Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 49


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LAG-Info 49   Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
Das Spannungsdreieck
1628 meint
Wahlen der LAG
Mitgliederversammlung
Bruder Zwickel
Beziehung riskieren
Nachahmenswert
Stalking
Erste Anzeige
JVA Zwickau
Schach JVA Erlangen
Kommunikationsaufgabe
Ev. Hilfswerk München
Nebenbei
Kostenlos
Straubinger Tagung 2004
Katzenloh
Weckelweiler Gemeinschaft
Soz. therap. Abt.

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  Inhaltsverzeichnis

Fachwochen
Rainer Kappauf
Ang. Schwanhäußer
Gedichte - Gebete
Regionen
- Ebrach
- Erlangen
- Aschaffenburg
- Straubing
- Landshut
- Weiden
Schwarzes Kreuz
Kaisheim-Treff
Tagung in der JVA Landsberg
51. Freizeitausstellung
Bücher

Leserbriefe
Presseclub
Beitrittserklärung
Termine
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Unser Flyer Zurück zur LAG-Info - Übersicht


Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!
Das Spannungsdreieck ruft nicht zur Spannung auf, will uns nicht ermuntern Spannungen zu erzeugen, sondern es beschreibt, in welchem Verhältnis Personen mit ihren unterschiedlichen Aufgaben, Wünschen und Verpflichtungen zueinander stehenden.
In unserer LAG-Info bieten wir wieder eine große Palette unterschiedlicher Themen zur Auswahl. So berichten wir über das Leben eines Ehrenamtlichen, einen Besuch in der JVA Zwickau, informieren zu „Stalking", weisen darauf hin, dass Betreuung nicht ohne Beziehung geht, über Schach im Knast und viele andere Themen mehr.
Nach drei Jahren - so gibt es unsere Satzung vor - haben wir wieder einmal den Vorstand gewählt. Der Vorstand, die Beisitzer, die Nachrücker und die beiden Rechnungsprüfer wurden einstimmig gewählt und somit in ihren Ämtern bestätigt.
Auch wenn ich verstehen kann, dass man/frau sich nicht mit dieser Verpflichtung belasten will, so würde ich mich sehr, sehr freuen, wenn uns - der Vorstandschaft - die großen Schweiger auch einmal drei Zeilen der Anerkennung gönnen würden.
Denen die mit mir oder den anderen Vorstandsmitgliedern in Verbindung sind, danke ich von ganzem Herzen. Ihr Zuspruch ist uns Motivation und Ansporn.
Ihr
Norbert Merz

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Das Spannungsdreieck

Im LAG-Info 48 wurde schon die Möglichkeit einer ehrenamtlichen Mitarbeit - im Strafvollzugsgesetz verankert - aufgezeigt. Schaut man sich den Gesetzestext noch einmal etwas genauer an, stellt man fest, dass viele Menschen mit den unterschiedlichen Aufgaben, Verantwortungen und Zuordnungen an der Zielsetzung (§2) ... ein Leben in Freiheit ohne Straftat ... beteiligt sind.
Da ist zum einen der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) mit seinen laut Gesetz ihm zugeordneten Menschen des allgemeinen Vollzugsdienstes, der Sicherheitskräfte und der Fachdienste und zum anderen natürlich der Strafgefangene. Auch er hat Rechte und Pflichten und ist aufgefordert, an der Zielsetzung nach Kräften mitzuwirken.
Somit kennen wir bereits zwei aus unserem Spannungsdreieck: Die JVA mit all ihren Bediensteten, Angestellten und Beauftragten auf der einen Seite und den Strafgefangenen mit all seinen Ungereimtheiten, seinen Problemen, Stärken und Schwächen, seiner Einsicht, seinem Widerwillen, seiner Zugehörigkeit zu einer Subkultur, der Einsicht und Uneinsicht in seine Tat, dem Willen straffrei zu bleiben und der Sehnsucht nach Freiheit und Zuwendung usw.
Die Spannung in diesem Dreieck wird durch die ehrenamtliche Mitarbeiterin bzw. den ehrenamtlichen Mitarbeiter erweitert und - wenn man so will - verschärft.
Die menschliche Zuwendung, die Unterstützung im Rahmen der Entlassvorbereitung und Entlassung - vom Gesetz gewollt - muss zwangsläufig zu einer Spannung im Verhältnis Gefangener und Vollzug führen. Dieses Betreuungsverhältnis ist befrachtet mit Fragen, wie: ist der Ehrenamtliche meiner JVA gegenüber loyal?, lässt er sich vom Gefangenen zum Werkzeug machen?, macht er mir - dem Fachdienst, dem allgemeinen Vollzugsdienst - die Stelle streitig?, wird mich der Ehrenamtliche bei der Anstalt verpfeifen?, was kann ich dem Ehrenamtlichen anvertrauen?, mache ich den Bediensteten nicht zusätzlich Arbeit?, warum muss ich mich schikanieren lassen?, wo beginnt meine Schweigepflicht, wann muss ich der JVA berichten?, wer hilft mir bei Problemen?
Der Fragenkatalog ließe sich beliebig erweitern. Diese Fragen vor Augen könnte man auf die Idee kommen, auf eine Beteiligung der Bürger zu verzichten.
Ja, man könnte wirklich, wenn sich die Ehrenamtlichen der Zielsetzung nicht unterordnen können und diesen Prozess nur stören, auf die Idee kommen das sowieso hochkomplexe und komplizierte zwischenmenschliche Pflichtverhältnis von einer zusätzlichen Störquelle zu befreien.
Was bedeutet das nun für alle Beteiligten?
Das Gesetz ermöglicht der JVA, für die Zielerreichung Bürger für diese Aufgaben mit Gefangenen zusammenzubringen. Diese Möglichkeit nimmt jedoch die JVA in die Pflicht, den für ein nicht ganz einfaches Engagement motivierten Bürger ausreichend zu informieren, darauf vorzubereiten und ihm einer Kontaktperson beizuordnen.
Der Gefangene, der sich um einen Ehrenamtlichen bemüht hat, muss im Beisein und mit dem Bürger in die Verantwortung genommen werden, auf seine Rechte und

Pflichten hingewiesen und auf die Folgen von Zuwiderhandlungen aufmerksam gemacht zu werden.
In regelmäßigen Einzel- oder auch Gruppengesprächen muss die JVA den Ehrenamtlichen Gelegenheit zur Aussprache, zum Hinterfragen und zur Reflexion geben.
Spannungen sind im menschlichen Leben für den Antrieb und für den Fortbestand bedeutsam. Spannungen in einem solch hochbrisanten Dreiecksverhältnis müssen jedoch in einem gesunden Gleichgewicht bleiben. Das aber setzt vor allem eine ehrliche Zusammenarbeit mit der Anstaltsleitung voraus.

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16 28 meint:

Gefangener - JVA - Ehrenamtlicher  ---  Spannungsfelder!!! Spannungsfelder???

Die Gegensätze könnten nicht größer sein. Und doch ist eine Zusammenarbeit erforderlich, um das Ziel der Wiedereingliederung des Gefangenen überhaupt zu erreichen.
Die Gefangenen: Leute, die durch eigene Schuld zu Freiheitsstrafen unterschiedlicher Dauer von einem Gericht verurteilt wurden. Die zu verbüßende Strafe sagt aber noch lange nichts darüber aus, welche menschliche Tragödie, welches verzwickte Schicksal manche Straftäter hinter sich und auch noch vor sich haben. Von der „armen Sau" bis zum „eiskalten Mörder" ist alles vertreten - Mensch eben!
Die JVA: Eine Einrichtung des Staates, um Freiheitsstrafen zu vollziehen - daher auch: Justiz-Vollzugs-Anstalt. Die Bediensteten sind Leute, deren Beruf als Beamte oder Angestellte es ist, ihnen überstellte Gefangene nach den geltenden Gesetzen und Vorschriften für eine bestimmte Dauer zu verwahren und zu behandeln.
Aus der Sicht der Gefangenen gibt es „gute" und „nicht so gute" Bedienstete, auch „strenge" und „genaue" sind in der JVA tätig, genauso wie „freundliche und nachsichtige" Beamte  - Menschen eben!
Jetzt noch die Ehrenamtlichen: Frauen und Männer aus allen Schichten der Gesellschaft, sehr unterschiedlichen Alters mit den verschiedensten Motivationen und Betreuungsarten. Vom Basteln über Deutschkurse, Gesprächsabende, Meditation, Bibelabende usw. - jeder, wie er kann und will  -  Menschen eben!
Jeder hat seinen Platz im Leben, jeder so, wie er es verdient hat, wie er es sich erarbeitet hat oder nicht. Nur - ist das auf Dauer so? Kann die Zeit nicht alles umkrempeln? Ist es so abwegig, dass der Gefangene Ehrenamtlicher wird oder Bediensteter; der Ehrenamtliche wird Beamte oder Gefangener, der Bedienstete wird Gefangener oder Ehrenamtlicher. Machen Sie mit Ihren Schützlingen ein Rollenspiel und Sie werden sehen, wie einfach man die Position des Anderen übernehmen kann. Wie im Spiel - anders ist es auch nicht im richtigen Leben. Wir ähneln uns alle  -  Menschen eben!
Um Menschen richtig kennen lernen zu können - ja direkt „genießen" zu können -, muss man sie in einer Ausnahmesituation erleben, ein Anlass, der nur sehr selten im Leben stattfindet. Das sind Stunden, in denen man sich so richtig wohl fühlt, in denen man die Zeit anhalten möchte, um den Augenblick nicht zu verlieren. Dem „Nächsten" ist man verbunden, wie sonst nie mehr, weil er sich total öffnet. Solch eine „Sternstunde" des Lebens habe ich mal „auf Schub" erlebt.
Für nicht Eingeweihte: „Schub" ist die Verlegung Gefangener von Anstalt A in Anstalt B oder C, mittels eines polizeieigenem Schubbusses. Er fährt nicht den direkten Weg von A nach B, er klappert alle JVAs in der Gegend ab, bringt Gefangene und nimmt welche mit. Der Bus fährt eine festgelegte Route zu festen Zeiten und verkehrt nur am Tage. Die Nacht verbringen die Schubgefangenen in Schubgefängnissen (München: damals im Franzel) oder in Schubzellen von größeren Anstalten. An Landesgrenzen endet die Zuständigkeit der einen Polizei, die Polizei des anderen Bundeslandes übernimmt mit eigenen Bussen den Weitertransport, der Schub ist Polizeisache - alles klar? (Schauen Sie sich in Ihrer Anstalt mal so einen Schubbus an, wenn er gerade am „Schubtag" da ist - sehenswert!)
Man kann sich leicht vorstellen, dass ein „Schub" von Bernau am Chiemsee bis nach Lingen an der Ems unter diesen Umständen gut bis zu drei Wochen gedauert hat - Zeit hatte ich ja, mehr als genug! Ich musste auch wieder runter nach Bernau - der Sommer war gelaufen.
Zurück aber zu meinem, besser gesagt, zu unserem besonderen Erlebnis mit uns selber. Irgendwo am Rhein war für uns das Tagesziel eine kleine Polizei-Arrestanstalt. Ich glaube sogar, es war Wochenende. Der Verwalter, so nannte man damals den diensthabenden Beamten, hatte nicht mehr mit uns gerechnet, die Anstalt war leer und er wollte gerade gehen. Die JVA in der Stadt war aber überfüllt und für uns kein Platz - da Sicherheitsrisiko - „Wir" waren: zwei Österreicher und, was noch viel schwerer wog, drei Bayern! Nach hessischem Verständnis alles Ausländer. Der Verwalter bemühte sich rührend, für uns noch etwas zu essen und zu trinken aufzutreiben, es gab aber nur noch „kalt", was uns nichts ausmachte. Zu trinken hatte er leider nur „Most" (Ich schwöre: Keiner hat mehr getrunken als mit aller Gewalt reinging). „Unser" Verwalter verkündete uns nun, dass er uns nicht in die Zellen einschließen dürfe, weil nach den Vorschriften dazu mindestens zwei Polizeibeamte notwendig sind. Wir müssten also warten, bis der zweite kommt. So lang sollten wir im Aufenthaltsraum bleiben. Er hängte seine Schlüssel an einen Haken und setzte sich zu uns und dem Most.
Einer der Österreicher, ein Baron Freiherr von ..., war ein begnadeter Erzähler, man meinte, direkt dabei zu sein. Einige berichteten aus ihrem Leben, von ihren Straftaten. Der andere Österreicher hatte schweigend da gesessen und nur zugehört. Doch auf einmal begann „Harry" zu erzählen, ganz leise, man musste aufpassen. Er fahre jetzt nach Hamm zur Verhandlung. In Österreich habe man ihn ausfindig gemacht und verhaftet. Er sei froh, dass es die eigene Polizei war und nicht die Israelis. Wir hätten es doch bestimmt in der Zeitung gelesen, er wäre der vom KZ XY (den Ort habe ich wirklich vergessen) er sei der mit den Bernhardinerhunden. „Harry" begann nun, sein ganzes Leben, von der Kindheit und Jugend bis zum Eintritt in die SS, zu berichten. Es war ein Lebenslauf wie tausend andere auch und doch wieder einmalig. „Harrys" Leben verlief wie ein Uhrwerk: Ein Rädchen griff ins andere, ein Ereignis begründete umgehend das nächste. Wo hätte man „Halt" sagen müssen, wo und wann war jemand da, der „Halt" gesagt hätte? Er selber war nach meiner Meinung zu schwach, sich selber ein „Halt" aufzuerlegen. So mussten wir in der Runde in Worten miterleben, wie „Harry" williges Werkzeug der Machthabenden wurde und war. Er sprach nicht von Opfern und Toten, er sprach nur von „Denen".
Der Verwalter erzählte seine Erlebnisse aus dem Krieg und dass es doch möglich war, auch in schwierigen Zeiten und Situationen so zu handeln, dass man vor sich selber und der Welt bestehen kann. Er meinte auch, er war ja nur Hauptgefreiter und nicht Obersturmbannführer. (1968 waren die Erinnerungen an den Krieg halt noch viel frischer.)
Stunde um Stunde sprachen wir in der Runde. Ein Mann aus der Wirtschaft (Betrug - betr. Konkurs) brachte seine Story - Bereicherung durch die Dummheit anderer. Er meinte aber auch, nie im Leben daran gedacht zu haben, an solch einem Ort seine geheimsten Gedanken preiszugeben. Wir waren beeindruckt, wie einfach, wie verständlich sich ein Mensch mit einem Doktor-Titel ausdrücken kann - wenn er nur will, und wenn er möchte, dass andere ihn auch verstehen. Die Zusammensetzung unserer Gruppe hätte verschiedener nicht sein können. Unterschiede in Herkunft und Bildung waren gravierend und doch verband uns eines: Wir hörten dem anderen zu und versuchten, ihn so zu sehen, wie er ist, wir waren -  Menschen eben!
Es war weit nach Mitternacht, der „Zweite" kam nicht. Eine Funkstreife, die „Licht" gesehen hatte, kam und setzte sich zu uns. Mit Geschichten - wahr oder erfunden - wurde es Morgen, und die Streifenbeamten holten aus der JVA Frühstück für uns.
Wenn man das so liest, meint man: fideles Gefängnis. Nein, so sehe ich es nicht! Es war eine Nacht ohne „Spannungsfelder" zwischen den Personen. So was kann man nicht wiederholen, so was kann man nicht vorbereiten. So was ist plötzlich da und man kann es nur genießen und - es ist schnell wieder weg! Der Schubbus kam und wir stiegen ein. Ich glaube beim Verwalter feuchte Augen gesehen  zu haben. Das ist auch Knast - aber nur, wenn sich Menschen als Menschen begegnen, aber das ist leider recht selten. Wir neigen alle dazu, in Schablonen zu denken und zu handeln, Was nicht sein kann, darf auch nicht sein. Um so überraschter sind wir, wenn alle Schranken fallen und wir uns diesem Moment ergeben, der uns alle gleich macht. Unterschiede bleiben, man nimmt sie aber nicht so wichtig. Nicht der ist der Größte, der sich über andere erhebt. Der, der andere zu sich heraufzieht oder zu ihnen hinabsteigt, zeigt Größe und auch Demut vor seinem Nächsten.
Gefangener - Betreuer - Beamter - momentan ein Unterschied, aber auf Dauer?
Spannungen verbrauchen viel zuviel Energie - Spannungen abbauen, das Miteinander verstärken, soll unsere Leitlinie sein.

Ihr 16 28

PS: „Harry" hat sich vor seiner Verhandlung in Hamm in der Zelle erhängt (Zeitung). Auch die anderen habe ich nie mehr getroffen - ich weiß nicht einmal ihre Namen!

Schade ... oder doch gut so!

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Wahlen 2004 - neue, alte Vorstandschaft

Bereits im Vorfeld dieser Wahl 2004 musste man erkennen, dass der alte Vorstand auch der neue sein würde. Dabei liegt es nicht an einem Desinteresse für die LAG, sondern es hat fast ausschließlich damit zu tun, dass die Mitglieder, die solche Aufgaben übernehmen würden, in ihren Ortsvereinigungen schon Verantwortung übernommen haben und stark in der Betreuung von Gefangenen engagiert sind.
Also setzte die Mitgliederversammlung bei der Wahl des Vorstandes und bei der Bestimmung der Kassenprüfer auf das alte Gespann. Und nachdem sich alle auch der Wahl stellten, stimmten sie geschlossen und votierten einstimmig für die bisherigen Amtsinhaber.
Wieder gewählt und in ihren Ämtern bestätigt wurden:
Norbert Merz, 1. Vorsitzender, Peter Möller, 2. Vorsitzender und Schriftführer und Marga Helms, Kassiererin
Dem Vorstand beigestellt sind Marie Wolf und Horst Münzer (Beisitzer).
Ebenso werden Heidi Pfanzelt und Wolf-Dieter Fenzl die Kassenprüfung für drei weitere Jahre übernehmen.
Alle Personen des Vorstandes und der Kassenprüfung nahmen die Wahl an.


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Der Erbhofbauer

Schon seit mehreren Jahren schmerzte sein Herz, wenn er an die Weiterführung seines Hofes dachte. Über viele, viele Jahre hatte er, unterstützt von gute Freunden und Bekannten, ein kleines Reich aufgebaut. Sowohl bei den Fachgremien in der Region als auch im Land schätzt man seinen Rat und sein Engagement. Man bewunderte seinen Aufbauwillen. Auch die Großfamilie bestärkte ihn, weiterhin an seinem Werk zu arbeiten und den Hof mit seiner Erfahrung, mit seinem Elan, seiner Urteilskraft, mit seiner Energie zu erweitern. Obwohl es aus den Reihen anderer Großgrundbesitzer, die um ihre Pfründe Angst hatten, immer wieder massive, unflätige, hinterfotzige Agitation gab, ließ er sich nicht beirren.
Ganz im Gegenteil, er füllte sich noch mehr bestärkt. Und es war für ihn selbstverständlich, sich der Erweiterung der Ländereien, dem Aufbau neuer Außenbezirke, der Erweiterung seiner Familiemitglieder zu widmen. All das machte er nicht blindwütig. Nein, im Wissen, mit seinem Erstgeborenen hatte er dies so vereinbart, dass dieses Werk, dieser blühende Hof weitergeführt werden würde, war er auch immer noch mit viel Freude und enormer Begeisterung dabei, sein Lebenswerk gesund und vital für die anstehende Übergabe zu präparieren.
Als der Zeitpunkt der Hofübergabe näher und immer näher rückte, eröffnete der Erstgeborene plötzlich und ganz aus heiterem Himmel dem Bauern, dass er das Erbe nicht antreten werde.
Das traf den alten Mann sehr, sehr schwer. Was sollte er tun? Er konnte einfach weitermachen, als sei nichts geschehen. Er konnte alles hinschmeißen. Oder er konnte seine Kräfte zusammennehmen und von ganz vorne mit der Suche nach einem Nachfolger beginnen.
Unbeirrt engagierte er sich für seinen Hof. Nun stand wieder die Vierfruchtfolge, das Aufforsten, die Rodung und die Ermunterung andere Grundbesitzer, ihre Felder zu bestellen und so den Bedürftigen und den Gestrauchelten zu helfen. Diesen Menschen eine Chance zu geben, einen Neuanfang starten zu können, das war die Zielsetzung. Im Rahmen solchen Einsatzes eröffnete ihn seine Tochter, dass sie aus der Stadt wieder auf das Land zurückkehren wollte. Den Vorschlag des Altbauern fand sie hochinteressant und so machte er sich daran, sie für das Erbe vorzubereiten.
Ihre Ausbildung, ihre Erfahrungen, ihr Engagement im sozialem Bereich waren für die Führung und die politische Präsenz genau die richtige Mischung für eine Nachfolge. Das direkte Umfeld des Großbauern reagierte auf diese neue Entwicklung leicht verstört und mit vielen, vielen Bedenken. Da gab es Hinweise, wie „in seinem Alter habe ich erst mit der Feldbestellung angefangen!" oder eine andere sagte, „selber schuld, Nachfolger muss man rechtzeitig aufbauen und nicht am Sessel kleben!". Wieder andere meinte, „in seinem Alter gäbe es überhaupt keine Notwendigkeit sich zurückzuziehen". Leider lernte sie einen Mann kennen, der eine Übernahme des Hofes unmöglich macht. Die Sorgen der eingeweihten Familienmitglieder waren von einem zum anderen Augenblick weg und man konnte hoffen, dass der Alte die Sache weitermacht.
Damals lernte ich ihn kennen; etwas verwirrt, etwas hilflos. Und was glaubt ihr, hat er gemacht? Er hat ganz leise gesagt: „Wenn der Herrgott es so will, mache ich weiter! Ich werde die Felder bestellen, die Fruchtfolge beachten, andere Ländereien aufforsten, werde weiterhin die Zielsetzung vorantreiben und für sie werben, um damit den Gestrauchelten und den Hilfebedürftigen zu helfen und sie zu unterstützen."
Auf die Frage, was er sich wünschen würde, antwortet er: Ich wünsche mir für den Hof und für alle anderen Höfe viele, viele Helfer. Mit einem Spruch aus der Bibel machte er sich wieder an seine Aufgabe: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden."


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Einen Menschen begleiten heißt, eine Beziehung riskieren

Von einer ehrenamtlichen Begleiterin

Zur Arbeit als Ehrenamtliche im Strafvollzug bin ich durch eine kleine Zeitungsannonce gekommen. Der Strafgefangene unser Mitbürger, hatte es darin geheißen. Das ist nun eine Weile her. Inzwischen besuche ich den Gefangenen während seiner Haft. Er spricht über sein Leben mit mir. Ich erfahre von ihm einiges zu seiner Tat und von seinen nervlichen Anspannungen innerhalb der Knastregeln. Er spricht auch über seine Ziele und darüber, wie er gerne leben möchte. Dabei habe ich oft bemerkt, dass ich einen Strafgefangenen vor mir habe, der gar nicht gleichgültig ist gegenüber Ehre und Gerechtigkeit und endlich im Guten mit anderen zusammen leben will. Ich habe auch bemerkt, dass er dafür noch sehr viel Stütze braucht.
Dazu möchte ich Ihnen kurz ein Beispiel geben. Da hatte sich ein Untersuchungsgefangener vor Schreck darüber, wo er gelandet ist, ganz auf seine Zelle zurückgezogen, hatte sich eingekapselt und isoliert und hatte dann nach einigem Zaudern doch endlich zugestimmt, einmal mit einer Ehrenamtlichen zu sprechen. Das ist dann geschehen. Und dieser Mann hatte nach seinem ersten Gespräch zu mir gesagt, „das hat aber gut getan, ich habe das Gefühl, wieder dazuzugehören."
Wieder dazuzugehören. „Ja", dachte ich, „von seinem Gefühl her gehört er wieder dazu. Das ist schön. Nur - dass es für ihn auch real und aktiv passiert, dafür muss noch viel geschehen." Er hatte sich dann dafür ausgesprochen, dass eine Betreuung beantragt werde, was geschah und bald genehmigt war.
Nun müssen Sie sich den Verlauf einer solchen Betreuung einmal vorstellen. Ich komme nun Woche um Woche in die JVA, um ihn zu besuchen. Wir unterhalten uns lange. Wir führen die Gespräche immer nur zu zweit, also unter vier Augen und für diese Zeit abgeschirmt von allen anderen im Gefängnis. Woche um Woche sitzen wir uns gegenüber.
Da können Sie sich gut vorstellen, dass mit der Zeit die Unsicherheit verschwindet; seine Unsicherheit mir gegenüber, aber auch meine ihm gegenüber. Das heißt auch, dass unsere Gespräche konkreter werden, auch ungezwungener. Es scheute sich keiner mehr, gegenteilige Ansichten zu verhandeln.
Oft kam es zu keiner Übereinstimmung. Wie sollte es auch. Er hatte sein Leben im Kopf Darin war er gewohnt, der Starke zu sein, und war es auch gewohnt, mit fröhlichen Sprüchen und manchmal mit einer großen Klappe, sich das Leben zurechtzubiegen. Und ich kam von draußen aus meinem Leben und kam für ihn aus der Gesellschaft, an der er sehr viel auszusetzen hatte. Zwei Positionen, die sich anboten, aneinander zu geraten. Das war dann auch ein heftiges Auf und Ab. An manchen Tagen haben wir bis zu drei lange Stunden zusammen gesessen. Wir haben über die Regeln, nach denen er gelebt hat, gesprochen und dar über, wie man auch noch leben kann. Oft haben wir in der nächsten Woche damit einfach nur weitergemacht. Manchmal kam er aber an und sagte, „ich habe in der Zelle noch ein bisschen nachgedacht. Ich glaube, letzte Woche ging es mir nur darum, recht zu haben", oder er kam und sagte, „später, in der Zelle da habe ich gedacht - ich bin ja ein ganz schön sturer Kerl, immer muss ich noch eins und noch eins drauf geben".
Sie merken es. Da bewegte sich etwas. Aber auch auf meiner Seite hatte sich etwas bewegt. Ich lernte, seine Situation besser zu verstehen. Denn das, worüber wir am Nachmittag diskutierten, das wirkte natürlich noch nach, wenn ich den Knast verließ. Draußen dachte ich noch einmal darüber nach, worum es dieses Mal gegangen war und was ich ihm alles gesagt habe. Dabei fiel mir auf, dass Dinge, die ich als selbstverständlich vertrat, in seiner Situation, mit einem Leben in einer sieben Quadratmeter großen Zelle, ganz und gar nicht als selbstverständlich aufgenommen werden können, eher als Bevormundung oder sonst wie herabsetzend.
So in dieser Art reagierten wir mehr und mehr verständnisvoller aufeinander. Gelegentlich seufzte ich über ihn und er über mich und dann setzten wir unsere Gespräche in gewohnter Weise fort. Bleibt noch die Frage, ob ich ihm geholfen habe. Ich weiß es nicht.
Es gab Tage, da verlor er den Mut und zweifelte daran, sein Ziel zu schaffen. Dieses Ziel ist schlicht und einfach der Wunsch, einmal in Freiheit und im Guten mit anderen zusammen zu leben. Er lebt jetzt in einer anderen Unterbringung. Sein Ziel, einmal als Mitbürger ein freies Leben zu leben, hat er nicht aufgegeben. Um sein Ziel zu erreichen, hat er noch einen weiten Weg vor sich.
Das weiß er und dazu schreibt er:
„Wenn ich das hier gesundheitlich überlebe, dann habe ich es geschafft, dann kann ich mir wirklich selber auf die Schultern klopfen. Bis dahin vergehen noch ein paar harte Jahre, aber das ist mir die harte Schule wert. Wenn Du jetzt noch ab und zu kommst oder mal anrufst, dann fühle ich mich schon noch ein wenig besser."


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Erste Anzeige

Mit der ersten Anzeige in einer Zeitschrift überhaupt startet die LAG in ein neues Zeitalter der Mitarbeiterwerbung!
Mit einer Anzeige „Ehrenamtliche Mitarbeiter für die JVA Weiden gesucht" hat die LAG erstmals einen ganz normalen Weg der Werbung beschritten.
Das Maria-Seltmann-Haus - der aktive Seniorentreff - stellte im Programmheft für den Zeitraum Oktober - November - Dezember 2004 Platz für eine fast halbseitige Annonce zur Verfügung.
Neben einer Vielzahl interessanter Kurse, Fahrten, Wanderungen. Konzerte, Ausstellungen und Lesungen, Sprach- und Computerkurse und auch Gesprächskreise ist unser Anliegen
„Ehrenamtliche gesucht" gut platziert.
Ein toller Einstieg für weitere Aktivitäten im November 2004.

Alfred Schell


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Besuch in der JVA Zwickau

Bericht von Norbert Merz

Herbert Dotzler hatte eingeladen

Anlässlich des Zwickauer Stadtfestes 2004 hatte uns Herbert Dotzler, Regierungsdirektor und Leiter der Justizvollzugsanstalt, zu einem Rundgang durch die JVA eingeladen. Eine zweieinhalbstündige Führung ließ uns eine lichtdurchflutete und sehr farbenfrohe Anstalt erleben. Und so ganz nebenbei durften wir den Start des 10. Kurses „Hauptschulabschluss bzw. Abschluss mit Quali", an dem neunzehn Jugendliche teilnehmen, mit erleben. Mit der Aufforderung „Durchhalten und die Chance nutzen", wurden die jungen Menschen in ein Jahr des Lernens und Nachholens geschickt. Die obligatorische Zuckertüte, wie die Schultüte in Sachsen heißt und für Schulanfänger üblich ist, durfte an diesem Tag auch für die Gefangenen (Schüler) nicht fehlen.
In der JVA Zwickau mit ca. 180 Gefangenen ist vom U-Häftling über die Strafhaft für Jugendliche und Männer bis hin zum Jugendarrest für Mädchen fast alles vertreten.
Sehr großen Wert legt Herbert Dotzler auf die Ausbildung der jugendlichen Strafgefangenen. Eine Aufgabe, die in der von Arbeitslosigkeit geplagten Region nicht besonders einfach ist.
Die Stimmung und die Atmosphäre, die wir zu spüren bekamen, war sehr kollegial, sehr menschlich und sehr engagiert. Wie sagt man

Ganz nebenbei, Herbert Dotzler ist ein waschechter Bamberger (JVA Bamberg).

 

Präsentation der Drechselarbeiten

Mit bodenständigen Drechselarbeiten bietet die JVA Zwickau Holzfiguren, wie sie im Erzgebirge üblich sind, für den Markt an. Eine, sieht man von der Drechselmaschine ab, ausgesprochen handwerkliche Arbeit. Nach Aussagen der Anstaltsleitung eine kleine, aber gut absetzbare Leistung.

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Schach, eine neue Sportart in der JVA Erlangen

Klaus und Willi ließen sich zum Schachspiel einladen und eine ehrenamtliche Betreuung gab es extra drein!
Dabei fing alles so harmlos an. Ein Gefangener suchte für ein JVA-internes Turnier, das er organisierte, mehrere Schachuhren. - Sie wissen schon, das sind die Kästchen mit zwei Uhren mit zwei Knöpfen. - Man suchte und wurde bei einem ortsansässigen Schachklub fündig.
Willi war letztlich der Schachspieler, der sich bereit erklärte, die Uhren in die JVA zu bringen und sie wieder abzuholen. Alles schien so einfach und so ganz unkompliziert.
Während einer Begegnung im August erzählte er mir nun die ganze Geschichte: „Ich hatte keine Ahnung“, begann Willi seine Erzählung, „ was JVA heißt und ist. Als ich dann vor der großen Gittertüre stand, wusste ich ganz plötzlich, was eine JVA ist und worauf ich mich eingelassen hatte!“
„Und wie ging das dann weiter“, fragte ich neugierig.
Und mit einen verschmitzten Lächeln fuhr er fort: „Zwei Monate später erreichte mich ein an den Schachklub BSGW Erlangen adressierter Brief, in dem ein Gefangener M. sein Anliegen vor mir ausbreitete. Er werde in der nächsten Zeit den Freigänger-Status erlangen und würde sich dann im Rahmen seiner Freizeit gerne einem Schachklub anschließen. Außerdem, so der Gefangene in seinem Brief, fände er es ganz toll, wenn sich jemand aus dem Schachklub bereit finden würde, ihn zu besuchen, um mit ihm eine Partie Schach zu spielen.“
M. hat einen Beleg seines Schachkönnens - eine gespielte Simultanpartie gegen einen Großmeister, die Remis geendet hat  in diesem Brief beigelegt. Das hat auch die Vorstandschaft erst mal positiv für sein Anliegen gestimmt.“
„Trotzdem“, ergänzte Willi, „blieb ich bei meinem Einwand, schließlich hätte ich 17 Jugendliche zwischen fünf und zwölf Jahren im Kader und müsse deshalb genau wissen, wer aus einer JVA in unseren Verein eintreten wolle. Das hat dazu geführt, dass wir vom Vorstand beschlossen haben, Herrn M. persönlich kennen lernen zu wollen. Was durch mich erfolgt ist!“
Bist Du bei Deinen „Schachbesuchen in der JVA alleine?
„Nein, nein!“ erwiderte Willi, „bei den Schachbesuchen begleitete mich mein Schachfreund Günter Dummert.“
Und wie kam Klaus Ackermann in diese Knast-Runde?
„Klaus habe ich auf einem Türmchenturnier in Eckental getroffen, wo er sich gerade mit unserem Pressewart vom Schachkreis Mfr.-Nord unterhalten hat. (Er betreute seine Schachkinder auf diesem Turnier.) Der Pressewart, Udo Güldner, wollte einen Artikel über das Schachturnier in der JVA in die Zeitung setzen, den ich quergelesen hatte. Eigentlich wollte ich von Udo nur wissen, ob er meine sachliche Richtigstellung übernommen habe. Klaus, der dies mitbekommen hat, wurde hellhörig und bekundete Interesse, in der JVA Schachunterricht zu geben. Dies habe ich der Frau Schöner erzählt. Unser Vorschlag wurde von der Anstaltsleitung befürwortet.“
Und wie oft ist wer in der JVA zum Schach spielen?
„Klaus gibt immer sonntags von 17:00 bis 18:00 Uhr Schachunterricht. Günter Dummert und ich besuchen Herrn M. fast jeden Donnerstag in der Zeit von 16:00 bis 19:00 Uhr.“
Wann ist das große Turnier und wer hat es organisiert?
„Das große Turnier war für Juni geplant und musste aus organisatorischen Gründen verschoben werden. Der neue Termin soll nun der 19. / 25. September 2004 und alle und alle Wochenenden im Monat Oktober sein.
Wir im Klub haben uns auf das Wann noch nicht festgelegt, aber wir treten mit Sicherheit gegen die JVA. ler an.“
Zum Abschluss meinte Willi: „Man kann durchaus auch positiv überrascht werden, wenn man sich so plötzlich mit einem vermeintlich negativen Problem befassen muss. Man sollte vorurteilslos, aber mit seinem gesunden Menschenverstand an die Sache herangehen!“

Willi Schneider im Gespräch mit Norbert Merz


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Ehrenamtliche der JVA Erlangen zum Seminar in der JVA Ebrach

Informativ waren auch die Einblicke in das Kompetenztraining, das die Probanden im Laufe ihres Aufenthaltes in der JVA Erlangen durchlaufen.
Zum Beispiel: Selbst- und Fremdwahrnehmung, Umgang mit Ärger (Das Ärgertagebuch nach Cornelia Pfaff), Zuhören und Fragen, Probleme knacken mit Köpfchen, Rechte angemessen durchsetzen, Grenzen erkennen, oder die Arbeitssuche, Stellenanzeige, Schuldenfalle, der Haushaltsplan, Insolvenzverfahren, die Rückfallvermeidungsstrategien. Ein großes Thema ist sicher auch „Die Delikt-Bewältigung".


Norbert Merz


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Weiden

Mit Alfred Schell haben wir in der JVA Weiden nicht nur einen engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter, sondern auch ein sehr rühriges Mitglied der LAG.
Durch seine Aktivitäten ist es möglich, im November mit den Verantwortlichen der JVA und der VHS Weiden zusammen einen Informationsabend zum Thema: „Ehrenamtliches Engagement im Strafvollzug" anzubieten und zu gestalten.
Mit der Anzeige „Ehrenamtliche Mitarbeiter für die JVA Weiden gesucht" im Programmheft „Maria-Seltmann-Haus - der aktive Seniorentreff" hat die LAG erstmals den ganz normalen Weg der Mitarbeiter-Werbung beschritten.
Nicht nur interessierte Weidener, sondern neue ehrenamtliche, motivierte  Mitarbeiter werden des Ergebnis sein.
Ein guter und wichtiger Einstieg für weitere Aktivitäten zum Wohle der Gefangenen. 
Norbert Merz


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Kaisheim-Treff im Donauwörth

Auch wenn sich zu unserem Treffen im Gasthof „Deutschmeister“ nur wenige eingefunden hatten, war der Abend eine gelungene und interessante Kombination aus Information und Erfahrungsaustausch.
Da wurde über das eine oder andere Problem, das sich im Rahmen von Ausgängen und Besuchen in der JVA ergibt, gesprochen und das Projekt VIB- Parkstadt Donauwörth durch einen Überraschungsgast, Jörg H. Fischer, kurz vorgestellt.
Darüber hinaus kündigte Martin R. Gropp für den 6. 4. 2005 an, uns zum Thema: „Qualifiziert Gruppen leiten“ Einblicke in eine nicht ganz einfache Materie zu gewähren.
Jörg H. Fischer, Oberbürgermeister-Stellvertreter der Stadt Donauwörth wurde von Christa Neher (ehrenamtliche Mitarbeiterin der JVA) eingeladen, um über sein Projekt zu berichten und um ihm die Möglichkeit einzuräumen, sich über unsere Arbeit zu informieren.

 

„VIB Parkstadt“

Vorurteile abbauen, Integration fördern, Beziehungen aufbauen

Ausgehend von der Notwendigkeit, die Situation und Integration der jugendlichen Russland-Deutschen zu verbessern sowie die Wahrung des sozialen Friedens zu stabilisieren und die Wahrnehmung der öffentlichen Sicherheit in der Parkstadt (Stadtteil der Stadt Donauwörth) deutlich zu erhöhen, leitete Oberbürgermeister Armin Neudert, im Oktober 2002 beginnend, Maßnahmen ein, um dem von den Oberbürgermeisterkandidaten und Parteien im Zuge der Kommunalwahl im Frühjahr 2002 übereinstimmend festgestellten Handlungsbedarf gerecht zu werden.
Nach Vorgesprächen mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung übertrug der Oberbürgermeister seinem Stellvertreter Jörg Fischer die Koordinierung des Projekts, das in enger Zusammenarbeit mit der Evangelischen Diakonie umgesetzt wird.
Vor diesem Hintergrund fand Ende Oktober des vergangenen Jahres eine erste Besprechung mit Oberbürgermeister Armin Neudert, Bürgermeister Jörg Fischer, der Ev. Diakonie, Vertretern der Gemeinnützigen Baugenossenschaften und leitenden Beamten der Polizei statt, um Ideen und Anregungen zu sammeln und Projekte zur Problemlösung zu diskutieren.
Als Ergebnis der Besprechung erarbeitete BM Jörg Fischer ein Modell („VIB“), das sich auf eine breite Basis von Institutionen, Vereinen, kirchlichen Gruppen und öffentlichen Einrichtungen stützt, die gemeinsam ihren Beitrag dazu leisten, vornehmlich jugendlichen Aussiedlern den Weg in die Gesellschaft zu erleichtern.
Wesentliche Eckpunkte der Integrationsarbeit sind die Einbindung von Schulen (Grund- u. Hauptschule), Behörden, örtlichen Baugenossenschaften, Polizei, Vereinen, Arbeitgebern, Kirchen und vor allen Dingen der Service-Clubs: Lions, Rotary, Kiwanis. Diese unterstützen mit finanziellen Zuwendungen die Arbeit von Stadt und Diakonie. Im Zentrum der direkten Betreuung stehen Gruppennachmittage, Informationsveranstaltungen zur Ausbildungs- und Berufswahl, ein Sportangebot, sowie zwei Sprachkurse für Deutsch und Englisch.
Ein Großteil der direkten Konfliktlösung zwischen Jugendlichen und Anwohnern der Gebiete, die als Treffpunkte der jungen Aussiedler dienen, wird seitens BM Fischer durch „Streetworking“ – hauptsächlich an den Wochenenden – geleistet.
Im Lichte der bisher eingeleiteten Maßnahmen kann festgestellt werden: die politisch Verantwortlichen Donauwörths lassen nichts unversucht, die Integration der Rußland-Deutschen im Stadtteil Parkstadt, und dort besonders der Jugendlichen, zu unterstützen und mit geeigneten Maßnahmen zu flankieren. Sicher besteht für die Zukunft noch ein hoher Handlungsbedarf, der von allen gesellschaftlichen Kräften unterstützt werden muss und der nicht in einem festgesetzten Zeitrahmen als „erledigt“ festgestellt und als „abgehakt“ betrachtet werden kann.

JF

 

Qualifiziert Gruppen leiten

Eine Einführung in Gruppenprozesse, Themenzentrierte Interaktion (TZI), Gruppenarbeit, Konfliktbearbeitung und Teamentwicklung/Teamarbeit
zusammengestellt von
Martin R. Gropp

Inhaltsverzeichnis:

  • Gruppenprozesse – verstehen und ermöglichen
  • Eine Gruppe leiten – Autorität wahrnehmen
  • Einführung in die Themenzentrierte Interaktion (TZI)
  • Gezielt vorbereiten und methodisch gestalten
  • Konflikte konstruktiv bearbeiten
  • Ein Team entwickeln und im Team arbeiten
Über diese Themenfelder wird uns Martin R. Gropp am 6. Mai 2005 informieren und mit uns die eine oder andere Übung durchführen.

N.M.


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Tagung in der JVA Landsberg

Die Anstaltsleitung hat eingeladen und 24 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus München, Altötting, Landsberg, Augsburg, Erlangen, etc. kamen am 9. Oktober 2004 in die Justizvollzugsanstalt.
Information, Rundgang durch die Justizvollzugsanstalt und Aussprache standen auf dem Programm. Die wohl wichtigste Neuigkeit, die Heinz Deuschl, Leitender Regierungsdirektor und Leiter der JVA parat hatte und von allen mit großer Freude aufgenommen wurde, war: „Friedhelm Schneider steht nach seinem Übertritt in den Ruhestand mit Genehmigung des Ministeriums weiterhin für die Ehrenamtlichen voll zur Verfügung! Das war wohl die absolut positivste „Meldung“, die den Ehrenamtlichen zuteil wurde. Weitere interessante Hinweise waren: die Eröffnung der sozialtherapeutischen Abteilung und die guten Erfahrungen, die man mit der Einbindung von Angehörigen im Rahmen der Lockerungen bei Ersttätern gemacht hat. Leider, so Heinz Döschl, leide man immer noch unter einer sehr starken Überbelegung, sodass eine zügige Fortführung der Gefängnis-Neubauten unumgänglich ist.
Der Rundgang bot Blicke in eine sehr moderne Großwäscherei, einen Speisesaal, der - zwar im Schichtbetrieb - den Gefangene ein gemeinsames Mittagsessen ermöglicht. Die Anstaltsleitung ist davon überzeugt, dass die Tischsitten während der Haft nicht ganz abhanden kommen.
Alles in allem war die Tagung informativ und interessant. Darüber hinaus hatte man/frau die Möglichkeit, auch andere Gruppierungen, die in der JVA ehrenamtlich tätig sind, kennen zu lernen.
Großer Dank gebührt Friedhelm Schneider, der es - wie immer - verstand, der Veranstaltung auch eine heitere Note zu verleihen.

N.M.

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Termine

Augsburger Gespräche 2005

Samstag, 12. März 2005,
10:00 bis 16:00 Uhr
in
Augsburg, St. Stephan

 

 

Straubinger Tagung 2005
vom 08. bis 10. Juli 2005
Justizvollzugsschule Straubing

Mitgliederversammlung 2005
24. September 2005
in Augsburg


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Spruch

"Man braucht ja nicht gleich mit Steinen werfen,
um die Welt zu verändern.

Eine Hand voll Blumensamen tut es mitunter auch.“

Christine Busta


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© LAG 2006-01-17