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Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 75


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LAG-Info 75       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Vorstand berichtet
Steckbriefe
Publisher das Werkzeug
Das Thema
Nachlese Augsburger Gespräche
Womit wir konfrontiert sind
1628 meint
Sicherungsverwahrung
Ursachen von Jugendgewalt
Der personenzentrierte Ansatz
Knast-Produkte
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Unser Flyer Zurück zur LAG-Info - Übersicht


 

Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!
Unser heutiges Titelthema, „...und warum gehen wir trotzdem rein?“, gibt natürlich Anstoß für grundsätzliche Überlegungen in der Gesellschaft. Ein Artikel in der Landshuter Zeitung von Anstaltsleiter Herrn Amannsberger mit der Überschrift „Das Gefängnis hat keine Lobby“ trifft den Nagel auch hier auf den Kopf. Grundsätzlich nehme ich mal an, dass kein Ehrenamtlicher als „Gutmensch“ in die Anstalt geht, um Gefangene zu besuchen.
Das „Gutmenschentum“ wurde kürzlich wieder kritisiert, und zwar von dem sehr bekannten Schauspieler Til Schweiger. Wir, die Ehrenamtlichen Betreuer und Mitarbeiter, motivieren uns aus eigenem Antrieb. Sei es aus Erfahrungen in früheren Jahren – so wie ich persönlich oft erkenne, manchmal war die Weichenstellung knapp, wie es in der eigenen Vita läuft. Bei einigen Probanden stand die Weiche an wichtiger Stelle falsch. Einige von uns haben auch schon Berichte gelesen, wie es ist hinter Gittern. Was ist notwendig um den Insassen wichtige Dinge zu vermitteln, sei es als Brief, sei es als Besuch oder dann in der wichtigen Entlassvorbereitung zu helfen und zu unterstützen. Wir gehen hinein, um, wie in den meisten Fällen, mit den jeweiligen Probanden auch wieder herauszugehen. Denn die Entlassung kommt und dann ist die Gemeinschaft gefragt. Dieser Gemeinschaft gehören die Betreuer/innen an und versuchen, dass der jeweilige Proband sich wieder eingliedern kann – im Sinne der Gesellschaft. Dies heißt im Grundtenor, dass er ein Leben ohne Straftaten wieder führen kann. Oft wird der Opferschutz im Gegensatz zu unserem Tun und Handeln angeführt. Jeder Strafgefangene, der sich unter Hilfestellung wieder zurechtfindet, mit Arbeit, mit dem Alltäglichen, ist für die Gesellschaft wieder ein Gewinn in jeglicher Hinsicht. Er wird wieder zum Einzahler in das System und trägt zu allem wieder bei. Das hat mit Gutmenschentum nichts zu tun, sondern wir versuchen, unsere Motivation aufrechtzuhalten und dies zu vermitteln. Wir stehen mit beiden Beinen im Leben, wir berichten aus unserem Leben, dies bezieht sich auch auf unsere Unzulänglichkeiten. Manchesmal gelingt dem Probanden dadurch ein Neuanfang. Dies ist auch Opferschutz. Persönlich erwähnte ich bisher immer bei meinen Probanden: Sie wurden im Namen des Volkes verurteilt, jetzt kommt aber auch wieder jemand vom Volk, um nach ihnen zu sehen. Wenn Sie Hilfestellung annehmen, ist das der Weg in die Zukunft.
Bleiben sie, liebe Mitglieder, dem Ehrenamt im Strafvollzug treu, auch wenn wir wenig Lobby in der Öffentlichkeit haben, Ihr Engagement ist für den Einzelnen sehr wertvoll.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Rudolf Repges

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Der Vorstand berichtet

26. März 2011 - Der gesamte Vorstand hat an der interessanten Infoveranstaltung „Augsburger Gespräche“ teilgenommen. Ausführlicher Bericht im Heft.

Am 31. März 2011 - Norbert Merz, Peter Möller sowie der Vorsitzende trafen sich in der JVS Straubing mit dem dortigen Fortbildungsleiter Herrn Sozialrat Herbert Meißner zur Vorbesprechung der Straubinger Tagung im September dieses Jahres.

******************

Wechsel im Vorstand
Zeitliche Gründe zwingen Helmut Kellnhofer, von seinem Amt des Stellvertreters zurückzutreten. Das heißt nicht, dass er sich, wie er selbst sagte, zurückziehen will. Ganz im Gegenteil will er auch zukünftig an der Gestaltung und Weiterentwicklung der LAG mitwirken.
Vorsitzender Rudolf Repges dankte für sein bisheriges Engagement und für die Zusage, auch weiterhin mitzuarbeiten.
Entsprechend unserer Satzung wird Gaby Buß nun mehr die Aufgaben des Stellvertreters und Schriftführers übernehmen und Anita Dick die des zweiten Beisitzers wahrnehmen.
Beide Frauen nahmen die ihnen zugeordneten Funktionen an. Das Registergericht wurde umgehend über die Änderung informiert.
Dadurch ergeben sich folgende Zuständigkeiten innerhalb unserer Vorstandschaft:
Rudolf Repges: Koordination, Zusammenarbeit mit den Justizvollzugsanstalten einschl. deren Leitung und Kontaktbeamten. Kontakt zum Justizministerium.
Gaby Buß: Stellvertretung, Sekretariat und Mitgliederverwaltung.
Marga Helms: Kasse, Spendenbearbeitung und Mitgliedsbeiträge.
Norbert Merz: Öffentlichkeitsarbeit, LAG-Info-Heft, verantwortlicher Redaktionsleiter, Beratung des Vorstandes.
Anita Dick, Gaby Buß: LAG-Info-Heft, Gestaltung und Recherche (beide werden in MS-Publisher eingearbeitet).
Eva Bartylla berichtet aus dem Norden von Bayern, Emil Wagner berichtet u. a. ,auch aus dem Süden von Bayern, Helmut Kellnhofer und Heidi Lechner komplettieren das Team.
Natürlich sind alle Mitglieder aufgerufen, die Redaktion mit Beiträgen aus ihrer Region zu unterstützen. Eine interessante, spannende und aktuelle LAG-Info lebt von Zuschriften, Berichten, Meinungen und Leserbriefen unserer Leser und der Ehrenamtlichen vor Ort.
Günter Schlierbach: Korrektor der LAG-Info-Hefte.
Peter Möller, Norbert Merz, Alfred Helms: Grundkurse

2. Vorstandssitzung in München
Bodelschwingh-Haus. 6. 2. 2011, 14.00 – 18.30 Uhr
Neben den bereits oben angeführten Themen und Aufgabenfestlegungen wurde auch noch diskutiert und behandelt:
Augsburger Gespräche 2011: Das Programm mit den Themen und den zugehörigen Referenten, dem Ablauf und der Organisation ist, wie von Norbert Merz, Marga und Alfred Helms gestaltet, akzeptiert worden und wird so veröffentlicht.
Mitgliederlisten und die Listen der Interessenten müssen aktualisiert und überarbeitet werden. Dabei geht es auch um Mitgliedsbeitragsrückstände. Leider bedarf das im Frühjahr einer gesonderten, sehr aufwändigen und kostenträchtigen Aktion, die beschlossen wurde. Dieser Beschluss betrifft ebenso Interessenten, die über Jahre die LAG-Info zugeschickt bekommen.
Mitgliedsbeitrag wurde diskutiert und wird Gegenstand der Mitgliederversammlung im Herbst in Augsburg sein.
Spenden: Hier geht es um die Spenden aus den eigenen Reihen, aber auch und vor allem um Spenden von Sponsoren (Firmen!), die es zu gewinnen gilt.
Straubinger Tagung: eine Vorbesprechung in der JVS.
Ausbildung (Grundkurs): mittelfristig Planungen, Koordination und Hospitation der „Neuen“ festlegen.
Redaktionssitzung: eine kurze Rückblende mit Ausblick auf die Mitgliederversammlung 2011.
Fahrtkostenerstattung der Vorstandsmitglieder wird ebenfalls auf die Tagesordnung der MV kommen.
Korrespondenzen mit dem Ministerium, den Justizvollzugsanstalten, Mitgliedern, sowie persönliche Kontakte zu den Anstaltsleitern müssen intensiviert werden.
Rudolf Repges


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Steckbriefe

Marga Helms
Marga Helms, 1955 geboren, wächst im Schwäbischen mit sechs Geschwistern auf. Seit 1995 führt und verwaltet die gelernte Bankfachfrau trotz ihrer drei Kinder und fünf Enkelkinder die Finanzen der LAG und ist Mitglied des Vorstandes. Ab 1999 organisiert und betreut sie mit ihrem Mann (Alfred Helms) zusammen die Augsburger Gespräche.
Eine Superleistung vollbrachte Marga Helms, als sie in einer sehr schwierigen Zeit im März 2010 für sechs Monate die LAG in der Doppelfunktion als Vorsitzende und Kassierin mit sehr viel Umsicht und Gespürt leitete und lenkte. Ihr ist es zu verdanken, dass die LAG heute wieder in friedlicheren Gewässern schippern kann.

Gaby Buß,
Stellverteterin und Schriftführerin
1959 in Trier geboren, aufgewachsen in Köln, zieht 1986 nach München um, nach dem Tode des Mannes (1993) kümmert sie sich als Alleinerziehende und als alleiniger Ernähre, um ihre drei Töchter und einen Enkel. Seit 1993 managt sie mit Prokura ausgestattet die Buchhaltung einer Textileinzelhandelsfirma. Zu ihren Interessen gehören zwei Hunde, ein kleiner Garten, Geselligkeit mit Freunden, Lese, Squash. Seit über 10 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich in der Evangelischen Straffälligenhilfe München, um in der JVA Landsberg und Aichach in Einzelbetreuung Strafgefangene zu besuchen.
Darüber hinaus hat sie im Auftrag der Evangelischen Straffälligenhilfe Sprechstunden in Landsberg abgehalten und in der JVA Eichstätt zusammen mit dem evangelischen Pfarrer wöchentlich eine Kochgruppe geleitet.
„Es gibt so viele Möglichkeiten, Gefangenen in ihrer schwierigen Situation beizustehen“, stellt sie fest und fährt fort, „ich habe mich sehr gefreut, in den Vorstand der LAG gewählt worden zu sein, mir ist aber auch bewusst, welche große Verantwortung ich damit übernommen habe. Ich werde im neuen Vorstand mein Bestes geben!“
Norbert Merz


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Publisher das Werkzeug

Tegernbach, 6. 3. 2011
Norbert Merz organisierte einen Einführungskurs in das Publisher-PC-Programm, welches zur Gestaltung der LAG-Info wertvolle Hilfe leistet. Umfangreich war das Programm, die Teilnehmer Anita Dick, Gaby Buß und Rudolf Repges waren konzentriert bei der Arbeit. Die gute Zusammenarbeit im Team ließ auch diesen Sonntag trotz PC gut gelingen.
Ein großer Dank an Vorstandsmitglied Anita Dick, welche uns die perfekten Räumlichkeiten samt Equipment zur Verfügung stellte. Ebenso war für das leibliche Wohl bestens gesorgt, hier hatte Anita Dick hervorragende Unterstützung Ihres Partners Markus. Vielen Dank, dies ist alles nicht selbstverständlich und hilft dem Verein sehr, denn die LAG-Info wird „Learning by doing“ Schritt für Schritt auf mehreren Schultern verteilt. Wir gingen alle zufrieden nach Hause.
Eine Fortsetzung nach den ersten eigenen Schritten kann vereinbart werden.
Rudolf Repges


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Das Thema:... und warum gehen wir trotzdem rein?

Mord - Rückfall - Gewalt - Einsicht - Mitleid - Vorurteile - Ehrenamt - Betreuung - Verrohung - Sicherungsverwahrung - Fernsehen - Gesellschaft – Unvoreingenommenheit.

Täglich werden wir mit Horrormeldungen überhäuft. Fast könnte man glauben, dass die Menschheit nur noch aus Mördern, Kinderschändern, Vergewaltigern und Brutalinskis besteht. Die nachträgliche Sicherungsverwahrung durch den Europäischen Gerichtshof und die damit verbundenen Berichterstattungen im Fernsehen haben weiteren Stoff geliefert.
Fernsehen und die Presse zeigen bzw. berichten von den Polizisten, die rund um die Uhr einen entlassenen Sexualstraftäter bewachen und ihn auf Schritt und Tritt begleiten. Einzig nach einer 3sat-Sendung konnte man den Eindruck bekommen, dass die Zusammenhänge doch etwas komplexer sind.
Aber was haben die Bürgerinnen und Bürger, falls sie die Sendung gesehen haben, für sich daraus abgeleitet? Welche Schlüsse haben sie gezogen? Ist ihre Angst, auch Opfer zu werden, geblieben oder gewichen? Haben sie die Aussagen des Vollzugsbediensteten gehört, die mahnenden Worte des Bewährungshelfers, die Aussagen des Gutachters mit den ganz klaren Hinweisen auf die Problematik eines Gutachtens?
Ich möchte weder in der Haut des Gutachters noch in der des Richters stecken. Aber wie geht es dem Bruder des Täters? Was empfinden die aufgebrachten Bürgerinnen und Bürger des Ortes? Ist es pure Rache oder Show oder panische Angst oder Hilflosigkeit?
Es gibt leider Beispiele, die uns Angst machen und die für das Opfer nicht weniger belastend sind. Und das ein Leben lang! Da nützt es auch nichts, wenn dann festgestellt wird: „Laut Statistik ist diese Kriminalität rückläufig und liegt weit unter der gefühlten Häufigkeit.“
Mit dieser Stimmung, mit einer solchen Last gehe ich ins Gefängnis, um einen Menschen mit dieser Klassifikation zu besuchen. Ehrenamtliche der JVA Stadelheim gehen zu den Sexualstraftätern, Ehrenamtliche der JVA Straubing besuchen Mörder und Gewaltverbrecher, Ebracher Frauen malen und töpfern mit den jugendlichen Straftätern, die Dominik Brunner tot getreten haben. Und so gehen jeden Tag Ehrenamtliche in eine der bayrischen JVA, um mit straffällig gewordenen Menschen zu sprechen, ihnen zu begegnen, einfach dazusein. Und in Nürnberg besucht man Strafgefangene, die nur kurze Zeit inhaftiert sind, aber dafür sehr schnell wieder kommen. Der sogenannte Drehtüreffekt! Oder aber die Begegnung in der Untersuchungshaft, eine ganz andere Belastung für die Betroffenen, deren Schuld noch nachzuweisen ist. Und in dieser Ungewissheit auf ihren Prozess warten.
Sind wir noch normal oder haben wir mit unserem Helfersyndrom bereits den Boden der Realität verlassen?
Aber warum gibt es um mich herum Menschen, die ähnlich „verrückt“ sind wie ich? Da sind die vielen Bediensteten der Justizvollzugsanstalten, die tagtäglich ihren Dienst tun. Alles nur, weil sie einen Job gesucht und gefunden haben? Oder die Sozialarbeiter und Seelsorger? Was ist mit den Männern und Frauen, die die Entlassenen begleiten und unterstützen im Rahmen der Bewährungshilfe? Was treibt Uta und Oli an, wenn sie in der sozialtherapeutischen Vollzugsanstalt tagtäglich sich mit Gewaltverbrechern auseinandersetzen, mit ihnen trainieren, Gründe für deren Straffälligkeit suchen, sie langsam auf ein Leben danach vorbereiten? Sind das Fantasten, Spinner oder Abgehobene?
Ich denke, sie alle sind unterwegs, sich einem Menschen zu nähern, in der Hoffnung, dass eine Veränderung möglich ist. Wie sagte der Bewährungshelfer in der 3sat-Sendung: „Eine Persönlichkeit ist nicht statisch, sondern sie unterliegt den Einflüssen, den Impulsen von außen. Und dadurch entsteht eine Dynamik, eine Veränderung in der Persönlichkeit.“ Aber man muss dieser Persönlichkeit die Chance zur Dynamik geben.
Wir, die Ehrenamtlichen, was wollen wir, was treibt uns an, warum gehen wir rein?
Eins stelle ich bei den Ehrenamtlichen immer wieder fest. Sie sind einfach da, stellen sich zur Verfügung und hinterfragen, analysieren nicht pausenlos. Sie hören zu, trösten, richten auf, kritisieren, stellen in Frage, loben und tadeln. Sie alle wollen einfach Mensch sein, wollen keine Helden oder Heilige sein. So wie es, Gott sei Dank, in unserer menschlichen Veranlagung verankert ist.
Und wie sehen die Bürgerinnen und Bürger, die den täglichen Presse- und Fernsehberichten ausgesetzt sind, das? Wären diese für eine Mitwirkung im Strafvollzug zu gewinnen, zu überzeugen, mitzureißen?
Warum ich diese Frage stelle? Weil, wollen wir die Veränderung, wollen wir Rückfall verhindern, wollen wir Sicherheit und Schutz für die Bürger, wir uns auf den Weg machen müssen, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Oh ja, das sehe ich auch wie Sie! Es ist nicht einfach. Aber würde es gelingt, nur 500 vor einer neuerlichen Straffälligkeit zu bewahren, wir hätte vielen Menschen Leid und der Gesellschaft viel Geld erspart.
Ich bin davon überzeugt, dass wir das können. Voraussetzung dafür wäre jedoch eine ungeschminkte, ehrliche Information um den Strafvollzug, um die Täter und deren persönliche Problematik, zu den Opfern. So aufgestellt wären sehr viel mehr Bürger bereit, den Weg der Betreuung, der Rückfallprävention mit uns zu gehen.
Also lasst uns endlich gemeinsam den ersten Schritt der Aufklärung, der Information und der Werbung für unser Anliegen tun. Ehrenamtliche Mitarbeit im Strafvollzug braucht informierte, zupackende, von Empathie geprägte Menschen.
Viel ist die Rede von Übergangsmanagement. Einen Übergang von drinnen nach draußen zu managen, zu organisieren, heißt Probleme, Mängel festzustellen, diese gemeinsam zu bearbeiten und gemeinsam zu bewältigen. Viele Menschen, viel Begleitung sind zum Gelingen nötig. Vielen Menschen muss ich aufzeigen, was ansteht und was – auch nur durch sie unterstützt – realisiert werden kann.
Öffentlichkeitsarbeit hat für mich zwei Ziele. Mit einer sachlichen Information gegen die polemischen Berichte heutiger Medien anzugehen und Bürger für die große Aufgabe der Wiedereingliederung zu gewinnen.
Der Strafvollzug unternimmt Anstrengungen bezüglich der Bildung, der beruflichen Qualifizierung, der Beseitigung von Verhaltensdefiziten etc. Die Gestrauchelten zu integrieren, bedarf es aufgeschlossener Menschen mit Lebenserfahrung, Durchsetzungsvermögen und Einfühlungsvermögen. Diese Menschen gibt es. Diese Menschen zu interessieren, das ist unsere vornehmste Aufgabe! Packen wir es an!
Norbert Merz


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Nachlese Augsburger Gepräche

Augsburger Gespräche 2011
Seit 1997 organisiert die Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayerns (LAG) in zweijährigem Rhythmus —heuer zum 8. Mal — in Augsburg ihre eintägige Veranstaltung zu Themen des Strafvollzugs.

In enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BSMJV), den Justizvollzugsanstalten (JVA) Aichach und Niederschönenfeld, der Zentralstelle der Bewährungshilfe und dem Wendepunkt der Stadtmission Nürnberg war das Ziel der diesjährigen Veranstaltung, die Öffentlichkeit über das "Übergangsmanagement" – landläufig "Entlassvorbereitung" – zu informieren und zur Mitarbeit anzuregen.

Die LAG sieht hierin eine große Aufgabe, die Bevölkerung nicht nur zu informieren und für dieses Ehrenamt zu gewinnen, sondern auch am Aufbau funktionierender Netzwerke mitzuwirken und diese einzugliedern. Somit war das erklärte Ziel der Veranstaltung, das Zusammenwirken der verschiedenen staatlichen Einrichtungen mit den freien Trägern der Straffälligenhilfe anschaulich herauszuarbeiten.

Übergangsmanagement
„Was ist notwendig, damit die Integration von Haftentlassenen besser und breit gefächerter gelingt?“ so der Titel der Tagung mit folgenden Referaten:

Horst Krä, Ministerialrat u. Leiter des Referats F 6 im BSMJV, München zeigte den gesetzlichen Rahmen für das Übergangsmanagement auf und führte so in die Tagung ein. (Referat liegt der LAG-Info 75 bei.)
Rita Holzner, Sozialpädagogin, JVA Aichach, gewährte Einblick in die Abläufe in einer JVA. "Vom Zugang bis zur Entlassung". Aufgrund der praxisnahen Darbietung, war anschaulich nachvollziehbar, mit welchen z.T. sehr persönlichen und privaten Problemen, aber auch mit welch großen Defiziten bezüglich ihrer Sozialisation sowie Mängeln in schulischer und beruflicher Bildung die Straffälligen zum Haftantritt in der JVA erscheinen. Was in Hinblick auf die Entlassung zu tun wäre, wird schnell klar. Ob dafür in allen Fällen die Haftdauer ausreichend ist, bleibt allerdings offen.
Wie die JVA solche Defizite trotzdem in den Griff bekommen kann, zeigten Peter Landauer, Ltd. Reg. Dir. (Leiter der JVA Niederschönenfeld) und Thomas Rudy, Dipl. Sozialpädagoge beim Berufsförderwerk des DGB mit dem Projekt Xenos/MIGRAplus auf.
MIGRA plus – hat zum Ziel:
Stärkung der Sozial- und Arbeitsmarkt-Kompetenz der Strafgefangenen
Förderung eines fließenden Übergangs aus der Haft in Gesellschaft und Beruf
Rückfallprävention durch Schaffung und Vermittlung von unterstützenden Strukturen
Ergänzung der Konfliktmanagementkompetenz von Ausbildern/-innen der JVA
"Die Bewährungshilfe, Schnittstellen/Schnittmengen", so der Titel des Referates von Gertraud Koob-Sodtke, Sozialrätin, Zentrale Koordinierungsstelle Bewährungshilfe, OLG München. Ohne Beschönigung wurden die Problembereiche von Datenschutz über die Anzahl von Probanden bis hin zur Gewinnung von Ehrenamtlichen für eine geglückte Wiedereingliederung angesprochen und herausgearbeitet. Auch hier die dringende Forderung nach Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Diensten, die verstärkte Vernetzung und das Klären der Schnittstellen.
Mit einem Referat der besonderen Art entfachte Walter Knöbl, Einrichtungsleiter, Sozialwissenschaftler, Wendepunkt - Sozialtherapie, Stadtmission NÜRNBERG eine lebhafte Diskussion. Seine Präsentation mit der Überschrift:
„Übergangsmanagement – war da was?“ stellte er die Ergebnisse einer Umfrage vor, die er in Vorbereitung auf die Tagung durchgeführt hatte. Auf der Basis der nachfolgenden Frage präsentierte er die Meinungen der befragten Hauptamtlichen von 12 bayerischen Einrichtungen der freien Straffälligenhilfe.
Übergangsmanagement:
Was ist damit eigentlich gemeint, was verstehen Sie darunter?
Was meint die Justiz mit Übergangsmanagement, Ist das deckungsgleich?
Was haben die bisherigen Veranstaltungen zu diesem Thema gebracht?
Was fehlt bei der Diskussion?
Wo gibt es systembedingte Grenzen zur Zusammenarbeit?
Können diese überwunden werden und wenn ja, wie?
Walter Knöbl stellte folgendes Resümee der Umfrageergebnisse vor:
Nach Meinung der großen Mehrheit der Befragten müsse Übergangsmanagement sehr viel weiter gehen, als das Abarbeiten von notwendigen Aufgaben im Vorfeld der Entlassung. Bei den meisten Entlassenen fehle die ausreichende Auseinandersetzung mit ihrer Straftat, weshalb u.a. die Rückfallgefahr sehr groß sei. Maßnahmen nach der Haft müssten diese (erneut) thematisieren bzw. weiterführen, d.h. Übergangsmanagement müsste diesen Zeitraum mit einschließen. Gerade hier wird ein großes Manko gesehen. Es fehlen nach Meinung fast aller Befragten gewisse Mindest-Standards der Entlassung und die Verknüpfung von bereits während der Haft begonnener Maßnahmen mit der Arbeit, die dann nach der Haftentlassung weitergehen soll.
Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Norbert Merz, ehrenamtlicher Mitarbeiter in der JVA Erlangen, die Frage: „Das Ehrenamt?“, um dann gleich die Antwort zu geben: „Ja, das Ehrenamt, vom Gesetzgeber gewollt, lebt von der ehrlichen, offenen Zusammenarbeit mit den Dienststellen der Justiz und allen am "Vollzugsziel" Mitwirkenden. Das erfordert im Rahmen des Übergangsmanagements:
Eine sehr sorgfältige Problem- und Defizitanalyse bereits beim Zugang des Straffälligen und den gezielten Einsatz geeigneter Personen während der Zeit der Inhaftierung.
So sollte es nicht heißen „wir suchen Ehrenamtliche“, sondern die klare Ansage müsste sein, „wir suchen Ehrenamtliche mit einem gewissen Profil, bestimmten Erfahrungen und beruflichen Qualifikationen.“ Das schließt keinen vom Ehrenamt aus, ermöglicht jedoch festgestellte Defizite besser zu bewältigen.
Dabei dürfen die „Kontaktbeamten" nicht vergessen werden, wie es Rudolf Repges, der Vorsitzende der LAG, schon in seiner Begrüßungsrede hervorgehoben hatte. Gerade sie sind es, die an der Schnittstelle „JVA – Ehrenamt“, einem wichtigen Mosaikstein des Übergangsmanagements, professionelle, fachkompetente Arbeit mit großem zeitlichem Einsatz leisten. Dieses gemeinsame Engagement kann unter anderem den gelungenen Übergang von drinnen nach draußen schaffen, der sich in einem ehrenamtlichen Engagement in der Bewährungshilfe und nicht nur an der Schnittstelle fortsetzen sollte.
Dass sechsundsiebzig interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Bayern angereiste waren, werteten die Veranstalter als Votum, auch 2013 wieder eine derartige Veranstaltung anzubieten.

Begleitet wurden die „Augsburger Gespräche 2011“ von Herrn Ministerialdirigent Prof. Dr. Frank Arloth, BSMJV, sowie der Anstaltsleiterin der JVA Augsburg, Frau Maldonado de Landauer, und dem Anstaltsleiter der JVA Kaisheim, Herrn Kirchhoff.
Dank gilt den Organisatoren im Hintergrund Marga und Alfred Helms.
Norbert Merz


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1628 meint

Dezember 2010
Ein Fall für Erlangen! – Erlangen?
Bei einem Treffen von Ehrenamtlichen im Strafvollzug berichtete ein Teilnehmer von der Arbeit mit seinem Betreuten, von den Schwierigkeiten im Umsetzen der gesteckten Ziele, von den Erfolgen in Gesprächen und auch von den nicht erwarteten Reaktionen auf gemeinsam für gut befundene Maßnahmen zur Resozialisierung. Bei diesem speziellen Fall hatte der Gefangene eine sozialtherapeutische Behandlung in Erlangen von sich aus abgebrochen und den Kontakt zum Betreuer aufgegeben. Was ist nun zu tun?!
Ruhe bewahren, ein Abbruch, das Beenden einer Maßnahme durch den Gefangenen, ist bestimmt kein Einzelfall, jeder Ehrenamtliche im Strafvollzug hat so was schon mal erlebt oder wird es erleben: Der Gefangene will nicht so wie der Betreuer sich das vorstellt. Beide Seiten haben jetzt erst mal Zeit zum Nachdenken. Ich bin nun in der „glücklichen“ Lage, wenn man da überhaupt von Glück reden kann, aus der Sicht des Ehrenamtlichen, aber auch aus der Sicht des Gefangenen meine Gedanken dazu für Sie niederzuschreiben. 33 Jahre betreue ich nun Gefangene, zuvor war ich lange Zeit selber eine Nummer im Strafvollzug, eben dieser 1628.
Fangen wir mit dem Gefangenen, mit seinen Vorstellungen, Wünschen, Ängsten und was sonst noch alles, an. Er hat sich für einen ehrenamtlichen Betreuer entschieden. Das spricht schon mal für ihn. Er will für seine Entlassung aus der Strafhaft Voraussetzungen schaffen, die eine Wiedereingliederung leichter machen. Blauäugig, wie die Mehrzahl der Gefangenen, erwartet er vom Betreuer, dass dieser ihm den Weg ebnet, nach dem Motto einer Bank: „Wir machen den Weg frei“.
Wenn nun verlangt wird, an der Wegbereitung mitzuarbeiten, ist es für so manchen eine ganz neue Erfahrung: „Ich soll, ich muss selber mit anpacken?!“ Da kommen ihm die ersten Zweifel. Er weiß nicht, ob er das kann, ob er das durchhält, noch nie im Leben hat er so was gemacht. Er hat den Eindruck, zu etwas überredet worden zu sein, in etwas gedrängt zu werden, was für ihn viel zu unübersichtlich ist. Er hat Angst, zu versagen, sich zu blamieren.
Versetzen Sie sich doch mal in seine Lage: Er sitzt in seiner Zelle und liest oder schaut Fernsehen. Er verdient sich sein Geld für den Einkauf mit einer täglichen Arbeit, die bestimmt keinen umbringt. Er macht bei einigen Freizeitangeboten mit, er hat Besuche von Verwandten usw. Kurz: er hat sich sein Leben in der JVA „eingerichtet“, so gut es eben geht. Er ist mit sich und der Umgebung den Umständen entsprechend zufrieden. Er reißt in vordergründiger Gelassenheit seine Zeit runter, die Entlassung kommt bestimmt.
Und dann ist sowieso alles besser, - glaubt er.
Weil er aber schon mal aus der Strafanstalt entlassen wurde und die damaligen Wünsche und Hoffnungen in keiner Weise in Erfüllung gingen, möchte er sich diesmal doch irgendwie Unterstützung für seine Ziele sichern. Der ihm zugeteilte Ehrenamtliche erwartet nun von ihm zielstrebige Mitarbeit. Das bringt einige Einschnitte in seine bis dato ruhige Strafhaft. So was muss ein altgedienter Gefangener, wie er einer sein will, erst mal gründlich überdenken und mit seinen Kumpels bereden. Er wollte einen Betreuer, der etwas für ihn tut. Und nun kommt dieser Sozialfutzi und verlangt „Mitarbeit“.
Der Ehrenamtliche, der Betreuer, wird vom Gefangenen oft als persönliches Eigentum, den Weisungen des Gefangenen unterstellte Person, als Erfüllungsgehilfe seiner Pläne und Vorstellungen gesehen. Es bedarf oft vieler, vieler Stunden, um im Gespräch eine Annäherung im weiteren Vorgehen auszuhandeln, Machtworte und Ultimaten sind zwecklos. Mit was soll man auch drohen? Im Gefängnis ist er schon! Als Betreuer war und bin ich immer bestrebt, mein Gegenüber nicht zu überfordern oder etwas vorzuschlagen, wozu er nach seinen körperlichen und geistigen Anlagen nicht in der Lage ist. Bildlich gesprochen: Es ist sinnlos, einen älteren Gefangenen zum Bodybuilding zu überreden, es bringt aber was, ihn zum leichten Lauftraining anzuregen. Genau so unsinnig wäre es, einen Sonderschüler zum Telekolleg anmelden zu wollen, Aufbaukurse in Deutsch und Rechnen wären aber angebracht und dienlich.
Der Betreuer muss erkennen, was er seinem Betreuten zumuten kann und will. Der Gefangene muss schon wissen, was bei einer Maßnahme von ihm verlangt wird, wie weit er sich da selber einzubringen hat. Er sollte davon überzeugt sein, dass er das auch schaffen kann, er, der Gefangene, nicht der Betreuer. Er weiß genau, dass er im Falle des Versagens zum Gespött aller Mitgefangenen wird. Ehrenamtliche sollen immer darauf achten, dass das Ansehen des Inhaftierten nicht übermäßig beschädigt wird. Jeder einzelne Gefangene hat in der JVA seinen Status, den gilt es zu behalten. Versager sind Versager, auch im Gefängnis, nur die Kriterien sind anders, viel anders und viel radikaler.
Ich frage Sie, was soll später aus einem Entlassenen werden, der in der JVA eine Maßnahme eine Weiterbildung nicht durchgestanden hat? Er wurde von Mitgefangenen deswegen gehänselt und verspottet. Meinen Sie, das wirkt aufbauend? Nein! Er wird sich so richtig bewusst, dass er nichts taugt. Und das wollen wir doch verhindern.
Die guten Anlagen und Eigenschaften des Betreuten ausbauen, seine Fähigkeiten seine Tatkraft in die richtigen Bahnen lenken, sein Selbstwertgefühl stärken, das glaube ich, ist die erste Aufgabe eines Betreuers im Strafvollzug. Ergibt sich mehr, ist das prima. Dabei ist jeder übermäßige Druck zu vermeiden, Druck erzeugt Gegendruck und der sucht sich dann einen Ausweg. Ehrenamtliche neigen manchmal dazu, eigenes Können, eigenes Wollen auf den Gefangenen zu übertragen, bei ihm vorauszusetzen. Sie sind dann überrascht, wenn der Betreute, der Gefangene „nein“ sagt. Dieses „Nein“ ist oft nur Ausdruck von Unsicherheit. Ansporn: Ja. Überreden: Nein. Der Gefangene muss von sich aus sagen: „Ja, das mache ich.“ Und doch: Auch wenn der Ehrenamtliche alles richtig eingefädelt hat, alles bedacht hat, ist er vor einem Misserfolg nicht sicher. Der Gefangene hat genauso das Recht auf seine Fehler wie jeder andere Mensch auch. Wir können lediglich versuchen, ihn davon abzuhalten und im Ernstfall alle Kräfte sammeln, um ihn wieder aufzubauen. Ich glaube, darauf wartet er auch, zugeben wird er es freilich nicht. Nach der Entlassung erweist es sich, wie nachhaltig unsere Bemühungen waren. Oft aber sind wir dann nicht mehr am Ball, aber nutzlos war unsere Arbeit bestimmt nicht!
Einige Sätze noch zu Erlangen. Ich kann dieser sozialtherapeutischen Anstalt mit ihrer beschränkten Platzzahl für unsere Klienten, die wir betreuen, nichts Gutes abgewinnen. Das Auswahlverfahren, die Art und Weise der Behandlungsmaßnahmen, die Länge des Aufenthaltes, die Sanktionen bei Fehl-verhalten usw. können für diese Menschen, die das durchlaufen haben, noch durchlaufen werden, schon förderlich sein, ich glaube sogar, es ist förderlich für sie.
Nur: Der da versammelte auserlesene, elitäre Verein von Edelgefangenen im privilegierten Strafvollzug hat auch ohne diese Einrichtung ein Leben in Freiheit ohne Straftaten zum Ziel (oder genau das Gegenteil), und sie haben auch die Fähigkeit, das zu bewerkstelligen. Eine Resozialisierung in unserem Sinne ist bei solchen Leuten nicht nötig.
Die überwiegende Zahl der Gefangenen in Bayern hat überhaupt keine Möglichkeit, in diese Anstalt aufgenommen zu werden. Ihre Biografie, ihre Person, die Richtlinien der Anstalt sprechen dagegen. Die Hürden liegen zu hoch für einen durchschnittlichen Gefangenen, eben für „den“ Gefangenen, den wir betreuen.
Für einen ehrenamtlichen Betreuer ist es reine Schwerstarbeit, einen Rückkehrer aus Erlangen wieder unter seine Fittiche zu bekommen, der Frust beim Gefangenen ist riesengroß. Dabei kann er oft gar nichts oder nur wenig für sein Scheitern. Er hat eben nur dieser Einrichtung nicht entsprochen oder wollte aus irgendwelchen Gründen der Einrichtung nicht entsprechen, wer weiß das schon?!
Man wird mir wieder vorhalten, dass ich den Sinn und Zweck einer sozialtherapeutischen Anstalt nicht verstehe, nicht verstanden habe, nicht verstehen will – wie gehabt! Das kann wohl so sein, ich bin eben immer noch nur ein Handwerker!
Wenn dem so ist, so müsste man mir diese Einrichtung in Erlangen mal mit allen Hintergründen und Aspekten erklären und erläutern. Und nicht nur mir, auch allen anderen Ehrenamtlichen und dem Rest der Bevölkerung von über 90%, die von Erlangen keine Ahnung haben. Die Straubinger Tagung wäre da der richtige Anlass. Um Gefangene richtig und eingehend informieren zu können, wäre es angebracht, die Ehrenamtlichen umfassend sachkundig zu machen. Wir können nur etwas empfehlen, was wir selber für gut halten. Erlangen nur vom „Hörensagen“ zu kennen, reicht bei Weitem nicht aus. Mehr Offenheit wäre auch hier angebracht.
Als ich noch in der JVA Landsberg betreute, kamen mal zwei Herren aus Erlangen, um einen Gefangenen für diese Anstalt zu „begutachten“. Für mich, besser: auf mich hat das alles recht eigenartig gewirkt, eine innere Beklemmung kam in mir hoch. Ich kann bis heute diese Situation nicht richtig einordnen, das hatte so etwas heimlich Unheimliches an sich. - Das „Aussuchen“ von Menschen war mir immer schon zuwider.
Mir widerstrebt es auch zu verstehen, dass eine Sache wie diese Anstalt so aufgebauscht und bestens ausgestattet wird, nur um einigen Gefangenen entgegenzukommen. Der übergroße Teil der Gefangenen bleibt außen vor und wird mit den herkömmlichen Methoden behandelt, sprich: eine Handvoll Sozialarbeiter und die Ehrenamtlichen kümmern sich in den Heimatanstalten um die große Masse der Gefangenen, die zu einem Teil auch aus Ausländern mit anderen Sprachen besteht, Sprachen, die wir nicht beherrschen. Macht so was Sinn, ist so was gerecht?!
Wie könnte man mehr für alle Gefangenen erreichen? – Auch das sollte bei der jährlichen Straubinger Tagung besprochen werden, die nach meinem Dafürhalten in einem viel größeren Rahmen abgehalten werden müsste, um nahezu allen Ehrenamtlichen eine Teilnahme zu ermöglichen. Wenn „Erlangen“ so wichtig für die Justiz ist, dann müssen es die Ehrenamtlichen auch sein.
Was rate ich nun dem Ehrenamtlichen von unserem Treff? Versuche, mit dem Gefangenen wieder ins Gespräch zu kommen, jeder Mensch ist es wert, dass man nochmals auf ihn zu geht. Bei mir hat jeder, wer es auch immer ist, grundsätzlich drei Versuche, erst dann gebe ich auf. Beweise ihm durch Deine Lebensart, dass es sich lohnt, ein Dasein ohne Straftaten zu führen. Stärke ihn in seinen guten Anlagen, damit er wieder stolz auf sich und sein Tun sein kann. Sei ihm auch weiterhin ein ehrlicher und verlässlicher Partner, solange er es möchte. Hilf ihm „Erlangen“ zu verarbeiten. Recht viel mehr vermögen wir alle, auch Du, nicht zu geben.
Liebe Leser, „1628 meint“ sind nur meine Gedanken, die ich niederschreibe. Sie müssen weder richtig noch falsch sein, oft sind sie von der Realität längst überholt. Ich schreibe sie nieder, um wiederum andere über den Sachverhalt zum Nachdenken anzuregen. In keiner Weise will ich irgendjemanden beleidigen oder bloßstellen, ich schreibe in meiner Art.
Prima wäre natürlich, wenn gerade Sie, liebe Leser, zum Stift greifen würden, um Ihre Ansichten zu diesem Thema den anderen Lesern der LAG-Info mitzuteilen.
Darf ich auf Sie zählen?
Ihr 1628.

Und nicht vergessen: In jeder JVA gibt es Gefangen, die weder lesen noch schreiben können. Hilf ihnen! Jetzt !
(Denn die sind eben auch keine „Fälle“ für Erlangen!)


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Sicherungsverwahrung: Til Schweiger in Talkshow

Ein Münchner Boulevardblatt veröffentlichte am 17. 2. 2011 die Meinung von Til Schweiger, welche er über Sicherungsverwahrung in einer Talkshow äußerte.
In Schlagworten waren dies: Wegsperren, für immer sollte der Sicherungsverwahrte seine Rechte in der Gesellschaft verwirken. Er trat dafür ein, im Internet die Bekanntgabe der Wohnadressen der auf freien Fuß befindlichen ehemaligen Sicherungsverwahrten zu veröffentlichen. Sozusagen einen „medialen Pranger“ einführen. Erstaunliche Ansichten eines sehr bekannten und auch beliebten Schauspielers. In der Talkshow hatte er seinen Emotionen freien Lauf gelassen, weil in seiner näheren Nachbarschaft ein Sicherungsverwahrter zeitweise gewohnt hatte und er Angst um seine Kinder gehabt hat. Angst ist ein menschliches Gefühl, das ganz normal ist, wenn man im Ungewissen sich befindet. Ist es ein Sexualstraftäter oder „Kinderschänder“ gewesen – was hier offenbar der Fall war –, kann man manche Emotionen auch nachvollziehen, es gibt aber auch Sicherungsverwahrte aus anderen Straftaten, z. B. wiederholte Straftaten wie schwerer Raub oder Betrug. Til Schweiger vertritt die Meinung, wir leben in einer „Tätergesellschaft“, die den betreuungsunwürdigen Straftäter stützt. Auf das Opfer wird nicht geschaut. Ich persönlich habe die Opfer immer in Gedanken, ganz besonders bei den betreuten Probanden. Wenn ich bei einer Betreuung, die auch schon länger läuft, dann mit dem Probanden auf die Tat zu sprechen komme, höre ich in erster Linie mal ganz genau zu. Viele von uns erleben dasselbe, manchmal bagatellisiert der Proband. Ich versuche klarzumachen, also wenn ich jetzt das Opfer gewesen wäre, hätte ich vor Ihnen auch Angst, Todesangst gehabt – allerdings handelte es sich nicht um einen Sexualstraftäter, – mit dem ich das besprochen habe. Ich versuche Opferempathie für ihn zu entwickeln. Dann war er zunächst still.
Viele in der Gesellschaft, nicht nur Til Schweiger, verstehen einfach nicht, warum weiterhin gefährlich eingestufte Sicherungsverwahrte auch auf freien Fuß kommen. Dies ist zwar eine geringe Anzahl, manche sind einfach, auch aus den Fachkreisen bekannt, nicht therapiefähig. Bei den jetzt Freigelassenen beruht es auf einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes, auf das sich die Gefangenen berufen, weil es sich um Fälle handelt, welche vor der Gesetzesänderung verurteilt wurden. Zum Urteilstermin war die Regelung: eine Sicherungsverwahrung dauert 10 Jahre und kann eben nachträglich nicht verlängert werden.
Dies gehört meiner Meinung nach per Gesetz überprüft für die noch als gefährlich eingestuften. Diese Klientel wird jedoch engmaschig überwacht, wenn sie in Freiheit gehen.
Wie Freiheit dann aussieht, kann man sich auch unter diesen Umständen schwer vorstellen.
Es gibt niemandem das Recht, eine Art „Lynchjustiz“ in einem Rechtsstaat einführen zu wollen. Wo hört es auf – wo fängt es an? Eine Bekanntgabe in der Öffentlichkeit ist dringlich zu unterlassen, es schürt Gewalt und die wiederum Gegengewalt. Ebenso finde ich es als komplette Diskreditierung von ganzen Berufsständen und auch uns Ehrenamtlichen im Strafvollzug, die mit den Probanden zu tun haben, wenn Til Schweiger behauptet, das „Gutmenschentum“ gehört abgeschafft. Wir versuchen mit unseren Probanden eine Resozialisierung zu erreichen, was macht die Gesellschaft wenn überhaupt niemand mehr sich einfinden kann im sogenannten normalen Leben? Wollen wir Gefängnisse im Hochhausformat bauen? Nur wegsperren und Strafen verschärfen ist nicht das Allheilmittel.
Ein Opfer, das eine schwere Tat überlebt, wird sich in den seltensten Fällen empathisch gegenüber dem Täter fühlen können – ebenso die Angehörigen. Diese Haltung ist absolut nachvollziehbar und ich sage immer, ich hoffe, die Opfer werden genauso betreut. Dass wir keine Lobby haben, wissen wir – und trotzdem gehen wir rein.....und versuchen zumindest, wenn es möglich ist, eine Wiedereingliederung mit dem Gefangenen zu erreichen. Es gelingt nicht immer, aber bei jedem bei dem es gelingt, ist der Gesellschaft geholfen. Deswegen bin ich kein „Gutmensch“, ich habe Fehler, Unzulänglichkeiten – aber ich bin bisher nicht straffällig geworden. Das versuchen wir, die Ehrenamtlichen im Strafvollzug, dem Probanden nahezubringen und ihn auf ein Leben ohne Straftaten vorzubereiten und auch zu motivieren.

Heute am 16. März 2011, war Til Schweiger erneut in der Talkshow mit dem Thema Moral, das jedoch sehr abwegig behandelt wurde. Er bekam meiner Ansicht nach eine Chance, nochmal zu seiner Meinung Stellung zu nehmen, er revidierte einige Aussagen und nahm auch den Ausdruck „Gutmenschentum“ zurück, einen überzeugenden Eindruck machte er mir dabei überhaupt nicht. Anwesend war auch der bekannte Anstaltsmediziner Hr. Bausch aus der JVA Werl, der mit den besagten Sicherungsverwahrten auch konfrontiert ist. Er bemängelte auch die Anschwärzung der Beamten, welche versuchen, mit den Strafgefangenen zu arbeiten, bemerkte auch dabei, dass die Opfer seit 8 Jahren von einem Opferanwalt vertreten werden - leider erst seit 8 Jahren sage ich dazu - und generell der Staatsanwalt durch die Anklage im Namen des Volkes das Opfer vertritt. Eine sehr wichtige Einrichtung für Opferhilfe ist der Weiße Ring, dies ist eminent wichtig und wird von mir sehr geschätzt, dennoch bin ich auf der anderen Seite tätig, und auch dies ist Opferschutz.
Diese Talkshow heute veranlasste mich, liebe Ehrenamtliche, Sie ganz besonders zu stützen in Ihrem Engagement im Strafvollzug. Lassen Sie sich nicht durch solche Äußerungen abbringen von Ihrem Idealismus, den man sicherlich dazu benötigt. Ihre Tätigkeit ist sehr wichtig, wird auch in Fachkreisen anerkannt, und Sie helfen dem jeweiligen Gefangenen, seinen korrigierten Weg wieder neu starten zu können. Zeigen Sie Langmut, ich wünsche Ihnen weiterhin eine erfolgreiche Betreuung.
Rudolf Repges


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Ursachen von Jugendgewalt


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Der personenzentrierte Ansatz


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Knast-Produkte ein Verkaufsschlager

Mode aus dem Knast - Unfreie Marktwirtschaft

Von Ulrike Heidenreich
SZ vom 14. 2. 2011/bica)


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Nürnberg - Vernissage

Innenansichten
Bilder und Gestaltung der evangelischen Kunstgruppe der Untersuchungshaftanstalt Nürnberg
Die Kunstwerke gewähren Einblick in manche Seelenlandschaft von Menschen hinter Gittern.
Es sind Männer, die auf ihren Prozess warten. An der wöchentlich stattfindenden Kunstgruppen können 12 Gefangene verschiedener Konfession und Religion teilnehmen.
Nehmen Sie teil an den Gedanken und Gefühlen aus der Zelle, die den Betrachtenden über das Bild ungefiltert erreichen.

Initiator und Organisator der Kunstgruppe ist der evangelische Pfarrer Baumeister.
Ausstellung war im Februar 2011


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Bayreuth

Lebenslänglich im Dienst der Menschlichkeit


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Ebrach

Diskutieren statt zuschlagen
Sozialpädagoge Edwin Gerstner, Kommunikationstrainer Rudi Göb sowie Sibylle Röding und Ursula Schneeberger vom Ebracher Verein „Schritt für Schritt“ gaben Gefangene aus der Jugend-Justizvollzugsanstalt Ebrach die Möglichkeit, sich mit dem Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ auseinanderzusetzt.
Anette Schreiber berichtete darüber am 16. 3. 2011 im „Fränkischen Tag“. (http://www.ehrenamt-im-strafvollzug.de/schritt/projekte.htm)


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München

Kurzer Rückblick bei der Straffälligenhilfe München
Erst einmal: Zuwachs haben wir wieder bekommen. Es ist immer schön, festzustellen, dass sich Menschen aus allen Schichten dazu bekennen, Gefangenen in ihrer Situation zu helfen, die Haftzeit und darüber hinaus zu überstehen.
Dank der LAG-übergreifenden und unterstützenden Schulung zu Beginn wird es den neuen Helfern relativ leicht gemacht (relativ!), sich den neuen Aufgaben zu nähern. Und wir in der Gruppe, deren Treffen übrigens monatlich einmal im Bodelschwinghhaus in der Schillerstraße stattfindet, tun unser Möglichstes, den Kreis zu schließen. In dem wir offen aussprechen, was Sache ist, Ratschläge erteilen, durcheinander quatschen und wieder: diszipliniert warten, bis einer von uns ausgesprochen hat. Dazu gibt’s Saft, Wasser und Knabbereien, davon aber nicht zu viel, so dass man uns nicht nachsagen könnte, wir kämen nur darum!
Gerhard Gruber, unser Leiter, hat sich gut eingelebt in die Rolle des Chefs, er ist mit seiner freundlichen, korrekten Art auch souverän dann zur Stelle, sollten die Fallberichte manchmal drohen, etwas auszuufern in ihrer Länge der Darstellung. Ein Highlight war unser „Betriebsausflug“ ins Valentin-Musäum mit herrlichen Münchener Weißwürsten.
Leider mussten wir auch Betrübliches hinnehmen. Werner, ein lieber Kollege aus unserer Runde, ist verstorben, es war recht tragisch -auch für uns alle. Und unsere Heidi Pfanzelt, seit vielen, vielen Jahren eine treue Begleiterin der Gefangenen, ist in den Ruhestand gegangen zum Ende 2010. Ihre wohltuende Art werden wir alle sehr vermissen. Aber sie ist ja nicht aus der Welt und hoffen kann man ja…
Die Arbeit im Jugendarrest ist sehr erfolgreich, eine neue Art der Betreuung unserer Gruppe, die zu unserer Einzelbetreuung der männlichen Gefangenen, - die unser eigentliches Grundkonzept war -, dazu kam. Auch bei den jungen Menschen ist großer Bedarf der „Nachhilfe“ und wird mit viel Engagement unserer Mitarbeiter betrieben. Nach wie vor betreuen wir Gefangene in München, Landsberg, Bernau, Aichach, Rothenfels und Niederschönenfeld.
März 2011
Eva Jung-Kramer

Grundkurse für Neue - Evangelische Straffälligenhilfe München
Wie uns Gerhard Gruber, Dienststellenleiter der Evangelischen Straffälligenhilfe München, mitteilt, plant er, in Zusammenarbeit mit der LAG zwei Grundkurse anzubieten.
So könnten zusätzliche und ausgebildete Ehrenamtliche für die süddeutschen Justizvollzugsanstalten (Bernau, Landsberg, Aichach, Niederschönenfeld und München) angeboten werden.
Die entsprechende Werbung via Presse wird von der Evangelischen Straffälligenhilfe München rechtzeitig eingeleitet.
Norbert Merz

Besuch von Diakon Richard Strodel bei der Evangelischen Straffälligenhilfe München.
Beim regelmäßigen Gruppenabend, am Donnerstag 17. 2. 2011, berichtete uns Richard Strodel (Bild) von seiner Arbeit bei der Evangelischen Seelsorge in der JVA Stadelheim.
Die interessanten Ausführungen rundete er ab mit weiteren Informationen zu Möglichkeiten und Ablauf von Mediation und Täter-Opfer-Ausgleich. Die daraus entstehende Diskussion war sehr angeregt und zeigte das Interesse an diesen Themen. Vielen Dank an Herrn Strodel für die Zeit und die Einblicke, die er uns geschenkt hat.
Anita Dick


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Mitgliederversammlung 2011

Samstag, 17. September 2011
in Augsburg / Hotel Riegele, Viktoriastraße 4,
gegenüber Hauptbahnhof


Straubinger Tagung 2011

Freitag, 23. bis Sonntag, 25. September 2011
Justizvollzugsschule Straubing



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Genieß die Gegenwart mit frohem Sinn,
sorglos, was dir die Zukunft bringen werde;
doch nimm auch bittern Kelch mit Lächeln hin.
Vollkommen ist kein Glück auf dieser Erde.

Horaz

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© LAG 2011-05-31