Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 66


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LAG-Info 66       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Entscheiden heißt ...
Augsburger Gespräche 2009
Hermann Korndörfer
Aus dem JM
Nachbetreuung
Dissozialität
Hirnforschung
Urlaubsgedanken
Selbstbewusstsein
16 28 meint
Anonyme Alkoholiker
Kaufsucht
Eine Minute Unsinn

Aus den Regionen
- Hosen für Straubing
- Aufbruchstimmung/Bayreuth
- Filmgespräch/Bayreuth
- JVA Nürnberg
- Lernen hinter Mauern
- Kochbuch
- Landshut
- Aichach
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- Bayreuth
- Bauernhaus
- Landsberg
- JVAen
- Stammtisch Bayreuth
- AK Reso
- Konzert in Weiden
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Auf ein Wort

Liebe Mitglieder,

das erste volle Kalenderjahr, das Gerhard und ich als Vorstände der LAG tätig waren, neigt sich dem Ende zu.
Wir haben auf unserer Vorstandssitzung am 17. November daher einmal Zwischenbilanz gezogen und uns Gedanken darüber gemacht, wie es mit unserem Verein in den kommenden Jahren weitergehen soll/kann.
Klar ist für uns, dass wir die LAG nicht mit der von Norbert Merz und Peter Möller übernommenen Struktur weiterführen können.
Die beiden haben das Projekt viele Jahre lang fast als Vollzeitjob gemacht – und tun das auch heute noch. Solange sie gesundheitlich fit bleiben und Spaß daran haben, sind wir sehr dankbar für ihr Engagement. Viele Aktionen wären ohne ihren großen Einsatz nicht möglich.
Wir möchten uns aber bereits jetzt für die Zeit danach, also wenn Peter und Norbert sich nicht mehr im jetzigen Umfang einsetzen können oder wollen, rüsten.
Am sinnvollsten erscheint uns ein System, das mit mehreren Regionalleitern arbeitet. Das könnte so aussehen, dass für je 3-4 Justizvollzugsanstalten ein LAG-Mitglied der zuständige Betreuer ist. D.h., er pflegt den Kontakt zu den Anstaltsleitungen, Kontaktbeamten und betreut auch die Ehrenamtlichen vor Ort.
Das Gesamtkonzept und eine detaillierte Aufgabenbeschreibung werden wir im ersten Quartal 2009 während eines zweitägigen Workshops mit dem erweiterten Vorstand erarbeiten.
Uns interessiert Ihre Meinung. Was sagen Sie zu unseren Vorstellungen? Haben Sie Ideen für unser neues Konzept? Kennen Sie vielleicht sogar Menschen, die sich für so eine Aufgabe eignen könnten?
Wir wünschen Ihnen schöne Feiertage und ein gutes neues Jahr 2009.

Thomas Staudigel und Gerhard Gruber


Augsburger Gespräche 2009

Samstag, 28. März 2009, 9:00 bis 17:00 Uhr
Kloster St. Stephan in Augsburg


Die LAG-Redaktion
wünscht Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes Weihnachtfest
und für 2009 alles Gute, Gesundheit und weiterhin gute Zusammenarbeit


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Entscheiden heißt sich vom Gewohnten lösen

Entscheidungen zu fällen erfordert Mut. Man muss sich vom Gewohnten lösen und einen Schritt ins Ungewisse tun, bevor man wieder festen Stand in der neuen Sache gewinnt. Oft wünschen wir uns, wir könnten die einzelnen Möglichkeiten auf deren Auswirkungen testen, bevor wir uns dann endgültig entscheiden. Dies ist jedoch bei den meisten wichtigen und einschneidenden Entscheidungen in unserem Leben nicht möglich.


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Augsburger Gespräche 2009

Programm_2009_1 Programm_2009_2

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Ministerialdirigent Hermann Korndörfer in den Ruhestand verabschiedet

Straubinger Rundschau berichtet am 25. 9. 2008 über die Verabschiedung des Ministerialdirigenten Hermann Korndörfer in den Ruhestand nachfolgend:
„Auch in Zeiten großer Hektik ein Motivator“
34 Jahre im Dienste des bayerischen Justizvollzugs - Unermüdlicher Einsatz und Humor
Stehende Ovationen und viele Worte der Dankbarkeit und Anerkennung waren für Ministerialdirigent Hermann Korndörfer, Leiter der Abteilung Justizvollzug im Bayerischen Staatsministerium der Justiz, der Lohn für 34 Jahre Arbeit im Justizvollzug. Am Mittwoch wurde der 64-Jährige an dem Ort offiziell in den Ruhestand verabschiedet, an dem er aus beruflichen Gründen oft wöchentlich anzutreffen war: In der Justizvollzugsschule Straubing, die auch dank seiner Initiative als die wichtigste zentrale Einrichtung des bayerischen Strafvollzugs gilt.
Auch Reinhardt Vogl, Leiter der Vollzugsschule, freute sich darüber, Hermann Korndörfer einen würdigen Rahmen für seine Verabschiedung bieten zu können: „Als Abteilungsleiter des Justizvollzugs im Ministerium führte Hermann Korndörfer diverse Tagungen und Fortbildungen an unserer Schule durch und setzte sich auch unnachgiebig für die Durchsetzung verschiedener Bauvorhaben ein." Die Straubinger und natürlich der gesamte Strafvollzug verlören mit ihm einen äußerst wichtigen und kompetenten Mann.
„Nach 33 Jahren und elf Monaten im Dienst für den bayerischen Justizvollzug können Sie zurückblicken auf eine außergewöhnlich erfolgreiche berufliche Karriere", bilanzierte der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz, Ministerialdirektor Hans-Werner Klotz, zu Beginn seiner Rede. „Und was für Sie der Beginn des wohl verdienten Ruhestandes und somit eines neuen Lebensabschnittes ist, das ist auch für den gesamten bayerischen Justizvollzug ein denkwürdiges Ereignis." Selbst in Zeiten größter Anspannung und Hektik sei er immer ein Motivator für sein Team gewesen. Sehr früh habe sich Korndörfer fächerübergreifend mit Psychologie und Pädagogik befasst und sich im Oktober 1974, nach dem zweiten juristischen Staatsexamen, um eine Stelle im höheren Strafvollzugsdienst beworben. Nach Tätigkeiten an den Justizvollzugsanstalten Nürnberg, Amberg und Weiden hat Korndörfer im Jahr 1992 der Ruf ins Justizministerium erreicht, wo er für die Bereiche HaushaIts- und Bauangelegenheiten, Arbeits- und Wirtschaftsverwaltung, Sicherheitsfragen sowie eine automatische Datenverarbeitung zuständig war.
„Dass in den bayerischen Justizvollzugsanstalten seit 1992 insgesamt 1.600 zusätzliche Haftplätze geschaffen werden konnten, haben wir ganz entscheidend Ihnen zu verdanken", hob Klotz hervor. Auch die bauliche Entwicklung aller bayerischen Anstalten habe er wesentlich gefördert und vorangebracht. Außerdem habe es seit 2006 bei insgesamt rund 35.000 Gefangenen nur drei Ausbrüche gegeben, was ein unglaublicher Erfolg sei.
Unermüdlicher Einsatz
Nach zahlreichen Grußworten, die allesamt den „unermüdlichen Einsatz und den wunderbar hintergründigen Humor" des künftigen Ruheständlers betonten, griff Hermann Korndörfer selbst noch einmal zum Mikrofon. Dabei stellte er seinen vorher bereits viel gepriesenen, wirkungsvollen Umgang mit der Öffentlichkeit unter Beweis und erklärte kurz und prägnant die seiner Meinung nach wichtigsten Punkte des Strafvollzugs.
So müsse sich dieser zunehmend mit sozialgeschädigten und durch Alkohol und Drogenkonsum psychisch und physisch vorgeschädigten Häftlingen beschäftigen. „Den hochmotivierten und jederzeit behandlungswilligen Gefangenen gibt es meist nicht", gab Hermann Korndörfer zu bedenken.
Aber 34 Jahre Arbeit hätten ihn auch gelehrt, zwischen Tat und Täter zu differenzieren und den Glauben an den Menschen nicht zu verlieren. Vor allem aber sei der Strafvollzug besser als sein Ruf, so dass es immer noch einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit bedürfe.
Natürlich habe es aber auch Rückschläge in seiner Laufbahn gegeben. Mit der humorvollen Bemerkung „Noch immer konnte ich nicht ganz aufklären, wie eine mit Vogelgrippe infizierte Ente in das Hochsicherheitsgefängnis Straubing einfliegen konnte - das muss ich noch ändern", verabschiedete sich der 54-Jährige unter dem Lachen seiner Gäste in den Ruhestand.
-lin-


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Nachbetreuung - Begleitung in die Freiheit

Nachbetreuung - Begleitung in die Freiheit, das ist eine ernstzunehmende Entscheidung im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit.
Das in unserem Grundkurs verwendete Bild „Betreuung - Nachbetreuung - Nachsorge“ will auf diese Thematik hinweisen. Ohne Verpflichtung, ohne Druck sollte sich die ehrenamtliche Mitarbeiterin / der ehrenamtliche Mitarbeiter dieser Frage der Begleitung stellen. Auch wenn im Bild das Ende der Begleitung weit nach dem Entlasstermin dargestellt ist, gilt, muss gelten, dass jeder die freie Entscheidung der Beendigung hat.
Dass das in einem offenen, ehrlichen Gespräch mit der/dem Betreuten zu besprechen ist, bedarf keiner Diskussion, sondern ist eine Frage der Fairness.
Versuchen wir uns doch, nur für ein paar Sekunden, in unser Gegenüber hineinzuversetzen (Empathie), dann können wir vielleicht verstehen. Nicht das Mitleid, sondern nur unsere ureigenen Grenzen dürfen für eine Entscheidung herangezogen werden.
Der Brief, die Besuche, die Gespräche erzeugen eine große Erwartung. Diese Bekanntschaft (vielleicht vermutet der Gefangene sogar eine Freundschaft!) wird, ist sie nicht bereits früher aufgelöst worden, als sehr angenehm empfunden, so dass der Wunsch entsteht, diese während der Entlassung und darüber hinaus zu erhalten.
Klären Sie also rechtzeitig, wie weit Ihre Begleitung, Ihre Betreuung geht. Der Gefangene hat ein Recht darauf zu erfahren, wann und wo diese Zuwendung endet.
Eine Nachbetreuung, von allen Experten immer wieder festgestellt, würde den Wiedereingliederungsprozess enorm unterstützen. Die Nachbetreuung, die Begleitung erfordert aber gewaltig mehr Engagement, als dass was die Betreuung im Gefängnis nötig hat.
Der Gefangene braucht zu Beginn der Wiedereingliederung für alles und nichts einen Ansprechpartner. Alle Dinge, die im Gefängnis geregelt waren, müssen nun eigenständig auf die Reihe gebracht werden. Und diese Selbstständigkeit hat unser Gefangener und nun Entlassener nicht gelernt.
Ämtergänge, Wohnungssuche, Arbeitssuche, Termine einhalten, Schwierigkeiten ertragen und nicht aufbrausen, trotzdem am Ball bleiben.
Geduld und Durchhaltevermögen sind unserem Neuling fremd. Ebenso fremd, wie mit Geld umzugehen, es einzuteilen und zu haushalten.
Sexualität und der Umgang damit waren früher Probleme und sind im Gefängnis nicht eingeübt oder behandelt worden.
Große Fresse und die Hose voll, wenn man sich einer Frau nähert; außer man kann mit Geld prahlen!
Eine Nachbetreuung muss aber gerade vom Betreuer so angelegt sein, dass er indirekt an einer Abnabelung mitwirkt. Eine Abnabelung zulassen, wenn sie der Entlassene schon betreibt. Klammern ist bei Entlassenen genau so unfair und falsch, wie das bei den eigenen Kindern auch falsch ist.
Frei sein wollen, frei sein dürfen, das ist die Devise!
Dankbarkeit ist etwas, was man sich aus der Selbsständigkeit, aus dem Selbsständigwerden ableiten sollte.
Große Gesten, große Worte sind unangebracht.
In jedem Fall bedarf es noch während der Inhaftierung einer Klärung bezüglich der Rechtsstellung während der Nachbetreuung! Bewährung, Führungsaufsicht sind die Stichworte dieser neuen Phase!
Achtung! Klären Sie auch die aufgrund gesetzlicher Möglichkeit beruhende „Zuständigkeit“ bzw. „Nichtzuständigkeit" der Justizvollzugsanstalt. Besonders bei Gewalt- und Sexualstraftätern zu beachten.
Eine besondere Note erfährt das neue und eindeutig zu klärende Verhältnis mit der Bewährungshilfe. Dazu gehören besonders der Status, die Rechte und Pflichten für eine ehrenamtliche Mitarbeit in der Bewährungshilfe.

Norbert Merz


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Zur Entwicklung und zur Persönlichkeit von Menschen mit schwerwiegenden psycho-sozialen Problemen (Dissozialität)

Einen wesentlichen Anstoß zu einer präziseren und wertfreieren Beschreibung von Menschen mit erheblich gestörten sozialen und seelischen Entwicklungen, aus denen sich häufig abweichende delinquente Karrieren entwickelten, gab Prof. Udo Rauchfleisch bereits 1981 mit seinem Buch „Dissozial“. Was früher lange Zeit mit Termini wie „psychopathologische Entwicklung“, „Charakterstörungen“, „Soziopathie“ o.ä. bezeichnet wurde, hat er sehr viel treffender und genauer unter der Begrifflichkeit der Dissozialität zusammengefasst.

...

Abschließend bleibt zu sagen, dass man allen schnellen Therapieabschlüssen bei Klienten mit dissozialen Störungen misstrauen sollte. Durchschlagende und schnell erreichbare Erfolge gibt es in dieser Arbeit nicht und kann es auch nicht geben. Was in vielen Jahren eine nachhaltige Störung in der persönlichen Entwicklung hervorgebracht hat, kann nicht in kurzer Zeit „geheilt“ werden. Erfolg oder Misserfolg kann man bei dieser Klientel ohnehin nicht mit konventionellen Maßstäben messen. Ein Erfolg ist bereits ein Verhindern, dass jemand weiter abgleitet und für die Gesellschaft verloren geht, Ein erster Erfolg ist Rahmensetzung und Strukturgebung. Ein weiterer Erfolg ist das Stabilisieren von ersten kleinen Fortschritten und das Aufbauen einer tragfähigen Arbeitsbeziehung.
Was wir machen ist im Endeffekt ein „Stützen“, oder anders ausgedrückt:
jemandem, der unsere Hilfe braucht und will, eine gewisse Zeit nahe zu sein und ihn ein Stück weit in seinem schwierigen Leben mit Rat und Tat zu begleiten.

Walter Knöbl
Sozialwissenschaftler, Familientherapeut (MFK), Leiter, Wendepunkt. Sozialtherapie


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Hirnforschung für den Strafvollzug

Wolfgang Gratz: Im Bauch des Gefängnisses, Beiträge zur Theorie und Praxis des Strafvollzugs, Wien (Neuer Wissenschaftlicher Verlag) 2007

Thesen zu: „Was sich von der Hirnforschung für den Strafvollzug lernen lässt!“

Verwahrvollzug schadet dem Gehirn
Wolfgang Gratz stellt fest, dass die Umwelterfahrungen eines Menschen formend auf die Struktur und Funktionsweise seines Hirns einwirken , die Emotionen beim Lernen eine zentrale Rolle spielen, für Lernerfahrungen positiven Sozialkontakten erforderlich sind, der Kern aller menschlichen Motivation zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung ist.
Und stellt dann weiter fest, dass die Motivationssysteme abschalten, wenn keine Chance auf soziale Zuwendung besteht; das Gehirn so wird, wie wir es benutzen; die Unterdrückung und Abwehr von Betroffenheit ist der einzige wirkliche Bedienungsfehler, den man bei der Benutzung seines Gehirns machen kann.
Verwahrvollzug beeinträchtigt die Funktionsweise des Gehirns.


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Urlaubsgedanken

In meinem Urlaub an der Ostsee war ich einmal auf einem Strandweg spazieren und konnte nur den Himmel sehen. Vom Meer sah ich nur etwas in der Ferne, da der direkte Blick zum Wasser von einer großen Hecke versperrt war. Die Hecken dienen dort zur Strandsicherung bei starkem Wind. Dann sah ich noch etwas: Möwen und große Drachen am Himmel. Von Menschen war momentan nichts zu sehen. Erst als wieder eine Lücke in der Hecke war, sah ich die Lösung.
Die Menschen dort betrieben Wind- Surfing. Sie standen auf einem Surfbrett ohne Segel und hatten einen Drachen an zwei Schnüren, der sie übers Wasser zog. Dabei machten Sie tolle Kunststücke und Luftsprünge.
Es faszinierte mich, wie die Drachen im Wind tanzten und höher und höher stiegen. Drachen fliegen durch die Lüfte, sie sind anscheinend frei. Doch nicht ganz frei, denn es gibt ja noch die Drachenschnur, an der wir sie festhalten.
Wenn wir dem Drachen noch mehr Freiheit geben wollten und die Schnüre durchtrennten, würde der Drachen im gleichen Augenblick abstürzen.
Die Verbindung durch die Schnüre ist nötig, damit er fliegen kann. Das ist ein interessantes Bild für den Menschen!
Wir Menschen streben nach Freiheit.
Wir wollen unabhängig sein. Niemand soll uns vorschreiben, was wir tun, sagen oder denken müssen. Kinder und Jugendliche erkämpfen und ertrotzen sich jeden Meter an Freiheit. Wir Erwachsenen machen das subtiler, aber dennoch mit gleichem Ziel:
Möglichst frei sein.
Was ist aber wirkliche Freiheit?
Leben ohne Bindungen?
Ohne Anbindung?
Nirgendwo sich verbindlich einbinden lassen?
Ich denke, dass es wirkliche Freiheit im Sinne von optimaler Entfaltungsmöglichkeit erst in einem guten Maß an Verbindlichkeit gibt. In einem guten Eingebundensein in verlässliche Verbindungen. Dort, wo ich den anderen als Gegenüber spüre, wie den Zug der gespannten Drachenschnur.
Sogar Gott selbst hat sich gebunden. Gott bindet sich an sein Wort, die Bibel.
Darin ist er verbindlich und zuverlässig. Und mit diesem Wort Gottes bietet er uns eine Verbindung zu ihm an, die uns einen guten Rahmen gibt, in dem wir uns optimal entfalten können. Indem wir nämlich zu dem werden dürfen, wozu Gott uns geschaffen hat.

Ernst Ollech
Ehrenamtlicher Betreuer JVA Straubing


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Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein

Praktisch anwendbare Lebenshilfen

Autor: Dr. Rolf Merkle - Diplom Psychologe, Psychotherapeut schreibt:
Ihr Freund erzählt Ihnen, dass er am Wochenende seine Wohnung renovieren wolle und fragt Sie beiläufig, ob Sie ihm nicht helfen könnten. Im Geiste lassen Sie Ihren Plan fürs Wochenende vorüberziehen. Es gibt genügend in Ihrem eigenen Haus zu tun, doch Sie schaffen es nicht, Ihren Freund zu enttäuschen, und sagen zu. Vielleicht würde er Ihnen ja auch mal helfen, wenn Not am Mann wäre.
Sie haben mit Ihrer Chefin vereinbart, am Freitag dieser Woche eine Stunde früher gehen zu können. Der Freitag naht und eine Ihrer Kolleginnen kommt völlig außer Rand und Band zu Ihnen ins Büro. Ein Jugendfreund sei in der Stadt - ob Sie nicht für sie noch zwei wichtige Briefe fertigstellen könnten, damit sie früher gehen könne. Der freie Freitagnachmittag geht für Sie dahin, weil Sie sich haben breit schlagen lassen. Sie wollten nicht schuld daran sein, dass die Kollegin diese einmalige Chance verpasst, in alten Erinnerungen zu schwelgen.

Warum wir uns mit dem Nein-Sagen so schwertun

Lesen Sie hier weiter:   http://www.palverlag.de/Selbstbewusstsein-Info.html


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16 28 meint

Weiterbildung.
Neulich sah ich im Fernsehen einen Bericht über den Gefangenen Hans S., der nach zwei Jahren Strafhaft wieder in die Freiheit entlassen werden soll. Seine Straftat und auch die Vorstrafen, über die der Gefangene berichtete – sichtlich mit einer gewissen Überheblichkeit und Arroganz -, lagen natürlich im Bereich Betrug. Gerade diese „Kameraden“ haben eine Art und Weise, ihre Verfehlungen und auch die Behandlung in der JVA so zu ihren Gunsten zu „schönen“, dass man direkt Mitleid mit diesen „Fehlgeleiteten“ haben muss. Wüsste ich es nicht besser, man könnte meinen, die Gefängnisse wären voll von bedauernswerten Männern und Frauen, die von der Gesellschaft einfach so an die Wand gedrückt wurden. „Das böse, böse Umfeld ist schuld an meiner Lage!“ Der Sender vermittelte in Interviews mit Beamten der JVA, dem Anstaltsleiter, dem Bewährungshelfer, auch mit einigen Angehörigen den Eindruck, dass dem nun zu Entlassenen doch die Möglichkeit gegeben werden muss, seinen Platz im Leben auch einzunehmen, gerade bei ihm wäre ein Rückfall ausgeschlossen. Hilfsorganisationen und Einrichtungen wurden genannt, die dabei ihre Hilfe anbieten, unter anderem auch die „Ehrenamtlichen Mitarbeiter im Strafvollzug“, dort auch „Freiwillige Betreuer“ genannt.
Jetzt meine Frage an Sie, liebe Leser der LAG-Info: Ist das Folgende das Erscheinungsbild, das wir abgeben? Wird so unser Tun gesehen und beurteilt? Das kam nämlich so raus, als ob ein Gefangener nur einen traurigen Lebenslauf erzählen braucht, noch dazu im Fernsehen, und wir zerfließen in Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit, nach dem Motto: „Treudoof aus Liebe zu den Geknechteten“. Ob das alles so stimmt, was der Gefangene sagt, könnten und würden wir ja sowieso nicht überprüfen. Der Ehrenamtliche wurde als gutgläubiger, religiöser, für alles Verständnis habender Sozialapostel dargestellt. Weltfremd und jenseits alles Bösen, besuchen nach diesem Bericht Ehrenamtliche die Gefangenen und bieten ihnen Gespräche an, Gespräche von Mensch zu Mensch in der Hoffnung, den Knast irgendwie erträglich zu machen. Von Entlassungsvorbereitung, Problembewältigung usw., unserer Hauptaufgabe, wurde nichts gesagt. Gut, ich bin überzeugt, dass der eine oder andere Ehrenamtliche von Mitleid heimgesucht werden kann, wenn der Gefangene ihm seine „Story“ erzählt. Story ist für mich eine Geschichte, die – gelinde gesagt – nicht ganz der Wahrheit entspricht, die sich der Gefangene aber so zurechtgelegt hat. Manchmal ist es eben recht schwierig, aus dem ganzen Sammelsurium an Vorgebrachtem, die eigentliche Wahrheit herauszufiltern. Den meisten der Ehrenamtlichen gelingt es aber dann doch recht schnell, einigen gelingt es aber nicht. Sie sind von „ihrem“ Gefangenen so eingenommen, dass sie sich seine Denkweise, seine Sichtweite zu eigen machen: „Für meinen Gefangenen gehe ich sogar bis zum Bundesgerichtshof.“
Das Einstehen für einen anderen Menschen ist natürlich eine ehrenhafte Sache, nur, ich muss ganz genau wissen, für wen und was ich mich da einsetze. Nachfragen, Hinterfragen ist das A + O eines Ehrenamtlichen.
Wenn wir nicht wollen, dass Ehrenamtliche als Handlanger der Gefangenen gesehen werden, müssen wir dafür auch etwas tun. Es reicht eben nicht, einfach aus Idealismus in eine JVA zu gehen. Jeder Ehrenamtliche soll oder muss in der Lage sein, Wunschdenken und Wirklichkeit zu unterscheiden. Unterrichtung durch Fachleute ist da unverzichtbar. Auch der Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten kann zum besseren Verständnis der Arbeit eines Ehrenamtlichen im Strafvollzug beitragen.
Der/die Ehrenamtliche soll nicht Mini-Sozialarbeiter oder Ersatzpsychologe werden oder sein. Was mir aber notwendig erscheint, ist das Gerüstet-sein für die Aufgaben eines Betreuers von Gefangenen in der heutigen Zeit. Auch muss man in der Lage sein, fundierte Ratschläge geben zu können, mit denen die Gefangenen/Entlassenen dann etwas anfangen können, statt blabla ein „So und So.“
Ausbildung, Fortbildung, Weiterbildung sind bei allen Tätigkeiten üblich und Pflicht, Schulungstage unumgänglich. Wie sinnvoll ist das gerade in unserem Tätigkeitsfeld! Gruppen und Vereine in der Gefangenen-Betreuung haben diesen Weg ja auch schon beschritten.
Aber was ist mit den Ehrenamtlichen, die keinem Verein oder keiner Gruppe angehören? Was ist mit denen, die zwar zu einer Gruppe gehören, die aber keine Angebote in dieser Richtung macht? Straubinger Tagung und Augsburger Gespräche ersetzen in keiner Weise eine gezielte Weiterbildung. Der Gefangene, der Mensch in Haft, den wir erreichen wollen, soll uns zu kostbar sein, um mit „passt schon“ „schaun wir mal“ „wird schon recht werden“ abzuspeisen. Der Gefangene vertraut dem Ehrenamtlichen, er hofft, durch ihn die Zukunft zu meistern. Durch meine Haftzeit geprägt, kann ich mich leicht in die Gedankenwelt der Gefangenen hineinversetzen. Der Betreute legt förmlich sein weiteres Schicksal vertrauensvoll in die Hände des Ehrenamtlichen und der weiß manchmal nichts anderes als Ausreden und nichts sagende Floskeln. Ich überlege noch, wer da mehr zu bedauern ist, der Betreuer oder der Betreute! Was müssen wir tun? Was können wir tun?
Mein Vorschlag:
Wir sollen und müssen Weiterbildungskurse für unsere Ehrenamtlichen anbieten, in Zeitabständen, die überschaubar sind, alle 2-3 Monate soll es schon sein.
Wer veranstaltet das?
Für mich ist die LAG durchaus in der Lage, regional solche Kurse anzubieten, Regionalgruppen sind zu bilden. Sollen die JVAs eingebunden sein? Eingebunden schon, aber nicht Veranstalter, die schaffen das personell nicht mehr. Und welche Personen können so was aufbauen?
Die LAG wählt oder bestimmt aus ihrer Mitte Mitglieder, die sich für diese Sache eignen, ein Weiterbildungsausschuss wird installiert.
Ein Weiterbildungs-Profil wird erstellt. Fachkräfte müssen für Gast-Referate gewonnen werden (Sozialarbeiter, Beamte aus den JVAs, Richter, Staatsanwälte usw.)
Und wer bezahlt?
Der Landesverband für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe wird um Unterstützung gebeten.
Soweit mein Vorschlag.
Ja, es ist ein Riesenvorhaben aber wir müssen es angehen, um mit unserer Arbeit nicht ins Hintertreffen zu geraten. Ich bin mir bewusst, dass gerade der ungebundene Ehrenamtliche, der, der aus eigenem Antrieb und aus innerer Überzeugung zu den Gefangenen in die JVA geht, gerade unseren Vorstellungen und Wünschen entspricht, das soll auch so bleiben. Es kann aber doch kein Nachteil sein, wenn sich all diese „Einzelkämpfer“ von Zeit zu Zeit zusammenfinden, um sich über dies und jenes informieren zu lassen. Der von uns betreute Gefangene sollte uns das wert sein.
Übrigens: Im Abspann der Fernsehsendung wurde mitgeteilt, dass Hans S. nach neuerlichen Straftaten wieder in U-Haft ist. Vielleicht war das „Umfeld“ nicht genügend auf ihn vorbereitet worden! Alle Mühen vergebens? Nun, seine Geschichte hat wenigstens mich zum Nachdenken veranlasst. Das ist doch auch schon was, man sollte es ihm sagen.

Ihr 16 28

PS: Einige Gefangene können nicht lesen und schreiben. Da muss man was machen!


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Anonyme Alkoholiker im Knast

Es begann in San Quentin
Sieben Jahre nachdem sich die Begründer der AA-Gemeinschaft Bill und Bob in Amerika getroffen hatten, hielten 1942 AA-Freunde aus San Francisco das erste AA-Meeting im Zuchthaus San Quentin ab. In Deutschland gibt es seit 1967 AA-Meetings in Justizvollzugsanstalten.
Die Anonymen Alkoholiker sind Männer und Frauen, die entdeckt und sich eingestanden haben, dass der Alkohol ein Problem für sie geworden ist. Sie bilden eine weltweite Gemeinschaft, in der sie einander helfen, nüchtern zu werden und zu bleiben. Jeder der den Wunsch hat, mit dem Trinken aufzuhören, ist bei den Anonymen Alkoholikern willkommen. Da alle Mitglieder selbst Alkoholiker sind, haben sie ein besonderes Verständnis füreinander. Sie haben diese Krankheit - den Alkoholismus - am eigenen Leibe verspürt und in der Gemeinschaft gelernt, sie zum Stillstand zu bringen, indem sie Tag für Tag ganz ohne Alkohol leben.
In der Justizvollzugsanstalt Aichach ist AA, seit 1972 tätig. Was anfangs unregelmäßig in der Frauenabteilung begann, hat sich in ein paar Jahren zu regelmäßigen wöchentlichen Meetings bei den Frauen und der weiblichen Jugend entwickelt. Alle 14 Tage gibt es auch in der Männerabteilung ein AA-Meeting. Zusätzlich finden jährlich mindestens zwei Informationsveranstaltungen statt.
Seit 1988 ist auch jede Woche ein AI-Anon-Meeting, sowohl bei den Frauen wie auch bei der Jugend. Die AI-Anon-Familiengruppen sind eine parallele Gemeinschaft von Angehörigen und Freunden von Alkoholikern.
AA und AI-Anon arbeiten ausschließlich in Gruppen. Betreut wird die JVA Aichach von ca. 40 Leuten, hauptsächlich von Augsburg aus. Dort gibt es zur Zeit 22 AA-Gruppen und 8 AI-Anon-Gruppen. Erstmals konnten wir heuer über die JVA Aichach an einer Tagung ehrenamtlicher Mitarbeiter und deren Betreuer in der Bayerischen Justizvollzugsschule in Straubing teilnehmen. Dafür sind wir sehr dankbar. Allerdings mussten wir auch erkennen, dass in Bayern nicht einmal die Hälfte der JVAs von AA betreut wird.
Es gäbe also noch einiges zu tun.

Bernhard


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Kaufsucht - muss uns das interessieren?

Erlanger Uni-Klinik weist Erfolg eines neuen Behandlungsmodells nach

Erstmals wirksame Therapie gegen Kaufsucht
Der kulturspezifische Verhaltens-access pathologisches Kaufen (Kaufsucht) ist meistens ein langwieriges, heimliches Leiden, was bei den Betroffenen und ihren Angehörigen zu einem enormen Leidensdruck führt. Die meisten Betroffenen leiden zusätzlich unter Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Alkoholmissbrauch, Essstörungen und Impulskontrollstörungen. „Obwohl in den alten Bundesländern rund 8 % und in den neuen Bundesländern 6 % der Bürger als stark kaufsuchtgefährdet eingestuft werden können, wird das Problem immer noch übersehen oder bagatellisiert, sagt Dr. Müller. Studien würden zeigen, dass prinzipiell alle Bevölkerungs- und Einkommensschichten betroffen seien. Jüngere Menschen schienen gefährdeter zu sein als ältere, Frauen eher als Männer. In Deutschland habe es bis jetzt keine einzige Therapiestudie zu diesem Thema gegeben. „Angesichts der stark wachsenden Kauf sucht-Gefährdungen in Deutschland müssen dringend wirksame Behandlungsangebote angeboten und von den Krankenkassen finanziert werden", forderte die Erlanger Psychologen.
Verschiedene Ausprägungen der Kaufsucht
Das Spektrum der Kaufsucht sei weit gestreut. Betroffene hätten von täglichen Kaufattacken, vom Kauf ganz spezieller oder mehrfach gleicher Artikel oder nutzloser, unsinniger Dinge berichtet. Generell würden kaufsüchtige Frauen eher Kleidung, Schuhe, Kosmetik, Lebensmittel und Haushaltsgeräte favorisieren Männer hingegen eher moderne Technikartikel, Sportgeräte, Autozubehör und Antiquitäten. Meistens würden die gekauften Dinge nicht benutzt, sondern gehortet oder schon mal an Bezugspersonen verschenkt oder einfach vergessen. In der Regel geht es um das Lusterlebnis während des Kaufaktes. Schon beim Bezahlen treten schlechtes Gewissen und Schuldgefühle auf. Die Betroffenen können sich nach dem Kauf meistens nicht mehr über die erstandene Ware freuen. „Manchmal scheinen die Betroffenen auch die durch Kaufsituation entstandenen Kontakte zum Verkaufspersonal zu genießen", erläuterte Dr. Müller. Die exzessiven, unangemessenen Einkäufe führen zu immensen Schulden und oft sogar zu Strafverfahren.
Krankhafte Kauflust ist seit Anfang des Jahrhunderts bekannt
Die krankhafte Kauflust wurde bereits Anfang des Jahrhunderts vom Leipziger Psychiater Emil Krepelin beschrieben, wesentlich später interessierten sich kanadische, amerikanische und deutsche Konsumforscher für dieses Phänomen und seine Nachweisbarkeit mittels quantitativer Erhebungsinstrumente. Erfolgversprechende Ergebnisse mit den für die Behandlung der Kaufsucht (mit Antidepressiva) vorhandenen Medikament, konnten bisher durch kontrollierte Studien nicht bestätigt werden.
Außerdem wird von sehr hohen Abbruchraten (bis zu 60 %) berichtet. Bereits Krepelin zählte das pathologische Kaufen zu den Impulskontrollstörungen. In diese Gruppe von Störungen gehört auch das pathologische Spiel, das zwanghafte Ausreißen der eigenen Haare.

Informieren Sie sich direkt unter:   www.psychosomatik.uk-erlangen..de


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Hosen für die JVA Straubing

Auf Initiative von Katharina Franzen-Kadagies aus Reichenbach, die seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Justizvollzugsanstalt Straubing tätig ist, spendete die Firma MAC-Mode in Wald/Roßbach für die Gefangenen der JVA Straubing 98 moderne, fabrikneue Herrenjeans im Warenwert von ca. 4000 Euro.
MAC-Mode ist Deutschlands größter Hosenfabrikant. Die Produktion wird jährlich mit ca. 5,5 Millionen Euro angegeben.
Bei der Abholung der Hosen in der Fabrik MAC-Mode bedankte sich Katharine Franzen-Kadagies bei Heike Leonhardt, Vertriebsleitung Innendienst, und Patrick Zach, Versand-Disponent, für die großzügige Spende.
Am 12. September 2008 konnte dann Katharina Franzen-Kadagies die Hosen-Spende in der Kleiderkammer der JVA übergeben, wo man sich über das Engagement und die Spende freute und sich sehr bedankte.
19. September 2008

Am 1. Dezember wurden noch einmal 98 moderne fabrikneue Herrenjeans geliefert und übergeben.


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Aufbruchstimmung beim „Verein Kontakt“ Bayreuth

Zwei Tage Aus- und Fortbildung für die ehrenamtliche Arbeit mit Strafgefangenen im Haus des Vorsitzenden Veit Braun
Bayreuth - Von Eva Bartylla
Aufbruchstimmung bei Kontakt: Der Verein für psychosoziale Hilfe ist seit seiner Gründung Anfang der 70er Jahre ein bundesweites Vorzeigemodell geblieben. Deshalb hat eine Tagung in Bayreuth im Hause des Vorsitzenden Veit Braun jetzt ein Signal für mehr Geschlossenheit, Flexibilität und neue Perspektiven gegeben. Der ehemalige Vorsitzende der LAG (Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug), Norbert Merz aus Erlangen, hat den Grundkurs zur Vorbereitung für ehrenamtliche Mitarbeiter im Strafvollzug vorgetragen und mit den mehr als ein Dutzend Teilnehmern diskutiert.
Der Verein für psychosoziale Hilfen Kontakt in Bayreuth war neben seiner Pionierarbeit bei psychisch Kranken auch in der Arbeit mit Strafgefangenen beispielgebend und hat Maßstäbe gesetzt.
Gegründet Anfang der Siebziger, schüttet die Zeit nun zwei weitere Generationen in die Nachfolge hinein. Die möchte und kann eingearbeitet werden. Die Landesarbeitsgemeinschaft stellt dafür Grundkurse, Fortbildung und Supervision zur Verfügung.
Auch die Justizvollzugsanstalt in Bayreuth bietet ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern zweimal pro Jahr eine Fortbildung an, die Fritz Feulner, der Kontaktbeamte im Knast, hält.
An einem Tag des zweitägigen Seminars nahm Feulner teil und trug als Insider und Kenner der Materie eine Menge interessanter Information bei.
Durch Umzüge und Ausscheiden hat der Verein Kontakt einige personelle Verluste und Umstrukturierungen in wichtigen Bereichen erfahren, die aufzufüllen bereits Nachfolger in den Startlöchern stehen.
Allerdings möchten die ein paar Voraussetzungen im Procedere der Aufnahme und Arbeit ändern.
Dazu gehört ein Grundkurs möglichst zeitnah mit der Aufnahme der Ehrenarbeit. Regelmäßige Fortbildung als dringende Empfehlung sowie Supervision über die LAG bei Bedarf.
Die erste aller Fragen wird vermutlich sein, warum er/sie freie Zeit im Gefängnis oder mit Straftätern im Ausgang oder auf einem Ausflug verschenken sollte. Auch alte Hasen sollten sich die Frage von Zeit zu Zeit neu stellen und beantworten.
Grundausbildung bedeutet eigentlich Aufklärung über außergesellschaftliche Bereiche, von denen Otto Normalbürger nichts weiß, über Organisation und Aufbau einer Justizvollzugsanstalt bis hin zum Besuch einer solchen mit Führung.
„Bedenkt bitte, wir gehen in keinen Zoo“ erklärt Norbert Merz, „sondern in eine Einrichtung, in der Menschen unter sehr belastenden Umständen viel Zeit ihres Lebens verbringen müssen.“
Die Sicherheitsstandards sind sehr hoch, und bevor ein Neuer an einem Gesprächskreis oder Eheseminar teilnehmen kann, wird er polizeilich überprüft und bekommt einen extra Ausweis ausgestellt.
„Jeder von Euch bringt ein Stück Normalität in die Anstalt“, sagt Merz. Ein Mensch, der zwanzig Jahre nur weggesperrt ist, keine Besuche, keine Kontakte nach außen zu Verwandten hat, wird entgesellschaftlicht. Der schlimmste Tag für einen Gefangenen sei der Tag seiner Entlassung, das wissen die Knastmitarbeiter.
Außerdem erfahren sie in der Fortbildung eine ganze Menge darüber, wie Gefangenschaft die Psyche eines Menschen beeinflusst und verändert, die Arten und Weisen der Inhaftierung je nach Straftat, Ziel und Durchführung des Vollzuges oder die gesetzlichen Grundlagen in Bayern.
Wer sich einfach mal informieren oder erfahren möchte, welche Menschen das sind, die in den Knast gehen, der kann jederzeit den Stammtisch der Kontakt-„Knastis“ besuchen, jeden ersten Montag eines Monats im Gasthof Hirsch in St. Georgen.


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Landshut

Ehrenamtliche Mitarbeiter in der neuen Justizvollzugsanstalt

Am Donnerstag, den 23.10.2008 trafen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter in der neuen JVA Landshut zu einem jährlich stattfindenden Gespräch und Informationsaustausch mit der Anstaltsleitung, Mitarbeitern und Beamten der JVA.
Der stellvertretende Anstaltsleiter, Oberregierungsrat Marcus Hegele, begrüßte die Ehrenamtlichen und bedankte sich im Namen der Anstalt für ihre tatkräftige Mitarbeit, ihr Engagement und die große Unterstützung bei der Betreuung und Resozialisierung der Gefangenen.
Um den Gefangenen ein breitgefächertes Angebot an Therapiegruppen, Freizeit- und Bastelangeboten wie auch Weiterbildungsmaßnahmen bieten zu können, ist die JVA auf die Mithilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter angewiesen.
So bereiten diese - mit den Sozialarbeitern der Anstalt - Gefangene auf die Entlassung vor und helfen bei der Reintegration in die Gesellschaft.
In Deutschkursen erlernen vor allem Gefangene mit Migrationshintergrund die Sprache oder verbessern ihre Kenntnisse.
Über Bastel-, Musik- und Sportangebote erfahren Gefangene, wie sie sinnvoll ihre Freizeit verbringen können.
Herr Hegele betonte, wie wichtig und notwendig diese Aktivitäten für eine gelungene Resozialisierung und somit auch für den Schutz der Allgemeinheit seien.
Bei dem anschließenden Gespräch und Erfahrungsaustausch wurden die unterschiedlichsten Anliegen vorgebracht und diskutiert.
Abschließend hatten die ehrenamtlichen Mitarbeiter noch die Möglichkeit, die neue Anstalt in einer Führung durch Herrn Hegele zu besichtigen.

Artikel: JVA Landshut vom 24. 11. 2008


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Stammtisch in Bayreuth

Gerhard Zimmermann berichtet:
Am 1. Dezember 2008 wurde von den aktiven Ehrenamtlern Fr. Reeder, Fr. Styber, Fr. Kundt, Fr. Holstein, Fr. Batilla, Schwester Sieglinde, Fr. Taubenreuther, Hr. König, Hr. Mäding, Fr. u. Hr. Zimmermann der „Kontakt-Stammtisch“ endgültig aufgegeben.
Am 1. Dezember 2008 wurde der Stammtisch der Ehrenamtlichen der Strafanstalt St. Georgen als ein freies und unabhängiges Treffen ins Leben gerufen.
Geselliges und gemütliches Miteinander, Erfahrungsaustausch und fruchtbare Gespräche mit Gästen aus der Justiz, Bewährungshilfe, Suchtberatung, Sozialdiensten, Kirchen usw. sind das Ziel dieser Gemeinschaft.
Die Teilnehmer sind sich ihrer Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft bewusst. Zielstrebig und gewissenhaft unterstützen sie Haftentlassene auf dem schweren Weg der Wiedereingliederung.
Ächtung und Ausgrenzung ist ein Verhalten, das mit Sicherheit den Rückfall fördert.
Sie brauchen kein Mitleid, sondern Verständnis und fachkundigen Beistand. Eine gründliche
Nachsorge im Anschluss an die Haftentlassung tut not! Das ist aktiver Opferschutz.

Renate und Gerhard


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AK-Reso Nürnberg

Bericht über die Fortbildung in Ebrach vom 14.11. bis 16.11.08

Auf der diesjährigen Fortbildung haben wir uns mit dem Thema „Neue Pfade in der ehrenamtlichen Betreuung von Straffälligen“ beschäftigt. Dabei haben wir die Methode der Zukunftswerkstatt angewendet, die aus drei Phasen besteht, der Kritikphase, der Utopiephase und der Realisierungsphase.
Während dem Wochenende sind sechs tolle Projektideen entstanden. Wir haben auch jeweils eine Ansprechperson bestimmt, die dafür sorgt, dass das Projekt nicht in Vergessenheit gerät:
1. Konzepterstellung für ein Gruppenangebot in der JVA zum Üben und Erproben von pro sozialem Verhalten (Ziel: Eine menschliche und vertrauensvolle Atmosphäre zwischen den Gefangenen und den Betreuern schaffen. Fernziel wäre, die Bediensteten mit einzubeziehen) Jesmond Micallef
2. Info-Kanal (Ziel: Gefangene über Angebote und Möglichkeiten wie z.B. ehrenamtliche Betreuung, Wohnungssuche, Entlassvorbereitung etc. durch Broschüren, Gefangenenzeitung, Videos informieren) Irina Ring (Praktikantin von Georg Butz)
3. Kulturelle Angebote (Leseabend, Theater, Singen etc.) in der JVA durchführen (Ziel: Kulturelles Interesse fördern, noch nicht geahnte Fähigkeiten bei Inhaftierten entdecken und fördern) Waltraud Wellein
4. Talentsuche (Ziel: Eigene kreative Fähigkeiten der Gefangen entdecken, weiterentwickeln und fördern z. B. Basteln Malen, Kochen etc.) Erika Kaim
5. Entlassenengruppe/ Patenschaft (Ziel: Gezielte Begleitung und Unterstützung einzelner Gefangener während und nach der Haft, Aufbau einer Entlassenengruppe) Richard Herold
6. Netzwerk (Ziel: Gezieltere, auf den einzelnen Gefangenen ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen den an der Eingliederung beteiligten Personen und Einrichtungen) Ebracher Ehrenamtliche

Wer also Interesse daran hat, sich an einem oder mehreren dieser Projekte zu beteiligen, darf sich gerne an die jeweilige Ansprechperson wenden und sich dort nähere Informationen einholen.

Anne Schallenberger und Friedrich Leinberger


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JVA Weiden

Ein wunderbares Konzert der sehr engagierten Frauen aus der nördlichen Oberpfalz, das sie in der Justizvollzugsanstalt Weiden für Gefange, Bedienstete und für Ehrenamtliche darboten. Aus Freude an der Musik finden sie sich zusammen und bereiten mit ihren Auftritten auch anderen Menschen ein großes Vergnügen.

Ihr größter Erfolg war der Auftritt beim „Grand Prix der Chöre“ im ZDF, bei dem sie den sechsten Platz errangen (siehe auch LAG 65).
Und Michaela Höfer, ehrenamtliche Mitarbeiterin der JVA Weiden, war wieder mittendrin.
Dank den Sängerinnen in Blau!


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Augsburger Gespräche 2009
Samstag, 28. März 2009
Kloster St. Stephan In Augsburg


Straubinger Tagung 2009
Freitag, 17. bis Sonntag, 19. Juli 2009
Justizvollzugsschule Straubing


Mitgliederversammlung 2009
Samstag, 19. September 2009
In Augsburg / Hotel Riegele, Viktoriastraße 4,
gegenüber Hauptbahnhof




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Ertrag

Hoffnung sammeln
aus lösbaren Problemen
aus Möglichkeiten
aus allem
was etwas verspricht

Die Kräfte
sparen
für das
was wirklich
zu tun ist

So wächst
im stillen
der Vorrat
an unverbrauchter
Verzweiflung

Erich Fried


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© LAG 2008-12-18