Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Ehrenamt-im-Strafvollzug

LAG - Info Nr. 47


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LAG-Info 47   Inhaltverzeichnis

Auf ein Wort
Säulen der Weisheit
Gewissheit
Geld oder Leben
Martin Luther King
Jugendkriminalität
... Time to say goodbye
Laufen-Lebenau
Vom Wert der Dinge
Zeitungssplitter
Neapel sehen
Cafe-Grenzenlos
Das Musterhaus
Ist Lebenslänglich ...
1628 meint
Vorstände und Bezüge
Was ist wirklich wichtig?
Klare Vereinbarung

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  Inhaltverzeichnis

Hinter Gitter (Referat)
Ebracher Gruppe
Kaisheimer Treff
Sehnsucht
EA JVA Bamberg
Ein gelungener Tag
Erlangen (Fußball)
Info-Abend Rosenheim
Leserbriefe
- Brigitte Bühler
- JVB Anton Bachl
- Heinz Peter Riegelbauer
- Peter Möller
Presseclub
Beitrittserklärung
Termine
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!

Da stehen sie nun die „fünf Säulen der Weisheit“! Wozu? Setzen Sie sich doch einfach in aller Ruhe mit den fünf Kästchen und deren Inhalt auseinander und lesen, was uns die Menschen dieses Heftchens zu sagen haben: Lesen Sie von einer Brigitte Bühler, Renate Elter (Grenzenlos und Musterhaus) über Friedhelm Schneider („goodbye“), Georg Modlmair (Neapel), Heinz Peter Riegelbauer (so ist Ehrenamt), Ingrid Pollak (gelungener Tag), Richard Hübner (Hinter Gitter), Peter Möller (Leserbrief für die SZ), von 1628 und von und über die vielen engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Rosenheim, Ebrach, Kaisheim).
 
Ich konnte es mir aber auch nicht verkneifen, über die ehrenamtlichen Bezüge der kassenärztlichen Vorstände zu berichten (Seite 25)! All unseren Leiterinnen und Leitern kann ich jedoch versichern, am Geld wird das Engagement der Ehrenamtlichen des bayerischen Strafvollzugs nicht scheitern. Trotzdem wünsche ich mir mehr gemeinsame Werbung, ein bessere Bedarfsanalyse und eine solide Aus– und Weiterbildung. Vielleicht finden wir für das vor Jahren eingereichte Konzept - vom Grundkurs bis zur Straubinger Tagung - Zeit und Entscheidungen.

Ihr
Norbert Merz

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Die „Fünf Säulen der Weisheit"

1. Wissen um die Zusammenhänge
Der weise Mensch weiß um die grundlegenden Probleme des Lebens und um die Verstrickungen. Er kennt die Natur, die Grundlagen zwischenmenschlichen Umgangs, gesellschaftliche Normen und weiß, wann man sich darüber hinwegsetzen muss.

2. Wissen um sinnvolle Strategien
Der weise Mensch kann Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Er besitzt Managementstrategien, um sein Leben zu meistern und mit seiner Zeit sinnvoll umzugehen. Er kann sich von eigenen Motiven und Sehnsüchten stark distanzieren und wird so zum klugen Ratgeber für andere.

3. Wissen um relative Werte
Der weise Mensch weiß, dass verschiedene Menschen zum Beispiel in verschiedenen Kulturen oder zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Werte haben. Trotzdem wird er seinen kleinen Kanon eher universeller Werte (zum Beispiel Toleranz, Nächstenliebe) nicht aus den Augen verlieren.

 

 

4. Wissen um die Bedingungen
Der weise Mensch sieht Personen und Ereignisse nie isoliert, sondern immer im Bezug zu den Rahmenbedingungen. Er weiß, dass sich Probleme anders darstellen, je nachdem, ob sie Familie oder Arbeitswelt betreffen - und auch abhängig vom Alter.

5. Wissen um die Ungewissheit
Den weisen Menschen zeichnet aus, dass er sich mit seiner eigenen Endlichkeit genauso auseinandersetzt wie mit der Tatsache, dass zum Leben auch immer ein Stück Ungewissheit gehört. Wir wissen nie, was die Zukunft bringt. Er meistert den Balanceakt zwischen seiner Ungewissheit und der Notwendigkeit, trotzdem handlungsfähig zu bleiben.

Zitiert nach Ursula M. Staudinger, Professorin an der Uni Dresden. Magazin am Wochenende (Nürnberger Nachrichten)) 17./18.1.2004


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Martin Luther King

Welcher Arbeit Sie auch in Ihrem Leben nachgehen, machen Sie sie gut... Wenn Ihre Aufgabe darin besteht, die Straßen zu fegen, dann fegen Sie, wie Michelangelo malte, wie Shakespeare Gedichte schrieb und wie Beethoven komponierte. Fegen Sie die Straßen so, dass all die himmlischen und auch die irdischen Heerscharen innehalten und sagen: Er lebte als ein großer Straßenfeger und er hat seine Arbeit gut gemacht.

  Charles-Louis Baron de Montesquieu

Für seine Arbeit muss man Zustimmung suchen, aber niemals Beifall.

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Jugendkriminalität - Mit 12 hinter Gittern


Der Streit um die Jugendkriminalität Knast für Kinder? Die Rufe danach werden immer lauter, und auch die Politik kann sich dem Thema nicht mehr verschließen. Der Film von Tilman Jens zeichnet einige der kriminellen „Karrieren" Jugendlicher nach und zeigt verschiedene Modelle, damit fertig zu werden. Sie heißen Andreas, Mehmet, Dennis oder
 
Chris. Die Namen der Kinder stehen für Einbruch, Schlägerei, Erpressung und sogar Totschlag. Von ihnen gibt es in Deutschland mehr als 150.000. In der öffentlichkeit gelten sie häufig als nicht resozialisierbar und sollen deswegen in geschlossene Heime eingewiesen werden.
Jugendkriminalität ist Reiz- und Wahlkampfthema.

(PHOENIX Programmhinweis: Mit 12 hinter Gittern, 26. 1. 04)


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... its time to say goodbye ...

Friedhelm Schneider, Sozialpädagoge der JVA Landsberg und Kontaktperson für die Ehrenamtlichen schrieb:

Lieber Norbert,
its time to say goodbye
Mit Ablauf des Monats Juli 04 gehe ich in den Ruhestand und werde das Hotel „Gitterblick" in Landsberg verlassen. Auf diesem Wege möchte ich mich daher schon jetzt von Dir und Deinen Mitstreitern bei der LAG Bayern verabschieden. Es war eine schöne Zeit, und es hat mir viel Spaß gemacht, mehr als 25 Jahre an der Aus- und Weiterbildung ehrenamtlicher Mitarbeiter teilhaben zu können und viele interessante und engagierte Menschen kennenzulernen.
Auch durch die Tätigkeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter wurde der Strafvollzug transparenter, weil sie ja in den Berichten über ihre Tätigkeit auch Multiplikatoren sind. Wohl die meisten Inhaftierten sind zu Recht in Haft, solange unsere Gesellschaft nichts anderes beschließt. Doch sie sind auch Menschen, und viele benötigen Hilfe, die ihnen auch von den ehrenamtlichen Mitarbeitern durch Briefe, Besuche, Gespräche und bei Lockerungen angeboten wird.
Der LAG Bayern wünsche ich daher viel Erfolg in ihrer Arbeit und Dir persönlich alles Gute, Gesundheit und viel Spaß an Deiner Tätigkeit. Mit herzlichen Grüßen

Friedhelm Schneider

 

 

Bleib g‘sund und komm halt einfach mal vorbei!

Ein sehr, sehr Engagierter verlässt uns, um in den wohlverdienten Ruhestand zu wechseln. Danke! Danke für Rat, Anregungen, Hinweise, Erläuterungen, Erklärungen, Klarstellungen, Ausrichtungen und Hilfestellungen, wenn es darum ging, Ehrenamtlichen einen Weg, eine Ungereimtheit näher zu bringen.
Wie wenige hast Du die Straubinger Tagungen mit Deinem Humor, Deinem Fachwissen, Deiner Erfahrung und einfach durch Deine Anwesenheit geprägt und zu dem gemacht, was sie heute sind.

Danke! Die Mitglieder der LAG wünschen Dir alles Gute.


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Laufen-Lebenau

Im Rahmen einer dreitägigen Hospitation, die Regierungsdirektor Andreas Wagner, Leiter der JVA Laufen-Lebenau, Regina Weber und Peter Möller von der Evangelischen Straffälligenhilfe München gewährte, hatte ich die Möglichkeit, mit Andreas Wagner auch über eine ehrenamtliche Betreuungsarbeit, den damit verbundenen Hinweisen und Aktionen auf der Homepage der LAG zu diskutieren.
Die vorgelegte Internet-Seite wurde an zwei Punkten korrigiert und dann genehmigt. Mit dem Abschluss der Hospitation werden durch Peter Möller die ersten Sprechtage durchgeführt und in enger Abstimmung mit den Fachdiensten und der Leitung geeignete Persönlichkeiten für eine Betreuung der jugendlichen Straftäter ausgesucht. Dieser neue Weg eines bürgerlichen Engagements bedarf eines großen Fingerspitzengefühls, eines sehr behutsamen Heranführens der ausgewählten Ehrenamtlichen aus der Region. Diese ehrenamtliche Mitarbeit in der Jugendstrafanstalt Laufen-Lebenau beinhaltet eine ganz
 
andere Qualität des Engagements. Verlässlichkeit, Ausdauer und Geduld sind im Umgang mit den sowieso schon sehr verletzten Kinderseelen sehr wichtige Attribute. Mit einer neuerlichen Enttäuschung und um eine weitere negativer Erfahrung reicher sollte die ehrenamtliche Tätigkeit nicht gestartet werden.
Dazu braucht es erfahrene Frauen und Männer, die auch in ihren eigenen Familien bewiesen haben, dass sie jungen Menschen Richtung und Leitschnur sein können. In diesen jungen Jahren eine verkorkste Kindheit und Jugend in eine lebensfähige, straffreie Richtung zu lenken, sollte und muss das Ziel dieses ehrenamtlichen Ansatzes sein.
Um so schwieriger dürfte es sein, wirklich geeignete Persönlichkeiten für diese Aufgabe, für diese Herausforderung zu gewinnen. Wenn alle Beteiligten an dieser sehr anspruchsvollen Zielsetzung mitwirken, mitgestalten und sich mit Kräften einbringen, wird im Laufe der nächsten Jahre eine ehrenamtliche Mitwirkung verantwortungsbewusster und engagierter Mitbürger entstehen.

Norbert Merz


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Neapel sehen
Von Georg Modlmair

Das letzte Mal bearbeitete ich mit „meinen Gefangenen“ die Kurzgeschichte NEAPEL SEHEN, die der Schweizer Kurt Marti vor vielen Jahren geschrieben hat. In der Geschichte geht es um einen Akkordarbeiter, der in seinem 40-jährigen Arbeitsleben alles hasste: Fabrik, Arbeit, Maschine, Frau, Meister, Arzt,... Der Mann errichtete in seinem Garten eine Bretterwand, um die verhasste Fabrik nicht mehr sehen zu müssen.
Nach 40 Jahren Arbeit und Hass wurde er zum ersten Mal krank. Diese Krankheit, diese Katastrophe, wurde für ihn zum Segen. Während der ca. dreiwöchigen Krankheit, die seinem Tod vorausging, änderte sich bei ihm alles. Aus dem hassenden blinden Menschen, der wie Hans Guck-in-die-Luft durchs Leben ging, wurde ein SEHENDER Mensch. Durch seinen Hass und dadurch, dass er alles negativ sah, sperrte er sich sozusagen selbst in sein inneres Gefängnis ein. Die von ihm errichtete Wand ist ein Symbol für sein Gefängnis. Während seiner kurzen Krankheit geschah dann das Wunder. Der Mann begann zum ersten Mal über sein Leben nachzudenken. Er lernte die Fabrik und damit sein Leben mit neuen Augen, mit den Augen der Liebe zu sehen. Wenn ein Mensch so falsch lebt wie er, sich selbst hasst, dann ist eine Selbstfindung nicht möglich. Während der Mann in seinem Krankenbett lag, fing er an darunter zu leiden, dass er das, was er vorher nicht sehen wollte, seine Fabrik, jetzt aber sehen wollte. Nach drei Wochen bat er seine Frau, endlich zwei Bretter aus der „verdammten Wand“ zu entfernen, damit er etwas sehen könne. Seine Frau bat den Nachbar, dies für ihren Mann zu tun. Der Nachbar kam und erfüllte den Wunsch. Einige Tage später legte der Nachbar dann die Hälfte der Wand und kurze Zeit später die gesamte Wand nieder. Durch Nachdenken und Einsicht befreite sich der Mann schließlich aus seinem selbstgewählten Gefängnis. Der Mann sah sozusagen zum ersten Mal in seinem Leben klar.
Kurz bevor er starb, ruhte der Blick des Kranken „zärtlich“ auf seiner Fabrik. Indem er mit der Fabrik seinen Frieden machte, befreite er sich aus seinem Gefängnis. Das äußere Zeichen dieser Befreiung ist die niedergerissene Wand.
Die Deutschen, die die Nachkriegszeit bewusst erlebt haben, kennen das Sprichwort „Neapel sehen und sterben“, das die Sehnsucht der Deutschen nach dem Urlaubsland Italien ausdrückt. Das Sprichwort widerspricht dem weisen Satz, wonach der Weg das Ziel ist. Indem Kurt Marti für die Überschrift nur die ersten beiden Wörter des Sprichwortes nimmt, erreicht er genau das Gegenteil, die überragende Bedeutung des Weges hervorzuheben. Wenn wir nun die Geisteshaltungen von Sprichwort und Überschrift der Kurzgeschichte einander gegenüberstellen, können wir leicht feststellen, dass der Mensch, der nach dem Sprichwort lebt, wie ein Hans Guck-in-die-Luft durchs Leben stolpert, während derjenige, der sich um Einsichten bemüht, SEHEND durchs Leben pilgert.
Wie lebt der Mensch nach dem Sprichwort, und wie lebt der Mensch nach der Überschrift?
Der Mensch, der nach dem Sprichwort lebt, lebt fremdbestimmt und unmündig, während derjenige, der sich um wirkliches SEHEN bemüht, selbstbestimmt und mündig lebt.
Was sagen uns Sprichwort und Überschrift bezüglich Partnerwahl?
 
Der nach dem Sprichwort, fremdbestimmt lebende Mensch sieht nur die Oberfläche, den Lack, die Kurven einer sich prostituierenden, rein äußerlichen Schönheit. Der SEHENDE, selbstbestimmt lebende, mündige Mensch geht auf die richtigen Menschen zu. Er sieht die „innere Schönheit“. Wie sagt der kleine Prinz bei Saint-Exupéry: Nur mit dem Herzen sieht man richtig.
Was sagen uns Sprichwort und Überschrift bezüglich unserer Freunde?
Der nichtsehende Mensch geht auf die falschen Menschen zu. Er sieht nicht die inneren Werte. Viele der jungen Gefangenen befinden sich im Knast, weil sie den falschen Menschen Einfluss auf ihr Leben gewährten. Der SEHENDE Mensch sieht den ganzen Menschen. Er kann Eigenheiten und Schwächen beim andern annehmen, tolerieren, ja sogar lieben. Der SEHENDE Mensch hilft seinem Freund, ein ganzer, liebender Mensch zu werden. Er lebt nach den Grundsätzen meines Vorbilds Alfred Delp, der ein Widerstandskämpfer gegen die Nazis war: „Lebe selbst, lass dich nicht von äußerem Druck bestimmen. Pass dich nicht an.“
Ich bin davon überzeugt, dass alle Gefangenen in den Knast kommen, weil sie in ihrem Leben auch so eine Art Bretterwand gebaut haben. Die meisten kommen wohl deshalb in den Knast, weil sie eine falsche Einstellung zum Leben haben, weil sie wie Hans Guck-in-die-Luft durchs Leben stolpern und nicht SEHEN. Was für den Akkordarbeiter in der Kurzgeschichte die Krankheit war, kann für jeden Gefangenen die Katastrophe Knast werden. Wenn die Inhaftierung nicht eine Chance zum Denken und in der Folge zum Einsichten gewinnen, also zum SEHEN ist, dann weiß ich nicht, was sonst noch eine Chance sein könnte. Die meisten Gefangenen sitzen wohl im Knast, weil sie eine falsche Einstellung zum Geld haben. Sie machen wirklich die Erfahrung, dass Geld „isoliert“. Um wirklich frei zu werden, müssen diese Menschen ein neues Verhältnis zum Geld finden. Sie müssen SEHEN, dass Geld dem Menschen dienen soll und nicht dem eigenen Reichtum oder dem eigenen Image.
Was will Gott vom Menschen?
* dass er wegkommt von seinem leeren, oberflächlichen Leben,
* dass er ein SEHENDER Mensch wird,
* Der Mensch soll nach seinem Wesensgesetz sich selber finden und als Mündiger seinem Gewissen folgen.
* Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (Geld, Macht, Drogen, Sex, falsche Freunde, ...)
* Gnade und Vergebung braucht der stolze Mensch nicht, aber der Demütige.
Um die Gabe der Weisheit kann man bitten und um Weisheit kann man sich selbst bemühen. Einen Erkenntnissatz will ich hier einmal formulieren: „Wenn du über die Almwiese deines Lebens gehst, dann erfreue dich an den Blumen, die überall blühen und übersehe die Kuhfladen zwischen den Blumen.“ Wie sagte Goethe in seiner unnachahmlichen Ausdruckskraft: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.“ In diesem Sinne: bemühen Sie sich strebend und finden Sie weitere Weisheits-Sätze, dass Sie immer mehr ein SEHENDER, glücklicher Mensch werden. Sollten Sie ein Gefangener sein, dann sollten Sie einen Weisheitssatz finden, der Sie in der Zukunft vor diesem ungastlichen Ort bewahrt!

Durch den Titel der LAG-Info 47 „Die fünf Säulen der Weisheit“ wurde unser Mitglied Georg Modlmair zu dieser Geschichte:
„Neapel sehen“ angeregt. Georg Modlmair ist in der JVA Bamberg ehrenamtlich tätig.


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Cafe-Grenzenlos

„Liebe ist das Einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden"

Angefangen hat alles damit, dass Brigitte Bühler im Park Obdachlose mit Tee versorgte. Später verteilte sie Kleider, sprach mit den Obdachlosen, brachte sie dazu, ihre Schwellenangst zu überwinden und das von ihr vor fünf Jahren mit begründete Cafe Grenzenlos als Anlaufpunkt zu nutzen. Seit Jahren sind Brigitte Bühler und ihre Kollegin Renate Elter nun als ehrenamtliche Sozialarbeiterinnen in Aschaffenburg unterwegs. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Betreuung von Strafgefangenen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Aschaffenburg-Strietwald und als ehrenamtliche Bewährungshelferinnen.
Wie formulierte Brigitte Bühler ihr Engagement: „Ehrenamtliche Bewährungshelfer brauchen Realitätssinn, Geduld und Zeit zum Zuhören. Man darf sich nicht entmutigen lassen.“ Und dann ergänzte sie: „Ohne persönliches Vertrauen geht nichts auf dem Weg ins normale Leben.“
Und was daraus wurde!
„Grenzenlos“ erhielt
* den Agenda-21-Preis der Stadt Aschaffenburg für das Jahr 2002 und
* wird mit dem Spendensiegel des „Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen" ausgezeichnet.

Beispielhafte Leistungen.
Das Cafe Grenzenlos in der Frohsinnstraße gibt Tag für Tag fast 140 warme Essen und ca. 250 alkoholfreie Getränke gegen einen geringen Unkostenbeitrag aus. Der Verein baut eine neue Theke in Eigeninitiative, schafft eine Kühlanlage und eine neue Mikrowelle an. Im Jahr 2002 waren es über 800 Grenzenlos-Pässe, die vom Verein an Bedürftige ausgegeben wurden.
Das Kaufhaus Grenzenlos konnte im vergangenen Jahr vier neue Lebensmittelmärkte und zwei Bäckereien davon überzeugen, täglich dem Verein Lebensmittel zur Umverteilung zu überlassen. Mit dem neu angeschafften Transporter werden jährlich rund 45.000 km und 100 Tonnen Lebensmittel zuverlässiger und schneller bewältigt.
Die Sozialberatung Grenzenlos mit dem Projekt „Betreutes Wohnen“ kam dazu. Eine Idee, die von den Betroffenen gut angenommen wurde. So leben heute in einer vom Verein angemieteten Wohnung drei Jugendliche und in einem Haus eine 6-köpfige Familie (die vorher in einem Wohncontainer untergebracht war). Alle werden von einem Sozialarbeiter betreut. Was auch immer sehr engagiert getrieben wird, geschieht unter dem Motto: „Straffällige ernst nehmen und ihnen helfen, ein Stück Rückgrat wiederzugewinnen.“

 
Und was noch?
Man schaut auch nach rechts und links und über den Zaun und greift die Idee zu einem Treffen von Rudi Rohleder, Sozialamtmann der JVA Aschaffenburg, und von Dr. Manfred Sommer, hauptamtlicher Bewährungshelfer für den Landgerichtsbezirk Aschaffenburg, bereitwillig auf.
Auch dafür haben die beiden engagierten Damen noch Zeit. Sie treffen sich mit Mitgliedern anderer Sozialvereine, um Erfahrungen über ihre ehrenamtliche Arbeit auszutauschen.
Heute zählt der Verein 140 Mitglieder. Bekannt und angesehen, bleibt es dann auch nicht aus, dass sich andere beteiligen. Unter dem Motto „Sie genießen, damit andere nicht hungern“ verkauft der Lions Club Suppe und kann 1.000 Euro an Grenzenlos überreichen.
Oder die Pfarrer Michael Martin und Dr. Jürgen Vorndran steigen bei Jörg Pilawa in der TV-Quizshow auf den Stuhl und können so einen Teil des Preisgeldes dem Verein Grenzenlos zu fließen lassen.

Hilfe beim Kampf gegen die seelische Obdachlosigkeit: Perspektiven und Lebensinhalte helfen Menschen in Haft

Auf die Frage, ob die LAG für „Grenzenlos“ bei einer Präsentation im Internet behilflich sein könne, schreibt Brigitte Bühler:
„Es wäre toll, wenn Sie über die Arbeit „Grenzenlos“ eine Reportage machen würden. Unser Ziel ist es Mitbürger anderer Städte zu motivieren, Ähnliches ins Leben zu rufen. Den Bürgern bewusstzumachen, Menschen, die in Not geraten sind, die Hand zu reichen. Das Elend erledigt sich niemals von selbst. Es liegt an jedem Einzelnen persönlich, durch seinen Einsatz Hilfe zu geben: Das bezieht sich natürlich nicht nur auf Obdachlose oder Strafgefangene, sondern gilt überall im täglichen Leben.“
Und Brigitte Bühler fährt fort: „Wir entschieden uns für die Menschen, die auf der Straße leben, und für Strafgefangene.“
Und sie beendet ihren Brief: „Oft sind wir von dieser anstrengenden Tätigkeit total geschafft. Doch wenn wir wieder einmal helfen konnten, den Erfolg unserer Arbeit und glückliche Augen sehen, dann haben wir wieder Mut und Elan, mit Behörden Krieg oder Frieden zu spielen.“


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16 28 meint:

Der Weisheit letzter Schluss ...

Weil es Thema dieser LAG-Info ist und weil einige - Gefangene und auch Ehrenamtliche - meinen, wir müssten nur „Weises“ und „Geistreiches“ von uns geben, schreibe ich einige Gedanken auf, so, wie sie mir einfallen, so wie ich es sehe, zum Nachdenken und auch zum Schmunzeln. Wenn man will: ein Ausflug in meine Gedankenwelt, ein Rückfall quasi, in meine Knastzeit, zurück in die schlaflosen langen Nächte in den JVAs. Da hatte ich Zeit, mich mit manchen Problemen und Fragestellungen zu beschäftigen – nur so – auf dass es wieder Morgen wird.
Was ist Weisheit? Ich muss gestehen, ich kann mit diesem Begriff wenig anfangen, das ist nicht meine Welt. Weise sein, weise handeln sind für mich nur noch Begriffe aus meiner Kindheit und auch Druckmittel der Kirche und der Gesellschaft (früher: Adel), um sich die Untergebenen gefügig zu machen.
Weise Sprichwörter wie: „Morgenstund hat Gold im Mund“. „Müßiggang ist aller Laster Anfang“. „Ehrlich währt am längsten“. „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist ...“. „Gehe nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst.“ „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ „Sich regen bringt Segen.“ „Arbeit schändet nicht.“ „Der Ober sticht den Unter.“ „Wer rastet, der rostet.“ Und so weiter, und so weiter. Der erhobene Zeigefinger ist ja direkt sichtbar! Ein Wohlverhalten wurde erwartet und auch verlangt. Wehe dem, der sich nicht fügt: „Die Strafe folgt auf dem Fuße“...
Wem dienten diese ach so weisen Sprüche? Doch nur den „Besitzenden“ und Herrschenden“. Ein schlechtes Gewissen der Unterschicht mehrte ihren Wohlstand. Der weise König Salomon, die „drei Weisen“ aus dem Morgenland, die Weisen der Stämme, Nathan der Weise, - nur Sagen und Legenden. (Nicht einmal das wusste ich, das habe ich aus „Herders Volkslexikon“ farbig). Die „Fünf Säulen der Weisheit“. Muss ich das wissen? Und wenn ja, darf ich sie sofort wieder vergessen? Bringt es uns im täglichen Leben weiter, wenn wir es wissen? Der weise Mann : Ein Alter, im hellen Gewand, auf einem prächtigen Thron (von mir aus auch mit fünf Beinen), sitzender, mit verklärtem Gesicht erzählender, hauptsächlich Kinder um sich geschart, ein vergeistigter Mensch! So stelle ich mir die Weisheit in Person vor.
Gut, ich bin ein Handwerker und habe mich mit solchen Dingen wenig beschäftigt. Bis jetzt musste ich auch noch nicht darüber nachdenken. Ein Hauptmann bei der Bundeswehr schrieb über mich bei einer Beurteilung:
„... er besitzt einen überdurchschnittlichen Geist (?) und die normale Weisheit eines einfachen Mannes...“ Frage: Gibt es einen, „doppel“ Mann? Jetzt, nach 48 Jahren, denke ich immer noch an diesen Satz!!!
Geist und geistreich, weise und Weisheit – haben die Begriffe nicht den gleichen Stamm? Mit dieser Formulierung meines damaligen Zugführers – Reiß war, so glaube ich, der Name dieses „weisen“ Clowns in Uniform, bin ich gut weggekommen. Andere Kameraden „verloren“ bei dieser Höchstleistung an Wortspielen jegliche Intelligenz, Weisheit und geistigen Fähigkeiten. Wenn es einen „Unweisen“ gibt, dann war es Hauptmann Reiß: Weisheit kann eben auch verletzend wirken. Ich will es aber trotzdem – mit dem Geist des einfachen Mannes – versuchen, meine Gedanken um die „Weisheit“ niederzuschreiben.
Beginnen wir mit dem Begriff: Die Weisheit – er hat die Weisheit mit dem Löffel gefressen – Weisheit eine Sache, Weisheit ein Zustand, Weisheit eine Eigenschaft? Was ist das Gegenteil von Weisheit?
10 Säulen dagegen: Dummheit, Borniertheit, Hinterhältigkeit, Faulheit, Gleichgültigkeit, Hochmütigkeit, Unwahrheit, berechnend, unterwürfig, geizig, (auch wenn Geiz „geil“ ist).
Alles Wörter, die mir wesentlich vertrauter sind als „Weisheit“. Das sind eben die Begriffe, mit denen wir uns täglich herumschlagen müssen, die uns als Personen immer wieder begegnen. Wann treffen wir schon mal auf einen Weisen? Gut! Ja! Im Ministerium. Aber sonst?
Zum Zweiten: Wie erkennen wir Weisheit? Wenn ein Mensch auf mich zukommt, mir sagt, er sei ein Weiser, mir einige Ratschläge gibt und „von dannen“ zieht, war das ein Weiser, waren oder sind seine Worte Weisheit? Wer oder was verschafft mir Gewissheit? Meine erste Reaktion wird sein: „Ein einsamer Spinner!“ Das haben wir doch alle schon oft erlebt, dass wir auf solche Typen hereingefallen sind. Wie erkenne ich also den Unterschied zwischen „Gut“ und „Böse“?
 
Muss ich nun, „weise“ sein, um das zu unterscheiden? Bin ich aber nicht! Ich verlasse mich da nur auf Erfahrungswerte, aber da kann ich auch irren! Wer würde auch einem „Ehemaligen“ Weisheit unterstellen?
Weiter: Wie lange hat die Weisheit oder, besser, eine Weisheit Bestand? Fünf Minuten? Eine Woche? Jahre? Jahrzehnte – Jahrhunderte?
Als ich in den 60ern mit noch zwei Gesellschaftern eine Firma gründete, glaubten wir, „weise“ gehandelt zu haben. Alles war vertraglich festgelegt, alles war geregelt. Jeder hatte seinen Aufgabenbereich. Wir hatten uns weisen Rat von Fachleuten eingeholt. Wir waren rechtschaffene Leute! Die Richter beurteilten unser „weises“ Vorgehen wesentlich anders und bestraften uns in ihrem „weisen“ Urteil zu Jahren Freiheitsentzug. In „weiser“ Voraussicht hatte ich im Büro immer ein Köfferchen mit Tabak, Pfeife und Zahnputzzeug - für alle Fälle – das war doch wirklich „weise“ oder?
Kann es sein, dass es die Weisheit überhaupt nicht gibt? Ist es möglich, dass wir sie uns als ideales Endziel nur vorstellen? Wir streben nach dem Vollkommenen und werden es nicht erreichen. Wie ist es sonst möglich, jetzt, in diesem Moment, nach unseren Vorstellungen, unendlich „weise“ zu sprechen und zu handeln, im nächsten Moment aber die größte Dummheit des Lebens zu begehen?
Sind Weisheit und Dummheit Zwillinge, die immer gepaart auftreten? Ist Weisheit immer weltfremd und abgehoben? Ist der Papst in Rom weise? Kann ein Lebenslänglicher in Straubing auch weise sein? Muss Weisheit alles Denken und Tun umfassen? Verträgt Weisheit auch eine Zeit des totalen geistigen Tiefstandes? Ist Weisheit eine Eigenschaft, die man „erlernen“ kann oder ist sie „angeboren“? Ist Weisheit nur „Geist“ oder kann sie auch ein Gegenstand sein? Braucht man, um weise zu sein, einen bestimmten Wortschatz? Wie alt ist ein Weiser höchstens – mindestens? Ist es von mir „weise“, über meine Haftzeit zu schreiben? Wer bestimmt eigentlich, was Weisheit, was weise ist? Wer schwingt sich da zum Richter auf? Der Rat der Weisen?? Kann auch ich bestimmen, was „weise“ ist?
Als ich noch Polier auf dem Bau war, begannen gerade die Unruhen in Jugoslawien. Ich hatte zwei Zimmerleute aus diesem Land. Ivo war Kroate und erklärte mir das Problem und eine Lösung aus seiner Sicht. Ich war überzeugt: Er hat recht, das sind weise Argumente. Zivco war Serbe. Auch er hatte sich Gedanken gemacht, wie eine gerechte Lösung aussehen kann und muss. Auch seine Vorstellungen erschienen mir als weise und durchdacht. Nur – wenn beide Lösungsvorschläge aufeinandertreffen, bedeutet das Krieg! Der kam ja dann auch, und die Weisheit blieb auf der Strecke. (Hat bei Krieg die Weisheit eigentlich Urlaub?)
Als Gefangener in der JVA Bernau habe ich damals mein Scheidungsurteil bekommen. Ich war am Boden zerstört und moralisch auf dem Tiefstand. Ein Beamter nahm mich zur Seite und hat mit seinen Worten, mit seiner Erfahrung erreicht, mir solch eine Situation erträglich zu machen. Heute noch bin ich überzeugt, dass das eine Sternstunde der Weisheit war! - Aber meine damalige Frau – die wäre, wenn sie es wüsste, bestimmt anderer Meinung, sie kam bei dieser „Sternstunde“ weniger „gut“ weg. Ist Weisheit also zielgerichtet? Ist Weisheit also nichts Absolutes? Ich glaube, dass Weisheit nur eine Empfindungssache des Einzelnen ist, sonst nichts.
Muss ich als Betreuer von Strafgefangenen immer versucht sein, möglichst geistreich und weise zu wirken, ist das unser Auftrag? Wenn ich zu einem Wiederholungstäter sage: „Das, was du wieder gemacht hast, ist Scheiße und beim nächsten Mal landest du in Straubing“ – so ist das weder geistreich noch weise. – Es ist aber meine Überzeugung und es ist die Wahrheit. Und nur darauf kommt es an.
Der Weisheit letzter Schluss ist für mich: Ich will nicht als „irgendjemand“ erscheinen, der ich nicht bin. Weise oder dumm, wer kennt den Unterschied? Ich möchte nur ich sein und bleiben, sonst nichts! Ist das nicht doch der „einfache Mann“ von Hauptmann Reiß?

Ihr 16 28

PS: Übringens – überzeugen Sie Ihren Schützling, „Lesen“ und „Schreiben“ zu lernen, viele können es nicht. Da muss man was machen!!!


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Vortrag zum Symposion der Initiative ZELLE
am 12.12.2003 in der KHG Würzburg

HINTER GITTERN - ...

Richard Hübner

Angesichts des Themas, unter dem der heutige Abend steht, scheint eine Diskussion um das Thema Freiheit widersinnig. Schließlich bedeutet der Strafvollzug ja immer zugleich auch Freiheitsentzug, und gerade dort in einer Vollzugsanstalt hat man eines ganz offensichtlich nicht: die Freiheit!
So ist zuallererst zu klären: interessiert bei der heutigen Diskussion überhaupt das Thema Freiheit und, wenn ja - was ein zweiter Schritt wäre -, wie kann es in diesem Zusammenhang Geltung bekommen?
Um das herauszufinden, müssen wir uns, ob wir wollen oder nicht, zwangsweise also erst einmal mit der Freiheit an sich beschäftigen.
Bei meiner Recherche im Internet dazu bin ich auf eine sehr umfangreiche Seite gestoßen, wo Zitate und Aphorismen zur Freiheit in vielfältiger Form zu finden sind. An einigen dieser Zitate möchte ich mich heute entlang hangeln und daher gleich zwei vorbringen:
„Freiheit ist das Recht, alles zu tun, was anderen nicht schadet”
und
„Je freier das Volk, desto gebundener der einzelne.”
Hier treffen wir auf zwei Bedingungen der Freiheit, ohne die jegliche demokratisch aufgebaute Staatsform undenkbar wäre.
Was also steht in diesen beiden Sätzen? Einmal befindet sich darin folgende zentrale Aussage: Freiheit bekommt man nicht zum Nulltarif!
Größtmögliche Freiheit in einer Sozietät, in einer Gemeinschaft ist nur dann möglich, wenn es feste Regeln gibt, an die sich ausnahmslos alle zu halten haben. Führt man diesen Gedanken weiter, gelangt man irgendwann zum Gewaltmonopol des Staates, das eben genau jene größtmögliche Freiheit aller sichert, indem es diejenigen zur Raison ruft, die gegen die bereits erwähnten Regeln verstoßen.
Das zweite, was wir aus diesen beiden Sätzen herauslesen können, ist die Verpflichtung zur individuellen Verantwortung. Das heißt. bezogen auf den ersten Satz: Natürlich habe ich das Recht, alles zu tun, was ich möchte, völlig frei, aber egal, ob es einem anderen schadet oder nicht, ich muss für all mein Tun die Verantwortung übernehmen. Ich kann also gerade nicht nach dem “Vogel-Strauß-Prinzip” nach einer persönlichen Handlung so tun, als ginge mich das alles gar nichts an, sondern muss für möglich Fehler geradestehen, das ist die implizite Verpflichtung, die unserem Freiheitsdenken innewohnt!
Es gibt sicher größere Denker als mich, und einer davon hat diesen Sachverhalt bereits vor mehr als hundert Jahren folgendermaßen formuliert:
„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte...”
Dieser Satz wurde von Immanuel Kant so in seiner „Kritik der reinen Urteilskraft” formuliert und ist Teil des von ihm formulierten „Kategorischen Imperativs”. Soweit fürs erste zu den Bedingungen der Freiheit. In Annäherung an unser Thema „Was hat die Freiheit mit dem Strafvollzug, wie zu tun?“ zwei weitere Sätze, genauer ein Artikel aus dem Grundgesetz:
Art 2 Satz 1: Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
Art 2 Satz 2: Jeder hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden. Gerade eben habe ich noch - wie Sie sich erinnern - von Annäherung gesprochen, und - unverhofft kommt oft - schon sind wir mitten drin in dem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Freiheitsentzug.
„Wir müssen für die Freiheit planen, nicht nur für die Sicherheit.”
Ich weiß nicht, von wem dieser Satz stammt, er ist aus meiner oben erwähnten Zitate- und Aphorismensammlung und scheint mir passend für den zweiten Teil meiner Ausführungen. Art 2 Satz 1 hat uns unmissverständlich gezeigt - zusammen mit all dem vorher Gesagten: Es gibt Grenzen der Freiheit außerhalb, aber auch innerhalb des Strafvollzugs, und mein Anliegen ist es nun, im weiteren zu hinterfragen, kritisch zu hinterfragen: Existieren diese Grenzen zu Recht oder überschreiten sie ihrerseits die Grenzen des ethisch Verantwortbaren. Dann wären sie vielleicht nicht ungesetzlich, aber unmoralisch und in ihrer praktischen Ausführung höchst fragwürdig.
So möchte ich an dieser Stelle zuerst zwei Beispiele für Begrenzungen/Grenzen der Freiheit im Strafvollzug aufzeigen, die meiner Erfahrung nach zum Alltag einer JVA gehören. Und fürs erste will ich die Beschreibung als solche stehen lassen. Die Fragen dazu werden den letzten Teil meiner Ausführungen bestimmen.
1. Kein Strafgefangener  damit meine ich natürlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen - kann über seinen Tagesablauf/seinen Lebensalltag frei entscheiden, die Struktur des Tages ist vorgegeben!
Dieser Ablauf sieht wie folgt aus:
Wecken um ??? - Frühstück - zur Arbeit - Mittag - Arbeit - zurück zum - „Wohntrakt” - Abendessen - Freizeit (die einzige Möglichkeit zur Selbstgestaltung) - Einschluss bis zum nächsten Wecken.
Zugegeben, dies unterscheidet sich wenig vom Alltag eines Normalbürgers, und da nehme ich mich nicht aus, aber jede und jeder von uns kann oder könnte sagen, heute nicht. Sicher gibt es im Strafvollzug organisatorische Grenzen, die die Festlegung eines solchen Ablaufes vorschreiben, aber es ist und bleibt auf der einen Seite eine massive Einschränkung der persönlichen Freiheit, der persönlichen Entfaltungsfreiheit.
2. Kein Strafgefangener hat die Möglichkeit, unkontrolliert Post zu versenden oder zu erhalten.
Hinter der sogenannten Brief- oder Postzensur steht in erster Linie ein Sicherheitsbedürfnis, das zweifelsohne seine Berechtigung hat. Aber es bleibt bei allem Sicherheitsdenken für jede/n Inhaftierten auch das Wissen: Da ist eine/r, die/der u.U. meine intimsten Gedanken liest und kennt. Jeder von uns würde sich dagegen aufs Äußerste wehren, ein Inhaftierter kann dies nicht, außer er stellt das Briefeschreiben ein.
Bei all diesen Beschränkungen und Begrenzungen der Freiheit gibt es natürlich im Strafvollzug auch Möglichkeiten der Freiheit, und das nicht nur ansatzweise. Diese sind bisweilen selbst den im Vollzug ehrenamtlich Tätigen nicht bekannt - obgleich sie Grundlage ihrer Arbeit sind.
Grundsätzlich muss man jedoch dazu sagen, dass es ein langes Ringen gab um das Strafvollzugsgesetz (16.03.1975) in seiner heutigen Form, und dieses Vollzugsgesetz hat dem einzelnen Inhaftierten erst wirklich Möglichkeiten der Freiheit
 
eröffnet, wenngleich dessen faktische Umsetzung sehr unterschiedlich beurteilt wird. Aber lassen wir doch das Gesetz für sich selbst sprechen:
§ 2 (...) Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.
§ 3 (...) (1) Das Leben im Vollzug soll den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden.
(2) Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken.
(3) Der Vollzug ist darauf auszurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.
§ 4 (...) (1) Der Gefangene wirkt an der Gestaltung seiner Behandlung und an der Erreichung des Vollzugszieles mit. Seine Bereitschaft hierzu ist zu wecken und zu fördern. (2) Der Gefangene unterliegt den im Gesetz vorgesehenen Beschränkungen seiner Freiheit. Soweit das Gesetz eine besondere Regelung nicht enthält, dürfen ihm nur Beschränkungen auferlegt werden, die zur Aufrechterhaltung der Sicherheit oder zur Abwendung einer schwerwiegenden Störung der Ordnung der Anstalt unerlässlich sind.
Mit anderen Worten, trotz all der bereits aufgezeigten Einschränkungen gibt es den Willen und das Bemühen, innerhalb dieser Begrenzungen weitestgehend Freiheit zu ermöglichen. Beispielhaft sollen hierzu drei Bereiche hervorgehoben werden.
1. Es gibt trotz aller Alltagsbeschränkung die Möglichkeit, in der Freizeit relativ frei Angebote zu wählen.
D.h., es gibt zum Beispiel grundsätzlich einmal die Möglichkeit für die Gefangenen, Gruppenveranstaltungen wie etwa die der Initiative ZELLE während ihrer Freizeit zu besuchen. Die Auswahl ist um so größer, je größer die jeweilige Anstalt ist. Somit existiert also auch ein Bereich  zugegebenermaßen ein kleiner , in dem die Möglichkeit freier Entfaltung während der Freizeit gegeben ist. Natürlich gibt es dabei auch Einschränkungen, die sich aber vor allem um die Größe einer Gruppe, ihre Zusammensetzung etc. drehen. Daher sind dies keine anderen als im pädagogischen Alltagsgeschäft sonst auch gemacht werden, gleich ob innerhalb der Mauern einer JVA oder außerhalb.
2. Wenn es die äußeren Strukturen der Inhaftierung zulassen, kann je-de/r Inhaftierte in der JVA die Chancen zur Weiterqualifizierung nutzen.
Ausnahmslos jeder Gefangene hat meines Wissens nach unter den gegebenen Umständen - damit ist vor allem seine Haftdauer u.ä. gemeint - die Möglichkeit, sich unter dem Aspekt der Fortbildung weiter zu qualifizieren. In der JVA Würzburg gibt es da Angebote im beruflichen Bereich, während z.B. in der JVA Bayreuth die Möglichkeit besteht, sich schulisch weiterzuqualifizieren.
D.h., es gibt auch hier das Angebot „bedingt freier Wahl”, allerdings, und damit sind wir wieder durchaus beim Freiheitsbegriff, den ich zu Beginn skizziert habe, liegt es zu einem großen Teil auch in der Verantwortung des jeweiligen Gefangenen, dieses Angebot anzunehmen oder nicht. Wenngleich natürlich Lernen in Haft sicherlich etwas anderes ist als in Freiheit!
3. Bei der Vorbereitung der Haftentlassung kann jede/r Inhaftierte eigenverantwortlich tätig werden. D.h., sie/er kann sich um Kontakte nach außen kümmern, wird dabei u.U. auch von Beamten oder Angestellten aus den sozialen Diensten unterstützt.
Jede Haftzeit - zumindest in Würzburg - geht einmal zu Ende. Sich auf den Tag der Entlassung vorzubereiten, ist ein notwendiges Muss besonders für die in Würzburg Inhaftierten, die in der Region keine festen Bindungen haben, aber trotzdem aus welchen Gründen auch immer nach ihrer Entlassung hier bleiben wollen. Wenngleich es für die Insassin oder den Insassen einer JVA ungleich schwieriger ist als sonst schon “draussen”, besteht dennoch die Möglichkeit, und es gibt auch Gefangene, die diese Möglichkeiten nutzen. Andere werden hierbei unterstützt. In diesem Zusammenhang leisten auch die einzelnen Ehrenamtlichen einen sinnvollen Beitrag im Gesamtgefüge.

Zusammenfassend ist also festzuhalten:
Es gibt auch in einer JVA begrenzte Möglichkeiten freier Persönlichkeitsentfaltung, wobei die oder der einzelne Strafgefangene relativ frei ihre/s Spielräume nutzen kann, sofern sie/er will.
Würde ich diese Worte allerdings einem aktuell Inhaftierten zusprechen, könnte es durchaus sein, dass ich verständlicherweise nur Hohngelächter ernten würde. Denn eine Inhaftierung ist und bleibt nun mal ein schwerwiegender Eingriff in die Freiheitsrechte einer Person. „Wenn auch nur eine Seele im Gefängnis bleibt, ist keiner von uns frei.” Mit diesem Zitat möchte ich zum Abschluss meines Vortrags kommen. Sie werden verstehen, dass ich kein wirkliches Resümee meiner bisherigen Ausführungen ziehen kann. Denn wie sie wollen, haben ich Ihnen als These die Grenzen der Freiheit im Strafvollzug aufgezeigt und dem Ganzen als Antithese einige Möglichkeiten derselben dort aufgeführt.
Statt dessen habe ich Fragen, nicht nur an den hier anwesenden Leiter der JVA, sondern an alle im Raum. Fragen, die ich persönlich gar nicht beantworten kann, Fragen, die mir aber schon sehr lange im Kopf herum spucken und ich deshalb dankbar bin für diese Einladung, weil ich sie endlich (wieder) einmal loswerden kann:
Im Strafvollzug hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Da und dort wurden alternative Projekte entwickelt und auch in die Tat umgesetzt. Meine erste Frage ist daher: Warum wächst die Zahl der Inhaftierten zumindest in Bayern stetig an, statt zu sinken?
Es gibt zwar keine offiziellen Zahlen über die sogenannten Rückfallquoten, dennoch wissen wir, es gibt sie und sie liegen in der Regel - so man eine hört - immer weit über 50%. Sind diese Menschen, die ein- oder mehrmals rückfällig werden, wirklich „schlechte Menschen”, besonders verdorben, so dass sie mehr als einmal resozialisiert werden müssen? Oder sind es vielmehr wir draußen, die die drinnen nicht so richtig akzeptieren wollen und können ohne Wenn und Aber?
Und meine letzte Frage: Der Behandlungsvollzug hat ja das Ziel, zum Leben in der Freiheit in Gemeinschaft mit anderen zu befähigen. Ist es aber nicht so - auch wenn es sicherlich faktisch nicht anders zu regeln ist -, dass ein vorgefertigter Tagesablauf, wo einer/einem Inhaftierten fast alles vorgegeben und vorgeschrieben wird, dieses Vollzugsziel nicht völlig ad absurdum führt? Ich möchte mit meinen Fragen bewusst zum Nachdenken anregen. Denn ich glaube, dass wir uns insgesamt viel zu wenig Gedanken um die Menschen ohne Freiheit machen, und es würde nicht nur ihnen, sondern auch uns ganz gut tun, sich mit solchen Fragen mehr auseinander zusetzen, anstatt froh und dankbar darüber zu sein, dass wir es eben nicht sind, die hinter hohen, kalten Mauern leben müssen.


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JVA Ebrach - Die Gruppe um Pfarrer Wilfried Geyer

Nachdem sich Ursula Schneeberger und Norbert Merz rein zufällig über das Internet kennen gelernt haben, entwickelte sich ein reger Informationsaustausch. Der Hinweis auf die Ebracher Gruppe um den evangelischen Anstaltsgeistlichen, Pfarrer Wilfried Geyer, weckte natürlich die Neugierde. Immer interessiert, immer neugierig darauf, wie es andere machen, wo man von anderen lernen kann, kam die Einladung zu einem Gruppentreff in Ebrach sehr gelegen.

Norbert Merz: Zuerst einmal danke ich für die Einladung in Ihre Gruppe. Darf ich Ihnen einige Frage zur Gruppe, zu Ihrer Arbeit und zu diesen monatlich stattfindenden Treffen stellen?
Wilfried Geyer: Ja, fragen Sie! Aber vorab zu meiner Aufgabe: Ich bin hauptamtlicher Seelsorger in der Jugendstrafanstalt Ebrach und damit Gesprächspartner für die jungen Menschen, die zum Teil gewaltig gegen die gesellschaftlichen Spielregeln verstoßen haben.
M.: Geht es dann immer um die Religion, um den lieben Gott?
G.: Nein, nicht unbedingt. Es geht ganz einfach um die Probleme eines jugendlichen Strafgefangenen, der sich falsch und ungerecht behandelt fühlt, der plötzlich Sehnsucht nach seiner Mutter bekommt, der einfach mit einem nicht zur Institution gehörigen Menschen reden will. Und dann gibt es sicher auch die Frage, ob es den lieben Gott vielleicht doch gibt.
M.: Und wann kam Ihnen die Idee, dass Bürgerinnen und Bürger für eine Einzelbetreuung, für Gespräche mit den Jugendlichen eine wertvolle Ergänzung sein könnten?
G.: Die Thematik ist mir seit langer, langer Zeit bewusst. Aber vor zirka zwei Jahren, der Gesprächbedarf meiner jungen Leute war sehr groß, begann ich, Gemeindemitglieder aus den Pfarreien anzusprechen und für diese Aufgabe, diese ehrenamtliche Betreuung zu begeistern. Es begann mit einer jungen Frau. Dann kamen zwei dazu. Und heute sind wir drei Frauen und drei Männer, die ehrenamtlich zu Einzelgesprächen in die Anstalt kommen, Ausführungen machen usw.
Und gerade diese Zuwendung durch eine Person, für ihn ganz alleine, keine von der JVA, könnte etwas bewirken. Wann gab es das schon in seinem bisherigen Leben, dass ein Mensch ganz alleine für ihn da war, sich um ihn gekümmert hat? Wann hat er eine derartige Anerkennung erfahren?

 
M.: Sie treffen sich mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie Sie mir sagten, einmal im Monat?
G.: Dieser monatliche Treff am Abend ist, wie die Rückmeldungen der Mitglieder zeigen, sehr wichtig. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind keine Profis und deshalb sehr auf den Erfahrungsaustausch, auf Informationen, Abklären auf die Richtigkeit ihres Tuns und Feedback angewiesen. Und das geschieht alles im vertrauten Kreis. Einfach über diese nicht einfachen Aufgaben, über das, was mir widerfahren ist, und die dabei entstehenden Spannungen reden dürfen. Außerdem lernen sich die Mitglieder untereinander kennen und finden den Mut, auch auf kurzem Weg den einen oder anderen zu besonderen Problemen anzusprechen.
Die Psychologen würden sagen: Es fördert das Wir-Gefühl.
M.: Durch die Teilnahme am heutigen Abend spürte ich und wurde mir bewusst, wie ausgeprägt in Ihrem Kreis die Vertrautheit, das Wir-Gefühl und das Engagement füreinander ist.
Wenn ich das werten darf, dann bin ich davon überzeugt, dass dies zum einen an diesen fantastischen, für ihre Aufgabe begeisterten Menschen liegt und zum anderen in Ihrer Person begründet ist. Ihr Einfühlungsvermögen, Ihre Überzeugungskraft, Ihr Wissen um den Strafvollzug und Ihre Ausstrahlung sind Garant für diese mitgehende Gruppe. Dazu herzliche Gratulation.
Und wie geht es weiter?
G.: Wir werden, ich, aber auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, weiter bei unseren Bekannten suchen und für die Übernahme von Einzelbetreuungen werben.
Einige junge Strafgefangene warten sehnsüchtig auf einen Besuch, auf einen Kontakt von draußen.
M.: Danke für das Gespräch! Ihnen und Ihrer Gruppe wünsche ich weiterhin viel Erfolg bei der Begleitung junger Menschen in die Freiheit ohne Rückfall.

Das Interview mit Wilfried Geyer, evangelischer Seelsorger in der JVA Ebrach, führte Norbert Merz


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Kaisheimer Treff:

Zusammenkunft – Erfahrungsaustausch - Information

Kaisheimer Ehrenamtliche treffen sich am 28. 1. 2004 zu einem ersten Sondierungsgespräch und dann am 28. 4. zur einer Weiterbildungsveranstaltung.

Unter diesem Motto treffen sich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JVA Kaisheim, um sich einmal im Vierteljahr in einer Abendveranstaltung gegenseitig zu informieren, Erfahrungen mit einander auszutauschen und sich mit dem Spannungsfeld „JVA – Gefangener – ehrenamtlicher Mitarbeiter“ zu befassen.
Ende April befasste man sich mit der Problematik „Ich und die JVA“.

 

 

Diese gemeinsame Initiative der „regelmäßigen Treffs“ wird getragen von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JVA Kaisheim, dem Sozialdienst katholischer Männer, Donauwörth, und der LAG. Eine entsprechende Förderung und Unterstützung erfährt das Projekt durch den Leitenden Regierungsdirektor Friedhelm Kirchhoff und durch Josef Wegele, Sozialamtmann der JVA Kaisheim, der es auch begleitet und moderiert.

Norbert Merz


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Benefizveranstaltung der Uni
und das Team der JVA-Erlangen war auch dabei!

Für einen guten Zweck rollte am Sonntag, 29. Februar, der Fußball beim traditionellen Benefizhallenturnier der Universität Erlangen-Nürnberg. Der gesamte Erlös aus Startgeldern, Spenden, Getränke- und Speisenverkauf sowie der Tombola und der Trikotversteigerung ging auch dieses Mal an den Förderverein Tumorzentrum der Universität Erlangen-Nürnberg.
Unter den zwölf teilnehmenden Mannschaften waren erstmals auch ein Team aus der Erlanger Partnerstadt Wladimir und das Team der JVA Erlangen. Weiterhin spielte die Betriebssportmannschaften der Sparkasse Erlangen, der Stadtwerke Erlangen, der Fachklinik Herzogenaurach, der Pharmacia, Siemens Power Generation und O2 der USV Jena, die FC Erlangen Rangers und die Uni-Werkstattkicker sowie das Gastgeberteam der Universität um Pokale und Urkunden für den guten Zweck.
 
Mann und Frau stellten sich der Herausforderung
Das Team der JVA Erlangen hat sich dieser Herausforderung gestellt und von 9:30 Uhr bis um 18:00 Uhr sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Bei schönem Wetter sicher ein lobenswertes Engagement und wieder ein freier Sonntag im Dienste des Strafvollzugs und der Krebshilfe.
Und am Rande der Veranstaltung warb Uta Trübenbach, Sozialpädagogin der JVA und Kontaktbeamtin, zusammen mit einer Ehrenamtlichen für das Ehrenamtliche.

Norbert Merz

Eine ehrliche Rückmeldung
Vielen Dank für die Bilder. Nun haben wir eine schöne Auswahl für unseren nächsten Jahresbericht.
Mein Muskelkater lässt auch schon wieder nach und die Kinder haben die Enttäuschung der knappen Niederlage im 9-Meter-Schießen gut verdaut.
Mit freundlichen Grüßen
J. J. - JVA Erlangen


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Eine Einladung, die wir zu würdigen wissen

LANDESVERBAND DER BAYERISCHEN JUSTIZVOLLZUGSBEDIENSTETEN E. V.
22. Februar 2004

Sehr geehrter Herr Merz,
der JVB - Landesverband der Bayer. Justizvollzugsbediensteten
- Fachverband im Bayer. Beamtenbund -
hält am Donnerstag, den 29. April 2004
im Hotel Astron in Grassau/Chiemsee
unter dem Motto
„JVA - erfolgreich - kompetent - zukunftsorientiert"
seinen ordentlichen Verbandstag 2004.
Den Festvortrag wird Frau Staatsministerin der Justiz Dr. Beate Merk halten.
Aus Anlass dieser Festveranstaltung, um 14.30 Uhr, würde ich mich ganz besonders freuen, wenn Sie, sehr geehrter Herr Merz, uns beehren würden.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Anton Bachl, Vorsitzender

  Info-Abend in Rosenheim am 8. März 2004

Der Informationsabend zur Gewinnung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen war mit zehn Interessierten sehr gut besucht. Bereits die Vorstellungsrunde ließ die gute Pressearbeit unseres Mitglieds Julian Zinner - Ehrenamtlicher seit der vorjährigen Werbeaktion - erkennen.
Aber auch die Fragen zur Betreuungsarbeit, zu den Möglichkeiten, zum Klientel ließen auf ein sehr großes Interesse schließen.
Dank der kompetenten Mitarbeiter des Diakonischen Werkes Rosenheim, der JVA Bernau, der Landesarbeitsgemeinschaft und erfahrener ehrenamtlicher Mitarbeiter blieb keine Frage unbeantwortet.

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Leserbrief

Heinz Peter Riegelbauer schreibt:

... Im letzten Jahr habe ich Briefkontakt zu meinen bisherigen Insassen in der JVA Bayreuth gehabt. Wir schreiben uns ca. 1x im Monat. Über die Weihnachtspaketaktion der CISS wurde ein Kontakt zu einem Häftling in der JVA Amberg geknüpft, der im Oktober 2003 entlassen wurde.

 

 

Alle beiden sind sehr dankbar für die Kontakte zur Außenwelt.
An der jetzigen Paketaktion habe ich mich auch wieder engagiert und erwarte täglich einen Brief aus der Mannertstraße in Nürnberg (JVA). ...

Anmerkung der Redaktion:
Und all dies ist „ehrenamtliche Betreuung“!


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Spruch

Höre, sehe, rieche, schmecke und fühle

Ordne, bewerte und beurteile

Entscheide und handle

aber bleibe deinem Ziel treu.

Norbert Merz


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© LAG 2006-01-17