Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 52


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LAG-Info 52       Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Öffentlichkeit und Strafvollzug
PR oder Öffentlichkeitsarbeit
Jeder ist ein Botschafter
Justizvollzug und Öffentlichkeit
Vornehme Zurückhaltung
Helga Einsele ist verstorben
Helga Bohner-Gailer
Straubinger Tagung 2005
Der offene Brief
Noch einmal PR
Hartz IV
Praktische Hilfe
Rahmenbedingungen
Vorbeugende Schritte
Aufgeschnappt
Betreuen – Begleiten
Mit Phantasie gegen volle Gefängnisse
Keine Chance den Drogen
Dotzler in Freiheit
Landshut
Weiden
Straubing
Rosenheim
Würzburg
gemeinnützige Arbeit
Neuburg-Herrenwörth
Nutznießer
Neuburg
Nürnberg
Niederschönenfeld
Ebrach
Leserbriefe
Beitrittserklärung
Termine
Spruch

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Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Wie nimmt die Öffentlichkeit das Gefängnis, den Strafvollzug, die Bediensteten, uns ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahr?
Im Englischen ist von Public Relations (PR) die Rede, der Pflege der „öffentlichen Beziehungen“. Wir Deutschen sprechen lieber von Öffentlichkeitsarbeit. Und schon stellt sich die Frage: was ist der Lohn für die Arbeit?
Lasst uns nicht lange darüber philosophieren, sondern lasst es uns tun! Knüpfen wir gemeinsam und einzeln Verbindungen, lasst uns über unser Engagement reden und „verwickeln“ Sie sich in Diskussionen, die nicht immer einfach sein werden.
Aus den Regionen gab es wieder Interessantes zu berichten. Aber das Highlight dieses Jahres war natürlich die Straubinger Tagung 2005. Mit dem gewaltigen Angebot an Plätzen, die zur Verfügung gestellt wurden, gebührt der Justizvollzugsschule - dem Chef mit all seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - und dem Ministerium ein ganz großes Dankeschön. Für mich ist das ein Zeichen der Wertschätzung der ehrenamtlichen Tätigkeit und der Menschen, die sie realisieren. Danke!

Ihr
Norbert Merz


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Öffentlichkeit und der Strafvollzug

Zugegeben, als ich diese Titelseite gestaltete und somit das Thema dieses Heftchens festlegte, war ich hin- und hergerissen.
Noch nie gab es in den Medien so viele Berichte, so viele Meldungen zum Strafvollzug. Da legt der Münchner Merkur einen ganze Serie über mehrere Wochen zu den einzelnen bayerischen Justizvollzugsanstalten auf. Das Straubinger Tagblatt berichtet vom Wechsel an der Spitze der JVA bis zum Theaterstückl und der Schachgruppe. Wieder andere Zeitungen zeigen die Schwierigkeiten in den Arbeitsbetrieben auf, die sich durch die Fertigungsverlegung ins Ausland ergeben. Man kann von den Anstrengungen der Gefangenen, die den Quali nachholen, Gesellenprüfungen in den verschiedensten Berufe ablegen, und das zum Teil mit hervorragenden Ergebnissen, lesen. Insider wissen, dass erst durch dieses Engagement der JVA-Ausbildungsbetriebe eine echte Wiedereingliederungschance besteht. Oder es wird über den Kampf gegen die Drogen und die Drogensucht berichtet.
Weniger überzeugend sind dann leider die Serien auf dem einen oder anderen Fernsehsender.
Und wie schaut es in unserem persönlichem Umfeld aus? Wie offen und ohne Scheu und ohne Angst können wir über unser Engagement reden? Oft höre ich bei den Einführungsseminaren: Ein kleiner Artikel in der Wochenendausgabe hat mich auf eure Spur gebracht. Ein junger Journalist, der gerade in diesen Beruf eingestiegen war, wurde durch einen Zehnzeiler auf uns aufmerksam und begleitet uns über ein halbes Jahr. Eine ganze Seite mit Bildern war sein Beitrag für eine erfolgreiche „Mitarbeiterwerbung“.
Aber wie nutzen wir die Presse wirklich für unsere Zwecke, für die Nachwuchswerbung“? Ein Werbefachmann sagte mir einmal: „Ihr macht etwas Grundlegendes falsch! Immer wenn ihr mal wieder ein paar Ehrenamtliche benötigt, dann werdet ihr aktiv und alle sollen springen. Wo ist eure Kontinuität?“
Und ohne Kontinuität geht reichlich wenig! Also müssen wir „im Gespräch bleiben“!
Wir kennen doch die berechtigten Wünsche nach Gespräch, nach Begegnung, also sind wir aufgerufen, noch mehr Ehrenamtlichen für diese Aufgaben zu werben, zu motivieren, zu überzeugen.
Darüber sprechen bedeutet nicht sich in den Mittelpunkt zu „stellen“. Nein, beim Gespräch mit Bekannten, mit Gemeindemitgliedern muss die Sache „Strafgefangener“ im Mittelpunkt stehen.


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Der offene Brief oder die Reaktion auf die Arbeitsgruppe 4

Liebe Vorsitzende und Vorstandsmitglieder der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.!
Ich bin zwar kein Mitglied Ihres Vereines, aber einige Ziele Ihrer Satzung liegen mir doch sehr am Herzen:
-  Betreuung und Beratung der Landsleute.
-  Förderung des landsmannschaftlichen Zusammenhalts, des Kulturgutes und    Brauchtums.
-  Förderung der Jugend bei der schulischen, beruflichen, gesellschaftlichen
   und kulturellen Eingliederung.
   (Ich denke dabei besonders an die inhaftierten jungen Männer. Die bedürfen
   der Förderung am meisten und dürfen von der Landsmannschaft auf keinen
   Fall vergessen werden!)

Am Wochenende vom 8. bis zum 10. Juli nahm ich an folgender Fortbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter im bayerischen Strafvollzug in Straubing teil:

Russlanddeutsche Gefangene
Die Lebenswelt von Gefangenen - Subkulturen

Anna Hoffart, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der JVA Eichstätt, zeigte in ihrem Vortrag, dass ihre eigenen Probleme, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, exemplarisch sind für die Probleme der Russlanddeutschen. Zwei Drittel ihres Lebens lebte sie in Russland und Kasachstan und ein Drittel nun in Deutschland. In ihrem Vortrag ließ sie uns miterleben, mit welchen Problemen ihre Landsleute zu kämpfen haben. Diese kämpferische und gebildete Frau hat die Integration geschafft. Nicht jeder Mensch ist so stark wie sie. Aufgrund ihrer Ausführungen kann ich mir vorstellen, dass viele ihrer Landsleute vor unlösbaren Aufgaben gestanden haben und weiterhin stehen.
Frau Hoffart befragte Deutsche (Bedienstete in einer JVA und Angestellte im Rathaus in Ingolstadt) über ihr Bild von den Russlanddeutschen. Einige Aussagen gebe ich hier nun wieder:

Die Russlanddeutschen
-  sind keine Deutschen, sie können nicht deutsch sprechen,
-  sind ein Milliarden-Grab,
-  sind uneinsichtig und gewalttätig,
-  sind innerhalb ihrer Subkultur nicht erreichbar,
-  sind in der Kriminalität die Nummer 1 und Sozialhilfeempfänger,
-  sind ehemalige deutsche Auswanderer.

Die Befragung der Russlanddeutschen ergab folgende Aussagen:
-  Die Deutschen sind genauso wie du und ich, kein bisschen anders.
-  Die deutsche Nation hat viele positive Eigenschaften.
-  Es gibt viele Gründe, warum es mit uns Russlanddeutschen immer
   mehr abwärts geht. Es ist wichtig, aufeinander zuzugehen. Leider
   kennen die Deutschen unsere Tragödie nicht!
-  Die Deutschen sind sehr interessiert und gut erzogen.
-  Ich werde bald kriminell, helft mir!
-  Machen Sie schneller, ich kann bald nicht mehr!

Eine Aussage eines Russlanddeutschen trifft den Nagel auf den Kopf: „Es gibt viele Gründe, warum es mit uns Russlanddeutschen immer mehr bergab geht. Leider kennen die Deutschen unsere Tragödie nicht!

Von dieser Aussage fühle ich mich angesprochen und inspiriert. Es wäre schön, wenn meine deutschen Landsleute über die Tragödie der Russlanddeutschen mehr wüssten. Es kommt aber auch darauf an, dass die Russlanddeutschen die neue Gesellschaft kennen lernen und hier ankommen und heimisch werden wollen. Wenn Menschen in einer Gesellschaft nicht ankommen, dann sind und bleiben sie Außenseiter und isoliert und leben dann nur in ihrer Subkultur. Der Weg in die schlimmste Isolation, ins Gefängnis, ist dann mehr oder weniger fast eine logische Folge. Diesen Teufelskreis gilt es aufzubrechen, damit das Leben gelingen kann.

In zwei Auswanderungswellen gingen Deutsche nach Russland. Wenn wir von den Wolgadeutschen sprechen, dann sollten wir eigentlich wissen, dass es sich bei ihnen um die erste Welle der Auswanderer nach Russland handelt. Menschen, die Not und Hunger kannten, folgten dem Aufruf Katharinas der Großen. Sie versprach den Menschen an der Wolga nicht nur eine neue Heimat, sondern auch Privilegien wie z.B. steuerliche Vergünstigungen und Selbstverwaltung. Die Wolgadeutschen kamen um 1800 in ihre neue Heimat.

Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um die Schwarzmeerdeutschen. Sie kamen ungefähr 50 bis 60 Jahre später im Wesentlichen aus Lothringen und dem Elsass. Während es sich bei den Wolgadeutschen eher um Protestanten handelte, waren die Schwarzmeerdeutschen im Wesentlichen Katholiken.

Die Tragödie für die Deutschen in Russland begann mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Niemand kann bestreiten, dass die beiden Weltkriege vom Deutschen Reich begonnen wurden. Als im Ersten Weltkrieg an der Ostfront die Niederlage drohte, schleusten die Deutschen den Revolutionär Lenin in St. Petersburg ein. Ihre Erwartung, dass der eine Revolution auslösen würde und die Soldaten dem Zaren davonlaufen würden, erfüllte sich. Der Krieg in Russland wurde auf diese Weise, mit dem Sturz des Zaren, auch gewonnen. Wie wir alle wissen, war dieser Sieg gegen das zaristische Russland aber nicht kriegsentscheidend. Im Westen konnte Deutschland gegen die Übermacht der „Feinde“ nicht gewinnen. Also war der Trick mit Lenin, der aus Russland schließlich das riesige Reich der kommunistischen Sowjetunion machte, weder gut noch segensreich für die Menschen Russlands und auch nicht für die ganze Welt.

Niemand wird bestreiten, dass es viele Leidtragende der Kriege gab und noch immer gibt. Die Hauptleidtragenden der beiden Weltkriege waren die Deutschen in Russland. Sie wurden für die Aggression der alten Heimat (des Deutschen Reiches) in ihrem Leben dreimal, durch Enteignung, Entwurzelung, Wegnahme der Heimat, bestraft. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie von den Kommunisten enteignet. Viele Russlanddeutsche wanderten nach Kanada und Sibirien aus.

Im Zweiten Weltkrieges kam es für die Deutschen in Russland noch schlimmer. Mit dem Vormarsch der Roten Armee mussten die Menschen den inzwischen wieder erlangten Besitz verlassen bzw. im Stich lassen. Dies war die zweite Enteignung. Die Aussiedlung nach Deutschland kommt einer dritten Enteignung nahe.

Viele Russlanddeutsche kamen mit dem Rückzug der Wehrmacht im Jahre 1944 nach mehr als 100 Jahren in die Heimat der Väter, nach Deutschland, zurück. Die Sowjets ließen diese Leute aber nicht so einfach davonkommen und nahmen sie wieder mit in die Sowjetunion. Die Familie von Anna Hoffart kam aber nicht wieder in ihre alte Heimat ans Schwarze Meer, sondern wurde in Archangelsk an der Barentssee, am Polarmeer, angesiedelt. 1963 wurden sie erneut zwangsumgesiedelt. Den Angeboten Tadschikistan, Kirgisien zog die Familie schließlich Kasachstan vor. Dort lebten sie dann in einer Multikulti-Gesellschaft. Sie mussten, ob sie wollten oder nicht, mit Russen, Tschetschenen, Griechen, Koreanern und eingeborenen Kasachen zusammenleben. Es gab nur einen Weg der Verständigung - alle mussten Russisch sprechen. Es war die einzige Möglichkeit um weiterzukommen. Die Eltern, die durch ihre deutsche Sprache und ihre deutsche Volkszugehörigkeit so schrecklich gelitten haben, empfahlen ihren Kindern: „Kinder, schaut zu, dass ihr schnellstmöglich russisch sprecht.“

In Russland wurden diese Menschen wegen ihrer Volkszugehörigkeit und Sprache als Deutsche beschimpft. Nun kommen sie zu uns und werden wegen ihrer anderen Sozialisation und Sprache als Russen beschimpft. Dabei möchte doch jeder Mensch so angenommen und geschätzt werden wie er ist.

Die Ausreise wird nicht immer von allen Familienmitgliedern mitgetragen. Viele Jugendliche werden von ihren Eltern einfach mitgenommen. Sie reisen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren ein, kurz vor bzw. bereits in der Pubertätsphase. Gleichzeitig muss der Jugendliche den Lebensweg finden. Jeder ehrliche Mensch wird zugeben, dass dies auch ohne Entwurzelung schon sehr schwer ist. Die Folge der mangelnden Sprachkenntnisse: keine Ausbildung, keine Arbeit, Langeweile, Trennungsschmerz, Angst vor allem Neuen, keine Akzeptanz von den einheimischen Jugendlichen. Sind sie in der Schule schwach, dann sind sie blöd. Sind sie dagegen gut, dann eben auch gleich zu gut und sie werden ebenso wie die „Blöden“ ausgeschlossen. Die meisten Eltern kommen hierher und verlieren ihren beruflichen Status, sie werden arbeitslos. Ihre Qualifikationen sind bei fünf Millionen Arbeitslosen nicht gefragt. Zudem stehen die Eltern unter dem Stress des Umzuges und auch die Unwissenheit, sich in dieser fremden, komplizierten Welt zurechtzufinden, ist groß. Der Einfluss der Eltern nimmt rapide ab. Frau Hoffart sagte, dass viele Kinder zu ihr in die Beratung kommen mit dem Ziel, wieder ins Ursprungsland zurückzukehren, diesmal ohne die Eltern. Überall hören sie: „Du bist kein Deutscher, überall müssen sie es beweisen, das nervt." So wird ein Selbstwertgefühl nicht aufgebaut. Der Weg, den nicht wenige gehen, Bildung von Gangs, leichte Diebstähle, schwere Diebstähle, ... führt in den Knast und ist ein schlimmer, leidvoller Irrweg.

Gründe für die entstehende Kriminalität sind:
-  Aufwachsen in Armut und sozialer Randständigkeit. Eltern bekommen wegen
   mangelnder Sprachkenntnisse keine Arbeit.
-  Zugehörigkeit zu einer Migranten- oder Minderheiten-Gruppe (Schutz- und
   Wehrreaktion).
-  Besonders belasteter familiärer Hintergrund (Rolle der Frau in der Familie.
   Sprichwort „Der Mann ist das Haupt der Familie und die Frau ist der Hals,
   die das Haupt bewegt. Seitdem sie in Deutschland leben, gibt es viele
   Scheidungen, weil die Frauen die Angst verlieren.
-  Erfahrung von sozialer Ausgrenzung (Ausgrenzungserfahrungen und
   fehlende Anerkennung in der Schule, Berufsausbildung oder beim
   Zusammenleben mit den Einheimischen).
-  Ungünstige Wohnbedingungen und keine Freizeitangebote (günstig
   Sport, Gespräch mit Jugendlichen).
-  Unterbringung in Übergangswohnheimen (eigene Erlebnisse).
-  Einbindung oder Nähe einer Clique von männlichen, gewalt-
   bereiten Jugendlichen (Anerkennung, eigene Normen, leben wie früher).

In der Sowjetunion gab es kein Privateigentum, alles gehörte dem Staat, nicht den Menschen. Im gesamten ehemaligen Ostblock galt die Devise: „Wer den Staat nicht bestiehlt, bestiehlt seine Familie.“ Dies muss man nicht gutheißen, aber es ist vielleicht verständlich, dass die Menschen, denen der Staat vorher alles weggenommen hat, sich anschließend nicht besonders schuldig gefühlt haben, als sie sich Teile dessen was ihnen weggenommen wurde, wieder zurückgeholt haben. So entwickelte sich eine Einstellung, in der nicht das Schätzen im Vordergrund stand, sondern das Klauen.

Not und Armut haben sicherlich zur Verwilderung der Sitten beigetragen. Jeder von uns würde wahrscheinlich stehlen gehen, um seine Kinder zu ernähren. Es entwickelte sich bei den Russlanddeutschen in diesen schwierigen Zeiten eine Kultur des Miteinanders. Nur durch Zusammenhalten lebt man. Dieses Bewusstsein ist uns durch den steigenden Wohlstand und durch Individualismus und Egoismus verloren gegangen. Wenn man ums Überleben kämpft, dann werden andere Dinge wichtig als bei von Jahr zu Jahr steigendem Wohlstand. Im ersten Fall werden die Familie, die Freunde und die Nachbarn wichtig und es entwickeln sich Sprichwörter wie „Lieber 100 Freunde als 100 Rubel!“

Bei steigendem Wohlstand verliert eine Gesellschaft ihre Gemeinschaftsfähigkeit und die Menschen werden immer individualistischer und egoistischer. Nun fordern wir, die deutsche Gesellschaft, dass sie sich an unsere Werte anpassen, dass sie sich integrieren. Dies wird geschehen, denn sie haben gar keine andere Chance. Wenn sie es nicht tun, bleibt ihnen wieder nur der Weg in die Gettoisierung, aus der sie ja erst in der letzten Generation entkamen, als sie sozusagen zu „Russen“ wurden.

Aufgrund dieser Erfahrungen erlebten die Menschen eine andere Sozialisation als bei uns. Aussiedler sind auf Grund ihrer Mentalität sehr gastfreundlich und insgesamt sehr freundlich zu ihresgleichen: „Wenn ich einem Landsmann helfe, dann wird mir auch geholfen, wenn ich einmal etwas brauche".

Probleme zu lösen gilt als Privatsache. Deshalb geht keiner zur Polizei und macht eine Anzeige. Für Aussiedler ist es nicht klar, dass man mit der Polizei reden kann, dass die Polizei Freund und Helfer sein kann und tatsächlich ist. Da die Polizisten in Russland sehr schlecht bezahlt sind, ist Korruption an der Tagesordnung. In Russland kann man alles kaufen. Da wird einem Russlanddeutschen, der wegen seines deutschen Führerscheins bei einer Kontrolle in Moskau Probleme bekam, von einem Polizisten der Vorschlag gemacht, sich doch einen russischen Führerschein zu kaufen. Mit Bakschisch ist alles möglich. So wie der Nationalsozialismus viele Menschen seelisch und moralisch zerstört hat, so haben auch die 70 Jahre Kommunismus vieles bei den Menschen zerstört. Für die Zerstörung unserer Menschen haben wir Verständnis, für die Probleme der Menschen, denen die Zerstörung durch den Kommunismus angetan wurde, haben wir dagegen weniger Verständnis.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion brachen für alle Sowjetbürger wirklich schlimme Zeiten herein. Der von uns Deutschen so heißgeliebte Michail Gorbatschow brachte mit Glasnost und Perestroika dieses totalitäre, kommunistische Weltreich zum Einsturz. Uns Deutschen brachte es nach 40 Jahren Teilung die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes. An die Stelle des alten funktionierenden Systems traten in der Sowjetunion Staatenlosigkeit, Anarchie (keiner war mehr für irgend etwas zuständig), Perspektivlosigkeit, Kampf ums Überleben, erhöhte Kriminalität, für sich und eigene Familie stark sein.

Dort wo Menschen ums Überleben kämpfen, entstehen Gemeinschaftsdenken und Solidarität. Dort wo Menschen immer wohlhabender werden, wuchern Entsolidarisierung und Isolation. Verlangen und fordern wir von den Russlanddeutschen nicht zuviel, wenn wir ihre Integration fordern? In diesem Fall bedeutet unsere Forderung doch, dass sie ihre Gemeinschaftsfähigkeit aufgeben und so egoistisch und individualistisch werden, wie wir sind. Wünschen wir uns tatsächlich, dass sie so werden wie wir, oder sollten wir nicht von ihnen auch etwas lernen, nämlich Gemeinschaftsfähigkeit? Die Russlanddeutschen hätten uns in dem Bereich durchaus etwas anzubieten. Langsam entwickelt sich in unserem Land ein Bewusstsein, dass unsere Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg nicht nur positiv war.

Beratende Institutionen gab es in der Sowjetunion nicht, also hat man sich auf die Familie und Freunde verlassen. Wie Pech und Schwefel hält man treu zusammen. Der Freund ist sehr viel wert. Man verpetzt nicht. Spätaussiedler haben ein anderes Lebensgefühl und andere Vorstellungen von der Normalität als die Einheimischen. Sie kommen aus einem Land, wo es viel zu tun gibt, um den Alltag zu bewältigen (Lebensmittel beschaffen, Wasserpumpe reparieren, Tausch, Zwischenhandel, den Freunden, der Verwandtschaft helfen). Hier ist alles ziemlich simpel, sieht man vom Dschungel der Bürokratie ab - ohne besondere Sprachkompetenz ist das besonders schwer. Das Einkaufen ist schnell gemacht, Waschmaschine wäscht usw. Es bleibt viel Zeit und wenig Geld.

Was normal und was angenehm ist, davon haben die Aussiedler andere Vorstellungen: Für die Jugendlichen ist es normal, nach erledigten Pflichten zu Hause schnell zu essen und marsch ins Freie zu stürzen, zu den Freunden (Hof, Spielplatz, Sport, immer gemeinsam in Gruppen). Man stand zusammen oder saß in der Hocke, man spielte Gitarre, sang dabei, scherzte, lachte und alles laut. Wenn man was dabei hatte, hat man das zusammen getrunken. Die Hochzeiten, Geburtstage, Silvester und Frauentag werden mit vielen Leuten, Musik und Tanz verbracht, man ging aus sich heraus. Alles musste im Überfluss sein, sowohl Alkohol als auch das Essen. Bei der Feier gab es immer Auseinandersetzungen, aber selten wurde die Polizei gerufen, und wenn, dann fand sie kein Opfer und keine Schuldigen. Anna Hoffart: „Man saß da und wartete, bis sich jemand prügelte; ohne das war es keine richtige Feier.“

Ich bin ehrenamtlicher Mitarbeiter in der JVA Bamberg und habe seit einigen Monaten das Bedürfnis, für die jungen Menschen mit russischer Sprache etwas zu tun. Die Normen der russischen Subkultur erschweren den Justizbeamten zweifellos ihre Arbeit. Der Leiter der JVA Landshut, Herr Amannsberger, wollte in Landshut einen Integrationskurs anbieten. Um das interne Machtgefüge aufzubrechen und den Einzelnen die Möglichkeit zur Eingliederung zu geben, sollte der Integrationskurs stattfinden. Diesen Kurs sollten ein ehemaliger Lehrer aus Landshut und eine aus Russland stammende Lehrerin leiten. Neben der deutschen Grammatik sollten auch Kenntnisse in Mathematik und Sozialkunde vermittelt werden. Unterrichtet werden sollten die Grundlagen der deutschen Demokratie und das deutsche Sozialversicherungssystem. Von den 42 Gefangenen mit russischer Muttersprache war nur einer zu dieser Fortbildung bereit.

Ich bin ein ehemaliger Berufsschullehrer und habe an der Berufsschule u.a. viele Jahre Sozialkunde unterrichtet. Ich habe die Probleme junger Russlanddeutscher hautnah kennen gelernt und möchte deshalb diesen jungen Menschen helfen, sich in dieses Land zu integrieren, ohne ihre Identität aufzugeben. Einige Voraussetzungen bringe ich sicherlich mit, und zudem kostet mein Engagement dem armen Staat kein Geld.

Wenn mich die jungen Gefangenen fragen würden, wie ich denn auf die Idee käme, für ihre Integration der richtige Mensch zu sein, dann würde ich ihnen antworten:
1.   Ich bin 1947 geboren und auf dem bayerischen Land aufgewachsen. Ich habe eine sehr ähnliche Sozialisation wie Sie durchlaufen: Härte, Stärke, Mannsein, Ehre, Feste feiern, Trinkfestigkeit. Mein Mater hat 1942 bei Kiew seinen rechten Arm verloren und hat sein Schicksal als kleiner Landwirt nur mit übermäßigem Alkoholgenuss meistern können.
2.   Ich weiß aus eigenem Erleben, wie stark die Sozialisation einen Menschen prägt. Nur mit sehr viel Glück und Offenheit und Hilfe von außen und mit Gnade kann man sich von falschem Denken lösen.
3.   Ich weiß, wie wichtig Menschen sind, die einem im Leben weiterhelfen. Vier Menschen haben mir sehr geholfen. Ohne diese Menschen wäre ich heute nicht als Ehrenamtlicher im Strafvollzug tätig. Wir werden menschlich durch Menschen! Aufgrund der Tatsache, dass mein Vater ein Kriegsopfer und -krüppel war, mussten wir Kinder jeden Tag von früh bis spät auf dem Hof arbeiten. Ich weiß, dass die Russlanddeutschen Kriegsopfer sind, ich bin auch ein Opfer dieses Krieges. Aufgrund meiner Sozialisation war ich ein sehr schwieriger wehrpflichtiger Soldat. Und dann geschah ein Wunder – gerade bei der Bundeswehr traf ich 1969 den Mann, der mich formte und bildete wie kein anderer. Er rief mich heraus aus meiner Isolation: „PzKan Modlmair vortreten!“ Mein Herz blieb vor Schreck fast stehen, denn ich wusste in diesem Moment, dass mich mein Freund, Hauptmann Kempf, nach 15 Monaten befördern wollte. Ich wollte wirklich nicht befördert werden, auch nicht für mehr Sold. Aber wenn ich mich von ihm nicht hätte befördern lassen, dann hätte ich diesen meinen Freund und wahren Menschenfreund enttäuscht – und das wollte ich nicht, und so trat ich vor, heraus aus meiner Isolation. Vielleicht waren diese Schritte die wichtigsten Schritte meines Lebens?
4.   Ich weiß, dass der Name Gorbatschow für die Russen nicht den guten Klang hat wie für uns Deutsche. Mit seinem Satz, „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, hat er aber Recht. Jeder von uns, auf der ganzen Welt, muss offen werden für die Chancen des Lebens (GLASNOST) und wir müssen jeden Tag bereit sein, aus unseren Fehlern zu lernen und unser Leben zu gestalten oder umzugestalten (PERESTROIKA). Diese Forderungen waren schon immer wichtig und richtig, nicht erst seit Gorbatschow. Er hat es halt ausgesprochen und ist dafür berühmt geworden.

Helfen wir doch den jungen Männern in den Gefängnissen, dass sie nach ihrer Entlassung nicht zu spät kommen und wieder rückfällig werden und ihr Leben nicht endgültig verpfuschen. Ich weiß, wovon ich spreche. Einer der berühmtesten Verbrecher der Nachkriegszeit, Theo Berger, der „Al Capone vom Donaumoos“ war sehr ähnlich sozialisiert wie die jungen Russendeutschen. Er zeigte vor Autoritäten und der Polizei keinen Respekt. Er akzeptierte keine Autorität, und so fehlte ihm die Autoritätsenergie, ohne die wir keine Kraft für ein gelingendes Leben haben. Ich war vier Jahre sein Betreuer. Kurz vor seinem Selbstmord nach fast 40 Jahren Knast schrieb er mir: „Mann, ich bin 62 Jahre alt. 39 hocke ich davon schon im Knast. Mein Leben ist vorbei. Was soll ich mich noch abstrampeln? Es ändert nichts, weil sich das „Lebensrad“ nicht zurückdrehen lässt, um eine neue Spur fahren zu können.“ Der Mann war durch seine Sozialisation so programmiert, dass er sich nicht ändern konnte. Aber es hat ihn auch niemand zur richtigen Zeit aus seiner Isolation herausgerufen, von seinen falschen Weg weggelockt. Vor allem hat ihm niemand gesagt und vorgelebt, dass man nicht stark und hart sein muss.

Ich bin ein Ehrenamtlicher und möchte diese jungen Menschen vor einer Katastrophe bewahren. Das Schicksal Theo Bergers ging mir wirklich unter die Haut. Es soll sich auf keinen Fall wiederholen. Auch ich wurde durch meine Männlichkeitserziehung ein ganz harter Brocken. Das Leben hat mich aufgebrochen und weich gemacht. Ich möchte den Gefangenen den Satz der Frau Hoffart vorleben: „Man muss nicht stark sein, man muss Mensch sein!“ Jeder Mensch möchte mit seinem ganzen Hintergrund respektiert werden. Ich möchte den jungen Menschen mit russischer Sprache helfen, dass sie aus ihrer Isolation herauskommen und in dieser Gesellschaft ankommen. Dazu brauchen sie Hilfen, und sie müssen auch bereit werden, Hilfen anzunehmen.

Was hat dieser eine Russlanddeutsche in der Befragung der Frau Hoffart doch gesagt: „Leider kennen viele Deutsche unsere Tragödie nicht.“ Ich möchte helfen, dass die jungen Männer ein Bewusstsein für ihre eigene Geschichte und für die Geschichte Deutschlands bekommen. Die Tragödie und die Leiden der Eltern und Großeltern in der Sowjetunion setzen sich bei den jungen Menschen in den Gefängnissen der Bundesrepublik Deutschland fort.

Ich möchte den jungen Menschen in den Gefängnissen helfen. Wie können wir an die jungen Gefangenen herankommen, damit es uns nicht so ergeht wie Herrn Amannsberger in der JVA Landshut, wo die jungen Menschen mit russischer Muttersprache sich der Integration schlicht verweigert haben? Wie können wir erreichen, dass wenigstens für 50 % der Gefangenen diese Inhaftierung eine unerfreuliche, einmalige Episode in ihrem Leben bleibt und dass sie danach in dieser Gesellschaft ankommen wollen, in der sie nun einmal leben.

Soll man mit den Eltern der Gefangenen Kontakt aufnehmen? Bringt es etwas, jedem Gefangenen solch einen ähnlichen Brief zu schreiben und danach von ihm mit Erlaubnis der Leitung der JVA zu einem Gespräch ins Gefängnis eingeladen zu werden? Selbstverständlich bin ich auch bereit, mit erwachsenen Russlanddeutschen zusammenzuarbeiten, für die es eine Katastrophe ist, dass ihre jungen Männer und Söhne im Knast sitzen. Ich bin auch für alle Impulse offen, die den jungen Menschen im Knast weiterhelfen können. Gespannt erwarte ich Ihre Ideen.

Mit freundlichen Grüßen

G. M.


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Aufgeschnappt

Im Rahmen eines Informationsabends gebrauchte die Referentin zwei Begriffe, die mich begeisterten.

„Ich freue mich, wenn Sie uns besuchen kommen. Bei diesem Treffen werden Ihnen Gefangene Rede und Antwort stehen. Ja, bei unseren Führungen durch das Haus (JVA) sind immer Gefangene dabei. Schließlich zeigen wir Ihnen deren Haus, das Haus der Gefangenen.“

„Therapie und Zwang schließen sich aus. Meine Leute (Gefangene) müssen sich wohlfühlen. Nur in einem Wohl-Fühl-Klima lässt sich gute und zielorientierte Therapie betreiben. Wir wollen doch das Ziel „ein Leben ohne Straftaten“ erreichen.“

N. M.


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Knastchef Herbert Dotzler nach 41 Jahren in Freiheit
„Wer bastelt, sägt nicht“

Chemnitzer Morgenpost, 22. 4. 2005

Zwickau - Genau 41 Dienstjahre hat er hinter Gittern verbracht. Am 30. April verabschiedete sich Knastchef Herbert Dotzler (65) in den Ruhestand.
160 Gäste sind gekommen, um mit ihm „Kartoffelsuppe mit Wiener aus dem Blechnapf“ zu speisen. Es war eine Anspielung auf seinen Lieblingsroman „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ von Hans Fallada.
Der Teufelskreis Knast, den der Romanheld nicht durchbrechen kann, hat Dotzler bei seiner Arbeit mit den Häftlingen viel beschäftigt. „Wer bastelt, sägt nicht“, so eine Weisheit, von der er sich leiten ließ. Daraus entstand ein ganzes Projekt. Gemeinsam mit dem Zwickauer Künstler Joe Harbort organisierte er Bildhauer-Lehrgänge. Dotzler: „Mit der Arbeit an den Sandsteinfiguren wuchs auch der Lebensmut der Gefangenen.“ 15 aktuelle Exponate wurden in den Zwickau-Arcaden ausgestellt und am 30. April um 15 Uhr versteigert.
1991 war Dotzler aus Bamberg nach Zwickau gekommen: „Am Anfang war alles grau in dem Haus.“ Aber das historische Gemäuer am Schwanenteich hatte ihn so beeindruckt, dass er den Umzug beschloss. Als Anstaltsleiter erlebte er hier alles, was der Knast zu bieten hat. Geradezu filmreif war der Ausbruch einer Gruppe von Rumänen, die die Fenstergitter durchsägten und türmten. Sie wurden nie gefasst. Eine Meuterei von Algeriern in den 90ern war von den Polizisten völlig unterschätzt worden. „Die Kollegen kamen an wie die Sommerfrischler. Ich musste sie erst wegschicken, Kampfanzüge holen“, so Dotzler, „dann sind wir rein und haben aufgeräumt.“ Die Meuterer kamen mit Bewährungsstrafen davon.
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Knastchef Herbert Dotzler schloss am 30. April zum letzten Mal sein Büro ab.
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Heute zeigt der Knastchef gern das alte Backsteingebäude, das bei 200 Mann Vollbelegung gründlich saniert wurde. Aber er beklagte auch die wenigen Ausbildungsmöglichkeiten für junge Gefangene in Sachsen.

Seine Erfahrungen will Dotzler in einem Buch veröffentlichen, Titel:
„Strafvollzug im Wandel: Wer bastelt, sägt nicht“. (sti/pap)


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Landshut

Treffen der Ehrenamtlichen und die Besichtigung der Baustelle
Interessant war der Tag in Landshut.
Die Einladung des Anstaltleiters, Regierungsdirektor Hans Amannsberger, hatten Norbert Merz und Peter Möller, Vorstandschaft der LAG, gerne angenommen. Mit einer Teilnahme am Treffen der Ehrenamtlichen der JVA Landshut verband Hans Amannsberger eine Besichtigung der Baustelle in Berggrub (die neue JVA) und im Anschluss daran als Kontrastprogramm die der alten JVA in der Münchner Straße.

Norbert Merz
Landshut, 14. 4. 2005

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Weiden

Arbeitsessen beim Bräuwirt

Alle ehrenamtlichen Betreuer sowie Andrea Konz vom Caritasverband Weiden trafen sich am 18. 6. 2005 im Gasthaus "Bräuwirt" zum Erfahrungsaustausch.
Zur Zeit stehen acht äußerst engagierte ehrenamtliche Betreuer den Gefangenen der JVA Weiden mit Rat und Tat zur Seite.
Während drei an einem, vom Sozialdienst angebotenen, Gruppenprojekt (mit 9 Gefangenen) teilnehmen, stehen die übrigen 5 Betreuer in regem Briefkontakt mit Gefangenen, der auch schon zu dem einen oder anderen Besuch in der Anstalt geführt hat.
Zwei ehrenamtliche Betreuer haben für die Tagung in Straubing ihren Urlaub geopfert.

Thomas Hartmann


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Straubing

Das Treffen der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JVA Straubing um Horst Münzer am 6. 6. 2005 war wieder ein Erfolg.
Regierungsdirektor Matthias Konopka vermittelte den Ehrenamtlichen durch seine Anwesenheit seine Wertschätzung. Darüber hinaus gab er den Startschuss für eine breit angelegte Werbekampagne, die auch von Justizministerin Beate Merk mitgetragen und unterstützt wird.
In einer regional präsenten, großen Zeitung, den beiden Kirchenzeitungen, ausgewählten Pfarrblättern sollen mit einer Artikelserie und einigen Inseraten Mitbürgerinnen und Mitbürger für ein Engagement in der JVA Straubing gewonnen werden.
Trotz immer wieder geäußerter Bedenken bezüglich des „Flächenland“ Niederbayern wird die LAG in Zusammenwirken mit der Anstaltsleitung diesen Werbekampagne angehen und erfolgreich beenden.
„In Anerkennung aller bisherigen Werbeunternehmungen werden wir, wenn alle zusammenhelfen, mit diesen neuerlichen Anstrengungen zur Gewinnung zusätzlicher Ehrenamtlicher für die Gefangenen der JVA Straubing erfolgreich sein“, bemerkte Norbert Merz, Vorsitzender der LAG.
Taktschläger ist Matthias Konopka, Leiter der JVA Straubing, von Ragnar Schneider, Regierungsdirektor im Justizministerium, unterstützt.
Wir wünschen dieser Werbekampagne viel Erfolg und gutes Gelingen!
Norbert Merz


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Rosenheim: Grundkurs im Diakonischen Werk

Acht Frauen und Männer waren der Einladung des Leiters der Ehrenamtlichen Straffälligenhilfe des Diakonischen Werkes Rosenheim, Christian Pohl, gefolgt, um sich in einem eintägigen Grundkurs auf die Betreuung von Gefangenen in der JVA Bernau bzw. Laufen-Lebenau vorzubereiten.
Am Modell „Spannungsdreieck“ wurden die Rechte und Pflichten eines Ehrenamtlichen, die wichtigsten Passagen des Strafvollzugsgesetzes, die Lebenswelt des Gefangenen und die Aufgaben einer JVA aufgezeigt. Bereits einen Tag vor dem Grundkurs hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, unter der bewährten Leitung von Regierungsamtsrat Josef Obermeier die JVA Bernau zu besichtigen und so einen Blick hinter den „Zaun“ zu werfen und etwas Gefängnisluft zu schnuppern.
Der Grundkurs wurde von Alfred Helms, Peter Möller und Norbert Merz, alle LAG, gestaltet.
Nach einem sehr anregenden Kurs, der durch die interessierten Teilnehmer, durch gescheite Fragen und engagiertes Mitarbeiten seine besondere Note erhielt, ging man gegen 17 Uhr auseinander mit dem Versprechen, sich auch an den monatlichen Treffs regelmäßig zu beteiligen.
Norbert Merz


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Ebrach

Zweimal hatte ich die Gelegenheit, an den monatlichen Treffen im Hotel Klosterbräu teilzunehmen. Neben neuen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen lernte ich Frau Brendle, Sozialpädagogin und Kontaktfrau für die Ehrenamtlichen, kennen.
Neben der Möglichkeit, seine Probleme mit anderen zu besprechen und sich auszutauschen, stellte die Gruppe, angeregt durch Vorschläge des Pastoralreferenten, Überlegungen an, wie mit Hilfe von Workshops den jugendlichen Gefangenen aus ihren Zellen, aus ihrer „Isolation“ herausgeholfen werden könnte.
Diese Idee des Pastoralreferenten ist sicher auch für die eine oder andere JVA eine Anregung.

Norbert Merz


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Neue Vermittlungswege in der JVA Niederschönenfeld

Donauwörther Zeitung, 23. 6. 2005

Berufseingliederung für Gefangene über DEKRA-Akademie
Niederschönenfeld (dz). Neben den schon bestehenden Vermittlungen durch Bildungsreferat und Sozialdienst der JVA sowie die Agentur für Arbeit Donauwörth gibt es in der JVA Niederschönenfeld für Gefangene eine weitere Möglichkeit, von der Haft aus eine Arbeitsstelle für die Zeit danach zu finden.
Die DEKRA Akademie Augsburg bildet seit 2003 jeweils zwei Monate lang acht Gefangene in einer beruflichen Anqualifizierung als Lagerfachkräfte aus. Dabei endet die Maßnahme nicht mit der Abschlussprüfung, sondern die Gefangenen werden zum Entlassungszeitpunkt in ein arbeitsplatzvorbereitendes Praktikum oder direkt in eine Arbeitsstelle vermittelt.
Die Akademie hat bereits zwei Lagerfachkraftkurse in der JVA Niederschönenfeld durchgeführt. Die Gefangenen erhielten Kenntnisse über Logistik, EDV, Warenwirtschaft und Stützen durch ein Persönlichkeitstraining (Selbstmanagement, Kommunikation, Bewerbungstechniken und ähnliches). Am Schluss der Ausbildung erhielten die Gefangenen ein Zertifikat.
Neu ist, dass an diesem Punkt die Maßnahme weitergeht: Zwei Teilnehmer konnten noch während der Haft ein einmonatiges Praktikum als Freigänger absolvieren. Von den acht Teilnehmern des Lehrgangs 2003 konnten bereits mehr als 60 Prozent von der DEKRA in Arbeit vermittelt werden. Neu ist auch die Vermittlung über die Zeitarbeitsfirmenkette der DEKRA-Akademien unter anderem in Augsburg und München.
Leider stehen finanzielle Mittel für diese erfolgreiche Anqualifizierungs-Bildungsmaßnahme im Jahr 2005 im aktuellen Haushalt nicht mehr zur Verfügung.
Der Leiter des Bildungsreferates der JVA, Oberlehrer Stefan Fischer, plant, künftig neben den bestehenden Vermittlungen über die Agentur für Arbeit Donauwörth eine bayernweite Vermittlung durch Zeitarbeitsfirmen der DEKRA und andere Zeitarbeits-Partnern auch für andere Ausbildungsberufe des klassischen Handwerks aus dem Bildungsangebot der JVA Niederschönenfeld möglich zu machen. Diese weitere Vermittlungsmöglichkeit wäre für die Gefangenen eine wertvolle Hilfe, weil es selbst für qualifizierte Gefangene immer schwieriger wird, auf einem immer enger werdenden Arbeitsmarkt ohne aktiv vermittelnde Hilfe eine Stelle aufzutun.


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Termine

Mitgliederversammlung 2005
24. September 2005, 10:00 Uhr
in Augsburg
Hotel Riegele, Viktoriastraße 4, gegenüber Hauptbahnhofs)

Straubinger Tagung 2006
vom 29. Juni bis 1. Juli 2006
Justizvollzugsschule Straubing


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Spruch

Jung sein! Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt, sondern eine Geisteshaltung; sie ist Ausdruck des Willens, der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität. Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit, Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.
Man wird nicht alt, weil man eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat: Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt. Die Jahre zeichnen zwar die Haut - Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele. Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen und Hoffnungslosigkeit sind Feinde, die uns nach und nach zur Erde niederdrücken und uns vor dem Tod zu Staub werden lassen.
Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann. Wer noch wie ein unersättliches Kind fragen: Und dann? Wer die Ereignisse herausfordert und sich freut am Spiel des Lebens.
Ihr seid so jung wie euer Glaube. So alt wie eure Zweifel. So jung wie euer Selbstvertrauen. So jung wie eure Hoffnung. So alt wie eure Niedergeschlagenheit.
Ihr werdet jung bleiben, so lange ihr aufnahmebereit bleibt: Empfänglich fürs Schöne, Gute und Große; empfänglich für die Botschaft der Natur, der Mitmenschen, des Unfasslichen. Sollte eines Tages euer Herz geätzt werden von Pessimismus, zernagt von Zynismus, dann möge Gott Erbarmen haben mit eurer Seele - der Seele des Greises.

M. A.


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© LAG 2006-01-17