Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 58


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LAG-Info 58       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Sexualmord...
Gedanken zur Betreuung
Stabwechsel in LL
Mitgliederversammlung 2006
Augsburger Gespräche 2007
Angebote im Kurzstrafenvollzug
Martin Wolfrum informiert</font>
Gruppenangebot im Kurz...
Spuren meines Lebens
JVA Traunstein
Lasst Euch nicht entmutigen
Wenn irren tödlich ist
Naturwissenschaften im Knast
Werner Möstl
Eine wahre Geschichte
Aller Anfang ist ...
Motivierendes Feedback
1628 meint
Rückkehr in die Freiheit
Köln
Berauschender Kuss
Schritt für Schritt
Aus den Regionen
- Ebrach - Weg vom Fenster
- Erlangen
- Straubing
- Weiden
- Niederschönenfeld
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Jugendstrafvollzug - eine gesetzlose Angelegenheit? Nein, denn mit Hochdruck arbeiten die Experten an einer Gesetzesvorlage. Und nun dieser furchtbare Vorfall mit einem entlassenen Strafgefangenen.
Und alle haben schon immer... Ganz schlaue Politiker fordern aus der „Hüfte“, um nur die Massen zu befriedigen. Quo vadis „Bayerisches Strafvollzugsgesetz“? Man kann nur hoffen, dass diese Politiker von geringem Gedächtnis sind.
Dafür gibt es auf unserem Gebiet „Neue Ehrenamtliche“ erfreuliche Entwicklungen. AK Reso Nürnberg hat zur Zeit einen guten Stamm mit tollen Angeboten in der Anstalt. Und der nächste Schritt, weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der JVA Straubing zu gewinnen, läuft auf vollen Touren. In diesem Fall hat der Erfolg zwei Namen.
Im November werden wir noch je ein „Einführungsseminar für Neue“ in Straubing und in Rosenheim (Laufen-Lebenau und Bernau) gestalten.
Große Unterstützung erfahren wir, und dafür herzlichen Dank, vom Ministerium und von den Anstaltsleitern bei der Gestaltung der Augsburger Gespräche 2007 - mit großer Ausstellung und Präsentation im Beiprogramm“.
Titel: Vorbereiten auf die Freiheit (Therapieren – Qualifizieren – Freizeit gestalten - Beschäftigung)
Der Tag könnte auch für Sie sehr interessant werden; deshalb ist Kommen Pflicht!
Ihr

Norbert Merz


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Sexualmord - das gefundene Fressen für Presse und Politiker

Durch einen Menschen kam unendliches Leid über eine Familie. Zwei Kinder, ein Ehemann und deren Angehörigen mussten eine sehr, sehr schwere Erfahrung machen. Darüber ist nicht zu befinden. Wir können alle nur im Gebet und in stiller Trauer der Betroffenen gedenken.
Was sich die Medien und leider auch der eine oder andere Politiker an Populismus erlauben, spottet jeder Beschreibung. Vor allem all jene, die keinerlei Verantwortung übernehmen, sind sofort zur Hand, die Schuldigen zu benennen, deren Kopf zu fordern, aus der Hüfte eine neue Verschärfung des Strafvollzugs - und das sofort - für Täter, Psychologen, Gutachter, Anstaltspersonal etc. zu fordern.
Eine Frau wurde getötet. Eine Familie hat ihren Mittelpunkt verloren. Nichts wird diese Situation verbessern, auch nicht durch die ach so tollen Forderungen eines Politikers. Fast gewinnt man den Eindruck: Endlich etwas gefunden, um der Parteifrau etwas auszuwischen. In all diesen vordergründigen Diskussionen blieb nach meine Meinung Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung in seinem Artikel „Wenn Irren tödlich ist“ mit dem Untertitel „Es gibt keine Alternative zur Resozialisierung - Es gibt nur die Möglichkeit, sie zu verbessern“ am sachlichsten. Und er schreibt weiter: „Und dieser Straftäter könnte eine skeptische Öffentlichkeit, die vom angeblichen Resozialisierungs-Trara ohnehin nicht sehr viel hält, in dieser Skepsis bestärken. Auch das wäre tragisch. Wenn ein Verbrechen wie das in Bayreuth dazu führte, dass der Gesetzgeber an der Resozialisierung irre würde: Dann hätte er auch die Resozialisierung ermordet. Der beste Opferschutz ist und bleibt eine gelungene Resozialisierung.“ (siehe Seite 20, „Wenn irren ...“)
Hier darf ich anknüpfen und allen im Strafvollzug aktiven Menschen, auch uns, den Ehrenamtlichen, zurufen: „Lassen Sie sich nicht irritieren!“ Auch wenn die Tat, der Rückfall der von uns betreuten, von uns begleiteten Strafgefangenen noch so grausam ist bzw. sein sollte, wir können ihn „nur“ besuchen, während der Haft „begleiten“, ermutigen, Beispiel sein. Wir können ihn jedoch nicht an die Hand nehmen und ihn führen. Es liegt, alles was er in der neuen Freiheit tut, in seiner Hand, in seinem Ermessen, in seiner Entscheidung.
Sie, die Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalten, sollten sich von all dem klugen Geschwätz nicht irre machen lassen. Sie arbeiten in einem sehr verantwortungsvollem Beruf. Jede von Ihnen entscheidet tagtäglich im Rahmen seiner Kompetenz und macht es sich nicht leicht, zwischen der Freiheit, die das Grundgesetz allen in Aussicht stellt, und Sicherungsverwahrung (Wegsperren für immer).
Norbert Merz


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  Gedanken zur Betreuung – von Betreuer zu Betreuer

Geht es Ihnen hin und wieder auch so wie mir? Während eines Besuches – das vor allem in der Anfangsphase einer Betreuung – werde ich von einem Redeschwall der Unzufriedenheit getroffen, der mich in meinem Innersten sofort parteiisch werden lässt. Gedanklich suche ich die Schuldigen, finde das Gehörte unmenschlich, fordere Aufklärung und Bestrafung der Schuldigen. Erst beim zweiten und dritten „Hinhören“ beginne ich mich zu fragen!
Was läuft denn hier ab? Ist das normal? Müsste ich mich um Derartiges auch noch kümmern? Beginnen wir bei uns. Das Parteiergreifen ist erst einmal eine ganz normale Reaktion, vielleicht auch ein klein weinig verborgenes Helfersyndrom, das sich in uns freisetzt. Wir versuchen, den vermeintlich Schwächeren zu schützen.
Bis hierher, denke ich, ist alles noch natürlich und eine nachvollziehbare Reaktion. Und dann sollten wir noch bedenken, dass Insider uns sogar empfehlen, diese menschlich verständliche Reaktion des Strafgefangenen zuzulassen und ihm die Möglichkeit des Sich-Luft-Machens zu bieten. Und später stellen wir fest, dass es nicht nur in der Anfangsphase unserer Begegnung solche „Überfälle“ geben kann.
Ja und dann? Jetzt ist unser gesunder Menschenverstand gefragt und wir beginnen zuzuhören. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zuhören, zuhören, zuhören, nachfragen, um Erläuterung bitten!
Vom Handeln, Schuldige suchen, zur Rechenschaft ziehen, davon war noch nicht die Rede! Was wissen Sie aufgrund dieser „Erzählung“, was hier Sache ist? Welche Informationen hätten Sie zu diesem Zeitpunkt in der Hand, um – mit Ihrem Gefangenen vereinbart – Ihre zuständige Kontaktperson der JVA zu befragen?
Aber was dann beim ersten Besuchen? Gerade jetzt, wo eine nicht der Justiz zugeordnete Person ihm die Chance bietet, seinen Frust loszuwerden. Endlich hat doch der Gefangene einen neutralen Gesprächspartner. Was denn nun?
Machen Sie sich ein Bild von der misslichen Lage, die der Gefangene so eben schildert. Lassen Sie sich erklären, was ihn, wer ihn, warum so furchtbar ärgert. Was wurde nicht genehmigt, obwohl er doch Anspruch hätte (wirklich!). Lassen Sie sich aufzeigen mit welchen legitimen Mitteln er Einfluss nehmen kann. Schließlich kennen Sie weder das Strafvollzugsgesetz mit all seinen Muss- und Kann-Bestimmungen, noch wissen Sie etwas über die Hausordnung, über frühere Schwierigkeiten während seiner Haft. Lassen Sie sich das im Kontext zu seinem Ärgernis erklären. Fragen Sie nach, hören Sie zu!
Betreuung, Begleitung ist ein „Geduldsspiel“. Aber Sie werden merken, dass sich alleine durch das Zuhören, durch das Nachfragen bei Ihrem Gegenüber eine Wandlung vollzieht.
Endlich hört mir einer zu, endlich geht einer auf meine Probleme ein, endlich darf ich, ohne die Worte auf die Waagschale legen zu müssen, meinen Ärger herauslassen. Sie haben es in der Hand, Ihren Besuchten, ohne dass die Problematik unter den Tisch gekehrt wird, unter Umständen zu einer Lösungen, die er als seine verbuchen kann, zu führen. Das soll nicht heißen, dass Sie sich mit Ihrer Kontaktperson zu der einen oder anderen Problematik Informationen einholen.
Aber gehen wir noch einmal etwas zurück. Geben Sie dem Gefangenen (der Gefangenen) ein Forum, lassen Sie ihn ausreden, hören Sie zu, fragen Sie nach, lassen Sie sich die Situation erklären, versuchen Sie, die Situation, die zu diesem Ärger geführt hat, zu ergründen. Wer sind nach seiner Meinung die Ungerechten, die „Schinder“, die „Unmenschen“, die ihm nur Übles wollen? Warum sind das die, was haben sie getan?
Fragen über Fragen, die eigentlich geklärt sein sollten, bevor Sie mit ihm gemeinsam zur Attacke blasen, sich unreflektiert auf eine Seite schlagen. Fragen Sie ihn, was er bisher dagegen oder dafür getan hat. Fragen Sie ihn, wie dieses Ärgernis entstanden ist.
Fragen Sie ihn und lassen Sie ihm erklären und erläutern, wie man im Gefängnis derartige Fälle löst. Welche Rechtsmittel, welche Beschwerdemöglichkeiten, welche Personen seines Vertrauens zur Verfügung stehen. Fragen Sie ihn, ob dieses nicht evtl. mit seiner Strafe, seinem Delikt, der noch verbleibenden Haftdauer zu tun haben könnte. Gibt es interne Klärungsmöglichkeiten und hatte er diese bereits versucht oder sogar ausgeschöpft. Fragen Sie, ob er zu einem Gespräch zu dritt bereit wäre.
Eins können wir an dieser Stelle schon mal festhalten. Gleich zu Beginn in ein großes Weheklagen einzustimmen, hilft keinem einen Schritt weiter. Eventuell müssten wir uns die Frage stellen, ob wir als Person mit einer „derartigen“ Konfliktbewältigung, „unreflektierten“ Meinungsübernahme, einer solchen Einstellung am richtigen Platz sind. Das ist nicht die Betreuung, die Begleitung, die der Strafgefangene braucht.
Wo ist das Gegenüber mit gesundem Menschenverstand und ohne Gefühlsduselei?
Ehrliches Bemühen um eine Konfliktlösung und loyale Zusammenarbeit mit meinen Partnern der Institution. Und dann noch ein Hinweis: Betreuertreffen, Ehrenamtlichen-Zusammenkünfte, Ausspracheabende oder wie sie auch heißen mögen, sind die Einrichtungen, um unter Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen und Unterstützung zu erfahren.
Sollten in Ihrer Region solche Möglichkeiten nicht bestehen, lassen Sie es uns wissen.
Norbert Merz


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  Mitgliederversammlung 2006

Neunundzwanzig Mitglieder, das sind 18 Prozent der Gesamtmitglieder, waren nach Augsburg gekommen, um mit der Vorstandschaft zusammen die Leitlinie für das kommende Vereinsjahr festzulegen.
Durch die hohe Disziplin der Teilnehmer konnten alle Tagesordnungspunkt ausreichend diskutiert und behandelt werden.
Der Aufreger der Veranstaltung war der Hinweis des 2. Vorstandes, nur noch bis Ende 2008 für dieses Amt zur Verfügung zu stehen. Wer die Situation unseres Vereins kennt und an einer Weiterführung interessiert ist, sollte sich fragen, was er für seinen Verein tun kann. Wieder einmal haben wir ein Zeitpolster eingeräumt bekommen. Die jungen Mitglieder sind, so der Hinweis des erste Vorsitzenden, aufgerufen, die Verantwortung für eine gute Sache zu übernehmen.
Herausragende Aktivitäten des Vorstandes, verstärkt durch Alfred Helms, waren die Gestaltung und die Durchführung von vier Grundseminaren, die Beteiligung am Messestand „Präventionstag“ in Nürnberg und beim „Tag der offenen Türe“ der Staatskanzlei in München, Mitwirken an diversen Begegnungsabenden der Ehrenamtlichen, Gespräche im Ministerium, Gestalten der Werbemaßnahmen „Neue für die Betreuung“ usw.
Ein besonderer Dank geht an die Kassenprüfer und an Kassierin Marga Helms.


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Augsburger Gespräche 2007

Vorbereitung für die Augsburger Gespräche 2007 läuft auf Hochtouren. Es ist beachtlich und sehr erfreulich, wie die einzelnen Leiterinnen und Leiter der JVA auf unser Anliegen reagieren, die Veranstaltung im März nächsten Jahres mitzugestalten. Dabei geht es nicht nur um Referate, sondern auch um die Gestaltung des Rahmenprogramms.
Erstmalig werden wir die Möglichkeit, die uns St. Stephan bietet, ausschöpfen. In einem sogenannten Rahmenprogramm werden Vorführungen (Arbeitspädagogik) dargeboten, Exponate der Freizeitgruppen „Kunst“ zu besichtigen sein.
Daneben werden die Anstrengungen, die der beruflichen und schulische Qualifizierung dienen und die Leistungspalette, die die bayerischen Justizvollzugsanstalten für den Mittelstand und die Industrie bereithält, aufgezeigt.
Besondere Beachtung werden, in zwei Referaten, die Anstrengungen finden, die das Justizministerium und die JVA bei der Gestaltung des Strafvollzugsgesetzes - hier speziell Jugendstrafvollzug - unternehmen, beziehungsweise was die Jugendstrafvollzugsanstalt „Neuburg-Herrenwörth“ bereits realisiert hat.
Interessierte am Strafvollzug werden in Augsburg auf ihre Kosten kommen, wenn es heißt „Resozialisierung beginnt in der JVA“.
Norbert Merz


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Lasst Euch nicht entmutigen!

Wir, die wir uns ehrenamtlich für die Wiedereingliederung Strafgefangener engagieren, dürfen uns von so populistischem Geschrei nicht entmutigen lassen. Ach ist das einfach, Schuldige zu finden. Ach sind doch alle so schlau.
Es wurde viel geschrieben, das Fernsehen hat sich vor Ort mit einem Bürgerforum präsentiert. Und? Der nachfolgende Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 10. Oktober 2006 trifft nach meiner Meinung das Ausmaß des Geschehens am besten zu haben. Ja, wie werden die Politiker demnächst votieren, wenn es um die Neufassung des bayerischen Strafvollzugsgesetzes geht?
Vielleicht müssten wir uns doch etwas stärker in der Öffentlichkeit beteiligen, ehe die anderen die Stimmung machen!
Norbert Merz.


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Naturwissenschaften im Knast – wirklich notwendig?

Seit 25 Jahren werden aktuelle naturwissenschaftliche Themen in Freizeitgruppen der JVA Bayreuth behandelt
von Dr. Thomas Reinl

Ob Ozonloch, Treibhauseffekt, Energieversorgung und Bevölkerungspolitik, Entwicklungshilfe oder Bodennutzung, die Fächerverbindung der Geowissenschaften decken inhaltlich alle kritischen Arbeitsfelder der Menschheit ab. Wasserversorgung, Ernährungsprobleme, Verkehrsplanung, Industrialisierung, die Palette angewandter geologischer Themen ist genauso vielseitig wie der zentrale Gegenstand der Gespräche: die Erde mit allen Konstruktionen und Veränderungen.
So nimmt die Kontinentaldrift mit den Folgeerscheinungen Gebirgsbildung, Erdbeben und Vulkanismus einen ebenso breiten Raum ein wie die Entstehung von Landschaften und deren Nutzung (z.B. Bergbau und Landwirtschaft). Klimaänderungen in der Vergangenheit wirkten bei der Landschaftsausformung prägender als die aktuelle Zunahme der Naturkatastrophen. Länderkundliche Themen bringen Lebensweise und Mentalität anderer Völker und Nationen näher.
Die Klärung historischer Strukturen erleichtert das Verständnis für die Probleme der Gegenwart. Nachdem Staatsangehörige anderer Länder am Unterricht teilnehmen, sind zusätzliche Informationsquellen verfügbar und damit eine spezielle Kompetenz gewährleistet. Dabei steht das europäische Ost-West-Verhältnis im Mittelpunkt der Aufklärung. Allerdings gilt dies auch für den wachsenden Bedarf an Erläuterungen zur Herstellung der Harmonie zwischen den Weltreligionen.
Theoretische Gedankenspiele und die Vermittlung existenzieller Grundlagen über die Entstehung und Veränderung der Erde und des Lebens verleiten zu einer gewollten geistigen Gymnastik, um einem stetigen Zellenphlegma und ignoranter Interesselosigkeit entgegenzuwirken.
Gleichzeitig soll dem Gefangenen Ernst und Glaubwürdigkeit zurückgegeben werden, um damit ein Stück Selbstwertgefühl und Selbstbewusstein für spätere Belastungsproben zu gewinnen.
Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit den sozialpädagogischen Kräften der JVA Bayreuth entwickelt, allen voran Herrn Dipl.-Soz.-Päd. (FH) Fritz Feulner. Um Weltschmerz, Gesellschaftshass und Frustration abzubauen, gleichzeitig aber auch haftbedingte Abschottung von gesellschaftsrelevanten Themen zu vermeiden, wurde ein „Fenster zur Welt“ geschaffen.
In ununterbrochenem Einsatz als Vortragender und Ideenlieferant steht Dr. Thomas Reinl, gelernter Geologe mit Aufbaustudium Ökologie und Ingenieurwissenschaften. Zahlreiche Studienaufenthalte sowie exotische Exkursionen in die entlegendsten Gebiete der Erde ermöglichten ihm eine tiefe und praxisorientierte Darstellung globaler wie auch lokaler Zusammenhänge. Dabei spielen inzwischen jahrzehntelange Erfahrungen in der Verpackungskunst der Wissensvermittlung eine entscheidende Rolle. Die verständliche Erläuterung schwieriger Zusammenhänge zur Erschließung neuer Betätigungsfelder ist Voraussetzung einer fruchtbaren Diskussion. Die Beherrschung dieser Übertragungsmechanismen für gemischt zusammengesetzte Gruppen konnte sich Dr. Reinl, über 25 Jahre parallel dazu Dozent in der Erwachsenenbildung wie z.B. in den nordbayerischen Volkshochschulen und vergleichbaren öffentlichen Einrichtungen, gründlich aneignen.
Randlich geht es um die Erhöhung der Allgemeinbildung. Zentrales Anliegen ist jedoch Bedarfsweckung im Sinne von einer Bewusstseinsbildung schlummernder Interessen und Neigungen. Der Gefangene hat die Möglichkeit, durch Horizonterweiterung seine späteren privaten und beruflichen Aussichten zu verbessern. Da viele nach der Haft vor dem Nichts stehen, werden Ansätze für Aus- und Weiterbildung bewusst gemacht und entwickelt. Kontakt nach der Haftentlassung wird oft gepflegt und wirksam begleitet. Wie die Erfahrung gezeigt hat, konnten bereits einige Kursteilnehmer Zufriedenheit in neuen Berufsfeldern finden, deren geistiger Inhalt in den Gruppen intensiv erlebt wurde.
Es geht um die Erkenntnis, dass keine Situation im Leben nur Nachteile hat. Die Haft kann auch als Chance verstanden werden, neue Perspektiven zu erschließen und die persönliche Zukunft danach neigungsorientierter einzurichten. So hat der arbeitslose Gärtner durch eine Zusatzausbildung innerhalb der Landschaftspflege Fuß fassen können und der unbefriedigte Versicherungsvertreter eine gesicherte Stelle als Fremdenführer angenommen. Schlummernde Fähigkeiten wurden hier durch Aufzeigen von Perspektiven erfolgreich wachgerufen.
Nicht zuletzt geht es um die Reduzierung der Strafrückfälligkeit, da Aufklärung über die Vielzahl weltbewegender Themen und damit möglicher Betätigungen für die Zeit nach der Haft eine praktische Hilfestellung für die gesellschaftliche und berufliche Wiedereingliederung darstellt.
Verfasser:
Dr. Thomas Reinl Hammerstraße 13 95460 Bad Berneck
15. Oktober 2006


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Motivierendes Feedback

Das ist der Stoff, aus dem sich der ehrenamtliche Mitarbeiter einer JVA die Motivation holt.
... und, wie ein Betreuer aus Bayreuth, schreibt: „ein Beispiel, um Vorurteile abzubauen!“
Aber der Reihe nach. Der ganze Text, aus dem ich, ohne den, wie der Schreiber es ausdrückte, Datenschutz zu verletzen, zitieren werde, ist überschrieben: „Mein Lebenslauf - Kurzfassung“.
„Drei Jahre war das Urteil, die Arbeit und die Liebe waren weg. Nach zwei Jahren und vier Monaten bin ich auf Bewährung entlassen worden, hier, denke ich, hat es sich im Hinblick auf Strafe garantiert gelohnt. Keine Arbeit mehr, keine Liebe mehr, bei einem sogenannten Freund aus dem Gefängnis untergekommen, der mich auch nur ausgenützt hat, erst habe ich ihm sein Haus saubergemacht und dann renoviert und dann musste ich gehen. Also überlegte ich und stellte auf Anraten meines Bewährungshelfers meine Dienste über eine Freiwilligenagentur ehrenamtlich zur Verfügung. Bei der Tafel, im Seniorenbüro habe ich mit dem Büroangestellten H. N. einen „Reparaturdienst für arme ältere Menschen zu Hause“ ins Leben gerufen und organisiert. Im Mai 2006 war ich mit den Maltesern mit einem Hilfsgütertransport in Odessa, Ukraine. Inzwischen wirke ich auch noch am Wochenende im „Strohhalm“ mit, in einer Senioren- und Singlewohnanlage habe ich sehr schnell eine Wohnung gefunden. Der Amtsleiter „Seniorenbüro" hat hier sicher etwas nachgeholfen, um mich im städtischen Bereich zu haben, auch hier im Haus helfe ich den alten Leuten und arbeite mit dem Hausmeister zusammen, „jedoch zu Hause bin ich leider viel zu sehr allein!“ Eine Arbeit mit 61 Jahren ist wohl nur ein Traum? Also ist in vier Jahre ALG II angesagt, bis ich mit 65 Jahren dann meine Rente bekommen kann.“
Die beiliegende Einsatzliste der Freiwilligenagentur liest sich fast wie der Terminplan eines Managers. Diese Liste weist die Einsatzzeiten, die zwischen einer und sieben Stunden betragen, genau so aus wie die nutznießenden Vereinigungen.
Der Löwenanteil dabei entfällt auf die „Tafel“. Aber es finden sich auch Tätigkeiten wie Reparaturen, Hausmeisterdienste und Wagenpflege.
Eine Passage aus seinem Schreiben fand ich so nett:
„Seit Anfang des Jahres sind wir nun ehrenamtliche Kollegen, allerdings gehen meine Tätigkeiten in eine andere Richtung, bei der Tafel in R. bin ich seit diesem Jahr im Januar schon tätig und mittlerweile Mitglied“.
Ehrenamtliches Engagement kann so befriedigend sein. Leider erfahren wir von unserem „Erfolg“ nur sehr, sehr selten.
Was sagte mir ein Rundfunkmann: „Ein Hörerbrief steht bei uns für 10.000 Hörer!“
Norbert Merz


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16 28 meint:

Ist meine Gefangenen-Betreuung noch zeitgemäß?
September 2006

Von angehenden Ehrenamtlichen wurde ich gefragt, was ein Strafgefangener von einem Betreuer in der heutigen Zeit erwartet, was muss ein Betreuer „mitbringen“, um bei einem Gefangenen anzukommen? Nun, meine Meinung dazu ist: „Fragen Sie den Gefangenen, was er von Ihnen erwartet, sagen Sie auch, was Sie bereit sind, zu machen, stellen Sie auch klar, was Sie auf keinen Fall tun werden, dann ist der Grundstein für ein weiteres Miteinander schon gelegt.“ Die Vorstellungen mancher Inhaftierten in Sachen Betreuung sind recht unterschiedlich und auch oft nur Mittel zum Zweck. Je nach Status des Betreuers erhofft sich so mancher Gefangene dadurch eine Aufwertung seines Ansehens in der Anstalt, bei seinen Mitgefangenen, bei der Beamtenschaft, aber auch bei der Vollstreckungskammer.
Andere wiederum sondieren erst mal unter den weiblichen Ehrenamtlichen, ob sich da etwas „Passendes“ findet. Er möchte nach der Entlassung sowieso wieder eine Partnerschaft eingehen, warum dann nicht jemand, der jetzt schon vor der Tür steht und über sein Vorleben Bescheid weiß, man würde sich das peinliche „Sagenmüssen“ ersparen.
Es gibt auch „praktisch“ Veranlagte, die einfach „Laufburschen“ suchen, die für sie den lästigen Kleinkram erledigen. Diese Herren wollen sich bei der Entlassung ins gemachte Nest setzen können. Ich erlebte einen, der bei seiner wiedergewonnenen Freiheit sogar Damenbekanntschaften vermittelt haben wollte. Die Gruppe derer, die erwarten, dass man ihnen das und das mitbringen „könnte“, ist auch recht groß: „Ich bin starker Raucher, könnten sie nicht...“, oder: „Mir reicht der Kaffee nicht, könnten Sie ...,“ auch: „Meine Sportsachen sind schon recht alt, können Sie..., oft: „Ich schicke Ihnen meine Paketmarke, könnten Sie mir das und das und das...“
Noch viele Gründe und Argumente wären aufzuzählen, warum sich so mancher Gefangene eines Betreuers „bedienen“ möchte. Eines ist aber unumstößlich: Sozialbindungslose (welch ein Wort) haben nur mit einem Betreuer eine reelle Chance, in geordnete Bahnen zu finden. Der Gefangene muss unbedingt gesagt bekommen, dass es Sinn macht, wenn sich ein Ehrenamtlicher um ihn bemüht, eine gewisse Vorstellung, was für ihn eine Betreuung bedeuten kann, muss vorhanden sein. Die Gefangenen sollten von Seiten der JVA auf diese Möglichkeit vorbereitet werden: Ehrenamtlichen-Betreuung als Teil der Resozialisierung und der Entlassungsvorbereitung. Ehrenamtlichen-Betreuung im Auftrag der Öffentlichkeit!
Ehrenamtlichen-Betreuung auch, um einer weiteren Entwöhnung vom normalen Leben vorzubeugen.
Betreuung von Gefangenen ist für uns bestimmt kein Selbstzweck. Die Leute, Frauen und Männer aus allen Schichten und Altersgruppen unserer Gesellschaft, gehen in ihrer Freizeit nicht aus lauter Jux und Tollerei in eine JVA, um sich der Inhaftierten anzunehmen. Die Motivation ist verschieden und vielfältig, das Ziel ist aber dasselbe: Die Gefangenen sollen die Möglichkeit bekommen, nach der Strafverbüßung wieder ein Leben führen zu können, welches wir im Allgemeinen als ein normales bürgerliches Leben bezeichnen, ein Leben, das sie ohne Hilfe nicht mehr erreichen würden.
Ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug - nicht, weil die so armen, armen Eingesperrten darben müssen, in dieser ach so ungerechten Welt.
Nein, für uns ist es Hilfe am Mitmenschen, weil nach unserem christlichen Verständnis jeder nochmals eine Chance bekommen soll, für sich, aber auch für die Gesellschaft, für unser Gemeinwesen.
Diese Möglichkeit für die Gefangenen, Hilfe und Beistand zu erhalten, ist noch recht neu, wenn man ca. 30 Jahre so bezeichnen mag.
In Erinnerung an meine Haftzeit waren zu der Zeit nur einige Gemeindemitglieder der Anstaltsgeistlichen als „Briefschreiber“ tätig, die für besondere Fälle bereitstanden. Ehrenamtliche im heutigen Sinne gab es noch nicht. Wie beneidete ich einen Mitgefangenen, der solch einen Brief von einer Dame bekam, die er gar nicht kannte. Was, so fragte ich mich, muss der für eine Beziehung zum Pfarrer, zur Anstaltsleitung haben, dass man ihn schreibt ...!
Damals schon wurde mir klar: Diese Kontakte nach draußen in die Freiheit, diese Kontakte mit Menschen, denen es anscheinend nichts ausmacht, dass ihre Briefpartner im Gefängnis sind, müssen ausgebaut werden, müssen für viele Gefangene möglich werden.
Was mich so beeindruckte, war nicht der Inhalt des Briefes, das waren einfache, auch belanglose Sätze über Gott und die Welt, über das Wetter und die Ernte (die JVA lag ja auf dem Lande). Was mich beeindruckte, war die Tatsache, dass es Menschen gibt, die ihnen nicht bekannten Gefangenen schreiben. Ich sagte einem Beamten gegenüber, wo drei solche Leute sind, können es da auch zehn oder zwanzig werden? Der Beamte meinte nur: „Probiers halt aus“. Der Briefe wurden es mehr und mehr... Als ich dann vor 29 Jahren selber anfing, Gefangene zu betreuen, war Briefe schreiben, nur Briefe schreiben, schon überholt. Gruppenarbeit war angesagt. Egal wie, mir ging es nur um die Kontakte in die Anstalt, Kontakte aber auch in die Gegenrichtung.
Die Themen der Gruppenabende ergaben sich zwangsweise aus meinem Weg in die Freiheit. Ich brauchte nur zu berichten, was und wie ich es gemacht habe, nicht mehr in den Knast zu kommen, jedenfalls nicht mehr als Gefangener. Selber Kontaktperson sein, aber auch Kontakte von Mensch zu Mensch herstellen, war für mich das A und O. Weil es neu war, war es auch verhältnismäßig einfach. Und da sind wir beim eigentlichen Problem.
Es reicht jetzt, heute, nicht mehr, über „dies und das“ zu sprechen oder nur Kontakte herzustellen. Es reicht nicht mehr, Grüße von draußen nach Drinnen zu bestellen. Die Gefangenen brauchen nun handfeste Beratung und Vorschläge aus fundiertem Wissen für ihre Entlassung aus der Haft, Arbeit und Wohnung, der Druck auf unsere Schützlinge wird von Jahr zu Jahr größer. Die Erwartungen an die Betreuer steigen und steigen.
Ist der Ehrenamtliche nicht „auf der Höhe der Zeit“, nutzen die Gefangenen die Betreuung nur nach ihrem Gutdünken aus, wie oben beschrieben. Das wollen wir aber nicht und sollen es auch nicht zulassen. Unser Kapital ist unsere „Erfahrung“, aus 30 Jahren, die die Älteren an die Jüngeren weitergeben sollen. Müssen wir dafür neue Formen der Kommunikation finden? Reicht unsere LAG-Info, wenn auch Sie sich mit Zuschriften daran beteiligen?
Ich weiß, dass die Ehrenamtlichen mit dem gesamten Freizeitangebot in einer JVA konkurrieren müssen, Ausgang und Hafturlaub nicht zu vergessen. Ein Fußballspiel im Fernsehen wird dem Gruppenabend mit Betreuer vorgezogen, ein Tischtennis-Match auf der Abteilung, und der Ehrenamtliche sitzt ohne Gruppe im Gruppenraum.
Frage: Wenn es schon so ist, wie es ist, kann die Gruppe das nicht gemeinsam mit dem/den Ehrenamtlichen machen? Sollen wir die ausgetretenen Trampelpfade der Ehrenamtlichen-Arbeit verlassen und mal wieder neue Wege gehen? Muss die Betreuung unbedingt in einem Raum stattfinden? Was könnte noch sein???
Sollten wir nicht mal über diese Sache bei der Straubinger Tagung sprechen? Wir sollten! Ich meine sogar: Wir müssen!
Apropos Straubinger Tagung –
        ...... ein Wunsch von mir, für die nächsten Jahre .....
Liebe Hauptamtliche in der Gefangenen-Betreuung, Ministerium und Justizvollzugsschule eingeschlossen.
Können bei der jährlichen Straubinger Tagung auch Themen angesprochen werden, die sich erst in den letzten Jahren ergeben haben und sich noch ergeben? Tradition in den Themen in allen Ehren, man sollte es aber auch nicht übertreiben. Ich wünsche mir eine zeitgemäße Veranstaltung in Straubing - für die Ehrenamtlichen - nicht unbedingt für, von und mit Berufsbetreuern, deren Sichtweite und Motivation ganz anders gelagert sind.
Probleme der Ehrenamtlichen müssen nicht zwangsläufig auch Probleme der Hauptamtlichen sein. Ehrenamtliche sind keine „Ersatz-Sozialpädagogen“ und wollen es auch durch die Tagung nicht werden. Was für einen Hauptamtlichen manchmal nur noch Routine ist, bedeutet für einen Ehrenamtlichen oft „Neuland“, obwohl er schon Jahre in der JVA ein- und ausgeht. Der „Ehrenamtliche Betreuer“ soll im Mittelpunkt der Tagung stehen, seine Arbeit soll besprochen werden.
Das beste Seminar war aber vergebens, wenn wir dann im gleichen Trott weitermachen.
Seit meinem ersten Gruppenabend als Betreuer (damals einfach: einer von draußen) haben sich die Gesprächsrunden und auch die Einzelgespräche oft gewandelt und auch weiterentwickelt. Nichts ist von Dauer, alles ist in Bewegung und so soll es auch sein. Täglich müssen wir daher unsere Betreuungsarbeit hinterfragen: Ist meine Arbeit noch auf den/die Gefangenen ausgerichtet? Versteht mein Gegenüber mich noch? Bin ich noch logisch? Sind meine Aussagen nicht zu hochtrabend? Spreche ich noch die Sprache meines Gegenübers? Glaub man mir noch? Bin ich noch ehrlich? Nehme ich meinen Betreuten ernst? Auch als Mensch? Sind seine Probleme bei mir in guten Händen? Schleicht sich bei meiner Arbeit mit dem Gefangenen Routine ein? Sind meine Worte auch wirklich MEINE Worte? Was bringt mir die Arbeit als Ehrenamtlicher? Bin ich mit meiner Arbeit noch auf der Höhe der Zeit? Bin ich noch für „Neues“ offen? Bin ich noch ICH oder habe ich mich in der Betreuungsarbeit und dem Drumherum verloren? Bin ich noch Teil der Öffentlichkeit oder hat mich die Justiz schon vereinnahmt?
Ich denke darüber nach! Tun Sie es auch.

Ihr 16 28

Ps: Für unsere neuen Mitglieder: Sechzehn – achtundzwanzig war meine Gefangenen-Buch-Nummer in einer obb. Strafanstalt, ich war, ich bin (!) 16 28


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Köln

JVA: verbesserte Berufsperspektive
Die Wiedereingliederung von Straftätern in die Gesellschaft ist eine der zentralen Aufgaben der Justizvollzugsanstalt (JVA) Köln-Ossendorf. Das gelingt jedoch nur, wenn nach der Haftentlassung eine berufliche Perspektive geboten werden kann. Die Mitarbeiter des pädagogischen Dienstes der Haftanstalt haben immer wieder an einzelnen Schicksalen nachverfolgt, wie sehr eine mangelnde Schul- oder Berufsausbildung kriminelles Handeln begünstigt. Daher ist nachvollziehbar, dass Bildungsarbeit eine zentrale Aufgabe des Vollzugs sein muss. Der Mangel an moderner Technik hatte jedoch bisher eine sinnvolle Schulung der Gefangenen an Rechnern stark erschwert. Die Pädagogen der JVA baten daher Siemens-Chef Klaus Kleinfeld in einem Brief um Unterstützung. Und die ließ nicht lange auf sich warten. Drei PC erweitern und modernisieren jetzt das Angebot für Jugendliche und vor allem für Frauen deutlich.
Denn anders als im allgemeinen Strafvollzug des Landes NRW, wo der Anteil der inhaftierten Frauen nur bei 7 bis 8 Prozent liegt, sind in der NA Köln oft mehr als die Hälfte der Unterrichtsteilnehmer weiblich. Ihr großes Interesse erklärt sich unter anderem damit, dass der Vollzug für Frauen relativ wenig Förderungsmöglichkeiten bietet.
Aufgepickt aus Siemens-Welt (Mitarbeiterzeitung der Siemens AG – 9/06 WID)


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„Weg vom Fenster“ - eine DVD aus der JVA Ebrach

Die DVD „Weg vom Fenster“ ist ein Projekt, das von der Idee über Textgestaltung, Sprechrollen, Bühnenbilder, Musik bis zu den Modellen (siehe LAG 57, Seite 42), den Fotos und Computeranimationen von jugendlichen Strafgefangenen, ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern der JVA Ebrach entwickelt und gestaltet wurde.

Das Hörspiel so wie es jetzt vorliegt möchte Interessierten einen Einblick in den Knast gewähren und zur Diskussion anregen.
Inhaltsangabe in 10 Szenen:
„Hi, ich bin der Michi ...“
„So früh am Morgen ...“
„Wie ist es denn so ...“
„Auf 8 Quadtratmetern ...“
„Ey, Alter ...“
„Schlägerei ist Schlägerei, und nicht erlaubt ...“
„Mann, o Mann ...“
„Wer bin ich?“
„Dem Ende entgegen ...
„Wie geht‘s weiter?“

Mitwirkende:
Mario B. - Gerald B. - Anke B. - Alexander D. - Johann E. - Daniel G. - Stefan H. - Marcel H.·- Michael K. - Andreas L. - Hans L. - Sergei M. - Rene M. - Jürgen Sch. - Sebastian Sch. - Ursula Sch. - Alexander T.

Bestell-Anschrift:
Herr Dr. Endres Marktplatz 1
96157 Ebrach


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Straubinger Treff

Straubinger Treff am 4. 9. 2006 war ein voller Erfolg.
Da erzählen zum einen die Neuen über ihre Erfahrungen, über ihre Ängste beim ersten Briefwechsel, beim ersten Besuch. Und sie erzählen auch von den sehr positiven Eindrücken an der Torwache und der dort erlebten zuvorkommenden Unterstützung.
Besonders hervorzuheben sind die helfende Begleitung, die Beantwortung aufkommender Fragen durch die beiden Kontaktpersonen Schreyer und Harrieder. Alles keine Selbstverständlichkeiten.
Mit der Ankündigung einer weiteren Werbeaktion zur Gewinnung neuer Ehrenamtlicher fühlten alle Anwesenden, dass der neue Wind, der in Straubing weht, kein Windchen war. Nein, man will ganz ernsthaft die Anfragen der Gefangenen nach einer ehrenamtlichen Begleitung, wann immer es geht, positiv bescheiden können und dafür braucht man Ehrenamtliche.
Zum Ende der Veranstaltung verwies Schreyer auf den „Dankeschön-Nachmittag“ Ende Oktober für alle Ehrenamtlichen. Damit wir eine alte, aber auch gelungene Gepflogenheit, wie Horst Münzer bemerkt, wieder aufleben lassen.
Norbert Merz

Den Dankeschön-Nachmittag haben wir am 27. 10. 2006 sehr genossen!


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Weidener Treff

Deutsch-Kurs
Familienseminar
Kartelabend
Angehörigen-Begegnung
Einzelbetreuung

Sind vier zwar sehr aktive ehrenamtlich Tätige ausreichend?
Wie weit können Ehrenamtliche gerade bei Kurzstrafigen eine Einstellungsveräderung bewirken?
Zu diese Frage wurde ein Fall besprochen, bei dem der Familienanschluss eine richtungsändernde Wirkung haben könnte. Das Projekt „Bauernhof“ wurde angepeilt, doch der Betreffende winkte vehement ab. Vorahnung oder „voreilende“ Angst auf das, was ihn erwarten könnte? Familienanschluss schon, aber bitte ohne Verpflichtung!
Aber was können die Ehrenamtlichen in der kurzen Zeit tun?
Jeder Hinweis, jede Anregung ist willkommen.
Norbert Merz


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Treffen der Ehrenamtlichen in der JVA Niederschönenfeld

Ein Bericht von Werner Stapf
Niederschönenfeld (st) - 19 ehrenamtliche Mitarbeiter konnte der Leiter der JVA Niederschönenfeld im Rahmen eines Grillfestes im neu gestalteten Mehrzweckraum der alten Schule begrüßen. Die Grillfeier galt als kleines Dankeschön für die während des vergangenen Jahres geleistete Arbeit der Ehrenamtlichen und diente neben dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch auch dem geselligen Beisammensein.
Derzeit sind in der JVA Niederschönenfeld 23 Privatpersonen sowie 9 Angehörige von verschiedenen Wohlfahrtsverbänden tätig. Darüber hinaus sind 8 türkische Staatsangehörige der Muslim-Gemeinde Bäumenheim für die religiöse Betreuung von Gefangenen islamischen Glaubens zugelassen.
In seiner Begrüßungsrede würdigte Peter Landauer das soziale Engagement der ehrenamtlichen Helfer, die bereit sind, hinter die Gefängnismauern zu kommen. Als ehrenamtliche Betreuer leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Wiedereingliederung von Strafgefangenen. Des Weiteren gab der Anstaltsleiter einen kurzen Überblick über besondere Vorkommnisse, über die gegenwärtige Überbelegungssituation und die baulichen Veränderungen seit Jahresbeginn.
Im Rahmen des traditionellen Jahrestreffens wurde auch Anneliese Schröttle verabschiedet, die von 1975 bis Dezember 2005 in Niederschönenfeld als ehrenamtliche Mitarbeiterin gewirkt hat. Anneliese Schröttle zeigte in ihrer über 30-jährigen Tätigkeit ein außerordentliches Engagement und Einfühlungsvermögen. Ihre Tätigkeit begann sie auf Initiative des damaligen evangelischen Pfarrers, Herrn Traugott Simon, der nach Niederschönenfeld einen ökumenischen Kreis eingeladen hatte. Seitdem hat sich Anneliese Schröttle zur Aufgabe gemacht, die Gefangenen bei der Bewältigung ihrer vielfältigen Problemlagen zu unterstützen und auf ihrem Weg in die Freiheit wieder vorzubereiten. Zunächst leitete sie die „Donauwörther Gesprächsgruppe" mit der leider viel zu früh verstorbenen Berta Staudigl. Nach dem Tod ihrer Kollegin gelang es Anneliese Schröttle rasch, wieder eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, Marie van Malland, zu gewinnen, um ihre Tätigkeit nahtlos fortsetzen zu können. An Stelle von Marie van Malland, die eine eigene Gesprächsgruppe übernahm, begleitete Frau Schmidbaur bis Dezember 2005 Anneliese Schröttle in die JVA Niederschönenfeld. Da beide Frauen über ähnliche Werte- und Zielvorstellungen verfügen, bildeten sie sehr schnell ein gut funktionierendes Team. Für ihr außerordentliches und langjähriges Engagement als ehrenamtliche Betreuerin überreichte ihr der damalige Justizminister Manfred Weiß am 26. März 2001 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Anneliese Schröttle hat nunmehr seit über 30 Jahren in ihrem Ehrenamt ein großes Sozialengagement, Verlässlichkeit, Ausdauer und ein großes Maß an Selbstdisziplin gezeigt. Durch ihre positive Lebenseinstellung, ihre Fähigkeit auf junge Menschen zuzugehen, war sie bei den Gefangenen eine sehr gern gesehene und auch begehrte Gesprächspartnerin. Erfahrung Freundlichkeit, Menschenkenntnis, ihr beispielhaftes Engagement für die Gefangenen zeichnen sie aus. Nach Vollendung ihres 70. Lebensjahres war es ihr Wunsch, Ihre Tätigkeit in Niederschönenfeld endgültig zu beenden.
Eine besondere Ehrung erfuhr außerdem Helmut Savini, der sich seit nunmehr 30 Jahren der ehrenamtlichen Betreuung von Gefangenen widmet. Helmut Savini begann seine berufliche Laufbahn als Beamter des mittleren Vollzugsdienstes 1974 in Niederschönenfeld. Bereits zwei Jahre später gründete Herr Savini in der JVA Niederschönenfeld eine Fotogruppe, um das Freizeitangebot für die jugendlichen Strafgefangenen zu erweitern. Doch bald waren die Möglichkeiten der Fotografie in der JVA Niederschönenfeld erschöpft. Herr Savini beschloss deshalb, mit den jugendlichen Strafgefangenen Zeichentrickfilme herzustellen. Die Idee wurde damals von den jugendlichen Gefangenen mit Begeisterung aufgenommen. Der erste Trickfilm von mittlerweile 35 Filmen bekam damals den Titel „Karlchen Meier". Über drei Jahrzehnte bietet Herr Savini jungen Gefangenen eine äußerst sinnvolle Freizeitgestaltung an. Für Herrn Savini steht dabei vor allem das „soziale Training" im Vordergrund. Während der Filmarbeit lernen die Gefangenen, in der Gemeinschaft, im Team zu arbeiten. Außerdem bietet die Beschäftigung mit dem Zeichnen der Filme die Möglichkeit, Kreativität zu entfalten und positive Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Seit mittlerweile 30 Jahren trifft sich die Gefangenengruppe mit unterschiedlicher Besetzung einmal wöchentlich in den Abendstunden. Durchschnittlich nehmen an der Zeichentrickfilmgruppe 8 Gefangene teil. An einem 4-Minuten-Zeichentrickfilm arbeitet die Gruppe rund ein ¾ Jahr. Von den mittlerweile 35 Filmen, die bisher entstanden sind, stammen die Ideen von den Gefangenen selbst. Im Vordergrund stehen sozialkritische und phantasievolle Themen. Obwohl es nicht Ziel der Trickfilmgruppe ist, Preise einzuheimsen, ist es Helmut Savini bisher gelungen, über 500 nationale und internationale Auszeichnungen zu erhalten. In über 30 Sendungen wurden seine Filme in Ausschnitten im Bayerischen Fernsehen gesendet. Ferner wurde Helmut Savini von einigen Radiosendern eingeladen, um über seine Zeichentrickfilmgruppe zu berichten. Insgesamt wurden 9 seiner Zeichentrickfilme zum Film des Jahres gewählt. Die bedeutendste Auszeichnung ist der Fotokino-Obelisk, den Helmut Savini als bisher einziger Amateurfilmer dreimal gewonnen hat. Im Jahr 2002 schied Helmut Savini aus dem aktiven Justizvollzugsdienst aus. Trotzdem führt er seit mittlerweile 4 Jahren die Zeichentrickfilmgruppe ehrenamtlich mit großem Erfolg weiter. Nach wie vor erhalten seine zeitkritischen Zeichentrickfilme bei Bundeswettbewerben und auch bei internationalen Wettbewerben hohe Auszeichnungen und Preise. Sein jüngstes Werk mit dem Titel "Freundschaft" zählt beim europaweiten Videowettbewerb zur Photokina von über 1100 Einsendungen zu den 30 besten Streifen.
Helmut Savini ist mittlerweile seit 30 Jahren ein sozial überaus engagierter und verdienter ehrenamtlicher Mitarbeiter. Er dürfte somit einer der am längsten in Bayern, vielleicht in ganz Deutschland, noch tätigen ehrenamtlichen Mitarbeiter in einer Justizvollzugsanstalt sein. Auf Grund seiner langjährigen, uneigennützigen ehrenamtlichen Tätigkeit im bayerischen Strafvollzug hat Helmut Savini von der Augsburger Allgemeinen im März 2000 die begehrte Auszeichnung der „Silberdistel" erhalten. Des Weiteren erhielt er für seine besonderen Verdienste von der Staatsregierung die Bayerische Justizmedaille.
Die Organisation des Abends oblag, wie in den Jahren zuvor, Sozialamtsrat Werner Stapf, der für die Ehrenamtlichen Ansprechpartner und Kontaktperson ist. Für das leibliche Wohl sorgten die beiden Hauptsekretäre im JVD Harald Berres und Hubert Hörmann mit verschiedenen Grillspezialitäten.
Bei Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit gibt Werner Stapf Auskunft unter der Tel.-Nr. 09090 / 706-141 und auch per e-mail: werner.stapf@jva-nsf.bayern.de.


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Termine

Augsburger Gespräche 2007
Samstag, 12. März 2007, 9:00 bis 17:00 Uhr
Kloster St. Stephan in Augsburg

Straubinger Tagung 2007
vom 6. Juli bis 8. Juli 2007
Justizvollzugsschule Straubing

Mitgliederversammlung 2007 / Wahl
15. September 2007, 10:00 Uhr
in Augsburg
Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhof


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Werte sind Leitplanken auf

dem Weg in die Zukunft

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© LAG 2006-11-15