Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 69


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LAG-Info 69       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Horst Münzer ist 70
Regionale Treffs
Resozialisierung und Schutz
Straubinger Tagung 2009
Referate der Tagung
Tagungsauswertung
Welche Freiheit lernt man
Ich war es nicht
Gedanken zu Straubing
Clemens Lückemann
LAG-Workshop III
Tag der offenen Tür 2009
Broschüre „Justivollzug“
Vollzugsplan
Plädoyer für die Höflichkeit
Blick in die richtige Richtung
Moraltraining
Häftlinge mit Lauffieber
Das gute Gespräch
Deliktorientiertes Training
Führungszeugnis
Präventionstag
Con Sozial

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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Ohne Netzwerk kommen wir nicht weiter. Was heißt das? Das heißt, dass wir, Netzwerke sind für uns doch nichts Neues, alle mehr oder weniger stark vernetzt sind. Neben unserem Engagement im Ehrenamt „Straffälligenhilfe“ gehören wir einem Sportverein an, wir bekennen uns zu einer Glaubensgemeinschaft, unterstützen eine soziale Einrichtung, sind im Elternbeirat, leben sehr engagiert in unserer politischen Gemeinde usw., usw.
Und was heißt das nun? Ich denke, dass wir in unseren Netzwerken das Thema Strafvollzug mehr und stärker kommunizieren sollten.
Ich bin aber auch der Meinung, dass wir unser Netzwerk „LAG“ stärken und verbessern müssen. So gehört zum Netzwerk „LAG“ der Aufbau und die Stärkung des Vor-Ort-Engagements, Dabei meine ich nicht nur die Begleitung von Gefangenen in die Freiheit (unsere ureigenste Aufgabe), sondern auch die Beteiligung an der Kommunikation mit der JVA, der JVA-Leitung, die Werbung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Mitgestaltung des Erfahrunksaustausches vor Ort.
Beginnen wir mit der Gewinnung zusätzlicher Ehrenamtlicher in unserem privaten Umfeld. Erweitern wir unser Netzwerk!

Ihr

Norbert Merz


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Regionale Treffs

Damit Betreuung gelingt
Erfahrungsaustausch anbieten und pflegen, Wir-Gefühl entstehen lassen, Nachfragemöglichkeit schaffen, Supervision im weitesten Sinne erleben, angenommen sein in der Gruppe, unkompliziert an Informationen kommen, das sind die Anliegen der LAG. Und so ist es nicht von ungefähr, dass im Konzept 1998 „Werben, informieren, ausbilden, begleiten“ die regionalen Treffen einen sehr wichtigen Part dieser Ausarbeitungen darstellten, forciert und ausgebaut werden sollten.
Schon damals wurde die Justiz einbezogen und die Ausarbeitung dem damaligen Leiter der Justizvollzugsschule, Bernhard Wydra, zur Begutachtung vorgelegt.
Derartige Möglichkeiten des Erfahrungsaustausches, der Begleitung in schwierigen Situationen, des Nachfragens, des Treffens Gleichgesinnter, und einer regelmäßigen Weiterbildung werden bereits heute in Straubing, München, Weiden, Kronach, Kempten, Rosenheim (Bernau), Bayreuth, Nürnberg, Ansbach angeboten.
Norbert Merz


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... alles anders machen

„Diesmal werde ich alles anders machen“, sagte der Strafgefangene kurz vor seiner Entlassung.
Fast könnte man resigniert fragen, „was hast du während deiner Haftzeit dafür getan“? Und er antwortet, „aus dem Knast heraus konnte ich doch nicht frei agieren!“
Kann er, können wir, können wir mit ihm zusammen wirklich nichts tun?
Welche Zeit hat er dafür verwendet, sich zu fragen, warum er im Gefängnis ist. War es nur die schlimme Kindheit, seine versoffene Mutter, sein schlagender Vater, die Arbeitslosigkeit, das große Geschäft, das nur an einer Kleinigkeit scheiterte, sein Chef, der ihn gepiesackt hat?
Hatten wir überhaupt im Laufe unserer Betreuung, unserer Gespräche mit ihm solche „privaten“ Themen angesprochen?
Im Rahmen eines Betreuertreffs erzählte ein Ehrenamtlicher: „Erst als ich aufgehört habe, mich als Müllkübel zur Verfügung zu stellen, habe ich Freue an meiner Betreuung. Ich gehe befreit und ohne Angst zu den Besuchen und kann wieder normal reagieren, sprechen, raten und Vorschläge zur Diskussion stellen.“
Hier wurde endlich offen an- und ausgesprochen, was viele von uns ähnlich erleben.
„Jetzt höre ich zu, reagiere, aber ich fresse es nicht mehr in mich hinein. Das heißt nicht, dass mich das eine oder andere nicht berühren würde! Aber ich habe gelernt, nicht alles mit nach Hause zu nehmen“, erzählte er weiter.
Den nötigen Abstand zu unserem Gegenüber finden - das ist die Kunst unserer Tätigkeit.
Wie war das nun, „Diesmal werde ich alles anders machen“? Auch wenn wir keine Therapeuten sind, wir können zuhören, wir können Themen anregen, wir können zum Tun auffordern, wir können unsere Lösungsmöglichkeit zur Diskussion stellen, wir können Pläne auf Praxistauglichkeit mit ihm zusammen überprüfen, wir können ..., wir können ..., aber tun, seine Person in Bewegung setzen, das muss er selber!
Norbert Merz


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Resozialisierung und Schutz

Resozialisierung und Schutz der Allgemeinheit sind aber kein Gegensatz, sondern ergänzen und bedingen sich im Ergebnis gegenseitig: Einerseits dürfen keine riskanten Resozialisierungsexperimente auf Kosten der Bevölkerung gemacht werden; umgekehrt ist aber eine erfolgreiche Resozialisierung auf Dauer der beste denkbare Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten. Ein guter Strafvollzug muss also die Behandlung und Betreuung der Gefangenen intensivieren und gleichzeitig konsequent und sicher sein.

Dr. Beate Merk


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LAG-Workshop III

Nach zwanzig Jahren LAG wird es Zeit, sich mit der Frage auseinanderzusetzen: „Wie muss die LAG aufgestellt werden, um auch in den nächsten zwanzig Jahren ein kompetenter Partner für die Justizvollzugsanstalten zu sein?“
Und so trafen sich der erweiterte Vorstand und einige Mitglieder, die sich der Geschicke der Ehrenamtlichen vor Ort angenommen haben, um Aufgaben, Zielsetzungen und damit verbundene Organisationsformen zu diskutieren.
Dabei ist es wichtig, dass die vor Ort gedeihliche Zusammenarbeit forciert wird, ohne dass für die Anstalten ein Mehr an Arbeit entsteht. So sollen die Angebote für gemeinsame Werbung, Information und Grundausbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter sowie der regelmäßige Erfahrungsaustausch verstärkt werden.
Eine derartige Verstärkung scheint dringend geboten, wenn man die Aussagen einiger Justizvollzugsanstalten ernst nimmt. So können bereits heute viele JVAs die Wünsche nach einer Betreuung nicht erfüllen.
Wenn in einem konkreten Fall dringend 36 Betreuerinnen und Betreuer gesucht werden und wir diesen Forderungen nicht nachkommen können, dann sollten wir uns angesprochen fühlen. Nein, dann sind wir gefordert.
Und diesen Herausforderungen werden wir uns stellen.


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Tag der offenen Tür 2009

Unter dem Motto „Einblicke. Einsichten" haben die Bayerische Staatskanzlei und das Prinz-Carl-Palais am Samstag, den 4. Juli ihre Pforten geöffnet. Zahlreiche Informationen, interessante Gespräche und viele Attraktionen - die Bürgerinnen und Bürger nahmen viel mit am Tag der offenen Tür. An den verschiedenen Ständen informierten die Ministerien mit anschaulichen Materialien über ihre Angebote und Leistungen.
Auch der Strafvollzug präsentierte sich. Im Fokus dieser Veranstaltung stand dieses Mal die Aus- und Weiterbildung der Gefangenen. Was kann einem Rückfall besser entgegenwirken als eine gute schulische und berufliche Qualifikation.
Die LAG als Vertreter der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im bayerischen Strafvollzug war am Stand vertreten und stellte sich den Fragen der interessierten Besucher.
Norbert Merz


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Ein Muss für die ehrenamtlichen Mitarbeiter

Diese Broschüre „Justivollzug in Bayern“ mit Stand April 2009 sollte jede ehrenamtliche Mitarbeiterin und jeder ehrenamtliche Mitarbeiter in Ruhe durchlesen, um so aktuell für die tägliche Arbeit und für die Gespräche mit den Gefangenem gerüstet zu sein.
Staatsministerium
Die Leitung des gesamten bayerischen Justizvollzugs liegt beim Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Dort ist eine Abteilung „Justizvollzug“ mit insgesamt 25 Mitarbeitern eingerichtet. Zu ihren Aufgaben gehören die Organisation des Justizvollzugs, Personalangelegenheiten einschließlich der Aus- und Fortbildung des Personals, die Aufstellung und der Vollzug des Haushalts aller Justizvollzugsanstalten, Bauangelegenheiten, Mitwirkung bei der Gesetzgebung auf dem Gebiet des Justizvollzugs, Angelegenheiten der schulischen und beruflichen Aus- und Fortbildung und der Beschäftigung der Gefangenen sowie die Bearbeitung von Eingaben und Beschwerden.
Vollzugseinrichtungen
Bayern verfügt über 36 Justizvollzugsanstalten (21 selbstständige und 15 angegliederte Anstalten) sowie 6 Jugendarrestanstalten. Für die Aus- und Fortbildung der Justizvollzugsbediensteten ist die Bayerische Justizvollzugsschule in Straubing eingerichtet.
Aufgaben des Strafvollzugs Art. 2 des am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Bayerischen Strafvollzugsgesetzes lautet:
„Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient dem Schutz der Allgemeinheit.
Er soll die Gefangenen befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Behandlungsauftrag).“
Diese Bestimmung enthält für alle Verantwortlichen im Strafvollzug die Verpflichtung,
a) während des Vollzugs einer Freiheitsstrafe alles Vertretbare zu unternehmen, das dazu führen kann, den Inhaftierten vor einem Rückfall in Straffälligkeit zu bewahren und ihn für ein künftiges Leben in sozialer Verantwortung vorzubereiten,
b) bei allen Maßnahmen auch die Sicherheit der rechtstreuen Bevölkerung im Auge zu behalten und dafür zu sorgen, dass die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten geschützt wird.
Diese Grundsätze bestimmen die Arbeit in den bayerischen Justizvollzugsanstalten auch weiterhin. Das Bayerische Strafvollzugsgesetz, das in Bayern das bislang geltende Strafvollzugsgesetz weitgehend ersetzt, hält an den beiden gleichrangigen Vollzugsaufgaben des Schutzes der Allgemeinheit und der Resozialisierung fest. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, müssen in der Praxis des Vollzugs große Anstrengungen unternommen werden, die einen bestmöglichen Einsatz des Personals, die Bereitstellung von erheblichen Finanzmitteln, aber auch Verständnis und Mitwirkung der Öffentlichkeit erfordern. Von der Vielfalt dieser Aspekte können hier nur einige aufgezeigt werden.
Arbeit der Gefangenen
Bei den Bemühungen um die soziale Wiedereingliederung von Verurteilten kommt der Hinführung zu einer geregelten Arbeit und - erforderlichenfalls - der beruflichen Aus- und Weiterbildung entscheidende Bedeutung zu. Durch sinnvolle und nützliche Arbeit sollen die Gefangenen an ein auf eigener Arbeit aufgebautes Leben gewöhnt werden. Das Bayerische Strafvollzugsgesetz bestimmt deswegen ausdrücklich (Art. 43), dass die Strafgefangenen (im Gegensatz zu den nicht arbeitspflichtigen Untersuchungsgefangenen) verpflichtet sind, eine ihren körperlichen Fähigkeiten angemessene Arbeit auszuüben. Die Vollzugsbehörde soll den Gefangenen wirtschaftlich ergiebige Arbeit zuweisen und dabei ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen berücksichtigen (Art. 39).
Haus-, Überbrückungs- und Eigengeld
Die Gefangenen dürfen monatlich drei Siebtel ihrer im Bayerischen Strafvollzugsgesetz geregelten Bezüge als „Hausgeld“ für den Einkauf verwenden.
Vier Siebtel der Bezüge werden zur Sicherung des notwendigen Lebensunterhalts der Gefangenen und ihrer Unterhaltsberechtigten für die ersten vier Wochen nach der Entlassung solange als „Überbrückungsgeld“ festgelegt, bis der festgesetzte Überbrückungsgeldbetrag erreicht ist. Das Überbrückungsgeld ist unpfändbar. Nach Erreichen des Überbrückungsgeldsolls fließen diese vier Siebtel dem Eigengeld der Gefangenen zu, über das sie an sich frei verfügen können, das sie aber nicht im Besitz haben und grundsätzlich nicht für den in Art. 24 geregelten Einkauf in der Anstalt verwenden dürfen.
Berufliche Bildungsmaßnahmen für Gefangene
Als Grundlage für die Chance einer Bewährung in Freiheit kommt der beruflichen Bildung der Gefangenen entscheidende Bedeutung zu.
Entlassungsvorbereitung
Im Rahmen der Entlassungsvorbereitung wird ein Gefangener bei der Ordnung seiner persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten beraten und unterstützt. Dem Gefangenen wird geholfen, Arbeit, Unterkunft und persönlichen Beistand für die Zeit nach der Entlassung zu finden. Für diesen Zweck stehen in den Justizvollzugsanstalten ausgebildete Sozialarbeiter zur Verfügung. Bei der Vorbereitung der Entlassung eines Gefangenen arbeiten die Justizvollzugsanstalten eng mit den Kommunen, den Trägern der freien Wohlfahrtspflege und Vereinigungen zusammen, die sich auf die Unterstützung von Gefangenen und Entlassenen spezialisiert haben, wie z.B. der Bayerische Landesverband für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe e.V. (www.baylgb.de).
Jugendstrafanstalten
Für den Vollzug von Jugendstrafe stehen in Bayern die drei Jugendstrafanstalten Laufen-Lebenau, Neuburg-Herrenwörth und Ebrach sowie für weibliche Verurteilte eine Jugendabteilung der Justizvollzugsanstalt Aichach zur Verfügung.
Dabei sind im Wesentlichen bestimmt die Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau für die jüngeren Gefangenen, die Justizvollzugsanstalt Ebrach für Gefangene ab 17 Jahren, die vorbelastet sind oder eine längere Jugendstrafe verbüßen, sowie für mehr als 21 Jahre alte Gefangene, die Justizvollzugsanstalt Neuburg-Herrenwörth für die übrigen Gefangenen.
Jugendarrest
Für den Vollzug von Jugendarrest sind 6 Arrestanstalten (Augsburg, Hof, Landshut, München, Nürnberg und Würzburg) eingerichtet mit insgesamt 183 Arrestplätzen, davon 23 für weibliche Arrestanten.
Der Jugendarrest ist keine Strafe, sondern ein Zuchtmittel im Sinne des Jugendgerichtsgesetzes.
Durch eine kurze strenge Freiheitsentziehung, den damit verbundenen Zwang zur Selbstbesinnung und vielfältige Betreuungsmaßnahmen während des Arrestes sollen die Verurteilten erzieherisch beeinflusst werden. Der Jugendarrest wird als Freizeitarrest für eine oder zwei Freizeiten (in der Regel Wochenenden), als Kurzarrest für die Dauer von 2 bis 4 Tagen oder als Dauerarrest von mindestens 1 Woche und höchstens 4 Wochen festgesetzt. Er kann mit Nachbetreuungsmaßnahmen aufgrund jugendrichterlicher Weisungen verbunden werden.
Ehrenamtliche Mitarbeiter
In den bayerischen Justizvollzugsanstalten wirken seit vielen Jahren ehrenamtliche Mitarbeiter bei der Betreuung von Gefangenen mit. Sie sollen im Rahmen ihrer Tätigkeit mithelfen, die persönlichen Probleme der von ihnen betreuten Gefangenen zu mildern, ihre Bildung und beruflichen Fähigkeiten zu fördern und vor allem den Gefangenen den Übergang in die Freiheit zu erleichtern. Als ehrenamtliche Mitarbeiter können geeignete und zuverlässige Personen zugelassen werden, die über 21 Jahre alt und zur Hilfe bei der Erreichung des Vollzugszieles bereit sind.
Derzeit sind im bayerischen Justizvollzug fast 660 Bürgerinnen und Bürger zur Einzelbetreuung von Strafgefangenen und ca. 790 weitere Personen als sonstige ehrenamtliche Mitarbeiter zugelassen. Sie leiten Gesprächs-, Sport- und sonstige Freizeitgruppen der Gefangenen, beraten sie in persönlichen Konfliktsituationen, helfen Wohnungen und Arbeitsstellen zu vermitteln und begleiten Gefangene bei Ausgängen. Für die ehrenamtlichen Betreuer wurde in jeder Justizvollzugsanstalt ein eigener Kontaktbeamter bestimmt, der sie bei ihrer Tätigkeit berät und unterstützt.
Norbert Merz


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Tue, was der Tag verlangt

Kann und muss der Vollzugsplan alles regeln?
Der Vollzugsplan der Anstalt und auch unser Plan als Ehrenamtliche haben gemeinsam das Vollzugsziel im Auge: „... der Gefangene soll fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen." Die Anstalt und wir haben dieses Ziel zwar oft erreicht. Ob aber der entlassene Gefangene das in die Tat umsetzt? Die Anstalt hat nun ihre Aufgabe erfüllt (meistens). Der Entlassene wird dem Einfluss der Strafvollstreckung entzogen.
Mir, als Ehrenamtlichem, ist das aber zu wenig. Ich habe es allen von mir Betreuten gesagt und werde es auch immer wieder sagen: „Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, wir haben besprochen, wie es nach der Entlassung weitergehen muss. Ich erwarte nun, nachdem ich meinen Teil erledigt habe, dass du auch deinen Teil mit der gleichen Zielstrebigkeit erbringst. Das ist mein Lohn von dir für meine Arbeit.“
Unser Plan für dich ist erst dann beendet, wenn wir beide nach einiger Zeit feststellen können: „Der Knastaufenthalt war nur eine Episode in deinem Leben, unser Plan ist aufgegangen."

Extrakt aus „16 28 meint“ zum Thema „Vollzugsplan“.

Anmerkung: Unter „1628 meint“ nahm über viele Jahre ein Ehemaliger zu den verschiedensten Themen in der LAG-Info Stellung.


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Plädoyer für die Höflichkeit

von Wolfram Weimer

Es gibt Arten, die in Deutschland vom Aussterben bedroht sind, zum Beispiel die höfliche Art. Dass Damen Türen nicht mehr aufgehalten werden, die Worte „danke“ und „bitte“ verschwinden und das Vordrängeln zur zentralen Kulturtechnik der Ego-Shooter-Ära avanciert, sind nur äußerliche Indizien einer Gesellschaft auf Schopenhauers Kurs, wonach Höflichkeit nur etwas für Schwächlinge sei. Oder wörtlich: „Die Höflichkeit ist bloß eine stillschweigende Übereinkunft, gegenseitig die elende Beschaffenheit von einander zu ignorieren.“
Wenn Dieter Bohlen und Heidi Klum die öffentliche Herabwürdigung zum massentauglichen Gesellschaftsspiel erheben und die lustige Demütigung zum Entertainmentspektakel werden lassen, dann triumphiert Schopenhauer, dann ist die Höflichkeit so weit aus der Mode wie Gamaschen und Absinth. Von fläzenden Jugendlichen, die ältere Damen in der Straßenbahn stehen lassen und ihnen den Spruch zuwerfen „Heute habe ich leider kein Foto für dich!“ bis zum Büroalltag, da einer den anderen anbrüllt wie Bohlen bei der verbalen Blutgrätsche, reicht das vitale Panorama der neuen Dreistigkeit.
Das zu beklagen, heißt sich schon vor sich selbst als Spießer zu fühlen. Denn der Alltagskomment definiert zusehends das Ruppige, Freche und Egoistische als das Coole. Höflichkeit klingt hingegen nach strengen Tanten, steifen Hemdkragen und Abschlussball. Das Höfliche ist in jahrzehntelangen Endlosschleifen der Selbstverwirklichungsmanie als das Manirierte, Scheinheilige, Zwanghafte entlarvt worden. Man wollte lieber „ehrlich“ sein, „Klartext reden“, sich nicht in Normen und Formen einzwängen lassen. Von der Kleidung über den Sprachgebrauch bis zu den Umgangsgebräuchen wurden wir also lässig, so lässig, bis wir nur noch nachlässig waren.
In Talkshows lernen wir schließlich, dass man sich gegenseitig nicht ausreden lassen muss. In der E-Mail-Kommunikation erleben wir, dass Antworten oder Nichtantworten Variablen der gleichen Kategorie sind, dass Orthografie eine Endmoräne des 19. Jahrhunderts ist und dass Verbindlichkeiten bestenfalls wie ein Hyperlink funktionieren. Das Internet ruiniert die Privatheit, jeder stellt von jedem Videos, Texte und Pics online und verbreitet alles an jeden. TV-Soap-Serien aus dem Krankenhaus entäußern jedwedes Tabu. Intimitäten werden große Boulevardware, personale Integrität bleibt als das kleine Opfer zurück. Der Gedanke, dass Höflichkeit auf Zurückhaltung basiert, ist dem Meer der elektronischen Selbstentäußerung hilflos ausgeliefert wie Treibgut.
Der populäre Spruch „Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ entlarvt den Regressionscharakter der Formlosigkeit. Wenn das Egoistische und Freche das Eigentliche werden, dann hat Rousseau verloren, der daran erinnerte, dass Höflichkeit darin bestehe, dass man einander mit Wohlwollen entgegenkommt. Ein Blick ins Nachmittagsprogramm unseres Fernsehens reicht, um zu sehen, wie weit wir uns von Rousseau oder Macaulay („Höflichkeit ist Wohlwollen in Kleinigkeiten“) entfernt haben. Da werden Menschen niedrigen Bildungsgrades und bescheidener sozialer Herkunft systematisch zum Gespött des Publikums gemacht. „Fremdschämen“ nennt man das schadenfrohe Vergnügen, das die TV-Industrie uns da entlocken will und in Wahrheit nur die niedersten Instinkte dazu benutzt, arme Menschen zu erniedrigen. Das Gegenteil von Höflichkeit ist eben die Gemeinheit, und genau die lebt im dialektischen Bezug beider Kategorien auf wie selten zuvor.
Kurzum: Der Verlust an Höflichkeit ist ein Verlust. Denn mit der Höflichkeit schwindet der Respekt. Respekt vor dem anderen, seinem Anderssein, seinen Schwächen wie seiner Leistung, vor allem aber Respekt um der sozialen Integrität willen. Man muss zwar nicht gleich Franz von Assisi folgen und die Höflichkeit als Schwester der Liebe preisen. Aber einen Schuss mehr Sinn für Würde in der Alltagskultur kann man sich schon wünschen. Wenn Sie gestatten würden. Bitte.

Auszug aus Cicero, August 2009.
Nachlesen lohnt sich!
http://www.cicero.de/259.php?ress_id=10&kol_id=10920


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Baumann steckt Häftlinge mit Lauffieber an

Neuburg (wesa) - Es ist ein besonderes „Zuckerl“, sagt Joachim Münch, Sportbeamter an der JVA Neuburg-Herrenwörth. Allerdings nur für die Anständigsten unter den Häftlingen. „An dem Wettkampf will jeder teilnehmen, das ist ganz klar“, erklärt Münch.
Gemeinsam mit seinem Kollegen Fredi Wienhard hat er die Südausscheidung des Projekts „Jugend bewegt sich über Grenzen“ organisiert. Initiatoren der bundesweit stattfindenden Veranstaltungen sind der ehemalige Olympiasieger Dieter Baumann und Dierk Bublitz. Das Ziel der beiden Freunde war von Anfang an klar: „Wir möchten möglichst viele Jugendliche aus ihren Zellen holen und ihnen die Vorzüge des Laufsports zeigen“, sagt Bublitz, der selbst Sportbeamter in der JVA Rockenberg (Hessen) ist.
„Jugend bewegt sich über Grenzen ist eine Erfolgsgeschichte“, betonte auch Anstaltsleiter Walter Bayer in seiner Ansprache an die Athleten. Er appellierte an die Jugendlichen: „Sportvereine sind eine Riesenchance euer Umfeld, das ja nicht immer das Günstigste war, zu wechseln.“
Anfangs fiel Durchhalten schwer In Neuburg ist das Lauffieber schon längst ausgebrochen. Jeden Dienstag trifft sich die Laufgruppe. Seit April stoßen die sogenannten Laufpaten, das sind Läufer des TSV Neuburg, hinzu. „Jugend bewegt sich über Grenzen besteht nicht nur aus dem Abschlusswettkampf“, betonen sowohl Baumann als auch Bublitz. Der Olympiasieger war bereits zur Auftaktveranstaltung nach Herrenwörth gereist, um die Jugendlichen für sein Projekt zu begeistern.
Dies scheint ihm gelungen zu sein. Doch trotzdem fiel es vielen Jugendlichen anfangs schwer, einige Kilometer durchzuhalten. Knapp fünf Kilometer muss jeder der vier Staffelläufer zurücklegen, will er am Projekt teilnehmen. „Es gibt Durchhänger, klar. Manchmal fehlt einfach der Biss“, erklärt der Sportbeamte Fredi Wienhard. Doch wer jetzt bei der Südausscheidung dabei war, der habe laut Walter Bayer bewiesen, dass er auch durchhalten kann.
Was vor zwei Jahren in Rockenberg mit zwölf Mannschaften begann, entwickelt sich mehr und mehr zur Großveranstaltung: In Neuburg gingen zwölf Mannschaften aus ganz Süddeutschland an den Start, unterstützt von vier Läufern des TSV Neuburg, die außer Konkurrenz antraten. Die besten sechs dürfen sich nun am 3. Juli in Adelsheim beim Bundeswettbewerb messen.

Neuburger Rundschau 29. 6. 2009


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In Würzburg entsteht eine neue Gruppe

Einladung
Zum 1. Treffen der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der JVA Würzburg
Ort: Kloster Oberzell
Zeit: Donnerstag, den 1. Oktober 2009 um 18 Uhr

Tagesordnung:
Vorstellung der Teilnehmer
2. Planung und Festlegung der weiteren Termine (z.B. 1. Donnerstag alle 3 Monate)
3. Auswahl möglicher Themen für das nächste Treffen
4. Fallbesprechung aus dem Kreis der Teilnehmer
5. Wünsche, Anregungen, Ideen

Eine Wegbeschreibung liegt bei, ich werde Sie am Parkplatz im Klosterhof abholen.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sommer und freue mich, wenn viele dieser Einladung folgen (Rückmeldung bitte bis spätestens Montag, 28. September 2009).
Herzliche Grüße
Inge Schömig
Ehrenamtliche Mitarbeiterin


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Würzburg

Einsatz für Randgruppen Ingrid Pollak war zum Neujahrsempfang beim Bundespräsidenten, Horst Köhler, ins Schloss Bellevue eingeladen. Pollak ist seit über 15 Jahren in der Arbeit für Randgruppen der Gesellschaft ehrenamtlich tätig. Sie begleitet Insassen der Justizvollzugsanstalt Würzburg vor und nach der Entlassung, insbesondere im Verein Emmaus-Hof in Gauaschach, wo sie als Vorstandsmitglied arbeitet. Hinzu kommt ihr Engagement in der Kreativgruppe der JVA, Tätigkeiten im Blauen Kreuz und im Pfarrgemeinderat Lengfeld St. Lioba, im Gebetskreis „Eine Stunde Zeit“ wirkt.

09. 1. 2009 Lengenfeld; Main Post


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Niederschönenfeld

Ansprechpartner und Berater in jeder Situation
Niederschönenfeld (sta) - Die Justizvollzugsanstalt Niederschönenfeld hat die ehrenamtlichen Mitarbeiter wieder zu einem Treffen eingeladen. Die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen bietet die JVA inzwischen seit 16 Jahren an. Als kleines Dankeschön für die geleistete Arbeit des vergangenen Jahres fand im Mehrzweckraum der alten Schule ein gemeinsames Essen statt. In seiner Begrüßungsrede stellte der Anstaltsleiter, Regierungsdirektor Peter Landauer, den neuen Vorsitzenden des Anstaltsbeirates MdL Georg Winter vor. Auch bedankte sich Landauer bei den ehrenamtlichen Helfern für ihre konkreten und vielseitigen Hilfsangebote für die Inhaftierten.
Der neue Anstaltsbeiratsvorsitzende hob ebenso das hohe ehrenamtliche Engagement hervor. Winter bezeichnete die Ehrenamtlichen als Verbindungsstelle zwischen Justizvollzug und Öffentlichkeit. Sie leisteten vieles, was die Bediensteten des Strafvollzuges nicht zu leisten vermögen. Sie trügen dazu bei, die Gefangenen wieder in die Gesellschaft zu integrieren und brächten somit einen unverzichtbaren Dienst.
Der Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen in der JVA Niederschönenfeld, Sozialamtsrat Werner Stapf, berichtete, dass derzeit 25 Privatpersonen, neun Angehörige von Wohlfahrtsverbänden sowie neun türkische Staatsangehörige der Muslimgemeinde Donauwörth/Bäumenheim für die ehrenamtliche Betreuung zugelassen sind. Erfreulich sei, dass die Anzahl der Betreuenden seit vielen Jahren konstant ist. Auch teilte er mit, dass die Justizvollzugsschule in Straubing in diesem Jahr wieder eine Fortbildungsveranstaltung für die Ehrenamtlichen anbietet, für welche sich drei Personen angemeldet haben.

Enge Zusammenarbeit
Die Ehrenamtlichen nutzten den Veranstaltungsrahmen, um über ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen mit den Strafgefangenen ausführlich zu berichten und der Anstaltsleitung und den Mitarbeitern des Hauses für die enge und gedeihliche Zusammenarbeit zu danken..
Die Organisation des gegangenen Abends oblag in bewährter Form Stapf. Für das leibliche Wohl sorgten die Vollzugsbediensteten Christine Burger und Hubert Hörmann in Zusammenarbeit mit Anstaltsküche und -bäckerei.
Augsburger Allgemeine, 27. 7. 2009


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Kemptener Dienstagsgruppe

Die Bilder wurden von den Männern (Strafgefangenen) unserer Dienstagsgruppe in Reisstechnik erarbeitet.
Dabei werden Papierschnipsel unterschiedlicher Größe und Farbe auf einem Keilrahmen in eine vorher angefertigte Bleistiftzeichnung aufgeklebt. Es entsteht eine Struktur ähnlich einem Mosaik. Den Männern hat es richtig Spaß gemacht. Voller Stolz präsentieren sie ihre Ergebnisse der LAG-Info.
Emil Wagner

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Straubinger Tagung 2010

Donnerstag, 8., bis Samstag, 10. Juli 2010
Justizvollzugsschule Straubing


Mitgliederversammlung 2010

Samstag, 18. September 2010
In Augsburg
Hotel Riegele, Viktoriastraße 4,
gegenüber Hauptbahnhof


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"Miteinander sprechen, Vorurteile überwinden, sich verständigen, verantwortlich handeln".

Offenheit, menschliche Wärme und gegenseitiger Respekt kennzeichnen unsere Arbeit.

Was du zusammendrücken willst,
das musst du erst richtig sich ausdehnen lassen
Was du schwächen willst,
das musst du erst richtig stark werden lassen.
Was du vernichten willst,
das musst du erst richtig aufblühen lassen
Wem du nehmen willst,
dem musst du erst richtig geben.
(Laotse)


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© LAG 2009-09-27