Problem, neue Ehrenamtliche zu stellen. Im Strafvollzugsgesetz sind wir erwähnt und gewollt, also sollte man es angehen. Dazu wurden Ideen notiert, Interview unter der Mitwirkung von Herrn Prof. Dr. Frank Arloth, 1. Vorsitzender des Bay. Landesverbandes Gefangenenfürsorge, vorgeschlagen. Herr Prof. Dr. Arloth signalisierte Zusammenarbeit und ließ ausrichten, er sei immer bereit, bei den Ehrenamtlichen zu helfen. Die Ausarbeitung des BayUVollzG wurde uns vorgelegt, das die erste Lesung gerade passiert hatte. Erfreulich wurden hier auch die Ehrenamtlichen im Gesetzestext verankert, Art. 126 und Art. 127! Außerdem wurden mir, auf meine Bitte, die Verwaltungsvorschriften (VV) für das BayVollzG zugesandt um praxisnah nachlesen zu können. Erinnert wurde von mir noch an den neuen Flyer des Justizministeriums zur Gewinnung neuer Ehrenamtlicher, damit dieser bei der Straubinger Tagung vorliegen kann. Die Straubinger Tagung wurden auch kurz behandelt bei diesem Gespräch, für das ich mich ganz herzlich bei Herrn Ministerialrat Horst Krä nochmals bedanke, sowie bei Norbert Merz, der mit seiner Fachkompetenz etliches wieder einbrachte und auf Schwierigkeiten hingewiesen hat.
Herr Ministerialrat Horst Krä bedankte sich bei uns für die Arbeit der Ehrenamtlichen, was wir gerne weitergeben.
Er freut sich auf das Gespräch mit uns bei der Straubinger Tagung, bemerkte er abschließend.

Rudolf Repges
Vorsitzender LAG e. V.

 

Besuch in der JVA Bernau
Arbeitsgespräch mit Kontaktbeamten Markus Rotter am 11. 7. 2011
Vorstellung und gemeinsame Diskussion über Zielsetzung ehrenamtlicher Betreuung. Festgestellt wurde, dass ohne ehrenamtliche Mitarbeiter sich wenig bewegen würde bei den Strafgefangenen. Die JVA Bernau ist sehr dankbar für die vielen Aktivitäten der Ehrenamtlichen. Angesprochen wurde ein runder Tisch bei Entlassvorbereitungen, der Ehrenamtlichen mit einbindet bei wichtigen Entscheidungen. Derzeit sind 15 Einzelbetreuungen aktiv, weiterer Bedarf in dieser Richtung wird in der JVA Bernau derzeit nicht angemeldet. Alle in Frage kommenden Probanden haben einen Betreuer.
Außer den Einzelbetreuungen gibt es zahlreiche weitere „Aktivitäten“, welche von Ehrenamtlichen auch geleitet oder mitgestaltet werden. Für türkische Inhaftierte kommt ein Imam ins Haus, katholische und evangelische Seelsorger veranstalten Gottesdienste und Treffen. Eine Drogengruppe kommt regelmäßig zusammen, ebenso wie die anonymen Alkoholiker, die Exodus-Gesprächsgruppe jede Woche Montag. Seit neuestem hat sich ein Vollzugsbeamter dem Aufbau einer Modellbaugruppe gewidmet, die neu gegründet wird.
Und für die Ausgeglichenheit sollte die Joga-Gruppe ihren Erfolg verzeichnen. Alles in allem ein gutes und umfangreiches Programm für die Inhaftierten, die an diesen Angeboten auch zahlreich teilnehmen. Die JVA Bernau zeigt sich aus meiner Sicht sehr aktiv und mit viel Verständnis für die Ehrenamtlichen.
Speziell für die soziale Gesprächsgruppe „Exodus“ wurde ich als wechselnder Co-Moderator zugelassen und dementsprechend belehrt. Meine Zulassung erhielt ich am 12. 7. 2011. Die Gruppe zeigt sich variabel in der Besetzung und sehr interessant mit den Themen. Bei der letzten Runde am 8. 8. 2011 wurde eine Impuls-Fragestellung zu verschiedenen Themen behandelt. Sehr interessante Antworten, rege Diskussion, auch der Glaube kam in dieser Runde dran. Jeder durfte seine Ansicht darüber auch behalten. Dies wird folgend weiter behandelt. Sehr harmonisch ging die Runde auseinander. Ich freue mich auf die nächste Teilnahme im September. Diese Gruppengespräche erweitern den Horizont, da von den Inhaftierten wirklich sehr gute Antworten auf den Fragebogen kamen.
Rudolf Repges


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Standpunkte

Was heißt Standpunkt? Heißt es einen Standpunkt haben, einen Standpunkt einnehmen, einen Standpunkt verteidigen?
Einen Standpunkt wofür, wozu, welchen, warum, weshalb?
Ist das nicht etwas Unveränderliches, nicht Diskutierbares, Felsiges, Zementiertes? Einen Standpunkt zu haben macht mich ausrechenbar. Man kann mich einordnen.

 

Wo steht die LAG e.V.?
Diese Frage wurde in Einzelkritiken ein paarmal an mich schon herangetragen. Konstruktive Kritik ist immer erwünscht, wenn sie nicht beleidigend oder beschämend wirkt. Als Vorsitzender stehe ich letztendlich immer in der Gesamtverantwortung des Wirkens unseres Vereins. Dieser Verantwortung bin ich mir von Anfang an bewusst gewesen. Wer bei der Mitgliederversammlung 2010 dabei war, weiß, dass ich gesagt habe: Ich versuche es, dies gelingt nur mit Hilfe aller Beteiligten . Wenn dann ein Briefschreiber anfragt, was macht „Ihr“, dann bin ich schon so frei und sage: Das „Ihr“ sind wir alle, alle Mitglieder stehen in der Verantwortung. Dies kann eine Übernahme eines Amtes sein, hier kann man beweisen wie man es selber gerne machen möchte, oder durch konstruktives Einbringen eines Vorschlages, der dann in der nächsten Vorstandssitzung behandelt wird. Dass es für den neuen Vorstand nicht einfach wird, ist für jeden ja sicher nachvollziehbar. Warum mischt sich die LAG e.V. nicht in Justizskandale, wie z.B. in Nürnberg ein, wo sogar die Justizministerin um Hinweise gebeten hatte? Dies war eine Fragestellung aus einem Kritikbrief. Weil ich als Vorstand mich nicht durch Medienberichte in Sachen einmische, von denen mir nichts direkt bekannt ist. Falls es mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter zu tun hat, dann sind wir natürlich da. Ein Hinweis stets auch an unsere neuen ehrenamtlichen Mitarbeiter: Wenn Sie denken, die Justiz ändern zu wollen, scheitern sie!
Zum Verständnis, wie in unserer Satzung ja niedergeschrieben: Wir sind generell unabhängig von jeder Politik, jeder Hilfeeinrichtung sowie jeder Konfession. Wir arbeiten aber gerne mit jedem Hand in Hand und sind auch unterstützend tätig, wie bei Grundkursen. Außerdem ist unsere Aufgabe, ehrenamtliche Mitarbeiter bei ihrer wertvollen und verantwortungsvollen Arbeit an bayerischen Justizvollzugsanstalten zu unterstützen, um die Wiedereingliederung Strafgefangener mit allen Beteiligten des Vollzugs zu fördern. Hier sind wir Ansprechpartner, wenn es um Probleme in Einzelfällen geht, wenn es um die finanzielle Ausstattung des entsprechenden Finanztitels geht (hier liegt die Bitte um wieder etwas mehr Erhöhung bereits im Ministerium), wenn es um das Ausrichten neuer Grundkurse geht oder um mehr Öffentlichkeit.
Hier ist die LAG e.V. am Arbeiten um die Situationen zu verbessern. Sie, liebe Mitglieder, dürfen sicher sein, dass wir unser Bestes geben, um den Standpunkt der Ehrenamtlichen zu stärken und weiter zu fördern. Die Arbeitsgespräche im Ministerium zeigen mir, wir werden wahrgenommen, wir sind anerkannt. Ein „auf den Tisch hauen“ bringt nichts. Wir versuchen konstruktiv miteinander umzugehen, für gewisse Verbesserungen brauchen wir auch selbst etwas Geduld. Diese fordern wir ja auch von unserem Probanden manchmal ein, wenn in der JVA wieder mal etwas nicht so schnell vorwärtsgeht, wie dieser und wir es gerne hätten.
Manchmal wird gefragt: Sind Gesprächsgruppen, geförderte Maßnahmen wie z. B. Xenos etc. sinnvoll, entsprechen solche „Betreuungen“ den Vorstellungen der Gefangenen? Auch hier gibt es eine klare Aussage von mir: JA, die Frage habe ich in der Bernauer Gesprächsgruppe bereits gestellt, alle anwesenden Gefangenen haben sich klar für diese Gruppe ausgesprochen. Es ist auch keine Einzelbetreuung, hier unterscheidet es sich eben. Aber auch hier sind Ehrenamtliche am Werk. Wenn man dann die Statistiken der geförderten Projekte sieht, wo auch Hauptamtliche mitwirken, diese nicht gleich versteht und dabei fragt, ob das der Gefangene braucht, so sage ich auch JA, denn jede Maßnahme, erscheint diese auch noch so kompliziert, ist sinnvoll, wenn man beim Gefangenen neue Sichtweisen, Standpunkte, Ideen weckt und er sich wieder wahrgenommen fühlt. Jeder Ehrenamtliche kann aber seine „Betreuung“ so gestalten, wie er es zunächst mal für sinnvoll hält. Mit dem Betreuten werde ich vorher darüber spreche, wie oft komme, was er sich vorstellt usw. Wie sich das bewährt. wird sich im gemeinsamen Erarbeiten zeigen, und man darf immer auf interessante Situationen sich freuen.
Ich wünsche mir, dass der Vorstand den Ansprüchen und Vorstellungen der Mitglieder doch gerecht wird. Wir bemühen uns, in unserem zeitlichen Rahmen bestmöglich zu arbeiten.
Rudolf Repges


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Standpunkte im Namen des Volkes

Essay (stark verkürzt) aus der SZ vom 10. 7. 2011
Rückblick des Richters Benno Hurt, jetzt i. R., fragt sich nach 35 Jahren Richteramt, war ich ein guter Richter?
Zwei Erlebnisse mit Strafrichterkollegen lassen mich zweifeln, ob ich ein richtiger Richter war. Das erste – ich traf einen Kollegen, wir treffen uns beide im Ruhestand, er sagt zu mir, als wir am Justizgebäude vorbei gingen...nicht einen Gedanken verschwende ich an sie (gemeint waren wohl die Verurteilten).
Das zweite – ein Treffen mit einem ehrenwerten Kollegen, der inzwischen zum Vorsitzenden eines Schwurgerichts aufgestiegen ist, er hatte kein Mitgefühl für Täter, die zu langen und gelegentlich lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, einmal abgeurteilt, seien sie aus seinem Leben gestrichen, so glaube ich habe ich es einmal gelesen.
Dass Menschen über Menschen richten, ist gesellschaftlich notwendig und doch nicht selbstverständlich. Konnte ich an dem Haus, wo ich 35 Jahre geurteilt habe, vorbeigehen und nicht doch an die Folgen der Urteile denken? Habe ich dann vor 35 Jahren mich für den falschen Beruf entschieden? Mir stellt sich die Frage nicht nur rhetorisch. Irgendwo bei Hemingway steht sinngemäß, dass man mehr für sein Geld bekommt, wenn es einem gelingt, das Gefühl herauszuhalten. Mir stellt sich dieser Erkenntnis ein Bild in den Weg. Es hatte sich mir an einem Sonntagmorgen, den ich im Gericht verbrachte, geboten. Von meinem Büro aus blickte ich auf das Gefängnis. Vor den vergitterten Fenstern der Justizvollzugsanstalt waren erst seit kurzer Zeit milchglastrübe Scheiben angebracht, um die Blick- und Rufkontakte der Häftlinge mit Angehörigen und Freunden auf der Straße zu unterbinden. Eine Frau schrie: „Wir haben Dich lieb“, Sie und die Kinder blickten zum Fenster hoch und sahen niemanden mehr, sie warteten. Der Mann schrie zurück: „Ich liebe Euch auch!“ – Ich hatte mein Fenster zugemacht und mich geschämt, dass ich zugehört hatte. An diesem Sonntag drang ich dann beim Studium der Akten viel tiefer als an Werktagen in das Leben ein, das sich in ihnen verbarg. Ich nahm mir vor, das, was ich las, nicht nur mit den Augen des Juristen zu sehen. Ähnlich der milchglasgetrübten Scheibe konnten einem Paragrafen die Sicht nach draußen versperren.
Doch bleiben wir bei meinem zweiten Erlebnis, bei meinem Kollegen. Seine Entscheidungen hielten der obergerichtlichen Rechtsprechung stand, die ein Richter gerne in seiner periodischen Beurteilung liest. Wie aber halten richterliche Urteile am besten der obergerichtlichen Nachprüfung stand? Indem eine solche nicht stattfindet! Rechtskräftige Urteile werden nicht nachgeprüft. Verzichten Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Angeklagter auf Rechtsmittel oder lassen sie ungenutzt verstreichen, diktiert der Richter auf Band: „Bitte Urteilstenor abschreiben, Anklageschrift übernehmen“ und garniert das Ganze dann noch mit ein paar Fertigsätzen. Solche rechtskräftigen, einer Nachprüfung nicht unterzogenen Urteile lassen sich auch auf anderem Weg, nämlich durch Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung erzielen. Die Praxis solcher Absprachen gibt es seit langem. Sie hilft einer überlasteten Justiz vor allem in umfangreichen Wirtschaftsstrafverfahren, mit einem immer Mehr an Arbeit fertig zu werden. Gegen diesen Handel gibt es unter Juristen Bedenken.
Ja, auch ich habe so „gedealt“ – lässt der Ausdruck auf das schlechte Gewissen der Beteiligten schließen? Ob all meine Prozessabsprachen, an denen ich beteiligt war, die Bezeichnung „sauberer Deal“ verdienten? Ich hoffe es. Mir hat die Staatsanwaltschaft manchmal den Deal verweigert, wo er mir vernünftig erschien. Fast immer handelte es sich dabei um Strafverfahren mit einer „politischen Dimension“. Die Presse schaut auf uns Richter, und wir schauen auf sie. Zeitungen, Gerichtsreporter als natürliche Feinde der Richter, die gut daran tun, ihre Urteile nicht außerhalb des Gerichtssaales zu kommentieren.
Schielen wir Richter nicht insgeheim auch auf die oberen Stockwerke der Bürohochhäuser, wo in den Redaktionsstuben in einem außergerichtlichen Parallelverfahren Journalisten über denselben Angeklagten zeitgleich zu Gericht sitzen? Wirken nicht auch diese Journalisten als Richter in unseren Urteilsspruch klammheimlich hinein?
Ach ja: Über das Heraushalten von Gefühlen beim Richten wollte ich berichten. In der hiesigen JVA wurde ein Untersuchungshäftling von drei Mithäftlingen über einen langen Zeitraum hinweg gequält, wurde der Geschädigte in die Dusche getragen, ausgezogen, mit kaltem Wasser und Essigreiniger abgespritzt. Er wurde geschlagen und musste seine Peiniger auch noch sexuell befriedigen und wurde anderweitig (weitere Beschreibungen nicht übernommen) missbraucht. Die Akte der drei Peiniger landete auf meinem Tisch. Die Erregung, mit der ich in Vorbereitung auf die Hauptverhandlung in ihr las, unterschied sich wahrscheinlich in nichts von der eines durchschnittlichen Lesers. Ich war bemüht, meine Fassung zu bewahren, die nötige Distanz, die es für ein gerechtes Urteil braucht. Dann, am Tag der Hauptverhandlung, nahm der Zorn, die Erregung, mit der ich den Sitzungssaal betreten hatte, kontinuierlich ab, je länger die Vernehmung dauerte, ein Prozess der mich verunsicherte, mir ein schlechtes Gewissen bereitete. Es war meine richterliche Aufgabe, zu verstehen. Etwas musste passiert sein im Leben dieser Männer, was ihre Straftaten nicht entschuldigte, aber zu ihnen führte. Diesem schrecklichen Etwas war ich auf der Spur. Was, so fragte ich mich in einer Sitzungspause, war mit meinen Gefühlen geschehen? Nicht über das Opfer, sondern über die Täter sitzt man zu Gericht. Wenn man das Gefühl heraushält, mag man mehr für sein Geld bekommen, aber bekommt man ein gescheites Urteil? Übrigens: Meiner Robe im Speicher habe ich eine Folie übergezogen.
Eingeschickt von unserem Mitglied Bruni Rollner, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der JVA Bernau sowie in der JVA München-Stadelheim. Verkürzt wiedergegeben sowie Anmerkung von Rudolf Repges, ehrenamtlicher Mitarbeiter in den JVAen Straubing und Bernau:
Insbesondere die Staatsanwaltschaften und Richter sollten sich vor voreiligen Medienstatements selber überprüfen, in sich gehen – wie es Benno Hurt gemacht hat. Man sieht an den Verfahren Kachelmann und Strauss-Kahn: richten unter den Augen der Öffentlichkeit ist schwierig geworden. Auch ein Richter darf Zweifel haben, wie er damit umgeht, dies wird er lernen müssen. Dank an die ehrlichen Zeilen, des Richters im Ruhestand, 35 Jahre Richteramt hinterlassen doch Spuren, Standpunkte, wie immer sie gewesen sein wollen! Danke für diesen interessanten Beitrag zum Thema.

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Rede und Gegenrede


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Leserbrief zum Artikel
„Viele, viele Fragen“ (LAG 76, Seite 11)

Lieber Alfred,
einige Fragen möchte ich gerne aus meiner Sicht beantworten, vielleicht ergibt sich für Dich und andere ehrenamtliche Mitarbeiter dann eine verwertbare Antwort.
Dein Brief zeugt von Resignation, Rückzug und Enttäuschung. Die Gründe hast Du ja genannt, welche Dir Deinen Stolz oder Deine Zufriedenheit an unserem Ehrenamt nahmen.
Sicherlich hat sich die Betreuung etwas geändert, jedoch nicht so gravierend wie Du beschreibst, denn wir kommen als Mensch zu einem Menschen, der im Gefängnis ist, wir kommen nicht als Sozialtherapeuten oder Psychologen. Dies beinhaltet aber trotzdem, dass ich versuche, seine Fehlstellen aufzuspüren, seine positiven Anlagen zu fördern. Anerkennung für eine gut gelöste Schachaufgabe z. B. oder Gedankenanstöße warum die letzte Entlassung nicht geklappt hat. Schritt für Schritt sich an den Menschen ranwagen dürfen, schön zu erkennen, z. B. dass sich auch sein Schreibstil in bereits wenigen Briefen verändert.
Einige Fragen von Dir, hier meine kurzen Antworten darauf:
Vorgaben für die Arbeit Ehrenamtlicher? Vorgaben sind mir noch nicht gemacht worden, ich kann meine Tätigkeit im Rahmen der Gegebenheiten für mich und den Klienten so gestalten, wie wir es wollen. Vorgaben entstehen dann bei Beachtung der Gesetze, sowie die verantwortungsvolle Tätigkeit beim Ausgang oder Urlaub. (Gesprächs-)Gruppenarbeit unterscheidet sich maßgeblich von einer Einzelbetreuung. In einer Gruppe kann eine bestimmte Aufgabe natürlich auch vorgegeben sein. Um beim Beispiel Schachgruppe zu bleiben: hier kommt der Ehrenamtliche natürlich mit einer Vorgabe zu dem Thema, und dies ist ja auch so gewollt.
Schwierig, neue Ehrenamtliche zu gewinnen und vorhandene zu motivieren! Da hast Du ganz recht, wir sehen ja, die Werbung für Ehrenamtliche muß auch neue Wege gehen, mit noch mehr Einsatz, die Gesellschaft hat sich hier gewaltig geändert. Auch Kommunen kämpfen sehr für wesentlich „einfachere“ ehrenamtliche Tätigkeiten. Uns vorhandene weiter zu motivieren, hier ist auch die Justiz gefragt, Anerkennung zu geben, die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kontaktbeamten trägt maßgeblich dazu bei. Ein regelmäßiger Austausch über den Verlauf und Konflikte sollte hier ohne Einschränkung angesprochen werden.
Du wurdest zu einer Entlassung gerufen, wo offenbar nichts geregelt wurde. Hier würde ich gerne erfahren, wo und wann das war. Dass es diese Situationen gibt, dass ist richtig, jedoch sind diese nicht an der Tagesordnung. Aber zweifelsohne gibt es hier Defizite. Darum auch die Vernetzung bei der Entlassvorbereitung, die nicht früh genug beginnen kann. Das sogenannte „Übergangsmanagement“. Hier lege ich als Vorsitzender ganz besonderen Wert darauf, dass diese „runden Tische“ mit Einbeziehung der Ehrenamtlichen auch gelebt werden. Wer macht was, diese Feststellung ist auch im Qualitäts-Handbuch, Standards für die Sozialdienste der Justizvollzugsanstalten dokumentiert. Nach diesem Ordnungsfaden soll künftig vorgegangen werden. Für Deinen Einsatz bei dieser Entlassung danke ich Dir ganz herzlich, ich weiß wie es sich anfühlt, jemand in dieser Situation an der Hand zu haben. Die Entlassprobleme werden immer die gleichen bleiben, egal ob die Entlassung 1977 war oder im Jahre 2011, die Vorbereitung dazu sollte sich ändern zum Positiven. Hier bieten wir unsere Mitarbeit an.
Ehrenamtliche müssen die Gefangenen unter ihre „Fittiche“ nehmen. Also müssen tut niemand, sondern wir kommen freiwillig, wenn es jemanden zu viel wird oder er mit der Problemstellung nicht mehr klarkommt, dann sollte man ehrlich zu sich sein und die Aufgabe niederlegen. Dem Klienten sagen, dass es an einem selber liegt, dass es nicht mehr geht, um Verständnis zu wecken und bei der Wahrheit zu bleiben.
Für einen bestimmten selbstsicheren Gefangenentyp schreibst Du, dieser kann sich selber helfen, der Ehrenamtliche ist nur Unterhaltungsfaktor und Zeitvertreib – sonst nichts. Dies stelle ich ganz gewaltig in Abrede, werde aber bei meiner nächsten Gesprächsgruppe ehrlich diese Frage stellen, ob die Anwesenden die Moderatoren der Gesprächsgruppe nur als Pausenclowns sehen. Unsere Gefangenen brauchen keine Arbeitskreise und Gesprächsgruppen über den Sinn des Lebens, darüber denke ich auch anders. Antwort kommt!.
Sie brauchen einen, der Ihre Sprache spricht....das ist richtig, sie brauchen jemanden, der empathisch mitfühlend antwortet. Teilnimmt, sie wahrnimmt, am eigenen Leben auch teilnehmen lässt. Spüren können, der ist kein „Pausenclown“, der kommt nicht aus Langeweile zu mir, um seine Zeit totzuschlagen. Sehr mitfühlend auch von mir jetzt ausgesprochen, ich brauche dazu aber auch nicht selber mal Gefangener gewesen zu sein. Denn ich muss nicht alles wissen, was hinter den Gittern passiert und abläuft. Das an mich Herangetragene ist für mich ausreichend. Wir sehen die Türe nur einen kleinen Spalt auf, dann nehme ich mich in die Mitte und widme mich meinem Klienten. Sonst würde ich mich verrennen. Seit Beginn meiner Betreuung erkenne ich immer mehr, der Knastaufenthalt hinterlässt beileibe bleibende Spuren bei den Klienten. In verschiedenen Äußerungen, Gefühlen, Ansichten, Meinungen. Um dieses Bild wieder etwas aufzuhellen, vielleicht können wir da behilflich sein bei der Aufarbeitung, die aber noch Jahre nach dem Knast andauern kann.
Sind die Ziele zu hoch gesteckt? Bei professionellen Ehrenamtlichen kann das durchaus der Fall sein, wenn man Projekte durchzieht nach Managerausbildung, die Klienten aussucht, welche dafür in Frage kommen und dann am Ende feststellen muss, dass nur 1 – 2 Probanden letztendlich durchgehalten haben. Ob hier die Ziele zu hoch gesteckt waren, weil man sich mit der Realität zu wenig auseinandergesetzt hat? Hier könnte man ja sagen, jedoch der Versuch ist es immer Wert. Der zeitliche und logistische Aufwand in so einer JVA ist zu überprüfen und abzugleichen, wenn ein ehrenamtlicher Betreuer als „Einzelkämpfer“ versucht, etwas zu bewegen. Hier gibt es auch wieder Statistiken und Aufstellungen etc.
Bestimmt der Erfolgsdruck meine Arbeit? Hier sind wir persönlich wieder gefragt, wie hoch wir unsere Ziele stecken. Erfolg heißt in dem Fall, mit in die Entlassung zu betreuen und dem Probanden das Ziel aufzuzeigen, dass es auch ohne straffälliges Leben geht. Hier wieder zurückfinden. Die Beispiele und Ansätze haben wir dann ja gebracht, durch muss er letztendlich immer selber. Erfolg ist schön, wenn ich einen Klienten weiter in Freiheit sehe. Misserfolg, wie auch ich ihn schon erlebt habe, wenn man eine gescheiterte Betreuung zu verdauen hat. Jedoch sollte man sich das nicht an den eigenen Leib heften, sondern sagen, ich habe es zumindest versucht und mein Bestes gegeben. Vielleicht klappt es später bei dem Probanden mit jemand anderem.
Auf sich selbst besinnen, ja Alfred, da bin ich ganz bei Dir, die Gesellschaft sollte sich wirklich wieder neu besinnen. Auf gemeinnützige Arbeiten, insbesondere die Jugend ist schwer in der heutigen Medienwelt für gemeinnützige Tätigkeiten zu gewinnen. Jeder von uns sollte mal in einer ruhigen Minute in sich gehen und sich auch selber wieder betrachten. Davor scheue auch ich oft zurück, weil man doch immer wieder Unzulänglichkeiten entdeckt. Perfekt ist niemand, das hat aber mit dem Lebensalter nichts zu tun. Junge und alte Menschen sind nie perfekt, das Alter hat den Vorteil, schon einiges hinter sich zu haben, ob es immer gut war? Kaum, Erfahrungen darf man weitergeben, wenn sie angenommen werden, dann könnte es ja was Aufschlußreiches bringen. Bedauerlich ist, dass Du Deine Freude verloren hast an der Tätigkeit, weil aus Deiner Sicht die Veränderungen zu groß sind. Die Welt verändert sich täglich, wir sind mittendrin, so lange wir dürfen. Danke für Deine bisherigen Tätigkeiten und Beiträge, schau mal, vielleicht findest Du doch noch ein paar Sonnenstrahlen in unserer Tätigkeit.
Es grüßt Dich herzlich
Rudi Repges
ehrenamtlicher Mitarbeiter JVA Straubing und JVA Bernau

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Bastelausstellung in Straubing

Ein Feuerwerk der Mitarbeiter-Werbung
Straubing braucht zusätzliche Ehrenamtliche
Seit Rudolf Repges der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug weiß, dass ca. 40 Gefangene ganz dringend auf Ehrenamtliche warten, ist er mit Herzblut und aufopfernden Engagement dabei, Bürgerinnen und Bürger für dieses anspruchsvolle Ehrenamt zu begeistern und zu gewinnen.
Es wurden Flyer entworfen, Plakate gestaltet und die Homepage aufgemotzt, um auf dem Stand der JVA im Salzstadel anlässlich des Gäubodenfestes in die erste Stufe des Werbefeldzuges einzusteigen.
Daran schlossen sich Anzeigen in den Wochenendausgaben im gesamten Ausgabenbereich der Straubinger Zeitung an, die durch gut getextete und informative Artikel ergänzt wurden. Den Höhepunkt erreicht die Werbekampagne mit einem Stand bei der Bastelausstellung 2011 in der Turnhalle der JVA am Südtor. Das erste Mal in der Geschichte der Bastelausstellung und der LAG wurde im Rahmen dieses herbstlichen Events ein Stand für die Werbung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgebaut.
An drei Tagen stand Rudolf Repges begleitet von Horst Münzer, Gerhard Burger und Günther Minten dem interessierten Publikum Rede und Antwort. Und es war keine verlorene Zeit.
„Wir führten“, so Rudolf Repges, „ca. 70 Gespräche, mit Besucherinnen und Besuchern, die zwangsläufig auch an unserem Stand vorbei mussten. Das Interesse an einer ehrenamtlichen Betätigung im Strafvollzug, aber auch mangelnde Information sorgten für einen immer vollen Stand. Erfreulich und motivierend sind die 21 Personen, die sich in die aufliegende Liste mit Adresse einschrieben und versicherten, zum Infoabend im Gäubodenhof wieder da zu sein.
Eine besondere Anerkennung erfuhren die Akteure dieses Engagements und dieser Werbeaktion durch Prof. Dr. Frank Arloth und durch den Leitenden Regierungsdirektor und Leiter der JVA Straubing, Matthias Konopka. Beide betonten in ihren Eröffnungsreden nicht nur die Wichtigkeit des ehrenamtlichen Mitwirkens, sondern wiesen die Besucher ganz ausdrücklich auf den Stand der LAG hin.
Am Ende des dritten Tages gefragt, stellte Rudolf Repges fest: „Etwas müde, aber glücklich ob des großen Zuspruchs!“ Und dann bedankte er sich für gute Zusammenarbeit und die tolle Unterstützung durch die Bediensteten, den Ausstellungsleiter und Lehrer Hans-Peter Schreyer sowie Frank Kagerbauer, Sozialarbeiter in der JVA und Kontaktbeamter für Ehrenamtliche.
Eine gelungene, nachahmenswerte Werbekampagne, die in einem Infoabend sowie Grundkurs bis Mitte November mündet. Der neue Vorstand hat seine Feuertaufe bestanden.
Herzlichen Glückwunsch!
Norbert Merz

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Info-Abend in Straubing

Etwas angespannt, ob denn wohl alle Angeschriebenen die Einladung nicht nur annehmen, sondern auch ihr folgen würden, konnte dann Rudolf Repges assistiert vom Seelsorger der JVA, Pfarrer Lippe, Heidi Lechner, Günther Minten und Norbert Merz sechzehn interessierte Frauen und Männer begrüßen.
Schnell war der Bann gebrochen und es wurde rege gefragt. Fragen bzw. Diskussionspunkte waren: Braucht man für die Gespräche im Rahme der Besuche eine besondere Ausbildung? Wer sucht die Gefangenen für eine Betreuung aus? Wie ist das mit Du und Sie? Soll ich meine private Adresse preisgeben? Gibt es eine Aufwandsentschädigung? Mit welchen Delikten kann ich konfrontiert werden? Habe ich die Chance, aus meiner Betreuung, wenn es denn nicht klappt, wieder auszusteigen? Was heißt überwachter Besuch? Welche Kontrollen muss ich an der Torwache über mich ergehen lassen?
Es waren alles ganz normale Fragen, die jeder von uns hat, befasst er sich mit einer neue Aufgabe. Und so war es dann auch folgerichtig, dass immer wieder auf das Grundseminar am 13. November verwiesen wurde.
Die Rückmeldungen und Zusagen, die an diesem Abend und auch per Mail eingegangen waren, lassen den Schluss zu, dass wir das Grundseminar mit wenigstens 25 Teilnehmern durchführen werden. Aus einem Nebensatz könnte man schließen, dass Rudolf Repges nicht nur allen die sich bisher gemeldet hatten, mit persönlichem Schreiben eingeladen hatte, sondern bei vielen, die noch unschlüssig waren, telefonisch nachgehakt hat. Der Einsatz und der Erfolg gibt unserem Vorsitzenden Recht.
Glückwunsch auch zu diesem gelungenen Auftritt.
Über das Grundseminar werden Sie in der nächsten Ausgabe der LAG-Info ausführlich informiert werden.
Norbert Merz

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Grundseminar

Grüß Gott Herr Repges,
als Seminarteilehmer möchte ich Ihnen allen ein Kompliment machen, auf das erste Mal haben Sie die Themen sauber aufbereitet und rübergebracht. A´bisser´l vui af aomoi, aber wichtig!
Ich habe mich auch, nach einmal schlafen, dazu entschieden mitzumachen bei Ihnen als ehrenamtlicher Betreuer im Strafvollzug; wenn Sie mich brauchen können. Bitte denken Sie an die Infoführung, mir wäre die wichtig um so ein bisschen Bauchgefühl für die Justizvollzugsanstalt zu bekommen.
Ich freue mich auf diese Ehrenamt und grüße Sie ganz herzlich aus Straubing
Ludwig Santl

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Straubinger Tagung

Tagung für ehrenamtliche Mitarbeiter und Betreuer der ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Justizvollzugsanstalten
vom 23. bis 25. September 2011
an der Bayerischen Justizvollzugsschule in Straubing Tagungsleitung:
Oberamtsrat Herbert Meißner, Bayerische Justizvollzugsschule Straubing,
Peter Möller, LAG e.V. München Referentinnen/Referenten: Regierungsdirektor Horst Krä, Bayerisches Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz München
Regierungsrat Dr. phil. Johannes Lohner, Justizvollzugsanstalt München
Dr. Erna Loncarek, Dozentin an der Uni Regensburg
Die Tagung war von der Konzeption dreigeteilt:
Information von Fachleuten zum Thema: “Persönlichkeitsstörung, Auffälligkeiten”.
Themenbezogene Arbeitsgruppen.
Aussprache und Information aus erster Hand vom Ministerium.

Das Programm:
Mit zwei sehr interessant und verständlich vorgetragenen, mit vielen Beispielen aus der Praxis angereicherten, optisch gut gestalteten Referaten startete die Tagung. So befasste sich Regierungsrat Dr. phil. Johannes Lohner, Justizvollzugsanstalt München, mit der Problematik: „Häufige Persönlichkeitsstörungen und psychische Probleme von Gefangenen". Wie kann ich als Ehrenamtliche/r darauf angemessen reagieren?
Im Anschluss daran erlaubte Frau Dr. Erna Loncarek, Dozentin an der Uni Regensburg, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Einblicke in ihre vielfältigen Erfahrungen zum Thema: „ADHS bei Erwachsenen (Aufmerksamkeits-Defizit Hyperaktivitäts-Störung)“. Dabei versuchte sie immer, auch an Hand der praxisbezogenen Beispiele den Bezug zu den Gefangenen und für unsere ehrenamtliche Arbeit herzustellen.
Beide Referate verlangen nach weiteren ähnlichen Themenfeldern! Mit den Arbeitsgruppen ging es in die zweite Runde.

Arbeitsgruppe:
Auffällige, unruhige Gefangenen
von Sozialpädagoge Frank Kagerbauer, Justizvollzugsanstalt Straubing vorgetragen und von Rudolf Repges, Ehrenamtlicher der JVA Straubing moderiert.
Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen mit JVA-Bediensteten
von Amtmann im JVD Johann Mitterer i.R., Wasserburg, vorgetragen und von Sozialamtmann Rudolf Rohleder JVA Aschaffenburg moderiert.
Neue ehrenamtliche Mitarbeiter (bis 1 Jahr Betreuungserfahrung)
von Diplomingenieur Norbert Merz, Erlangen, vorgetragen und von Amtsinspektor Oliver Bischof, JVA Erlangen, moderiert.
Wie kann ich mit Gefangenen über ihre Straftat reden?
von Sozialrat Herbert Meißner, Bayerische JVS, Straubing, vorgetragen und von Peter Möller, ehrenamtlicher Mitarbeiter, moderiert.
Wir möchten mehr werden!
Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter
von Emil Wagner, ehrenamtlicher Mitarbeiter aus Kempten, und von Susanne Zeilinger, JVS, moderiert.

Am Sonntagmorgen hatten die Arbeitsgruppen dann die Möglichkeiten, die Ergebnisse zu präsentieren. Bereits zu dieser Runde war Herr Krä aus München angereist.
Mit der Information und Aussprache mit dem Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Justiz und Verbraucherschutz, Herrn Ministerialrat Horst Krä, endete die gelungene Veranstaltung.
Die Tagungsauswertung brachte Rückmeldungen und Hinweise für die nächste Tagung im Jahr 2012 (14. bis 16. 9. 2012)
Die Teilnehmer bedankten sich beim Vertreter des Ministeriums, den Organisatoren und Referenten für die gute Gestaltung und die interessanten Beiträge.
Wieder einmal zeigte sich, dass die „Zwischenzeiten“ das Fluidum der Straubinger Tagung ausmachen. Zwischen den straff durchgezogenen Programmpunkten gibt es Zeit zum Erfahrungsaustausch, zum Sich-kennen-Lernen und zu geselligen Runden.
Norbert Merz

 

Anmerkungen zur Tagung aus der Sicht unseres Vorstandes:

Eine sehr gelungene Veranstaltung ging am 25. September 2011 in der JVS Straubing zu Ende. 80 ehrenamtliche Mitarbeiter aus ganz Bayern nahmen daran teil. Es entwickelte sich über die 3 Tage ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl, es stärkt uns „Einzelkämpfer“, weil jeder der Teilnehmer gemerkt hat, er ist nicht allein.
Die Arbeitsgruppen hatten sehr aktuelle und interessante Themen, jede Gruppe erarbeitete sich Vorschläge und man konnte seinen Fall auch ansprechen. Besondere Aufmerksamkeit galt den beiden Fach-Referenten, Herrn RR Dr. phil. Johannes Lohner (JVA München) sowie Frau Dr. Erna Loncarek (Bezirksklinikum Regensburg). Die jeweiligen Vorträge wurden vehement von den Teilnehmern per E-Mail angefordert, der Wunsch wurde erfüllt, danke dafür. Beispielhaft auch ein praxisnaher Film über Ausgänge mit Gefangenen. Dieser wurde dann auch am Folgetag noch diskutiert. Bedanken möchte ich mich ganz herzlich bei unserem Gastgeber, Herrn SR Herbert Meißner, Aus- und Weiterbildung an der JVS, für seine freundliche und souveräne Art in Zusammenarbeit mit Peter Möller (LAG e.V.), welche diese Veranstaltung leiteten. Dank an Herrn Ministerialrat Horst Krä, welcher am frühen Sonntagmorgen schon zu uns anreiste und bereits an der Ergebnisvorstellung der Arbeitsgruppen teilnahm. Er berichtete auch aus dem Justizministerium über die Themen Sicherungsverwahrung (aktueller Stand), Entlassungsvorbereitung, erfreulich die Meldung, dass unser Budget Ehrenamtliche im aktuellen Doppelhaushalt 10/11 aufgestockt wurde. Außerdem beantwortete Herr MR Krä, Fragen aus dem Forum. Danke auch an die Kontaktbeamten, welche in ihrer Freizeit bei uns waren, sowie an die Arbeitsgruppenleiter, viel Vorbereitungszeit wurde investiert. Nun zu Ihnen, liebe ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – Sie waren diesmal im Mittelpunkt, Sie wurden gehört, es wurde notiert, Sie haben mit viel Interesse jede Teil-Veranstaltung bis zum Ende besucht, die Räume waren voll, viele Gespräche am Rande habe ich geführt – einen Einblick in das örtliche Geschehen erhalten. Einiges konnte geklärt werden, die vorgebrachten Verbesserungsmöglichkeiten behalten wir im Auge. Der Samstagabend beim Grillen war sehr nett und über das eine oder andere Gespräch werde ich noch berichten. Die „Kohlenheizer“ waren fleißig, und auch hier ein Dank, von alleine grillt sich auch das beste Fleisch nicht! Ein entzündetes Lagerfeuer, hier hat mir Johann Duckert (JVA Kempten) geholfen, gab eine heimelige Stimmung. Diese nehmen wir mit, bis wir uns wieder treffen 2012 in der JVS Straubing. Danke für Ihre Teilnahme, nur so wachsen wir zusammen.
Rudolf Repges


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16 28 meint

Nochmals „Erlangen“ oder eben nicht „Erlangen“.
Die Leserbriefe „Hallo 1628“ von Norbert Merz und „Sehr geehrter 1628“ von „Barbara“, beide zum Thema „Erlangen“ in LAG Info 76/22 habe ich mit einiger Verwunderung gelesen.
Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Mit meinem Beitrag über „Erlangen“ wollte ich auf keinen Fall die oberen Autoritäten der ehrenamtlichen Betreuungsarbeit in ihrer Ruhe und Erhabenheit stören, aber genau diese selbstgefällige Art der Darstellung in diesen Zuschriften ist auch manchen „Einrichtungen“ eigen. Ja, warum soll ich ausgerechnet über Erlangen nicht schreiben? Wo ist der Grund?
Und überhaupt: Wie dumm von mir, eine andere, ja sogar eine eigene Meinung zu haben! Natürlich „Maße ich mir an“, nach 7 1/2 Jahren Haft, über den Strafvollzug in Bayern und genauso über Teile von diesem zu berichten, wenn ich die Gelegenheit und einen Anlass dazu habe. Ehrenamtliche Mitarbeiter im Strafvollzug begleiten ihre Schützlinge ja nicht bei irgendeinem kurzweiligen Bühnenstück oder Freizeitvergnügen. Die Freiheitsstrafe, die in einer JVA vollzogen wird, ist die höchste Sanktion, die der Staat durch Urteil über seine Bürger verhängen kann. Für diese Veranstaltung wird sogar, unter anderem, das Grundrecht auf Leben eingeschränkt. Meine Eingabe beim Bundesverfassungsgericht gegen diesen Passus hatte leider keinen Erfolg (Aktenz.: AR 2843/08).
Als Gefangener war ich dabei, als einige Meter von mir entfernt, bei Arbeiten auf dem Feld, die Flucht eines Mitgefangenen mittels Schusswaffe (Gewehr) verhindert werden sollte. Gott sei Dank hat der Beamte nicht gezielt geschossen – dafür bin ich ihm auf ewig dankbar. Die Tatsache aber, dass die Flucht mit dem Tode des Gefangenen enden kann, ist bestimmt nicht Anlass und Auslöser einer Freundschaft zwischen JVA-Personal und Gefangenen. So was muss man auch erst mal verarbeiten und verkraften können. Die Flucht ist laut Gesetz keine Straftat, aber die Beamten dürfen schießen. Die Flucht allein wird ja auch „nur“ mit einer Hausstrafe geahndet – wenn‘s einer überlebt.
Und von „Heiler Welt“ in den JVAs kann man bestimmt auch nicht reden, Missstände und Vorkomm-nisse stehen jede Woche in der Zeitung. Vor diesem Hintergrund nun von „Anmaßung“ und „ … mir wurde berichtet, ich habe gehört …“ zu sprechen, läuft an der Sache doch total vorbei. Überspitzter und zugleich banaler geht es wohl nicht mehr, oder?!
Den Strafvollzug habe ich nicht nur erlebt, ich war ihm ausgeliefert, auf Gedeih oder Verderben. Mit offenen Augen und Ohren verbüßte ich meine Strafe, auf dass mir auch nichts entgehe. Da ist bestimmt nichts vom „Hörensagen“ dabei, erlebt ist erlebt. Ist eine Erinnerung etwas verblasst, so hilft mir mein Tagebuch von „damals“ weiter. Ich weiß also immer noch, wovon ich schreibe!! Wer durch meine Zeilen zum Zweifeln an seiner bisherigen Betreuungsarbeit angeregt wird, sollte seine Motivation für diese Aufgabe aufs Neue gründlichste hinterfragen, denn das Gegenteil soll der Fall sein.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass einige Ehrenamtliche überhaupt nicht wissen, nicht nachfühlen können, was eine langjährige Haftstrafe für einen Menschen bedeutet, ja sich nicht mal mit dem Menschen in Haft eingehend beschäftig haben. Ist es denn so schwer zu begreifen, dass Gefangene, die noch Jahre verbüßen müssen, sich an jeden Strohhalm klammern, nur um einige Tage – Wochen – Monate früher aus der Haft entlassen zu werden? Auch wenn die Angebote, die Maßnahmen genau so sinnlos sind wie ihre Straftaten, melden sie sich für da und dort, nur des vermeintlichen Vorteils wegen. Erlangen ist eines dieser Angebote.
Die Denkweisen eines Häftlings können manchmal als recht verworren angesehen werden, für den Gefangenen, aber auch für mich, sind sie durchaus logisch: Die Freiheit ist das oberste Ziel! Sonst nichts!
In meinem Vortrag „Erleben der Haft“, den ich zig-mal bei den Grundkursen der LAG und anderen Vereinigungen halten konnte, den „Barbara“ wohl nie gehört hat und auf den die LAG-Führung aber nun meint verzichten zu müssen, habe ich versucht, den neuen angehenden Ehrenamtlichen den Gefangenen als Mensch – nicht als Straftäter – näherzubringen. Ist es möglich, dass so mancher Betreuer das eigene Befinden höher ansetzt als die Sorge um den Gefangenen? Hat sich bei manchen die „Betreuungsarbeit“ verselbstständigt? Das bezieht sich natürlich nicht auf Norbert Merz und „Barbara“. Die Gesellschaft, das Ministerium, das Gericht, die JVA, der Beamte, der Ehrenamtliche, alles unabdingbar notwendiges Beiwerk. Der gefangene Mensch aber war und ist meine Aufgabe, meine Arbeit, die ich zu erledigen habe und zwar so, dass er es nach der Entlassung „schaffen“ wird, genau so, wie ich es „geschafft“ habe.
Wenn auch meine Erlebnisse nun doch schon „einige“ Jahre alt sind, so sind die Probleme der Gefangenen aber immer noch die gleichen, gerade bei der Entlassung aus der Haft.
Was das nun mit „Erlangen“ zu tun hat? Eben, nichts! Das ist ja der Punkt, auf den ich hinweisen wollte.
Nochmals im Klartext:
Ich meine, die Idee „Erlangen“, eine sozialtherapeutische Anstalt, ist tot. Schönreden lohnt nicht mehr, der ganze Apparat ist viel zu aufgebläht, das Ziel für einen „normalen“ Gefangenen kaum erkennbar und nicht nur für ihn, die Kosten nicht gerechtfertigt. Kleineren Einheiten (Abteilungen) davon in den einzelnen JVAs gehört die Zukunft. (Eine Anstalt für Sicherungsverwahrte kann ich mir in Erlangen jedoch gut vorstellen.)
 Für eine erfolgreiche Betreuungsarbeit ist es aber eben unerheblich, in welcher JVA sich der Gefangene zur Zeit aufhält, ob in Erlangen oder Augsburg oder Kaisheim, unsere Leute, Gefangene wie auch Ehrenamtliche, finden wir überall dort, wo eine Freiheitsstrafe vollzogen wird, ein, zwei Sozialarbeiter sind natürlich ein „Muss“ bei diesem Vorhaben! Verehrte Leser, fragt bei Fachleuten oder sonstwo nach und entscheidet dann selber, ob Pro-Erlanger oder 16 28 richtig liegen, gelegen haben. Ich bin sicher, ich schneide da nicht schlecht ab.
Noch ein Wort zu 16 28:
Als 16 28 (eine/meine Gefangenenbuchnummer aus Bernau/Obb.) schreibe ich Beiträge für die LAG-Info, „aus Sicht eines Ehemaligen“. Die Aussagen müssen nicht immer richtig oder falsch sein, sie sind lediglich meine Meinung, sonst nichts – natürlich mit einigem, meinem Hintergrundwissen. Ich schreibe es so, wie ich es mir denke, wie ich es sehe, auch manchmal noch mit Gittern im Hinterkopf, das werde ich nie mehr ablegen können – man möge es mir nachsehen. Hätten wir alle die gleiche Meinung, so brauchte ich ja auch nicht aus meiner Sicht zu schreiben. Ich möchte aber, dass Sie, lieber Leser, sich ein kleinwenig in den Gefangenen hineindenken, um seine Gedanken ernst zu nehmen und verstehen zu können – auch wenn Sie sie nicht für richtig halten. Aber eben daraus erwächst Vertrauen und auch der Erfolg für beide Seiten. Und nun noch eines: Liebe Ehrenamtliche, verzeihen Sie mir, dass nicht Sie das Ziel bei all dieser meiner Arbeit in der LAG sind. Ich möchte durch Sie die Gefangenen in den JVAs erreichen, denen will ich helfen, sie, die Gefangenen, sollen die besten Voraussetzungen durch Sie bekommen, um auch nach der Entlassung ein menschenwürdiges Leben zu führen – ohne Straftaten, ohne Haft aber mit viel Zuversicht, so wie es mir mit der Hilfe anderer, Ehrenamtlicher und Hauptamtlicher, vergönnt war und ist.
Die „LAG“ als Zusammenschluss aller helfenden Hände im Strafvollzug, so wollte ich die LAG bei ihrer Gründung verstanden wissen, und nicht nur ich. Ist dieser Weg noch unser Weg? Bis „Irgendwann, Irgendwo“,
Ihr 16 28.
PS: Nachdem zwischen, beziehungsweise in der Vereinsführung und mir, keine Übereinstimmung über meine weitere Mitarbeit in der Vereinsarbeit besteht, lege ich als „16 28“ bis auf weiteres eine Pause ein, um meine Haltung und mein Tun zu überprüfen, auch, ob meine Mitarbeit weiterhin noch sinnvoll ist. Mit meiner Meinung halte ich nicht hinter dem Berg, auch nicht gegenüber der „Obrigkeit“. Um die Lage der Gefangenen zu verbessern, arbeite ich gerne mit der Justiz zusammen. Ich arbeite aber nicht ausschließlich für die Justiz. Ist meine Einstellung noch gefragt? Ich danke allen Lesern für ihr Wohlwollen, ich danke auch allen Leserbriefschreibern – ob nun zustimmend, ablehnend oder kritisch. Ich habe gerne für Sie geschrieben.

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Bemerkenswert

Pressemitteilung vom 28. 7. 2011
Motto „Lebenslanges Lernen“

Verbraucherschutzministerin Dr. Beate Merk startet unter dem Motto „Lebenslanges Lernen“ gemeinsam mit dem Bayerischen Volkshochschulverband eine bayernweite Initiative für mehr Finanz-, Internet- und Datenbildung.
„Kompetenz im Umgang mit Geld, Versicherungen, Internet und persönlichen Daten ist die beste Vorsorge, um im täglichen Leben nicht auf die Nase zu fallen", so Ministerin Merk weiter: „In den Schulen haben wir mit neuen Richtlinien und einer Qualifizierungsoffensive für Lehrkräfte die ökonomische Alltagsbildung bereits fest verankert. Das ist sehr wichtig, reicht aber nicht aus. Mindestens genauso wichtig ist heute lebenslanges Lernen. In diesem Bereich müssen wir dringend noch mehr Bildungsangebote schaffen."
Geplant ist deshalb der Aufbau eines Netzwerks von Multiplikatoren, die ihrerseits Schulungen in der Erwachsenenbildung durchführen. Jetzt haben das Verbraucherschutzministerium und der Bayerische Volkshochschulverband (bvv) Konzept und Förderung unter Dach und Fach gebracht. „Es gehört zum Kernauftrag der Volkshochschulen, allen Bürgerinnen und Bürgern mit Angeboten zur Verbraucherbildung zur Seite zu stehen. Sie sind flächendeckend vertreten und verfügen über kompetente Kursleiterinnen und Kursleiter, die komplexe ökonomische Zusammenhänge verständlich und ansprechend vermitteln können. Diese junge Kooperation unterstützt diese Arbeit und verhilft allen Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Bayern zu neuen, attraktiven Bildungsangeboten", erklärt Verbandsdirektor Wilhelm F. Lang.
"Lebenslanges Lernen" läuft unter dem Dach der Zukunftsinitiative AUFBRUCH BAYERN. Der Bayerische Volkshochschulverband übernimmt die Organisation und Koordination, das Verbraucherschutzministerium hat die finanzielle Förderung zugesagt. Ansprechpartner beim Bayerischen Volkshochschulverband e. V. ist Wilhelm Lang; E-Mail: Wilhelm.Lang@vhs-bayern.de

... und ich wünsche mir, dass alle Bürgerinnen und Bürgern in dieses Vorhaben eingebunden werden. So zum Beispiel auch die weiblichen und männlichen Strafgefangenen der bayerischen Justizvollzugsanstalten.
Es muss ja nicht unbedingt damit begonnen werden. Aber warum auch nicht!
Norbert Merz


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Straubing

20 Jahre Bibelgruppe

20 Jahre Bibelgruppe in der JVA Straubing Begonnen hat mein Kontakt zu Gefangenen vor etwa 25 Jahren in der JVA Ebrach. Bruder Michael von unserer Gemeinschaft, der Christusbruderschaft in Falkenstein, wurde von einem Beamten dort eingeladen, drei Bibelabende für die jungen Gefangenen zu halten. Daraus entwickelte sich eine monatliche Bibelstunde. Einige der Teilnehmer wurden dann in den Erwachsenenvollzug nach Straubing verlegt. Diese haben dann schriftlich mit uns Kontakt aufgenommen und gefragt, ob wir nicht auch in der JVA Straubing eine solche Bibelstunde halten könnten. Zu der Zeit hatten wir noch keinerlei Kontakt in die Anstalt und konnten uns nicht vorstellen, wie das zu verwirklichen sei. Gerade dann lernten wir Herbert Ruß, einen Beamten von dort, kennen. Bei ihm haben wir angefragt, ob er es sich vorstellen könnte, dass wir in Straubing Zugang bekommen, um eine Bibelgruppe zu halten. Er meinte, dass wir da wohl kaum einen Chance hätten, aber fragen kostet ja nichts.
Nach einiger Bedenkzeit des damaligen Anstaltsleiters bekamen wir die Zusage, für ein Jahr mit maximal 12 Gefangenen eine solche Gruppe zu starten. Im Mai 1991 begann dann die Bibelgruppe mit Bruder Michael, Herbert Ruß und mir. Herbert Ruß tut diesen ehrenamtlichen Dienst bis heute mit mir zusammen, auch nachdem er nun schon in Ruhestand ist. Die Gruppe findet normalerweise jeden Dienstag statt. Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 6 und 12, zeitweilig waren wir sogar mal 18 Teilnehmer. Das Erstaunliche ist, dass sich die Gruppe nach Entlassungen und Verlegungen einzelner Teilnehmer immer wieder neu gefüllt hat, ohne große Werbemaßnahmen, nur durch Mundpropaganda.
Die Zeit von 18.00 bis 19.30 Uhr ist uns eigentlich immer zu kurz. Nach einer Begrüßung berichte ich meistens von meinen Diensten und Vorhaben „draußen“. Besonders erfreulich ist es, wenn ich „Lebenszeichen“ Entlassener, die früher Teilnehmer der Gruppe gewesen waren, oder positive Berichte ihres jetzigen Ergehens weitergeben kann. Meine Frage, was es in den Mauern Neues gebe, wird meistens mit einem Lächeln beantwortet. Es kommt aber auch schon mal vor, dass der eine oder andere dann berichtet, dass er Besuch von Verwandten hatte oder Lockerungen anstehen.
Danach singen wir einige Lieder, Herbert Ruß liest die Tageslosung und betet. Den Bibeltext, den ich auf Zetteln kopiert habe und mit einigen Fragen zum Inhalt versehen habe, lesen wir dann abwechselnd und nehmen uns ca. 5 Minuten Zeit, um darüber nachzudenken. Das Gespräch, welches dann über Text und Fragen in Gang kommt, ist oft so intensiv, dass wir gar nicht damit fertig werden. Für viele ist der Bibelabend schon zum Anstoß geworden anzufangen, ihre Bibel in der Zelle zu lesen. Oftmals ist es ein kurzes Bibelwort, das Einzelnen wieder Hoffnung gibt, durchzuhalten und es doch noch einmal zu wagen, neu zu beginnen und ein neues Leben anzufangen.
Das Schöne an der Gruppe ist, dass die Teilnehmer oft über mehrere Jahre an der Gruppe teilnehmen, meist bis zu ihrer Entlassung. Unser Dienstältester ist im Moment 15 Jahre bei der Gruppe dabei.
Eine wichtige Erfahrung für mich war, dass, ab dem Zeitpunkt, ab dem ich sie auch an meinem Leben, meinem Ergehen, meinen Beschäftigungen draußen teilnehmen ließ, es ihnen auch leichter fiel, etwas aus ihrem persönlichen Leben einzubringen. Seit etwa 18 Jahren betreue ich parallel dazu immer wieder zwei bis drei Gefangene, nicht nur aus der Gruppe. Ich besuche sie und begleite sie dann auch bei Ausgängen und Urlauben auf ihrem Weg zurück in die Freiheit. Ich würde mich freuen, noch viele Jahre Menschen in der JVA und aus der JVA heraus begleiten zu dürfen.

Bruder Timotheus

 

5. 9. 2011

Am 5. 9. 2011 fand im Hotel Gäubodenhof unter Leitung von Horst Münzer der vierteljährliche Treff der Ehrenamtlichen der JVA Straubing statt. In einer diesmal besonders interessanten Runde mit vielen Themen und auch neuen Fragen, welche uns Herr Frank Kagerbauer, Kontaktbeamter der JVA Straubing beantworten konnte, insbesondere wurde auch die Führungsaufsicht erklärt. Die Runde wurde durch den Besuch von Herrn Norbert Merz aus Erlangen bereichert. Thema, neue Betreuung, Vielseitigkeit der Anforderungen, Ausgänge, Urlaub und auftretende Probleme konnten gemeinsam besprochen werden. Sehr erfreulich diesmal, 20 Jahre Bibelgruppe durch Bruder Timotheus, dies war eine Würdigung wert. Bruder Timotheus berichtete auch mit viel Herzblut über die Gruppe, wobei er auch erwähnte, selber lerne er auch immer wieder viel dazu. Bruder Timotheus nahm die Glückwünsche bescheiden entgegen, freute sich aber doch sehr über das kleine Präsent. Wir wünschen ihm weitere 20 Jahre an Beständigkeit, Freude und Erfüllung an dem wertvollen Dienst. – Siehe auch eigener Bericht, über die Geburtsstunde dieser Gruppe. - Danke für diesen ehrenamtlichen Dienst für die Gefangenen. Außerdem wurde von Frau Seemann-Kaane eine Arbeitsgruppe über ein Konzept Standdienst, Gewinnung neuer Ehrenamtlicher angeregt. Anbei ein kleiner Fotoeinblick der gelungenen Zusammenkunft.
Bericht und Fotos: Rudolf Repges

 



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Ebrach

Am Mittwoch, 26. 10. 2011 startete Ernst Knoll mit zwei Gruppen die nächste PC-Kurs-Ära in Ebrach. Für wenigstens zehn junge Strafgefangenen heißt es dann eine Bewerbungsmappe mit Open-Office am PC zu erstellen. Unterstützt wird dieses ehrenamtliche Projekt durch die Herren Harald Hochweber, Regierungsdirektor, und Jörg Hinney, Lehrer.
Im LAG-Info 78 wird Ernst Knoll, der u.a. in der JVA Erlangen Schach anbietet, in einem Steckbrief vorgestellt.
Viel Erfolg bei den Jungs in Ebrach.

Norbert Merz


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Kaisheim

In der JVA Kaisheim wurde ich anlässlich meines Besuches angesprochen, ob wir eine Möglichkeit sehen, einen PC - Kurs für Gefangene zu organisieren. Dabei wurde mir ein großen Handlungsspielraum eingeräumt.
Wir, die LAG, werden uns auf den Weg machen, um kompetenten Fachleute aus der Industrie, aus dem Beriech der Schulen oder des Privatbereich ausfindig zu machen.
Ehe jedoch die so gewonnenen Bürger zu einem sogenannten Ehrenamt bereits sind, muss der Umfang der Maßnahme, die Auflagen für eine Mitarbeit in der JVA, das Programm, der Zugang, die Aufwendungsentschädigung etc. eindeutig vorgeklärt sein.
Wie der Anstaltsleiter über die Lehrerin mitteilen ließ, stehen sofort acht nutzbare PC zur Verfügung.
Wir werden, wenn die Details geklärt sind, Kontakt zu kompetenten, erfahrenen PC-Trainern aus der Region Donauwörth aufnehmen.
Diese berechtigte Forderung nach einer konsequenten PC-Ausbildung wurde auch in der Gefangenenzeitschrift der JVA aufgegriffen.
Diverse Kontakte zu den Schulen, aber auch zum Mittelstand lassen hoffen, dass wir mit der JVA zusammen schnellstens eine brauchbare Lösung anbieten können.

Rudolf Repges


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Straubinger Tagung 2012

Freitag, 14. bis Sonntag, 16. September 2012
Justizvollzugsschule Straubing


Mitgliederversammlung 2012

Samstag, 13. Oktober 2012
in Augsburg / Lokal wird noch bekannt gegeben!



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Es ist nicht genug zu wissen
man muss es anwenden.
Es ist nicht genug zu wollen,
man muss es auch tun.

Goethe


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