Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 60


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LAG-Info 60       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Veränderung?
Klare Ansage
Fahrtkosten
Veränderung alleine
Hilfe für Kinder in Not
Bedeutung von Veränderungen
Können wir uns ändern?
Wiedereingliederung
Miteinander reden
1-Euro-Jobber
Nürnberger Gespräche
Augsburger Gespräche
1628 meint
... nicht leichter hätte?
Analphabeten
Echtheit Teil meiner Freiheit
Positionspapier
Vergangenheitsbewältigung
Wie viel Geld ...
Ein großes Kapital
Supervision?
Manager, Macht, Moral
Die zwei Gesichter
Krisenbewältigung
Gedanken zu 1628
Veränderung durch Einübung
Handwerk der anderen Art
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

„Jugendstrafvollzug eine gesetzlose Angelegenheit?“, so oder so ähnlich konnte man lesen und wurde berichtet.
Nun ja, wir haben unsere Zusammenarbeit angeboten und wollen mit allen an der Zielsetzung, die im neuen Strafvollzugsgesetz speziell für den Jugendstrafvollzug aufgeführt ist, zusammenarbeiten. Dazu bedarf es einer großen Anstrengung, neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und auszubilden.
Die Augsburger Gespräche waren ein Feuerwerk der Präsentation, der Information und der Exponate, die uns die Hauptamtlichen der JVA Ebrach, Kaisheim, Niederschönenfeld und Neuburg-Herrenwörth geboten haben. Dank an dieser Stelle den Akteuren und den Verantwortlichen, die so großzügig diese Veranstaltung unterstützt haben.
Ende Januar hat uns ein Spenden-Engel ein großzügiger Frühlingsbote besucht. Danke, Frau Schwanhäußer, für den 1000-Euro-Scheck und danke, Herr Lindinger, für die 500-Euro-Überweisung.

Ihr

Norbert Merz


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Veränderung?

Veränderung? Veränderung findet in jedem Augenblick unseres Lebens statt.
Während ich schreibe bzw. während Sie diesen Text lesen, verändert sich Ihr Körper. Das Wetter ändert sich, die Aktienkurse, meine (Ihre) Stimmung, das Wohlbefinden, unser Leben verändert sich.
Schlimm? Für mich nicht, weil ich einsichtiger, erfahrener, zuversichtlicher, lebensbejahender geworden bin!
Ob ich deshalb ziellos, antriebslos sei?
Nein! Aber ich habe meine Ziele, meine Erwartungen, mein Leben neu ausgerichtet. Ich habe für mich die Wertigkeiten neu definiert.
Und was das mit unserem interessanten, menschlichen, nächstenliebenden Engagement im Strafvollzug zu tun hat?
Mit unseren Begegnungen, unserem „So sein, wie wir sind“, geben wir - vielleicht ungewollt - Orientierung.
Unser Gegenüber wird sich Fragen stellen, die er uns manches Mal sogar mitteilt. Er wird Vergleiche zu sich und seinem Umfeld herstellen, wird sich einiges für die Zukunft vornehmen, würde gerne Ihre „Lebensrezepte“ übernehmen.
Veränderung ja! Aber möglichst ohne Anstrengung und ohne große Beteiligung.
Funktioniert das?

Norbert Merz


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  Klare Ansage - Der Suchtberater - Wo stehen wir ...

„Sie sind im Gefängnis, weil Sie die Spielregeln verletzt haben! Und ich prophezeie Ihnen, wenn Sie nicht den Schalter umlegen, werden Sie am Tag der Entlassung nur leider immer noch nur Ihre Spielregeln kennen und die waren, wie wir wissen, die falschen!“
„Was muss noch alles geschehen, dass Sie endlich zur Vernunft kommen?“
Ein Sucht- und Drogenberater sagte mir einmal: „Lassen Sie das sein. Es ist doch alles vergebliche Liebesmüh. Entweder es blitzt in seinem Kopf und er reagiert, oder er muss warten, bis er wirklich in der Scheiße liegt.
Dann vielleicht wird er dich hören, über deine Angebote nachdenken, um deine Gesprächsbereitschaft anzunehmen, und alle Angebote wahrnehmen, ja, er wird sogar darum kämpfen.“
„Wo stehen wir heute? Vielleicht bin ich im Kopf des Zuhörers der Arsch, der ihn nur in seiner Ruhe und ihrer Wohlgefälligkeit stört.“


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  Können wir uns ändern?

„Können wir uns ändern?“, wird auf der Titelseite gefragt. Und je öfter ich diese Frage auf der Titelseite las, um so mehr wurde ich an meine Kindheit, an meine „Menschwerdung“ erinnert.
Wer waren in meinem Leben die Menschen, die auf mich Eindruck gemacht haben, die mir Beispiel waren, ob negativ oder positiv, beides hat in diesem Zusammenhang Bedeutung. Beide Aspekte gaben und geben Orientierung.
Wie war das bei Ihnen? Und hier wäre es mir sehr wichtig, von Ihnen eine Antwort zu bekommen.
Warum? Weil - ich behaupte das einfach einmal - wir alle durch Menschen aus unserem Umfeld geprägt werden, Orientierung erhalten, Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, wie es in unserem Leben auch weitergehen könnte.
Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir vier Menschen benennen würden, die für Ihre Entwicklung und warum bedeutsam waren.
Die Beantwortung dieser Fragen durch viele Leser unserer LAG-Info könnte auch Hilfe bei unseren Betreuungsgesprächen sein.
Diese Problematik bewegt mich auch, wenn ich von und über die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen lese.
Wer sind die Vorbilder, wer waren die Vorbilder unserer Betreuten, welches Vorbild sind wir unseren Besuchten?
Norbert Merz


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  1-Euro-Jobber leisteten wertvolle Dienste

Dank des Einsatzes von sog. 1-Euro-Jobs ist es dem städtischen eGovernment Center gelungen, weitere hilfreiche digitale Formulare und Dienstleistungen zu erstellen. So konnte mit Hilfe dieser Mitarbeiter ein erster Teil der historischen Einwohnerkartei gescannt werden, Formulare überarbeitet und Internetseiten in Fremdsprachen übersetzt werden. Ein Einsatz, der sich für alle Seiten auszahlte: Die Mitarbeiter konnten neben einem kleinen Nebenverdienst ihre Kenntnisse erweitern und die Stadt konnte zusätzliche Serviceleistungen für die Bürgerinnen und Bürger realisieren, für die ansonsten keine ausreichenden Mittel zur Verfügung gestanden hätten.


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Nürnberger Gespräche
Die Prognose künftiger Straffälligkeit Welche Standards müssen Forensische Gutachten erfüllen? Wo liegen ihre Grenzen?“

Das Thema: „Was macht ein Gutachter, wie geht er vor, welche Methoden helfen ihm“ beschäftigt die Menschen, die von schlimmen Entgleisungen erfahren und deshalb Angst haben. Es beschäftigt aber auch die Gerichte und vor allem Einrichtungen, die mit problematischen Menschen zu tun haben. In unserer Angst und unserem Unbehagen rufen wir nach dem Staat, nach den besten Gutachtern. Obwohl nur sehr wenige Menschen – Insider – über das eigentliche Geschehen, das Erarbeiten eines Gutachten, einer Prognose wissen.
Diesem Informationsdefizit wollten der AK Reso (Arbeitskreis Resozialisierung, Hilfe für straffällig gewordene Menschen und deren Angehörige) und die LAG (Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern) entgegenwirken und in einer Podiumsdiskussion etwas Klärung anbieten.
Unter der Überschrift „Die Prognose künftiger Straffälligkeit - Welche Standards müssen Forensische Gutachten erfüllen? Wo liegen ihre Grenzen?“, nahmen Dr. Willi Pecher, Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München, und Prof. Dr. Heinz Stöckel, Generalstaatsanwalt a.D. und Professor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, mit fachmännischem Wissen und reicher Erfahrung Stellung.
So wurden Begriffe geklärt, Methoden dargelegt, Grenzen von Prognosen aufgezeigt und die Wertung durch die Gerichte in einem Strafprozess erläutert. Allen, die sich mit dieser Problematik auseinandersetzen wollten, den Sachverhalt „durchschauen“ und begreifen wollten, bot diese Veranstaltung reichlich Information und die Chance der Nachfrage und der Aussprache.
Die beiden Einrichtungen (Reso und LAG), eigentlich für die Ehrenamtlichen in der Straffälligenhilfe engagiert, boten dieses Thema an, weil auch für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für deren Arbeit eine Klärung und eine Information zum Sachverhalt wichtig ist.


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Augsburger Gespräche 2007
„Vorbereiten auf die Freiheit – ein Engagement für mehr Sicherheit für alle Bürgerinnen und Bürger“
mit großer Ausstellung im Beiprogramm

Nachbetrachtung oder der Versuch einer Bilanz
Bringen wir es auf den Punkt und zitieren einen Insider und Teilnehmer: „... mir hat es wieder prima gefallen. Die Veranstaltung hätte mehr Resonanz verdient gehabt. Aber vielleicht haben die alle in Aichach auf die Entlassung der Mohnhaupt gewartet?!?“
Es wurden 87 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt. Einige der Interessierten kamen von weither angereist (Bamberg, Kronach, Straubing), um sich zu informieren.
Unter dem Motto: Vorbereiten auf die Freiheit „Therapieren – Qualifizieren – Freizeit gestalten – Beschäftigen“ hatten die Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalten Ebrach, Kaisheim, Niederschönenfeld, Neuburg-Herrenwörth und Straubing durch gut gestaltete Präsentationen und prägnante Referate einen sehr, sehr guten Einblick in die Anstrengungen der JVAen, Strafgefangene auf ein Leben in Freiheit ohne Straftaten vorzubereiten, aufgezeigt. Das Ganze wurde umrahmt und ergänzt durch eine beeindruckenden Ausstellung.
Dies wurde durch die Leiter der betroffenen Anstalten ermöglich und mitgetragen und von den Bediensteten ausgearbeitet und vorgeführt. Zu solchen Leistungen sind nur Menschen in der Lage, die von einem hohen beruflichen Ethos getragen und die von ihrer Profession überzeugt sind. Wer die Sicherheit für die Bevölkerung einfordert, muss diese Einsätze unterstützen.
Das betrifft die Vermarktung der in den JVAen erbrachten handwerklichen Leistungen ebenso wie die Qualifizierung, Vorbereitung und Ausbildung auf einen Beruf und die Hinführung zu einer kreativen Freizeitgestaltung. In allem konnte man die Wertschätzung für den inhaftierten Menschen mit zum Teil erheblichen Straftaten erkennen und spüren.
Ein informativer und ein beeindruckender Tag.
Ein Dankeschön für das, was die Akteure geboten haben, ist fast beschämend wenig.


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1628 meint

Ein Rückfall – und wie gehe ich nun damit um?!                        April 2007

Jetzt ist es doch geschehen! Ein Mitglied unseres „Stammtisches“ ist wieder im Gefängnis, und das nach 8 Jahren in der Freiheit. Wer hätte es verhindern können, wer trägt eine Mitschuld? Ich frage mich schon, warum ich ihm immer „geglaubt“ habe, auch als er in Geldnöten war. Er nannte mir Gründe, die durchaus einleuchtend waren. Jetzt weiß ich es besser - !
Die Alarmglocken hätten läuten müssen, aber auch ich glaube zuerst an das „Gute“ im Menschen. Wir alle und auch ich werden uns da nie ändern – sollen wir auch nicht! Der Glaube an das Gute trägt uns doch bei unserer Arbeit für die Gefangenen.
Etwas habe ich aus dieser Sache gelernt: Es ist fast unmöglich, nein, es ist unmöglich, jemanden zu betreuen, der einen hintergangen hat, der nicht die Wahrheit sagte, von dem man enttäuscht wurde. Die Unvoreingenommenheit ist nicht mehr da. Man fühlte sich benutzt, man fühlt sich blamiert ob seines Tuns.
Was mich aber noch beschäftigt, ist sein derzeitiges Verhalten. Von Tateinsicht und „mea culpa“ keine Spur. Für alles und jedes hat er eine Ausrede, eine fadenscheinige Begründung, eine absurde Rechtfertigung. Seine Aussagen sind so haarsträubend, so widersinnig, dass man nur noch den Kopf schütteln kann.
Mit einem Freund habe ich ihn in der JVA besucht. Was wir da erlebten, ist mit Worten fast nicht zu beschreiben. In den 30 Jahren meiner ehrenamtlichen Tätigkeit habe ich Hunderte von Stunden mit Gefangenen gesprochen, immer hatte ich den Eindruck, ein mehr oder weniger gutes Gespräch geführt zu haben. Dieser Besuch aber war an Abartigkeit nicht zu überbieten. 90 Minuten fühlte ich mich belogen, hintergangen, verarscht und vorgeführt. Deprimiert und niedergeschlagen, ja auch verunsichert, verlief die Heimfahrt.
Nun, da einige Wochen vergangen sind, habe ich ihm einen Brief geschrieben. Lesen Sie ihn und schreiben Sie mir, soll oder muss ich mein Verhalten ändern, obwohl ich es gar nicht will?
Wann darf ich einem Betreuten (einem Freund?) sagen: „So, das war es, bis hierhin und nicht weiter“?
Hat der Betreute ein Recht auf seine Lügen, seine Hinterhältigkeiten, seinen übersteigerten Egoismus? Muss ich ihm das zugestehen? Bin ich in solchen Angelegenheiten zu überempfindlich? Mangelt es mir am nötigen Abstand?

Hier nun der Brief :
Hallo G,
lange habe ich überlegt, ob ich diesen Brief an Dich überhaupt schreiben soll? Wem bringt es was? Dir? Mir? Uns? Der Besuch von N und mir bei Dir in der JVA war für mich ein Schock, von dem ich mich erst mal wieder erholen musste. Am Tage danach wollte ich es einfach immer noch nicht glauben, was ich da erlebt habe. Mit N oder anderen Personen habe ich darüber noch nicht gesprochen, weil ich selber, ich für mich, damit klarkommen will und muss, andere Ansichten würden mich da nur stören.
Ich fand das Erlebte so absurd, so hirnrissig, dass man darüber nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen kann.
Dieser Gefangene, dem ich da gegenüber saß, war mir vollkommen fremd, im Wesen und auch in seinen Aussagen. Das war nicht die Person, die ich erwartet hatte, das war nicht der G, den ich seit Jahren kenne, mit dem wir uns am „Stammtisch“ trafen.
G, ich frage Dich: Wer bist Du eigentlich, wer willst Du sein? Wo lebst Du, in welcher Scheinwelt willst Du weiterleben? Sind Wahrheit und Ehre auch für dich Begriffe? Bis jetzt und auch weiterhin glaube ich, dass man mit mir über alles in der Welt sprechen kann, auch über Straftaten, wenn jemand wieder abgeglitten ist. Tatsachen als „gegeben“ hinzunehmen, habe ich gelernt, ja lernen müssen. In meiner Haftzeit hatte auch ich alle Zeit der Welt, über die Gründe meiner Straftaten nachzudenken und ich war immer bemüht, das ganz rational durchzuführen, Punkt für Punkt, nachvollziehbar für jeden, der es wissen wollte und musste.
Und da bin ich nun bei meinem eigentlichen Anliegen: G, warum hast Du uns eine derartige „Story“ aufgetischt? Warst Du der Ansicht, wir „schlucken“ das?
Während der Fahrt nach O haben N und ich uns ernsthaft überlegt, wie eine ehrenamtliche Betreuung durch mich aussehen kann, was wir in die Wege leiten müssen, wie wir vorgehen sollen, und, und, und. Um nicht ins Leere zu laufen, baten wir vor dem Besuch bei Dir noch um ein Gespräch mit der zuständigen Sozialarbeiterin, welches auch sehr zufriedenstellend verlief -, was Dir aber missfiel, als wir es Dir erzählten. Warum? Dein Auftreten uns gegenüber, machte dann unsere Vorstellung von einer sinnvollen Betreuung sehr schnell zunichte.
Schon bei Deinen Schilderungen über die Tat/Taten, hatte ich den Eindruck, restlos überfordert zu sein, von der Sache her, die nicht nachvollziehbar ist, aber auch von Deiner Logik oder dem, was Du für Logik hältst. Du hast eine Art, Fakten so zurechtzubiegen, dass sie zwar gerade noch wahr sein können, bei jedem kleinsten weiteren Ruck dann aber zerbrechen. Der Umgang mit Deiner Wahrheit scheint für Dich ein Spiel zu sein, in welches Du alle Personen um Dich mit einbeziehst, mal als Zeuge für einen Aspekt, mal als Statist für einen Deiner großen Auftritte. Jedem wird eine „Rolle“ zugewiesen. Immer aber ist es die Wahrheit für die „Anderen“. Mich hätte nur die Wahrheit interessiert, die Du Dir selber erzählst, die ungeschminkte, ungeschönte Wahrheit!! Drei Jahre Freiheitsstrafe bekommt man doch nicht, weil man „nur“ das und das gemacht hat. Dieser Hammer hat doch Ursachen, und diese Ursachen wollten wir wissen. N und mir gegenüber zu versuchen, sich rauszureden, sich zu rechtfertigen, ist im höchsten Maße unklug. Wir sind schon lange genug im „Geschäft“ um zu wissen, wofür man drei Jahre bekommt. Für Rauchen in der Einbahnstraße sicher nicht!
Was also sollte Dein absurdes Auftreten in den zweimal 45 Minuten? Die Zeit für uns drei war so kostbar und sie wurde verplempert. Wir wollten einen Freund besuchen, ihm Mut zusprechen für die lange Haftzeit, ihm sagen: „Wir sind für Dich da.“
Erleben mussten wir aber, wie Du mit Eurosummen imponieren wolltest - 190-tausend, 45-tausend – und dass Deine Schuld allein die Entgegennahme eines Geldbetrages war. Großer Irrtum, mein Lieber, Deine Schuld war, dass Du die geliehenen Gelder nicht zurückbezahlt hast, nicht zurückzahlen konntest. Ist das so schwer zu begreifen? Lese es im Strafgesetzbuch selber nach!
Ausgesetzt waren wir auch Deinem Versuch, durch provozierende Fragestellungen, Halbwahrheiten und Erzählungen von Dritten, uns ein schlechtes Gewissen zu machen und uns in die Enge treiben zu wollen. Ich hatte plötzlich den Eindruck, mich verteidigen zu müssen, obwohl ich nur von Dir erfahren wollte, warum Du wieder im Gefängnis bist – Du – nicht ich, nicht N!
Beim Abschied sagte ich Dir ja schon, dass eine Betreuung durch mich nicht möglich ist und für Dich eine eingehende Fachbehandlung das Sinnvollste sein wird. Glaube mir – und ich weiß, wovon ich spreche -, fachmännische Behandlung, so oder so, ist für Dich der einzige richtige Weg.
Ich möchte, dass auch Du Dein weiteres Leben wieder in den Griff bekommst. Ohne „Druck“ und ohne „innerlichen Zwang“. Mit „Ich bin doch nicht krank“ ist nichts gewonnen.
Wir Straftäter haben alle irgendwo einen erheblichen „Schaden“, den es zu beheben gilt. Mehr kann und will ich zur Zeit für Dich nicht tun. Um es aber ganz klar und deutlich zu sagen: Ich lasse Dich nicht hängen, ich wende mich auch nicht von Dir ab. Ich erwarte aber, dass Du uns die Wahrheit sagst und nicht die Ausreden der Ausreden.
Auch solltest Du uns darüber Auskunft geben, warum Du erst wenige Tage vor Deinem Haftantritt es für nötig gehalten hast, uns über die neuerliche Freiheitsstrafe zu unterrichten.
Da waren doch die Straftaten, die Vernehmungen bei der Polizei, die Anklageschrift, die Ladung zur Verhandlung, die Hauptverhandlung mir Urteilsverkündung und dann die Ladung zum Strafantritt. (Dass Du „Selbststeller“ bist, ist der einzige Lichtblick in dieser ganzen dunklen Sache.)
Ich bin der Meinung, der „Stammtisch“ wäre das Gremium gewesen, über Deine Schwierigkeiten zu reden. Der Sinn dieser Einrichtung ist Dir anscheinend nicht ganz klar geworden! Nur „Bla - bla“ war und ist bestimmt nicht unser Wollen und Tun.
Wie gesagt, Storys habe ich schon zur Genüge zu hören bekommen. Das mag ja manchmal recht unterhaltsam sein, ist aber keine Grundlage für einen Neubeginn nach der Haftentlassung.
Sandburgen – Träumereien und Selbsttäuschungen sind solche – zerfallen recht schnell wieder, spätestens beim nächsten Regenschauer. Du brauchst aber was Beständiges, etwas, was Dir neuen Halt gibt. Ein Lebensziel muss erkennbar werden.
Lass es mich wissen, wenn Du Dich entschlossen hast, uns/mir die ganze Wahrheit über Deine Straftaten und die Folgen daraus zu sagen, ohne Schönfärben, ohne Ausreden, nur die Tatsachen, dann sehen wir weiter.
Ich möchte nicht Dein Urteil lesen, ich will Deinen Bericht!
Dein A
Soweit der Brief an unser Sorgenkind. Nun warte ich auf Post: Aus der JVA und auch von Ihnen, liebe Leser.

Ihr 16 28


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Ob ich es im Knast nicht leichter hätte?

„Ob ich es im Knast vielleicht nicht doch leichter hätte?“ Da war ich sichtlich schockiert. Ja, ich glaube, dass mein Gegenüber an meiner Körperreaktion meine Betroffenheit ablesen konnte.
Ein ganz kleiner Hauch eines Lächelns flog über sein Gesicht und er sagte: „Habe ich da nicht Recht? Hartz-IV-Empfänger mit null Chance auf Arbeit und einfach zu alt!“
Ginge es nur um das Versorgtsein, dann hätte mein Gegenüber Recht. Da ich ihn - seit sechs Jahren ist er jetzt draußen - schon lange kenne, weiß ich, wie er seine Freiheit bei all den Erschwernissen genießt.
Nun haben wir vereinbart, dass er einen Volkshochschule-Kurs „Gestalten von Internetseiten“ besucht. Seine Begeisterung fürs Internet hat diesen Wunsch reifen lassen.
Wo er die Kursgebühr (75,- Euro) her hat? Nun woher wohl?
Wiedereingliederung braucht einen langen Atem.
Norbert Merz


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Gedanken zum Beitrag von 1628 - Über das Vergessenwerden in einer JVA

Wie viele Menschen gibt es, die sich darüber Gedanken machen, wie ein Gefangener seine Strafe hinter sich bringt?
Aber - ist es trotz der unüberhörbaren Proteste aus Medien und Gesellschaft überhaupt erlaubt, eine solche Frage zu stellen? Immerhin sind die Opfer zum Teil so geschädigt oder durch den Tod eines Angehörigen so betroffen, sodass man fast nichts mehr gut machen kann. Ich finde, dass es gerade deswegen ungeheuer wichtig ist, diese Frage zu stellen.
Was also löst diese Strafe in einem Gefangenen aus? Die Schwierigkeit besteht für den Ehrenamtlichen darin, nicht in dieser unwirklichen Gefängnissituation leben zu müssen wie der Gefangene, der – schuldig geworden – sich diesen ganz neuen und ungewohnten Lebensbedingungen zu stellen hat. Und nicht zu wissen, wie die Lebensfeindlichkeit und die niederdrückende Atmosphäre dieses Ortes im Laufe der Zeit einen Menschen verändert. Dadurch ist es für den Gefangenen und den Ehrenamtlichen auch sehr schwer, diese nicht greifbaren Dinge in Worte zu fassen.
Es geht hier nicht um Äußerlichkeiten. Diese sind in der Anstalt geregelt und vorgegeben und haben ihren Platz wie Schule, Lehre, Weiterbildung, Arbeit und Freizeitgestaltung. Nein es geht, wie 1628 meint, um den Menschen selbst. Auch um das Miteinander unter den Gefangenen.
Ein Gefängnis, angefüllt von einer unerträglichen Anhäufung verletzter, unerfüllter und unglücklicher Menschlichkeit, die sich oft von Kindheit an durch das Leben zieht und weiterwirkt in Angst, Ausweglosigkeit und Seelenzerstörung, innerer Leere und Menschenverachtung, dieser Ort voller Konflikte und Hilflosigkeit sollte den Weg bereiten zu einem Leben in Freiheit und Würde und Selbständigkeit?
Positive Erneuerungen, gut und richtig. Aber immer höhere und schärfere Strafen? Und niemand ist da, der diese ohnmächtigen Gefühle und Ängste aufzufangen imstande ist, bevor sie sich in Aggressionen und Brutalität verwandeln? Der merkt und spürt, dass diese Persönlichkeitsstörungen ständig schlimmer werden, sich verfestigen und die Seele vergiften?
„1628“, der seine Namenlosigkeit immer noch spürt, wenn er darüber schreibt, sagt es. Sagt es offen und eindringlich: Jeder Gefangene müsste gehört werden, müsste von Anfang an eine therapeutische Begleitung haben, müsste in seinen schmerzhaften und tiefgreifenden Verletzungen, die sich durch seine Lebensgeschichte ziehen und im Gefängnis fortsetzten, Hilfe erfahren. Und ich gebe ihm recht.
Bei jedem Einzelnen, den ich nach der Haft begleitete, konnte ich diese innere und weitgreifende Verarmung an Gefühlen, an Lebenskraft und Lebensfreude selbst feststellen, sodass ich zu der Überzeugung kam, hier müsste eine umwälzende Veränderung in der Behandlung von Straffälligen stattfinden.
Je länger der Gefängnisaufenthalt, desto unfähiger waren diese Menschen, ihr Leben noch selbstständig in die Hand zu nehmen. Nach einiger Zeit ist die Suizidgefährdung enorm. Man könnte jetzt sagen, was interessiert dies die Opfer und die Betroffenen, die Medien und die Gesellschaft? Ich meine sehr viel. Ich habe nicht selten von solch verzweifelten und innerlich kaputten Straftätern den Ausspruch gehört: „... dann fahr ich eben mit dem Auto an einen Baum ... und vielleicht nimm ich noch ein paar andere mit ... oder ich dreh wieder ein Ding, aber diesmal wird mich keiner erwischen ...“
Was tut da der Ehrenamtliche? Damit alleingelassen setzt er sich hin und spricht mit diesem Menschen so lange, bis der sich beruhigt hat und die größte Gefahr überwunden ist, um nicht nur ihn, sondern auch andere Menschen vor seinem inneren Ausbruch zu schützen. Psychiatrie? Wieder nur einsperren, und das so schnell wie möglich? Oder andere Hilfe? - meist sehr klein geschrieben.
Ich habe während der vielen Jahre meiner Begleitungen eine seltsame Entdeckung gemacht. Zwischen dem dritten und vierten Monat nach der Entlassung waren die Gefangenen sehr stark rückfallgefährdet. Danach ging es gut bis zum siebten oder neunten Monat. Jetzt folgten wieder harte Krisen. Nach einigen Schwankungen schafften sie es fast problemlos bis zum zweiten und dritten Jahr. War die letzte Krise überwunden, ging es endgültig aufwärts. Das hat mir auch ein Richter bestätigt.
Manchmal hatte ich den Eindruck, als wollten sie ihre gefährdete und missglückte Kindheit nachholen oder noch einmal wiederholen.
Das Wichtigste für den Ehrenamtlichen ist der menschliche Aspekt. Die menschliche Zuwendung, die menschliche Freundschaft, das menschliche Verstehen. Das löst die innere Verkrustung, die innere Angst und Gefährdung, die innere Ausweglosigkeit. Somit ist der Ehrenamtliche auch wichtig für die Gesellschaft, da er ja durch seine Arbeit weitgehend den Rückfall verhindert.
Wir brauchen auch wesentlich mehr Bewährungshelfer, mehr Anlaufstellen und ausgebildete Leute anstelle von Gefängnisbauten und höheren Strafen. Die machen keinen Menschen fähig, durch Einsicht einen besseren Lebenswandel zu führen. Im Gegenteil: je kaputter ein Gefangener aus der Strafhaft entlassen wird, desto gefährlicher und unberechenbarer ist er. Da helfen auch noch so viele teure Gutachten nichts. Die Auswirkungen einer langen Haft sind oft katastrophal und nicht zu übersehen, da muss ich der Meinung von 1628 recht geben.
Was heißt also „Vorbereitung auf die Freiheit“?
Reicht es aus, nur die Entlassungsvorbereitung bei Jugendlichen zu intensivieren und zu verbessern? Und wie soll dies bei einer solchen Überbelegung der Gefängnisse und bei den immer mehr dezimierten und eingesparten Beamten im Strafvollzug vor sich gehen?
Die Strafakten, die den Anstalten vorliegen, sprechen eine deutliche Sprache, sodass hier viel mehr geschehen müsste. Alkohol- und Drogengefährdung, vielseitige psychische Störungen, schulisches und berufliches Versagen, traumatische Erlebnisse durch Familientragödien oder durch lange und wechselnde Heimaufenthalte trugen zur Straffälligkeit bei. Das weiß man schon seit vielen, vielen Jahren.
Müsste man da nicht längst von einer Strafhaft in eine Behandlungshaft übergehen? Und das bei allen Gefangenen? Ganz besonders bei Jugendlichen? Und zwar vom ersten Tag an? Und anstatt Arrest und Absonderung offene Gespräche, Gespräche und menschliche Zuwendung – ja Zuwendung – denn selten, wenn fast gar nicht, werden die Gefangenen auf ihre positiven Seiten angesprochen, sodass sie auch mal wirkliche Erfolgserlebnisse buchen könnten und ihre „Männlichkeit“ nicht beim Quälen von schwächeren Gefangenen beweisen müssten.
(... wenn’s halt gar nicht anders ginge, würde ich dem Gefängnis einen Autofriedhof angliedern, sodass die Radikalsten ihre Wut auf dem scheppernden Blech alter Vehikel austoben könnten, um nach dem Sturm der entladenen Gefühle aus dem übriggebliebenen heilen Rest gangbare Autos zusammenzubasteln, die selbstverständlich prämiert werden müssten. ...)
Wer von uns könnte sich bessern, wenn ihm nur Verachtung, Abwertung und Feindschaft entgegenkäme? Wenn man uns in keiner Weise Glauben schenken würde, sondern uns immer wieder Zweifel an unserer positiven Veränderung signalisieren würde?
Es sind nicht die Freizeitangebote allein, die für den Häftling wichtig sind, damit er nicht seelisch verkümmert. Zwar sind sie eine wohltuende seelische Aufbauarbeit im Vergleich zu den oft geisttötenden und mordträchtigen Fernsehangeboten, die sicherlich bis in die Nächte die nüchternen Zellen beflimmern. Wie wär’s mal mit Meditation? Das gibt’s heut schon in einigen Strafanstalten und wird von den Häftlingen gut angenommen.
Vor Jahren hat mich jemand auf eine Kassette aufmerksam gemacht, die meditierende Gefangene in einem der größten und berüchtigtsten Gefängnisse Indiens, im Tihar-Gefängnis der indischen Hauptstadt Neu-Delhi mit 9.000 Gefangenen, aufzeigt, die dadurch nicht nur ruhiger und gefestigter wurden, sondern innerhalb der Gefängnisse auch keine brutalen Übergriffe mehr auf andere Gefangene begingen.
Dank der Anstaltsleiterin, Frau Dr. Kiran Bedi, die nicht nur Meditationen einführte wie in diesem Fall die Vipassana-Meditation, sondern ihre Gefangenen auch dazu ermutigte, über ihre Beschwerden, Sorgen und Nöte offen zu sprechen und ohne dafür bestraft zu werden, verbreiteten sich die Vipassana-Kurse bald auch über mehrere Gefängnisse mit dem gleichen Erfolg.

Es ist möglich, darüber umfassende Informationen aus dem Internet runterzuladen unter: www.german.dhamma.org/deutihar.htm

Kassetten und Buchbestellung unter Tel. 07461/5148 (Tuttlingen) oder Auskünfte über das Vipassan-Zentrum in Triebel, Nähe Hof, Tel. 037434/79770

Die Einführung mit dem Thema: „Freiheit hinter Gittern: Vipassana im Gefängnis“ ist äußerst interessant und aufschlussreich, auch für westliche Justizvollzugsanstalten. (Teilweise schon in England und Amerika bekannt).

G. S.

Artikel nimmt Bezug auf „1628 meint“ in der LAG - Info Nr. 59.


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Veränderung durch Einübung

„Sie sind Unternehmer? Dann gehen Sie nicht ins Ausland, gehen Sie in den Knast!" Auf diese zugespitzte Formel lässt sich der erste gemeinsame Auftritt der Arbeitsbetriebe der bayerischen Justizvollzugsanstalten bei der Internationalen Handwerksmesse in München bringen. Im Prospekt ist der Appell selbstverständlich höflicher formuliert. Dort heißt es: „Die Zusammenarbeit mit den Justizvollzugsanstalten stellt für Unternehmer eine Alternative zu einer Produktionsverlagerung ins Ausland dar."
Tatsächlich können die bayerischen Justizvollzugsanstalten mit einigen guten Argumenten für sich selbst die Werbetrommel rühren: Sie sind, über ganz Bayern verteilt, mit 37 „Standorten" vertreten, bieten zurzeit eine Produktionsfläche von 90.000 Quadratmetern und damit Raum für 5.200 Arbeitsplätze. Und weil sich das bei potenziellen Partner-Unternehmen noch nicht so richtig herumgesprochen hat, treten die Anstalten jetzt gemeinsam auf. „Wir haben uns etwas einfallen lassen, was für eine Behörde nicht ganz normal ist", sagt Günter Rieger, Leiter des Arbeitswesens bei der Justizvollzugsanstalt Aichach, und liefert die Begründung für den neuen Schritt gleich mit: „Wenn wir schon die gleichen Probleme haben wie die freie Wirtschaft, dann müssen wir auch mit den gleichen Mitteln dagegen halten."
Nach den Worten Riegers geht es der Justiz um zwei Ziele: Zum einen sollen die Gefangenen während ihrer Haft beschäftigt und durch zusätzliche Qualifikationen auf das Erwerbsleben nach der Entlassung vorbereitet werden. Zum anderen gehe es dem Staat auch „um fiskalische Überlegungen", also ums Geld: 45,2 Millionen Euro Umsatz konnten im vergangenen Jahr mit der Arbeitskraft von rund 6.500 Gefangenen erwirtschaftet werden.
Die Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen folgt nach zwei Mustern. Die Unternehmer können bei den Handwerksbetrieben in den Anstalten Aufträge erledigen lassen oder sie können dort - bei längerfristiger Zusammenarbeit - eigene Betriebsstätten mit eigenen Maschinen einrichten. Von der Qualifikation der Gefangenen her decke das Angebot nahezu das gesamte Spektrum des Handwerks ab. Außerdem werden Freigänger auch in Lohnarbeiten außerhalb der Anstalt vermittelt.
Die Palette reiche von Kinderspielzeug bis hin zum Bau von Schaltanlagen. Es gibt Druckereien, Webereien, Schneidereien. Und von den Lohnkosten her könnten die Gefängnisse auch mit der Konkurrenz im Ausland mithalten. Die Preise, so Rieger, orientieren sich am freien Markt.

Augsburger Allgemeine Zeitung vom 12. März 2007 Redakteur Uli Bachmeier, München/Aichach


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Ein Handwerk der etwas anderen Art

Auf der Internationalen Handwerksmesse in München präsentiert sich heuer auch der Justizvollzug - Justizministerin Dr. Beate Merk: „Ein Handwerk der etwas anderen Art!"
Auf der Internationalen Handwerksmesse in München vom 8. bis 14. März präsentierten sich in diesem Jahr erstmals auch die Arbeitsbetriebe der bayerischen Justizvollzugsanstalten. Der neue Teilnehmer unterscheidet sich von anderen Ausstellern: Dem Justizvollzug geht es nicht primär um Gewinne, sondern darum, möglichst viele Inhaftierte zu beschäftigen und auf das Erwerbsleben nach der Entlassung vorzubereiten.
Justizministerin Dr. Beate Merk: „Dieses Ziel erreichen wir aber nur durch gute Arbeit. Die Zeiten des Tütenklebens in Gefängnissen gehören zum Glück der Vergangenheit an. Unser qualifiziertes Fachpersonal sorgt dafür, dass die Gefangenen hochwertige Ergebnisse erzielen, und das an insgesamt 37 über ganz Bayern verteilten Standorten!" Bayerns Justizvollzugsanstalten bieten aber nicht nur Produkte und Leistungen, sondern auch Arbeitskraft, weil sie mit den inhaftierten Arbeitskräften auch mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben als „verlängerte Werkbank" zur Verfügung stehen, die ihrerseits das Material und erforderlichenfalls Maschinen stellen.
Merk: „Die bayerischen Justizvollzugsanstalten haben sich in jahrzehntelanger Zusammenarbeit als zuverlässige Partner der Industrie und des Handwerks erwiesen. Für viele Unternehmen sind sie eine echte Alternative zu einer Produktionsverlagerung ins Ausland. Es gibt sogar den Fall, dass ein Unternehmen nach einem zwischenzeitlichen Abzug in das osteuropäische Ausland wieder in den bekannten und bewährten Arbeitsbetrieb einer bayerischen Justizvollzugsanstalt zurückgekehrt ist."
Pressemitteilung 28/2007 vom 06. 03. 2007

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Die bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk hat die Berichterstattung in der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins „DER SPIEGEL" („ Verbrecher lohnen sich") zum Anlass genommen, erneut auf die Bedeutung der Beschäftigung für Gefangene im Justizvollzug hinzuweisen:
„Unsere Justizvollzugsbehörden haben die Aufgabe, Freiheitsstrafen zügig und nachdrücklich zu vollstrecken und gefährliche Straftäter sicher zu verwahren. Dazu gehört auch, die Haftzeit sinnvoll zu nutzen und Gefangene auf ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorzubereiten. Wichtigstes Förderungsmittel dazu ist eine konstruktive Beschäftigung. Die Gefangenen gewöhnen sich an einen geregelten Tagesablauf, übernehmen Verantwortung, ordnen sich in ein Team ein und verdienen eigenes Geld. Sie werden so bestmöglich auf ein straffreies Leben in Freiheit vorbereitet. Diese Form der Resozialisierung ist der beste Beitrag des Strafvollzugs für die Sicherheit in der Gesellschaft.
Pressemitteilung vom 17. 08. 2005


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Einführungskurs Februar/März 2007 AK Reso Nürnberg

Für den Einführungskurs im AK Reso Nürnberg hatten sich elf Personen interessiert. Mit acht Frauen und Männern wurde der Kurs dann durchgeführt. Neben der reinen Information an fünf Abenden zum Strafvollzug absolvierten die Neulinge eine Führung durch die JVA Nürnberg und nahmen an einem Wochenendseminar in Ebrach teil. Unter fachlich kompetenter Anleitung und mit Hilfe von Rollenspielen wurden u.a. Themen wie Gesprächsführung, Umgang mit kritischen Situationen eingeübt.

Ausbildungsteam: Catherine Axiomakarou, Friedrich Leinberger (Einrichtungs-leiter), Norbert Merz.


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Wiedereingliederung jugendlicher Strafgefangenen nach erfolgreicher Lehre

Konzept:
Stefan Fischer, Oberlehrer im JVD Niederschönenfeld
In Zusammenarbeit mit Stefan Fischer (JVA NSF) und Norbert Merz (LAG) soll die Idee und das Konzept „Fischer“ zur Reife gebracht werden. Das Ziel ist erreicht, wenn die ersten „Beruflichen Begleiter“ die ersten Kontakte zum Strafgefangenen und zu denkbaren Mittelstandspartnern hergestellt wurden.
Ziel ist es, jugendliche Straftäter nach erfolgreicher Lehre in einen Betrieb zu integrieren und so eine gelungene Wiedereingliederung zu gewährleisten. Dazu brauchen wir Paten, die mit dem Strafgefangenen zusammen nicht nur die Bewerbung bei entsprechenden mittelständischen Firmen unterstützen, sondern auch und vor allem die Begegnung, das Vorstellungsgespräch, die Vorbereitung beider Parteien auf eine zielführende Rückkehr in die Gesellschaft fallbezogen zu begleiten.
Dabei ist es notwendig, dass Ehrenamtliche, die diese Aufgabe mit der Justizvollzugsanstalt gemeinsam übernehmen, eine gute Kenntnis des relevanten Gewerbes und auch gewisse Kenntnisse und Inhalte der beruflichen Ausbildung und Wissen über den denkbaren neuen Arbeitgeber (Mittelstand und Industrie) besitzen.

Berufe: Elektriker, Gebäudereiniger, Flachdrucker, Bäcker, Schreiner, Metallbauer, KFZ-Mechatroniker, Koch.

Norbert Merz


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Bücher

Psychologie der Verständigung
Einführung in die kommunikative Praxis

Denk dir die Welt
Philosophie für Kinder

Miteinander arbeiten – miteinander reden!


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Termine

Straubinger Tagung 2007
vom 6. Juli bis 8. Juli 2007
Justizvollzugsschule Straubing

Mitgliederversammlung 2007 / Wahl
15. September 2007, 10:00 Uhr
in Augsburg
Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhof


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Werte sind Leitplanken auf

dem Weg in die Zukunft


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© LAG 2007-05-12