Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 53


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Werte - Werte - Werte - Werte - Werte       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Entlassung i. d. Arbeitslosigkeit
Naikan im Justizvollzug
Nelson Mandela
Innerer Wandel im Knast
Weg der Selbsterkenntnis
25 Jahre JVS
Gedenken: Albert Gotthold
NAIKAN
Nächsten „retten"
Persische Weisheit
Haben oder Sein
Projekt: Bauernhof
Thema: Bauernhof
Präventionstag 2006
Meinen Schulden?
Info-Pflicht für Analphabeten
... alt werden?
Kommunikation
Tischtennisschläger?
Petitionen im Internet
Wohnungsbesichtigung
... eines Supervisors
Täter produzieren Opfer
Arbeitslosigkeit
1628 meint
Aufrichten statt richten
Entlassung
Marktlücke für Ehrenamtliche?
Girokonto für jedermann?
Der Klick gegen ...
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Werte? Werte! Ja, was sind Werte? Was ist es uns wert, was bedeuten uns etwas? Was ist uns, was ist dem Gefangenen die Freiheit wert?

Albert Gotthold, ein treueres Mitglied unserer Landesarbeitsgemeinschaft ist am 26. 9. 2005 gestorben. Wir werden ihn in ehrenhafter Erinnerung bewahren.

Die Mitgliederversammlung 2005 in Augsburg war gut besucht und wurde durch engagierte Beteiligung zu einer bunten Strauß aus Hinweisen und Anregungen für die Vorstandschaft. Es ist erfreulich, wie selbst verständlich das eine oder andere Mitglied eine weite, kostenaufwändige Reise auf sich nimmt. Danke den Unermüdlichen.

Wenn wir uns in diesem Heft auch mal mit einer japanischen „Innenschau“ auseinandersetzen bzw. informieren, dann um auch wieder einmal den Blick über den Zaun zu wagen.

Das größte Problem, das sich für mich auftut, ist die Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängende Perspektivlosigkeit. Schau ich mich in meinem Bekanntenkreis um, so muss ich bei denen, die mit dieser Problematik kämpfen, sich immer mehr in die Isolation zurück ziehen. Und was wir der von uns Betreute tun? Im Knast hatte er sich über die Jahre einen „Freundeskreis“ aufgebaut, die alle das gleiche Los trugen. Was also ist diese Freiheit für ihn wert?

Ihr
Norbert Merz


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Entlassung in die Arbeitslosigkeit

Was hat sich verändert? Worin liegt der Unterschied? Einen Arbeitsplatz bekommen und dann nach kürzester Zeit die Arbeit verlieren? Oder wäre es besser gleich auf ein Leben ohne Arbeit vorbereitet zu werden? Ich sei ein unrealistischer Sadist? Ich würde nur schwarz malen können? Aber, aber, was sind denn die Fakten?
Darf ich mal einen sehr gewagten Gedanken ausbreiten? Ein Gefangener wurde über Jahre daran gewöhnt mit einem Minimum an Lebensnotwendigkeiten auszukommen. Was ihm fehlt, ist die Bewegungsfreiheit, eine gewissen Selbstbestimmung, eine eigenverantwortliche Lebens– und Tagesgestaltung. Was ihm untersagt wird, ist die sexuelle Freizügigkeit und die Konfrontation mit der Gesellschaft, seinem privaten Umfeld. Nun wird er von einer Stunde zur anderen mit dieser Freiheit konfrontiert. Und nun schon wieder eine Frage: Ist diese Konfrontation damit verbunden, auch über Unsummen von Geld zu verfügen? Wen der so betroffene Gefangene an die Zeit vor seiner Inhaftierung denk, dann geht dies nur mit Geld.
Wäre das nicht der Ansatz für einen gelungene Entlassung in die Arbeitslosigkeit? Was braucht ein Mensch zum Leben? Er braucht einen Krankenversicherung, eine Unterkunft, Essen und Kleidung. Das ist zu wenig? Was daran noch menschenwürdig sei? Wo ist der Unterscheide zum Tiere?
Ich kann mich aus meiner Unzufriedenheit heraus wieder für den Knast entscheiden! Oder ich kann mich für ein Leben entscheiden, wie es viele andere Menschen in einer ähnlichen Situation auch leben. Vielleicht sollte ich mit denen reden und von denen erfahren, wie sie so ein Leben meistern.
Und hier zeigt es sich dann. Der Rausch, der Alkohol, die Drogen sind nicht die Problemlöser. Ein Ehemaliger erzählte mir, dass er trotz intensiver Suche bisher keine Arbeitsstelle gefunden habe. Aber er erkannte, dass sein Alkoholproblem trotz langer Inhaftierung in keiner Weise gelöst war. In dieser Zeit vertraute er sich einer Psychologin der Familienberatung seiner Stadt an. Die Wellenlänge stimmte und sein Wille zu einer Therapie war auch sehr stark. Nach fünf Monaten in einer Suchtklinik kam er zurück. Ich hätte ihn fast nicht wieder erkannt. Seine Haut, seine einfache, aber sauber Kleidung, seine Körperhaltung, sein Auftreten und vor allem seine Einstellung zu seinem Leben hatten sich enorm verändert. Eine positive Ausstrahlung war zu erkennen, obwohl sich an seiner Arbeitslosigkeit nichts geändert hatte und sich auch keine Anzeichen einer Veränderung dieses Zustandes zeigten.
Seine monatlicher Einkommen hatte er so eingeteilt, dass er die lebenswichtigsten Ausgaben mit höchster Priorität versah und alles andere unter Luxus einordnete.
Auf die Frage, ob er jede Art von Arbeit annehmen würde, antwortete er spontan mit einem „Ja!“. Und er erklärte es auch. Damit komme ich unter Leute und ein kleines Zubrot, mir den „Luxus“ leisten zu können, wäre es auch.
Ungerechtigkeit, Kapitalismus, Verarmung und was auch immer noch! Damit ist keinem geholfen. Für mich zeigt dieses Beispiel, dass nicht wir, das nicht die Gesellschaft von jetzt auf gleich seine Lage verbessern können. Dieses Beispiel zeigt mir, dass er mit seiner Genügsamkeit, mit seiner Lebensgestaltung sein Problem lösen kann und auch löst wird.

Was wir ihm geben können? Wir können ihm, dadurch dass wir ihn besuchen, einladen, dazuwischen mit ihm ausgehen, vermitteln, dass er unabhängig vom Geldbeutel ein wertvoller Mensch, ein interessanter Menschen, ein Mitmensch ist. Wir können ihm Wertschätzung, Achtung und Lob, ob seiner Leistung, die er tagtäglich vollbringt, entgegen bringen.

Norbert Merz


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Naikan im Justizvollzug

- durch Meditation zu mehr Selbstverantwortung

Naikan kommt aus Japan und bedeutet „Innenschau“ („Nai“ = Inneres, „kan“ = beobachten). Der Naikan-Übende beschäftigt sich hauptsächlich mit drei Fragen, die in frühere Lebensabschnitte zurückführen:
Was haben meine Mutter, mein Vater oder andere Bezugspersonen für mich getan?
Was habe ich für diese Personen getan?
Welche Schwierigkeiten habe ich diesen Personen gemacht?
Die Reise nach innen dauert sieben Tage und ist ein stiller Weg der Selbsterkenntnis. Naikan hilft, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, die Schuld für Probleme nicht bei Anderen oder in den Umständen zu sehen, die Opferrolle zu verlassen und Zutrauen zu entwickeln, das Veränderung möglich ist.
Seit 2003 wird Naikan im Justizvollzug mit Niedersachsen erprobt. Die Referentin, die selbst Erfahrungen mit Naikan hat und von dessen präventiver und resozialisierender Wirkung überzeugt ist, berichtet über ihre Gespräche mit Gefangenen nach Naikan, über deren Einstellungs- und Verhaltensänderungen und begründet, warum Niedersachsen ein Naikanzentrum im Justizvollzug einrichten will.
Zur weiteren Information über Naikan siehe auch www.naikan.de.

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NAIKAN

Was ist NAIKAN?
Naikan ist ein sanfter Weg der Selbsterkenntnis, der meditative und psychologische Aspekte vereint. NAIKAN beruht auf der grundlegenden Erkenntnis, dass wir nicht nur unsere äußere, sondern auch unsere innere Welt selbst gestalten und verantworten.

Ursprung des NAIKAN
Die NAIKAN-Methode kommt aus Japan und ist frei von religiösen Formen und Inhalten. Das Wort NAIKAN (NAI - Inneres, KAN - beobachten) bedeutet Innenschau oder Innere Betrachtung. Die klassische Form der NAIKAN-Übung dauert sieben Tage und wurde von Ishin Yoshimoto entwickelt. NAIKAN ist in Japan ein weit verbreitetes Meditationsverfahren.

Übungsablauf im NAIKAN
NAIKAN wird in Stille ohne äußere Ablenkung geübt. In geschützter Atmosphäre geben wir uns Zeit und Raum, unsere Lebensgeschichte zu betrachten. Während der Zeit des NAIKAN begegnen wir wichtigen Menschen unseres Lebens erneut. Das Medium dieses inneren Begegnungsprozesses ist die Erinnerung. Auf unserem Weg nach innen sind wir nur in direktem Kontakt mit dem NAIKAN-Leiter. Er sucht uns während unseres Prozesses in regelmäßigen Abständen auf, hört unseren Erinnerungen nicht-wertend zu und versorgt uns mit Mahlzeiten. Welche Personen wir wählen und wie tief wir in die inneren Bilder eintauchen, bestimmen wir selbst.

Zur Praxis des NAIKAN
Diese besondere Betrachtungsweise der erinnerten Vergangenheit und die achtsame, annehmende Begleitung sind die wesentlichen Bestandteile der NAIKAN-Übung. Sie ermöglichen eine tiefe meditative und emotionale Erfahrung, durch deren Intensität sich eine veränderte Sichtweise unserer Lebensgeschichte einstellt. Wir finden uns in den Beziehungen gegenüber wichtigen Menschen wieder und entdecken durch die NAIKAN-Praxis, dass wir uns gleichsam wie ein äußerer Beobachter selbst sehen können. Wir erleben, dass eine andere als die bisher gewohnte Wahrnehmung der inneren und äußeren Welt möglich ist. Ohne Therapeuten, ohne reflektierende Gespräche oder Gruppenprozesse lösen sich allmählich unsere alten Muster auf, und eine sanfte Befreiung von Blockaden beginnt. Diese Befreiung vollziehen wir allein und schaffen so durch sie neuen Raum für Liebe und Achtung uns selbst und anderen gegenüber.

NAIKAN - für wen?
NAIKAN ist geeignet für Menschen, die den Sinn ihres Lebens suchen, die die Bedeutung ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen erkennen und sich auf ihre eigene Verantwortung einlassen wollen. Ungeeignet ist NAIKAN für Menschen, die eine Heilslehre oder Religion suchen, die eine Psychotherapie brauchen. Um NAIKAN zu praktizieren, sind keine besonderen Fähigkeiten oder geistigen Vorbereitungen erforderlich. Voraussetzung für den NAIKAN-Weg sind der Wunsch und die Bereitschaft, in Stille die innere Welt betrachten zu wollen und mit Veränderungen bei sich selbst zu beginnen.


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Persische Weisheit: Veränderungen

Ich glaube, dass niemand seinen Nächsten dadurch „retten" kann, dass er für ihn eine Entscheidung trifft. Die einzige Hilfe besteht darin, dass er ihn in aller Aufrichtigkeit und Liebe sowie ohne Sentimentalität und Illusion auf mögliche Alternativen hinweisen kann.

Die echte Alternative zu Realismus und Utopismus erwächst aus dem Syndrom von Denken, Erkenntnis, Vorstellungsvermögen und Hoffnung. Dieses befähigt den Menschen, die realen Möglichkeiten zu sehen, deren Keime bereits vorhanden sind.

Rainer Funk


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Das Projekt „Bauernhof“

„Wenn wir diesen Menschen in die Stadt entlassen, ist er verloren!“, so kann man es immer wieder hören und auch leider erleben. Nach kürzester Zeit, nicht mit dem Leben in der Großstadt zurecht kommend, werden sie wieder verurteilt und für Jahre weggesperrt.
Und hier drängt sich dann immer wieder, vor allem wenn man im ländlichen Raum groß geworden ist, die Frage auf: „Warum könnte ein Bauernhof nicht der Ort sein, der eine behutsame, vielleicht auch behütete Wiedereingliederung bietet.
Wie schreibt Markus Höbel bei der Vorstellung seines Projektes Katzenlohe im Allgäu? ... dazu gehören ein verständnisvoller, aber klarer Rahmen. Das heißt: eine klare Tagesstruktur, die durch die Notwendigkeiten und stets wiederkehrenden Aufgaben in einem Bauernhof teilweise vorgegeben ist, die Übernahme von Verantwortung (z. B. Fütterung von Tieren) zur Stärkung des Selbstvertrauens (Wie viel traust du dir zu?).
Das Eingebundensein in den Jahreskreislauf ermöglicht eine neue Schulung der Wahrnehmung: Was ereignet sich in der Natur? Wie verändert sie sich? Welche Rolle spielt das Wetter für die Arbeit auf dem Hof? - Über die Wahrnehmung des Außen zur Wahrnehmung des Innen gelangen: Wie ist mein eigenes Befinden? Wie fühlt sich mein Körper? Wie mein Ich?
Das Leben in und mit der Natur lässt Zusammenhänge erkennen (Beispiele: Ich kann nur mähen bei gutem Futterstand und stabiler Wetterlage. Damit die Tiere draußen zu fressen haben, muss der Zaun umgesetzt werden, wenn die Weide abgegrast ist. Damit im Haus Räume und Wasser warm sind, muss Holz zum Heizen gemacht werden.). So Markus Höbel! Ist dem noch etwas hinzuzufügen? Nein!
Jetzt muss man nur noch (nur noch!) Bauern finden, die Entlassene für eine bestimmte Zeit auf ihrem Hof diese Erfahrung, dieses Erlebnis ermöglichen.
Gerhard Zimmermann, ein sehr engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter der JVA Bayreuth hat sich auf den Weg gemacht und vier Bauern angesprochen, die alle, behutsam vorbereitet, dieses Wagnis eingehen wollen.
Während Markus Höbel als Fachmann, konzeptionell tiefwirkender arbeitet, geht es uns um die Wiedereingliederung über den „Umweg Bauernhof“!
Für sachdienliche Hinweise sind wir dankbar.
Norbert Merz

(siehe auch die Homepage: www.knast-online.org/lag/katzenloh.htm)
Siehe auch Seite 37 in diesem Heft!


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Thema „Bauernhof“

„Wenn Du einem Jungen sagst,er soll sich um ein Pferd kümmern, gibst Du ihm zu verstehen, dass Du ihm vertraust”

Zum Thema „Bauernhof“ aus dem Internet aufgelesen!

SAC XIROI ist eine private Vereinigung ohne Gewinnsucht mit sozialer Initiative
Das Pferd und die anderen Tiere
Für das Erzieher-Team des therapeutischen Bauernhofs sind alle „Kleinigkeiten" der Arbeitsweise sehr wichtig: die persönliche Beziehung der Erzieher zu den Kindern, das Vertrauen, das man ihnen entgegenbringt und die Betreuung bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Aber es gibt einen Bestandteil, der dieses Zentrum von anderen unterscheidet und dieser ist das Kernstück, um so gute Resultate zu erzielen. Sollte z.B. eine klinische Behandlung für ein Kind nötig werden, so bietet sich zunächst die sofortige T.A.A. (Therapia Asistida por Animales) an, eine Therapie, bei der die Erzieher ihre Arbeit mit Hilfe von Tieren, als Werkzeug der Wiedereingliederung, ausführen. Normalerweise ist bei diesen Kindern die Beziehung zum Erwachsenen sehr gestört: seine Anweisungen werden nicht befolgt, man hört weder zu noch gehorcht man, aber wenn man auf dem Rücken des Pferdes sitzt, fühlt man sich erhaben und kann einen Abstand zur eigenen Wirklichkeit herstellen, man muss die Anweisungen des Erziehers beachten um zu erreichen, dass einem das Pferd gehorcht und somit ist man fähig, eine qualitative Änderung des eigenen Lebens herbeizuführen. Der therapeutische Bauernhof verfügt über 8 Pferde (4 wurden in Sac Xiroi geboren), die von den Kinder verpflegt, geputzt spazieren geführt und beaufsichtigt werden, so, als handelte es sich um die beste Freunde. Auf diese Weise beginnen die Kinder mit den Tieren eine sehr intensive und liebevolle Beziehung, die auf einem Vertrauen basiert, das sie im allgemeinen zu Personen nicht herzustellen vermögen. Trinidad Barceló, die Direktorin von Sac Xiroi, erläutert den Prozess so: „wenn Du einem Jungen sagst, er solle sich um ein Pferd kümmern, sagst Du ihm, dass Du ihm vertraust, da Du ihm ja das Pferd zur Pflege übergibst und der Junge versteht, dass das Pferd sich von ihm pflegen lässt ohne ihn in Frage zu stellen oder Vorurteile zu haben." So verwundert es nicht, dass ein Junge die Nähe seines Pferdes sucht, wenn er Probleme hat: eine Prügelei, oder ein Problem mit dem Erzieher, Meister, Arbeitgeber oder anderen Mitschülern.


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RECHSPRECHUNG - Informationspflicht gegenüber Analphabeten

Das Sozialgericht in Düsseldorf hat entschieden, dass Sozialversicherer Analphabeten mündlich über wichtige Vorgänge informieren müssen, wenn sie von deren Leseschwäche wissen. Das Gericht gab damit einer Klagenden recht, die wegen ausstehender Beiträge nach mehreren schriftlichen Mahnungen aus der Krankenversicherung ausgeschlossen worden war. Die Briefe an die Frau seien nicht ausreichend gewesen. Die nachträglich erstatteten Beiträge mussten als rechtzeitige Zahlungen anerkannt werden. Die Entscheidung ist rechtskräftig. (wit)


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Wozu aber wollen Sie alt werden?
Oder, warum wollen Sie entlassen werden?

Leben nicht als Wartesaal sondern als Universum für Kreativität und Bewegung

Lebenskunst

  • bedeutet tägliches Handeln nach Gesundheitsgesichtspunkten zu entscheiden!
  • heißt Gelassenheit Raum geben
  • entwickelt Autonomie des Denken und Handelns
  • klärt die Zusammenhänge von Leben und Tod
  • lässt Freude und Melancholie zu
  • variiert Anstrengung und Ausruhen
  • hat ein schönes Leben als Ziel
  • geht verantwortlich mit der Zeit um
  • pflegt Rituale und Gewohnheiten auch im Alltag
  • sucht den Genuss
  • verwöhnt den, der sie sucht
  • entscheidet sich im Detail
  • transportiert Lob und Wertschätzung
  • gestaltet Tag und Nacht als Quelle des Wohlbefindens
  • korrespondiert mit dem Unbewussten
  • entwickelt Körpergefühl
  • fängt mit Ernährung an
  • schafft der Intuition Entwicklungsräume
  • entwickelt Dynamik
  • begreift Rückschläge als Lernquelle
  • nimmt die Zufälle des Lebens an

    macht im Ergebnis das Selbst einzigartig!

    Theodor Bailly


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    Kommunikation

    „Erst als ich die Antwort hörte, wusste ich, was ich gesagt habe.“
    Kommunikation ist der Weg, auf dem Menschen zueinander kommen, eine reichere, gemeinsame Wirklichkeit schaffen und permanent lernen.
    Kommunikation kann zu Verstehen und Verständnis führen, ebenso aber kann sie abgrenzen, ausschließen oder Konflikte erzeugen.
    In der Realität werden die kommunikativen Möglichkeiten selten optimal genutzt:
    Unangenehmes bleibt unausgesprochen, Fragen dienen mehr der Suggestion eigener Gewissheiten als echtem „Wissen-Wollen“, und Lösungen werden präsentiert, bevor das Problem ausreichend verstanden wurde.


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    Ein bockiger Tischtennisschläger?

    F. ist inhaftiert. Für die Freizeitgestaltung steht in der JVA ein Tischtennistisch bereit, und es gibt auch einige alte Schläger. Sie taugen aber nicht für F., früher einmal Stadtmeister seiner Kleinstadt, zehn Jahre lang Mannschaftsspieler, zwei Jahre im Doppel unbesiegt und in Einzelturnieren gelegentlich Dritter. Er wünschte sich daher im Juni von seinen Eltern zu seinem Geburtstag im September einen der guten Schläger, wie sie für etwa € 150 im Handel sind. Nach Rücksprache mit dem Leiter der Station beantragte er bescheiden und realitätsnah die Genehmigung, bei der nächsten Ausführung einen brauchbaren Schläger im Wert von € 100 kaufen zu dürfen. Die Eltern überwiesen das zweckgebundene Geld, aber der Antrag wurde in dieser Höhe überraschend abgelehnt; der Schläger dürfte höchstens € 60 kosten. Nach Rücksprache mit dem Stationsleiter stellte F. einen neuen, von diesem ausdrücklich befürworteten Antrag auf einen € 100-Schläger, den diesmal der Abteilungsleiter ablehnte und auf € 60 beschied. F. fand sich nun mit der Lage ab und plante den Kauf eines guten gebrauchten Schlägers. Er bat jedoch darum, von dem Restgeld einen Kübel Bälle -- 120 dauerhafte Bälle kosten € 30 -- erstehen zu dürfen, die dann allen spielfreudigen Tischtennisspielern der Station – dazu gehören erfreulicherweise auch Beamte – zur Verfügung stehen sollen. Der Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass es im Einkauf Bälle gibt. Dort kosten 6 der billigen Bälle, die an der Naht bald platzen und kaum ein Spiel durchhalten, € 2, und 3 der teuren Markenbälle € 8, also fast doppelt so viel wie die nicht im Einkauf erhältlichen Kübelbälle. Der Antrag wurde abgelehnt. Jetzt bockt F. Er möchte Bälle und Schläger.
    Ob der Klügere nachgibt? Schade um die Gewinnchancen, die der TT-Abteilung der Station entgehen!
    PS. Bei einer erneuten Nachfrage – eine Woche, nachdem F. die Endfassung dieses von ihm gemeinsam mit seiner Betreuerin verfassten Berichts erhalten hatte – erfuhr F. vom Stationsleiter, der Abteilungsleiter habe – nach „heftigen Kämpfen“ – den Antrag auf Einkauf der Kübelbälle genehmigt.
    Das nächste Doppel Beamte – Häftlinge verspricht spannend zu werden.

    Eingeschickt von Anita Ehlers


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    16 28 meint:

    Wer Anderen eine Grube gräbt .....
    Bei all meinem Einsatz in der ehrenamtlichen Betreuung von Strafgefangenen hinterfrage ich meine Tätigkeit immer: Was bringt es dem oder den Gefangenen? Aus meiner langen Haftzeit habe ich oft Erinnerungen, die mich Dinge anders sehen lassen, als das bei manchen „Unbedarften“ der Fall sein wird.
    In den letzten Monaten erlebte ich recht eindrucksvoll, dass mein Denken – als Ehemaliger – doch erheblich abweicht von dem, was andere Ehrenamtliche – und auch Hauptamtliche – letztendlich als Betreuung von Strafgefangenen in einer JVA sehen. Vielleicht ist gerade das „Ex“, der „Ehemalige“, überhaupt der Grund, für mein „Anecken“ bei dem und jenen. Ich betrachte manches Ereignis und Anliegen eben aus meiner Warte. Daraus ergeben sich für mich Situationen – vielleicht auch Missverständnisse, die ich so nicht gewollt habe, die nicht geplant und beabsichtig waren oder sind. Wenn dann noch die Ereignisse eine gewisse Eigendynamik entwickeln, ist das „Ende“ des Geschehens für die Beteiligten oft weder befriedigend noch gewünscht.
    Und trotzdem bin ich der Meinung, dass gerade mein „Ex - denken“ in der Betreuungsarbeit meine Art ausmacht. 16 28 ist nun mal ein „Ehemaliger“, vom „Hörensagen“ könnte ich so was wie die 16 28  Glossen auch nicht schreiben, 16 28 ist gelebte Vergangenheit für die Zukunft.
    Wenn nun ein Verein der Gefangenenbetreuung mich zu seinem Vorsitzenden wählt, wissen die Vereinsmitglieder, worauf sie sich einlassen. Sie wissen alle um meine Vergangenheit – wenn das auch schon fast 30 Jahre zurück liegt - , sie wissen auch, wie ich Fragen der Betreuung und alles, was dazugehört angehe. Probleme in dieser Sache – und nicht nur da – werden von mir frontal angegangen, ganz offen und direkt. Von Taktieren und Frisieren halt ich wenig, hilft auch keinem weiter.
    Diese, meine „Zielstrebigkeit“ wurde nun für mich zur Fallgrube.
    Was ist geschehen ?
    Der Verein, dem ich vorstand, hatte durch widrige Umstände kein Geld, mit den Gefangenen ein geplantes Wochenende – Entlassungsvorbereitung – in einem Ferienhof durchzuführen. (Damit keiner auf dumme Gedanken kommt: Die Kasse des Vereins wurde von einer beamteten Bewährungshelferin verwaltet – nicht von mir!) Aber weiter: Das Wochenende hatten wir den Gefangenen schon versprochen. Der Verein veranstaltet dieses Wochenende immerhin seit über 20 Jahre!
    Die „Arge“, unser Zusammenschluss aller Ortsvereine in der Diözese, die sich den Gefangenen und Wohnungslosen verschrieben hat, verweigerte uns jegliche Unterstützung. Zu diesem Zeitpunkt noch verfügbaren Gelder wurden unter den anderen Ortsvereinen verteilt – wir bekamen nichts! Durch Spenden der LAG und des Landesverbandes wurde das Wochenende mit Gefangenen doch noch gerettet. Sie können sich vorstellen, dass ich das Verhalten der „Arge“ in Sachen Geld – besser: kein Geld – nicht auf sich beruhen lassen wollte.
    Was kann ich gut? Ich kann gut schreiben. In der Art „16 28“ schrieb ich also an die Arge einen „Brief“. In diesem Schreiben bin ich auf die gesamte Praxis der Geldvergabe, den Zinsnachlass für einen Verein, der Darlehen an Vereine usw. eingegangen.
    Schon einige Male habe ich bei Arge – Sitzungen die Art des Umgangs mit „kleinen“ Vereinen angeprangert, Mehrheitsbeschlüsse gingen immer zu Lasten dieser.
    Um die Wirkung des Briefes sicherzustellen, habe ich ihn nicht einfach der Arge zugestellt. Bei der ersten Arge – Sitzung 2005 habe ich den Brief vorgelesen und anschließend an alle Anwesenden verteilt.
    Der Erfolg war durchschlagend! Der Vorsitzende der Arge – ein Geistlicher – und der zuständige Diözesanreferent sind mich in einer derart groben und beleidigenden Weise angegangen, dass ich es nach einigen Minuten - nach Aufforderung – vorgezogen habe, die Runde zu verlassen. Ein Vereinsvertreter fragte mich noch, ob ich denn für meine „ehrenamtliche“ Arbeit auch noch Geld wolle? Auf diese Frage habe ich nicht mehr geantwortet nach dem Sprichwort: Was kümmert es die „Alte Eiche“ wenn sich die Wildsäue dran schaben ?
    Bei einer „Außerordentlichen Mitgliederversammlung“ unseres Vereins, habe ich über die Vorfälle berichtet. Für mich stand fest: Mit der Arge – auch mit der Caritas – arbeite ich nicht mehr zusammen, komme was wolle! Solch eine Behandlung hat nicht einmal ein Ex nötig. Mit 10 : 3 Stimmen kamen wir über ein, den Ortsverein aufzulösen – wie vor einiger Zeit schon mal vorgeschlagen – und einen neuen „Kontaktgruppenverein“ zu gründen, einen Verein, der nicht den Einflüssen von dritten ausgesetzt ist; Geld bekamen wir ja sowieso nicht mehr von der Arge. Weil die „Auflösung“ in der Einladung nicht ausdrücklich vermerkt war, meinte jemand der Beschluss sei nicht rechtens.
    Kein Beinbruch! Neue Mitgliederversammlung mit Ladung in der vermerkt ist:„Auflösung“ des Vereins. Für den neuen Verein hatte ich eine Satzung ausgearbeitet und auch viele viele Leute zur Gründungsversammlung – gleich im Anschluss an die Auflösungsversammlung – geladen.
    Aber -, die Abstimmung über die Auflösung, die ja nur aus formellen Gründen wiederholt werden musste, habe ich mit Pauken und Trompeten verloren. Gerade noch ein Mitglied stimmte mit mir!
    Warum? Gute Frage, ich weiß keine Antwort. Ein „Neinsager“ aus der ersten Versammlung ist der ehemalige Anstaltspfarrer und Gründer des Vereins. Hat er, noch andere überzeugen können, bei der „Kirche“ zu bleiben. Die Beleidigungen mir gegenüber berührten ihn anscheinend nicht. Ein anderer „Neinsager“ ein Vorstandsmitglied wollte auch keinen „neuen“ Verein. Hat er Anhänger gewonnen? Oder waren es ganz andere? Die Mauer des Schweigens gegen mich steht!
    Ich kann nur vermuten.
    Sehen Sie, und da komme ich ins Grübeln. Wie kommt es, dass ich zum Schluss nur noch einen Anhänger hatte?
    Ich werde den Eindruck nicht los, dass da hauptsächlich der „Ex“, der „ Ehemalige“ zur Abstimmung stand und der hat gegen einen Anstaltspfarrer – auch wenn er schon in Pension ist – ganz schlechte Karten.
    Bei der ersten, der 10 : 3 Abstimmung zogen noch meine Argumente für die Auflösung. Die Mitglieder konnten meinen Vorstellungen für den Verein, für die weitere reibungslose Arbeit unserer Gruppe voll zustimmen. Die Sache, und eben nur die, war schlüssig und nachvollziehbar. Die drei Neinsager hatten der Behandlung und den Beleidigungen auch der ganzen „Geschäftsführung“ der Arge wenig entgegenzusetzen. Die Empörung über das Vorgehen der Arge war riesengroß! Fazit: Wir brauchen die Arge und die Caritas nicht. Wir sind so stark, wir gründen unseren eigenen Verein!
    Drei Wochen, bis zur nächsten Versammlung, ziehen ins Land.
    Die Neinsager werden nicht „untätig“ geblieben sein – ein Gespräch hier, ein Telefonat da – man tauscht sich aus. Da ging es nur noch um Personen: „Hat der uns die ganze Wahrheit gesagt? Pfarrer H. meinte doch, er würde sich bei der Arge für den Verein einsetzen (warum erst jetzt??). Der Vorsitzende war doch mal selber .... Sollte es für den möglich sein einen neuen Verein der Gefangenenbetreuung zu gründen? – Ein „Ehemaliger“, ein „Ex“ ? Können wir so was zulassen? Wird die JVA so was zulassen? Wenn da was schief läuft, hänge ich dann damit drinnen?
    Ist es da nicht besser, ich halte mich da ganz raus, ich enthalte mich der Stimme oder ich gehe erst gar nicht hin.
    Sollten wir nicht doch „das alte“, auch wenn es Fehler hat, bewahren, als in eine ungewisse neue Zukunft zu gehen – noch dazu mit einem „Ehemaligen“? – Pfarrer H. sagte doch .....“
    So kann ich mir einige Gespräche unter den Mitgliedern vorstellen. Übringens, der Herr Pfarrer ist auch Mitglied. Zum besserem Verständnis: Für eine Auflösung des Vereins müssen laut Satzung 2/3 der Anwesenden Mitglieder stimmen, macht bei 12 anwesenden mindestens 8 Jastimmen – Enthaltung ist gleich bedeutend mit „nein“. Das wussten auch die Auflösungsgegner.
    Das Ergebnis der letzten Abstimmung:
    Ein Mitglied stimmte mit mir für die Auflösung. 5 Mitglieder waren dagegen, 5 Mitglieder enthielten sich der Stimme, 17 waren erst gar nicht gekommen – alles klar?
    Jetzt meine Frage an Sie, liebe Leser: Wer oder was stand da zur Abstimmung? Für mich ganz einfach: Ein „Ehemaliger“, der Neues will, gegen einen „alteingesessenen Anstaltspfarrer“ auch wenn er schon in Pension ist.
    Hand aufs Herz: Wem würden Sie Ihre Stimme geben? - ? Eben drum!
    Wie den Mitgliedern vorher schon gesagt und klargestellt, habe ich den Vorsitz niedergelegt und bin aus dem Verein ausgetreten, nach fast 10 Jahren. Auch in der JVA Kontaktgruppe, die beim Verein verblieben ist, arbeite ich nicht mehr mit. Der neue Verein wurde nicht gegründet – mit wem auch und auch wozu!
    Ja, liebe Leser, was ergibt sich für 16 28 aus diesem Geschehen? Ich bin nicht so weltfremd, um nicht zu merken, dass zwischen der ersten und der zweiten Abstimmung etwas „gelaufen“ sein muss, ohne den Vorsitzenden, diese mehr oder weniger einhellige Ablehnung meines Antrages ist ohne vorherige „Absprache“ fast nicht zu erreichen.
    Und noch eines: Ist es mir, einem „Ehemaligen“, zu verdenken, dass bei allem Wollen und Tun um den alten und neuen Verein, für mich der Gefangene in der JVA und nicht der Ehrenamtliche, an erster Stelle steht?
    Bei der Abstimmung – letzte Mitgliederversammlung – fühlte ich mich wie in „alten Zeiten“ im Knast:
    Man hatte, andern Ortes über mich entschieden. Das Ergebnis wurde mir mitgeteilt ..... !
    Gründe? Einem „Ex“ Gründe nennen müssen? Wozu denn das - ? Das „Ex“ hatte ich auch nach 28 Jahren schon fast „vergessen“! Stände ich nochmals vor dem gleichen Problem, ich würde wieder genau so handeln! Was mich aber am meisten berührt:
    Um mich wurde es kälter – Winter, mitten im Sommer! Vermeintliche Freunde rückten von mir ab. Wollte ich zuviel? –

    Ihr 16 28

    PS: Über dieses ganze Geschehen habe ich einen ausführlichen Bericht abgefasst. Er ist im Stil der 16 28 – Glossen geschrieben. Auf Wunsch schicke ich Ihnen einen Durchschlag zu. Titel: „Die Alte Eiche“.
    -.-.-.-.-.-.-
    Anmerkung der Redaktion: 16 28 ist bei uns mit vollem Namen und Adresse bekannt!


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    AUFRICHTEN STATT RICHTEN
    Ein wichtiger Aspekt der Betreuungsarbeit, oder?

    Woran denken wir, wenn wir das Wort „richten“ hören? Wir die Ehrenamtlichen denken an Gericht im Sinne von „Recht sprechen, urteilen; verurteilen“.
    Das Herkunftswörterbuch des Duden beginnt bei der Begriffsklärung erst einmal mit „richten“ im Sinne von „gerade machen“, „einen in eine gerade oder senkrechte Richtung, Lage“ oder „Stellung bringen" und verweist unter anderem auf den Begriff: „Richtschnur“.
    An diesen Wortgebrauch schließt sich einerseits die Verwendung von „richten“ im allgemeinen Sinne von „in eine bestimmte Richtung oder Lage bringen, mit etwas abstimmen, auf etwas hinlenken" an; also Richtung geben. Andererseits wird auf die fachsprachliche Verwendung von „richten“ im Sinne von „die Dachbalken setzen, ein Haus mit einem Dachstuhl versehen" mit den Beispielen Richtfest und Richtkranzverwiesen.
    Ferner wird „richten“ im Sinne von „recht oder richtig machen, in Ordnung bringen, zubereiten, bewerkstelligen" gebrauch. Oder man möge dazu anrichten, Anrichte, den „Tisch zum Anrichten oder Bereithalten der Speisen; Kredenz" beachte.
    Ist es nicht vielfältig dieses Wort: richten? Für mich hat es jedoch bei aller Härte, wenn wir an „verurteilen“ denken, immer den positiven Aspekt des Aufrichtens, des In-Ordnung-bringens, des Ausrichtens.

    Lasst uns in unserem Tun „Richtung geben“!


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    Unterstützung bei der Job-Suche
    – Marktlücke für Ehrenamtliche?

    Von Georg Osner

    Georg Osner ist seit einem halben Jahr ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der JVA Landshut. Seine Intention ist es, Gefangene auf ihre Zeit nach dem Gefängnis vorzubereiten und sie insbesondere für die Jobsuche fit zu machen.
    Eine erste Runde der Unterstützungsaktion ist bereits abgelaufen und hört sich vom Ergebnis recht zufriedenstellend an:
    Von insgesamt sieben Interessenten bzw. Teilnehmern an einer einstündigen Infoveranstaltung haben vier Gefangene Einzelgespräche angefordert und daran teilgenommen. Von diesen vier Gefangenen haben nach Abschluss der Einzelgespräche alle nach ihren eigenen Angaben jetzt eine Arbeitsstelle in Aussicht.

    Vorgehensweise: Schwerpunkte der beabsichtigten Unterstützung sind die folgenden drei Maßnahmen.
    1. ein allgemeiner Vortrag und gemeinsame Diskussion zu den Themen:
       * erste Schritte vor und nach der Entlassung,
       * Jobsuche,
       * Bewerbung
    2. auf Anforderung Einzelgespräche mit den Schwerpunkten:
       * was will ich – was kann ich – wo?
       * Erstellung eines schriftlichen Lebenslaufes
       * Wie stelle ich Zeiten ohne Arbeit oder die Zeit im Gefängnis dar ?
       * Zusammenstellung weiterer Bewebungsunterlagen
       * Abklärung, wie komme ich an Stellen ran
    3. bei Bedarf und auf besonderen Wunsch weitere Unterstützung
       * bei der Suche nach einer Wohnung
       * bei der konkreten Suche nach einer freien Stelle (z.B. Internet, Zeitung)
    Nach Abstimmung mit dem zuständigen Sachbearbeiter beim Arbeitsamt wurde insbesondere auch auf folgende Punkte aufmerksam gemacht:
    Künftigen Wohnsitz rechtzeitig festlegen und eintragen!
    Zu beachten:
    Ohne Wohnsitz wird es schwierig bzw. ist eine Antragstellung beim Arbeitsamt nicht möglich. Wichtig ist, dass eine entsprechende Anmeldung beim Einwohner-Meldeamt vorgenommen wird und der Betroffene über die angegebene Adresse auch erreichbar ist. Vorübergehend können hier z.B. auch Untermietverhältnisse bei den Eltern abgeklärt werden.
    Sofort nach Entlassung zum zuständigen Arbeitsamt gehen!
    Zu beachten: Ansprüche entstehen grundsätzlich nur ab Tag der Antragstellung, daher sofort nach der Entlassung (am gleichen Tag oder am nächsten Tag ) zum Arbeitsamt. Der Entlassungstag gilt noch als Hafttag.
    Merkblätter des Arbeitsamtes durchlesen
    Es gibt immer noch Möglichkeiten für zusätzliche finanzielle Unterstützungen.
    Zu beachten: Die Leistungen müssen vorab beantragt werden und dann durch Belege nachgewiesen werden ! Es besteht aber kein Rechtsanspruch, d.h. die Leistungen können gewährt werden, müssen aber nicht.
    Beispiele für zusätzliche Leistungen:
    Merkblatt 3 - Vermittlungsdienste und Leistungen
    z.B. Fahrtkostenerstattung, Zuschuss für Bewerbungskosten, Zuschuss für Arbeitskleidung.
    Übergangsbeihilfen (Lebensunterhalt bis zur 1. Arbeitsentgeldzahlung)
    Beihilfen für externe Arbeitsaufnahme ( Fahrkosten, Umzugskosten, Trennungsgeld..) Existenzgründungszuschuss (Selbständigkeit)
    Arbeitnehmerhilfe (bei Aufnahme Saisontätigkeit – Tageszuschuss 13€) Vermittlungsgutschein – für private Arbeitsvermittler
    Trainingsmassnahmen
    Berufliche Weiterbildung
    Welche Arbeitslosenunterstützungsleistungen gibt es:
    Arbeitslosengeld I (ab 2006 für max. 12 Monate) Arbeitslosengeld I erhält, wer während der letzten 3 Jahre mindestens 1 Jahr beitragspflichtig beschäftigt war. Bestimmte Beschäftigungen während des Gefängnisaufenthaltes sind auch beitragspflichtig und zählen daher mit. Es sollte vorher abgeklärt werden.
    Arbeitslosengeld II (bisher Arbeitslosenhilfe)
    Arbeitslosengeld II erhält, wer
       * Arbeitsfähig ist , d.h. mindestens 3 Stunden pro Tag arbeiten kann
       * Hilfsbedürftig ist, d.h. kein Vermögen hat und der Partner nur ein geringes Einkommen hat.
    Die Höhe des Arbeitslosengeldes II ist z.Zt. 345 € . Zuschläge gibt es für Angehörige und für Miet-, und Heizkosten.
    Ein weiteres praxisrelevantes Thema war:
    Was sage ich bei Vorstellungsgesprächen über meine Vorstrafen, über meinen Gefängnisaufenthalt, welche Angaben mache ich im Lebenslauf oder auf Personalfragebögen?
    Nach dem Datenschutzrecht gilt Folgendes:
    Regelmäßig dürfen nur Angaben über das Vorliegen von Straftaten der letzten 5 Jahre und über Delikte erhoben werden, soweit sie beachtlich sind zur Prüfung der Zuverlässigkeit für die vorgesehene Arbeit!
    Zu beachten:
    In vielen Fällen brauchen daher keine Angaben zu Vorstrafen gemacht werden!
    Falls jedoch ein Arbeitgeber ein polizeiliches Führungszeugnis anfordert, z.B. Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst, sind darin alle Straftaten der letzten Jahre aufgeführt.
    Welche konkreten Angaben getätigt werden, sollten jedoch immer im Einzelfall entschieden werden:
    Bei schriftlichen Bewerbungen mit Angaben von Vorstrafen dürften bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage diese Bewerber keine Chance haben!
    Auch in Lebensläufen sollten Zeiten mit Gefängnisaufenthalt nicht unbedingt als solche dargestellt werden ! Ohne zu Lügen kann diese Zeit auch als „Arbeitssuchend“ beschrieben werden.
    Bei persönlichen Bewerbungsgesprächen mit einem „sozialen“ Gegenüber kann jedoch auch manchmal Offenheit das entscheidende Kriterium für eine mögliche Anstellung sein.


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    Bücher für die JVA Landshut

    Großzügige Sponsoren ermöglichten eine Bücher-Spende für russischsprachige Strafgefangene in der JVA Landshut
    Projektleiter Otto Werner und Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, der mit seinem Projekt die Einbindung ehrenamtlicher Betreuer von Aussiedler/Migranten in die Bestehende Netzwerke sehr intensiv betreibt, hat auf Betreiben von Peter Möller russischsprachige Bücher ausgewählt und besorgen. Otto Werner wählte die Bücher nach den Gesichtspunkten aus, die Annäherung von Einheimischen und Aussiedler zu unterstützen und der Wiedereingliederung und Resozialisierung zu dienen.
    Dabei geht es inhaltlich um Bücher mit Biographien einfacher Russlanddeutscher Bürger, Bücher von Russlanddeutschen Autoren und um Bücher die Geschichte der Aussiedlung und die langen Wanderung bis zur Rückkehr nach Deutschland darstellen.
    Insgesamt 78 Bücher konnten in der JVA an A. Mitterer, Oberregierungsrat und Rolf Kraus, Sozialdienst übergeben werden. haben.
    Otto Werner


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    Roundtable in Schnedenhaarbach

    Ein Tag in einem Kreis von Menschen, die Christ sein nicht nur reden, sondern leben und praktizieren.
    Jeder der in dieser Gemeinschaft lebt, um Suchtkranken Menschen in die „Freiheit“ zu begleiten verzichtet auf Kariere und auf ein normales Einkommen. Die Sucht kranken Menschen, die sich für die Wohngemeinschaft auf dem Hof in Schnedenhaarbach „Gutes Land“ entscheiden, haben sich ausführlich mit dem Therapiekonzept, dem Programm, mit den Auflagen und mit den Hilfsangeboten der Gemeinschaft auseinandergesetzt.
    Wie auf einem großen Bauernhof alter Prägung fühlte ich mich, als alle Bewohner der Hofes mit uns in der „Großen Stube“ zu Mittag aßen. Ich erlebte das als Aufgenommen, Angenommen sein und zu einem Großen Ganzen zu gehören.
    Voller Stolz und Dankbarkeit führte mich Dirk Hellmann über den Hof, zeigte mir den Schweinestall, die Zuchtsau, die in etwa drei Wochen ferkeln wird, die Truthühner, die auf dem Weihnachtstisch der einen oder anderen Familie landen werden, seine Rinder, die Heizanlage, den Raum mit den Kühltruhen, usw. usw.
    Hier arbeite, nein hier wirkten Menschen, die von einem unerschütterlichen Glauben beseelt, eine beispielhafter Nächstenliebe praktizieren, ohne das Ziel der ihnen anvertrauten suchtkranken Menschen aus dem Auge zu verlieren.
    Und was hat das mit der LAG zu tun? Nun, ich hab die Einladung von Dirk Hellmann angenommen, um mit in der JVA Landshut bereits ehrenamtlich tätigen und solchen, die an einer zukünftigen Arbeit interessierten Christen auf der Basis unseres Grundkurses über Rechte und Pflichten eines ehrenamtlichen Mitarbeiters zu informieren und im Dialog die Besonderheiten des Strafvollzuges herauszuarbeiten.

    Norbert Merz

    Anschrift: Dirk Hellmann
    Therapeutische Wohngemeinschaft
    Schnedenhaarbach 73
    D-84137 Vilsbiburg
    Tel: 08741 1711 / Fax:08741 1399


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    35 Jahre AK Resozialisierung

    Wie heißt es in der Einladung zu diesem Jubiläum am 6. Oktober 2005:
    Seit 35 Jahren betreut der Arbeitskreis Resozialisierung (AK Reso) straffällig gewordene Menschen und ihre Familien. Mehrere tausend Strafenlassende Frauen und Männer haben Hilfe der ehren– und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein neues Leben beginnen können.
    Der AK Reso wurde ursprünglich von Engagierten Ehrenamtlichen als eigenständiger Verein gegründet. Von Anfang an entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit der Bewährungshilfe, den Gerichten und den Justizvollzugsanstalten. Ehrenamtliche Arbeit ist bis heute ein Markenzeichen des Arbeitskreises.
    35 Jahre Straffälligenhilfe ist ein Grund für uns mit allen Mitarbeitenden Freunden, Kooperationspartnern/-innen und Unterstützenden - also mit Ihnen! - zu feiern.
    Friedrich Leinberger , Einrichtungsleiter

    Der LAG mit all seinen Mitgliedern bleibt nur noch, für die nächsten 35 Jahre dem AK Reso und den dort Tätigen, Aktiven und Engagierten alles, alles Gute zu wünschen. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg bei der Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen.

    Norbert Merz


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    Mitgliederversammlung 2005 in Augsburg

    Es war wieder eine engagierte Mitgliederversammlung, die neben der zwingend vorgeschriebenen Tagesordnungspunkten, wie Kassenbericht, Kassenprüfung und Bericht des Vorstandes, auch genügend Zeit für die Mitgliedern einräumte, um an der Gestaltung der LAG mitzuwirken.
    In diesem Zusammenhang wurden nicht nur Vorschläge gemacht, wie man mit säumigen Mitgliedern verfahren sollte, sondern auch Wege aufgezeigt, wie man zu Bußgeldzuweisungen kommen könnte.
    Andere Vorschläge betrafen die Gestaltung von Merkblättern zu verschiedenen Themen der Betreuung für ehrenamtliche Mitarbeiter, die Durchführung einer Fragebogenaktion, um etwas mehr auch über etwas ferner stehend Mitglieder und deren Bedürfnisse zu erfragen.
    Ein sehr stark in die Zukunft weisend und die neuen Kommunikationswege nutzende Vorschlag sieht den Aufbau von Foren vor. Beispiele dafür gibt es unter anderem im Knastnet, das unter der Leitung unseres Mitgliedes Winfried Puchinge aufgebaut, organisiert und auch finanziert wird.
    Seit vielen Jahren treffen sich viele Interessierte, Angehörigen und Betroffene, um über ihre Probleme und Sorgen zu schreien, aber auch um Antworten und Zuwendungen zu bekommen.
    Aus den Foren bzw. Chats haben sich zwischenzeitlich Treffen, die in ganz Deutschland ein oder zweimal pro Jahr angeboten werde, entwickelt.

    Norbert Merz


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    Termine

    Straubinger Tagung 2006
    vom 29. Juni bis 1. Juli 2006
    Justizvollzugsschule Straubing

    Mitgliederversammlung 2006
    16. September 2006, 10:00 Uhr
    in Augsburg
    Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhof


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    „Selbstwertgefühl"

    Zum Kind, zu unserem Gegenüber
    ja sagen!

    Du bist es mir wert, Du bist etwas
    wert.

    Das Tun, das Wirken stärkt rück-
    wirkend das Selbstwertgefühl!

    Ich bin jemand!

    Wir, wir ganz alleine, sorgen für
    das Selbstwert– oder ein Minder-
    wertigkeitsgefühl


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    © LAG 2006-04-16