Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 54


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Dialog - Einzelbetreuung - Gespräche

    Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Peppo Straßenkehrer
Fähigkeit zum Dialog
Einzelbetreuung
Gesprächsthemen


Das Gespräch
Anerkennungskult
Landesverband
Mit anderen Augen
Durchsuchen eines Besuchers

Fünf - Punkte - Plan
Was sagt uns
Würden Sie so
Begleiter in die Freiheit
Thema Nr. 1

Die Abkehr vom Egoismus
Nach über 30 Jahre ...
Wie viel Globalisierung ...
Bewährungshelfer
Gedanken eines Mannes

Können Sie lesen?
Was bin ich? ...
Mittagessen in Wernstein
Festveranstaltung
LEBENSREGELN

Besuchsdienst-Alphabet
Urteilskraft
Tausche Haftplatz
Zufall? (Bauernhof)

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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Dialoge, Einzelbetreuung, Gespräche, das ist der Stoff, aus dem unsere Betreuungsarbeit gemacht ist. Neben vielen kleinen und großen Aktionen ist es uns wieder gelungen, Neue für das Ehrenamt zu gewinnen. Besonders schön und gelungen wird mir die Werbeaktion mit der JVA Straubing in Erinnerung bleiben. Selten wurden wir so intensiv von der Leitung unterstützt, so dass wir mit elf Interessenten im Januar 2006 mit einem Grundseminar loslegen konnten.
Neben Zuwachs durch interessierte Bürgerinnen und Bürger müssen wir aber auch feststellen, dass sich die Ehrenamtlichen und Mitglieder aus den Anfängen der Straubinger Tagungen und der Gründerzeit der LAG wegen des fortgeschrittenen Alters aus der Betreuungsarbeit zurückziehen. Nun ja, das ist der Lauf des Lebens.
Sicher haben Sie, die Sie immer noch vor Ort tätig sind und regelmäßig Ihre Gefangenen besuchen, feststellen können, dass unser Engagement gefragt und gewünscht ist. Aus den Presseveröffentlichungen, den vielen Gesprächen, die ich im vergangenen Jahr führen durfte, wurde immer wieder auf die Wichtigkeit unserer und Ihrer Arbeit verwiesen.
Wie selbstlos engagiert Menschen sein können, das wurde mir bewusst, als ich das Projekt Wernstein nicht nur anschauen, sondern auch erleben durfte.
Ihr
Norbert Merz

 

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Beppo Straßenkehrer

von Michael Ende, aus Momo
Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.
Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt ein Atemzug und bei jedem Atemzug ein Besenstrich.
Schritt - Atemzug - Besenstrich - ...
„Siehst du, Momo", sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; die kann man niemals schaffen, denkt man."
Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, sonst schafft man es nie, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer nur wieder an den nächsten."

Fähigkeit zum Dialog

Die Fähigkeit zum Dialog gehört zu den wohl ältesten menschlichen Eigenschaften. Dies ist nicht nur Folge, sondern auch Voraussetzung für das Entstehen menschlicher Zivilisation. Kultur kann nur da entstehen, wo Austausch stattfinden kann: Dialog von Ideen und Meinungen, Dialog zwischen Individuen und Völkern, zwischen Mensch und Natur und schließlich auch Dialog jedes einzelnen Menschen mit sich selbst. Doch gerade in der Tatsache, dass diese Erkenntnis eigentlich selbstverständlich ist, liegt auch eine Gefahr verborgen. Denn was wir für selbstverständlich halten, dessen Bedeutung beginnen wir zu vergessen. Menschlicher und künstlerischer Dialog sind also keine bequemen Zustände, sondern wollen ständig neu erarbeitet sein.

 
 


Eine eigenwillige Gegenüberstellung: „Man darf nie die ganze Straße auf einmal denken, ...“ und „Fähigkeit zum Dialog“!
Wie passt denn das zusammen? Wenn wir etwas genauer hinschauen, passt es vielleicht gut zusammen. Ja, es gehört in unserer Situation vielleicht sogar zwingend zusammen!
Beides, das Nächste und der Dialog, sind wichtige Aspekte der „Einzelbetreuung“, oder? Da ist die Ungeduld der lang ersehnten Freilassung, die Ungeduld der nicht erfüllten Aufgabenschritte und die Ungeduld, weil die Ehrenamtliche, der Ehrenamtliche nicht alle Erwartungen eingelöst hat.

Ungeduld und fehlender Dialog?

 

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  Einzelbetreuung

Was heißt Einzelbetreuung, was bedeutet eine Einzelbetreuung?
Einzelbetreuung ist eine sehr intensive, sehr effiziente Betreuungsform, bei der zwei Menschen für eine bestimme Zeit sehr offen, sehr ehrlich, mit sehr viel Verantwortungsbewusstsein und klaren Grenzen über Gott und die Welt, Wetter und Entlassvorbereitung sprechen und sich austauschen können. Ich, der Ehrenamtliche, die Ehrenamtliche, bin ganz alleine für nur einen Gefangene zuständig. In dieser Form der Betreuung erlebt der Gefangene Tugenden wie Verlässlichkeit, Vertrauen, Pünktlichkeit, Beständigkeit und Ausdauer, um nur einige zu nennen. Vielleicht hat er derartiges in seinem bisherigen Leben noch nie erlebt.
Einzelbetreuung mit Chancen und enormen Stärken kann aber auch anstrengend sein.
Weder ich noch der Gefangene können uns, was in einer Gruppenbetreuung absolut üblich und möglich ist, eine „Auszeit“ nehmen und wenn uns die Sache zu „heiß“ wird zurücknehmen und uns aus der Verantwortung einer Stellungnahme stehlen.
Hier erkennen wir Chancen und Stärken dieser Betreuungsform. Wir müssen jedoch aufgrund der Intensität einer derartigen Begegnung Besuchsrhythmus, Besuchsdauer, Grenzen, Nähe und Distanz eindeutig und klar definieren, festlegen und sich daran konsequent halten.
Das heißt nicht, dass ich um jeden Preis und auf jeden Fall meine Gesprächstermine einhalten muss. Es bedeutet aber, dass ich mich - nur aus triftigem Grund - entschuldigen und abmelde muss.
Unsere gemeinsame Zielsetzung (Gefangener und Betreuer) wird glaubwürdiger - wie in der Kindererziehung auch - zu vermitteln sein, wenn Tun und Handeln mit dem Gesprochenen übereinstimmen.
Für den einen ist es anstrengend, für den anderen ist es eine Herausforderung, wenn er sich mit seinem Gegenüber auseinandersetzen kann und wenn er im Pro und Kontra seinem Gegenüber, aber auch sich selbst begegnen kann.
Achtung! Wir können den Gefangenen und uns selbst überfordern. Wir müssen fair bleiben. Er ist immer in einer schlechteren Position!
Was darf ich, was kann ich erwarten?
Jeder, der sich auf eine Betreuung von Gefangenen einlässt, darf erwarten, dass - und das gilt im Besonderen bei der Einzelbetreuung - ihm eine ordentliche Einführung zuteil wird.
Dazu gehören das gegenseitige Bekanntmachen (Gefangener und Betreuer), Aufklären über Rechte und Pflichten im Beisein des Gefangenen, Unterstützung bei Fragen und Schwierigkeiten durch den Fachdienst, Angebote zum Erfahrungsaustausch mit anderen Ehrenamtlichen, Angebote und Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Besuche im Einzelzimmer, finanzieller Ausgleich im Rahmen der Richtlinien.
Was sollte beachtet werden, was darf ich nie vergessen?
Gerade und ganz besonders wichtig ist der Tatbestand: Das Gefängnis ist kein Krankenhaus und hat ganz bestimmte und klare Spielregeln.
Das beginnt bei der Abfertigung an der Torwache, aus Sicherheitsgründen immer wieder mit neuen Überraschungen, die nichts mit meiner Person zu tun haben. Deshalb ist Geduld und Verständnis angesagt.
Ausweis ist Pflicht!
Und so ist es doch selbstverständlich, dass wir den Anweisungen der Beamten folgen; die tuen auch nur ihre Pflicht.
Wir begegnen einem Menschen (Gefangenen) in einer besonderen Situation, mit einer anderen Vita.
Wir sind Menschen, die nicht zur Institution gehören, Menschen mit Privilegien (JVA) und mit Verpflichtungen und einem gewaltigen Vertrauenvorschuss.
Was bedeutet eine Einzelbetreuung für den Gefangenen?
Der Gefangene hat hohe Erwartungen an sein Gegenüber;, endlich eine „Klagemauer!“, die Vertrauen, Verschwiegenheit und Verlässlichkeit darstellt, zu haben und auch endlich einen Unterstützer für den täglichen Kampf mit und gegen die Anstalt zu besitzen.

Achtung! Das Ausloten, das Ausprobieren seiner Möglichkeiten und Grenzen ist weder verwerflich noch verboten, sondern eher verständlich. Wichtig dabei ist, dass wir solche Spielchen mit ihm offen angehen und, falls nötig, mit Unterstützung der Kontaktperson klären.
Was geht, was geht nicht?
Besuche der Ehrenamtlichen finden im Rahmen der Sonderregelung statt.
Gedankenaustausch, Gespräche über das Leben draußen, Pläne schmieden für die Zeit danach - all das sind Möglichkeiten.
Leider muss man auch darüber sprechen! Betreuung ist keine Freundschaft, keine Liebschaft! Betreuung ist weder zur schriftlichen noch mündlichen Nachrichtenübermittlung und schon gar nicht zum Transport von Waren, Substanzen oder sonstigen „Handelswaren“ gedacht! Und das trifft natürlich auch für fluchtvorbereitende und unterstützende Handlungen zu!
Wie komme ich aus meiner Verpflichtung wieder heraus?
Einzelbetreuung ist ein Vertrag auf Zeit, der von beiden Seiten zu jeder Zeit aufgelöst werden kann!
Es ist menschlicher, ja eigentlich selbstverständlich, mit dem Gefangenen darüber zu sprechen, als einfach wegzubleiben!
Klarheit und Wahrheit sind für einen Gefangenen, der im Laufe seines Lebens genügend negative Erfahrungen gemacht hat, immer noch das Beste, auch wenn es wehtut.

Loyalität mit der Anstalt heißt nicht, verlängerter Arm der JVA zu sein!

 

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Denkbare Gesprächsthemen:

Sein, mein Leben, Sucht: Rauchen, Alkohol, Drogen, Handy.
Seine Ziele konkretisieren und auf Realisierungswahrscheinlichkeit abklopfen.
Was bedeuten ihm Tageszeitung, Fernsehen, politische Themen?
Beruf, Ausbildung, Führerschein: Was bedeutet das bei der Stellensuche, Wiedereingliederung?
Freizeit früher, Freizeit heute, Freizeit in der Zukunft? Wer bietet Informationen, wo finde ich Freizeitangebote und Anregungen für mein Leben?
Frauenbild, seine Mutter, seine Frau, seine Kinder?
Wofür lohnt es sich, sich einzusetzen?
Wir vereinbaren, ein Buch zu lesen, um anschließend darüber zu diskutieren.
Meine Hobbys, sind das welche auch für ihn?
Das Arbeitsamt, Hartz IV, das Wohnungsamt – meine Rechte und Pflichten?
Computer und seine Möglichkeiten, wann und wo kann ich das lernen?
Schulden, nicht nur ein Thema, das nach der Entlassung von Bedeutung ist.
Was bringt mir, was bedeutet mir meine frühere Clique (was machte mich glücklich, welche Rolle spielte ich dort und welche Taten, Aktionen verschaffen mir Anerkennung.
Seine Träume und Wünsche (zulassen, äußern, aufschreiben und auf Machbarkeit abklopfen!). Lassen sich daraus Ziele ableiten und daraus Schritte zum Ziel formulieren?
Was heißt Leben? Was ist der Sinn des Lebens!
Meine Knastkarriere und wie breche ich den Teufelskreis auf (Hilfen von Profis?)


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Das Gespräch

Das Gespräch
Jede meiner Äußerungen enthält, ob ich will oder nicht, vier Botschaften gleichzeitig:
· Eine Sachinformation (worüber ich spreche, informiere, erzähle)
· Eine Selbstkundgabe (was ich von mir zu erkennen gebe)
· Einen Beziehungshinweis (was ich von dir halte und wie ich zu dir stehe)
· Einen Appell (was ich bei dir erreichen möchte)

Das Gespräch
... ist so gut wie meine Vorbereitung auf dieses Gespräch, auf diesen Besuch!
... ist so gut ist so ehrlich und überzeugend, wie die Antwort, die ich mir
     auf die Frage gegeben habe: „Warum stelle ich mich als Betreuerin,
     als Betreuer zur Verfügung?“
... ist so gut, wie ich die Tugend des Zuhörens beherrsche!
... ist so gut, wie die Gabe, gemeinsam Lösungen zu entwickeln
     (keine „Kochrezepte“) und das Gegenüber zur selbstständigen
     Umsetzung zu gewinnen und zu motivieren.


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Anerkennungskultur

Anerkennungskultur ist nicht nur Bundesverdienstkreuz, Justizmedaille, sondern auch und ganz besonders die Anerkennung durch die Profis.
Nicht dulden und mitmachen lassen, sondern einbinden in den Ablauf und in die Aufgaben. Anerkennung ist für uns das Eingebundenwerden entsprechend unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten.
Der Hauptamtliche sollte uns die Chance geben, am Gesamtziel beteiligt zu werden.
Getreu nach Albert Schweitzer: „Das Wenige, das du tun kannst, ist viel.“

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100 Jahre JVB
Landesverband der Bayerischen Justizvollzugsbeamten

Straubinger Tagblatt, 2. 12. 2005
Vor 100 Jahren wurde der Verband Bayerischer Justizvollzugsbediensteten in Straubing gegründet
Sicherheit und Resozialisierung sind nach den Worten von Justizministerin Dr. Beate Merk die Markenzeichen des bayerischen Strafvollzugs. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Landesverbandes der Bayerischen Justizvollzugsbediensteten (JVB) würdigte das Kabinettsmitglied im Landgasthof Reisinger vor über 300 Gästen - darunter Repräsentanten von Justiz und Politik, Polizei, Beamtenbund und einer Delegation aus Rheinland-Pfalz - den Strafvollzug als eine tragende Säule der inneren Sicherheit unseres Landes.
Zuvor hatte JVB-Landesvorsitzender Anton Bachl unter anderem kritisiert, dass Bayern die „schlechteste Haftplatzsituation sowie die schlechteste Personalausstattung" in Deutschland habe und der Ministerin deutlich vorgehalten, das grenze an Selbstzerstörung. Der tägliche harte und oft gefährliche Beruf der Justizvollzugsbediensteten verdiene Anerkennung, sagte Dr. Beate Merk und pries den leistungsfähigen, effektiven und behandlungsorientierten Strafvollzug Bayerns. Der müsse einerseits gefährliche Straftäter sicher verwahren („Darauf hat die Bevölkerung einen Anspruch"), andererseits zugleich die Wiedereingliederung der Täter in die Gesellschaft vorbereiten und fördern.
Die Festrednerin dankte allen Bediensteten für vorbildlichen Einsatz. Seit etwa 15 Jahren stehe der Strafvollzug vor neuen Herausforderungen. Die Zahl der Gefangenen sei seit 1991 um rund 35 Prozent gestiegen, in bayerischen Gefängnissen befänden sich zurzeit knapp 13.000 Gefangene. Anzeichen, dass sich der Belegungsdruck in absehbarer Zeit deutlich verringere, seien nicht vorhanden. Trotzdem wird Bayern nach Merks Worten nie den Weg gehen, die Zahl der Gefangenen durch Vollstreckungsaufschub künstlich zu senken, denn das wäre ein Zurückweichen vor der Kriminalität. Durch die Baupolitik werde man weitere Zeichen setzen, versprach die Ministerin mit dem Hinweis, die seit 1992 für Baumaßnahmen im Justizvollzug investierte Rekordsumme von fast 500 Millionen Euro spreche für sich. Zu aktuellen Gerüchten erklärte Merk: Es sei nicht geplant, die neue Frauenanstalt in München mit privatem Wach- und Sicherheitspersonal zu betreiben. Generell komme im Bereich der Sicherungsaufgaben eine Privatisierung kaum in Betracht. Auch in Zukunft setze Bayern auf umfassend ausgebildete Beamte, die auch auf die geänderte Gefangenenstruktur adäquat reagierten. Denn die Bediensteten stünden zunehmend gefährlichen, jederzeit gewaltbereiten und behandlungsunwilligen Gefangenen gegenüber. Alkohol- und Drogenkonsum hinterließen ihre Spuren, und viele gehörten der organisierten Kriminalität an. Besondere Probleme bereite der Umgang mit den Russlanddeutschen, das heißt den derzeit ca. 900 Gefangenen, die als Spätaussiedler aus den GUS-Staaten gekommen seien, legte Merk dar. Die Standards im Sicherheitsbereich seien hoch und würden noch weiter ausgebaut. Auch die Motivation und Leistungsbereitschaft der Justizbediensteten habe sich in den letzten Jahren deutlich gesteigert, was auch an den zahlreichen strukturellen Verbesserungen liege, ein Trend, der sich in den nächsten Haushalten fortsetzen solle. Mit dem Appell an den JVB und dessen Vorsitzenden, weiter konsequent und erfolgreich zusammenzuarbeiten, gab sich die Ministerin sicher, dass die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden könnten.
Zu Beginn des Festakts hatte JVB-Vorsitzender Anton Bachl nach der Begrüßung der hochkarätigen Gäste und einem Blick zurück in die Geschichte des Verbandes auch auf die Problemfelder der Justizvollzugsbediensteten hingewiesen und unter anderem die Verlängerung der Wochenarbeitszeit sowie unangemessene Härten für die Schichtbereiche kritisiert: Trotz Überbelegung und schlechter Personalausstattung sei seit drei Jahren kein Gefangener mehr entwichen, betonte Bachl.
An historische Gemeinsamkeiten und eine ähnliche Mentalität von Bayern und Pfälzern erinnerte Winfried Conrad, Vorsitzender des befreundeten Landesverbandes aus Rheinland-Pfalz, schränkte diese These aber hinsichtlich Wein und Bier sowie des Tabellenstands von FC Bayern München und Kaiserslautern ein.
Und Bürgermeister Hans Vicari, der die Gäste im Namen der Stadt begrüßte, hatte, nachdem er von den Problemfeldern der JVB-Mitglieder gehört hatte, einen guten Rat parat: Die Mutter Gottes von Sossau, gleich nebenan in der Wallfahrtskirche, die für alle Anliegen ein offenes Ohr habe.
Der stellvertretende Landrat Josef Laumer, JVA-Leiter Matthias Konopka sowie die Landtagsabgeordneten Markus Sackmann, Franz Schindler und Christine Stahl würdigten einhellig Engagement und Kompetenz der Justizvollzugsbediensteten.


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Mit anderen Augen

Kurz nach Weihnachten - zwischen den Jahren - brach sie wieder herein: die Werbeblätterflut.
Da lagen die wunderschön, weich, mittelhart und ganz harte Matratze mit Schaumstoff-, Schurwollefüllung und dazu die super kuschelige Mohairdecke, die Wohnlandschaft mit bequemen Sesseln, einem Schlafsofa und der multifunktionalen Stehlampe und der „Haushalts-Waren-Markt“ mit elegantestem Porzellan, praktischstem Geschirr, Pfannen und Töpfen in edelstem Stahl und einbrennsicher beschichtet vor mir. Abgerundet wurde das Angebot mit erlesenen Lebensmitteln. Vom südafrikanischen Wein über Krabben aus dem Nordmeer bis zu Oberpfälzer Wurstwaren und Brotsorten war nichts vergessen.
Und während ich diese toll aufgemachte Werbung durchblätterte, ließ mich der Gedanken an Hans nicht mehr los.
Sein ganz persönlicher Höhepunkt, sagte er, war der erste Christkindlmarktbesuch, seit er im Gefängnis sitzt (19 Jahre). Während er von seiner Rosswurstsemmel vom Weihnachtsmarkt erzählt, gerät Hans noch immer ins Schwärmen. „Ich ging ganz langsam durch die Stände und genoss den Luxus, den es da gibt. Draußen ist alles so überdimensional, da kommt es einem hier so leer vor." Das war wie Weihnachten und Ostern zugleich."

Norbert Merz


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Durchsuchen eines Besuchers

§§ 24 Abs. 3, 84 Abs. 1, 2 StVoIIzG (Zur Durchsuchung eines Besuchers)
Eine mit einer Entkleidung verbundene Durchsuchung eines Besuchers ist unzulässig.
Beschluss des 3. Strafsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg vom 28. Dezember 2004 - 3 Vollz (Ws) 130/04 -

Anmerkung des LAG-Vorstandes
Zu dieser Thematik könnten einige unserer Mitglieder mit ihren leidvollen Erfahrungen und Erlebnissen Unrühmliches berichten.
Für mich als Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft stellt sich die Frage, warum mit guten, klärenden Worten und mit ärztlichen Attesten nichts zu erreichen war! Warum braucht es immer erst die richterliche Entscheidung, wenn die Fakten offenkundig und überprüfbar sind? Muss man sich, angesichts dieses Urteils nicht etwas verschaukelt vorkommen?
Ehrenamtliche mit einem Handikap wurden ausgesperrt. Das tut sehr, sehr weh, wenn man im ehrlichen Miteinander und fairen, offenen Bemühen von der sogenannten „Sicherheit“ abgeschmettert wurde.
Und gerade diese „Sicherheit“ hat die wirklich „echten Fälle“ nicht verhindert.

Norbert Merz


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Fünf-Punkte-Plan

Der nachfolgende „Fünf-Punkte-Plan“ will die Rückkehr in ein normales Leben erleichtern

1. Für mein Selbstbewusstsein ist wichtig, dass ich mir die Einstellung zu eigen mache: ich habe meine Strafe verbüßt und einen Anspruch darauf, mit meinen guten Vorsätzen in die Gesellschaft aufgenommen zu werden. Ich weiß, dass es gegenüber Strafentlassenen Vorurteile gibt. Durch mein Verhalten werde ich beweisen, dass diese nicht begründet sind.

2. Ich weiß, dass Mängel in meiner Persönlichkeit mich in meinem Fort- und Durchkommen, aber auch in der Beziehung zu anderen Menschen behinden. Deshalb tue ich alles, um sie zu beseitigen. Ich weiß, dass das nicht einfach ist, und deshalb kann ich mit Recht stolz auf jeden auch nur kleinen Fort- schritt auf diesem Gebiet sein. Meiner Mängel muss ich mich nicht schämen. Schämen müsste ich mich nur, wenn ich nichts dagegen tun würde.

3. Ich weiß, wie schnell ich erneut in Verdacht strafbarer Handlungen geraten kann, wenn solche in meinem Umfeld geschehen, auch wenn ich selbst nichts damit zu tun habe. Deshalb ist es für mich ganz besonders wichtig, mich von Menschen fernzuhalten, die noch nicht wie ich inneren Abstand zu kriminellem Tun gefunden haben, um nicht erneut in den Verdacht von Täterschaft oder Mittäterschaft zu geraten.

4. Da für mich innere Werte eine immer größere Bedeutung erlangen, brauche ich auch nicht mehr soviel Geld wie früher. Für größere Anschaffungen oder für Notfälle, die man nie ausschließen kann, spare ich von meinem Verdienst jeden Monat einen bestimmten Betrag, auch wenn er nur gering ist. Auf eigene Ersparnisse zurückgreifen zu können, ist immer besser als der Bank teure Zinsen zahlen zu müssen oder ohne Geld dazustehen.

5. Ich weiß, dass ich nicht alle Probleme auf einmal und alleine lösen kann. Deshalb gewöhne ich mir an, systematisch vorzugehen, um meine Ziele schrittweise zu erreichen. Jeden Tag ein kleiner Schritt ergibt mit der Zeit auch eine große Strecke. Ich mache mir eine Liste, auf der ich das Ziel und die kleinen Schritte aufschreibe. So kann ich jeden Tag feststellen, ob ich diszipliniert war und den kleinen Schritt gegangen bin. Bei größeren Problemen überlege ich mir, wer mir mit Rat und Tat helfen kann und ich habe keinen Anlass, mich zu schämen, ihn um Hilfe zu bitten. Schließlich braucht jeder Mensch einmal Hilfe. Für eine Einzelbetreuung wunderbare und praktische Anknüpfpunkte, um die Wiedereingliederung gelingen zu lassen.

(Ulmer Echo: Wegweiser für Haftentlassene)


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Begleiter auf dem schweren Weg in die Freiheit

Nordbayerischer Kurier, 19. 10. 2005

Gerhard Zimmermann arbeitet seit neun Jahren für Kontakt - Held für Haftentlassene

Von Frank Schmälzle BAYREUTH

Das Schlimmste am Knast, sagt Gerhard Zimmermann, ist die Entlassung. Der Mann muss es wissen, er hat es so oft erlebt. Gerhard Zimmermann arbeitet seit 1996 für den Verein Kontakt, der sich die Wiedereingliederung von Strafgefangenen zur Aufgabe gemacht hat.
Ein Anruf in der KURIER-Redaktion: Zwei ehemalige Häftlinge wollen sich öffentlich Luft machen - im allerbesten Sinne. Es sei an der Zeit, dass mal einer laut sagt, was Gerhard Zimmermann für Haftentlassene tut. Er fängt uns auf, sagt einer der beiden Männer, die auf Vermittlung Zimmermanns eine Bleibe in einer Wohngemeinschaft an der Frauengasse gefunden haben. Er hat sie am allerersten Tag in Freiheit zu den Behörden geschleppt. Hat versucht, ihnen Arbeit zu beschaffen, denn die hält Zimmermann für die beste Resozialisierung. Hat sie an gemeinnützige Organisationen vermittelt, damit sie ehrenamtlich tätig werden, eine Aufgabe haben, einen Sinn sehen und bessere Chancen bei der nächsten Bewerbung haben. Und er hat hundert Kleinigkeiten geregelt und hat, wie in all den vielen Fällen zuvor, nicht darüber geredet.
Zimmermann ist ein stiller Mann, ein genauer. Auf das Interview hat er sich vorbereitet; hat sich Notizen gemacht. Er berichtet von seinen Aufgaben in der Einzel- und in der Gruppenbetreuung, von ein paar Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Arbeitsagentur und Arge, wer denn nun für den gerade Entlassenen zuständig sei. Bis er dann doch von sich und seinen Erfahrungen erzählt. „Ich versuche zu helfen, wo es eben möglich ist", sagt er. „Die Probleme, vor denen ehemalige Gefangene nach ihrer Entlassung stehen, sind riesig. Sie kommen nach Jahren in eine Welt zurück, die sich grundlegend verändert hat."
Da spricht Verständnis aus ihm - nein, er könne sich keine Tat und keinen Täter vorstellen, dem er nicht helfen würde. Das ist Nächstenliebe mit einer sehr pragmatischen Triebfeder. „Die Motivation unseres Vereins ist es, Menschen aufzufangen, sie nicht in ein Loch fallen zu lassen", sagt Zimmermann. „Wenn die Gesellschaft diese Menschen nicht annimmt, ist die nächste Straftat schon programmiert. Täterhilfe ist Opferschutz, auch wenn das oft nicht verstanden wird. Wir wollen niemandem alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen, niemanden in Watte packen, das geht auch gar nicht. Aber wir wollen Haftentlassene begleiten, bis sie wieder Fuß gefasst haben."
Das heißt bei Gerhard Zimmermann, dass er nötigenfalls auch dreimal am Tag aus dem kleinen Ort in der Fränkischen Schweiz, in dem er wohnt, nach Bayreuth fährt, um mal schnell zu helfen. Dass er Geld investiert und keines bekommt. Und es heißt auch, dass er klare Grenzen zieht. „Wenn sich ein ehemaliger Gefangener über seine Lage beklagt, erinnere ich ihn daran, was die Ursache ist und wer sie herbeigeführt hat." In der Wohngemeinschaft gibt es feste Spielregeln, und wer gegen die verstößt, hat die Konsequenzen zu tragen. „Wenn es Ärger gibt, berufen wir einen Bewohner-Rat ein: Und der entscheidet dann, ob der Betreffende bleiben kann. Das ist richtig so, denn ein schlechtes Beispiel findet Nachahmer." Das etwas enge, aber gemütliche Haus an der Frauengasse ist gerade frisch renoviert. Zimmermann hat eifrig daran mitgewirkt, aber er dankt lieber anderen. Dem Bayreuther Sozialreferenten Dr. Gerhard Böhner zum Beispiel, der sich bei der Suche nach einem Übergangsquartier nicht um Satzungen von Wohnungsbauunternehmen geschert hat.
Sie brauchen Arbeit
Im Schnitt ist Gerhard Zimmermann ein halbes Jahr lang Begleiter und väterlicher Freund für Haftentlassene. Eine Erfolgsbilanz der langen Zeit im Ehrenamt? Die zu ziehen, ist schwer, sagt er. Fest steht allein, dass die Rückfallquote im Erstvollzug, wie er in Bayreuth stattfindet, geringer ist als im Regelvollzug. Kein Verdienst, das er sich an die Brust heften mag: „Man unterstützt unsere Arbeit gut, das ist wie ein Netzwerk." In seinen ersten Jahren werden wohl 70 bis 80 Prozent den Sprung zurück in die Gesellschaft geschafft haben. „Aber ich habe das Gefühl, dass es in letzter Zeit weniger werden." Weil es immer schwieriger wird, Arbeit zu finden.
Warum er sich seit neun Jahren und seit dem Tag, als er nach 32 harten Jahren im Außendienst in den Ruhestand ging, aufmacht, um zu helfen? Weil es ihm das Gefühl gibt, das Richtige zu tun. Wie damals als 19-Jähriger, für ihn war es das Schlüsselerlebnis. Ein Freund hatte Autos aufgebrochen - sein Pech, dass er Österreicher war. Die Polizei nahm ihn in Haft, und Gerhard Zimmermann wusste, dass das nur ein sehr dummer Jungenstreich war. Zimmermann machte sich auf den Weg und besorgte, was die Polizei verlangte. Den Nachweis eines festen Wohnsitzes und die Bescheinigung über einen Arbeitsplatz. Der Freund kam frei.
Was wäre aus ihm geworden?
Ein paar Jahre später hatte er es zum gefeierten Sportler geschafft, wurde gar mit allen Ehren im Rathaus empfangen. „Ich weiß nicht, was aus ihm geworden wäre, wenn das damals anders gelaufen wäre", sagt Gerhard Zimmermann.


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Nach über 30 Jahre ...

Der Brief zum Jahresende:
... Bevor das Jahr zu Ende geht, will ich endlich alle meine „Schreibschulden“ abtragen.
Letzte Woche, so schreibt Anneliese Schröttle am 27. Dezember 2005, habe ich meine „Knastarbeit“ beendet. Nach über 30 Jahren bin ich „ausgelaugt“ und seit Oktober 70 Jahre alt, d.h. „Ruheständlerin“ ...
In den letzten Jahren habe ich hauptsächlich Gruppen betreut, und mit den vielen Ausländern wurde es immer schwieriger. Endlich will ich mehr Zeit für mein altes Hobby „Malen“ erübrigen!
Nun wünsche ich Ihnen und der LAG weiterhin viel Erfolg. Alles Gute und Gesundheit und viel Freude!

Ein kurzer Rückblick
In Anerkennung ihres langjährigen Engagements hat Bayerns Justizminister Dr. Manfred Weiß am 26. März 2001 im Münchner Justizpalast der ehrenamtlichen Mitarbeiterin im Strafvollzug Anneliese Schröttle aus Donauwörth das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.


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Zufall? (Bauernhof)

Der Bauernhof verfolgt mich wie mein Schatten im Sonnenschein. Und wie es nun der Zufall - oder ist es etwas anderes? - will, begegnete ich bei der Ehrung verdienter Ehrenamtlicher im Sportheim der JVA Amberg einer Familie, die Strafentlassene schon seit Jahren auf ihren Hof integrierte und so die Wiedereingliederung via Bauernhof betrieb. Im nächsten LAG-Info mehr!
Norbert Merz


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Ein Abend für die Ehrenamtlichen in der JVA Stadelheim in München

Von Helene Nestler

In mehreren Gruppen werden wir durch das Gelände der JVA München zur Kantine der Angestellten geführt. Klirrend kalt ist es heute, am 24. November. Aus einem Fenster schauen uns zwei Gefangene nach. „Was wollen denn die alle hier“ werden sie sich denken!
Die Einladung für den heutigen Abend galt den Ehrenamtlichen. Den Leuten, die das ganze Jahr über Gefangene besuchen, ihnen schreiben, an sie denken und sich mit ihnen freuen, wenn es gute Nachrichten gibt. Beamte und Ehrenamtliche sitzen zusammen, bunt gemischt, an langen geschmückten Tischen und hören Herrn Regierungsdirektor Moser zu, der da gerade bemerkt: „Wir danken Ihnen – und wir brauchen Sie – halten Sie uns die Treue.“ Mal ganz ehrlich, wem tut das nicht gut – in den Gesichtern der Anwesenden ist Freude zu lesen. Dann kommt der Sprecher der Ehrenamtlichen, der sich seinerseits dafür bedankt, dass die Beamten der JVA Stadelheim stets freundlich zur Verfügung stehen. Ich sitze – als Gast in dieser harmonischen Runde – mitten unter Theologen, Mitarbeitern von amnesty international und Angehörigen der AA-Gruppe. Sehr schnell findet bei einem guten Essen ein reger Austausch statt und man lernt sich kennen. Der Höhepunkt ist eine Ausstellung von renommierten Künstlern der Münchner Secession, deren Präsident Helmut Kästl uns persönlich von Bild zu Bild führt und uns erklärt, dass es eine Ausstellung dieser Art noch nicht gegeben hätte. „Spurensuche“ hat man sie genannt – und zum Thema Spuren hat uns Herr Moninger von der JVA München dann auch einiges zu berichten. Spurensuche in Stadelheim – viele seien neben der Spur, seit man sie aufgespürt habe. Großspurig sei da niemand mehr. Mancher hatte seine Spur nicht richtig vermessen lassen, bevor er spurlos verschwunden sei. Oft könne man Reue verspüren. Von spürbar bester Qualität waren dann die Plätzchen, die wir serviert bekamen. Gebacken von Gefangenen – dabei hatte auch ein Metzger seine Spuren hinterlassen. Und zum Beweis, dass viele Spurenelemente, die wir in unserem Körper hätten, auch mit dem Knast zu tun hätten, hatte uns Herr Moninger einige Beweise mitgebracht: Eisen, Mangan, Blei, Zinn, Kupfer, Aluminium, Nickel. Nur Arsen hätte er keines auftreiben können.
Zum Abschluss stand mitten im Raum ein kleiner Bauwagen, angefüllt mit Sand und viel Strandgut. Hier bat uns Herr Moninger, zur Erinnerung an den heutigen Abend ein Stück mit nach Hause zu nehmen und im Sand unsere Spuren zu hinterlassen. Was wohl mit diesem Gesamtkunstwerk geschehen wird? Vielleicht dient es ja zur Inspiration für die nächste Ausstellung.
Es war jedenfalls ein sehr schöner, gelungener und interessanter Abend – auch für eine Externe aus Aichach.
Helene Nestler


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Ehrung für langjähriges Engagement in der JVA Amberg

Der Neue Tag - Amberg, 7. 12. 2005

JVA zeichnet ehrenamtliche Mitarbeiter für zehn- und 20-jährige Betreuung von Gefangenen aus

Amberg. (roa) „Jedem muss bewusst sein, dass er es nicht mit einfachen Menschen zu tun hat. Häufig leben sie in den Tag hinein. An uns liegt es, eine Kommunikation mit den Gefangenen herzustellen.“ 17 ehrenamtliche Betreuer von JVA-Insassen wurden am Montagabend von Anstaltsleiter Kurt Rammelt und Kontaktbedienstetem Heribert Hohlheimer für ihre zehn und 20 Jahre lange Mitarbeit ausgezeichnet. Mit gutem Grund wählten die Verantwortlichen dieses Datum: Es war der bundesweite Tag des Ehrenamtes. „Ich habe sehr große Achtung vor ihrer Arbeit“, sagte Rammelt bei der Feierstunde, „ich respektiere ihr Engagement und bewundere ihre Nächstenliebe“. Über 34 Bürger stehen in Amberg Gefangenen, die keine sozialen Bindungen haben, als ehrenamtliche Betreuer zur Seite. Sie begleiten sie bei Ausgängen oder im Urlaub oder geben Hilfestellung zur Entlassungsvorbereitung.
Früher persönlicher
Ernst Guttenberger und seine Frau Gabriele sind zwei davon, die sich seit über 20 Jahren ehrenamtlich um JVA-Insassen kümmern. „Früher war die Bindung zu den Gefangenen noch persönlicher", erzählt die 75-Jährige, „jetzt ist es sehr schwierig geworden, man muss aufpassen, dass man nicht ausgenutzt wird." Ihr Mann ergänzt: „Wer diese Aufgabe übernehmen möchte, darf selbst keine Probleme haben und muss stark sein.“ Persönliche Kontakte zu ehemaligen Klienten haben beide nicht mehr: „Die meisten melden sich wohl nicht mehr, weil ich sie an ihre Zeit im Gefängnis erinnere“, sagt der 75-Jährige. Aber das könne er verstehen. „Ich nehme schon an, dass sich die Gefangenen unsere Ratschläge zu Herzen nehmen. Vielleicht denken sie nicht sofort darüber nach, aber irgendwann“, meint seine Frau. Neben dem Ehepaar Guttenberger wurden für 20 Jahre ehrenamtliche Mitarbeit Brigitte Sänger (Amberg), Willibald Müller (Amberg), Walter Heiter (Henfenfeld), Annehilde Barta (Dürnsricht) und Udo Boecke (Kümmersbruck) ausgezeichnet. Eine Urkunde für zehn Jahre erhielten Maria und Josef Weiß (Vilseck), Georg Sammüller (Regensburg), Maria und Hans Bauer (Hiltersdorf), Werner Flach (Amberg), Ingeborg Boecke (Kümmersbruck) und Karl-Heinz Schöpf (Hohenstadt). Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit in der JVA hat, kann sich mit Heribert Hohlheimer unter der Telefonnummer 79171 in Verbindung setzen.


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Weiden

Treffen der Ehrenamtlichen im Offizierskasino der Ostmarkkaserne am 10. Oktober 2005
Erfahrungsaustausch, ein Bericht über die erste Enttäuschung, Planung für die nächsten Monate - so lässt sich der Abend kurz und bündig umreißen.
Die Gemütlichkeit der Kasinoräume animierte dazu, auch die nächsten Termine wie Weihnachtsfeier und Ehrenamtlichen-Treff im Januar dort zu veranstalten. Im Januar soll die prekäre Wohnungssituation für die Entlassenen in und um Weiden zu eruieren.
Thomas Hartmann, Sozialpädagoge und Verbindungsmann zu den Ehrenamtlichen, kündigte an, dass in den nächsten Wochen in der JVA eine neu Gruppe mit Gefangenen und Ehrenamtlichen zusammen gestellt werden wird. Nach Aussagen von Thomas Hartmann wird neben der Einzelbetreuung auch dieses Engagement der Bürgerinnen und Bürger mit enormer Begeisterung angenommen. Für die Gefangenen zählen diese Begegnungen zu den Highlights der Woche.


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Straubing

Sechzehn Ehrenamtliche, darunter sechs Neue, waren der Einladung von Horst Münzer gefolgt, um die Neuen auf die nächsten Schritte für eine ehrenamtliche Tätigkeit vorzubereiten und über die Zulassung bei der JVA Straubing zu informieren.
So werden nach den Einzelgesprächen in der Anstalt die Teilnehmer zu einem Grundseminar, das im Januar/Februar stattfinden wird, eingeladen, um sich mit den Grundlagen einer ehrenamtlichen Tätigkeit im Strafvollzug zu befassen.
Erstmals war auch Regierungsrätin Stephanie Schreyer anwesend, die die Werbe- und Einführungsphase neuer ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen wird. Der Bedeutung einer JVA Straubing entsprechend werden Stephanie Schreyer und Armin Stranninger die Ehrenamtlichen zukünftig begleiten.


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Bernau

BERNAU - macht Mut für ehrenamtliches Engagement

2. Dezember 2005 - ein Tag wie geschaffen zum Sonnentanken und Erholen im Chiemgau - geschlossene Schneedecke, weiter Blick über die Bergkette unter strahlend blauem Himmel.
Mitten in dieser idyllischen Landschaft liegt die JVA Bernau mit mehr als 800 Gefangenen, menschliche Schicksale vom gescheiterten Leben und zerstörten Hoffnungen - und ebendort gibt es auch die Ehrenamtlichen, denen diese Schicksale nicht gleichgültig sind, die da einspringen, wo der Strafvollzug keine ausreichende Kapazität mehr hat.
An diesem 2. Dezember waren nun die ehrenamtlichen Betreuer zum Jahrestreffen im weihnachtlichen Rahmen eingeladen. Der Konferenzraum im modernen Verwaltungsneubau ist voll besetzt, Herr Reg. Amtsrat Obermeier, der allseits geschätzte „Betreuer der Betreuer", übernimmt die Moderation der gesamten Veranstaltung. Seinem Moderationsgeschick ist es zu verdanken, dass dieser Nachmittag in der bunt zusammengewürfelten Gruppe aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Teilnehmern in einer sehr offenen, persönlichen Gesprächsatmosphäre verläuft.
Die ausführliche Vorstellungsrunde gleich zu Beginn zeigt die Vielfalt in den Aktivitäten der ehrenamtlichen Mitarbeiter sowohl in Einzelbetreuungen als auch in Gruppenangeboten. Als aktuelles Novum fällt eine derzeitig laufende Familienaufstellung von Doris Kraus mit Pfarrer Blum und einem zahlenstarken Mitarbeiterteam von zehn Männern und Frauen der EMMAUS Gesprächsgruppe unter Pfarrer Dr. Siebertz auf.
Der Höhepunkt im Erfahrungsaustausch dieses Nachmittags ergab sich dann ganz ungeplant, als Franz, ein Betroffener aus der Gruppe der AA, einen sehr berührenden Bericht über seine Erlebnisse in der Gruppe der AA gab. Es war geradezu eine hoffnungsvolle Botschaft über den Weg heraus aus den schlimmsten Tiefpunkten des Lebens. Danke, Franz!
In seinen abschließenden Worten bedankte sich dann Herr Ltd. Reg. Direktor Engert für allen Einsatz der Ehrenamtlichen und es war spürbar, wie sehr er deren Arbeit anerkennt.
An dieser Stelle möchte ich im Namen aller Eingeladenen ganz herzlich Herrn Obermeier danken für die Organisation dieses informativen und lebendigen Nachmittags, für die kompetente Führung durch die JVA, die für Neueinsteiger wie mich sehr hilfreich war, um nur annähernd einen Einblick in die riesengroße Vollzugsinstitution zu gewinnen - von Überblick oder Durchblick gar nicht zu reden.
Dialoge  Einzelbetreuung  Gespräche ist sind wichtig, um nicht als Einzelkämpfer oder Eigenbrötler in solch einer selbstgewählten Verantwortung unterwegs zu sein.
München, Dezember 2005

Bruni Rollner


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Straubing

Grundseminar

Unter Mitwirkung von Regierungsrätin Stephanie Schreyer und der LAG wurden im Januar 2006 neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Anhand des Modells „Spannungsdreieck JVA  Gefangener  ehrenamtlicher Mitarbeiter“ befassten sich die Teilnehmer mit ihrer eigenen Motivation, den gesetzlichen Grundlagen des Strafvollzugs und vor allem mit dem Gefangenen und dessen besonderer Situation. Ehrenamtliche Betreuung über einen längeren Zeitraum bedarf der intensiven Auseinandersetzung mit einem nicht immer leichten Metier. Unterstützt wurde die gesamte Aktion von der Werbung in der Presse bis zu den ersten Besuchen der Neulinge in der Justizvollzugsanstalt vom Chef, Regierungsdirektor Matthias Konopka. Auch wir wünschen den Neuen viel Freude, Geduld und Ausdauer bei ihrem so wichtigen Dienst am Menschen.

Norbert Merz


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Bayreuth

Gefangenenkunst in der Wundertüte

Von Eva Bartylla, Nordbayerischer Kurier, 17./18. 12. 2005
„Malen ist eine gute Schule, weil man vorher genau überlegen muss, was man tun will“, sagt Andreas. Andreas ist Strafgefangener in der JVA Bayreuth und stellte Bilder im Cafe Wundertüte aus. Möglich gemacht hat dies der Einsatz des katholischen Gefängnisgeistlichen Alexander Dörfler, der die Bilder dem Publikum vorstellte. Auf die Idee, nach dem kreativen Potenzial seiner Schützlinge zu suchen, kam er, als einer ihm eine kleine Madonna schenkte, die er aus der Gefangenenseife geschnitzt hatte.
„In Bayreuth hinter Mauern“, erklärte er, „findet das Leben in allen seinen Facetten statt.“ Im Mittelpunkt stand ein sehr großes Ölgemälde, das Andreas in der Auseinandersetzung mit dem 11. September geschaffen hat. In monatelanger Arbeit, wie er sagt, und immer im Dialog mit dem Pfarrer. Er lebt darin seine Vision von einer möglichen Lösung aus. Nur wenn sich Leute aller Konfessionen, die an Gott glauben, zusammenfinden, wird Licht und die Hoffnung auf Gemeinsamkeit entstehen, meint Andreas. Genau das hat er in seinem Bild dargestellt. Eine Gruppe derer, die Erkenntnis gewonnen hat, sitzt zusammen und hält auch noch Plätze frei für solche, die Zuflucht suche.
Neben solchen thematischen Bildern malt Andreas auch so genannte schöne Bilder, er empfindet Monet nach oder alte Meister und malt sie zur eigenen Freude oder der anderern. Auch ein anderer Aspekt ist ihm wichtig: „Das ist meine Altersvorsorge", meint er, weil seine Bilder gut ankommen und sich gut verkaufen lassen.
Ein anderer Gefangener, der nicht mit zur Vernissage kommen konnte, schickte zwei Gedichte mit, die Renate Kappauf vom Verein Kontakt vortrug.
Heinrich umrahmte die Vernissage musikalisch auf dem Keyboard.

Eingeschickt von Gerhard Zimmermann


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Niederschönenfeld

Ansprechpartner und Berater

Treffen der ehrenamtlichen Helfer der Justizvollzugsanstalt Niederschönenfeld
Zu dem schon zur Tradition gewordenen jährlichen Treffen der ehrenamtlichen Mitarbeiter hatte die JVA eingeladen. Der Anstaltsleiter, Regierungsdirektor Peter Landauer, konnte hierzu 17 ehrenamtliche Helfer begrüßen und bedankte sich für das großes Engagement und die enorme Bereitschaft, den inhaftierten jungen Männern als Kontaktperson und Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Dies sei gerade in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit.
Derzeit sind in Niederschönenfeld 28 Privatpersonen sowie acht Angehörige von verschiedenen Wohlfahrtsverbänden tätig. Darüber hinaus sind sechs türkische Staatsangehörige der Muslimgemeinde Bäumenheim für die religiöse Betreuung türkischer Gefangener islamischen Glaubens zugelassen.
Der Organisator des Abends und Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen, Sozialamtsrat Werner Stapf, zeigte sich erfreut, dass im vergangenen Jahr sieben neue Helferinnen und Helfer gewonnen werden konnten.
Die ehrenamtliche Betreuung hat in der JVA Niederschönenfeld seit jeher einen hohen Stellenwert inne. Die Ehrenamtlichen verstehen sich für die Insassen unter anderem als Ansprechpartner und Berater, nicht als bloße Interessenvertreter oder Familienersatz. Die freiwilligen Helfer sind in verschiedenen Bereichen der Gefangenenbetreuung tätig und begleiten teilweise Inhaftierte bei Ausgängen.
Bei Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit in der JVA Niederschönenfeld gibt Werner Stapf Auskunft unter der Telefonnummer 09090/706141.
Er ist auch erreichbar unter der
E-Mail-Adresse: werner.stapf@jva-nsf.bayern.de.

(Donauwörther Zeitung, 16. 12. 2005)

Werner Stapf

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Termine

Straubinger Tagung 2006
vom 29. Juni bis 1. Juli 2006
Justizvollzugsschule Straubing

Mitgliederversammlung 2006
16. September 2006, 10:00 Uhr
in Augsburg
Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhof


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Es gilt, sein Leben lang zu arbeiten, zu kämpfen und jeden Tag neu zu beginnen.

Man muss nicht nur mit anderen Geduld haben, sondern auch mit sich selbst.

Franz von Sales


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© LAG 2006-04-16