Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 65


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LAG-Info 65       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
80. Geburtstag
Bundesverdienstkreuz
Bayerischer Verdienstorden
Straubinger Tagung
Zusammenarbeit - Auftrag
Partner der Ehrenamtlichen
Vorbildcharakter
Haftentlassung
Fachtagung
Gespräche bei Besuch?
Aktives Zuhören
Fragen eines Neulings
Naikan im Strafvollzug
Schulabschlüsse
Prognose
Bombe
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Mit der Themenstellung „Zusammenarbeit“ sollen die Aufgabenfelder der für die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Strafvollzug wichtigen Personengruppen aufgezeigt werden. Wer den Auftrag des Gegenübers kennt, versteht dessen Anweisungen und erleichtert so das Zusammenwirken.
„Haftentlassung erfolgreich gestalten“ lesen und reflektieren!
Handreichungen für die Ehrenamtlichen - Besuch, Gespräche, Ausgang - sollen unterstützen; sie sollen jedoch auch aufrufen, die eigenen Erfahrungen an die LAG-Info zur Veröffentlichung zu geben.
Naikan im Justizvollzug ist eine interessante Variante, auf ein straffreies Leben vorzubereiten. LAG-Info bleibt am Ball!
Die Reportagen und Berichte aus den Regionen sind sicherlich auch für Sie eine Fundgrube.
Zum Abschied sagen wir Herrn Ministerialdirigenten Hermann Korndörfer: Danke!

Ihr

Norbert Merz


Augsburger Gespräche 2009

Samstag, 28. März 2009, 9:00 bis 17:00 Uhr
Kloster St. Stephan in Augsburg


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Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag

Ich habe schon fast alles über Albert Bickel geschrieben und trotzdem muss ich immer wieder voller Dankbarkeit auf sein Engagement, auf sein großes Herz hinweisen, das er für die straffällig gewordenen Menschen, für deren Begleitung und Neuorientierung hatte und hat. Das Gewinnen, das Ausbilden von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war für ihn Programm. Alles Gute, Gesundheit und noch viele Stunden der Gemeinsamkeit wünscht Dir die LAG. Ein Kind Deines unermüdlichen Engagements.
Norbert Merz


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Bundesverdienstkreuz 1. Klasse an
Professor Dr. Heinz Schöch

Bayerns Justizministerin Dr. Beate Merk hat im Münchner Justizpalast das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Professor Dr. Heinz Schöch überreicht.
„Diese hohe Auszeichnung haben Sie sich mehr als verdient. Und wer Ihre Leistungen für das Gemeinwohl in überschaubarer Zeit referieren soll, der muss sich auf eine grobe Zusammenfassung beschränken", so Merk in ihrer Laudatio.
Prof. Dr. Schöch, einer der profiliertesten deutschen Kriminologen und Strafrechtler gehört mit seinem Forschungsgebiet zu den politisch umstrittensten überhaupt und steht für fundierte und seriöse Forschung. Wenn Schöch einen rechtspolitischen Weg für sinnvoll erachtet, dann ist das Ansporn. Und wenn er einen Weg kritisiert, dann gibt einem das zu denken. Man kann kaum die Vereinigungen überblicken, denen er ehrenamtlich und in verantwortlicher Position Zeit und Kraft widmen, so Merk.
Ein besonderes Engagement gilt dem Opferschutz (langjähriges Vorstandsmitglied des Weißen Rings und Förderer der gesetzgeberischen Erfolge der letzten Jahre) sowie dem Einsatz für die bayerische Richterfortbildung.
(PM 126/08 vom 23.07.08)
Auch die LAG konnte Prof. Dr. Schöch für die Augsburger Gespräche 2003 gewinnen.


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Bayerische Verdienstorden für ...

Sehr verehrte Frau Staatsministerin,
zur Verleihung des Bayerischen Verdienstordens beglückwünschen wir Sie sehr herzlich und freuen uns, dass mit diesem herausragenden Orden Ihr Engagement und Ihr Einsatz gewürdigt wird.
In diesem Zusammenhang dürfen wir hervorheben, dass wir, die Ehrenamtlichen im bayerischen Strafvollzug, uns bei Ihnen, Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, allen voran Herrn Korndörfer und Herrn Schneider, mit unseren Sorgen und Nöten immer angehört und unterstützt fühlen. Danke dafür!
Wir wünschen Ihnen weiterhin Gesundheit, Kraft und viel Erfolg bei all Ihren Vorhaben.
Norbert Merz


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Straubinger Tagung 2008

Auswertung
Oberamtsrat Herbert Meißner, Organisator und Tagungsleiter der Straubinger Tagung, stellte der LAG-Info folgendes Ergebnis zur Verfügung und vermerkt: „Mit diesem Echo bin auch ich sehr zufrieden und ich danke allen die zum Gelingen der Tagung beigetragen haben.“


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Zusammenarbeit - Auftrag

Zusammenarbeit verlangt gegenseitigen Respekt, Wissen um die Verwobenheit der Aufgaben mit den anderen Dienststellen der Organisation, um die Verantwortungen und um die Zusammenhänge dieses Auftrags.

Der Auftrag: Vollzug der Freiheitsstrafe dient dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten und soll die Gefangenen befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Behandlungsauftrag).


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Partner im Rahmen der Betreuung und der ehrenamtlichen Mitarbeit

Unsere Partner im Rahmen der Betreuung und unserer ehrenamtlichen Mitarbeit sind:

  • AVD - Allgemeiner Vollzugsdienst
  • Der mittlere Werksdienst
  • Sozialpädagogische Arbeit
  • Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten
  • Psychologen in der Justizvollzugsanstalt


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Worüber könnte ich beim Besuch sprechen?

Worüber könnte ich beim nächsten Besuch mit meinen Gefangenen sprechen? Diese Frage taucht nicht nur auf, wenn wir uns auf unseren Besuch im Gefängnis vorbereiten. Nein, das bewegt uns unter Umständen auch, wenn wir eine Einladung aussprechen, uns mit Bekannten zufällig in der Stadt treffen, uns in der Pause einer Veranstaltung über den Weg laufen.
„Schön, Sie zu sehen! Wie geht es Ihnen, wie war es im Urlaub? Ja, ich habe schon von Ihrer Firma gehört!“ So oder so ähnlich könnten die Gespräche dieser kurzen Begegnung ablaufen.
Würde das auch zutreffen, wenn wir in ein zufälliges Gespräch in der U-Bahn, am Bahnhof oder an der Bushaltestelle verwickelt werden würden? Sicherlich nicht. In solchen Fällen würde der Smalltalk sich mit der aktuellen Situation beschäftigen: immer diese Verspätungen, die Drängler, die Unart der Raucher, die wilden Jugendlichen etc.
Und was könnte ein Gesprächsstoff für unsere Begegnung mit dem Gefangenen sein?
Über das Wetter zu sprechen, könnte fast provokant sein, denn Wetter bei einer Stunde Hofgang oder die Hitze in der Zelle haben andere Dimensionen, als es sich für uns anfühlt. Da liegen Welten dazwischen. Was aber nicht heißen soll, dass Wetter nicht auch ein Thema sein könnte.
Wahrscheinlich ist das Redebedürfnis bei unserem Gegenüber sehr groß und situationsbezogen, auch wenn er dann zu Beginn kein Wort herausbringt. Das heißt, er möchte über die ihm widerfahrene Ungerechtigkeit sprechen. Probleme aus dem Knastalltag, wie das schlechte Essen, die ungerechte Behandlung, der teure Einkauf, die nicht genehmigte vorzeitige Entlassung, die Unzulänglichkeiten in den bayerischen Vollzugsanstalten, der viel bessere Vollzug in anderen Bundesländern usw.

Was tun?
Meine Empfehlung: Zuhören, zuhören, zuhören, nachfragen, erklären, nicht werten, keine Parteinahme.

Wussten Sie, dass das Gegenüber aus Ihrer Körperhaltung, aus Ihrem Gesicht, aus Ihren Augen erkennen kann, ob Sie zuhören, interessiert sind oder auch verstanden haben?

Norbert Merz


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Aktives Zuhören

Was ist „aktives Zuhören"?
„Aktives Zuhören" bedeutet:

  • zu versuchen, sich in den Gesprächspartner einzufühlen. Man spricht auch von Empathie.
  • beim Gespräch mitzudenken,
  • dem Gesprächspartner Aufmerksamkeit und Interesse entgegenzubringen.
  • Nachzufrage und sich erklären, erläutern zu lassen.
Durch verbale und nonverbale Reaktionen wird dem Partner gezeigt, dass man aufmerksam ist, dass man zu verstehen versucht, und dass man Interesse und Anteilnahme hat.
Die vier Stufen des aktiven Zuhörens sind: die Wahrnehmung, das Verstehen, die Wertung und die Reaktion:

Wahrnehmung
Wir nehmen selektiv wahr. Das ist auch sinnvoll, denn der Mensch wäre gar nicht fähig, auf alle Informationen, Reize, Eindrücke einzugehen.

Bewerten
Wir tendieren dazu, zu bewerten, was wir gehört und verstanden haben. Feedback kann helfen, Missverständnissen vorzubeugen.

Reaktion
Verbale und nonverbale Reaktionen wie Kopfnicken, Blickkontakt etc. sind Techniken, die aktives Zuhören erleichtern. Aktives Zuhören ist lernbar. Es heißt nicht, dass Aussagen einfach wiederholt werden müssten. Das „Spiegeln" von Aussagen („Habe ich richtig verstanden, dass...?") hilft aber zu zeigen, dass die Aussage registriert wurde. Wer sieht, dass das Gehörte zusammengefasst werden kann, fühlt sich verstanden. Es wird bei Gesprächen letztlich zum Zeitgewinn.


Zeit haben und zuhören
In einem Artikel (30. 11. 2006) über ehrenamtliches Engagement las ich unter anderem:
„Das Wichtigste, das wir mitbringen und anbieten können, ist die Zeit und das Zuhören! Die Hauptaufgabe unserer Besuche sehen wir in den Gesprächen. Dabei versuchen wir auf die Ängste und Sorgen einzugehen und in Anlehnung an unser Leben und unsere Erfahrungen Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und zu diskutieren. Da wir weder psychologisch noch sozialpädagogisch ausgebildet sind, sehen wir uns auch nicht als Konkurrenz zu Mitarbeitern und Fachdiensten der Einrichtung.“
So und nicht anders sehe auch ich unser Engagement in den bayerischen Justizvollzugsanstalten.
Norbert Merz


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Frage eines Neulings, eines Neueinsteigers
Schuld und Sühne, Strafe und Wiedergutmachung?

  • Der Gefangene, das unbekannte Wesen.
    Ja, der Gefangene ist für uns ein Unbekannter. Das kann aber der Gefangene auch von uns behaupten. Auch er kennt uns nicht, weiß nichts über mich, meinen Beruf, meine Emotionen, mein Umfeld.
    Aber dazu sind doch die Gespräche, die Begegnungen der nächsten Monate da, dass wir uns näher kennen lernen.
  • Die erste Begegnung mit dem Gefangenen.
    Also gehören die ersten Zusammenkünfte dem sich Öffnen. Dabei ist es an Ihnen, festzulegen, was Sie aus Ihrer Privatsphäre preisgeben wollen. Ob im Laufe der Betreuung das eine oder andere an Privatem nachgereicht wird, hat mit der sich entwickelnden Vertrautheit zu tun.
  • Die Bediensteten hinter Panzerglas (Torwache).
    Gehen Sie erst einmal davon aus, dass sich alle Fragen, die man Ihnen stellt, einzig und alleine aus den Aufgaben dieser Beamten ergeben. Dabei könnte es sein, dass auch dieses Gegenüber einen schlechten Tag haben kann. Höflichkeit und Ruhe bewähren sich auch hier.
  • Warum ist das alles so kompliziert?
    Weil wir uns in einem hochsensiblen Umfeld (Strafvollzug) befinden. Der Strafvollzug greift wie kein anderer Bereich in die Privatsphäre eines Menschen ein. Deshalb muss sich alles, was in diesem Umfeld passiert, am Gesetz orientieren.
  • Wie soll ich mit den Fragen des Gefangenen umgehen?
    Fragen sind erst einmal unproblematisch, da sie einen kleinen Einblick in sein Leben erschließen. Deshalb ist es auch so wichtig, nachzufragen, sich erklären zu lassen. Sie sind - als Neuling sowieso - nicht in der Lage, die Tragweite einer Frage zu erkennen.
  • Wie soll ich auf die Wünsche reagieren?
    Wünsche - ich nenne sie Aufträge - müssen genauestens hinterfragt werden, da - erinnern Sie sich bitte an das Einführungsseminar, die Einführungsunterweisung - Sie weder Gegenstände, noch Nachrichten von drinnen nach draußen und umgekehrt transportieren dürfen.
  • Was wäre zu tun?
    Immer wenn Sie unsicher werden, fragen Sie beim Kontaktbeamten nach. Das wird in der Anfangsphase häufiger sein, Sie sollten es aber.
  • Warum bin ich nach dem dritten Besuch mit mir immer noch unzufrieden?
    Das könnte damit zusammenhängen, dass Ihre Erwartungen an die Begegnung, an das Gespräch, an die Kommunikationsfreudigkeit etwas hoch angesetzt wurden.
    Welchen sozialen Background hat Ihr Gegenüber, wann hatte er zuletzt Gelegenheit, sich in einem so offenen Gespräch zu äußern, wie groß ist sein Vertrauen in Sie, wieweit ist er in der Lage, sich verbal zu vermitteln usw.
  • Wie gehe ich mit der Hilflosigkeit um?
    Dass es am Anfang eine Art Hilflosigkeit gibt, ist für alles Neue selbstverständlich, deshalb wäre es gut, wenn Sie sich neben der Kontaktperson der JVA auch noch einer / einem erfahrenen Ehrenamtlichen zuwenden.
  • Wer hilft mir, wenn ich nicht weiterweiß?
    Auch hier gilt das oben Geschriebene: die benannte Kontaktperson der JVA und andere Ehrenamtliche.


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Augsburger Gespräche 2009
Samstag, 28. März 2009
Kloster St. Stephan In Augsburg


Straubinger Tagung 2009
Freitag, 17. bis Sonntag, 19. Juli 2009
Justizvollzugsschule Straubing


Mitgliederversammlung 2009
Samstag, 19. September 2009
In Augsburg / Hotel Riegele, Viktoriastraße 4,
gegenüber Hauptbahnhof




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Wir können den Wind nicht ändern,
aber wir können die Segel richtig setzen.

Aristoteles, 384-322 v.Chr., griechischer Philosoph


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© LAG 2008-10-04