Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 67


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LAG-Info 67       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Wechsel im Ministerium
Wechsel auch im Referat F 6
Requiem für Bernhard Wydra
Behner gestorben
Zum Gedenken
Große Feste stehen bevor
Von Betreuer zu Betreuten
Mein Betreuter ist Analphabet
Erfahrungen weitergeben
Lebenskunst
There is no easy way out
Ein Du zum Sich-Anvertrauen
Ein Eheseminar hinter Gittern
Was motiviert Sie ...
Übergang Haftentlassung ...
Einfache Sache
Dissozialität
Es gibt nur einen Weg
Augsburger Gespräche
Anti-Gewalt-Training

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Unser Flyer Zurück zur LAG-Info - Übersicht


 

Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

In unserem Engagement hat das Zwischenmenschliche eine sehr große Bedeutung und nimmt Einfluss auf das Zusammenwirken mit dem uns anvertrauten Gefangenen, den Leitungen, den Bediensteten und den Kontaktpersonen der Justizvollzugsanstalten. Umso mehr sind wir aufgerufen, über unser Verhältnis zu den Mitmenschen zu reflektieren.
Und so fragen wir, warum der Staat Straftäter niemals aufgeben darf und setzen uns im Interview mit Prof. Dr. Udo Rauchfleisch und einem Bericht „Anti-Gewalt-Training“ mit der Situation schwieriger Menschen auseinander.
Hier gilt der besondere Dank Walter Knoebl, Sozialwissenschaftler und Familientherapeut, „Wendepunkt. Sozialtherapie“ der Stadtmission Nürnberg.
Voller Anteilnahme nehmen wir Abschied von einem sehr, sehr Großen. Bernhard Wydra hat uns für immer verlassen. Wer bei der Trauerfeier dabei war, bekam das von allen Rednern bestätigt, was jeder, der Bernhard Wydra begegnen durfte, selbst gespürt hat: „Ein wunderbarer, erfahrener, unendlich gütiger, weiser, hilfsbereiter, humorvoller Mensch.“
Und dann freuen wir uns auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Leiter der Abteilung Justizvollzug im Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Prof. Dr. Frank Arloth - kein Unbekannter - , der uns über viele Jahre auch bei den Augsburger Gesprächen unterstützt und begleitet hat.

Ihr

Norbert Merz


Augsburger Gespräche 2009

Samstag, 28. März 2009, 9:00 bis 17:00 Uhr
Kloster St. Stephan in Augsburg


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Wechsel im Ministerium

Der bisherige Präsident des Landgerichts Augsburg, Prof. Dr. Frank Arloth, wurde zum Leiter der Abteilung Justizvollzug im Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz berufen.
Mit der neuen Aufgabe wechselt Arloth in sein Spezialgebiet Strafvollzug. Er ist einer der führenden Kommentatoren des Vollzugsrechts in Deutschland und stellvertretender Redaktionsleiter von Forum Strafvollzug.
Als Abteilungsleiter ist er in Bayern für rund 5000 Justizvollzugsbedienstete und ca. 12000 Inhaftierte zuständig.
(aus Forum Strafvollzug - 1. 2. 2009)

Die Mitglieder und die Vorstandschaft der Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern beglückwünschen Prof. Dr. Frank Arloth zu seiner Ernennung und freuen sich auf eine gute Zusammenarbeit

Der Vorstand


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Wechsel auch im Referat F 6

des Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz München

Regierungsdirektor Horst Krä neuer Leiter des Referats F6
Wir wünschen einen guten Start und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.
Für eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit bedanken wir uns beim Vorgänger Ragnar Schneider, Ministerialrat, der innerhalb des Ministeriums neue Aufgaben übernimmt

Vorstandschaft der LAG


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Requiem für Bernhard Wydra

Am Requiem für Bundesbruder Bernhard Wydra, am 31. Januar 2009 erst 70-jährig verstorben, predigte Pfarrer Michael Bauer aus Straubing; er bezog sich dabei auch auf den ND. Prof. Johannes Gründel war Mitzelebrant, Georg Schmitz-Valckenberg beim Altardienst; beide waren mit Bernhard in den 1960er Jahren in der Münchner ND-Gruppe Albertus-Magnus. Neben hohen Vertretern und Kollegen der bayerischen Justiz würdigten Gäste und Freunde aus Polen und der Tschechischen Republik sein herausragendes Engagement zur humanen Erneuerung des Justizvollzugs.
Christus, der Herr, schenke Bernhard die Freude der Auferstehung!


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Heinz Behner ist gestorben

Heinz Behner, unser langjähriges Mitglied, hat sich im Alter von 84 Jahren in aller Stille verabschiedet. Seit Oktober 1987 Mitglied der LAG, begleitete er mit besonderem Interesse die Aktivitäten der LAG. Dabei war für ihn die Öffentlichkeitsarbeit - hier die Augsburger Gespräche - ein besonders großes Anliegen.
In stillem Gedenken bedanken wir uns für sein Engagement, das in erster Linie den Gefangenen der JVA Straubing galt.

Norbert Merz


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Große Festtage stehen bevor!

100 Jahre Justizvollzugsanstalt Aichach
Festwoche vom 3. bis 10. Juli 2009

Die Anstalt wurde 1904 bis 1908 errichtet und 1909 als Haftanstalt für weibliche katholische Strafgefangene in Betrieb genommen. 1935 wurde das Arbeitshaus für Frauen von Rothenfeld nach Aichach verlegt.
Heute besteht die Justizvollzugsanstalt aus einem kleineren Männerhaus und einer verhältnismäßig großen Frauenabteilung, die in vier Flügel zu je drei Stockwerken aufgeteilt ist.
In den einzelnen Gebäudeteilen befindet sich die Jugend-, die Zugangsabteilung (von der aus neue Insassinnen auf die restlichen Flügel verteilt werden), der Einkauf (eine Möglichkeit für die Gefangenen Waren zu erwerben), die Krankenabteilung und die Mutter-Kind-Abteilung, außerdem die Sicherheitsabteilung. Ebenfalls im Frauenhaus sind die Verwaltung, die hauseigene Bäckerei, die Großküche, die Arbeitsbetriebe und außerdem die Arbeitstherapie für Gefangene, die nicht in einen „normalen" Arbeitsbetrieb integriert werden können.

100 Jahre Justizvollzugsanstalt Landsberg
Tag der offenen Tür am 27. Juni 2009

Die Justizvollzugsanstalt Landsberg wurde von 1904 bis 1908 erbaut und am 16. Januar 1909 zum ersten Mal mit Gefangenen belegt. Sie feiert am 19. Juni 2009 mit einem Festakt für geladene Gäste ihr hundertjähriges Bestehen. In der darauf folgenden Woche gibt es ein Festprogramm mit Ausstellungen. Am 27. Juni 2009 findet ein Tag der offenen Tür statt. Der Autor Klaus Weichert wird zum Festakt eine Chronik über die JVA Landsberg vorstellen.


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Zwischenmenschliches: Von Betreuer zu Betreuten

Etwas im Rahmen der Betreuer-Fortbildung, oder?

Geht es Ihnen hin und wieder auch so wie mir? Während eines Besuches – das vor allem in der Anfangsphase einer Betreuung – werde ich von einem Redeschwall der Unzufriedenheit getroffen, der mich in meinem Innersten sofort parteiisch werden lässt. Gedanklich suche ich die Schuldigen, finde das Gehörte unmenschlich, fordere Aufklärung und Bestrafung der Schuldigen. Erst beim zweiten und dritten „Hinhören“ beginne ich mich zu fragen!
Was läuft denn hier ab? Ist das normal? Müsste ich mich um Derartiges auch noch kümmern? Beginnen wir bei uns. Das Parteiergreifen ist erst einmal eine ganz normale Reaktion, vielleicht auch ein klein wenig verborgenes Helfersyndrom, das sich in uns freisetzt. Wir versuchen, den vermeintlich Schwächeren zu schützen.
Bis hierher, denke ich, ist alles noch natürlich und eine nachvollziehbare Reaktion. Und dann sollten wir noch bedenken, dass Insider uns sogar empfehlen, diese menschlich verständliche Reaktion des Strafgefangenen zuzulassen und ihm die Möglichkeit des Sich-Luft-Machens zu bieten. Und später stellen wir fest, dass es nicht nur in der Anfangsphase unserer Begegnung solche „Überfälle“ geben kann.
Ja und dann? Jetzt ist unser gesunder Menschenverstand gefragt und wir beginnen zuzuhören. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zuhören, zuhören, zuhören, nachfragen, um Erläuterung bitten!
Vom Handeln, Schuldige suchen, zur Rechenschaft ziehen, davon war noch nicht die Rede! Was wissen Sie aufgrund dieser „Erzählung“, was hier Sache ist? Welche Informationen hätten Sie zu diesem Zeitpunkt in der Hand, um – mit Ihrem Gefangenen vereinbart – Ihre zuständige Kontaktperson der JVA zu befragen?
Aber was dann beim ersten Besuchen? Gerade jetzt, wo eine nicht der Justiz zugeordnete Person ihm die Chance bietet, seinen Frust loszuwerden. Endlich hat doch der Gefangene einen neutralen Gesprächspartner. Was denn nun?
Machen Sie sich ein Bild von der misslichen Lage, die der Gefangene so eben schildert. Lassen Sie sich erklären, was ihn, wer ihn, warum so furchtbar ärgert. Was wurde nicht genehmigt, obwohl er doch Anspruch hätte (wirklich!). Lassen Sie sich aufzeigen, mit welchen legitimen Mitteln er Einfluss nehmen kann. Schließlich kennen Sie weder das Strafvollzugsgesetz mit all seinen Muss- und Kann-Bestimmungen, noch wissen Sie etwas über die Hausordnung, über frühere Schwierigkeiten während seiner Haft. Lassen Sie sich das im Kontext zu seinem Ärgernis erklären. Fragen Sie nach, hören Sie zu!
Betreuung, Begleitung ist ein „Geduldspiel“. Aber Sie werden merken, dass sich alleine durch das Zuhören, durch das Nachfragen bei Ihrem Gegenüber eine Wandlung vollzieht.
Endlich hört mir einer zu, endlich geht einer auf meine Probleme ein, endlich darf ich, ohne die Worte auf die Waagschale legen zu müssen, meinen Ärger herauslassen. Sie haben es in der Hand, Ihren Besuchten, ohne dass die Problematik unter den Tisch gekehrt wird, unter Umständen zu einer Lösung, die er als seine verbuchen kann, zu führen. Das soll nicht heißen, dass Sie sich mit Ihrer Kontaktperson zu der einen oder anderen Problematik Informationen einholen.
Aber gehen wir noch einmal etwas zurück. Geben Sie dem Gefangenen (der Gefangenen) ein Forum, lassen Sie ihn ausreden, hören Sie zu, fragen Sie nach, lassen Sie sich die Situation erklären, versuchen Sie, die Situation, die zu diesem Ärger geführt hat, zu ergründen. Wer sind nach seiner Meinung die Ungerechten, die „Schinder“, die „Unmenschen“, die ihm nur Übles wollen? Warum sind das die, was haben sie getan?
Fragen über Fragen, die eigentlich geklärt sein sollten, bevor Sie mit ihm gemeinsam zur Attacke blasen, sich unreflektiert auf eine Seite schlagen. Fragen Sie ihn, was er bisher dagegen oder dafür getan hat. Fragen Sie ihn, wie dieses Ärgernis entstanden ist.
Fragen Sie ihn und lassen Sie ihn erklären und erläutern, wie man im Gefängnis derartige Fälle löst. Welche Rechtsmittel, welche Beschwerdemöglichkeiten, welche Personen seines Vertrauens zur Verfügung stehen. Fragen Sie ihn, ob dieses nicht evtl. mit seiner Strafe, seinem Delikt, der noch verbleibenden Haftdauer zu tun haben könnte. Gibt es interne Klärungsmöglichkeiten und hatte er diese bereits versucht oder sogar ausgeschöpft. Fragen Sie, ob er zu einem Gespräch zu dritt bereit wäre.
Eins können wir an dieser Stelle schon mal festhalten. Gleich zu Beginn in ein großes Weheklagen einzustimmen, hilft keinem einen Schritt weiter. Eventuell müssten wir uns die Frage stellen, ob wir als Person mit einer „derartigen“ Konfliktbewältigung, „unreflektierten“ Meinungsübernahme, einer solchen Einstellung am richtigen Platz sind. Das ist nicht die Betreuung, die Begleitung, die der Strafgefangene braucht.
Wo ist das Gegenüber mit gesundem Menschenverstand und ohne Gefühlsduselei?
Ehrliches Bemühen um eine Konfliktlösung und loyale Zusammenarbeit mit meinen Partnern der Institution. Und dann noch ein Hinweis: Betreuertreffen, Ehrenamtlichen-Zusammenkünfte, Ausspracheabende oder wie sie auch heißen mögen, sind die Einrichtungen, um unter Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen und Unterstützung zu erfahren.

Sollte es in Ihrer Region dazu keine Möglichkeit geben, lassen Sie es uns wissen.

Norbert Merz


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Mein Betreuter ist Analphabet, Paragraphen interessiert das nicht

In unserer Gruppenstunde der Ehrenamtlichen bei der evangelischen Straffälligenhilfe lächeln wir manchmal, wenn unterschiedliche Strafgefangene Briefe mit exakt derselben Handschrift an uns schicken, oder ein Schreiber sich durch unterschiedliche Handschriften „auszeichnet“.
Was sich dahinter verbirgt wissen wir. Er ist ein Analphabet. Mit welchen Schwierigkeiten bis Unlösbarkeiten so ein Gefangener aber lebt, ahnen wir kaum.
Wenn wir die Statistik über Analphabeten, bezogen auf uns freie Mitbürger in Deutschland, bemühen, spricht sie von ca. 4 Millionen, also ca. 5 Prozent der Bevölkerung. Aber nur ca. 20.000 erreichen Alphabetisierungsmaßnahmen.
Nun beschreiben wir Analphabeten in Deutschland mit: Schulpflichtig Gewesene, die lateinische Buchstaben und deutsche Wörter kennen, aber nicht richtig verwenden: „gip mia de Guli zu kardeschraim“.
Eine andere „Qualität des Analphabetismus“ liegt bei den Menschen vor, die das lateinische Alphabet gar nicht gelernt haben, sondern andere Schriftzeichen, chinesische, indische, arabische usw. oder gar keine, wie manche Gastarbeiter, Migranten, Asylsuchende.
Der Anteil an Analphabeten in unseren Gefängnissen, mit einem Drittel oder mehr Ausländeranteil, dürfte demnach noch viel höher ausfallen als in der Deutschland-Statistik aufgezeigt. Zahlen dazu konnte ich nicht finden.

Mein aktueller Fall:
Zu Beginn einer derzeitigen Betreuung empfahl ich dem noch 2 Jahre einsitzenden Gefangenen, einen Deutschkurs in der JVA zu beginnen, denn „der Gefangene soll befähigt werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen "
Er wurde nicht zugelassen, da die Minimalvoraussetzung - lateinisches Alphabet - fehlte. Diese fehlende Voraussetzung wollte ich schaffen.

„Alphabetisierung“
In der JVA gab es aber keinen Kurs dafür. In der VHS München gibt es Kurse (siehe Süddeutsche Zeitung, München, 7. 1. 2009, „Wenn das Lesen zur Qual wird“), ist aber nicht der Ort meiner JVA.
Ein Gespräch im Justizministerium, zu dem ich u.a. dieses Thema mitnehmen wollte, kam nicht zustande. Beim Klettverlag wurde ich fündig: Katalog: Deutsch als Fremdsprache, „Das Kreuz mit der Schrift“, DVD, 6x30 Minuten, 19,90 Euro und „Fußball und Sport“, das Sachheft dazu, 72 Seiten, 10,95 Euro.
Ein Vorschlagsangebot aus längerer gemeinsamer Meinungsbildung. Zur Durchführung der Kurse haben wir, Klettverlag und ich, bei der VHS vor Ort angefragt.
In dieser Zeit des Suchen haben Strafgefangene über die GMV (Gefangenenmitverwaltung) einen Antrag für einen Alphabetisierungskurs eingereicht.

Ergebnis:
Der Kurs wird nicht genehmigt!
1. Ein Alphabetisierungskurs, von der VHS vor Ort, gehalten in der JVA ist zu teuer.
Es müsste der Lehrer in der JVA, der „Deutsch für Ausländer“ lehrt, den Kurs zusätzlich halten. Das hat kaum Aussicht auf Realisierung, wegen fehlender Kapazität für Einarbeitung und Durchführung.
2. Den Kurs beantragt haben 14 Gefangene. Sie wurden auf Berechtigung für diesen Kurs überprüft. 2 wurden als berechtig erklärt, 12 als nicht berechtigt. Für 2 Personen wird aber kein Kurs eingerichtet, normal bilden ca. 9 Personen eine Sprachen-Klasse.
Begründung der Ablehnung: Das Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz - AufenthG) verbietet es.
Die mir genannten zwei Paragraphen aus 107 (einhundertsieben) an der Zahl geben keinen Hinweis darauf, deshalb hier die Gründe dem Inhalt nach: längere Haftzeit, Verstoß gegen das BTM-Gesetzt, sexueller Missbrauch.
Da mein Betreuter weder deutsch lesen noch schreiben kann, ich ihm bei einem Besuch auch nichts aufschreiben darf, werde ich als Trost aber Folgendes in einem Brief schreiben, den er dann vorgelesen bekommt: Wollen Sie Ihre deutschen Sprachkenntnisse trotz Kursverbot verbessern und auch etwas über ein gutes Miteinander in Deutschland lernen, dann sehen Sie sich im Fernsehen eine kleine Sendereihe an.
Sie kommt zweimal pro Woche und heißt: „Anna, Schmidt und Oskar“ Sender: BR alpha. Mittwoch, 9:00 bis 9:15 Uhr und
Sender: BR Donnerstag, 7:00 bis 7:15 Uhr
So kann ich meinem Betreuten vielleicht doch etwas helfen.
Ministerien, Referate, Behörden tun es auch. Die leisten entlassenen Analphabeten gerne unentgeltlich Amts- und Schreibhilfe. Das ist für solche Besucher günstig. Im Knast kostet unter „Kollegen“ einmal Briefschreiben einen „Koffer“.
„So kann der Gefangene auch befähigt werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen." Man (und er auch) muss nur drauf kommen!

Mein Betreuter ist ein Analphabet, aber Ministerien, Referate ... helfen.

R. K.


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Erfahrungen weitergeben

In einer Ausarbeitung der Volkswagen AG las ich etwas über „Die Wissensstafette - ein Instrument zur Erhaltung des Wissens von Führungskräften und Fachpersonal“. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber wie ist das bei den Ehrenamtlichen?
Ich denke sehr, sehr viel. Oder sehen wir es als gottgegeben an, dass man halt nach getaner Arbeit ganz leise verschwindet?
Ob aus Altersgründen oder um sich neuen Aufgaben zuzuwenden, immer dann, wenn Ehrenamtliche gehen, die seit Jahren wertvolles Erfahrungswissen über die Gefangenen, über die Mitarbeiter der Justiz, die organisatorischen Abläufe und Zusammenhänge und über den gesetzlichen Rahmen gesammelt haben, dann verlässt mit dem Wechsel auch dieses wertvolle Gut die einzelnen Betreuergruppierungen.
Das Wissen und die Erfahrung unserer Ehrenamtlichen ist eine Kostbarkeit, die es für die aktiven Mitglieder der LAG zu bewahren gilt. Aber wie lässt sich das für die nachfolgenden Generationen von Ehrenamtlichen erfassen?
VW spricht von der Wissensstafette. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Interviews mit dem Erfahrungsträger. Selbstverständlich geht es dort aus finanziellen, ökonomischen Überlegung um einen reibungslosen Übergang vom Stelleninhaber zum Nachfolger. Aber würde es uns schaden, wenn es uns gelänge, dass die Dr. Graesers, Wagners, Seifrieds, Helms und wie die Erfahrungsträger der LAG alle heißen mögen, ihre Erfahrungen, ihre Geschichten, ihre Schwierigkeiten, ihr betrogenes Vertrauen, ihre Fehleinschätzungen, ihre großen und kleinen Erfolge, eben ihr Wissen um die Betreuungsaufgabe mitteilen würden?
Vielleicht aber haben die seit Jahren sehr engagierten Menschen eine andere Idee, sich uns mitzuteilen. Was sagen die Erfahrungsträger mit vielen Ausflüchten: „Da war doch gar nichts Besonderes, auch nichts Mitteilungswürdiges dabei, und alles war damals so wie heute." Ja, und wie war es denn damals? Lasst den Neuen die Beurteilung, ob besonders oder nicht! Wie war das mit den Betreuungsbesuchen, welche Rolle haben die Torbeamten gespielt, wofür wurde Zeit geopfert, wie war das mit der Werbung, welche Wege zu den Behörden waren einfach bitter notwendig, ... ???
Dabei wissen alle, Erfahrungstransfer, wie es neudeutsch heißt, wird immer eine ganz wichtige Orientierungshilfe sein und nie eine kritiklos übernommene Information. Sie bewahrt die Neuen vor Fehlern, die nicht unbedingt ein zweites Mal gemacht werden müssen, und gibt ihnen die Chance, in ihrem Einsatz immer besser zu werden.
Wir wollen eine Kultur des aktiven Austausches schaffen. Dabei sollten sich alle individuell in die Konzeption einbeziehen lassen, so dass die Erfahrungen in das Tagesgeschäft einfließen können. Mit Kommunikation statt reiner Information und mit Integration statt Separation wird das Erfahrungswissen an die Neuen vermittelt.

Norbert Merz


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There is no easy way out

Ich möchte mit den folgenden Zeilen zeigen, dass ein eigentlich vollkommen normales Kind ohne Probleme talwärts fallen kann und dass man nur sehr schwer wieder nach oben kommt. Besonders sollen diese Zeilen aber danke sagen, an Menschen die nicht nur Dienst nach Vorschrift tun und selbst in dem schlechtesten Menschen noch etwas Gutes sehen.
Denn ich war Skinhead. Aber nun langsam von Anfang an. Mein Name tut zwar nichts zur Sache, aber ich heiße Chris. Aufgewachsen bin ich, bis auf meinen leicht zu erregenden Vater (befehlsgewohnter Berufssoldat) und meine lieber zur Seite schauende Mutter, ganz normal. Beide gingen arbeiten und mein Vater erwartete von mir denselben Gehorsam wie von seinen Soldaten, außerdem sollte ich die schulischen Leistungen bringen, die er nicht brachte. Machte ich bei den Hausaufgaben Fehler, wurde ich bestraft, machte ich sie nicht, dann auch. Also ließ ich es ab der vierten Klasse sein. Gott sei Dank hat mir die Natur etwas Grips mitgegeben, und so versagte ich in der Schule nicht völlig. Die Nachmittage verbrachte ich mit der Suche nach Freunden oder Anerkennung und so fand ich bald die „richtigen Kreise“. Kreise in denen Schulnoten egal waren und in denen andere Werte zählten. Ich traf mich mit einer Gruppe von Älteren, wir hörten Musik, fuhren in einem alten Benz rum und tranken Alkohol.
Irgendwann brachte jemand eine Kassette mit, auf der sich die “Erleuchtung“ befand. Die deutschen Lieder handelten von Stolz, Ehre und den Stärken der nicht Verstandenen. Die Interpreten waren Störkraft, Kraftschlag usw. Ich war begeistert, sie verstanden meine Probleme und ich wollte so sein wie meine neuen Helden. Da mit meinen 15 Jahren zu Hause eh nichts mehr passte, zog ich aus und lebte von da an in einem Zelt zusammen mit 3 oder 4 anderen Freunden.
Da fielen dann auch meine Haare. Wenn du in einer Kleinstadt in einem Zelt wohnst, ständig dicht warst und dich offen zu einer Subkultur bekanntest, war es natürlich auch mit arbeiten usw. Essig. Ich hatte bis zu meiner Inhaftierung 4 Lehrstellen und arbeitete auch bei der Müllabfuhr, aber durch meinen Lebenswandel bestehend aus Alkohol, Drogen und Party verlor ich jede Arbeitsstelle.
Eingefahren bin ich dann nach 3 Bewährungsstrafen wegen schwerem Diebstahl (Einbruch) für 18 Monate. Ich kam als gerade 18-Jähriger erst nach Augsburg, nach einigen Auseinandersetzungen ging es nach München-Stadelheim. Das Ende meiner Reise im grün-weißen Bus endete in Neuburg-Herrenwörth.
Schon im Zugangsblock sprach mich ein Beamter in Bezug auf meine fast 3 Lehrjahre als Kfz-Mechaniker an und ob ich mir vorstellen könnte diese zu beenden. Aber am aktivsten wurde der Leiter des Hauses, in das ich dann kam. Er klemmte sich ans Telefon und klapperte Autohäuser usw. ab, um für mich eine Möglichkeit zu finden doch noch Geselle zu werden. Der einzige, der einem Knacki eine Chance geben wollte, war Herr S. von der Neuburger Kolpingschule, und die teilweise sture Haltung der Kfz-Betriebe weckte in mir einen Ehrgeiz, es denen zu zeigen. Im Laufe meiner Haft- und Lehrzeit steigerte ich meine Leistungen, auch angetrieben durch meine Sozialarbeiterin und meine Zellengenossen, und schloss meine Lehre mit sehr gut ab.
Hägar, einer meiner Zellengenossen, nahm auch erheblichen Einfluss auf meine Lebenseinstellung. Er erinnerte mich daran, dass ich schon lange auf Motorräder stand. Da sich die Skinbewegung auch immer mehr nach rechts drehte und ich eh wieder Haare auf dem Kopf hatte (wegen meiner Verhandlung), beschloss ich, diese wachsen zu lassen, und machte mich auf die Suche nach neuen Freunden. Im Hafturlaub lernte ich auch „normale“ Leute kennen. Die sich aber, nach meiner Entlassung, als Heroinsüchtig herausstellten. Also auch nichts für mich.
Nachdem ich ja nun Geselle war, suchte und fand ich einen Betrieb in München, der einem Junggesellen, der gerade aus dem Knast kam, eine Chance gab. Und so arbeitete ich 6 Jahre lang, bis zu meiner Meisterschule, bei einem sehr kleinen Autohaus in München-Schwabing. Im Zug, auf dem Weg zur Arbeit, traf ich dann auch noch einen uralten Kumpel, der mich in das Clubhaus seines Motorradclubs einlud, und schon nach meinem ersten Besuch wusste ich, hier gehörst du hin, und so wurde ich Mitglied in diesem Motorradclub und bin es heute noch.
Heute bin ich 37 Jahre alt, glücklich verheiratet, habe 3 Kinder und richtig spießig wie in der Bausparkassenwerbung ein eigenes Haus. Im Schuppen hinter dem Haus habe ich, als Nebengewerbe, eine kleine Werkstatt eingerichtet. Hier schrauben mein Großer und ich an allem, was Räder hat. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich in der technischen Dokumentation bei einem großen bayrischen Motorradhersteller. Nach nun 15 straffreien Jahren denke ich, dass ich raus bin aus dem Tal. Und hoffe, dass vielleicht einer, der die Zeilen liest, Mut fasst und hilft.

Anmerkung der Redaktion:
„Ich würde gerne helfen“, mit diesem Betreff erreichte mich die erste Mail.
Und wie es der Zufall will, hatte ich in der Nähe zu tun und wir verabredeten uns zu einem ersten Sondierungsgespräch, wie man dies in der Politik nennen würde.
Mich hatte vor allem fasziniert, dass Chris schrieb: „Ich bin überzeugt davon, dass ich ohne diese Zeit (gemeint ist u.a. die Zeit der Inhaftierung) niemals einen Weg aus dem Tal bestehend aus Drogen, Gewalt und Verbrechen gefunden hätte.“ Er schreibt dann weiter, „und in mir brennt der Wunsch etwas zurückzugeben. Da ich das mit Geld nicht kann, würde ich mich gerne anders engagieren.“
Also trafen wir uns und überlegten uns einen sinnvollen ehrenamtlichen Einsatz in einer südbayerischen Justizvollzugsanstalt.
Ich glaube, wir haben etwas gefunden und wir werden auch darüber wieder berichten.

Norbert Merz


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Ein Du zum Sich-Anvertrauen

Jeder von uns wünscht sich ein Du, dem er sich anvertrauen darf und von dem er Rückhalt erfährt.
Diese Geborgenheit im geschätzten Gegenüber vermittelt eine Heimat, die uns an Leib und Seele gelassener den Anforderungen des Daseins gegenübertreten lässt.
Mein Wunsch an dich ist neben den vielfältigsten Beziehungen und Kontakten eine echte Freundschaft, in der du durch Worte und Taten gut aufgehoben bist.
Einen Menschen wünsche ich dir, zu dem du immer kommen darfst und der dich mit all deinen Eigenschaften annimmt.
Durch die unterschiedlichsten Begegnungen können wir vieles von- und miteinander lernen. Wer das Geheimnis des anderen zu achten weiß, findet stets einen neuen Weg zu ihm. Manchmal versteht man sich schon durch kleine Gesten, ein anderes Mal entdeckt man unbekannte Seiten aneinander.

Thomas Romanus


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Was motiviert Sie zu Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

  • etwas Sinnvolles machen
  • anderen Menschen helfen
  • etwas für bedürftige Menschen tun
  • gesellschaftliche Verhältnisse verändern
  • Arbeit sozialer Einrichtungen verändern
  • Freude, Spaß haben
  • eigene Betroffenheit
  • politische Einstellung
  • Ausgleich zum Berufsleben
  • neue Einblicke in Zusammenhänge sozialer Organisationen erhalten
  • eigene Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern
  • Hobby, Interesse
  • Beziehungen und Kontakte knüpfen
  • soziales Verantwortungsgefühl
  • Überbrückung von Arbeitslosigkeit
  • Einstieg in Arbeitsmarkt fördern/ erleichtern
  • Sonstiges

    Diese Überlegungen sind einer Studie entnommen, die zur Zeit in einer Kleinstadt bezüglich des Ehrenamt durchgeführt wird!

    Und wo finden Sie sich wieder?


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    Meinung zum Bericht in LAG 65:

    Übergang Haftentlassung, Zusammenarbeit Straffälligenhilfe

    Dem Beitrag von Herrn Wolfgang Krell, SKM in der Diözese Augsburg, Straffälligenhilfe, ist nicht mehr viel hinzuzufügen, er trifft die Realität exakt. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter bin ich für den Strafgefangenen während der Haftzeit ein wichtiger Ansprechpartner. Mein Proband L. befasste sich fast die gesamte Betreuungsphase mit der Frage, wo er nach der Entlassung wohnen werde?
    Es mangelte also nicht an Motivation, und ich begleitete ihn auch in ein Übergangswohnheim, wo er auch die Zusage hatte, nach der Entlassung zu wohnen. Doch dieses Wohnheim wurde dann doch relativ kurzzeitig geschlossen, unmittelbar vor der Entlassung. Nun steht man als Ehrenamtlicher doch irgendwo auch „innerlich in der Pflicht“, dem Betreuten weiter zur Seite zu stehen.
    Die Caritas Straffälligenhilfe in B. (aus Datenschutzgründen verändert) gewährte zwar schon dann Rat und Hilfe, doch angeboten wurde zunächst nur die Obdachlosenunterkunft in B. Hier „Nein“ zu sagen, war die erste wichtige Entscheidung meines Probanden am Entlassungstag. Ich stand daneben und sagte, dies kann ich verstehen, hier würde ich auch nicht untergebracht werden wollen. Vom Gefängnis in die Obdachlosenunterkunft, welch ein Angebot. Aber dennoch besser als nichts. Nun, wie gings weiter? Zunächst sind wir – nachdem uns die Caritas eine Adresse gegeben hatte – zu einer Wohnungsbaugesellschaft gefahren und haben uns dort vorgestellt.
    Gottes Fügung: haben die beiden Mitarbeiter der Gesellschaft zugestimmt, das einzig im Moment vorhandene leere Appartement zu vermieten. Zu beziehen am Folgetag. Ich war mit meinem Probanden auf Obdachsuche, wer dies noch nicht selber gemacht hat, weiß nicht, wie man sich fühlt. Der Entlassungstag war der wichtigste Tag meiner Hilfe bei dieser Betreuung. Alles Besprochene im Gefängnis beim Besuchstermin ist sozusagen leicht zu erbringen. Wir machten uns auf den Weg für eine Pension für eine Nacht, auch dies klappte.
    Dann noch zur Agentur für Arbeit, arbeitslos melden, muss am gleichen Tag sein, sonst wird das ALG gekürzt! Wie soll das alles einer alleine am Entlassungstag schaffen? Zudem war es saukalt im Januar. Als ich wieder zu Hause war, bin ich hundemüde ins Bett gefallen, aber zufrieden! Die Ausgänge mit meinem Probanden waren alles andere als „Ausflüge als Zeitvertreib“, hier wurden überwiegend Behördengänge getätig, Amt für Arbeit, Umschulungsmaßnahme, hier der negative Bescheid nicht zugestellt worden. Mit dem Sachbearbeiter wieder neu abgeklärt. Dann hat sich der Proband um eine Sozialwohnung bemüht, auch hier wurde von dem Amt behauptet, er hätte die 15 Euro nicht einbezahlt, hatte er jedoch in meinem Beisein. Quittung hatten wir aufbewahrt, erst als eine schriftliche Nachfrage von mir kam, wurde der Wohnberechtigungsschein gesendet. Aber halt zu spät, um eine Wohnung zu bekommen.
    Grundsätzlich bemerkte ich, wie schwierig es ist, wenn bei den Behörden bekannt wird, dass der Antragsteller in Haft ist. Freundlichkeit hat er nirgends bekommen. Der Abschluss jedes Ausgangs war dann fast schon ein Ritual, wir haben uns im Wirtshaus eine gute Currywurst und Spezi gegönnt. Einmal hatten wir es zeitlich nicht mehr geschafft, dann kam das nächste Mal sofort die Einwende, aber heute gibt’s wieder eine Currywurst. :-) Jedenfalls mit Romantisierung haben diese Ausgänge nichts gemeinsam gehabt, aber hier war ich wohl zu naiv. Mein neuer Proband steht vor der Lockerung Ausgang, mal sehen, wie es da wird, ich hoffe etwas einfacher, es schaut aber nicht danach aus.
    Fazit: Das Ergebnis einer langjährigen Betreuung kann bei der Entlassung im Nu zunichte gemacht werden, dies ist nicht Sinn der Sache. Ich begleite meinen Probanden mit dem Ziel der Resozialisierung, und diese sehe ich nicht in einer Notunterkunft.
    Dringend bitte ich die zuständigen Stellen, hier eine Zusammenarbeit auch zu vollziehen! Appell an die jeweiligen zuständigen JVAs, so zeitig wie möglich mit der Entlassungsvorbereitung zu beginnen und den Ehrenamtlichen beizeiten miteinzuladen an den „Runden Tisch“, um die Entlassungsvorbereitung zu begleiten. Neben dem zuständigen Sozialarbeiter sollten dann auch z. B. Vertreter der Arbeitsagentur sowie der Straffälligenhilfe dabei sein, um den Probanden auch gleich das Gefühl zu geben, hier wird wirklich auch was für mich gemacht. Die Erfahrung meinerseits zeigt, dass es an Motivation bei den Gefangenen nicht fehlt, aber es geht eben nur miteinander. Bei dem Übergang der Zuständigkeit zum Bewährungshelfer sollte der Ehrenamtliche auch noch etwas mitwirken. Der Bewährungshelfer hat auch ca. bis zu 70 Probanden zu betreuen, wobei hier durchaus zusammen besprochen werden könnte, ob eine ehrenamtliche Bewährungshilfe weitergeführt werden kann. In bestimmten Fällen wäre dies sicher möglich.
    Aber hier muss dann der Ehrenamtliche für sich entscheiden, wo er betreuen will, denn grundsätzlich ist man ja während der Haft der Helfende, dies ändert sich eben mit der Entlassung. Mit meinem Probanden L. habe ich vereinbart, Kontakt zu halten, dieser ist zwar sporadisch, aber bisher nicht ganz abgerissen. Dies scheint mir schon ein Erfolg und er ist noch in Freiheit.
    Die Straffälligenhilfe ist ein ganz wichtiger Anlaufpunkt, es wäre wünschenswert, wenn von politischer Seite hier auch besser finanziell geholfen würde. Für alles ist Geld da, Hauptsache man hilft den betrügerischen Banken aus der Krise.
    Ich hoffe, die Anmerkung von Herrn Norbert Merz in der LAG wurde auch gelesen und die örtlichen Einrichtungen können sich mit der jeweiligen JVA vorab auch besser verständigen und kooperieren, wobei eben, wenn ein Ehrenamtlicher den jeweiligen Probanden betreut, unbedingt dieser miteinbezogen werden sollte. Zusammenarbeit war der Titel der LAG 65, dann wollen wir diese auch weiter verbessern im Sinne der Gefangenen.

    Rudolf Repges
    Ehrenamtlicher Mitarbeiter der JVA Straubing und JVA Erlangen


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    Augsburger Gespräche 2009

    Programm_2009_1 Programm_2009_2

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    Donauwörth

    Donauwörther Zeitung, 27. 1. 2009

    Bezirkstagspräsident ehrt Martin Gropp

    Ehrenamtliches Engagement gewürdigt
    Donauwörth/Nördlingen (mg). Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert ehrte auf Grund seiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit für die Caritas im Donau-Ries Martin R. Gropp. Und die Liste seines Engagements, so Reichert, sei bemerkenswert lang. Gropp, gelernter Finanzwirt, arbeite bereits seit über 12 Jahren für die Suchtkrankenhilfe. Er gründete und leitete bis 2002 eine Kreuzbundgruppe in Donauwörth. Darüber hinaus war er in der Caritas Suchtberatungs- und Behandlungsstelle in der Drogenberatung und dem Café Connection für junge Drogenabhängige in der aufsuchenden Motivierungsarbeit tätig.
    Innerhalb und außerhalb der Caritas bildete sich Gropp stets vorbildlich und auf eigene Kosten weiter, so z. B. als Suchtkrankenhelfer in einer internen Fortbildung des Caritasverbandes, aber auch zum Systemischen Therapeuten/Familientherapeuten. Auch in den JVAs Kaisheim, Niederschönenfeld und Neuburg-Herrenwörth war er ehrenamtlich tätig. Seit 2004 arbeitet Martin Gropp im Fachdienst Allgemeine Soziale Beratung der Caritas und hat diese durch seine vielfältigen Erfahrungen neu strukturiert, so Caritas-Geschäftsführer Martin Gaertner, der die Fähigkeiten und insbesondere das hervorzuhebende Engagement seines Mitarbeiters lobte.
    Seit 2005 betreibt Gropp zusammen mit seiner Lebensgefährtin Heilpädagogin Dagmar Hilbert eine eigene psychologische Praxis in Donauwörth. Reichert, der extra zwischen verschiedenen Terminen nach Donauwörth kam, um die Ehrung durchzuführen, übergab Gropp eine Urkunde für diese vorbildliche und umfangreiche ehrenamtliche Tätigkeit und wünschte ihm weiterhin viel Spaß an seinem Engagement.


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    Ehrenzeichen für langjähriges Engagement

    In Würdigung langjähriger hervorragender Verdienste verlieh Horst Seehofer Richard Herold das Ehrenzeichen des bayerischer Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt tätigen Frauen und Männern
    Strafgefangene, die kurz vor der Entlassung stehen, können auf die Hilfe von Richard Herold bauen. Der 78-Jährige engagiert sich seit 1994 ehrenamtlich beim Arbeitskreis Resozialisierung.
    Man kennt ihn in der Mannertstraße. Denn Richard Herold, Diplom-Ingenieur im Staatsdienst tätig, geht regelmäßig in den Knast. Neben vieler Einzelbetreuungen (ca. 20), gehört sein großes Engagement der Mitgestaltung der Dienstagsgruppe, und das von Anfang an. Bis zu 15 Gefangene haben jeden Dienstag die Möglichkeit zum Gespräch in der Gruppe und einmal im Monat einen gemeinsamen Ausgang. Vielfältig sind die Themen, Probleme und Sorgen dieser Männer, für die sich Richard Herold bereithält. Dazu gehören aber auch viele Hilfestellungen nach der Entlassung. Nicht selten entstehen daraus die bereits erwähnten Einzelbetreuungen, die auch dann nicht enden, wenn der Gefangene in eine andere JVA verlegt wird.
    Eigentlich bezeichnet er seine freiwillige Tätigkeit viel lieber als „Ehrendienst“, denn „Ehrenamt“ klingt für ihn nach Behörde und Unterordnung
    Da ihn Ehefrau, Töchter und Enkelinnen offenbar nicht genügend auf Trab halten, sorgt er selbst für Auslastung. Mit Gedächtnistraining, Aquarellzeichnen, Englischkursen, Kirchenarbeit, Tai Chi und Qi Gong. Und mit dem erwähnten, ziemlich zeitaufwändigen Ehrendienst für Inhaftierte.
    Dass er sich im AK Reso für Strafgefangene einsetzt, hängt auch mit seiner früheren Tätigkeit als Laienrichter am Nürnberger Landgericht zusammen. „Es hat mich immer sehr berührt“, erzählt er, „wenn die Leute mit verängstigten Blicken zum Richtertisch hinaufgeschaut haben, und wir Schöffen blickten von oben auf sie herab. Da habe ich mich unwillkürlich gefragt, was wird jetzt aus dem Täter, was wird aus seiner Familie?“

    Der einzige Kontakt nach draußen


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    Weihnachtslieder ganz anders

    Kempten (eva) Am zwanzigsten Gründungsjubiläum der Straffälligenhilfe Allgäu e.V., lud der erste Vorsitzende Emil Wagner mit seinem Team die Gruppe „Solid Rock“ zum Konzert in die Kemptener Justizvollzugsanstalt ein.
    „Dies sei“, so betonte Wagner, „ein Weihnachtskonzert der besonderen Art, denn Rock und Weihnachten ließen sich nicht ohne weiteres verbinden...“ Die fünfköpfige Blues Rock Band zeigte im vollbesetzten Mehrzwecksaal die Verbindung eindrücklich auf. Lieder von Versöhnung und Heil, von falschen Wegen und Neuanfängen waren da zu hören. Die Stimmung im Saal war von Anfang an gut. Die Gefangenen klatschten, pfiffen begeistert und sangen die Refrains mit.
    Die Lieder stammten zum größten Teil aus der Feder von Georg Steinhauser ( E-Gitarre und Gesang) und Klaus Ambrosch (Zweite Gitarre und Gesang). Ruben Steinhauser riss seine Zuhörer mit seinen Drum-Solo-Einlagen mit. Auch Manfred Ambrosch an der E-Baß-Gitarre und Angelika Apetogbo am Keyboard überzeugten das Publikum.
    Mehrfach sprach Georg Steinhauser die Zuhörer direkt an. Er machte zusammen mit den Musikern klar, wie wichtig es ist, zu wissen, welchen Weg man gehen will und nicht zu vergessen, dass da einer ist, dem man verantwortlich ist. Als Zugabe wurde Eric Burdon mit &ldquoGet out of this place“ zum Besten gegeben. „Dies sei“, wie Steinhauser augenzwinkernd erläuterte, „keine Aufforderung zum Ausbruch, sondern ein Aufruf, sich auf den richtigen Weg zu begeben. Er dankte allen, die das Konzert ermöglicht hatten, besonders aber den Beamten der Strafvollzugsanstalt, die dafür eine Sonderschicht eingelegt hatten. Zufrieden verlassen die Männer den Saal. Manche bedanken sich per Handschlag. „Solid Rock“ hat den richtigen Ton getroffen.

    Emil Wagner


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    JVA Kempten - Eigene Abteilung für junge Insassen

    Allgäuer Zeitung, 31. 1. 2009 Eigene Abteilung für junge Insassen
    Justizvollzugsanstalt. Neue Einrichtung kommt dieses Jahr - Dank an ehrenamtliche Helfer
    Kempten (eva) Auf ein für die Haftanstalt erfreuliches Jahr blickte Anstaltsleiter Gisbert Rehmet beim Neujahrsempfang für Mitarbeiter der Straffälligenhilfe Allgäu und der Anonymen Alkoholiker in der Kemptener Justizvollzugsanstalt zurück. Es habe, so Rehmet, 2008 keinen Ausbruchsversuch und keine Angriffe auf Vollzugsbeamte gegeben. Auch die Belegungszahlen seien nach unten gegangen: Im März 2008 saßen in Kempten 410 Gefangene ein. Im Januar 2009 waren es noch 389.
    Davon gehören 60 Häftlinge eigentlich in die Justizvollzugsanstalt in Memmingen, deren Räumlichkeiten zurzeit saniert werden.
    Besonders erfreut zeigte sich Rehmet über die Einführung einer eigenen Abteilung für junge Untersuchungsgefangene zwischen 16 und 21 Jahren, die heuer eingerichtet wird. Die jungen Erwachsenen sollen dort erzieherisch begleitet werden - und zwar mit einem besonderen Programm, das eine Mischung aus Arbeit, Sport und intensiver Betreuung sein soll. Rehmet bat die ehrenamtlichen Mitarbeiter um Unterstützung für die Durchführung der Freizeitangebote an den Wochenenden. Mehrere Vollzugsbeamte hätten ihre außerdienstliche Mitarbeit dafür bereits zugesagt.
    Ebenfalls neu ist ein Projekt der evangelischen Pfarrerin Annegret Pfirsch, die Eheseminare für Langzeitgefangene anbieten wird. Diese Seminare sollen den Häftlingen, ihren Frauen und Kindern Raum geben für Begegnungen.
    28 Prozent der Häftlinge sind laut Rehmet Ausländer aus 40 verschiedenen Nationen. Eine größere Gruppe bilden dabei die Russlanddeutschen mit 52 Insassen. Hier habe, so Rehmet, die Arbeit in homogenen russischen Kleingruppen, die von der Straffälligenhilfe initiiert worden waren, große Erfolge erbracht und das friedliche Zusammenleben stark gefördert.

    Wertvolle Angebote
    Rehmet dankte allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, ohne deren Hilfe vieles in der JVA nicht möglich gewesen wäre. Ein Kochkurs, die Breakdance- und Schachgruppe, Konzerte und Gesprächsgruppen seien für die Häftlinge sehr wertvoll gewesen. Auch die Treffen der Anonymen Alkoholiker seien wichtiger Bestandteil des Gefängnisalltags.
    Die Beschäftigungsquote der Häftlinge sei von 36 Prozent (2008) auf 45 Prozent (2009) gestiegen, erläuterte Rehmet. Die Arbeitseinnahmen der Haftanstalten Kempten und Memmingen beliefen sich 2008 auf gut 1,6 Millionen Euro.


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    Bilder von Inhaftierten

    Begegnungszentrum Förbelstraße in Erlangen zeigt 50 Exponate

    Die Mitglieder der Kunstgruppe der evangelischen Seelsorge in der Untersuchungshaft an der JVA Nürnberg zeigen etwa 50 Exponate, die in der Haft entstanden sind. Sie gewähren Einblicke in Seelenlandschaften von Menschen hinter Gittern.
    Pfarrer Frank Baumeister, evangelischer Gefängnisseelsorger, führt anhand ausgewählter Beispiele in die Arbeiten ein. Musikalisch gestaltet der Pfarrer und Blues-Musiker Wolfgang Leyk aus der Neustädter Gemeinde die Vernissage. Er ist zugleich Seelsorger für die Inhaftierten der Erlanger Justizvollzugsanstalt.

    Gemeinsame Treffen
    An der wöchentlich stattfindenden Kunstgruppe können zwölf Gefangene verschiedener Konfessionen und Religionen teilnehmen. Bei den Treffen überlegen die Teilnehmer gemeinsam Themen und strukturieren die zur Umsetzung nötigen Arbeitsschritte. Entwürfe und Zwischenergebnisse werden in der Gruppe diskutiert. Die eigentlichen Werke jedoch entstehen auf der Zelle. Im begrenzten Raum der Inhaftierten entstehen so ganz neue Möglichkeiten, sich mit eigenen Fähigkeiten, aber auch mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen. Frank Baumeister bestreitet aus Spenden die Kosten für das Material.
    Die 50 Werke der Ausstellung sndt eine Auswahl der Ergebnisse der Kunstgruppe 2008 und sie sind der Stolz aller beteiligten Untersuchungshäftlinge.
    Die Werke sind, wie Pfarrer Bäßler feststellte, ausdrücklich zum Verkauf. So ist auch weiterhin die Finanzierung von Farben, Stiften und Leinwänden gesichert, damit auch in Zukunft Häftlinge die Möglichkeit haben, sich über die Kunst zu finden und zu stabilisieren.
    Die Ausstellung ist bis zum 26. April 2009 montags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr und montags auch von 15 bis 18 Uhr zu besichtigen.

    Erlanger Nachrichten, 9. 2. 2009


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    Augsburger Gespräche 2009

    Samstag, 28. März 2009, 9:00 bis 17:00 Uhr
    Kloster St. Stephan In Augsburg


    Straubinger Tagung 2009

    Freitag, 17. bis Sonntag, 19. Juli 2009
    Justizvollzugsschule Straubing


    Mitgliederversammlung 2009

    Samstag, 19. September 2009
    In Augsburg / Hotel Riegele, Viktoriastraße 4,
    gegenüber Hauptbahnhof


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    Ehrenamtliche
    sind die weißen Schafe
    unter den Schwarzarbeitern

    Giesela Knappe


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    © LAG 2009-03-09