Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 61


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LAG-Info 61       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Einblicke - Ausblicke
Die Rolle der Erwachsenen
Aufbau Joharifenster
Bay. StVollzG beschlossen
Staatskanzlei
Strafvollzug i. Bayern (Landtag)
Präventionstag in Wiesbaden
Frau Pagenstecher merkt an
Nürnberger Gespräch
Prognosebegutachtung
Gerhard Zimmermann
BSBG-Symposium
Psychologie 21. Jahrhundert
Macht der neg. Gedanken
... ein Gesamtkunstwerk
Peter Möller ist ...
Deutschkurse für ...
1628 meint
Veränderungen
Schlüsseldienst in der JVA
Vereinsamter Einbrecher ...
... dazu eine kleine Chronik
Reaktionen auf 1628
Können wir uns ändern
Knastjargon
Aus den Regionen
Die beiden Ansichten
- Würzburg
- Wiesbaden
- Kempten
- Bernau
- AK Reso Nürnberg mit Preis
- Kaisheim
Projekt: Leben lernen
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Mit „Einblicke - Aussichten“ wollte ich versuchen, die verschiedenen Sichtweisen aufzuzeigen, die sich alleine durch den Standpunkt ergeben: Schau ich von drinnen nach draußen oder von draußen nach drinnen.
Resultiert daraus, lassen wir dies außer Acht, nicht das eine oder andere Missverständnis?
Sind nicht auch Prognosegutachtung (Dr. Willi Pecher, Dr. Johann Endres) der Versuch „hineinzuschauen“?
Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann waren wir zum Tag der offenen Tür im Staatsministerium, zu den Präventionstagen nach Wiesbaden eingeladen, um auf den Ständen der Justiz das Ehrenamt mitzuvertreten. Eine tolle Geste des Ministeriums für das Engagement der Ehrenamtlichen. Dafür ein herzliches Dankeschön!
Ach ja, da war doch noch etwas! Richtig! Die LAG konnte am 27. Juni den 20. Geburtstag begehen. Wie wir den gefeiert haben? In aller Bescheidenheit haben wir „zurückgeblickt“ und werden diesen Rückblick in eine Sonderausgabe der LAG-Info zwängen. Ende Juli könnte sie dann, wie man so schön sagt, auf den Markt kommen. Vielleicht können Sie sich hinreißen lassen und mir mit einer kleinen Bestellung (10,- Euro/Exemplar) die Disposition für einen Druckauftrag leichter machen!
Und dann sollten Sie in Ihr Taschentuch einen kleinen Knoten machen: Wir werden im September bei unserer Mitgliederversammlung einen Vorstand zu wählen haben. Kommen Sie bitte am Samstag, 15. September 2007, nach Augsburg. Auch Ihre Meinung und Entscheidung ist gefragt.
Und nun wünsche ich Ihnen ein paar ruhige Minuten für die Lektüre der LAG-Info.

Ihr

Norbert Merz


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Einblicke - Aussichten

Einblicke (Enthüllungen, Auskünfte, Einsichten, Entlarven, Entdecken, Erfahren, Erkenntnisse, Vertrautheit, Offenbarung)
Was sticht ins Auge?
Für mich ist es die Vertrautheit!
Ja, die Vertrautheit ist es, wollen wir mit dem Strafgefangenen Schritte in die Freiheit wagen. Dabei werden wir Einsichten gewinnen, viel erfahren und erkennen. Wir werden bei unserem Gegenüber viel Potential für die Zukunft vorfinden, das es aufzuschließen und in „Aussicht“ zustellen gilt.
Aussichten (Möglichkeiten, Chancen, Erwartungen, Gelegenheiten, Hoffnungen, Befürchtungen, Fernsicht, Horizonte
Und welche Schlagworte sind es hier?
Die Möglichkeiten, die Chancen, die Hoffnungen, aber auch die Erwartungen, die Befürchtungen stehen im Raum.
Die positiven Anteile sind herauszuarbeiten, zu verstärken und die etwas negativ besetzten Begriffe in motivierende, anspornende Aussagen umzumünzen.

Norbert Merz


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  Die Rolle des Erwachsenen

... Die Rolle des Erwachsenen ist es, wie ein Flugplatz, „immer da zu sein". Der Flugplatz hat alles bereit, was die Flugzeuge zum Fliegen brauchen: Treibstoff, Mechanikerdienste, Radar, Proviant, Flugkarten, Radioverbindung, Erste Hilfe, Feuerwehr - lauter Dienste, die man vom Boden aus leisten kann. Das Kind ist der Pilot und muss lernen, sein Flugzeug auf eigene Verantwortung zu steuern.
Versäumt der Bodendienst irgendein Detail, kann er damit Flugzeug und Pilot in Gefahr bringen.
Der Pilot ist vielleicht ein Neuling, er muss noch viele Probeflüge machen, bevor er voll verantwortlich ist. Aber der Flugplatz greift nicht ein, um ihm beim Steuern zu helfen. Seine Aufgabe besteht darin, einfach da zu sein - immer bereit, immer voll ausgerüstet. Er wartet, bis es Zeit zum Abfliegen und Landen ist ...

Rebeca Wild, "Sein zum Erziehen"


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Aufbau des Joharifensters

Bereich „Maske“ umfasst den Bereich der Zurückhaltung, also jene Aspekte unseres Denkens und Handelns, die wir vor anderen bewusst verbergen - die „heimlichen Wünsche", die „empfindlichen Stellen“, quasi die „private Person“. Durch Sicherheit und Vertrauen zu anderen kann dieser Bereich erheblich eingegrenzt werden. Z.B. hält sich ein Mensch selbst in einem bestimmten Wissensgebiet für nicht kompetent und möchte das insbesondere vor den anderen verbergen.

Bereich Ungenutztes Potential umfasst den unbewussten Bereich, der weder uns noch anderen unmittelbar zugänglich ist; zu ihm kann aber etwa eine Tiefenpsychologin oder ein Tiefenpsychologe Zugang finden. Verborgene Talente und ungenützte Begabungen sind Beispiele hierfür. Möglicherweise ist eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter ein talentierter Betreuer, hatte aber im Rahmen seiner bisherigen Tätigkeiten noch nie mit einer solchen Aufgabe zu tun, und infolgedessen kennen weder sie bzw. er noch andere seine Begabung hierfür.

Bereich Schaufenster umfasst den Teil des gemeinsamen Wissens, also jene Aspekte unseres Verhaltens, die uns selbst und den anderen Mitgliedern der Gruppe bekannt sind und in denen uns unser Handeln frei, unbeeinträchtigt von Ängsten und Vorbehalten erscheint. Hier sind wir quasi die „öffentliche Person".

Bereich Blinderfleck umfasst den „Blinden Fleck“, also den Anteil unseres Verhaltens, den wir selbst wenig, die anderen Mitglieder der Gruppe dagegen recht deutlich wahrnehmen: die unbedachten und unbewussten Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die Vorurteile, Zu- und Abneigungen. Hier können uns die anderen Hinweise auf uns selbst geben. Dieser Bereich wird meist nonverbal, etwa durch Gesten, Kleidung, Klang der Stimme, Tonfall etc. anderen kommuniziert und umfasst insgesamt das Auftreten. Ein großer „Blinder Fleck" ist z.B. für eine effiziente Gesprächsführung hinderlich. Ein Beispiel ist etwa der Tonfall und die Mimik, mit der eine Betreuerin, Betreuer mit dem Gefangenen spricht.


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Präventionstag in Wiesbaden

Das Justizministerium war mit einem sehr repräsentativen Stand, Schwerpunkt „Jugendstrafvollzug“, beim 12. Deutschen Präventionstag in Wiesbaden vertreten. Dr. Andrea Muthig, Ministerialrätin des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz, und Peter Landauer, Leiter der JVA Niederschönenfeld, unterstützt durch Renate Schöfer-Sigl, Leiterin der JVA Ebrach, Sylvia Maldonado de Landauer, Leiterin der JVA Augsburg, Bedienstete der JVA Ebrach und Niederschönenfeld, repräsentierten den bayerischen Strafvollzug. Auch die LAG war auf dem Stand vertreten und konnte so das Zusammenwirken Ehrenamt und Strafvollzug darstellen.
Prominente Gäste, wie der Ministerialdirigent des sächsischen Justizministeriums, Harald Preusker, und Prof. Dr. Rudolf Egg, Dipl.-Psych. Und Direktor der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden, und Interessierte des Hessischen Landtags, um nur einige zu erwähnen, konnten auf dem Stand begrüßt werden.
Bestechend war der Aufbau, abgerundet durch interessante Videopräsentationen, die den Interessenten schnell, übersichtlich, kurz und bündig einen Überblick über die Aktivitäten und die Anstrengungen des bayerischen Strafvollzugs für einen gelingende Wiedereingliederung vermittelten.
In diesem Zusammenhang darf, ja muss man das unermüdliche Engagement von Peter Landauer, Chef der JVA Niederschönenfeld und Miterfinder des Messestandes, herausheben und ihm danken.
Prävention wurde hier am Beispiel Jugendstrafvollzug mit durchgeführten Projekten sichtbar gemacht, mit entsprechenden Exponaten der JVA Ebrach und Kurzfilmproduktionen von Helmut Savini ehemaliger Bediensteter der JVA Niederschönenfeld, der dieses kunstpädagogische Angebot ehrenamtlich über Jahre angeboten hat und nun seit seiner Pensionierung erfolgreich weiterführt.
Norbert Merz


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Frau Pagenstecher merkt an

Leserbrief zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 13. 4. 2007
„Ehrfurcht vor Gott, Liebe zu Volk und Heimat“
Erziehen, fördern und die Allgemeinheit schützen: Was den Bundesländern in ihren Gesetzentwürfen zum Jugendstrafvollzug so alles einfällt
Von Heribert Prantl

Als verdienstvoll empfinde ich Heribert Prantls Bemühen, die neuen Strafvollzugsgesetzentwürfe im Ländervergleich zu skizzieren.
Seine Formulierung: „Was Justizministern alles einfällt, um die juristische Verwahrlosung hinter Gittern zu beenden“, wird vielleicht gar Leser zur Lektüre verlocken und informieren, die sich für gesellschaftlich wichtige Probleme wie den Strafvollzug nicht interessieren.
Dass die Gesetzentwürfe „überwiegend haushaltsverträglich“ gestaltet sind, spricht doch für die Verfasser der Entwürfe. Die in Bayern nun verpflichtend eingesetzte Sozialtherapie verursacht zunächst wohl höhere Personalkosten, wenn sie aber die Rückfallquote reduziert, erspart sie dem Steuerzahler erneute Gerichts- und Haftkosten, vor allem neuen Opfern viel Leid.
Das Ideal einer Einzelzelle in einer Wohngruppe hängt auch nicht nur von den räumlichen Verhältnissen der Anstalt ab: zwingende Gründe für gemeinschaftliche Unterbringung können auch – eben nicht finanzielle – in der Person des Inhaftierten liegen. Und das gilt auch für den offenen oder geschlossenen Vollzug: Nicht jeder Inhaftierte ist gleich geeignet für den offenen Vollzug. Das ist also nicht nur eine Frage der Haushaltsmittel oder justizministeriellen Liberalität.
Bürgerschaftliches Engagement kann übrigens durch ehrenamtliche Betreuung Inhaftierter zum Resozialisierungserfolg beitragen: Besuchsdienste, Einüben von Lesen, Schreiben, Rechnen, Sportangebote, Basteln. Entlassungsvorbereitung: Arbeitsplatz, Wohnung, Schuldentilgung.

Gisela Pagenstecher,
München
langjähriges Mitglied des AK Reso und der LAG


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Nürnberger Gespräch

Die Prognose zukünftiger Straffälligkeit
Welche Standards müssen forensische Gutachten erfüllen? Wo liegen ihre Grenzen?

Im LAG-Info 60, Seite 15 wurde über diese Veranstaltung bereits berichtet, hier nun eine kleine Nachbetrachtung per Bild. Ca. 50 Interessierte folgten den fast dreistündigen Ausführungen von Dr. Willi Pecher und Prof. Dr. Heinz Stöckel über: „Standards forensischer Gutachten“.


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Gerhard Zimmermann

Kontaktler schreiben:

Mit großem Bedauern nehmen wir den Austritt Gerhard Zimmermanns aus dem „Verein Kontakt e.V. Bayreuth" zur Kenntnis. Diese Entscheidung ist ihm, wie er sagt, nicht leicht gefallen.
Er hat sich viele Jahre lang mit großem Engagement für die Belange der Gefangenen und Entlassenen, für ihre Sorgen und Nöte, eingesetzt. Auch uns „Kontaktlern" stand er stets mit Rat und Tat zur Seite.
Für all das gebührt Gerhard Zimmermann großer Dank!

Die Kontakt-Kolleginnen:
Ch. Kundt, H. Taubenreuther, M. Holstein und Frau Reeder


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.BSBD-Symposium: Justizvolzug – Reparaturbetrieb der Nation?

Im April 2007 führte der BSBD*) ein Symposium in Haren/Niedersachsen im Hotel Hagen durch. Die Jugendstrafvollzugsgesetze befinden sich in einigen Bundesländern bereits in den Gesetzgebungsverfahren. An diese Gesetze werden hohe Erwartungen gestellt. Angesichts gesellschaftlicher Fehlentwicklungen möchte der BSBD aufzeigen, dass diesen Anforderungen, obwohl der Strafvollzug bereits jetzt sehr erfolgreich arbeitet, auch künftig Grenzen gesetzt sein werden.
Denn häufig liegen die tief verwurzelten Ursachen der Kriminalität in der frühkindlichen Erziehung junger Menschen. Fehlende Verhaltenskorrekturen machen eine Umkehr zu einem Leben in sozialer Verantwortung mit zunehmendem Lebensalter immer schwieriger. Zu dieser Thematik zeigten Fachleute neue Konzepte und die ganze Bandbreite der Problemfelder auf und diskutierten anschließend miteinander und mit dem anwesenden Publikum.
Sowohl die BSBD-Bundesleitung als auch sämtliche Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Strafvollzug waren anwesend und beteiligten sich engagiert an der Erörterung dieser Sachfragen

Fachvorträge:

  • Anton Bachl, BSBD – Bundesvorsitzender - Einführung
  • Dr. Ingrid Otto, Stv. Bundesvorsitzende – Verband Bildung und Erziehung,
  • Oberschulrat Gerhard Schmid, Senatsverwaltung f. Bildung, Wissenschaft und Forschung, Berlin-Kreuzberg,
  • Ragnar Schneider, Regierungsdirektor, Bayer. Staatsministerium der Justiz,
  • Dr. Gero Meinen, Ltd. Senatsrat, Leiter Abt. Strafvollzug im Senatsamt für Justiz, Berlin,
  • Dieter Muckenhaupt, Bewährungshilfe „Neustart", Baden-Württemberg,
  • Prof. Dr. Werner Greve, Universität Hildesheim.

    Diskussionsleitung: Dr. Stefan Meining, ARD-Report

    *) Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD)


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    Peter Möller ist ...

    Dünner Draht ins Leben

    Zuhören, reden, da sein: Die Evangelische Straffälligenhilfe begleitet Häftlinge ohne Kontakt nach „draußen“
    Über eine Frühlingswiese zottelt eine kleine Schafherde, im Halbschatten eines Wäldchens rasten Rehe, am Horizont türmen sich schneebedeckte Berge – das Gelände der Justizvollzugsanstalt Bernau wäre eine Postkartenidylle, gäbe es nicht die meterhohen, mit Stacheldrahtrollen bekränzten Zäune. Über 900 Männer verbüßen hier ihre Haftstrafen. Ein Dutzend von ihnen wird von Ehrenamtlichen der Straffälligenhilfe betreut.
    Peter Möller ist für die Justizbeamten ein alter, aber gern gesehener Bekannter. Seit 20 Jahren betreut er Gefangene in Bernau. Seit seiner Pensionierung vor sechs Jahren leitet der frühere Berufssoldat ehrenamtlich die Straffälligenhilfe des Evangelischen Hilfswerks München. Einmal im Monat hat Möller Sprechstunde in Haus 1. Vier Häftlinge hat er heute auf seiner Liste.
    Die Tür geht auf, durch den Spalt drückt sich ein Mann in blauer Anstaltskleidung, Haare zurückgekämmt, fahles Gesicht, inhaftiert wegen Drogenhandel und -konsum. Er setzt sich an den Tisch, die Augen auf die Platte geheftet. Was er für ihn tun kann, will Peter Möller wissen. Er wird in drei Wochen entlassen, sagt der Mann, und er hat keine Unterkunft. In drei Wochen? Möller ist verärgert. Unterkünfte für entlassene Häftlinge gibt es schon, aber nur, wenn die Kostenfrage geklärt ist. Und der Antrag auf Kostenübernahme beim Sozialreferat dauert ein paar Monate. „Warum sind Sie denn nicht früher gekommen?“, fragt Möller. Der Gefangene zuckt die Achseln, fährt sich übers Gesicht. Möller greift zum Telefon, ruft die zuständige Mitarbeiterin des Sozialdiensts in der JVA an. Ein kurzer Wortwechsel mit vielen Fachbegriffen aus dem Behördendeutsch folgt. Danach Entwarnung: Die Diakonie Rosenheim ist unter Umständen bereit, den Mann trotz Drogenvergangenheit – in vielen Unterkünften ein Ausschlusskriterium – in ihrer Einrichtung aufzunehmen.
    Das ist eine der Hauptaufgaben der Evangelischen Straffälligenhilfe: Lösungen suchen für Probleme, die die Häftlinge mit der Behördenwelt „draußen“ haben – egal, ob es um Unterkunft oder Schulden geht. „Wir sind Seelsorger und Begleiter, aber vor allem Organisatoren“, sagt Peter Möller.
    Wieder öffnet sich die Zellentür. Ein Mann, Mitte 60, dick, weiße Haare, wieselflinke Augen, begrüßt Peter Möller wie einen alten Freund. Er hat eine Menge Papiere dabei, Schreiben an die Bank und ans Gericht. Sein Konto macht ihm Sorgen: Wenn er nicht bis zu jedem 7. des Monats Geld abhebt, wird gepfändet – dann kann er die Miete nicht bezahlen und verliert seine Wohnung. Wortgewandt schildert er, der wegen Betrugs einsitzt, seine erfolglosen Telefonate. Möller hört sich alles an und verspricht, mit der Bank zu reden. Noch ein Jahr muss der Mann in Bernau bleiben. Für diese Zeit hat Möller jetzt eine ehrenamtliche Betreuerin gefunden. „Der Gefangene hat's faustdick hinter den Ohren, aber die Dame ist 72 und bei der Heilsarmee – die wickelt er nicht um den Finger“, grinst er.
    Insgesamt gibt es rund 600 ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer, die in den 35 bayerischen Gefängnissen mit ihren derzeit 13.000 Strafgefangenen mittlerweile gern gesehen sind. Zehn Männer und 17 Frauen gehören zum Team der Evangelischen Straffälligenhilfe München, die in neun JVA tätig ist. Jeder von ihnen betreut ein bis zwei Gefangene, meistens Männer, die sonst keinen Kontakt nach „draußen“ mehr haben. Das Ziel ist, dass der dünne Draht in die Gesellschaft nicht ganz abreißt. Resozialisierung heißt das im Amtsdeutsch. Die ehrenamtlichen Betreuer besuchen „ihren“ Häftling, holen ihn zum Freigang ab, der ohne Kontaktperson nicht genehmigt wird, erwarten ihn beim Hafturlaub am Bahnhof und setzen ihn am Ende wieder in den Zug. „Wir können durch die Betreuung die Defizite des Gefangenen nicht reparieren, aber wir können den Vollzug ein wenig vermenschlichen“, sagt Möller.
    Die beiden letzten Besucher am heutigen Sprechtag sind junge Männer. Der zweite, wacher Blick, gespannt wie eine Sprungfeder, verhaftet wegen Einbruch und Raub, ist ein alter Bekannter. „Den hat ein Ehrenamtlicher schon beim letzten Mal betreut, mit ihm Ausgang und Hafturlaubstage gemacht, hat alles super geklappt. Nach seiner Entlassung hat er ihn in eine Unterkunft gebracht, wo er sogar einen Job als Pferdepfleger hätte haben können – und noch am gleichen Abend war er einfach verschwunden.“ Möller erzählt die Geschichte mit einem Lachen, das zwischen ungläubig und respektvoll changiert.
    Ob ihn das nicht frustriert, wenn ein Häftling trotz guter Betreuung einfach abhaut und ein paar Jahre später wieder im Gefängnis landet? Peter Möller schüttelt langsam den Kopf. Es geht ihm nicht darum, Erfolge vorzuweisen. „Die Männer sollen erleben: Jemand ist für mich da, ohne was zu wollen.“ Romantisieren dürfe man die Betreuung von Straffälligen trotzdem nicht: „Die Gefangenen benutzen uns – aber das bieten wir ja auch an.“ Für Peter Möller ist die Straffälligenhilfe Glaubenssache: „Wenn Menschen ein Ebenbild Gottes sind, können wir Häftlinge nicht außen vor stehen lassen.“

    Susanne Petersen

    Artikel: Evangelisches Sonntagsblatt Nr. 16, v. 22. 4. 2007, S. 13


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    16 28 meint:

    Der Blick auf ein kleines Stückchen Freiheit.

    Oft und immer wieder werde ich gefragt, wie man denn eine längere Haftzeit durchstehen kann, ohne ernstlich an der Seele Schaden zu nehmen? Glauben Sie mir, ich weiß es nicht und im Nachhinein schien dann doch alles so einfach, man bringt es eben so gut als möglich hinter sich.
    In den letzten Tagen haben wir – gewollt oder nicht gewollt – miterleben müssen, wie es einer Paris Hilton ergangen ist. Was ich ihr unbesehen glaube, ist die Angst, sind die Angstzustände der ersten Tage: Die Enge des Haftraumes, die Gitter, das Schlüsselrasseln, der absonderliche Tagesablauf.
    Und doch ist da etwas, das Trost und Hoffnung aufkeimen lässt, das Licht in diese trübe Anstaltswelt bringt: Ein Fenster !
    Zwar vergittert, aber immerhin. Gefangene entwickeln ausgeklügelte Techniken, um aus so einem Fenster im Haftraum einen Blick über die Mauern in die Freiheit werfen zu können. Es gibt Anstalten, in denen man sich dieses „aus dem Fenster sehen“ direkt erarbeiten muss. Ich habe nie verstanden, warum in manchen Gefängnissen – auch neueren Datums – die Fenster so unerreichbar angebracht sind. Vor was hatte der Planer Angst? Fenster sind für Gefangene aber nicht nur die Öffnungen in den Mauern. Viel wichtiger sind die „Fenster“, die sich die Inhaftierten selber anlegen, die sie brauchen, um eines Tages sagen zu können:
    „Ich habe das und das gemacht, um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen.“ Solche „Fenster“, die auch zur „Tür“ werden können, sind unter anderem: Weiterbildung, Sportangebote, Chorgruppen, Theatergruppen, viele Arten der Freizeitbeschäftigung und vor allem: das Gespräch mit Menschen! Das können Bedienstete, Mitgefangene (ja auch diese!!), Fachberater und Ehrenamtliche sein.
    Diese Fenster in die Freiheit, diese Gespräche mit aufgeschlossenen Menschen sind für Gefangene meist der Anfang eines Neubeginns nach der Haft. Den Blick in die Freiheit, um die Freiheit, gilt es für so manchen zu schulen um nicht der erstbesten „Fata Morgana“ wieder zu erliegen.
    Das optische Sehen aus dem Fenster ist für die angeschlagene Psyche durchaus wichtig. Die geistigen Fenster sind aber das A + O für ein straffreies Leben nach der Haft.

    Ihr 16 28


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    Reaktion auf „1628 meint“
    Betreuter wieder straffällig (LAG 60) und Zeit (LAG 59)

    Lieber 1628!
    Deine Berichte verfolge ich immer mit großer Aufmerksamkeit, weil ja kein Ehrenamtlicher das genauso nachvollziehen kann wie einer, der selbst „eingesessen“ ist und den Gefängnisaufenthalt hautnah gespürt hat.
    Ich als Laien-Ehrenamtlicher höre mir natürlich auch solche Erzählungen von meinen beiden Insassen an, wie was ist und was nervt hinter Gittern, man kann es verständnisvoll hören, zuordnen, aber nachempfinden kann ich es eben nicht so wie Du.
    Ich kann immer nur aus meinem Leben berichten und eben auch vom stinknormalen Alltag erzählen, wie man was verarbeitet.
    Dass ein von Dir Betreuter - oder eben Stammtischfreund - rückfällig geworden ist, trifft Dich hart - wie ich es aus dem Bericht rauslese. Da das folgende Gespräch im Gefängnis ja sehr schlecht verlaufen ist und Du tief getroffen bist, ist es aus meiner Sicht durchaus legitim zu sagen: Jetzt nicht mehr, ich will so nicht mehr. Ob der Betreute ein Recht auf Lügen hat gegenüber seinem Ehrenamtlichen, kann man so nicht sagen, er nimmt es sich halt offenbar heraus, Dich auch anzulügen. Wenn man jemand draufkommt, dass er lügt, dann ist es immer eine Enttäuschung - für jeden. Hier bist Du nicht zu überempfindlich. Eine ganz normale Reaktion. Aber ich lese auch, dass Du zu ihm gesagt hast, Du bist für ihn weiter da - wenn ... Es handelt sich offenbar schon auch um eine Freundschaft - wie auch immer... Hier sage ich - die Zeit wird es zeigen, wie es sich weiter entwickelt, wenn Du dann noch bereit bist, ihn nochmals zu betreuen. Denk darüber nach..., aber da wären wir wieder bei der Zeit, mit der Du Dich, in dem anderen Bericht, kaum mehr versöhnen kannst.
    Irgendwie kommt mir da der Spruch in den Sinn, das ganze Leben ist ein Wartesaal..., ich möchte aber Deinen Hinweis aufgreifen an die Ehrenamtlichen, die Zeit draußen zu lassen. Ja, wie stellst Du Dir das vor? Zeit ist immer damit verbunden, wenn ich jemanden besuche, auch Zeit mitzubringen - sich jemandem zu widmen, gehört dazu. Ich komme nicht aus Langeweile in das Gefängnis, sondern habe die Hoffnung, mit meinem Besuch auch etwas zu bewirken - sei es auch nur vorübergehend, weil ich ja auch nicht weiß, ob ein Rückfall kommt oder nicht. Ich wünsche es mir nicht, sondern hätte gern auch ein „Erfolgserlebnis" - dass der Kontakt Strafgefangener mit Ehrenamtlichen ein paar kleine Früchte trägt. Zeit gehört zwangsläufig zu meinem Besuch dazu, die ich anderswo eben nicht mehr zur Verfügung habe, ich kann die Zeit auch nicht vor der JVA abgeben. Ich empfinde so, dass ich einem Menschen in schwierigster Zeit zeige, dass es eben auch Menschen gibt, die ihn in ihrer zur Verfügung stehenden Zeit besuchen und ihn unterstützen, ihm zuhören, eben für eine gewisse (schwierige) Zeit ihn begleiten. Ich komme als Mensch - der eben Zeit für ihn hat, und ich mache es bisher gerne. Sozusagen von Mensch zu Mensch.
    In einer früheren Ausgabe der LAG-Info wurde von Norbert Merz auch mal das Helfersyndrom angesprochen, dieser Artikel hat mich auch beschäftigt und ich habe mich hinterfragt. Grundsätzlich möchte ich schon sagen, dass ich gerne helfe, wenn ich kann. Hilfe kann in unterschiedlichen Formen stattfinden, durch ganz kleine Dinge - die oft gar nicht so im Alltag wahrgenommen werden, im Gefängnis sieht das dann schon anders aus. Ich glaube, jeder ehrenamtliche Betreuer hat ein „kleines" Helfersyndrom, das aber eben frei von jeder „Sucht" sein sollte und das menschliche Miteinander und Füreinander da sein, im Vordergrund sein sollte. Jeder Ehrenamtliche wird sich dem stellen müssen! Ebenso die Nähe - der Abstand zu dem Betreuten, das Du 1628, ja auch in Deinem aktuellen Fall hinterfragst. Natürlich, je länger eine Betreuung geht, umso „näher" kommen sich Betreuter und Ehrenamtlicher, wenn die Betreuung für beide gut verläuft. Das liegt schon daran, ob es beim „Sie" bleibt oder zum „Du" wird. Einen Ratschlag kann man da eh nicht geben, weil es in der Realität so kommt, es sich entwickelt. Man kann auch bei einem Du noch Abstand haben. Aus meinem Erleben mit den ersten Ausgängen ist es schon auch zum Du gekommen, an der Betreuungseinstellung hat sich aber dadurch nichts geändert und das ist auch für mich voll okay so.
    Aber diesbezüglich hast Du ja da viel mehr Erfahrung als ich - als relativer Neuling. Trotzdem hat mir Deine Frage gefallen im LAG-Heft, weil es zeigt, dass jeder von uns Ehrenamtlichen auch mit den gleichen Thematiken irgendwie doch über kurz oder lang konfrontiert wird oder ist.
    Meine bisherige Betreuung zeigt auch, dass neben allen theoretischen Kursen, Seminaren, etc., der Alltag in der Betreuung oft ganz anders kommt. Man muss sich der Situation dann stellen, wie es eben wird. Der Ausgang..., die Unternehmungen, die Schwierigkeiten etwas zu ordnen, das man noch nicht richtig ordnen kann, solange der Beschluss der Entlassung noch nicht da ist. Die aufgesuchten Behörden mit dem Betreuten zeigten zuerst auch nur mal Kontrolle der Zuständigkeit..., aber das ist Alltag und hierbei kann man eben helfen - unterstützen. Beinhaltet wieder Zeit und Hilfe, so definiere ich es eben.
    Einer meiner beiden Betreuten ist vor kurzem nach Erlangen verlegt worden, auch eine ungewohnte Situation für uns beide, was die Betreuung anbetrifft. Man hat sich ja jetzt über ein Jahr aneinander „gewöhnt", dann kommt die gewünschte Verlegung zur Sozialtherapie und man freut sich auch, dass es für den Betreuten geklappt hat. Bin ich dem jetzt schon zu nahe, weil ich das hinterfrage?
    Jedenfalls hat mein Betreuter geäußert, dass er es gerne hätte, wenn ich „sein" Ehrenamtlicher bliebe.
    Mal sehen, ob das so in der neuen JVA geht - ich wäre bereit dazu, und das hatten wir auch in mehreren vorangehenden Besuchen besprochen. Ob‘s dann so umgesetzt werden kann, weiß ich heute auch noch nicht. Also alles Situationen, die man vorher nicht planen kann und eben gemeinsam mit dem Betreuten durchleben und ihm dabei zur Seite stehen muss.
    Ich wünsche Dir, dass Du Dich mit der Situation mit Deinem „Rückfälligen" zurecht findest, für Dich einen Weg findest - egal welchen, ob Du die Betreuung beendest - oder eventuell doch wieder aufnimmst, wenn die Situation für Dich in Ordnung ist, dass es so ist. Alles beinhaltet Zeit und Hilfe..., Zeit die ich vor der JVA nicht abgeben kann und auch nicht abgeben will.
    In diesem Sinne danke ich Dir für Deine Offenheit und wünsche Dir, dass Du Dich doch zumindest ein klein wenig mit der Zeit arrangieren kannst. Aber manchmal, da gebe ich Dir recht, kann Zeit auch nervig sein... (;-)
    Herzliche Grüße
    Rudolf Repges, ehrenamtlicher Betreuer der JVA Straubing

     
    Antwort auf den Artikel: ,,1628 meint“ im LAG-Info, April 2007

    Der letzte Satz: „Mangelt es mir am nötigen Abstand?" erscheint mir als ein bedeutender Satz.
    Wir als Ehrenamtliche sollten uns immer wieder diese Frage stellen, da der nötige Abstand wichtig ist fürs eigene „Überleben."
    Dass der Verfasser von „1628 meint" sehr betroffen ist, ist ja eine ganz natürliche Folge, doch geht es zu weit, sich die Frage zu stellen: Wer ist mit schuld oder bin sogar ich schuld? Diese Frage mündet automatisch in der Selbstzerfleischung. Kommen wir nicht etwas weiter mit der Frage: Wo liegen die Ursachen für ein solches Verhalten: Dem Rückfalltäter ist es nicht gelungen, ein Wertesystem zu verinnerlichen, das ihn solche Taten nicht tun lässt. Auch da ist wieder die Frage: Ist dies seine Schuld? Ich möchte mit dieser Fragestellung seine Tat nicht entschuldigen, doch uns Betreuer vor der Gefahr des Sich-mit-schuldig-Fühlens bewahren. Einem erwachsenen Menschen zur Entwicklung von tragfähigen Wertvorstellungen zu verhelfen, gelingt eben oft nicht. Sie kann gelingen über eine starke Bindung an eine Person, die Vorbildfunktion für diese Person hat, doch was ist, wenn unserm Gegenüber diese Bindungsfähigkeit fehlt?
    Die Frage: Wie gehe ich weiter mit diesem erneut straffällig gewordenen „Freund" um, sollte nach meiner Meinung nicht davon abhängig sein, ob er jetzt im Sinne des Autors auf den Brief antwortet, sondern davon, ob er die Kraft verspürt, ihn weiter zu betreuen. Eine Vorleistung unseres Gegenübers zu erwarten, ist immer eine fragwürdige Sache. Wie leicht würde es dem Straftäter sein, einfach „Reue" zu heucheln, oder die Wahrheit zu offenbaren, um wieder in den Genuss der Betreuung zu gelangen. Bin ich dann vielleicht mit schuldig an seiner Unaufrichtigkeit?
    Gandhi hat einmal gesagt: Jenseits von Gut und Böse, ist ein Ort, an dem wir uns treffen können.

    B.G.


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    Dialogische Entwicklungen mit jungen Inhaftierten, Schülern, alten Menschen und Kommunalpolitikern in Wiesbaden um das Beteiligungsprojekt „KNAST TROTZ JUGENDHILFE ?"

    In einem seit Dezember 2000 laufenden Projekt erarbeitet Arnd Richter ehrenamtlich mit jungen Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wiesbaden individuelle Empfehlungen und Botschaften an die Jugendhilfe und Jugendpolitik. Er ist Pädagoge, Mitglied des Jugendhilfeausschusses und hat seine Rolle im Projekt als Zeichner, Figurenschnitzer und Funktionär der Jugendhilfe festgelegt.
    Die Erfahrungen der Inhaftierten mit ihren Lebenswegen ins Gefängnis sieht er als einen besonderen Wert an, der für eine wirkungsvollere Jugendhilfe erkannt und durch geeignete Zusammenarbeit mit interessierten Inhaftierten genutzt werden sollte. Sein Hobby, das Zeichnen und Figurenschnitzen, dient ihm als kommunikatives Hilfsmittel bei den Einzelgesprächen und der Gruppenarbeit mit den Inhaftierten.
    „Adoptiveltern, habt Mut zur Zärtlichkeit!" oder „Achtet die Familienehre von Ausländerfamilien, aber schützt ihre Mädchen und Frauen vor Missbrauch und Gewalt!" sind zwei Beispiele von inzwischen mehr als 80 vorliegenden Botschaften, die von dem jeweiligen Inhaftierten mit den eigenen Erfahrungen begründet und mit einem Silhouettenportrait oder einer Figurenskizze versehen regelmäßig den Einladungen zu den Sitzungen des Wiesbadener Jugendhilfeausschusses beigefügt werden.
    Die aktuellsten Botschaften der Inhaftierten: „Aus den Erfahrungen meines Lebensweges in den Knast möchte ich Schülern und anderen Menschen vor allem sagen ... " werden mit den schriftlichen Stellungnahmen der Schüler, Bürgerinnen und Bürger ergänzt, ausgestellt und an die Inhaftierten zurückgegeben ...
    Die eigene Botschaft von Arnd Richter, dass es nötig und lohnend ist, mehr mit jungen Menschen und weniger für sie zu arbeiten, sieht er in der bisherigen Projektentwicklung bestätigt.

    Ich durfte diesen Mann beim Präventionstag 2007 in Wiesbaden kennen lernen. Eine interessante, charismatische Persönlichkeit. Er verstand es, viele Menschen neugierig zu machen und auf seinen als Klassenzimmer eingerichteten Messestand zu locken. Alle, die sich dieses Projekt anschauten, waren auch bereit, eine Botschaft an den jeweiligen jugendlichen Strafgefangenen zu richten. Auch Alfred Helms und ich ließen uns „verführen“!

    Norbert Merz


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    Kempten: Straffälligenhilfe Allgäu e.V.

    Der neu gewählte Vorstand der Allgäuer Straffälligenhilfe e.V.
    1. Vorsitzender Emil Wagner, Beisitzer Rafael Trost, 2. Vorsitzende Marianne Mayr, Beisitzerin Lisa Obert und Kassiererin Marianne Wagner.

    Straffälligenhilfe Allgäu leistet vielseitige Arbeit
    Über vielschichtige und zahlreiche Aktivitäten berichtete die zweite Vorsitzende der Straffälligenhilfe Allgäu, Marianne Mayr, bei der Jahreshauptversammlung ihres Vereines in Kempten.
    Mitglieder der Straffälligenhilfe führen demnach dreimal in der Woche Gruppenstunden für Häftlinge sowie zahlreiche Einzelbetreuungen durch. Zudem werden ein Deutschkurs und eine Bibelgruppe angeboten. Als Freizeitangebot wird mit den Gefangenen Schach gespielt.
    Die Straffälligenhilfe pflegt jedoch nicht nur Kontakte innerhalb der Justizvollzugsanstalt, sondern kümmert sich auch um Angehörige und ihre Sorgen. Marianne Wagner, die für die wöchentliche Sprechstunde zuständig ist, berichtet von telefonischen Anfragen, Beratungen und der Weitergabe von Informationen. Oft, so Wagner, wüssten die Angehörigen nicht, was in der Justizvollzugsanstalt erlaubt und vorgeschrieben sei. Sie wunderten sich dann beispielsweise, dass sie dem inhaftierten Familienmitglied nicht einfach frische Wäsche zukommen lassen können.
    Meist samstags fänden, so Mayr, Ausgänge mit Gefangenen statt. Auch würden entlassene Männer draußen weiter betreut. „Unser größtes Problem auf diesem Sektor“, bedauert Marianne Wagner, „ist die Arbeits- und Wohnungssuche. Für den Entlassenen ist es existenziell notwendig, hier gute Startchancen zu bekommen, wenn er nicht rückfällig werden soll.“
    Erster Vorsitzender Emil Wagner führte in Kirchengemeinden mehrere Präsentationen über die Arbeit des Vereins durch. Ihm ist es ein Anliegen, einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen, was in einer Haftanstalt vor sich geht und wie die Straffälligenhilfe arbeitet. In der Vergangenheit seien so mehrere neue Mitarbeiter gewonnen worden. Mit derzeit 54 Mitgliedern habe die Straffälligenhilfe den Höchststand an Mitarbeitern seit der Gründung erreicht. Angesichts der erhöhten Gefangenenzahlen und der damit verbundenen vermehrten Aufgaben seien weitere Helfer jedoch durchaus willkommen.
    Die Straffälligenhilfe organisiert auch die jährliche Weihnachtsaktion sowie Konzerte und sonstige Veranstaltungen in der Justizvollzugsanstalt. Die Zusammenarbeit mit dem dortigen Personal sei, so Wagner, sehr gut und von gegenseitigem Verständnis geprägt.
    Bei der Wahl des neuen Vorstandes wurden die bisherigen Vertreter einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Erster Vorsitzender bleibt demnach Emil Wagner, zweite Vorsitzende Marianne Mayr, Kassiererin Marianne Wagner und die beiden Beisitzer Rafael Trost und Lisa Obert.
    Nächstes Projekt der Straffälligenhilfe ist der Aufbau einer Gruppe für russisch sprechende Männer in der Justizvollzugsanstalt. Dieses Projekt ist in Bayern bis jetzt einmalig.

    Eva Maria Dörr-Schratt


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    Ausbildung in der JVA Bernau

    Zehn Gefangene beendeten Lehrgang
    Bernau (re) - In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau lief erstmals ein beruflicher Weiterbildungslehrgang zum „Fachlageristen mit EDV", den der Bildungsträger Dekra Akademie GmbH. München veranstaltete. Diesen Lehrgang haben jetzt zehn Gefangene Anfang April mit Erfolg abgeschlossen.
    Die Agentur für Arbeit Rosenheim fördert den Kurs, da deren Erfahrungswerte belegen, dass sich die Vermittlungschancen von den Arbeitssuchenden, die über eine entsprechende Qualifikation verfügen, wesentlich erhöhen. Sind früher für die Tätigkeit des Lageristen Hilfsarbeiter und angelernte Kräfte eingestellt worden, so suchen die Firmen heute ganz bewusst nach qualifiziertem Fachpersonal.
    Dass so viele Gefangene bis zum Ende am Kurs teilgenommen, ihn mit teils sehr gutem Erfolg abgeschlossen und weil auch etliche Praktika erhalten haben, hat die Anstaltsleitung sowie die Agentur für Arbeit Rosenheim bewogen, im Anschluss daran einen weiteren Lehrgang mit denselben Lerninhalten anzubieten. Wiederum wird ein Kurs aus einer Vielzahl geeigneter Bewerber zusammengestellt.
    Chiemgau-Zeitung, 17. 4. 2007


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    Arbeitskreis Resozialisierung Nürnberg

    Auszug aus „Info für Ehrenamtliche des Ak Reso – April / Mai 2007“
    von Catherine Axiomakarou

    Jahrestreffen der JVA Nürnberg Nach einer kurzen Begrüßung von Herrn Welzel berichtete Herr Fischer über die Entwicklung des letzten Jahres. Danach stellte die Suchtberatung der Stadtmission ihre Arbeit in der JVA vor. Im Anschluss war Gelegenheit, sich dank einer gut gemischten Sitzordung mit dem Personal der JVA auszutauschen. Wie immer wurde hervorragend für Speis und Trank gesorgt.
    Es freut mich, dass wir als Reso-Kreis so zahlreich vertreten waren.

    „Prognose zukünftiger Straffälligkeit“
    Eine interessante und informative Veranstaltung mit dem Thema „Prognose zukünftiger Straffälligkeit“ organisierte der Reso-Kreis gemeinsam mit der LAG im Ecksteinhaus. Die Referenten Herr Willi Pecher, Dipl. Psychologe, und Herr Prof. Dr. Heinz Stöckel, Generalstaatsanwalt a.D., beschrieben Möglichkeiten und Grenzen von Prognosen erneuter Straffälligkeit. Norbert Merz führte die anschauliche, leicht verständliche und kurzweilige Diskussion des Gutachters mit der Justiz. Als Resümee lässt sich sagen: eine gelungene Veranstaltung, die ein größeres Publikum wert gewesen wäre.

    Partnertreffen
    Eine Verschiebung des Partnertreffens auf Samstag, den 21. 4. 2007 hat Dank der flexiblen und kooperativen Mitarbeit der Bediensteten reibungslos funktioniert.

    Gruppenarbeit im Jugendarrest
    Es gibt gute Nachrichten. Sabine Spitzenpfeil hat sich bereit erklärt, die Arbeit von unserer Lilli Kaul im Jugendarrest vorerst weiterzuführen. Jeder, der noch Interesse an der Mitarbeit hat, ist willkommen und braucht sich einfach bei Friedrich, Sabine oder mir zu melden.


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    Termine

    Mitgliederversammlung 2007 / Wahl
    15. September 2007, 10:00 Uhr
    in Augsburg
    Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhof

    Straubinger Tagung 2008
    vom 5. Juni bis 7. Juni 2007
    Justizvollzugsschule Straubing


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    Es ist nicht wenig Zeit,
    die wir zur Verfügung haben,
    sondern es ist viel Zeit,
    die wir nicht nützen.

    Seneca

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    Wir sind Pilger,
    die auf verschiedenen Wegen
    einem gemeinsamen Ziel zuwandern.

    Antoine de Saint-Exupery



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    © LAG 2007-08-30