Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 56


Homepage Regionen Projekt-Bauernhof Aufgaben LAG Info-Broschüre Verein Anschriften Link

Entlassen in die Arbeitslosigkeit

    Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Ist das die Lösung ...
Was und wie machen es ...
Was müssen Betreuer wissen?
Puchinger im ZDF


Bedeutung der Arbeitslosigkeit
Arbeitsamt ...
Hartz IV
Notlüge ...
Grundgesetz §104

Gedanken zur Arbeitslosigkeit
Ärgernis ...
Die verlorenen Generation
Marklerkosten ...
11. Deutscher Präventionstag

Ein Rückblick ...
Werte
Albtraum
Kunst geht durch Mauern
1628 meint

Aus den Regionen
- Kaisheim / München
Rosenheim / Uni Erlangen
- Stadelheim
- Bayreuth
- Nürnberg
- Niederschönenfeld
- Herrenwörth

Empfang in München
Leser schreiben
Newsletter
Bücher
Presseclub

Beitrittserklärung
Termine
Spruch

Seite

3
4
5
6
6

7
8
9
10
11

12
13
13
14
15

19
25
25
29
31

 
35
35
36
37
38
39
39

40
42
47
49
50

57
59
60
 

  Unser Flyer Zurück zur LAG-Info - Übersicht  


 

 

Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Entlassung in die Arbeitslosigkeit? Aber was können wir tun? Die Justizvollzugs-anstalten versuchen mit Qualifizierungsprogrammen die schulischen Defizite auf-zuarbeiten, auf einen Beruf hin auszubilden und charakterliche Unzulänglichkeit aufzuarbeiten.
Wunderbar! Und trotzdem werden einige unserer Entlassenen in die Arbeits-losigkeit, aus der sie nicht mehr herauskommen, gehen.
Was sagen wir diesen Menschen? Der eine oder andere unserer Betreuten wird uns eine Antwort geben. „Dann mache ich dort weiter, wo ich vor meiner Inhaftierung aufgehört habe“, wird er uns antworten.

Als Fan der Augsburger Gespräche sollten Sie sich den 24. März 2007 vormerken. Aber auch den Neulingen der LAG-Info kann ich diese Veranstaltung nur wärmstens empfehlen. Wir werden uns im kommenden Jahr mit der der Frage befassen: Wann beginnt die Wiedereingliederung und wie engagieren sich die Justizvollzugsanstalten in Rahmen des Strafvollzugsgesetzes?“
Sie sollten sich diesen Termin wirklich vormerken und uns unterstützen.
Ihr
Norbert Merz

 

[
Seitenanfang ]


 

Ist das die Lösung ...

Nur weg hier!
Der Traum vom besseren Leben

Sie lassen alles zurück: Arbeit, Familie, viele Freunde, eine gemütliche Wohnung und den Timmendorfer Ostsee-Strand. Anja Riep und ihr Lebensgefährte Michael Kahle zieht es in die Ferne, vielleicht für immer. Ein paar Monate später: Anja hat alle Hände voll zu tun. Seit drei Wochen arbeitet sie in einem Cafe in Los Llanos, von Montag bis Samstag. Der Stundenlohn liegt bei sechs Euro. Die bescheidene Bezahlung ist für sie kein Problem. Sie fühlt sich wohl mit ihren Gästen, sagt: „Ich will hier nicht reich werden, sondern zufriedener."
So die Geschichte in der Film-Dokumentation von Halim Hosny. PHOENIX 25. 1. 2006

GGFA eröffnet Projektbüro „Fifty up“ in der Bogenpassage
Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Arbeit mbH (GGFA) eröffnet im März, inmitten der Stadt, ihr neues Projektbüro „Fifty up“. Die neuen Räume in der Bogenpassage dienen als Treffpunkt für Arbeitslose über 50 Jahre, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekts „Fifty up - Beschäftigungspakt für Ältere in den Regionen“ betreut werden. Zur Eröffnung wird auch Bürgermeister Gerd Lohwasser zu den Gästen sprechen.
Bogenpassage, Nürnberger Straße 35 in Erlangen

Bei der Neuverteilung von Arbeit und Einkommen können nicht alle Besitzstände geschont werden.
Kommt unerwartet, während die Großfamilie sich vor die Tortenteller setzt, eine Schwester mit ihren zwei hungrigen Bälgern zur Tür herein. Was geschieht? Senkt man den Blick und mampft weiter? Nein. Man rückt zusammen, stellt noch drei Teller hin und verteilt den Kuchen neu. Arbeiten ist mehr als Naschen. Zum Beispiel ist nicht einzusehen, dass der eine Lehrer nach sechs Unterrichtsstunden am Japsen ist und die andere Lehrerin nie vor eine Klasse darf; eine Ärztin zum Erschrecken ihrer letzten Patienten Dutzende von Stunden im Dauereinsatz ist, ihrem Kollegen ...; ein Ingenieur seine Kinder kaum mehr sieht und der andere an der Familie seine Wut doch nicht los wird.

 

[Seitenanfang ]


  Was und wie machen es ...

Australien hat schon vor mehr als zehn Jahren umfassende Reformen durchgeführt. Zahlreiche Vorschriften zur Regelung der Arbeitsbedingungen und Lohnverhandlungen wurden hier gestrichen. Der Staat überlässt es nun völlig den Branchen und einzelnen Unternehmen, die Arbeitsbeziehungen zu regeln. Es gibt private Arbeitsagenturen, die ein Profil nach Maß erarbeiten, und Betreuer, die den Arbeitslosen bei allen Fragen und Trainings coachen. Arbeitslose erhalten in Australien eine Vielzahl von Anreizen zur Aufnahme einer neuen Beschäftigung. Zudem werden sie auch stark gefordert. Sie müssen eine Art Tagebuch über Ihre Bewerbungsaktivitäten und Unternehmenskontakte führen. Bei fehlender Eigeninitiative wird die Unterstützung stark gekürzt oder sogar komplett gestrichen. Insgesamt lässt sich mit dem australischen Modell die Arbeitslosenquote sehr gering halten: Sie bewegt sich bei ca. fünf Prozent und in der Regel sind die Menschen nur sehr kurze Zeit ohne Arbeit.

Auch die Niederlande verfolgen ein sehr vielversprechendes Arbeitsmarktkonzept. Die Grundidee der Reformen: Arbeit ist die beste Form sozialer Sicherheit und Akzeptanz. Die soziale Sicherung soll vor allem denjenigen zugute kommen, die aufgrund von Krankheit oder Alter nicht arbeiten können. Berufliche Weiterbildung wird für diese Gruppen von staatlicher Seite stark gefördert. Zusätzlich gibt es auch staatliche Zuschüsse für Unternehmen, die Niedrigqualifizierte oder Langzeitarbeitslose einstellen. Zudem besitzt Zeitarbeit in den Niederlanden einen hohen Stellenwert. Sie wird gezielt eingesetzt, um Menschen in feste Arbeitsverhältnisse zu bringen. Auf der anderen Seite wurde die Arbeitsvermittlung privatisiert und auf die Problemgruppen abgestimmt, der Arbeitsmarkt stark flexibilisiert und dereguliert. Auch hier wurden verschärfte Sanktionsmöglichkeiten für Arbeitslose eingeführt: Wer keine Anstrengung zeigt, eine Stelle zu finden, Arbeitsangebote ausschlägt oder Qualifizierungen abbricht, muss mit hohen Leistungskürzungen rechnen. Auch in den Niederlanden wird mit diesen Reformen die Arbeitslosenquote sehr gering gehalten: 2005 betrug sie im Schnitt rund fünf Prozent.

 

[Seitenanfang ]


  Was müssen Betreuer wissen?

In § 15 SGB I – Auskunft - heißt es unter anderem:
Die Behörden sind verpflichtet, Ihnen den zuständigen Leistungsträger zu nennen. Sie müssen ferner in allen Sach- und Rechtsfragen Auskunft erteilen, soweit sie für Sie von Bedeutung sind.
Und: „Die Auskunftsstellen sind verpflichtet, untereinander und mit anderen Leistungsträgern mit dem Ziel zusammenzuarbeiten, eine möglichst umfassende Auskunftserteilung durch eine Stelle sicherzustellen.“

§ 14 SGB I - Beratung -
„Jeder hat Anspruch auf Beratung über seine Rechte und Pflichten nach diesem Gesetzbuch. Zuständig für die Beratung sind die Leistungsträger, denen gegenüber die Rechte geltend zu machen oder Pflichten zu erfüllen sind.“

 

[Seitenanfang ]


  Puchinger im ZDF

Winfried Puchinger am 14./15. 3. 2006 in Heute Nacht im ZDF
„KnastNet und die Sterne für die deutschen Knäste“
Winfried Puchinger ist der Vater, der Gestalter, der Programmierer, der Aufbauer und der Pfleger einer Info-Börse im Internet ohnegleichen! Sein „Netz" ist mehr als „nur" ein Knastführer nach Art der Michelin-Hotelführers! Knastnet ist www.knast-online.org!
Reinschauen und sich selbst überzeugen.

 

[Seitenanfang ]


 

Bedeutung der Arbeitslosigkeit

Nicht nur der Einzelne ist zur Deckung seiner Lebensverhältnisse auf Arbeit ange-wiesen, auch die Gesellschaft, die durch die feingliedrige Arbeitsteilung ihren kul-turellen Stand erhalten und verbessern kann, braucht den Beitrag der Arbeit aller ihrer arbeitsfähigen Mitglieder. Wegen der zunehmenden Produktivität wird aber die dazu benutzte Zeit immer geringer. Um 1900 arbeitete eine Person um die 3000 h/Jahr, heute beträgt die Arbeitszeit ca. 1300 h/Jahr bei ca. 3-fachem Lebens-standard.
Andere Thesen finden sich aber auch in verschiedenen BürgergeldInitiativen oder in Werken wie der 80:20-Gesellschaft von Dr. Washington SyCip, die allg. davon ausgehen, dass durch Technik und Fortschritt der menschliche Produktionsfaktor auch in Zukunft immer weiter ersetzt werden wird.
Die Organisation der Arbeit prägt die gesamten Lebensverhältnisse der Gesell-schaft. Nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung verfügt über ausreichende Mittel, seinen eigenen Lebensunterhalt ohne Arbeit dauerhaft zu sichern. Aus diesem Grund ist für die meisten Menschen ein Leben ohne Arbeit nicht zu realisieren, denn die Sicherung der eigenen Existenz und ggf. auch die der unterhaltspflich-tigen Angehörigen setzt Rechte an Lohn aus Erwerbsarbeit oder an Kapitalein-kommen voraus.
In der deutschen Philosophie (Hegel, Kant, Herder, Johann Gottlieb Fichte) wurde Arbeit zur Existenzbedingung und sittlichen Pflicht erklärt. „Arbeite um zu leben" oder „Lebe um zu arbeiten." In neuerer Zeit dann oftmals auch mit etwas mehr Klassenbewusstsein.

* * * * * * * * *

Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.

 

[Seitenanfang ]


 

Hartz IV

„Immer mehr rutschen ab“, berichtete „Der Neue Tag“ am 28. März 2006 aus Weiden. Und dann heißt es weiter: „Bewährungshelfer kämpfen mit Überschuldung ihrer Klienten.“
Roman Pylypiw, Bewährungshelfer, bescheinigt seinen Klienten lieber, „Problemlösungsdefizite" zu haben. Das Schöne daran: „Defizite" lassen sich beheben. „Wir arbeiten sie auf, damit die Leute nicht rückfällig werden." Bisher mit großem Erfolg. Doch leichter wird′s nicht. 2005 brachte Hartz IV neue Härten.
„Immer mehr Menschen rutschen vom Arbeitslosengeld I zum ALG II ab", bedauert Gerald Jobst. 2005 waren 30,8 Prozent der Betreuten arbeitslos. 35,7 Prozent bezogen ALG II. Jobst: „Wir kämpfen mit der Überschuldung der Leute." Und mit der Bürokratie, die zuvorderst eben wegen Hartz IV mächtig zugenommen hat. Ohnehin ist die Bewährungshilfe im Landgerichtsbezirk (Stadt Weiden, Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth) ein zeitraubendes Unterfangen. 58.000 Kilometer legte das fünfköpfige Team im letzten Jahr zurück, unter anderem um 2.623 Hausbesuche abzustatten und 2.112 Mal Behörden wie die Agentur für Arbeit aufzusuchen.
Mehr Gewaltdelikte Durchschnittlich 76 Klienten betreute jeder der fünf Sozialpädagogen: Bei akutem Familienkrach ebenso wie beim peniblen Austüfteln von Haushaltsplänen.

Red.: Und was schließen wir daraus?

 

[Seitenanfang ]


 

Gedanken zur Arbeitslosigkeit

Eine Betroffene erzählt

Ich wohne seit 1994 in Oberfranken. Bin damals aus Berlin hierher gezogen. In den zurückliegenden Jahren war ich hier mehrmals ohne Arbeit, meist zwar nicht allzu lange. Mich hat eigentlich meist nicht der Mut verlassen, wieder etwas Neues zu finden, bislang.
In den unfreiwilligen Arbeitspausen (weil immer nur befristete Arbeitsverhältnisse) versuchte ich immer wieder, mich weiterzubilden, indem ich Fortbildungskurse und Seminare besuchte.
Das mache ich im Moment auch gerade wieder. Aber die Aussichten, daraufhin was zu finden, sind besch... Mein zwölfwöchiger Buchhaltungskurs ist nun auch schon wieder fast vorbei...
Ich überbrückte die „Freizeit" in all den Jahren, indem ich mich ehrenamtlich einbrachte, sei es beim BRK in Lichtenfels und nun auch schon wieder drei Jahre bei der Betreuung von Gefangenen.
Ehrenamtlich bin ich immer noch tätig, aber jetzt fast ausschließlich.
Hoffnung, eine neue Arbeit zu finden, habe ich kaum noch. Ich und noch sehr viele andere Menschen in meinem Alter werden von der Gesellschaft als "alt" abgestempelt, was ich für meine Person überhaupt nicht fassen kann.
Mit meinen jetzt 51 Jahren soll ich aber noch 15 Jahre arbeiten. Wie geht das zusammen?
Es ist deprimierend. Mich macht das so manches Mal richtig fertig. Man fühlt sich schon nutzlos. Ich möchte gerne arbeiten und mein eigenes Geld verdienen. Meine Angst ist es, eines Tages, nachdem ich meine Notgroschen aufgebracht habe, zum Sozialfall zu werden.
Wenn mein Arbeitslosengeld ausläuft, müsste ich Hartz IV beantragen, was aber vorerst abgelehnt werden würde. Wenn die Reserven aufgebraucht sind, hat man gar nichts mehr und wäre womöglich noch von seinen Kindern abhängig.
Die ehrenamtliche Tätigkeit macht mir großen Spaß und ich würde sie, wenn ich es mir wünschen könnte, auch zum Beruf machen. Aber dazu fehlt die dazugehörige Qualifikation, zumindest amtlicherseits.
Die andere Seite ist, wenn ich die Betreuung nicht machen würde, ich mir noch nutzloser vorkommen würde. So kann man vielleicht doch noch jemandem helfen, weil viele Gefangene wenig bis gar keinen Kontakt zur ohnehin meist zerrütteten Familie haben.
Leider wird man auf Dauer nicht satt von ehrenamtlichen Tätigkeiten.
Ich will und muss einfach eine neue Arbeit finden. Es geht an die Seele, wenn man oft nur noch mitleidig angesehen wird und man gesagt bekommt: „zu alt".
Zur Zeit habe ich nicht viel Mut, mich zu bewerben. Ich wüsste auch nicht wo.

Eine Betroffene

 

[Seitenanfang ]


 

11. Deutscher Präventionstag

Der Deutsche Präventionstag ist das einzige nationale Kongress-Forum zum Thema Kriminalprävention in Deutschland und die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. Er repräsentiert den aktuellen Stand der Kriminalprävention, fördert die Vernetzung und spricht Empfehlungen an Praxis, Politik, Verwaltung und Wissen-schaft aus.
Als Aussteller beteiligen sich dieses Mal auch das Staatsministerium der Justiz und die bayerischen Justizvollzugsanstalten (JVA) mit einem sehr professionell gestalteten Messestand.
Unter der Leitung von Frau Dr. Muthig, Ministerialrätin am Staatsministerium der Justiz, München, waren Leiterinnen und Leiter der Justizvollzugsanstalten ange-treten, etwas nie Dagewesenes zu präsentieren.
Alles, was in die JVA für eine Wiedereingliederung und damit für die Rückfallver-meidung getan und angeboten wird, wurde sehr eindrucksvoll mit Schautafeln, Schaumappen, Powerpointpräsentationen und Exponaten aus den Arbeitspädago-gischen Gruppen aufgezeigt und dargestellt. Fachleute aus den Arbeitsbetrieben, den sozialpädagogischen Arbeitsgruppen, den Ausbildungsbetrieben, Psychologen und Sozialpädagogen standen den interessierten Messebesuchern für Gespräche zur Verfügung. Dass die LAG als Vertreterin der Ehrenamtlichen auf den Stand gebeten wurde, war für die Vorstandschaft eine besondere Anerkennung.

-NM-

 

[Seitenanfang ]


 

Albtraum Einbruch

Die psychischen Folgen der Alltagskriminalität
Einbruch ist Alltag. Täglich werden Tausende von Wohnungen in Deutschland aufgebrochen. Ob bei Tag oder Nacht - alle drei Minuten registriert die Kripo in Deutschlands Städten einen Einbruch. Der materielle Schaden eines Einbruchs ist das eine, meist zu verschmerzen oder durch Versicherungen abgedeckt. Die psychischen Folgen für die Einbruchsopfer sind das andere. Selten werden sie schnell überwunden. Viele Betroffene leiden oft Jahre unter einem Massendelikt, das selten den Weg in die Schlagzeilen findet.
„Der Einbrecher stiehlt den Opfern das Vertrauen und die Sicherheit“, so ein Experte. Das Grundvertrauen in die Geborgenheit der eigenen Wohnung wird zerstört und kann in manchen Fällen nur durch intensive therapeutische Behandlung wiedergewonnen werden. Doch viele der Betroffenen finden zu spät den Weg zur richtigen Hilfe.
Der Autor, Michael Schwarz, sprach mit Trauma-Experten, begleitete die Kripo bei Fahndungseinsätzen und verfolgte das Schicksal von Einbruchsopfern.

Erinnern Sie sich:
LAG 55, Seite 20: „Angst vor Strafgefangenen“
LAG 53, Seite 24: „Täter produzieren Opfer“

Norbert Merz

 

[Seitenanfang ]


 

Kunst geht durch Mauern

„Von Draußen und Drinnen": Einzigartiges Projekt mit der Justizvollzugsanstalt Kempten

Von Klaus-Peter Mayr
Die Welt dreht sich hier drinnen anders als draußen. Es ist auch eine Welt hier drinnen, aber eine Welt für sich, abgeschnitten von der tatsächlichen Welt. (Häftling in der JVA Kempten)

Der Raum nimmt einen gefangen. Mit schwarzer Plastikfolie wurde das Tageslicht ausgesperrt. Und so bleibt den Besuchern im Hofgartensaal der Kemptener Residenz nichts anderes übrig, als auf die Bilder zu schauen, die auf Wände, Säulen und Gewölbe projiziert werden. Gefängnismauern sind zu sehen, Zäune, Gitter. Und Menschen mit Tätowierungen, glatt rasierten Schädeln, nackten Oberkörpern, in Häftlingskleidung.
Man fühlt sich tatsächlich nicht wie in einer altehrwürdigen Ausstellungshalle, sondern wie im Gefängnis. Ein vielstimmiges Gemurmel sorgt zusätzlich für eine beklemmende Atmosphäre. Es kommt von den CD-Playern in den Fensternischen. Aus den Lautsprechern tönen Männerstimmen. Sie erzählen von verkorksten Leben, von Drogenkarrieren, Alkoholabhängigkeiten, kriminellen Energien, von Verhaftungen und Gerichtsverfahren. Und vom Alltag im Männer-Gefängnis. Genauer gesagt vom Leben in der Justizvollzugsanstalt Kempten.
Was wie eine Knast-Doku erscheint, ist in Wirklichkeit ein einzigartiges Kunstprojekt. Es läuft schon fast vier Jahre und findet nun in dieser Multimedia-Schau sowie einem Buch mit Erzählungen und Bildern aus dem Gefängnis seinen Abschluss. „Von Draußen und Drinnen" nannten die drei Allgäuer Künstler Waltraud Funk (Immenstadt), Gerhart Kindermann (Isny) und Christian Hörl (Ruderatshofen) ihr Konzept, das sich beim Kunst-am-Bau-Wettbewerb durchgesetzt hatte. In einem ersten Teil im Jahr 2002 forderten sie die Allgäuer auf, Fotogrüße in die neue Justizvollzugsanstalt zu schicken. 880 Menschen beteiligten sich daran. 430 Fotografien wählte das Künstlertrio aus und komponierte für den Speisesaal des Gefängnisses eine 22 Meter lange und zwei Meter hohe Bilderwand.
Aus 1000 Bildern
Nun drehten Funk, Kindermann und Hörl den Spieß um. Zusammen mit Sozialarbeitern und Geistlichen der Anstalt wählten sie ein Dutzend Häftlinge aus, drückten ihnen Kameras in die Hand mit der Bitte, den Gefängnisalltag abzulichten, um den Menschen draußen ihre Lebenswelt zu zeigen. Die Künstler unterstützten die Häftlinge mit Ratschlägen und Gruppengesprächen. 1.000 Bilder entstanden so. 230 davon sind nun auf den Wänden und Decken des Hofgartensaales zu sehen, 100 im Buch.
Funk, Kindermann und Hörl waren in mehrerlei Hinsicht überrascht. Einerseits vom großen Interesse im Gefängnis. Immerhin 50 Häftlinge wollten sich beteiligen - viel mehr als erwartet. Aber auch die Angestellten und die Gefängnisleitung kooperierten gerne. „Eine spannende Sache und für unsere Öffentlichkeitsarbeit sehr hilfreich", lobt Anstaltsleiter Gisbert Rehmet. „Mich hat die Offenheit der Gefangenen gegenüber den Künstlern sehr beeindruckt."
Andererseits waren die Künstler erstaunt über die Qualität der Fotos. Bedrohlich ragen Mauern und Zäune empor, versperren Gitter die Fenster und Türen - und vermitteln so drastisch wie plastisch das Gefühl, weggesperrt zu sein. „Die Häftlinge haben sich auch leidenschaftlich gegenseitig fotografiert", sagt Gerhart Kindermann. Was Bilder von sich umarmenden Männern oder von Geburtstagsfeiern beweisen. Freilich sind nie Gesichter zu sehen - um die Häftlinge zu schützen.
Mit elf Insassen wurden schließlich längere Interviews geführt, in denen sie über sich selbst und ihr Leben im Gefängnis erzählen. Diese Tondokumente ergänzen die Schau in der Hofgartenhalle (und in Textform die Fotos im Buch). Vermutlich wird es den Betrachtern und Lesern ähnlich ergehen wie dem Künstler-Trio. Kindermann: „Unsere Sicht auf die Gefangenenwelt hat sich verändert, das Verständnis für die Häftlinge und ihr Leben sind gewachsen."
Das Buch „Von Draußen und Drinnen" ist im Verlag J. Eberl erschienen und kostet 22 Euro.
Im Internet: www.vondraussenunddrinnen.de
(Hier gibt es auch DVDs mit Fotos und Texten.)

Bericht vom 28. 4. 2006 wurde der Augsburger Allgemeine Zeitung entnommen.

 
[Seitenanfang ]


 

1628 meint

..... ab in die „Freiheit“ - ohne Arbeit, ohne Wohnung!

„Stell Dir vor, Du wirst nach Jahren der Strafhaft endlich in die Freiheit entlassen, aber Du findest keine Arbeit und keine Wohnung!“ Ein Alptraum für jeden Gefangenen in einer JVA. Nur, dieser Horror wird für so manchen, der zur Entlassung ansteht, zur Realität. Hat so ein Mensch keinerlei soziale Bindungen, keine soziale „Heimat“, wie ich es immer nenne, was, so frage ich Sie, was hat solch ein Entlassener für eine Zukunftsaussicht, was soll oder wird aus ihm werden? Wie heißt es so schön im § 2 VollzG:
„Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel).“
Und nun dieses Dilemma. Wurde ihm doch von allen Seiten immer wieder eingetrichtert, dass „Arbeit“ die Grundlage für ein geregeltes Leben ist, ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld keine Wohnung, kein normales Eingliedern in die Gemeinschaft. Und jetzt nochmals zum „Mitschreiben“, weil einige Mitmenschen, auch Betreuer, die Entlassung aus der Haft auf die leichte Schulter nehmen nach dem Motto: Na prima. Nun ist er wieder draußen!
Nichts ist „prima“, jetzt muss sich die Betreuung erst bewähren.
Unsere Schützlinge sind doch diejenigen, die keinerlei soziale Bindungen, sprich: Kein Geld und keine Bleibe haben. Alles, was sie besitzen, den Rest ihres bisherigen Lebens, tragen sie in ein, zwei Taschen bei sich, auch ein Briefumschlag ist in der Jackentasche: Das Entlassungsgeld, manchmal ein lächerlicher Betrag. So hat ihn nun die „Freiheit“ wieder, ohne Arbeit, ohne Wohnung!
Was nun?!?
Dass ein Mensch in dieser Lage, noch dazu etwas labil, wieder auf „dumme“ Gedanken kommen kann, ist nicht von der Hand zu weisen: „Um Geld zu beschaffen, könnte ich ja wieder ...“
Nein!!
Arbeit und Wohnung muss her, sonst ist die ganze Betreuung für die Katz gewesen!!
Wenn ich mich zurück erinnere an meine Entlassung, da war Arbeit das A und O allen Trachtens. Mit der Hilfe vom Sozialdienst ist es auch fast immer gelungen, Arbeitgeber zu finden, die Ex-Gefangene einstellen, Arbeit war ja vorhanden. Was dann der eine oder andere aus seiner Arbeitsstelle gemacht hat, blieb ihm überlassen, ich weiß von vielen Ehemaligen, dass sie dadurch den Absprung vom „Knastkarussell“ geschafft haben. Auch noch heute ist für mich Arbeit die Grundlage einer vollen Resozialisierung!
Sicher, es gibt jetzt für entlassene Strafgefangene, wenn sie in der JVA gearbeitet haben, das „Arbeitslosengeld“ – aber wie viel ist das, und wie lange wird es gezahlt? Es gibt Einrichtungen, in denen Entlassene einige Zeit unterkommen können. Es gibt diese und jene Stelle, die Bedürftige über kurze Zeitspannen unterstützen. Ersetzt das aber einen Arbeitsplatz und eine eigene Wohnung, steigern Almosen das Selbstwertgefühl?
Ich sage nicht, dass Hilfen jeglicher Art nichts taugen. Unterstützungen und materielle Zuwendungen sind prima und notwendig – sie müssen aber immer das Ziel haben, die Selbstständigkeit des Klienten zu erreichen.
Unsere Gruppe, der ich angehörte, hat auch vieles versucht, Entlassene erst mal „unterzubringen“. Ob das nun das Bodelschwinghhaus, die Herzogsägmühle, die „Brücke“, in einem Bauernhof, bei einem Müllentsorger war oder sonst wo, am Ende stand meistens die eigene Wohnung und der gesicherte Arbeitsplatz.
Heutzutage ist die Beschaffung von Arbeit und Wohnung weitaus schwieriger und zeitaufwendiger, für den Entlassenen aber genauso wichtig und notwendig wie früher.
Sollen die Ehrenamtlichen das so hinnehmen und den Arbeitsplatzmangel bedauern oder können die Ehrenamtlichen für ihre Betreuten die Lage verbessern?
Was wir auf alle Fälle nicht sollen, ist: Die dafür zuständigen Stellen aus ihrer Verantwortung entlassen. Im Gegenteil, diese Stellen sollen für ihren gesetzmäßigen Auftrag immer wieder in die Pflicht genommen werden. Das Ansprechen dieser Stellen kann die LAG übernehmen, da muss aber auch das Ministerium für die Gefangenen einstehen! Ein Arbeitsplatz für jeden Entlassenen muss das Ziel sein, wenn nötig, mit „Förderung“.
Soweit, so gut. Bleibt für die Ehrenamtlichen noch einiges an Arbeit, nicht für den Gefangenen, nein, mit den Gefangenen. Es müssen Gespräche mit dem Betreuten stattfinden, vor der Entlassung, wie er seine Arbeitskraft, seine Leistung, überhaupt einschätzt. Was erwartet er an Endgelt?
Als ehemaliger Betriebsrat bei einer Baufirma sträuben sich mir die Haare, aber der Vorschlag muss sein: Ist es dem Entlassenen zuzumuten, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu vergrößern, für ein paar Euro weniger in der Stunde seine Mitarbeit anzubieten, als der Tarifvertrag das vorsieht?
Als „Ex“ kann ich nur jedem raten, solche Überlegungen anzustellen. 13 Euro in der Stunde, die ich bekomme, sind auf alle Fälle mehr als 15 Euro, die mir zustehen würden aus einer Arbeit, die ich nicht habe. Der Arbeitsmarkt ist halt zur Zeit recht angespannt. Um Arbeit (dadurch auch Wohnung) zu bekommen, muss der Entlassene, wenn es notwendig ist, über seinen eigenen Schatten springen können. Zu einem Arbeitsplatz gibt es für mich keine Alternative. Machen Sie das Ihrem Betreuten klar! Arbeit bedeutet Geld, und Geld ist notwendig, damit jeder seinen Verpflichtungen nachkommen kann, damit er sein Auskommen hat. Natürlich sind Arbeit und Lohn auch für das „Ego“ jedes einzelnen Entlassenen wichtig. Das Gefühl, wieder dazuzugehören, wieder anerkannt zu sein, baut ihn auf. Er muss von sich sagen können:
„Ich habe es geschafft!“
Man kann mir vorwerfen, Arbeit und Geld, Geld und Arbeit seien für mich das Wichtigste im Leben. Nun ganz so ist das nicht. Ich weiß recht wohl um die „Vielfältigkeit“ des Lebens. Nur, Arbeit und Geld bedeuten auch „Sicherheit und Geborgenheit“, und Wohnung bedeutet auch „Heimat“, wo ich sagen kann: Hier bin ich „zu hause“, hier möchte ich leben.
Das sind alles „Zustände“ die Sie als ganz normal empfinden. Für so manchen Entlassenen ist es aber etwas ganz „Neues“, etwas bisher noch nicht Erlebtes. Erst dann wird sich mit der Zeit auch so manches einstellen: Liebe – Familie – Kinder – Religion – Aufgaben in Vereinen und Verbänden und mehr. Die Arbeit, der Arbeitsplatz ist für alles Weitere die Grundlage, und darum so wichtig!
Setzen Sie alle Hebel in Bewegung, Ihrem Betreuten einen Arbeitsplatz zu verschaffen, lassen Sie sich ganz neue Wege einfallen, die noch keiner gegangen ist, sprechen Sie alle möglichen und unmöglichen Leute an. Machen Sie was! Irgendwas geht immer ... !
Für mich ist es wieder und wieder ein Erlebnis, wenn ich sagen kann: „Ich habe alles Menschenmögliche getan, jetzt kann und wird „er“ es schaffen.
Meine „Arbeit“ ist getan!
Der Entlassene soll die neugewonnene Freiheit als „Freiheit“ erleben können – mit Arbeit und Wohnung, aber auch mit allen Rechten und Pflichten – wie jeder von uns.

Ihr 16 28
Sechzehn-Achtundzwanzig

 

[Seitenanfang ]


 

Aus den Regionen

Kaisheim

Das Treffen am 29. 3. 2006 war schon beachtlich. Schließlich waren 18 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Einladung gefolgt, um das Thema: „Spezielle Probleme bei der Einzelbetreuung  Umgang mit schwierigen Gefangenen“ zu diskutieren, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen und die eigenen Verhaltensweisen zu überprüfen.
Interessiert, angeregt und engagiert wurden die eigenen Erlebnisse dargelegt und hinterfragt.
Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 20. September 2006, statt.

[Seitenanfang ]

 

Rosenheim

Das Diakonische Werk Rosenheim, plant unter der Leitung von Frau Podchul, Leiterin der Wohneinrichtung des DW im November 2006 ein Grundseminar für zukünftige Ehrenamtliche der JVA Bernau und Laufen-Lebenau. Dabei gilt es die unterschiedlichen Betreuungsaufgaben der beiden JVA zu berücksichtigen.
Gerade dieser Ansatz muss nicht nur bei der Auswahl geeigneter Bürgerinnen und Bürger, sondern auch bei der Planung und beim organisatorischen Ablauf entsprechend beachtet werden.

[Seitenanfang ]

 

München

Grundseminar - Unter der Federführung des Leiters der evangelischen Straffälligenhilfe München, Peter Möller, fanden sich 17 Interessierte im Magdalenenhaus ein, um sich mit Details des Spannungsdreiecks „JVA - Gefangener - Ehrenamtlicher“ zu befassen. In einem eineinhalbtägigen Seminar wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Thematik Strafvollzug, den damit verbundenen Aufgaben, Pflichten und Rechten eines Ehrenamtlichen konfrontiert. Dabei machten sie regen Gebrauch von der Möglichkeit, Antworten auf sie bewegenden Fragen zu bekommen.
Nach der sicherheitsrelevanten Überprüfung durch die einzelnen Justizvollzugsanstalten werden sie dann ihre Betreuertätigkeit in Bernau, Landsberg am Lech und Laufen-Lebenau aufnehmen.
Mit getragen wurde das Seminar von Alfred Helms und Norbert Merz.

[Seitenanfang ]

 

Bayreuth

Ein Bericht über die ehrenamtliche Arbeit in der JVA Bayreuth
Von Mechthild Holstein

Die Ehrenamtlichen mit ihrem Engagement, über die berichtet wird, gehören dem „Verein Kontakt“ an.
„Wir haben hier vier Gesprächsgruppen“, schreibt Mechthild Holstein, „die wöchentlich stattfinden“.
Und sie fährt fort: „In meiner Gruppe, der Dienstagsgruppe, gab es kürzlich einen Engpass an ehrenamtlichen Betreuern. Glücklicherweise fanden sich mein lieber Kollege Gerhard Zimmermann und Christine Kundt, beide Betreuer in der Montagsgruppe, bereit, zusätzlich noch in die Dienstagsgruppe zu kommen, worüber ich sehr dankbar bin.
Außerdem bieten wir alle zwei Wochen ein Ehepaartreffen an. Vor allem für Ehefrauen mit langer Anreise lohnt sich so ein mehrstündiges Wiedersehen in harmonischer Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen mehr als ein kurzer Besuch im Besucherraum.
Darüber hinaus machen wir Besuche bei einzelnen Gefangenen und begleiten die Gefangenen bei den ersten Schritten außerhalb der JVA bei Ausgängen. Wir sind auch für den Gefangenen nach der Entlassung da, sofern das benötigt wird.
Es gibt ein vereinseigenes Haus, wo Strafentlassene einen ersten Wohnort finden können, um von da aus eine Arbeit und eine Wohnung zu suchen.
Zweimal im Jahr bietet die JVA Bayreuth ein Fortbildungs-Seminar an, was für uns „Kontaktler“ immer sehr informativ und bereichernd ist. Neuerdings haben wir auch die Gelegenheit zur Supervision. Wandertag
Alle halbe Jahre veranstaltet unser „Verein Kontakt“ einen Wandertag für Gefangene und Ehrenamtliche aus den Gesprächsgruppen. Da meist nur diejenigen Gefangenen mitgehen dürfen, die bereits über Lockerungen verfügen, werden zum Wandertag die Gefangenen aus den verschiedenen Gruppen zusammengefasst. Hier ergibt sich die Gelegenheit, sowohl andere Gefangene als auch andere Betreuer kennen zu lernen und unbeschwert miteinander diesen Tag zu verbringen, zu reden und die Natur zu genießen.
Darüber hinaus veranstalten wir alljährlich eine Weihnachtsfeier und eine kleine Faschingsfeier. Dieses Jahr hatten wir das Glück, gute Musiker in unserer Runde zu haben, die mit Gitarre und Akkordeon zum Mitsingen anregten. Fast hätte man vergessen können, wo wir waren, nämlich in der JVA!
Eine neue Idee, um die nötigen Mittel für Weihnachtspäckchen für die Gefangenen zu bekommen, hatte mein Kollege Gerhard Zimmermann: Wir fragten bei unserer Zeitung, dem „Nordbayerischen Kurier“, an, ob aus der Aktion „Menschen in Not“ auch Geld für die Weihnachtspäckchen für die Gefangenen, speziell die TBC-Kranken unserer JVA, fließen könnte. Wir erhielten eine vorläufige Zusage, die nach einer Besprechung im Mai noch bestätigt werden muss.
Das war das Wichtigste in Kürze! Bleibt mir noch zu sagen, wie wertvoll diese Tätigkeit für mein Leben und meine Weltsicht ist. Wir lernen viel aus der Begegnung mit Menschen, es ist ein Geben und Nehmen, und ich bin in dieser jahrelangen Tätigkeit noch nie menschlich enttäuscht worden!“

Bayreuth, den 24. 4. 2006

Red.: Danke, Frau Holstein, für diesen Bericht, der nicht nur Einblick in die Arbeit der Bayreuther Ehrenamtlichen bietet, sondern auch für unsere Leser Anregung sein kann, das eine oder andere in deren Betreuungskatalog aufzunehmen.

[Seitenanfang ]

 

Nürnberg

Partner-Treffen 2005
Mit Engagement, Freude und viel Optimismus haben wir „unser" Partner-Treffen in der JVA Nürnberg durch das 2. Jahr geführt.
Wir, das sind Barbro Meßberger, Katrin Seibold, Waltraud Wellein, Gisela Müller und Hannelore Stingl.
Einmal im Monat, an einem Samstag, sind wir für 3 Stunden präsent.
Vor dem Tor werden mit den dort wartenden Frauen und Kindern schon rege Gespräche geführt, gemeinsam gehen wir dann zu deren inhaftierten Männern.
Es bedarf einer Menge Vorbereitung, Kaffee und Tee kochen, Getränke für die Kinder besorgen, Gebäck nicht vergessen, frische Kolb-Brezen, Spielzeug, Malutensilien usw. mitbringen.
Besucht war unser monatliches Treffen von 10-12 Männern, deren Ehefrauen/Partnerinnen und bis zu 10 Kindern im Alter von 8 Tagen bis 14 Jahren.
Vielfältig war unser Angebot für die Familien. Den Referenten der Nürnberger Tafel, der Schuldnerberatung, den Vortragenden über ALG 2 / Hartz IV danken wir.
Gerne angenommen wurde unsere Bereitschaft zu Einzelgesprächen, wo ganz individuelle Dinge geklärt werden konnten.
Gemeinsam haben wir versucht, Lösungen zu finden und zu erarbeiten, z. B. was ist wichtig bei Entlassung, wo finde ich, meine Ehefrau/Partnerin Hilfe bei Wohnungssuche, Arbeit, Wiedereingliederung.
Die Partner hatten zudem genügend Zeit sich miteinander auszutauschen, die Kinder wurden in dieser Zeit von Barbro Meßberger mit viel Liebe, Vorlesen, Malen, Spielen und Singen bestens versorgt.
Herzlichen Dank an Barbro, die zum Jahresende an Gisela Müller übergeben hat.
Willkommen, Gisela Müller (ehem. Lehrerin), wir freuen uns, dass Du bereit bist, mit viel Kompetenz, die Betreuung der Kinder zu übernehmen.
Danke an die Leitung der JVA und alle Beamten, die dieses Familientreffen ermöglichen und unterstützen.
Danke auch an unsere Leitung des AK Reso für alle Unterstützung.

Hannelore Stingl             im März 2006

[Seitenanfang ]

 

Niederschönenfeld - Herrenwörth

In Vorbereitung auf die „Augsburger Gespräche 2007“ trafen sich Werner Stapf und Alfred Szameitat, JVA Niederschönenfeld, Stefan Trapp, JVA Neuburg-Herrenwörth, Peter Möller (LAG) und Norbert Merz (LAG), um das Konzept und die Zielsetzung dieser Veranstaltung im März 2007 vorzustellen. Dabei ging es vor allem darum, die Anstalten mit den unterschiedlichen Aufgaben  Strafvollzug für Jugendliche, junge Erwachsene – für die Tagung zu gewinnen. Die unterschiedlichen Angebote der schulischen und beruflichen Qualifizierung und die persönlichkeitsbildenden Aktivitäten sind interessant genug, diese für die breite Öffentlichkeit aufzuzeigen und zu präsentierten.
Darüber hinaus war für die Vertreter der LAG wichtig, den Einsatz und die Verwendung der für die Nürnberger Messe (siehe auch Seite 15 ff.) aufbereiteten und sehr gut gestalteten Plakate, Exponate etc. für die „Augsburger Gespräche 2007“ zu klären. Die Gespräche wurden von Regierungsdirektor Peter Landauer und Regierungsdirektor Hans-Uwe Worliczka vorbereitet, die beide die Zielsetzung der „Augsburger Gespräche 2007“ mittragen und unterstützen.

 

[Seitenanfang ]


Termine

Straubinger Tagung 2006
vom 29. Juni bis 1. Juli 2006
Justizvollzugsschule Straubing

Mitgliederversammlung 2006
16. September 2006, 10:00 Uhr
in Augsburg
Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhof

Augsburger Gespräche 2007
24. März 2007


[Seitenanfang ]


Jeder Mensch macht Fehler. Das Kunststück liegt darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut.

Sir Peter Ustinov
 

Mit den Wölfen heulen gilt denen als Ausrede, die mit den Schafen blöken.

Hans Reimann

[Seitenanfang ]


[ Zurück zum Einstieg ] - - - [ Seitenanfang] - - - [ Ihre Meinung und Ihre Rückfragen bitte an LAG ]

© LAG 2006-06-14