Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 48


Homepage Regionen Projekt-Bauernhof Aufgaben LAG Info-Broschüre Verein Anschriften Link

LAG-Info 48   Inhaltsverzeichnis

Auf ein Wort
StvollzG macht EA möglich
Richtung geben
Ausstrahlung
Mut machen
Lebenswert
1628 meint
Einfach weglassen
Jugendarrest
Lilli Kaul
Jugendliche Intensivtäter
Besuche
Leben auf Pump
Telefon
Wahrheit
F. Schneider - Ruhestand
Indianerzeit
Was es doch alles gibt
Jeder Täter war mal Opfer
Wernsteiner Initiativen

Seite

3
4
5
5
5
6
7
11
13
14
15
16
16
17
18
19
21
22
23
25

  Inhaltsverzeichnis

Aus den Regionen
- Bamberg
- Kempten
Aichacher Gruppe
Eine Liebe und ein Mord
- Landsberg
- Ebrach
- Stadelheim
- Bernau - EA-Treffen
Straubinger Tagung
Bild-Bericht
Russlanddeutsche
Sommerfest JVA Ebrach
Bücher
Neue Broschüre
Presseclub
Beitrittserklärung
Termine
Die letzte Seite

Seite

 
29
29
31
32
37
38
39
40
42
44
46
47
48
49
50
57
59
60

Zurück zur Übersicht - LAG-Info (Broschüren)


Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser! Dem Leben Richtung geben. Unser Leben gleicht einem Segelschiff, das bisweilen in raue See gerät bzw. geraten war und bei Unwetter schwer auf Kurs zu halten ist. Manchmal verlieren wir die Orientierung, weil die Küste mitsamt dem rettenden Leuchtturm aus dem Blick gerät. Liefern wir uns dem Spiel der Wellen aus, oder schaffen wir es, unseren Standort neu zu bestimmen, unseren Kompass wieder einzurichten und günstige Winde zu nutzen, kurzum: unserem Leben Richtung zu geben?
 
Es war wieder eine, so sagten und schrieben mir Teilnehmer der Straubinger Tagung 2004, hoch interessante und informative Veranstaltung. Dass es diese Möglichkeit auch im nächsten Jahr (2005) geben wird, dafür möchte ich der Schule und dem Justizministerium herzlich danken.
Für mich war die Tagung deshalb von großer Bedeutung, da unter den Teilnehmern eine Frau war, die selbst Spätaussiedlerin (Russlanddeutsche) ist. Evtl. ist dies für die LAG der Start in eine neue Betreuungsgeneration. (JVA Bernau und Kaisheim).

Ihr
Norbert Merz


[
Seitenanfang ]


Das Strafvollzugsgesetz macht die ehrenamtliche Mitarbeit möglich

Im Strafvollzugsgesetz (StVollzG) §154 Zusammenarbeit heißt es dann:
  1. Alle im Vollzug Tätigen arbeiten zusammen und wirken daran die Aufgabe des Vollzuges zu erfüllen.
  2. Mit den Behörden und Stellen der Entlassungsfürsorge, der Bewährungshilfe, den Aufsichtsstellen für die Führungsaufsicht, den Arbeitsämtern, den Trägern der Sozialversicherungen und der Sozialhilfe, den Hilfeeinrichtungen anderer Behörden sollen Personen und Vereine, deren Einfluss die Eingliederung des Gefangenen fördern kann, zusammenarbeiten.
Warum ist eine ehrenamtliche Mitarbeit von Bedeutung? Dazu ist ein kurzer Blick auf die ersten drei Paragraphen des Strafvollzugsgesetzes informativ. Hier geht es um die Aufgaben, die Gestaltung des Vollzugs und die Stellung des Gefangenen. §2   Aufgaben des Vollzuges
Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel).
Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.
 
§3   Gestaltung des Vollzuges
  1. Das Leben im Vollzug soll den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden.
  2. Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken.
  3. Der Vollzug ist darauf auszurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.
§ 4 Stellung des Gefangenen
  1. Der Gefangene wirkt an der Gestaltung seiner Behandlung und an der Erreichung des Vollzugszieles mit. Seine Bereitschaft hierzu ist zu wecken und zu fördern.
  2. Der Gefangene unterliegt den in diesem Gesetz vorgesehenen Beschränkungen seiner Freiheit. Soweit das Gesetz eine besondere Regelung nicht enthält, dürfen ihm nur Beschränkungen auferlegt werden, die zur Aufrechterhaltung der Sicherheit oder zur Abwendung einer schwerwiegenden Störung der Ordnung der Anstalt unerlässlich sind.
Und wer sind die Beteiligten?

Die Beteiligten sind der Gefangene, die Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt und ich, die ehrenamtliche Mitarbeiterin, der ehrenamtliche Mitarbeiter.


[Seitenanfang ]


Lebenswertes Leben

Wir wissen, dass viele der Gefangenen keine gute Erinnerung an vergangene Tage haben; sei es wegen der Erziehung oder der Schule, der Freunde, der Umstände, des Ehepartners oder der Justiz.
Viele von uns Betreuern und Betreuerinnen können auf viele sehr schöne Begleitumstände und Erlebnisse in unserem bisherigen Leben zurückblicken.

 

Wir können also von ihnen zehren und davon auch weitergeben und zeigen, dass das Leben Iebenswert ist.
Wir werden auch gefragt, ob Gott bei unserer Begleitung eine Rolle spielt, und ob wir darauf zu sprechen kommen. Eine Antwort ist: „Wir hoffen, dass wir ein gutes Beispiel dafür sind, wie er es mit seiner Menschwerdung meint."

Josef Zwickel


[Seitenanfang ]


16 28 meint:

In Richtung Freiheit ...
Dem Leben Richtung geben – sollte es nicht besser lauten: Dem Leben eine neue – andere – bessere Richtung geben; für unser Anliegen der Gefangenenbetreuung einige, so meine ich, zutreffendere Aussagen. Eine Richtung hat das Leben unserer Schützlinge ja, wenn auch nur direkt in den Knast. War dies das angestrebte Ziel? Denn die richtige Richtung führt doch zum Ziel – oder? Das ersehnte, erstrebenswerte Ziel erreiche ich aber nur, wenn ich den richtigen Weg finde. Ich benötige also Wegweiser. Diese Wegweiser sind die eigentlichen Marksteine, die die richtige Richtung bestimmen. Es sind nicht nur Tafeln und Zeichen, es sind hauptsächlich Menschen und Meinungen, die zu Leuchttürmen unserer Zeit werden; sie sind nicht immer offensichtlich, oft braucht man alle Sinne, um sie zu erkennen.
Im Kindesalter wird uns die Lebens-Richtung von den Eltern und Erziehern vorgegeben. Auch die Religionsgemeinschaften mischen fleißig mit. Ohne viel Widerrede haben wir zu gehorchen – der Weg und die „Marschrichtung“ scheinen vorgezeichnet und werden in der Schule sogar noch benotet: Betragen – mangelhaft, Religion – sehr gut, da Ministrant! Es können jedoch Ereignisse eintreten, die jegliche Planung für die richtige Lebens-Richtung zunichte machen: Kriege – Umsiedlung – Krankheit – Tod nahestehender Personen  Scheidung – Verarmung – Erreichung der eigenen Leistungsfähigkeit, geistig und körperlich – Arbeitsplatzverlust – Drogenabhängigkeit – Vorstrafen – Demütigungen – Heimerziehung – Suchten aller Art usw., usw.
Bei mir war ein solches erstes Ereignis das Ende des 2. Weltkrieges und damit verbunden der Untergang des 3. Reiches. Alle Vorbilder waren von heute auf morgen Verbrecher, alle Ideale waren nur noch Trugschlüsse. Die neue Parole war: Jetzt doch Lokführer und kein Soldat mehr!! Den jungen Ex-DDRlern und den Ex-Russen sei versichert: Ich weiß um ihre vermeintliche Ausweglosigkeit – uns ging es damals nicht viel besser. Es gibt viele Gründe, die das Gefühl vermitteln, an einem Abgrund zu stehen und die einzige Richtung ist nur der Absturz ins Bodenlose. Das Leben hat für jeden von uns einige Schläge und Gemeinheiten ausgesucht, die so manch einen aus der Bahn werfen, und meistens ist es nicht nur ein Umstand. Wenn man schon Pech hat, dann auch richtig!!
Ein Irrweg kann aber auch seinen Ursprung in Überheblichkeit und Selbstüberschätzung haben. Wer sich für den „Größten“ hält, kann ganz schnell der „Kleinste“ sein.
Wer oder was verhilft jetzt wieder zum richtigen Durchblick? Im Dunkeln kennt man nur eine Richtung: zum Licht. Im Gefängnis kennt man auch nur eine Richtung: in die Freiheit! Sind diese Ziele jedoch nicht viel zu kurz gesteckt? Was machst du im Licht, in der Freiheit, wenn du keinen Plan dafür hast, wer leitet dich an?
Bleiben wir bei den Gefangenen mit dem Drang in die Freiheit. Ist es vermessen, wenn ich sage: Jeder Mensch, auch der Gefangene, geht seinen Weg? Der Häftling geht ihn momentan nicht freiwillig, aber es ist sein Weg. Er meint, er braucht dem Leben keine neue Richtung geben. Er hat eine Richtung und irgendwie ist er auch zufrieden damit. Wenn auch für viele unverständlich und absurd: Mancher Straftäter hat bei seinen Taten ein gewisses Erfolgserlebnis, welches er sonst im Leben vermisst. Ich vermute mal, dass das auch ein Grund für einen sogenannten „Rückfall“ sein kann (natürlich erheblich abhängig von der Art der Straftat!).
Dem Leben Richtung geben. Manch ein Gefangener sieht überhaupt keine Notwendigkeit, sich über die Richtung seines Lebensweges, über seine Lebensweise, Gedanken zu machen. Ganz behutsam und vorsichtig können wir als Ehrenamtliche neue, gehbare Wege aufzeigen und Begleitung für ein Stück des Lebensweges anbieten, um die Richtung zu weisen, gleich einem Lotsen auf dem Schiff, das mit seiner Hilfe die Untiefen meistert, der aber im sicheren Fahrwasser das Kommando wieder abgibt.
 
Eine neue, eine andere Richtung bedeutet aber immer, die bisherige Richtung aufzugeben. Wer hat den Mut, von sich zu sagen: Meine Richtung war falsch, ich brauche Hilfe! Auch Gefangene glauben an ein momentanes Missgeschick: Es ist nur alles schiefgelaufen...
Wäre jemand damals zu mir in die Zelle gekommen und hätte mir etwas vom „falschen Weg“, „verfehlter Richtung“, „verpfuschtem Leben“ erzählt, so hätte ich ihm geantwortet: „Lieber Freund, in den 35 Jahren meines bisherigem Erdendaseins habe ich mehr erlebt als mancher, der schon im hohen Alter ist. Wo ich schon war, kommen andere zeitlebens nicht hin – Knast eingeschlossen. Welchen besseren Weg willst du mir also zeigen?“ Stünden Eigentumsrechte anderer und einige Jahre Freiheitsentzug nicht dagegen, könnte man diese Argumentation doch noch grad so gelten lassen.
Um Strafgefangenen neue Wege, andere Richtungen nahezulegen, müssen wir schon gute Gründe vorweisen können, die das rechtfertigen. Zum Beispiel die damalige Lage des Schreibers dieser Zeilen: 7½ Jahre Haft, bei der Entlassung nicht gerade rosige Aussichten – wenig Geld (der Tagesverdienst lag damals bei 1,20 – 1,60 DM), keine Wohnung, keine Arbeit mit dem Wissen, dass beim nächsten Mal Straubing angesagt ist, und Straubing ist für viele eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit! Der sprichwörtliche Abgrund tut sich auf, und jetzt: sehenden Auges hinein ins Verderben!! Habe ich wirklich keine anderen Aussichten als den so oft zitierten „Teufelskreis“?
Das ist keine Richtung! Denkende Menschen können, wenn sie nur wollen, immer einen Ausweg finden. In jeder JVA gibt es Leute, die für diesen Part zuständig sind, die Sozialpädagogen, die Sozialarbeiter (Hallo, Herr Hilger, hallo, Herr Schneider). Ich frage also!! Nein, Patentrezepte haben sie auch nicht, und von einem kurzen Gespräch kann ich erst recht nichts erwarten. Ehrenamtliche gab es zu meiner Zeit so gut wie gar nicht.
Der Sozialdienst erwartet vom Gefangenen, dass er sich zuallererst selber Gedanken macht, wie es nun weitergehen soll: „Bestandsaufnahme ist das Schlagwort, und der Wille muss da sein, vom Abgrund zurückzutreten, so weit wie nötig, um eine neue Richtung einschlagen zu können. Der Gefangene muss bereit sein, auf vieles zu verzichten: Das schnell „erworbene“ Geld, das große Auto, die aufwendige Freundin, die schicke Wohnung usw. Wenn dann der Plan für die Entlassung steht und die Richtung stimmt, ist nur noch eines wichtig: durchhalten, durchhalten, durchhalten! Straftaten haben in dem Plan und in der neuen Richtung keinen Platz, das muss klar sein, dafür aber Schuldentilgung und Wiedergutmachung. Ehrenamtliche Helfer im Strafvollzug haben nun weitgehend die Betreuung der Gefangenen in der JVA, bei der Entlassung und auch danach übernommen. Um Gefangenen (neue) Wege aufzuzeigen, um ihrem Leben eine (neue) Richtung vorzugeben, muss der Betreuer selber Vorbild sein, dem man folgen kann, Vorbild ohne viel „Trara“ und „Bimbamborium“ – einfach so! Glauben Sie mir, ich kann es beurteilen, was es heißt, bei den Entlassungsvorbereitungen und bei der Entlassung aus der Haft die richtigen Vorbilder, Wegweiser, ja Leuchttürme für einen neuen oder wenn Sie wollen für eine korrigierte Richtung, zu haben. Auch „Möchtegern“-Vorbilder habe ich getroffen. Deren Wirken zerplatzte nach einiger Zeit, wie eine Seifenblase.
In den nunmehr 27 Jahren meiner Nach-Haft-Zeit habe ich erkannt, dass wesentliche Teile meines Lebens vollkommen in Ordnung waren und sind. Ein Straftäter hat auch durchwegs gute und lobenswerte Eigenschaften und Denkweisen – auch wenn uns das so mancher Zeitgenosse aberkennen will und vom „Wegsperren auf Dauer“ spricht. In einigen Sachen umdenken, falsche Reaktionen abstellen, Rat von „Wohlwollenden“ annehmen, sich selbst stets hinterfragen, so scheint mir, stimmt die Richtung. Wenn sie von der Zeit verbogen wird, muss man sie halt wieder neu ausrichten oder nachstellen.

Ihr 16 28


[Seitenanfang ]


Einfach weglassen!

Lassen wir alles, was wir um und über den Strafvollzug, über Sinn, Zweck und Notwendigkeit einer Strafe, über Gerechtigkeit wissen, oder was uns dazu einfällt, einfach weg.
Aber was könnten wir im Rahmen unserer Betreuung, unserer Begegnung mit dem Gefangenen tun, um in ihm die Sehnsucht nach Freiheit zu wecken. Die Sehnsucht nach Freiheit, wie es Antoine de Saint-Exupéry ausdrückt:
„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“
Also was müssten wir in unserem Betreuten erzeugen? Wie müsste diese Sehnsucht ausschauen, die den Rückfall verhindert und ihm eine Freiheit in sozialer Verantwortung schmackhaft macht?
Sind es die täglichen Hiobsbotschaften aus dem Fernsehen, aus der Presse oder unsere eigenen Ängste, die wir bewusst oder unbewusst dem Gefangenen vermitteln?
Wo ist denn der Mensch, wo die Gemeinde, die ihn Anerkennung, Streicheleinheiten, Zuwendung erfahren lässt? Anerkennung auch beim kleinsten Schritt in die richtige Richtung. Selbstverständlich? Dann fragen Sie doch einmal Kinder, wie es ihnen geht, wenn alles so selbstverständlich ist, wo sie sich doch so angestrengt haben.
Was kann er erkennen, dass es sich lohnt, sich dieses Mal wirklich anzustrengen, um aus dem Teufelskreis herauszukommen?
„Heute werde ich entlassen. Schon seit einigen Monaten, seit einigen Wochen überkommt mich, wenn ich an den 25. 4 denke, ein ganz komisches Gefühl. Ich glaube, es ist Angst! Und nun?
Was will ich eigentlich da draußen? Ich kenne keinen und keiner will mich kennen. Arbeit, eine Mangelware, gibt es nicht. Ich soll mich auf jeden Fall sofort – und das heißt spätestens am 26. 4. arbeitssuchend melden.
Mein Sozialarbeiter schärfte mir ein, das Sozialamt zu konsultieren, denn die überbrücken mir das Geld bis das Arbeitsamt auszahlt. Ach ja, da war ja noch etwas mit bargeldloser Zahlungsverkehr.
 

 

Wenigstens habe ich, wenn auch mit Mühe und Not, mit Hilfe des Sozialarbeiter und des Bewährungshelfer eine Wohnung bekommen.
Was hat das alles für einen Sinn? Wen interessiert das, wenn ich nicht mehr in die für mich überschaubare, gewohnte Umgebung zurückkehren würde? Und merkt das überhaupt jemand? Ob drinnen oder draußen! Ja, mein Vollzugsinspektor freut sich. Der hat doch gleich gesagt, dass wir uns wieder sehen würden. Also wenigstens einer, der sich freut, wenn ich wiederkomme. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?“
Saint Exupéry schrieb nicht um des Schreibens willen. Ihm ging es immer um die Menschen, für die er sich seine Texte ausdachte. Er wollte dazu beitragen, "dem Leben einen Sinn [zu] geben". Er wollte einen Halt, eine Richtung vermitteln. Dies ist ihm mit dem Kleinen Prinzen auf exzellente Weise gelungen. Seine Fragen an die Welt, seine Erfahrungen mit ihr, machen am Ende deutlich: Man sieht nur mit dem Herzen gut.

Ziele erreichen
Ziele können sich anfühlen wie der Sand am Meer.
Sie kennen es sicherlich: barfuß über der warmen, weißen Sand zu schlendern, das Meeresrauschen in den Ohren, eine sanfte Meeresbrise streift das Gesicht. Diese Gefühle gehören zu den schönsten Dingen des Lebens  ähnlich wie der Dopamin-Kick im Hirn, den wir als lustvolle Begeisterung empfinden, wenn wir wieder ein Ziel erreicht haben.
Doch dieser wundervolle Sand, der sich so warm, weich und sanft anfühlt, hat auch eine ganz andere Perspektive: Kaum glaubt man, ihn fest in den Händen zu halten, schon rinnt er einem durch die Finger. So kann es einem auch mit Zielen ergehen, welche nicht klar und eindeutig genug erkundet sind. Lange bevor man sie erreichen kann, rinnen sie einem wie Sand durch die Finger.
Doch dem muss ja nicht so sein:
Das Leben schenkt uns einige Fähigkeiten und Werkzeuge, uns auf einzelne Sandkörner bzw. Ziele zu konzentrieren. Jene Sandkörner, bzw. Ziele wahrzunehmen, die unser Leben bereichern.

Norbert Merz


[Seitenanfang ]


Ehrenamtlich betreute Gruppe im Jugendarrest

Seit März 2004 existiert eine ehrenamtlich betreute Gruppe in der Jugendarrestanstalt Nürnberg. Die jeweils 8 Teilnehmer sind zwischen 14 und 21 Jahre alt, sie befinden sich maximal 4 Wochen im Dauerarrest.
Dies bedeutet, dass ein Arrestant in der Regel zweimal die Möglichkeit hat, an der Gruppe teilzunehmen. Die Zusammensetzung dieses Kreises ändert sich somit ständig. So sind dem Programm inhaltlich Grenzen gesetzt.
Ziel ist es, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, ihr Vertrauen zu gewinnen und ihnen Mut zu machen.
Beim ersten Treffen in der Anstalt befassen wir uns auf spielerische Weise mit Fragen, die im Leben junger Menschen eine Rolle spielen. Mögliche Themen sind dabei Gesundheitserziehung, Suchtprävention, Sexualerziehung, aber auch das Verhalten im Alltag.
Nahezu alle Jugendlichen fühlen sich hier ernst genommen und äußern sich dementsprechend ehrlich.
Beim nächsten Treffen steht, wenn das Wetter mitspielt, ein Spaziergang auf dem Programm.
 
Spaziergang heißt Ausgang außerhalb der Mauern für ca. 1,5 Stunden. Wir gehen an der Pegnitz entlang. Dabei sind die jungen Leute sehr diszipliniert. Bisher gab es keinerlei Probleme. Sie schätzen das Vertrauen, das man ihnen entgegenbringt.
Und falls das Wetter nicht mitspielt, bleiben wir in der Anstalt bei Kaffee und Kuchen, selbst belegten Brötchen oder wir machen z.B. Nudelsalat.
Wichtig ist eine angenehme Atmosphäre. In dieser Situation suchen die Jugendlichen von sich aus das Gespräch und zeigen sich erstaunlich offen. Sie sprechen über ihre Probleme, die oft die Familiensituation, die mangelnde Schul- und Berufsausbildung oder Arbeitslosigkeit betreffen.
Nach ihrer Entlassung haben die Jugendlichen weiterhin die Möglichkeit, mit den ehrenamtlichen Betreuern Kontakt aufzunehmen.
Insgesamt ist die Resonanz bei den Jugendlichen sehr gut, die Unterstützung durch die Anstalt könnte nicht besser sein, so macht diese ehrenamtliche Aufgabe viel Spaß.

Lilli Kaul,
ehrenamtliche Mitarbeiterin des AK Reso Nürnberg.


[Seitenanfang ]


Lilli Kaul

Lilli Kaul heißt diese Frau, die diese Betreuung aufgebaut hat, durchführt und damit erfolgreich ist.
Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und ist von Beruf Lehrerin.
Seit Sommer 2000 arbeitet sie im AK Reso der Stadtmission Nürnberg, zuerst in der Einzelbetreuung, in der Strafhaft der JVA Nürnberg, ab Herbst 2001 widmet sie sich der Betreuung in der U-Haft.
Nach der Verurteilung wechselte sie mit dem Gefangenen in die JVA Amberg. Zum ehemaligen Gefangenen, der inzwischen eine Drogentherapie erfolgreich abgeschlossen hat und in der Nachsorgeeinrichtung in Schweinfurt lebt, hat sie immer noch Kontakt.
 

 

Eine Betreuung auf hohem Niveau und mit enormer Geduld und Zuwendung.
Zum AK Reso, erzählte sie mir, kam sie durch einen Zeitungsbericht, hatte aber schon früher durch straffällig gewordene Schüler Kontakt zur JVA Nürnberg und den Justizbehörden.
Zu ihren Aktivitäten und Aktionen im AK Reso gehören u.a.: Mitarbeit am Leitfaden „Resoklopädie", Ausgestaltung und Mitwirkung beim Fest des „Ehrenamtes“ in der Stadtmission 2001.

Norbert Merz


[Seitenanfang ]


Leben auf Pump - die private Schuldenfalle

Drei Millionen Haushalte in Deutschland sind überschuldet.
Gehalt, Ersparnisse, Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe reichen nicht aus, um den Alltag zu meistern. Zinsen, Zinseszinsen, Mahngebühren, Gerichtskosten kommen dann dazu, und die Betroffenen sitzen in der Schuldenfalle. Ein sozialer Abstieg geht einher mit Kontopfändung, Strom- und Wassersperre, Abschottung, Isolation.
Öffentliche Beratungsstellen helfen, wenn sie denn aufgesucht werden. Sie bringen die Menschen runter von ihren Schulden, leisten Beistand beim Wiedereinstieg in die Gesellschaft. Doch
 
die Mittel für Beratung und Betreuung werden zurückgefahren. Angesichts knapper Kassen hat Hessen alle Gelder für Beratungsstellen gestrichen, Bayern um ein Viertel gekürzt.
Selbständige wie Architekten, Friseurinnen, Klempner sind betroffen, sogar Prominente und immer mehr auch Jugendliche.
Die Konsumwirtschaft ist an diesem Teufelskreis mit beteiligt. Sie fordert auf zum Ratenkauf, alles wirkt erschwinglich. Die Banken bieten Umschuldungen an, an denen sie gut verdienen.

PHOENIX Programmhinweis: Berliner PHOENIX Runde, 23. 3. 2004


[Seitenanfang ]


Wahrheit

„... denn Wahrheiten gibt es bekanntlich zwei.“
Wie sagte der bekannte frühere ARD-Korrespondent Friedhelm Brebeck: „Denn es geht ausschließlich darum, Fakten zu berichten, nicht Wahrheiten, denn davon gibt es bekanntlich ja immer zwei.“
Und wie erleben wir die Berichte über und um den Strafvollzug und Straftaten? Was schreibt, stellt die Presse wie dar? Welche Aussagen und Stellungnahmen der Politiker erreichen uns, und wie erleben wir die Erzählung unserer Besuchten, den Gefangenen?
Selbst Insider, auf die eine oder andere „Ungereimtheit“ hingewiesen bzw. befragt, reagieren nicht selten auf sehr unverständliche Weise.
Warum ist das so? Die oben aufgeführten, beteiligten Personen und Gruppierungen sind alle und jeder auf seine Art emotional beteiligt, sind parteiisch, sind nicht, wie man zu sagen pflegt, objektiv.
Ist das schlimm? Ob es schlimm oder nicht schlimm sei, kann evtl. beantwortet werden. Ob es hilft, ist eine andere Frage.
Es ist die Tatsache, ob es schlimm oder nicht schlimm ist!
 

 

Was heißt das für uns? Wir müssen lernen, dass es Ansichten, Aussagen, Darstellungen der unterschiedlichst engagierten Menschen gibt und geben wird. Dabei darf keinem eine Bösartigkeit unterstellt werden. Um es jedoch besser werten und einordnen zu können, müssen wir die Person mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Umfeld, ihrer Herkunft, um nur einige Aspekte aufzuzeigen, einbeziehen. Vorsicht, auch wir sind nicht objektiv! Wir sind entsprechend unserem Engagement, unserer Beteiligung immer parteiisch und nicht ohne Emotionen. Erinnern wir uns doch nur an die Erzählung unserer Probanden (Gefangenen) und unsere erste innere Reaktion, unsere Parteinahme. Schlimm? Schlimm, nein! Wissen um die Sache und viele Meinungen hören und vor allem die Gegenpartei einbeziehen. Eines ist sicher, die Ansichten und die Beschwerden bekommen eine ganz andere Farbe! N.M.

[Seitenanfang ]


Kostenlose Indianerfreizeit für Kinder Strafgefangener von 6 bis 12 Jahren

Wie seit vielen Jahren schon finden auch 2004 wieder Indianer-Camps statt.
Ziel dieses Angebotes ist es, betoffene Familien zu unterstützen und gegebenenfalls die Beziehung zwischen Gefangenen und ihren Kindern zu verbessern. Für den Inhaftierten besteht die Möglichkeit, seinen Kindern vom Gefängnis aus eine Abenteuerfreizeit in den Sommerferien anzubieten und sie direkt anzumelden. „Mein Papa hat an mich gedacht und mir diese Freizeit geschenkt! Tolle Sache!" Ganz klar ist eine Anmeldung direkt vom in Freiheit lebenden Erziehungsberechtigten auch willkommen - es geht vordringlich um die Kinder selber!
 

 


Wir sind ein christlicher Verein, der sich diese Arbeit zur Aufgabe gemacht hat. Finanziert werden die Freizeiten von privaten Spendern, Kirchengemeinden, sowie einigen Justizministerien der Länder (Hessen und Sachsen).
Neben liebevoller Betreuung gibt es echte Tipis, Lagerfeuer, Geschichten, viele Spiele, Singen, Basteln, Kanutour, Schwimmbadbesuch, Nachtwanderung und vieles mehr. Wir möchten den Kindern in all dem vermitteln, dass es einen Gott gibt, der sie lieb hat, immer für sie da ist und dem sie unendlich wertvoll sind.

AFEK Arbeitsgemeinschaft für evangelistische Kommunikation E.V
Gründenseestraße 33
60386 Frankfurt (Fechenheim)
Offene Kinder- und Jugendarbeit Randgruppenarbeit
http://www.afek-ev.de


[Seitenanfang ]


„Wernsteiner Initiativen“

 

Idee und Entstehungsgeschichte

Im Jahre 1979 gründeten neun Menschen in dem kleinen Oberfrankendorf um Schloß Wernstein eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit dem Ziel, solche Sozialformen zu entwickeln, die überschaubar genug wären, um Jugendlichen und Erwachsenen mit Defiziten im Sozialverhalten eine Ausreifung zu ermöglichen. Der überschaubare Rahmen eines Dorfes bot hierbei geradezu ideale Voraussetzungen.
Sie errichteten vom Kindergarten über eine Freie Waldorfschule, Werkstätten, Laden, bio-dynamische Landwirtschaft bis zur medizinischen Betreuung eine Infrastruktur mit bewusst sozial-therapeutischer Zielsetzung. Grundlage hierfür bildeten die Sozialideen Rudolf Steiners, des Gründers der Anthroposophie.
 

 

Der Impuls, Strafentlassene aufzunehmen, musste nach den ersten Jahren vorläufig in den Hintergrund treten, als der Aufbau der Schule zunächst alle Kraft erforderte. Erst vor einigen Jahren konnten wir wieder an diesen Impuls anknüpfen. Heute bieten die Einrichtungen in unserem Umfeld für Richter die einzigartige Möglichkeit, in besonders gelagerten Fällen, sozusagen haarscharf am Gefängnis vorbei - eine ganze Familie zu retten durch die Bewährungsauflage: „Wernstein".

Reinhart Engelen

Eine ganze Familie retten durch die Bewährungs-auflage: „Wernstein“.


Im Namen des Volkes

Von Reinhart Engelen

Im Namen des Volkes hatten Polizei, Staatsanwalt, Richter und Vollzug viel Einsatz geleistet. Für den Täter kostenlos, ganz umsonst. Und doppelt umsonst, wenn ein Rückfall erfolgen würde. Neue Opfer, neues Leid. Was wird aus seiner Familie, der Frau und den Kindern, wenn alles wieder von vorne beginnt? Ehrenamtliche helfen, Entlassungen vorzubereiten. Ihre Arbeit ist unbezahlt und unbezahlbar. So muss es auch sein! Doch sollten sie noch mehr tun, meinen wir. Sie sind das Volk, das den Täter neu eingliedern wird in sinnvolle Zusammenhänge. Oder eben nicht. Aber wer sonst? Die Ehrenamtlichen müssten früher mit der Arbeit einsetzen können. Bevor die Beziehungen zerbrochen, die Kinder verwahrlost, neues Leid aus ihren Leiden gewachsen ist. Fangen wir es doch gemeinsam an! Zusammen mit Richter und Staatsanwalt. Bevor das endgültige Urteil gesprochen ist.

 
Mein Leben im Dorf

Siegbert Unger

Nach der Volksschule Lehre zum Starkstromelektriker, danach vier Jahre Bundeswehr, verheiratet, drei erwachsene Kinder. Von 1970 bis ′74 im Fahrzeugbau tätig, danach vier Jahre im Erziehungsdienst in Fassoldshof (Rummelsberger Anstalten), anschließend Haus- und Heimleiter im evangelischen Jugendhaus Weihermühle. Als Lagermeister im Bio-Großhandel tätig, ab 1984 selbständig bis heute beim Aufbau der Ausbildungsstätten Wernstein. Mitglied im Gesangverein, Posaunenchor, Imkerverein, Schulverein, in der Ortsgruppe der SPD. Ehrenämter: Vorsitz der Freiwilligen Feuerwehr Veitlahm und Vorstand im Verein für Ausbildungsstätten. Zehn Jahre als Totengräber in meinem Dorf. 1997 bis 2000 für vier Jahre im Schöffendienst beim Landgericht Bayreuth. „Mit großer Freude erlebe ich gerade, wie ein Mensch, der jahrelang nicht Fuß fassen konnte, in der Arbeit neben mir zu voller Leistung aufblüht."


[Seitenanfang ]


Regionen

JVA Bamberg

Kurzbericht von Diana Thieme, Sozialpädagogin der JVA Bamberg: Gestern fand wieder unser Frühjahrstreffen der Ehrenamtlichen der JVA Bamberg statt. Es waren 12 ehrenamtliche Mitarbeiter gekommen, die einen sehr interessanten Abend erlebten. Waren doch als Gäste zwei Mitarbeiter der Arbeitsbetriebe bzw. Arbeitsverwaltung geladen. Mit einer kleinen Führung durch die Betriebe und durch das Haus wurde das „Frühjahrstreffen der Ehrenamtlichen“ abgerundet. Im Anschluss wurden Probleme, Wünsche, Anregungen besprochen und diskutiert.

Bamberg, 12. Mai 2004

[Seitenanfang ]

Jahreshauptversammlung in Kempten

Die Vorstandschaft der Straffälligenhilfe Kempten hatte für den 14. Mai ins Kolpinghaus eingeladen und viele kamen. Interessant, informativ und gut geleitet wurde über die hochinteressante Jahresarbeit, die Projekte des Vereins berichtet. Die Anstaltsleitung, Herr Siller und der Gefängnisbeirat, Dr. Peter Kreuzer, zeigten die Aspekte auf, die sich durch den Umzug in den Neubau ergeben haben und worauf zu reagieren sei. Norbert Merz verwies im Rahmen des vorgegebenen Referatsthemas auf die Wichtigkeit der Zusammenarbeit und der ganz wichtigen Bedarfsanalyse für eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Anstaltsleitung, allgemeinem Vollzugsdienst, den Sicherheitsdiensten und den Fachdiensten. Das beste Konzept bringe nicht weiter, wenn es an den dazu notwendigen Räumlichkeiten, dem Personal und den organisatorischen Möglichkeiten und Abstimmungen fehle, sagte Merz. Welchen Stellenwert und welche Anerkennung der Verein in der Stadt genießt, lässt sich aus der Teilnehmerliste ableiten und erkennen. Da war nicht nur der Bürgermeister während der gesamten Veranstaltung anwesend, nein auch die stellvertretende Landrätin lies es sich nicht nehmen, ihr Interesse mit ihrer Beteiligung zu dokumentieren.

[Seitenanfang ]

Aichacher Gruppe

Paul Ach von der Aichacher Gruppe hält mit einem Leserbrief dagegen:
Artikel „Eine Liebe und ein Mord“ in der Süddeutschen Zeitung vom 15. Mai 2004

Sehr geehrter Herr Handel,
seit vielen Jahren bin ich als Betreuer ehrenamtlicher Mitarbeiter an der JVA Aichach. Hinter den Mauern dieser Anstalt verbergen sich Leid, Schuldgefühle, Einsamkeit, Verzweiflung.
Was gibt es da noch Wichtiges zu berichten?
Handelt es sich dort nicht um für die Öffentlichkeit abgeschlossene Fälle, die nur noch von den Betroffenen persönlich zu verarbeiten sind?
Wozu wurde dieser Artikel also geschrieben? Sollte er der Informationspflicht genügen? Sollte er über wichtige Vorgänge informieren? Befriedigt er berechtigte Interessen der Leser?
Wohl nicht!
Wer menschliche Verirrungen so gnadenlos detailliert recherchiert und beschreibt, weckt im Leser niedrige Instinkte, befriedigt Sensationsgier und leistet dumpfstem Voyeurismus Vorschub.
Haben wir in unserem Land nicht genug Straßenblätter, die mit solchen Artikeln auf niedrigstem Niveau ihre Auflagen zu erweitern suchen?
In mehr als 40 Jahren habe ich die Süddeutsche als seriöse Tageszeitung schätzen gelernt. Um so mehr bin ich darüber enttäuscht, dass sie sich offensichtlich mehr und mehr von ihren hohen Ansprüchen verabschiedet und sich einer Presse angleicht, der es in erster Linie um große Auflagen geht.
Unter einem Redakteur wie z. B. Werner Friedmann wäre dieser Artikel insbesondere auf der dritte Seite nicht abgedruckt worden.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Ach

[Seitenanfang ]

Landsberg

Nur ein kleiner Ausflug.
Wir trafen uns auf einem Parkplatz. Das Wetter nicht gerade „strahlend“, wir wollten ja auch nur wandern. Zur Einstimmung stürmten wir vor dem Abmarsch noch in ein beliebtes Cafe an der B 17, eine Brotzeit kann nie schaden.
Dann ging‘s aber wirklich los: Auf Waldwegen, an Teichen vorbei, zwischen zwei kleinen Seen über eine Brücke, durch Wiesen und Felder, zu einer sehr behaglichen Wirtschaft. Es war inzwischen Mittag und wandern macht hungrig!
Nach Speis und Trank mit guten Gesprächen und einigen Witzen – brillant vorgetragen – ging es zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Parkplatz. Wir alle hatten einen sehr schönen Tag erlebt!
Wer „wir“ waren? „Wir“ waren: Zwei Sozialarbeiter der JVA, 10 Ehrenamtliche, auch Gäste und – was diesen Ausflug für mich so wichtig macht – 6 Gefangene der JVA Landsberg am Lech!
Danke an den Sozialdienst, Frau Kirsch und Herrn Schneider für die Unterstützung.

Alfred Helms
SkM Landsberg am Lech

PS: Ein Ausflug mit Gefangenen ist bestimmt keine Selbstverständlichkeit. Aus diesem Grunde freut es mich um so mehr, dass es in Landsberg möglich ist.

[Seitenanfang ]

JVA Stadelheim

Unser Stadelheim
Besuch am 11. 11. 2004

Dank zweier engagierter Lehrkräfte des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums war es den Ethikkursen des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in München möglich, die Justizvollzugsanstalt Stadelheim zu besuchen. Auch bei Herrn Riedl und Herrn Ernstberger, die uns das Gebäude gezeigt und uns viele Fragen beantwortet haben, möchten wir uns herzlich bedanken.
Wie stellten wir uns ein Gefängnis vor?
Natürlich hatten wir die Vorstellungen, die uns in den Medien präsentiert werden. Dort ist immer wieder die Rede von Schwerverbrechern, von „Urlaub im Knast“, davon, dass Kriminelle zu gut behandelt würden. Unsere Vorstellungen konnten wir mit der Realität in Stadelheim vergleichen.
Wie ist es in Wirklichkeit?
Es gibt überschaubare Gänge, in denen sich die Häftlinge zum Haare Schneiden oder Kartenspielen treffen. Die Zellen verfügen über Dusche und WC, die schweren Eisentüren sind tagsüber meistens offen. Viele Häftlinge besitzen einen Fernseher und ein Radio, die ununterbrochen laufen. Auf den Stockwerken gibt es Küchen, wo sich die Häftlinge treffen und zusammen kochen können. Allerdings müssen sie bei den gemeinsamen Essen anwesend sein. Die Vollzugsbeamten sind freundlich; sie verstehen sich gut mit den Häftlingen und helfen ihnen auch bei kleineren Problemen, werden aber trotzdem als Respektspersonen gesehen, die Distanz zwischen Häftlingen und Vollzugsbeamten wird gewahrt.
Es gibt mehrere Speisesäle mit vielen Bildern an den Wänden und eigenen Küchen mit täglich wechselndem Menü, wahlweise auch mit koscheren oder mohammedanischen Speisen.
Häftlinge in Strafhaft können arbeiten. Ein Arbeitstag hat 8 Stunden. Es gibt hauseigene Werkstätten, in denen sie z.B. Getriebe montieren oder Verpackungen für bekannte Firmen herstellen. In die von der Haftanstalt geführte Autowerkstatt kann jeder sein Auto zum TÜV oder zur Reparatur bringen. Ein Teil des Arbeitslohnes wird automatisch als Überbrückungsgeld für die ersten vier Wochen nach der Haft einbehalten. Der andere Teil kann als sogenanntes Hausgeld für den monatlichen Einkauf im gefängniseigenen Supermarkt ausgegeben werden.
Während des Hofgangs können die Häftlinge diversen Freizeitbeschäftigungen nachgehen; sie können z.B. Fußball oder Tischtennis spielen oder einen Spaziergang machen und sich mit Mitgefangenen unterhalten. Schockierend für uns war die Tatsache, dass Untersuchungshäftlinge, deren Schuld ja nicht bewiesen ist und deren Gerichtsprozess bis zu 4 Jahren dauern kann, 23 Stunden am Tag in Einzelhaft verbringen. Sie haben nur eine Stunde am Tag Ausgang (Hofgang). Zudem dürfen sie keiner Arbeit nachgehen und sich auch nicht weiterbilden. Untersuchungshäftlinge dürfen nur mit einer richterlichen Genehmigung besucht werden.
Sexualstraftäter sind in einem eigenen Stockwerk untergebracht. Dies dient auch der Abschirmung von den anderen Häftlingen, da die Sexualstraftäter unter den Gefangenen diejenigen sind, die am wenigsten angesehen sind. Es kann sonst zu Problemen unter den Insassen kommen.
Am Schluss unseres Rundgangs besuchten wir noch die Kirche innerhalb der Haftanstalt und die Gedenkstätte für die Weiße Rose, deren Mitglieder (u.a.) Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst, Willi Graf, Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber 1943 in Stadelheim hingerichtet wurden.
Der Besuch in Stadelheim war für uns sehr lehrreich und eine gute Ergänzung zum theoretischen Unterricht zum Thema Kriminalität und Strafe. Wir danken nochmals unseren Lehrern und den uns führenden Justizbeamten für den Einblick in den Alltag eines Gefängnisses.
K. D. & I. K.

[Seitenanfang ]

Gelungenes Sommerfest für Ehrenamtliche in der JVA Bernau

Der Leiter der Justizvollzugsanstalt Bernau hatte für Freitag, den 2. Juli 2004, insgesamt 70 ehrenamtliche Mitarbeiter zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. Etwa die Hälfte der Eingeladenen fanden den Weg an den Chiemsee trotz vieler Hindernisse ( Urlaubszeit, Staus, Fußball-Europameisterschaft usw.). Einige davon hatten es besonders schwer und wurden bis zu 3 Stunden im Stau auf der Autobahn München/Salzburg festgehalten. Es sprach aber wieder einmal für die Zähigkeit, das Durchhaltevermögen und die Zielstrebigkeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die trotz dieser zermürbenden Widrigkeiten sich nicht vom Weg haben abbringen lassen oder gar aufgegeben haben und umgekehrt sind, obwohl sie den Sektempfang und die netten Begrüßungsworte des Anstaltsleiters, Herrn Leitenden Regierungsdirektor Engert, versäumt hatten. Auch hatten die Staugeplagten ihre gute Laune unterwegs nicht verloren. Sie hatten demnach alles das, was den guten ehrenamtlichen Mitarbeiter auch in der Betreuungsarbeit auszeichnet. Nicht zu versäumen war das grandiose kalte Buffet des Küchenmeisters, Herrn Walter, der dieses zusammen mit 2 Koch-Auszubildenden für das Treffen der ehrenamtlichen Mitarbeiter gezaubert hatte (Fotos folgen in der nächsten Ausgabe des LAG-Info). Regierungsamtsrat Josef Obermeier konnte sich in seiner Eigenschaft als Kontaktbeamter für die ehrenamtlichen Mitarbeiter und als Initiator des Treffens auch darüber freuen, dass einige hauptamtliche Bedienstete zur Begegnung mit den Ehrenamtlichen im „Stüberl“ erschienen waren, darunter der weitere Vertreter des Anstaltsleiters, Sozialpädagogen, Vollzugsinspektoren und die Vollzugsdienstleitung.
Beim Gedankenaustausch und der Diskussion in ungezwungener, lockerer Atmosphäre hat man wieder einmal gespürt, wie sehr die Ehrenamtlichen und die Hauptamtlichen im gleichen Boot sitzen. Ein ähnliches Treffen für den Sommer 2005 – vielleicht noch mit größerer Anbindung an das hauptamtliche Vollzugspersonal - hat sich der Veranstalter bereits jetzt fest vorgenommen.

Josef Obermeier

[Seitenanfang ]

 

Gelungenes Sommerfest für Ehrenamtliche in der JVA Ebrach

Frau Schöfer-Sigl, die Leiterin und Regierungsdirektorin der JVA Ebrach lud zum Sommerfest der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und fast alle kamen. Gute Speisen und Getränke waren die Grundlage für viele sehr angeregte und anregende Gespräche mit den Bediensteten, Fachdiensten und natürlich der Chefin. Danke für die Einladung!

[Seitenanfang ]


 

Straubinger Tagung 2004

Information  Kommunikation  Erfahrungsaustausch

AG 1
Einführung neuer Mitarbeiter

AG 2
Drogenproblematik in Haft

AG 3
Beratung über Schwierige Situationen in der ehrenamtlichen Betreuung und Entspannungsmöglichkeit

 

 

 

AG 4
Die Lebenswelt von Gefangenen - Subkultur,
- Rollen, - Sexualtäter - Therapiemöglichkeit

AG 5
Wiedereingliederung und Selbsthilfegruppen
für Strafentlassenen


[Seitenanfang ]


 

Kann Mentalität ein Grund für die Verschlossenheit
im fremden Land sein?

Immer mehr stoßen wir auf die Aussage: „In Gefängnissen schaffen die Russlanddeutschen eine eigene Welt zu der wir keinen Zugang verschaffen können.“
Woran liegt es? Ist es wirklich so? Liegt es an der Mentalität oder an der Erziehung? Oder liegt es daran, dass wir die Menschen nicht kennen?
Russland hat viele Gesichter, und auch die Menschen sind kein einheitliches Volk.
Der russische Dichter Jewgenij Jevtuschenko schrieb: „Ich bin so, und nicht so. Ich bin fleißig und faul, zielstrebig und haltlos. Ich bin scheu und frech, böse und gut; in mir ist eine Mischung von allem, vom Westen bis zum Osten, vom Enthusiasmus bis zum Neid.“
Bei Einlieferung in ein Gefängnis haben wir uns einmal Gedanken gemacht, wie wird ein „Russe“ auf diese Situation reagieren?. Ist sie die gleiche wie „Zu Hause“ in Russland? Beachten wir dabei solche Eigenschaften wie: Mentalität, Betrachtungsweise, Lebenseinstellung, Wertigkeit, Verhal-tensweise, Interkulturelle Unterschiede, Körpersprache, Kommunikationsmethoden, die alle als Einheit das Bild von einem „russischen“ Gefangenen erzeugen, was auf uns so fremd und unzugänglich wirkt.

Zur Frage: „Warum halten die „Russen“ zusammen?“
Der sowjetische Staat hat aus der Bevölkerung ein Kollektiv zu machen versucht. Je weniger einer von einem Individualisten hat, desto leichter ist er zu regieren. Von Kindheit an erzieht der Staat seine Bürger zu einem „hierarchischen Gefüge“. Jeder weiß es natürlich, dass er es hier mit einer hierarchischen Ordnung zu tun hat: der Widerspruch zwischen dem Prinzip des Kollektivismus - der Unterwerfung der Minderheit unter der Mehrheit - und dem Prinzip der Hierarchie - also der Unterwerfung der Mehrheit unter eine winzige Minderheit – wird von den meisten gar nicht bemerkt. Aus dem allen ist auch die Kunst nicht aufzufallen entstanden. Jahrhunderte lang hat ein russischer Bürger unter dem Einfluss einer Philosophie gelebt, die der Idee der Individualität des Einzelnen, missgünstig gegenüberstand. Der russische Bürger ist der Staat, die Gemeinschaft oder ein beliebter Ausdruck, das „Kollektiv“, das allein wichtig ist. Aus diesem Grund wird der „Russe“, wenn er sich einmal verteidigen muss, gehemmter sein, als sein westlicher Gegenspieler. Er sieht sich sogar im Gefängnis als Mitglied einer Gemeinschaft. Es ist nicht leicht für ihn, zu dem Schluss zu kommen, die Gemeinschaft der Russlanddeutschen im Gefängnis könnte Unrecht haben und er im Recht sein. Demnach ist es also nicht überraschend, wenn es viele „Russen“ vorziehen, zufrieden zu sein und nur als Mitglied eines Teams zu gelten.

 

 

Diese und andere Erkenntnisse über eine fremde Mentalität kann man nur durch Information z.B. in Weiter-bildungsseminaren oder aus Referaten erfahren. Es gibt noch viele Themen über Russlanddeutsche, die uns die Augen öffnen können und bei der Arbeit mit Häftlingen als Instrumente zum Zugang und Offenheit dienen könnten.

H.G. Welis schrieb: Russland ist ein Land, in dem das Wahrscheinliche gelegentlich eintrifft, während sich das Unwahrscheinliche täglich ereignet.“

Um die Russlanddeutschen und deren Handlungsweise besser zu verstehen, würde ich Maßnahmen / Schu-lungen mit folgenden Themen vorschlagen:

  • Bewusstmachen von kulturellen Unterschieden und Vergleich der unterschiedlichen Kulturen

  • Unterschiedliche Denkweisen und Werte sowie deren Auswirkung auf das Verhalten

  • Korrektur von Vorurteilen und Verständnis für fremde Kulturen, Aufklärung kultureller Missverständniss
  • e
  • Verstehensmodelle der anderen Kultur und deren Zusammenhang mit Wertesystemen

  • Individuellen Einstellungen und Verhaltensweisen

  • Unterschiede im Verständnis, Akzeptanz und Umgang mit Hierarchien

  • Körpersprache als Instrument zur Analyse von Ge-sprächssituationen

A. H., Ehrenamtliche Mitarbeiterin JVA Eichstätt

-.-.-.-.-.-.-.-.-

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (65 Teilnehmer) der Straubinger Tagung 2004 konnten A. H., eine sehr engagierte Russlanddeutsche, Gerichtsdolmetscherin und ehrenamtliche Mitarbeiterin in der JVA Eichstätt kennen lernen. Ich denke, wir sind gut beraten, wenn wir uns die Mentalität, die Gefühlswelt dieser zu uns gekommenen Menschen (Deutsche) von A, H. näher bringen lassen.
Wie?
Dazu sind auch Sie aufgerufen, uns Ihre Vorstellung mitzuteilen.

Norbert Merz


[Seitenanfang ]


Termine

Mitgliederversammlung 2004
mit Wahl des Vorstandes
18. September 2004
Hotel Riegele, Viktoriastr. 4, Augsburg
gegenüber vom Bahnhof.
 

 

Straubinger Tagung 2005
vom 08. bis 10. Juli 2005
Justizvollzugsschule Straubing

[Seitenanfang ]


 

Spruch

Du kannst das Leben nicht verlängern noch verbreitern, nur vertiefen.“ Gorch Fock

Ein Wegweiser sollte grade stehen.
Ein Wegweiser sollte nicht in der Mitte, nicht im Mittelpunkt stehen.
Ein Wegweiser sollte nicht im Wege stehen.

Reinhold Stecher

*) setze für Wegweiser: Eltern, Betreuer, Lehrer, Vorbilder


[Seitenanfang ]


[ Zurück zum Einstieg ] - - - [ Seitenanfang] - - - [ Ihre Meinung und Ihre Rückfragen bitte an LAG ]

© LAG 2006-01-17