Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 57


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LAG-Info 57       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Jugendvollzug neu regeln
Nachruf Dr. Jürgen Thomas
Jugendtherapiezentrum
P. Gregor Helms
Jugendliche brauchen ...
Labile Übergänge
Kunst / Kunsttherapie
Meine These: ...
Diplomarbeit
Straubinger Tagung 2006
Leseprojekt im Jugendarrest
Lust und Frust
Aus der Sicht eines Türangels
JETZT
Eine Frage am Rande:
Rundfunkgebühren
BGH Resozialisierung
Staatskanzlei
Arbeitslosigkeit
Jugendstrafvollzug
Aus den Regionen
- Landshut
- Nürnberg
- Ehrung: Hannelore Stingl
- Justizmedaille K. Kadagies
- Amberg
- Sommerfest Erlangen
- 35 Gefangenenchor
- Sommerfest Ebrach
- Videoinstallation Ebrach
- Vortrag W. Geyer, Ebrach
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Einen engagierten Mitstreiter, der über Jahre in der JVA Straubing - Schachclub, CD-Sponsor, Einzelbetreuungen - sehr, sehr aktiv unterwegs war, ist gestorben. In Ehrfurcht verneigen wir uns vor Dr. Jürgen Thomas.

Jugendstrafvollzug eine gesetzlose Angelegenheit? Nun so scheint es neigt sich dieser Zustand in geregelte Bahnen.

Was wir dazu beitragen können? Wir könnten unsere Ideen und Vorschläge einbringen, um so die ehrenamtlichen Möglichkeiten des Gesetzes auszuschöpfen. Unsere Hinweise könnte so Eingang in die Verwaltungsvorschriften finden.

Blättern Sie im Heft und lassen Sie sich anstecken von den viele, sehr unterschiedlichen Aktionen und Veranstaltungen.

Ganz besondere Anerkennung und Würdigung gebührt unseren Ausgezeichneten: Hannelore Stingl und Katharine Kadagies. Herzlichen Glückwunsch und Dank für die Leistungen im Ehrenamt. Das Leseprojekt im Jugendarrest ist sicher für Engagierte im Jugendstrafvollzug einen „Hingucker“ wert.

Für die verbleibende Urlaubs– und Ferienzeit wünsche ich Ihnen noch gute Erholung.

Auf Wiedersehen in Augsburg!

Ihr

Norbert Merz


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Jugendstrafvollzug muss neu geregelt werden

Die Welt:
Der Jugendstrafvollzug steht vor der umfassendsten Reform seit Jahrzehnten.

Karlsruhe - In einem am Mittwoch verkündeten Grundsatzurteil erklärte das Bundesverfassungsgericht die aktuelle Praxis für grundgesetzwidrig. Es wies Bund und Länder an, die Regelungen zur Jugendhaft bis Ende 2007 auf eine neue Rechtsgrundlage zu stellen.
Bei Jugendlichen wirkten sich Freiheitsstrafen "besonders einschneidend" aus, betonten die Richter des Zweiten Senats in Karlsruhe. Daher müsse ein Gesetz auf die besonderen Anforderungen der Haft für Jugendliche zugeschnitten sein. Dazu gehörten spezielle Regeln für die körperliche Bewegung, zur Zahl der Familienbesuche und zu den Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.
Bisher ist der Strafvollzug von Jugendlichen nur mit wenigen Paragraphen im allgemeinen Strafvollzugsgesetz geregelt. Ansonsten greifen die Haftanstalten auf Verwaltungsvorschriften zurück. Dies reichte den Richtern in Karlsruhe nicht aus. Das Bundesverfassungsgericht ließ offen, ob die gesetzliche Regelung Sache von Bund oder Ländern ist.
DW
Artikel erschienen am 1. 6. 06

TAZ:
Ein spezielles Gesetz

Wenn der Staat junge Menschen inhaftiert, übernimmt er eine ganz besondere Verantwortung. Denn er interveniert in einer Phase, in der sich die Persönlichkeit noch bildet. Daran erinnerte gestern das Bundesverfassungsgericht und forderte ein spezielles Gesetz für den Jugendstrafvollzug. Bis Ende 2007 hat der Gesetzgeber Zeit, die Anforderungen aus Karlsruhe umzusetzen.
Geklagt hatte der 20-jährige Karol R. Er sitzt in der Justizvollzugsanstalt Siegburg (Nordrhein-Westfalen) eine 9-jährige Jugendstrafe wegen Mordes ab. Nach einer Schlägerei in der Anstalt bekam er als zusätzliche Disziplinarstrafe u.a. eine 14-tägige Fernsehsperre. Außerdem wurde sein Briefverkehr routinemäßig überwacht. Doch gegen beide Maßnahmen erhob R. mit seinem Anwalt Verfassungsbeschwerde, da eine gesetzliche Grundlage fehle. Bisher ist der Strafvollzug von Jugendlichen und Heranwachsenden nur mit wenigen Paragrafen im allgemeinen Strafvollzugsgesetz geregelt. Ansonsten greifen die Haftanstalten auf spezielle Verwaltungsvorschriften zurück. Das reicht nicht aus, entschied gestern der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts.
Junge Straftäter brauchten keine „Light-Variante" des Erwachsenenstrafvollzugs, sondern Haftbedingungen, die auf ihre spezifische Situation eingehen, erklärten die Karlsruher Richter. So seien Jugendliche deutlich strafempfindlicher. „Das Zeitempfinden Jugendlicher ist anders als das Älterer. Typischerweise leiden sie stärker unter der Trennung von ihrem gewohnten sozialen Umfeld und unter dem erzwungenen Alleinsein", heißt es in der Begründung.
Schon seit 30 Jahren ist dieser Mangel bekannt - und nach der mündlichen Verhandlung Anfang März war klar, dass die Richter ein eigenes Gesetz für die Jugendgefängnisse fordern werden. Gespannt waren Beobachter nur noch, wie konkret die inhaltlichen Vorgaben sein werden. Und hier war Karlsruhe ziemlich deutlich: „Der Staat muss den Strafvollzug so ausstatten, wie es zur Realisierung des Vollzugsziels erforderlich ist", heißt es mit Blick auf die überall spürbare Sparpolitik.
Gefordert werden von den Richtern eine „ausreichende pädagogische und therapeutische Betreuung", „ausreichende Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen" sowie gezielte Entlassungsvorbereitungen. Am konkretesten wurde das Gericht, als es die Unterbringung „in kleineren Wohngruppen, differenziert nach Alter, Strafzeit und Straftaten", besonders hervorhob. Außerdem müsse die Zahl der „ Besuchsmöglichkeiten für familiäre Kontakte" ein Mehrfaches über der für erwachsene Gefangene liegen.
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte gestern noch im Gericht, dass sie bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf in der Schublade habe. Bisher war dieser allerdings nicht eingebracht worden, weil die Länder ein Veto im Bundesrat androhten. Die Länder wollten zum Beispiel jede gesetzliche Festlegung auf Ausbildungsquoten und Wohngruppengrößen vermeiden, weil letztlich sie die Kosten für die Gefängnisse tragen. Ob es überhaupt noch ein Bundesgesetz über den Jugendstrafvollzug geben wird, ist allerdings zweifelhaft. Nach der geplanten Föderalismusreform werden die Länder ab dem Sommer nicht nur für die Verwaltung der Gefängnisse, sondern auch für die Gesetzgebung zuständig sein.
Karol R., der Kläger, hat nun zwar gesetzliche Regelungen erzwungen, seine Verfassungsbeschwerde wurde aber dennoch abgelehnt. Denn bis Ende 2007 bleiben „unerlässliche" Disziplinarmaßnahmen und Postkontrollen auch ohne Gesetz zulässig. Dem Kläger war's vermutlich egal. Er war nur von dem Herforder Amtsrichter Helmut Knöner zur Klage überredet worden, weil Karlsruhe dessen Richtervorlagen bisher immer als unzulässig abgelehnt hatte.
taz vom 1. 6. 2006, S. 2, 132 Z. (Portrait), Christian Rath


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  Jugendtherapiezentrum - JTZ
Die Justizvollzugsanstalt Neuburg-Herrenwörth, schon immer beispielhaft für den Jugendstrafvollzug und die damit verbundenen Behandlungsmaßnahmen, setzt noch eins drauf. In einem Gespräch Ende Mai, das in der JVA Neuburg-Herrenwörth im Rahmen der Vorbereitung auf die „Augsburger Gespräche 2007“ stattfand, erläuterten Regierungsdirektor Hans-Uwe Worliczka und Sozialinspektor Stefan Trapp die Konzeption und das Programm des Jugendtherapiezentrums, das durch Frau Staatsministerin der Justiz, Dr. Beate Merk, initiiert, unterstützt und begleitet wird.

Therapieprogramm im Überblick
  Einzeltherapie 1 Std. pro Woche
  Gruppentherapie 3 Std. pro Woche
  Soziales Kompetenz Training 3 Std. pro Woche
  Rückfall Prävention 2 Std. pro Woche
  Kreativtherapie 2 Std. pro Woche
  Sportgebot 2 Std. pro Woche
  Freizeitgruppe 2 Std. pro Woche
  Arbeit/Ausbildung halbtags
  Projektarbeit 6x3 Tage pro Jahr

Das multimodale Behandlungskonzept zielt auf
die Bearbeitung kriminogen relevanter Defizite unter Nutzung des vorhandenen prosozialen Potentials,
sowie auf eine Rückfallprophylaxe in Verbindung mit dem Aufbau eines protektiven Netzwerkes nach der Haft

Das therapeutische Team
Das therapeutische Team setzt sich zusammen aus:
  Leiter, Diplom Psychologe/appr.
  Psychotherapeut
  Behandelnde Psychotherapeutin (Dipl. Psychologin)
  Hausdienst-Leiter
  Betreuungsbeamte
  Pädagogische Leiterin, Dipl. Sozialpäd. (FH)

Teilnehmer
werden bereits erheblich straffällig gewordene, jugendliche und heranwachsende Gewaltstraftäter mit massiven sozialen Defiziten weiteren Risikofaktoren mit potentieller Rückfallgefährdung sein

Aufnahmekapazität: 8 Teilnehmer

Verweildauer: mindestens 9 Monate

Ausschlussgründe:
mangelnde Therapiefähigkeit, massive Suchtproblematik, Verurteilung wegen Sexualstraftat, U-Haft, vorgesehene Abschiebung

Die Wohngruppe
Die Wohngruppe erlaubt als soziales Lernfeld die konkrete Umsetzung von erworbenen Kenntnissen und Kompetenzen. Dazu bedarf es eines grundsätzlich wertschätzenden und normorientierten Wohngruppenklimas.

Einzel- und Gruppentherapie
Einzeltherapie
Mit jedem Teilnehmer werden individuelle Ziele vereinbart. Sie beziehen sich meist auf den Umgang mit Gefühlen, auf die Verarbeitung prägender Erlebnisse im Zusammenhang mit aktuellen Verhaltensmustern.
Gruppentherapie
Sie steht im Zentrum der deliktorientierten arbeitstherapeutischen Arbeit. Die Auseinandersetzung mit der Gewaltstraftat sowie den Persönlichkeitsanteilen und problematischen Verhaltensweisen zielt auf Verantwortungsübernahme und Veränderung.
Rückfallpräventionsprogramm
Es handelt sich um ein kognitiv-behavioriales Behandlungsangebot, welches das Bewusstsein für konkrete Probleme in Freiheit schärfen und geeignete Strategien vermitteln will, um das Rückfallrisiko zu minimieren.

Sozialpädagogische Behandlungsangebote 
Soziales Kompetenztraining 
Im SKT werden die Rolle des Einzelnen in der Gruppe und sein Selbst- und Fremdbild reflektiert sowie Grundlagen der Kommunikation vermittelt. Verhaltensbereiche, wie Selbstpräsentation / Bewerbung Abgrenzung / Durchsetzung und Konfliktlösung mit sozial verträglichen Mitteln, werden gezielt trainiert.
Kreativtherapie
Mit kunsttherapeutischen Arbeitsweisen soll die Ausdrucksfähigkeit der Teilnehmer gefördert werden. Lebensthemen kommen auf der Symbolebene zum Ausdruck und werden kommunizierbar.
Projektarbeit
Suchtprojekttage dienen der Auseinandersetzung des Umgangs mit Suchtmitteln in Freiheit
Sexualpädagogische Projekttage beinhalten Aufklärung sowie die Reflexion des Frauenbildes und der eigenen Männerrolle
Zukunftswerkstatt will Ziele / Strategien erarbeiten und Ressourcen aktivieren für eine gelungene Zukunft
Stressbewältigungstraining will Entspannungsverfahren und Selbststeuerungsstrategien vermitteln.
Sport / Freizeitgruppen Sport und eine Freizeitgruppe als Betreuungsangebot bilden ein zusätzliches Lernfeld für soziales Miteinander.

Veröffentlichung mit Genehmigung der JVA-Leitung


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  Jugendliche

... brauchen Ziele, Vertrauen, Chancen, Ausbildung, Verlässlichkeit, Einsicht,
    Umgangsformen, Verständnis, Begleitung, Geduld, Leitlinien, Orientierung,
    Anerkennung, Anleitung.
... müssen erkennen, dass sie Opfer produziert, Unrecht begangen haben,
... müssen lernen, mit Misserfolgen umzugehen,
... müssen sich Klarheit über Werte und Unwerte verschaffen,
... müssen einen festen Ankerplatz haben.
... müssen das Gefühl haben „Ich bin wer!“
... müssen fühlen können, dass sie erwünscht, willkommen sind!
Jugendliche brauchen viel, viel Liebe und Zuwendung!


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Diplomarbeit

Identitätskonstruktionen im Strafvollzug

Diplomarbeit an der Universität Bamberg
Von Esther Vornholt

Im Rahmen der Diplomarbeit wurden jugendliche und heranwachsende Inhaftierte betrachtet, die eine längere Haftstrafe zu verbüßen hatten. Dabei interessierte insbesondere die Identitätsbildung, als eines der zentralen und quasi übergreifenden Probleme des Jugendalters. Der theoretischen Modellskizze liegen 16 narrative (erzählender Stil) Interviews zugrunde.

Die Auswertung ließ dabei erkennen, dass die begangene(n) Straftat(en) eine große Bedeutung für das jeweilige Selbstbild junger Inhaftierter erlangen, mit deren Hilfe die eigene Identität stabilisierbar erschien und durch den institutionellen „Strafvollzug“ intensiviert wurde.
Es zeigten sich folgende „typische“ Muster.

Die „Gespaltene Persönlichkeit“
Unter dem Synonym „Gespaltene Persönlichkeit“ markiert die begangene Straftat einen biographischen Konflikt und einen fundamentalen Bruch mit dem bisherigen Selbstbild. Charakteristisch ist dabei die moralische Bewertung der eigenen Handlung, die mit starken Schuld- und Schamgefühlen einhergeht und auf die erhebliche Belastung einer Verantwortungsübernahme verweist. Eine temporäre Entlastung sowie ein (imaginäres) Gefühl der Selbstkohärenz bewirken Interpretationen, welche die einmalige (!) Straftat als unkontrollier-bares Widerfahrnis deklarieren, wenngleich die Jugendlichen auf der Suche nach der Ätiologie ihres kriminellen Handelns sind, wobei die Inhaftierung diese „Selbstsuche“ und „Ruhephase“ ermöglicht. Über die Kriminalisierung der Mitinsassen wird zudem die eigene Normalitätsver-ankerung sichergestellt.

Die „Kriminelle Persönlichkeit“
Bei diesen Jugendlichen zeigt sich, dass die abweichenden Handlungen als personenzugehörig definiert werden, also ein fester Bestandteil des Selbstbildes sind. Es lässt sich eine langjährige Kontinuierlichkeit krimineller Handlungen ausfindig machen, was folglich die „Normalität“ symbolisiert und legitimiert. Die Jugendlichen sehen sich diesen kriminellen Impulsen einerseits zwar hilflos ausgeliefert oder verweisen auf ungünstige sozial-kulturelle Situationen. Gleichzeitig stehen die Handlungen aber unter einem selbstbestimmten Vorzeichen, zumal ihnen bestimmte Eigenschaften (Professionalität) attestiert werden und positive Konsequenzen damit einhergehen, beispielsweise in Form von Stolz, materieller Bereicherung, Anerkennung. Dies wird erneut mit spezifischen Deutungsmustern angereichert, welche die kriminellen Handlungen als „Partyspaß“ auszeichnen oder eine normative Aufladung dahingehend erfahren, dass gerade die Missachtung gesellschaftlicher Normen als Motivationsquelle in Erscheinung tritt.
Die (bewusste) Abweichung von den gesellschaftlich erwarteten Verhaltensanforderungen zeigt sich jedoch darin, dass die Inhaftierten mit den verschiedensten Neutralisierungstechniken hantieren, um ihr Handeln zu erklären. Wesentlich ist dabei, dass die vorangegangene Opferhandlung (Provokation) oder aber dessen nachfolgende Verhaltensweise („Verraten“), gepaart mit dem Zufallsfaktor die Straftat erklären bzw. den Inhaftierungsgrund liefern und weniger das eigene (selbstbestimmte) Agieren. Schuldgefühle existieren nur rudimentär und werden zudem durch erfahrene Demütigungen während der Haftzeit ausgeglichen. Eine Auseinandersetzung mit den abweichenden Handlungen ist nicht erforderlich, zumal die Inhaftierung die eigene „kriminelle Entwicklung“ nur zu fördern vermag, wobei hier insbesondere auch die fehlenden externen Unterstützungsressourcen auffallend sind. Vor diesem Hintergrund wird sodann die hohe Anpassungsbereitschaft an die Insassenkultur verständlich, gepaart mit den vertrauten Handlungsstrategien, über demonstrative Gewaltbereitschaft Respekt und Anerkennung einfordern zu können.

Die „Veränderte Persönlichkeit“
Dieser Typus zentriert einen Wandlungs- und Entwicklungsprozess, mit dessen Hilfe die frühere kriminell handelnde Persönlichkeit auf Distanz gehalten wird. Der Strafvollzug initiierte dabei diesen biographischen Wendepunkt, an dessen Ende die nun einsichtige und vernünftig handelnde Persönlichkeit steht und dies in doppelter Hinsicht: Auf einer äußerlichen Ebene werden die objektiven Änderungen beschrieben, die mit der Inhaftierung im Zusammenhang stehen, beispielsweise berufliche Qualifikationen. Hingegen finden sich auf einer inneren Ebene soziale Abgrenzungsprozesse im Hinblick auf die ehemalige Gruppenzugehörigkeit, gepaart mit dem Ausstieg aus dem kriminellen Dasein, sowie die neuen Wertvorstellungen und Orientierungen eines normkonformen Lebensstils. Wichtig ist dabei, dass diese Jugendlichen über externe soziale Unterstützungsressourcen verfügen, die anhand informeller Sanktionsmöglichkeiten den Wandlungsentschluss zu fördern vermögen. Der Strafvollzug als Kontext der Identitätsbildung übernimmt folglich wichtige Stabilisierungsfunktionen, allerdings gehen damit auch negative Erfahrungen wie Deprivationen, Handlungsdegradierungen oder zukünftige Stigmatisierungsbefürchtungen, welche die eigenen Hoffnungen auf ein späteres gelingendes, d.h. normkonformes Leben beeinträchtigen, einher. Paradoxerweise wird aber gerade die Rigidität und ein gewisses Maß an Druck seitens des Strafvollzugs als positiv interpretiert, um die Ernsthaftigkeit der Verhaltensänderung zu begreifen.

Fazit: Tendenzen der Identitätskonstruktionen im institutionellen Kontext
Es lässt sich zusammenfassend ein fundamentales Bedürfnis der jungen Strafgegangenen festhalten, sich auf einer moralischen und entwicklungsorientierten Basis von dem gegenwärtigen institutionell bedingten sozialen Umfeld abzugrenzen. Dabei obliegt diesen Abgrenzungs- und Abwertungsvorgehen in hohem Maße eine sinnstiftende und identitätsstabilisierende Funktion und vermag den eigenen psychischen Erlebenszustand in einer ausgewogenen Balance zu halten.
Die „Einsperrung“ in einer totalen Institution bedeutet immer auch eine Ausgrenzung vom „normalen“ sozialen Leben und die Erfahrung einer Haftstrafe kommt zumindest anfänglich einer existenziellen Selbstentfremdung gleich. Die jungen Inhaftierten spiegeln von diesem Standpunkt aus betrachtet folglich das gleiche Verhalten, was ihnen die Gesellschaft vorlebt, an ihrer sozialen Welt der Mitgefangenen wider. Sie haben aufgrund ihrer Straftat oder
„Kriminalität“ und der daraus resultierten Inhaftierung einen Status erworben, der sie von der umgebenden „normalen“ Gesellschaft unterscheidet und dies gegenwärtig, wie auch in zukünftiger Hinsicht.

Die Identitätsbildung gestaltet sich in dieser Situation als ein Krisenmanagement, dessen Sicherungsleine der Selbstinszenierung dennoch die Normalität darstellt, da inmitten dieser Unsicherheit, die mit den Ab- und Ausgrenzungserfahrungen gepaart ist und mit einer Autonomieproblematik einhergeht, zumindest eine imaginäre Sicherheit durch die Zugehörigkeit zu den „Anderen“ im Sinne der „Normalen“ erlangt wird. Das Streben nach Normalität und der darin eingelagerte Normalisierungsabgleich in der Selbstinszenierung erscheint somit als erfolgsversprechende (Integrations-)Lösung. Wobei sich mit dieser Interpretation gleichzeitig die Frage auftut, wie die Subjekte nach ihrer Inhaftierung mit den an sie herangetragenen gesellschaftlichen Anforderungen oder Erwartungen umgehen und ganz konkret: Mit welchen (Entlastungs-)Strategien sie möglicherweise operieren, um die jeweilige normalitätsfundierte Selbstbildkonstruktion aufrechterhalten zu können ohne auf das institutionell bedingte soziale „Abgrenzungsumfeld“ zurückgreifen zu können.


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Straubinger Tagung 2006

Ganz nebenbei, gearbeitet im Sinne unserer Zielsetzung wurde auch noch!
Prof. Dieter Engelhardt begeisterte uns mit „Die Rolle und Funktion des ehrenamtlichen Mitarbeiter: Ein Baustein für die Zukunft des Inhaftierten“
Hier einige Eckpunkte seiner Ausführungen:
Straffälligkeit hat zwei wesentliche Wurzeln als Hintergrund:
- Lebenserschwernisse und Lebensprobleme sowie Risikosituationen
- Kompetenzmängel, Fehlorientierungen, FehleinsteIlungen
1. Idealisierung der Außenwelt - Dämonisierung der Gefängniswelt
2. Kommunikative Beschränktheit und drohender Horizontverlust
3. Selbstwertprobleme Straffälliger und Inhaftierter
4. Ich-Zustände und Psychospiele

Empfehlungen für ehrenamtliche Betreuung
  1. Mache dir bewusst, dass es nicht normal, ist straffällig zu werden und inhaftiert zu sein. Es ist mehr als nur „Pech" oder „Blödsinn gemacht".  Behandle den Straffälligen aber wie einen normalen Menschen, mit den gleichen Erwartungen, sonst kann er nicht normal werden.
  2. Begrenze Gefängnisthemen und führe statt dessen Themen der Außenwelt und Lebensthemen ein.
  3. Überprüfe angebotene Rollen, ob sie fruchtbar sind und zu was sie führen. Es ist immer mehr dein klarer Verstand gefragt als ein
    Übermaß von Emotion
  4. Gegenüber auffallendem Selbstmitleid ist große Skepsis angebracht. >Dahinter steht in der Regel Selbsttäuschung und die Erlaubnis zur Untätigkeit.
  5. Ermutige den Inhaftierten zur vernünftigen Gestaltung seiner Haftzeit. Wer erst draußen etwas Vernünftiges tun will, hat wenig Chancen.
  6. Gib dem Gefangenen Signale, die sein Selbstwertgefühl stützen und zeige, dass du bereit bist, Positives an ihm zu sehen und Positives von ihm zu erwarten.
  7. Vergiss nicht darüber, was der Gefangene will, das, was er braucht.
  8. Mute dem Gefangenen die Wahrheit und Konflikte zu und hüte dich vor falschen Tröstungen und Versprechungen.
  9. Gib Signale deiner Unabhängigkeit und Stabilität und dass du auch deine Bedürfnisse kennst und diese berücksichtigen kannst.
  10. Lass die Verantwortung für sein Leben beim Inhaftierten und mache dir bewusst, das deine Aufgabe es lediglich ist, erfolgversprechenden Beistand anzubieten. Und das ist schon viel.

Psychohygienische Folgerungen aus dem individualpsychologischen System

  1. Förderung positiver Selbstbewertung
    - Erfolgserlebnisse (kleine Schritte, kleine Ziele)
    - Erfolg sichtbar machen vor sich selbst und anderen
    - Ausschöpfen positiver Fähigkeiten in der Person
    - Selbstbelohnung und Selbstrespektierung
  2. Kontakt- und Tätigkeitsniveau steigern (Reduktion der Frustrationsgefahr)
  3. Senkung der Ansprüche (Erwartungsreduziertheit ermöglicht selbstbestätigendes Erleben)
  4. Mitmenschliche Verbreiterung (Probleme und Schwierigkeiten deklassieren nicht, sondern sind Lebensbestandteile aller Menschen)
  5. Gemeinschaftsbezogenes Verhalten
    - Einsicht in die Notwendigkeit von Zuwendung, Anerkennung
    - Tätige Hilfsbereitschaft
    - Positives Sozialverhalten, das andere in gleicher Weise berücksichtigt wie die eigene Person
  6. Rollenvielfalt und Flexibilität (Fähigkeit, unterschiedlichen Lebenssituationen gerecht zu werden)

Interessant auch
Das individualpsychologische Störungsmodell
und
Gesichtspunkte der Transaktionsanalyse.

Alles in allem war der Auftritt des Prof. Dieter Engelhardt ein großer Erfolg.


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Leseprojekt im Jugendarrest

Von und mit Lilli Kaul

Das Freizeitverhalten dieser Jugendlichen im Alter von 14 – 21 Jahren wird meist bestimmt durch Computerspiele oder „Abhängen“ mit Freunden. Lesen von Büchern, Zeitschriften oder Tageszeitungen spielt dabei kaum eine Rolle. Viele geben an, noch nie ein Buch gelesen zu haben.
Gerade in der JAA bietet sich nun die Gelegenheit, an das Lesen heranzuführen, um es als bereichernd zu empfinden. Genügend Zeit ist vorhanden, der Umgang mit Medien und Computern ist nicht möglich.
Bei der Auswahl des Lesestoffes ist zu bedenken, dass es für viele Jugendliche das erste Buch ist, das sie lesen. Folglich muss der Inhalt die Jugendlichen ansprechen, Identifikationsmöglichkeiten bieten und darf ihre sprachliche Kompetenz nicht überfordern.
Der Roman „Knallhart“ von Gregor Tessnow, erschienen im Verlag Carl Ueberreuther, 2006, bietet dies und wurde als Gruppensatz von der JAA angeschafft. Er beschreibt den Abstieg eines 15-jährigen Jungen, sein Abrutschen in die Jugendkriminalität.

Zum Inhalt:
Seit Klaus, der Geliebte seiner Mutter, die beiden rausgeschmissen hat, fühlt sich Michael Polischka wie im falschen Film. Statt Villa im Berliner Nobelviertel Zehlendorf heißt es jetzt Bruchbude in Neukölln. Auf der neuen Schule stellen ihn Erroll und seine Gang gleich vor die Wahl: Zahlen oder Terror. Da scheint ein Einbruch in Klaus Villa ein Ausweg zu sein. Richtig gut wird das Ganze aber erst wieder, als Michael den Dealer Hamal kennen lernt. Er wird dessen Drogenkurier und erhält dafür Hamals Schutz. Doch da beginnen neue Schwierigkeiten, die in einer Katastrophe enden.
Inhaltlich bieten sich viele Diskussionspunkte, die den Jugendlichen in keiner Weise fremd sind, wie u. a. Jugendkriminalität als Überlebensstrategie, mangelnder Rückhalt von Bezugspersonen, Problemlösung durch Gewalt.
Bei der praktischen Durchführung mit einer Gruppe von acht Arrestanten erfolgte der Einstieg durch Zeitungsartikel und Fotos, welche die aktuelle kritische Situation in Neukölln deutlich machen und die im März 2006 durch die gesamte Presse gingen. Den meisten Jugendlichen war diese Sachlage bekannt.


Die ersten Kapitel wurden vorgelesen und inhaltlich von den Jugendlichen zusammengefasst. Schon dieser Schritt war etwas völlig Neues und sehr Intensives für die Arrestanten, die ein Vorleseerlebnis nicht kannten. Spannung hatte sie erfasst und nach kurzer Zeit wollten sie den Roman ausleihen und selbst weiter lesen. Es wurde vereinbart, dass alle das Buch bis zur nächsten Gruppenstunde lesen. Beim nächsten Gruppentreff erzählten sie, wie sehr sie von dem Buch gefesselt waren, sodass sie es meist in einem Stück gelesen hatten.
Ausführlich wurden nun verschiedene inhaltliche Problemstellungen diskutiert, wobei sie ihre eigenen Erfahrungen mit einbrachten.
Der Roman kam bei den Jugendlichen sehr gut an, Lesen wurde als spannend und unterhaltsam empfunden. Deutlich wird der Erfolg dieses Buchprojektes auch dadurch, dass die Arrestanten einerseits das Buch weiterempfohlen und weiter verliehen haben, andererseits nach Büchern ähnlichen Sujets nachgefragt haben.
Abschließend ist auf die Verfilmung des Romans durch Detlev Buck hinzuweisen, demnächst wird die entsprechende DVD erscheinen.
Dieses Projekt wird in zeitlichen Abständen in der JAA Nürnberg immer wieder durchgeführt.

Einige Kommentare der Jugendlichen:
Halil: Michael hat keine Chance gegen die Gang, er müsste weg ziehen.
Robert: Er hätte sich nicht wehren dürfen.
Marco: Das ist total spannend, ich konnte es nicht mehr weg legen. Ich wusste nicht, dass Lesen Spaß macht.
Erwin: Ich stehe auf der Seite von Michael. Michael ist das Opfer von Erroll, dann wird er selbst Täter.



Die sehr erfolgreiche, ehrenamtlich betreute Gruppe in der Jugendarrestanstalt Nürnberg wurde von Lilli Kaul* im März 2004 aufgebaut und seit dieser Zeit regelmäßig mit unterschiedlichen Angeboten (heute „Leseprojekt“) durchgeführt. Die jeweils acht Teilnehmer sind zwischen 14 und 21 Jahre alt und befinden sich maximal 4 Wochen im Dauerarrest.

*) Lilli Kaul ist verheiratet, hat eine Tochter, ist von Beruf Lehrerin und ehrenamtliche Mitarbeiterin des AK Reso Nürnberg
(siehe auch LAG Info Nr. 48).


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Lust und Frust

Lust und Frust aus 30 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeit im Strafvollzug

30 Jahre,   die ich nicht missen möchte.
                die meinen Horizont erweitert haben.
                die mir einen kleinen Einblick in die menschlichen Problemzonen
                erlaubten.
                die mir ganz klar den Einfluss des gesellschaftlichen, familiären
                und sozialen Umfeldes auf einen Menschen aufzeigten.
30 Jahre,   die mir die Möglichkeit gegeben haben, ein ganz klein wenig an der
                 Veränderung unserer Gesellschaft mitzuwirken.
                die mich erleben ließen, dass die Menschen aufeinander
                angewiesen sind, dass der Mensch den Nächsten braucht, und 
                dass wir nicht wegschauen dürfen, sondern aufmerksam machen
                und Zivilcourage beweisen müssen.
                die mir aber auch Ohnmacht und Hilflosigkeit vermittelten.
                die mir klar werden ließen, dass ich nur begleiten, anregen, 
                Beispiel sein kann, mein Gegenüber jedoch die Leistung einer 
                Veränderung ganz alleine vollbringen muss.
30 Jahre,   die mir bewusst machten, dass Zusammenarbeit, gegenseitige
                Wertschätzung, Zusammenwirken mit allen am Vollzug Beteiligten 
                extrem wichtig und bedeutend sind.
                die mich mit Betrügern, gewaltbereiten Menschen, Mördern,
                Pädophilen, Vergewaltigern und kleinen Ganoven konfrontierten.
                die mich lehrten meine Erwartungen zu zähmen, mit Ratschlägen 
                sparsam zu sein und mir vermittelten, dass Zuhören die wichtigste
                Tugend ist.
                die mir aber auch bewiesen, dass fördern sehr viel mit fordern zu
                tun hat.
30 Jahre,   die mir Gott schenkte, auf einer nicht alltäglichen „Baustelle“ mit-
                zuwirken.

Ich danke allen, die mir all das ermöglichten. Allen voran danke ich meiner Frau und meinen vier Kindern, die mich die Zeit und das Geld aufwenden ließen und mir den Rücken freigehalten und enorme Kraft gegeben haben. Sie bestärkten mich in meinem Tun und Engagement.
30 Jahre ehrenamtliches Wirken waren für mich Bereicherung mit viel „Lust“ und ganz, ganz wenig Frust, es waren und sind für mich die schönsten Aufgaben: Mensch für Mensch. Gott sei Dank!                                    NM


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Aus der Sicht eines Türangels

Wenn sich eine Tür lautlos öffnet und wieder schließt, dann ist das normal. Niemand denkt sich etwas dabei. Nur wenn es einmal klemmt oder quietscht, werden wir aufmerksam und je nach Temperament ärgerlich. In unserer JVA gibt es fünf Außentüren. Die Bediensteten an den Toren, die Schulbeamten und eine ganze Reihe anderer Bediensteter des Allgemeinen Vollzugdienstes haben die Funktion von Türangeln. Sie sorgen dafür, dass es nicht nur an den Toren, sondern insgesamt klappt. Hier denke ich auch an die Hin-, Zurück- und an die Aufsichtführung.

Wolfgang Fischer, JVA Nürnberg.
Zitiert aus der Jahresversammlung für Ehrenamtliche 20. 6. 2006


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AK Reso Nürnberg

Hannelore Stingl berichtet, dass der erste Termin für das neue Projekt „Kochkurs“ der WM zum Opfer gefallen ist und nun im Herbst anlaufen wird.

Lilly Kaul berichtet von ihrem „Leseprojekt“ im Jugendarrest.

Der Partnertreff erfährt ein zusätzliches Highlight. So treffen sich Hannelore Stingl, Traudl Wel-lein, Gisela Müller und Manuela Fuchs vor jedem Treffen in der JVA (jeder 4. Samstag im Monat) mit den Angehörigen von 9.00 bis 11.00 Uhr zum Frühstücken in der Kraußstraße.
Wieder einmal mehr eine tolle Idee des Partnertreff-Teams.

Diese Informationen wurden der AK Reso - Information Juli 2006 entnommen.


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Wohlverdiente Auszeichnung für Hannelore Stingl

Anlässlich einer Feierstunde in der Historischen Ratsstube im Wolffschen Bau des Rathauses in Nürnberg wurden verdiente Bürgerinnen und Bürger ausgezeichnet.
Bürgermeister Horst Förther überreichte die Urkunden.
Unser Mitglied Hannelore Stingl wurde mit dem wohlverdiente „Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste von im Ehrenamt tätigen Frauen und Männer“ von Bürgermeister Förther ausgezeichnet und geehrt.

Hannelore Stingl war zunächst ehrenamtlich am Klinikum Regensburg tätig. Seit 2001 arbeitet sie im Arbeitskreis Resozialisierung der Stadtmission Nürnberg und engagiert sich auch in der Telefonseelsorge.
Den Lesern unseres LAG-Info ist Hannelore Stingl ob ihres enormen Engagements ein Begriff: „Dienstagsgruppe, Partnertreff mit Kinder-Betreuung und darüber hinaus auch noch Einzelbetreuungen“.


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Justizmedaille für Katharina Kadagies

Katharina Kadagies wurde am Mittwoch, 26. Juli 2006, durch Justizministerin Dr. Beate Merk im Königssaal des Justizgebäudes in Nürnberg die wohlverdiente Justizmedaille verliehen.
Mit dieser Ehrung wird ein herausragendes Engagement gewürdigt. Über Jahre besuchte Katharina Kadagies Gefangene, die zu lebenslanger Strafe verurteilt wurden. Schon kurz nach der Entlassung der von ihr Betreuten hat sie sich bereit erklärt, anderen Gefangenen eine Möglichkeit der Aussprache und Kommunikation anzubieten.
Anerkennung und herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung.

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Hoffest der JVA Erlangen

Das Hoffest ist immer eine Begegnung für die Probanden und ihre Angehörigen, Ehemaligen, Ehrenamtlichen und Bedienstete der JVA, so auch heuer. Trotz Hitze folgten viele der Einladung. Darunter waren auch mehrere Ehemalige, die immer wieder gern kommen. Ein gutes Zeichen und eine Bestätigung für das Personal und für dessen Arbeit und Einsatz.
Bei Kaffee, Kuchen, kalten Getränken und Grilladen ließ es sich nicht nur gut speisen, sondern auch trefflich unterhalten. Auch die Anstaltsbeiräte ließen es sich nicht nehmen dabei zu sein.

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35 Jahre Gefangenenchor

Veranstaltung der besonderen Art
Zum 35-jährigen Bestehen des Gefangenenchors der JVA St. Georgen hatte die JVA-Leitung in die Anstalt eingeladen.
Serenade im Brunnenhof - Jubiläumskonzert
Unter der Leitung von Peter Cervenec, der auch durch das Programm führte, wurde der Gefangenenchor vom Gospelchor Crazy Singers, vom Posaunenchor Laineck und der Schulband der Johannes Kepler Realschule II musikalisch auf hervorragende Weise unterstützt.
An den anschließenden Gesprächen durften auch die Mitglieder des Gefangenenchores teilnehmen, so dass sich auch für den einen oder anderen der Gäste eine vielleicht neue Welt und Sichtweise erschloss.


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Sommerfest mit besonderem Charme

JVA Ebrach
Regierungsdirektorin Renate Schöfer-Sigl hat zum alljährlichen Treffen der Ehrenamtlichen „unter den Arkaden des ehemaligen Klosterge-bäudes“ ein-geladen und alle waren gekommen.
Nicht nur dass der Wettergott das drohende Gewitter vorbeiziehen ließ, nein, aus Schwüle und Hitze wurde ein lauschiger Sommerabend, der von allen bei leckerem Fisch, Spanferkel, Salaten und den unterschiedlichsten Getränken aus der Region trefflich genossen wurde. Bis spät in den Abend hinein wurde geredet, diskutiert und man freute sich über Erreichtes.

In einer kurzen Ansprache würdigte Renate Schöfer-Sigl das Engagement der Beamten, der Fachdienste und vor allem den Einsatz der ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer. Mit einem umgewandelten Zitat von Stefan Nährlich brach-te sie es trefflich auf den Punkt: „Wir brauchen nicht nur gute Bedienstete und funktionierende Organisationen; ein intaktes Gefängnis lebt vom Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Betreuer.“

Oberregierungsrat Dr. Johannes Endres informierte über die verschiedensten Aktivitäten der Ehrenamtlichen, die von Basketball über Schach, künstlerische Aktionen bis zu den Einzelbetreuungen reichen. „Erfreulich“, so stellte er fest, „sei der Zuwachs an bürgerlicher Beteiligung.“

Besondere Höhepunkte dieses Abends waren die Führung durch die arbeits-pädagogischen Werkstätten, die Welturaufführung der Video-Installation „Weg vom Fenster“ und das von Hans Lyer gesponserte Feuerwerk.
Norbert Merz


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„Weg vom Fenster"

Eine Videoinstallation von Andreas Lößlein

Eine Videoinstallation von Andreas Lößlein (ehemaliger Pastoralassistent in der JVA Ebrach) angestoßen und von Beamten, Fachdiensten, Gefangenen und Ehrenamtlichen umgesetzt.
Hier ein Auszug aus Andys (wie Andreas Lößlein von seinen Ehrenamtlichen genannt wird) Rede zur Welturaufführung der Videoinstallation:

Angefangen hat alles damit, dass sich die Fachdienste zum wiederholten Mal überlegt hatten, was sie in der JVA für besondere Angebote machen könnten. Denn in der heißen Phase des Sommers, in der so manche Betriebe geschlossen sind, sind noch mehr Gefangene zusätzlich in ihrer Zelle und schwitzen um die Wette. So gab es Erste-Hilfe-Kurse, Schuldnerberatung und viele andere Angebote. Zusammen mit einigen heute hier anwesenden Ehrenamtlichen plante ich eine Schreibwerkstatt, in der ein Marionettenspiel über das Leben im Gefängnis dargestellt werden sollte.

Ziele waren:

  • sinnvolle Beschäftigung von Gefangenen, die keine Arbeit haben
  • fairer Umgang zwischen Gefangenen aus den drei Häusern: starke
        und schwache
  • Wecken der ihnen eigenen Kreativität
  • konstruktive Auseinandersetzung mit ihrer Situation
  • Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem uniformierten Dienst

    Gerade das letzte Ziel hielt ich für besonders wertvoll. Deswegen bin ich den Kollegen Weidner, Detsch und Volk besonders dankbar, dass sie mitgemacht haben.
    Herr Weidner war bei der inhaltlichen Themenbearbeitung und bei der Betreuung der PC behilflich, Herr Volk machte sich Gedanken über die Gestaltung der Bühnenbilder, Herr Detsch half uns in seinem Betrieb, notwendige Accessoires für die Bühne zu bauen. Dank auch an die Kollegen von Referat 8, die mein Anliegen mit drei PC und Drucker unterstützten.
    Nachdem die Infrastruktur hergestellt war (PC, Pinwände, Bastelmaterialien usw.). kam die Gruppe das erste Mal zusammen.
    Das Ergebnis sollte nicht von außen vorgegeben werden, sondern ein Produkt der Gruppe selbst werden. Deswegen habe ich mir heute auch erlaubt, stellvertretend für die Gruppe der Autoren, einen Teilnehmer von damals mitzubringen. Ich denke, Jürgen, dass du heute da bist, ist symbolisch dafür, dass eure Arbeit nicht übersehen werden kann.
    Der Grundgedanke bei der Themenfindung war: Aus den Erfahrungen des Gefängnisalltages sollen inhaftierte Jugendliche und wenn möglich auch Mitarbeiter/innen ein möglichst authentisches - keinesfalls polemisches - Bild über das Leben in einem Gefängnis darstellen. Die fertige Arbeit sollte in Form eines Marionettentheaterspiels die Möglichkeit bieten, dass Besuche z.B. Schulklassen oder Studienkurse, über das Stück einen Blick hinter die Kulissen einer JVA bekommen. Nach der Aufführung wäre dann die Mög-lichkeit gewesen, mit den Spielern in einem Rundgespräch über das Stück auf das Thema besser einsteigen zu können. Über die indirekte Vortragsform wäre eine schrittweise Annäherung von Besuchern und Betroffenen möglich ge-wesen.
    Zunächst wurde von der Gruppe auf Zetteln alles gesammelt, was sie mit dem Leben im Gefängnis verbanden, sei es der Tagesablauf, seien es besondere Momente, wie Besuche oder Einkauf, seien es angespannte Situationen, wie Erpressung, eine schlechte Nachricht oder Wut und Trauer.
    In der Gruppe wurden dann diese einzelnen Punkte nun nach bestimmten Kriterien wie Gefängnisalltag oder besondere Anlässe gruppiert (geclustert).
    Schließlich wurde in der Gruppe anhand der gesammelten Bereiche ein roter Faden für die Handlung - das sog. Plot - erstellt, nach dem das Stück entstehen sollte.
    Am Ende der Planungsstufe teilte sich die Gruppe in eine Schreibwerkstatt und eine Bühnenwerkstatt auf (Beispiele).

    An dieser Stelle kam es nun besonders auf die Hilfe unserer Ehrenamtlichen an, die sich in den Kleingruppen engagierten und dafür sorgten, dass die Teilnehmenden beim Thema blieben, nicht aus Frust ihre Arbeit einstellten oder sonstige Störungen auftraten. Ohne Eure Hilfe wäre das Stück nicht entstanden!
    Leider konnte ich aufgrund der beschlossenen Stellenkürzung nicht weiter daran arbeiten, dass aus dem Skript ein Marionettenstück entsteht. Im Gegensatz zu anderen bin ich sehr wohl der Auffassung, dass dieses Stück sowohl technisch als auch von der Wirkung mit Marionetten zu spielen ist.
    Dass jedoch überhaupt noch ein fertiges Produkt entstanden ist, geht aus meiner Sicht wiederum auf das Konto der Ehrenamtlichen und von Dr. Endres, die hartnäckig dafür eintraten, dass aus dem Anfang ein fertiges Ergebnis geworden ist.
    Aus dieser Perspektive halte ich die damals beteiligten Gefangenen und ihre ehrenamtlichen Betreuerinnen für die geistigen Väter und Mütter dessen, was wir jetzt vorgestellt bekommen. Ich selbst habe das Ergebnis auch noch nicht gesehen und bin mit Ihnen zusammen gespannt, was daraus geworden ist.

    Andreas Lößlein
    Ebrach, 27. 7. 2006

    Freuen wir uns jetzt also auf die Welturaufführung der Erzählung "Weg vom Fenster"


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      Termine

    Mitgliederversammlung 2006
    16. September 2006, 10:00 Uhr
    in Augsburg
    Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhof

    Augsburger Gespräche 2007
    Samstag, 12. März 2005, 9:00 bis 17:00 Uhr
    Kloster St. Stephan in Augsburg

    Straubinger Tagung 2007
    vom 6. Juli bis 8. Juli 2007
    Justizvollzugsschule Straubing


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    Entschuldigen Sie sich nicht, dass Sie im Gefängnis sind.

    Das haben wir schon geklärt, sonst würde ich nicht zu Ihnen hier hereinkommen.

    Verschwenden Sie lieber jetzt, und zwar sofort, Ihre Kraft in der Planung, Gestaltung und Vorbereitung auf Ihr zukünftiges Leben.


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    © LAG 2006-08-27