LAG - Info Nr. 45

Inhaltverzeichnis

Auf ein Wort
Staatsministerin d. Justiz
Der Neue
Erfahrungen weiter geben
Lebenserfahrung
Die Frau an der Kasse
Justizmedaille
Leitbild und Reaktion
Glücksrad
Bernau
1628 meint
Ganz neben bei
Eingaben an den Landtag
Broschüre für Angehörige
Thesen
Merkblatt
Gesprächsthemen
Strafbefehl ...
Sprache ...
Gedanken eines Supervisors
Tageshaft in NL

Seite

3
4
5
6
8
9
10
11
13
14
16
20
21
22
23
24
25
26
27
28
32

Inhaltverzeichnis

Abseits?
Hymne für die Erde
Aus den Regionen
Landsberg
Kemnath
Augsburg
Würzburg
Eichstätt
Erlangen
Kaisheim (Spez. Gespr.-Gr.)
Partner-Seminar (Nürnberg)
Bessere Lebensqualität
Straubing
Kempten
Wichtige Frage ...
Leserbriefe
Interessantes Buch
Presseclub
Beitrittserklärung
Termine
Letzte Seite

Seite

33
36
 
37
38
40
40
41
41
42
45
45
46
47
49
50
50
51
61
63
 

Zurück zur Übersicht - LAG-Info (Broschüren)

Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!
„Erfahrungen weitergeben“ lautet das Motto dieses Heftchens. Und wenn Sie die einzelnen Themen, Hinweise und Anregungen anschauen, dann sind dies alles Erfahrungen, Erlebtes, Ausprobiertes.
Aber kann man Erfahrungen weitergeben? Ist es nicht viel mehr so, dass wir uns nur anregen lassen können, die Erfahrungen aber letztendlich selbst machen müssen. Jeder - auch der Gefangene - muss es erfahren, erleben! Trotzdem sind die Beispiele, die Anschauungsmodelle, die uns die Alten weitergeben, weitergeben könnten, weitergeben sollten, ja müssen von unschätzbarem Wert.
1628 hat uns mit seinem „Blaumann“ seltene und tiefe Einblicke in „Erfahrung“ eines Betroffenen gewährt.
Wenn Sie die vorliegende LAG-Info aufmerksam durchlesen bzw. -blättern, dann können Sie feststellen, die Zahl der Mitglieder, die sich mit Beiträgen beteiligen, hat stark zugenommen. Es macht einfach Spaß! Und so ganz langsam - beim Handel seit August - nähern wir uns Weihnachten und dem Jahreswechsel.
Es waren viele Wechsel (Personen) und viele kleine Erfolgsschritte (Regionen) zu verzeichnen und in Summe ein gutes Jahr. Ich weiß, wir, die LAG, sind auf einem guten Weg.
Ich freue mich auf 2004!
Ihr
Norbert Merz

[Seitenanfang ]


Der Neue

Herzlich Willkommen im Kreis der Ehrenamtlichen,
Ragnar Schneider,
Oberregierungsrat im Bayerischen Staatsministerium der Justiz
Und auch an dieser Stelle, einmal ein großes Dankeschön für Ihren gelungenen und überzeugenden Einstieg anlässlich der gemeinsamen Arbeitstagung 2003 für ehrenamtliche Mitarbeiter und Betreuer der ehrenamtlichen Mitarbeiter an der Bayerischen Justizvollzugsschule Straubing, für die Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die Vertretung deren Interessen.

[ Seitenanfang ]


Erfahrungen weitergeben

In einer Ausarbeitung der Volkswagen AG las ich etwas über „Die Wissensstafette - ein Instrument zur Erhaltung des Wissens von Führungskräften und Fachpersonal“. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber wie ist das bei den Ehrenamtlichen? Und was hat das mit dem Titel des Heftes „Erfahrungen weitergeben" zu tun?
Ich denke sehr, sehr viel. Oder sehen wir es als gottgegeben an, dass man halt nach getaner Arbeit ganz leise verschwindet?
Ob aus Altersgründen oder um sich neuen Aufgaben zuzuwenden, immer dann, wenn Ehrenamtliche gehen, die seit Jahren wertvolles Erfahrungswissen über die Gefangenen, über die Mitarbeiter der Justiz, die organisatorischen Abläufe und Zusammenhänge und über den gesetzlichen Rahmen gesammelt haben, dann verlässt mit dem Wechsel auch dieses wertvolle Gut die einzelnen Betreuergruppierungen.
Das Wissen und die Erfahrung unserer Ehrenamtlichen ist eine Kostbarkeit, die es für die aktiven Mitglieder der LAG zu bewahren gilt. Aber wie lässt sich das für die nachfolgenden Generationen von Ehrenamtlichen erfassen?
VW spricht von der Wissensstafette. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Interviews mit dem Erfahrungsträger. Selbstverständlich geht es dort aus finanziellen, ökonomischen Überlegung um einen reibungslosen Übergang vom Stelleninhaber zum Nachfolger. Aber würde es uns schaden, wenn es uns gelänge, dass die Dr. Graesers, Wagners, Seifrieds, Helms und wie die Erfahrungsträger der LAG alle heißen mögen, ihre Erfahrungen, ihre Geschichten, ihre Schwierigkeiten, ihr betrogenes Vertrauen, ihre Fehleinschätzungen, ihre großen und kleinen Erfolge, eben ihr Wissen um die Betreuungsaufgabe mitteilen würden?
Vielleicht aber haben die seit Jahren sehr engagierten Menschen eine andere Idee, sich uns mitzuteilen. Was sagen die Erfahrungsträger mit vielen Ausflüchten: „Da war doch gar nichts Besonderes, auch nichts Mitteilungswürdiges dabei, und alles war damals so wie heute." Ja, und wie war es denn damals? Lasst den Neuen die Beurteilung, ob besonders oder nicht! Wie war das mit den Betreuungsbesuchen, welche Rolle haben die Torbeamten gespielt, wofür wurde Zeit geopfert, wie war das mit der Werbung, welche Wege zu den Behörden waren einfach bitter notwendig, ... ???
Dabei wissen alle, Erfahrungstransfer, wie es neudeutsch heißt, wird immer eine ganz wichtige Orientierungshilfe sein und nie eine kritiklos übernommene Information. Sie bewahrt die Neuen vor Fehlern, die nicht unbedingt ein zweites Mal gemacht werden müssen, und gibt ihnen die Chance, in ihrem Einsatz immer besser zu werden.
Wir wollen eine Kultur des aktiven Austausches schaffen. Dabei sollten sich alle individuell in die Konzeption einbeziehen lassen, so dass die Erfahrungen in das Tagesgeschäft einfließen können. Mit Kommunikation statt reiner Information und mit Integration statt Separation wird das Erfahrungswissen an die Neuen vermittelt.
Norbert Merz

[ Seitenanfang ]


Ein ganz großes Dankeschön

Margareta Helms — eine Bankfachfrau für die LAG

Margareta Helms wurde im September 1995 in Neusäß bei Augsburg einstimmig zur Kassiererin gewählt und gehört damit zum Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG). Ohne groß in Erscheinung zu treten, regelt sie seit dieser Zeit den „Haushalt“, die Finanzen der LAG.
Bescheiden und immer im Hintergrund stellt sie trotz familiärer, beruflicher und anderer ehrenamtlicher Belastungen ihre fachliche und organisatorische Kompetenz - als Bankfachfrau - in den Dienst des Vereins. Die Hintergrundorganisation der Augsburger Gespräche, das Abwickeln der Kostenerstattung für die Endstrafenbetreuung, um nur zwei Teilaspekte ihres Engagements aufzuzeigen, werden aufgabengemäß und geräuschlos erledigt. Für die übrigen Vorstände ist ihre Mitwirkung eine Freude und eine enorme Entlastung in der Zielsetzung und Umsetzung der Aufgaben der LAG.
Engagiert und klar in der Sache ist Margareta Helms eine freundliche, aufmunternde, lebenswerte Partnerin in der Vorstandschaft.

Wie Sie unserer Frau der Finanzen eine Freude machen können?
Sie freut sich über regelmäßig eintreffende Vereinsbeiträge und über großzügig bemessene Spenden!

[ Seitenanfang ]


Leitbild und die Reaktionen

Lieber Herr Merz!
Danke für die Zusendung der LAG-Info Sie fordern mich auf, zum Leitbild der LAG 44 Stellung zu nehmen. Dies will ich gerne tun.
Ein äußerlich positiv erscheinendes Leitbild kann auch ganz negativ sein und ein positiv klingendes Leitbild muss nichts bedeuten. Dies weiß ich aus Erfahrung. Beim Lesen dieses Leitbilds hatte ich negative Gefühle. Es kommt darauf an, das Leitbild ganz konkret auszuformulieren und, was noch viel wichtiger ist, sich dann an diesem Leitbild zu orientieren, es mit Leben zu erfüllen. Es nutzt nichts, sich ein Leitbild zu geben, damit man vor der Öffentlichkeit oder einem Ministerium prahlen kann. Ein wohlklingendes, gut ausformuliertes Leitbild sagt noch gar nichts, denn wir alle wissen "Papier ist geduldig".  Wie man leicht erkennen kann, haben Sie sich bei der Erstellung des Leitbildes der LAG an dem Leitbild auf der Titelseite orientiert. Zu Ihrem Leitbild auf Seite 5 kann ich fast problemlos ja sagen. Bis auf den Satz, „Wir steigern den Unternehmenswert und sichern uns Handlungsfreiheit", finde ich das Leitbild der LAG sehr gut. Ich verstehe nicht, was der Unternehmenswert mit unserer ehrenamtlichen Tätigkeit zu tun hat!?
Beim Lesen des Leitbildes auf der Titelseite kamen mir ganz eigenartige Gedanken. Ganz plastisch und real konnte ich die wölfische Art des Menschen, der Industrie und des Staates sehen. Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Welt, in der Manipulation gelebt und praktiziert wird, unter die Räder kommen und kriminell werden. Dieses Leitbild könnte auch von einer B- oder C-Waffen produzierenden Firma stammen. In diesem Fall klingt der Satz, „Wir fördern unsere Mitarbeiter  und motivieren zu Spitzenleistungen", sehr zynisch. Oder stellen Sie sich vor, es ist das Leitbild einer Versicherungsgesellschaft, die den Mitarbeitern ans Herz legt, möglichst viele Kapital-Lebensversicherungen zu verkaufen, bzw. anzudrehen, weil bei diesem Produkt sehr hohe Abschlussprämien für den Versicherungsvertreter und hohe Vertragseinrichtungskosten für die Gesellschaft fällig werden. Die Versicherungsvertreter informieren ihre Kunden nur einseitig. Sie erzählen dem Kunden nichts über die besseren Varianten Berufsunfähigkeitsversicherung und Risiko-Lebensversicherung. Viele Versicherungen handeln so und haben wahrscheinlich ein ähnlich nichtssagendes Leitbild wie auf Ihrem Titelblatt. Vor kurzer Zeit war ich auf der Beerdigung eines sehr erfolgreichen Versicherungs-Generalunternehmers. Die außerordentliche Tüchtigkeit und der Erfolg des Mannes wurde mit Superlativen beschrieben.
Hoffentlich denken seine Klienten auch so gut von ihm wie die Versicherungsbosse. Es ist nicht wichtig, was Menschen über uns sagen. Denken Sie an die Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Diese Frau wurde vom Volksgerichtshofspräsidenten Roland Freisler mit den niederträchtigsten Worten bedacht und ist doch in Wahrheit eine Heilige.
Herr Merz, ich möchte Ihnen noch ein Kompliment machen. Ihre LAG-Info ist kein Käseblatt. Sie machen Ihre Arbeit nicht nur mit dem Heft gut. Unsere Gesellschaft braucht ganz dringend Leute wie Sie. Ich stimme Ihnen zu: „Ein schützenswertes Individuum ist auch der straffällig gewordene Mensch." Wollen wir uns weiter bemühen, das brüderlich-schwesterliche Antlitz in den uns anvertrauten Menschen und in jedem Nächsten zu sehen.
Mit freundlichen Grüßen
G. M.

Sehr geehrter manchmal einsamer Heftchenmacher, alias Herr Merz,
so manches Mal bei Neuerscheinung des LAG-Info-Heftes denke ich daran, wie schwierig es ist, die Broschüre mit Beiträgen zu bestücken, die Informationen bieten und Interesse wecken. Es gelingt (so lange bin ich zwar noch nicht Mitglied) aber immer. Ich lese es gerne; vieles ist mir noch nicht begreiflich, aus erwähnten Gründen. Aber es freut mich gar sehr, Ihr Engagement zu verfolgen: nie eigennützig, sondern der „Sache" dienend, die Geradlinigkeit, Ihr Humor, die Deutlichkeit, mit der gezielt auch nicht opportune Themen angesprochen werden, gleichzeitig die Beharrlichkeit, um nicht abgespeist zu werden. Was ich auch als wohltuend empfinde, ist Ihre Ehrlichkeit, Ihr sensibles Gefühl für Ihre „Mit-Arbeiter", aber auch Ihre Fähigkeit, zielgerichtet zu Ergebnissen zu kommen zum Wohle der Betreuer und der zu Betreuenden.
In Straubing konnte ich mich schon wiederholt bei den Tagungen davon überzeugen. Auch Herr Möller in München ist mit sämtlich erwähnten Attributen ausgestattet. Mein Horizont reicht leider noch nicht darüber hinaus, weitere wertvolle LAG-Mitglieder zu „bewerten".
Ich bin ziemlich abgeschweift, denn eigentlich wollte ich zum Leitbild des Info-Blattes Nr. 44 Stellung beziehen:
Ich empfinde die verschiedenen Absätze fast ein wenig pathetisch. Für Sie beide gilt jedoch ehrlich der Abschlusssatz:
Wir leben es vor.
Und solche Vorbilder sind für uns (mich) als Ehrenamtliche beispielgebend.
Freundliche Grüße,
E. J. - K.

[ Seitenanfang ]


JVA Bernau - Tag der offenen Tür

Interessante Gespräche unterm Glücksrad
Bericht von Günter Schlierbach

Erstmals hatte die Justizvollzugsanstalt Bernau ihre Tore geöffnet, um einer breiten Öffentlichkeit Einblick in die Anstalt und ihre Einrichtungen zu gewähren. Das Echo war erfreulich, denn viele Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung nutzten die Gelegenheit, ein Gefängnis einmal von innen zu sehen. Der neu gegründete Arbeitskreis für ehrenamtliche Betreuer/innen im Strafvollzug beim Diakonischen Werk Rosenheim war mit einem Informationsstand vertreten. Ein Glücksrad diente als Blickfang für die Besucher. Da gab es zwar keine Preise zu gewinnen, aber doch viele Erkenntnisse über die Situation und die Probleme von Gefangenen während und nach ihrer Haftzeit. Daran anknüpfend ergaben sich zahlreiche interessante Gespräche über Motivation, Möglichkeiten und Umfang einer Betreuung von Strafgefangenen. Die Reaktion der Besucherinnen und Besucher reichte von interessiertem Zuhören bis zu wissbegierigem und gründlichem Rückfragen. Einen Prospekt zur Straffälligenhilfe nahmen viele Besucher mit, um sich zu Hause in Ruhe noch einmal mit der Materie zu beschäftigen.
Fazit: Der Tag der offenen Tür in Bernau war für den Rosenheimer Arbeitskreis eine gute Gelegenheit, sich einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen und das Anliegen der Gegangenenbetreuung unter die Leute zu bringen. Angenehm war auch die Atmosphäre. Freundliche Beamtinnen und Beamte halfen mit Rat und Werkzeugen für den Aufbau des Informationsstandes. Und eine Brotzeit zu sehr familienfreundlichen Preisen für Besucher und Informationspersonal gab’s auch.

[ Seitenanfang ]


16 28 meint:

Besuch in der Vergangenheit?
Anfang September 2003 erschien in unserer Zeitung ein Bericht mit Bildern über die neue JVA in Kempten. Der Justizminister hatte Journalisten zu „Eine Nacht hinter Gittern“ eingeladen, um den Strafvollzug „realitätsnah“ nachvollziehen zu können. Unser Reporter schrieb, was er erlebt hatte, welche Eindrücke er hatte – als Reporter, der Anstaltskleidung anziehen musste und in der Zelle B 018 übernachtete. So weit, so gut. Nur eines der Bilder kann ich nicht richtig einordnen, ich verstehe es nicht: Der bayerische Justizminister in Anstaltskleidung der JVA Kempten, Hand in der Hosentasche, sprechend mit anderen „Kurzzeit-Häftlingen“ und zwei Bediensteten der JVA Kempten in Uniform. Was soll so was? Warum verkleidet sich der Minister als Gefangener? Und das nach dem Bericht für 20 Stunden mit Übernachtung und Frühstück. Bayerns „prominentester“ Häftling hatte zur Knast-Party eingeladen!
Wenn Sie, liebe Leser, ab und zu die LAG-Info zur Hand nehmen, wissen Sie ja, dass 1628 meine Gefangenen-Buch-Nummer in der JVA Bernau war und ich fast 7½ Jahre Freiheitsstrafe in verschiedenen Anstalten verbüßt habe. Ich weiß also, von was ich rede und schreibe. Und wenn ich „verbüßt“ schreibe, dann meine ich auch verbüßt, das von Buße kommt. Und wenn ich „Freiheitsstrafe“ schreibe, dann meine ich auch die Strafe, die ein Gericht „im Namen des Volkes“ ausgesprochen hat, für eine Straftat, die mit Freiheitsstrafe belegt ist. Diese Freiheitsstrafe wird in einer JVA, ist Justiz-Vollzugs-Anstalt, vollzogen. Dazu gibt es ein eigenes Gesetz, das Strafvollzugsgesetz, das StVollz mit den Verwaltungsvorschriften und den Dienst- und Sicherheitsvorschriften. Das ist eine „hoheitsrechtliche“ Aufgabe. Für Spielereien ist da kein Platz. Und das sollte auch so bleiben!
Geht es nicht in die Köpfe unserer Politiker, dass Haftstrafe kein „Event mit einem Kick“ ist? Freiheitsstrafe (ich habe das schon mal an anderer Stelle geschrieben) ist - steigerungsfähig nur mit Lebenslänglich – die höchste Strafe in der Bundesrepublik. Danach kommt in manchen anderen Staaten nur noch die Todesstrafe.
Was bezweckt man mit 20 Stunden Probesitzen des Ministers? Knast ist ja gar nicht so schlimm, ich habe es ja ausprobiert – 20 Stunden lang – !! Na prima! In einer „Todeszelle“ in den USA hätte er sich dann noch ein bisschen „antöten“ lassen können.
Ich übertreibe? Nur drei Anstalten, von denen ich genau weiß, dass Menschen von Staats wegen oder vom Militär vom Leben zum Tode „befördert“ wurden, die Todesstrafe also vollzogen wurde: Landsberg, Stadelheim, Augsburg. In zweien war ich Strafgefangener. Das wirkt in keiner Weise beruhigend, das können Sie mir glauben. Sicher waren das „andere Zeiten“. Aber irgendwann beginnen eben immer diese „anderen Zeiten“.
Was wird die neue JVA Kempten in ihrer Geschichte noch alles erleben? Ich wünsche ihr, dass der Mensch – auch der gefangene Mensch – und die Menschlichkeit immer das Maß aller Dinge sein werden.
Können wir aber da so sicher sein? Die Forderungen nach härteren Strafen werden immer lauter und eindringlicher. „Rübe ab“ – „Auf Dauer wegsperren“ – verlangt schon nicht mehr nur der „Pöbel“. Politiker sprechen von der „ganzen Härte des Gesetzes“. Sprich längere Strafen. Was aber, wenn die Länge nicht mehr ausreicht? Und der Minister schläft im Blaumann in einer Zelle ...
Beginnen wird es mit: „Man wird doch wohl noch darüber reden dürfen...“ Oder: „Ich sag` das mal jetzt nur so ...“
Das Ende ist offen. Die Gegenwart zeigt: Wer die Medien – sprich Fernsehen – hinter sich weiß, hat auch die Macht im Staate, siehe Italien und jetzt auch noch Arnold Schwarzenegger in den USA. Alle Demokraten müssen wachsam sein. Auch die Ehrenamtlichen im Strafvollzug, die auch für ihre Betreuten handeln, die ihnen vertrauen und auf sie zählen.
Im Bericht des Reporters meinte der Herr Minister beim „Frühstück mit Malzkaffee“: „Das Gefühl ist bei einer Nacht natürlich nicht so schlimm wie für den, der noch fünf Jahre vor sich hat.“ Als ob Knast etwas mit „Gefühl“ zu tun hätte. Freiheitsstrafe und die Knastnächte sind reale Wirklichkeit und kein Gefühl! Stundenlang habe ich bei der Straubinger Tagung über Chaos im Kopf eines Gefangenen, hauptsächlich in den ersten Monaten, aus eigener Erfahrung berichtet.
Nochmals einige Punkte zur Erinnerung: Wenn abends das Licht gelöscht wird (damals war es noch 22.00 Uhr), kreisen die Gedanken nicht in erster Linie um die Straflänge – jeder hofft ja auf vorzeitige Entlassung. Die zermürbenden Gedanken betreffen die Familie – die Eltern – die Geschwister: Was macht jetzt meine Frau? Steht sie zu mir? Wie geht es den Kindern – Eltern – Geschwistern? Warum schreibt Mutter nicht? Was denken die Kinder nun von mir? Was ist mit dem Opfer? Hat meine Frau noch Geld? Ist der „Große“ in der Schule jetzt besser? Kommt bald die Scheidung? Wird unser Haus versteigert? Reicht die Sozialhilfe für die Familie? Wer ist „Hans“ in den Briefen meiner Frau? Ist die Wohnungseinrichtung jetzt gepfändet? Das Auto wurde von der Bank abgeholt? Was ist mit den Geschädigten – was kommt da noch auf mich zu? Warum schreibt meine Frau seit 6 Wochen keine Briefe mehr? Ist Vater – Mutter wirklich so krank? Scheidung – also doch – was wird mit den Kindern? – Nur eine kleine Auswahl.
UND DU BIST MACHTLOS! Auf 8 qm!!!
Springende Gedanken, von einem Problem aufs andere, manchmal wirr durcheinander. Wer das erlebt hat, spricht nicht von einem „Gefühl“, der spricht von nächtlichen Qualen!
Manche drehen durch – viele stumpfen ab. Immer aber bleibt ein Schaden fürs Leben. Und der Minister schläft im Blaumann in einer Zelle...
Wenn ich für 20 Stunden wieder in eine JVA zum „Probesitzen“ müsste (lächerlich ist ja schon dieser Gedanke!), hätte ich wenigstens noch die Erinnerungen aus meiner Haftzeit in Bernau – Kaisheim – Amberg – Augsburg usw. Wenn dann ein jetzt schon pensionierter Beamter aus meiner damaligen Zeit, z.B. der Hartl Schorsch aus Bernau (aus meinem letzten 1628), seine Uniform noch mal anziehen würde, um den Komödienstadel zu vervollständigen, könnten wir in der langen Knastnacht wenigstens noch über vergangene Zeiten reden und sie mit der Gegenwart vergleichen. Einen Sinn hätte das freilich nicht, genausowenig wie die Show des Ministers in Kempten.
Ich gehe auch in die JVAs, aber ich gehe zu den Gefangenen und spreche mit ihnen. Mit andern Ehrenamtlichen bieten wir Gruppen- und Einzelgespräche an. Ich bin in der Lage, Gefangenen für die Zeit nach der Haft, Wege aufzuzeigen, die sie gehen können, um nicht mehr straffällig zu werden. Ich gehe am späten Nachmittag rein, wenn die Gefangenen nach der Arbeit, in ihrer Freizeit zu unserer Runde kommen können und wollen. Die Gefangenen wissen alle von meiner „aktiven“ Zeit und glauben mir auch das, was ich sage. Und solche Gespräche mit Ehrenamtlichen und Gefangenen werden in allen bayerischen JVAs angeboten. Seit über 25 Jahren mache ich das nun schon, aber einen Minister habe ich dabei noch nicht erlebt. Der schläft im Blaumann in einer Zelle ...
Ein Millionär zieht sich Lumpen an. Lässt sich unter eine Brücke fahren, schläft eine Nacht dort und erleben, wie es einem Bettler in seiner Armut zu Mute ist. Am Morgen wird er mit seinem Mercedes XXL wieder in seine Villa gefahren. Der Lagerplatz unter der Brücke war natürlich am Vortag schon von allem obdachlosen „Gesindel“ befreit worden.
Irrsinn ? – Vergleichen Sie mal!
Für die Journalisten war die 20-Stunden-Haft bestimmt ein Erlebnis, aber eben nur für sie. Nächste Woche ist es ein U-Boot in Kiel, dann die deutschen Truppen in Bosnien, in 3 Wochen ein Kloster in Oberbayern – Reporter-Leben. Bayerns Justizminister hätte ich lieber, wenn Verkleidung schon nötig ist, in der grünen Uniform eines Justizvollzugs-Beamten gesehen. Gefangene, auch Lebenslängliche, kommen und werden entlassen, die Bediensteten aber bleiben. Die Beamten – mit allen Fachdiensten – sind es doch, die eine JVA mit Leben erfüllen und den „Geist“ einer Anstalt prägen (aus: 16 28, Heft 44 über Bernau). Viele Gefangene können von der aufgeschlossenen Art des Personals profitieren. Der Beamte ist eben nicht mehr der „Schließer“ und „Wärter“, der Beamte ist heute in vielen Fällen, wie ich meine, eine Art „Vorgesetzter Partner“ für die Gefangenen. Nach Jahren in der Freiheit vergessen die Gefangenen „Ihren“ Beamten nicht.
Auch die ehrenamtliche Tätigkeit ist ohne die Bediensteten der JVAs nicht vorstellbar. Was wären die Betreuer, die Straubinger Tagung, aber auch die LAG ohne die Hauptamtlichen wie Albert Bickel, Herbert Meißner, Horst Hilger, Friedhelm Schneider, Silvia Winkler, Josef Obermeier, Wilfried Groß, Josef Wegele, Fritz Feulner, Rudolf Rohleder, Manfred Mühlbauer, Armin Stranninger, und und und. Oder die Herren vom Ministerium: die Herren Küspert, Holzner und Schneider.
Das sind Leute im Strafvollzug, für die Wiedereingliederung von Strafgefangenen nicht nur ein Wort geblieben ist. Von der Arbeit solcher Personen haben Gefangene und Haftentlassene viel, viel mehr als von nutzlosen Gesten im Blaumann.
Um die Denkweise der Häftlinge zu verstehen, braucht man nicht in ihre Kleidung zu schlüpfen und in einem Haftraum zu nächtigen, zudem, wenn noch gar kein Gefangener da ist. Wem muss ich sagen, dass man Menschen – ob in Freiheit oder in Haft – nur im Gespräch erfährt?!
Die oben genannten, aber auch alle anderen Beamten, vom Anstaltsleiter bis zum Beamtenanwärter in den JVAs, setzen das Tag für Tag längst um, nur – wer sagt es dem Minister? Der schläft im Blaumann in einer Zelle ...
Ich erwarte nicht, dass meine Überlegungen von allen Lesern nur Zustimmung erhalten. Durch meine erlebte Haft (die bestimmt nicht nur ein „Gefühl“ war) bin ich sicherlich in manchen Sachen überempfindlich und lese „solche Berichte“ zu sehr als „Ehemaliger“. Nach über 25 Jahren der Arbeit als Betreuer von Strafgefangenen und Entlassenen glaube ich aber schon unterscheiden zu können, wem der Strafvollzug mit seinen Gefangenen wirklich ein Anliegen ist oder wer den Gefangenen, gleich einer Karikatur, der Erheiterung einiger preisgibt!
Der breiten Öffentlichkeit – Kempten und Umgebung vielleicht ausgenommen – ist die Übergabe einer JVA mehr als egal. „Die Reporter, der Minister in Anstaltskleidung? Sind sie jetzt endlich erwischt worden?“ Man findet es lustig – sonst nichts !
Im Bericht unseres Reporters hätte ich gerne die Aussagen des Ministers zu den brennenden Fragen im Strafvollzug gelesen: Ausländer – Drogen – Spätaussiedler – Sexualstraftäter – Überstunden der Bediensteten – Neue JVA in Augsburg – Umbau, Ausbau Kaisheim, Landsberg, Bayreuth, Bernau usw. – Überbelegung – Arbeit für Gefangene – Ist der Strafvollzug noch bezahlbar? – Prognosen, was ist in 5, in 10, in 15 Jahren? und vieles mehr.
Ich vermute, dass bei der Veranstaltung einiges vom Minister angesprochen wurde. Durch eine fragwürdige Aktion im Blaumann wurde aber eine wünschenswerte Berichterstattung leichtfertig vergeben. Schade – schade.
Ach so, welches Bild ich mir gewünscht hätte? Ganz einfach: Eine Gruppe Gefangener, ein paar Ehrenamtliche, Bedienstete in Uniform und auch ohne und mitten drin, im normalen Anzug unser Minister mit dem Anstaltsleiter in der neuen JVA. Dann kann man sagen: Der Minister mitten in einem seiner Aufgabenbereiche. Und ich kann nicht mehr schreiben: ... und der Minister schläft im Blaumann in einer Zelle ...

Ihr 1628

[ Seitenanfang ]


Inhaftierung betrifft die ganze Familie

Schaun S‘ doch einfach mal unter
http://www.treffpunkt-nbg.de/ba.htm im Internet nach!
Dort können Sie nachlesen:
„Viele inhaftierte Menschen sind verheiratet oder lebten vor der Haftzeit in einer festen Partnerschaft. Viele haben Kinder. Manche Inhaftierte sind selbst noch Kinder oder junge Heranwachsende und haben Eltern, die von der Inhaftierung betroffen sind.
Durch die Verurteilung ändert sich die Lebenssituation nicht nur für den Inhaftierten selbst, sondern auch für seine Angehörigen.“
Für diesen Personenkreis bietet der Treffpunkt eine kostenlose Beratung an.

Es lohnt sich, sich die Broschüre zu sichern, die nicht nur für Angehörige von Strafgefangenen interessant und informativ ist.
Inhaftierung betrifft die ganze Familie
Ein Ratgeber für Angehörige von Inhaftierten
Für einen Unkostenbeitrag von 3 Euro informiert Sie dieser Ratgeber z. B. über finanzielle Absicherungen und staatliche Hilfsmöglichkeiten, Regelungen des Strafvollzugs und rechtliche Grundlagen.

TREFFPUNKT e.V.
Fürther Str. 212
90429 Nürnberg
Telefon 09 11-2 74 76 94
Telefax 09 11-2 74 76 93
E-Mail: ba@treffpunkt-nbg.de

[ Seitenanfang ]


Folgende Thesen können eine Hilfe für unser Engagement sein:
von Frater Josef Zwickel SJ, München

Wenn du Berührung suchst...

1. Wenn du zu den Menschen gehst und ihnen Berührung anbietest, dann nimm sie sehr ernst, auch ihre Gefühle; achte besonders dann sehr sorgsam auf sie, wenn du dich mit ihnen schwer tust; so sorgst du am besten für sie.

2. Sorge sorgsam für deine Seele, wenn du Menschen Begegnungen anbieten willst; achte darauf, wie du das machst, und tue es so gut, wie es dir möglich ist. Erst dann wage, für die Seele anderer zu sorgen.

3. Komme dem anderen mit deinen Sorgen nicht zu nahe, sonst fühlt er sich erdrückt. Er hat dann nicht mehr den Freiraum, den er braucht, um eigene Entscheidungen zu treffen und zu versuchen.

4. Sei du selbst, und mache das in Eindeutigkeit und Bescheidenheit sichtbar; mute dich dem anderen zu, auch wenn du dich davor fürchtest, das ist sinnvoller, als wenn du es allen recht machen willst und dich deswegen allen anpassen willst.

5. Erlaube dir, deine Fehler zu sehen, zu ihnen zu stehen. Verzeihe dir, um wieder neu anfangen zu können.

6. Habe Ziele vor Augen, nur stecke sie niemals zu hoch und verlege sie auch nicht in zu weite Ferne. Schau auf das, was du heute zum Leben und zum Glücklichsein brauchst und schau auf das, was andere jetzt dazu brauchen könnten.

7. Versuche nicht, den Menschen bis zur Erschöpfung zu dienen. Dahinter kann Hochmut stecken! Erinnere dich daran, dass du nicht alles kannst und auch nicht alles können musst. Das will in Bescheidenheit gelebt werden.

8. Bei dem, was jetzt ist und was du jetzt tust, sei ganz dabei; bei dem, was später kommt, kannst du später dabei sein. Nimm die kleinen Freuden des Alltags wahr und freue dich an ihnen - sie ermutigen dich für Begegnungen.

Zeige deine Freude, auch deine Freude über die Menschen, mit denen du zusammen bist; so wachsen Beziehungen.

[ Seitenanfang ]


"JVA Kemnath"

Die gute alte Zeit
Regina Weber

Jeder hat bestimmt mit großem Interesse den Bericht in allen bayerischen Tageszeitungen gelesen: die Eröffnung der nach modernsten Gesichtspunkten neu erbautem JVA Kempten. Um der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass Freiheitsentzug nicht Hotelaufenthalt bedeutet, durften erlesene Journalisten und der Justizminister Bayerns, Manfred Weiß, den Häftlingsalltag persönlich kennen lernen.
Es erstaunte mich, dass unser Justizminister freiwillig zum „Knastbruder" wurde, sogar seine Identität aufgab, indem er Anstaltskleidung trug und den „Knastalltag" anstandslos mitmachte. Er berichtete nach seiner „Entlassung" von seiner spartanisch eingerichteten, 8 qm großen Zelle, dem Rapport und Hofgang. Über die Qualität der Verpflegung schwieg er sich allerdings aus...
Das also ist nun Strafvollzug in seiner modernsten Form! Und gleichzeitig stelle ich mir die Frage: Wie war es wohl früher? „Früher" damit meine ich Ende des 16. Jahrhunderts, als nicht mehr Sühne und Vergeltung, sondern schon der Resozialisierungsgedanke im Vordergrund stand. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden schließlich die ersten Anstalten in Deutschland nachweislich gegründet.
Ob es wohl aus jener Zeit noch so dunkle, furchteinflößende „Kerker" irgendwo in Bayern zu besichtigen gibt, fragte ich mich und machte mich auf die Suche.
Ja, ich wurde fündig: und zwar in Kemnath, einer Stadt mit heute ca. 6000 Einwohnern, die ca. 28 km von der JVA Bayreuth St. Georgen entfernt liegt.
In Kemnath steht noch heute in seiner ursprünglichen Form bestens erhalten die sehr imposant wirkende
„Landrichterliche Fronfeste", die dem Landrichter, der auch in Kemnath wohnte, für den damaligen Strafvollzug diente. Dieses Gebäude wurde 1750 auf den Mauerresten eines früheren Gefängnisses errichtet. Einmal im Monat war in Kemnath Gerichtstag, ein Ereignis, das die Bevölkerung von weit her anzog. Es wurden kleine und große Straftaten abgeurteilt. Als kleine Straftat galt, wenn der ortsansässige Bäcker zu kleine Semmeln backte, dann wurde er erstmals mit einer Geldstrafe bedacht. Bei Wiederholung wurde ihm ein Tag Kettenstrafe auferlegt. Größere Straftaten waren Mord, Totschlag und Blutschande.
Um den Tathergang zu rekonstruieren, wurde in den Kellergewölben der Fronfeste das "peinliche Verhör" durchgeführt. Um ein Geständnis zu erzwingen, musste sich der Delinquent auf den Boden legen, auf seine Brust wurde ein Brett gelegt und darauf ein zentnerschwerer Stein, wenn nötig, auch zwei.
War der Delinquent „geständig", dann wurden ihm die Steine wieder von der Brust genommen. Davon könnte übrigens das uns heute noch bekannte Sprichwort „es fällt mir ein Stein vom Herzen" herrühren. Solche „Zentnersteine" sind in der Fronfeste noch zu besichtigen!
Im 1. und 2. Stock waren die Zellen und die Wohnung des Amtsknechtes (heute übersetzt: der einzige aus dem AVD!) untergebracht.
Im 1. Stock sind zwei Gefängniszellen im Original erhalten. Ausgestattet sind sie mit je einer hölzernen Pritsche, die Löcher
für die Hand- und Fußketten haben.
Sollte der Gefangene randalieren, so konnte man diese Ketten fester ziehen. Ansonsten gab es noch einen hölzernen Klapptisch sowie einen „Abtritteimer".
Größe der Zellen: zwei auf zwei Meter ohne Lichtschacht!
Interessant ist auch das ausgestellte Richtschwert, das mit der Inschrift "pax et iustitia" 1650 hergestellt wurde.
1705 fand in Kemnath die letzte Hinrichtung durch Schwert statt.
Der wohl berühmteste Insasse war Anfang 1902 Matthias Kneißl, als er auf "Schub" nach Amberg war, wo er am 21. 2.1902 hingerichtet wurde. Übrigens an einem Montag! Denn wer kennt nicht seinen berühmten Ausspruch: "de Woch fangt scho guat o", als er zum Schafott ging?
Schließlich diente die „Alte Fronfeste" bis 1946 als Gefängnis. Die letzten Einsitzenden waren ehemalige Nationalsozialisten.
Heute sind in dem geschichtsträchtigen Gebäude das Stadtarchiv und das nicht weniger interessante „Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum" untergebracht, das an die bayerische Waffenmanufaktur erinnert, die von 1689 bis 1801 in der Nähe von Kemnath bestand.

[ Seitenanfang ]


Aus den Regionen

Würzburg

    H. E., Kontaktbeamter der JVA Würzburg, schrieb: Anbei ein recht ordentlicher Bericht aus der Würzburger Zeitung. Frau Starz hat ihn angeregt, und zwischenzeitlich haben sich auch interessierte Frauen und ein Mann zur Mitarbeit bereiterklärt.
    Ein fester Stamm von Ehrenamtlichen trifft sich ca. alle drei Monate außerhalb der JVA zu einem Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Information unter Mithilfe von R. H. von der katholischen Hochschulgemeinde.
    Das Sommergrillen wurde leider verregnet, was beim heurigen Sommer schon ein Kunststück war.

Eichstätt

    Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurde Amtsinspektor Alfred Weber vom Anstaltsleiter, Leitendem Regierungsdirektor Friedhelm Kirchhoff, zum neuen Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes der JVA Eichstätt ernannt. Mit Ablauf August ist der bisherige Dienstleiters Oberinspektor Ludwig Schmidtin den Ruhestand getretenen.

Erlangen

    Ein Einführungsseminar für an einer Mitarbeit interessierte Bürgerinnen und Bürger veranstalten die Ehrenamtlichen der Justizvollzugsanstalt (Sozialtherapeutische Anstalt JVA) Erlangen Samstag, 18. Oktober, von 9:30 bis 16:00 Uhr im Pacellihaus. Das Seminar beinhaltete Information zu rechtlichen Grundlagen, zum Umgang mit den Probanden, zur ehrenamtlichen Mitarbeit als Teil des therapeutischen Konzeptes und zur fachlichen Begleitung durch die JVA

Erlangen - Vorschau

    Dienstag, 20. Januar 2004
    Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht
    Referent: Hans Lyer, Gefängnispfarrer, JVA Ebrach
    Pacellihaus, Sieboldstr. 3, Erlangen
    Aus der Reihe:
    „Lebens Wert(e)" - Gesprächsabende zu Werten in unserem Leben

Kaisheim

    Ehrenamtliche Mitarbeiter treffen sich in Kaisheim
    Von den insgesamt 84 ehrenamtliche Betreuer der Justizvollzugsanstalt konnten 33 vom Leiter der Justizvollzugsanstalt Kaisheim, Leitender Regierungsdirektor Friedhelm Kirchhoff, zum diesjährigen Treffen der Ehrenamtlichen begrüßen werden.
    Ein ganz besonderer Gruß galt dem Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V., Norbert Merz, der aus Erlangen angereist war.
    Die derzeit aktiven ehrenamtlichen Mitarbeiter würden mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Wiedereingliederung von Strafgefangenen leisten, betonte Kirchhoff.
    Im Hinblick auf die derzeit angespannte Belegungssituation der Anstalt und die begrenzten staatlichen Mittel sei die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Tätigkeit im Strafvollzug von zusätzlicher enormer Wichtigkeit.
    Die ehrenamtlichen Mitarbeiter hatten dieses Mal im Rahmen einer Anstaltsführung die Gelegenheit, die Arbeits- und Behandlungsmöglichkeiten der Anstalt näher kennen zu lernen. Besonders die am 2: Juni 2003 eröffnete Sozialtherapeutische Abteilung zur Behandlung von Sexualstraftätern fand bei den Besuchern großes Interesse.
    Norbert Merz betonte in einer kurzen Rede die Notwendigkeit regelmäßiger Betreuertreffen auch außerhalb der Anstalt und regte eine entsprechende Initiative für Donauwörth an. Derartige Treffen zum gegenseitigen Informationsaustausch hätten sich andernorts bereits sehr bewährt.
    Auskünfte an die LAG oder die JVA im Internet unter www.justizvollzug-bayem.de

Nürnberg

    Partner-Seminar
    Unser Motto: Trotz Trennung im Gespräch bleiben
    Wir bieten jeden ersten Samstag im Monat von 12:00 bis 15:00 Uhr Gefangenen und deren Lebenspartnerinnen die Möglichkeit zur Aussprache und zum Gespräch.
    Das gemeinsame Ziel soll sein:
    Partnerschaft zu erhalten, zu pflegen, zu erneuern bzw. zu stabilisieren. Die Partnerschaft ist für eine erfolgreiche Wiedereingliederung ganz, ganz wichtig.
    Das Team: Hannelore, Ingrid, Norbert

Straubing

    Treffen der Straubinger Ehrenamtlichen mit Regierungsdirektor Hutter.

Kempten

    Die zwei Wagner aus Kempten:
    Unermüdlich im Einsatz, so konnte man das Ehepaar am Tag der offenen Tür der neuen JVA Kempten erleben. Ein beispielhaftes Engagement für die Strafgefangenen dieser Anstalt.

[ Seitenanfang ]


Termine

  • Straubinger Tagung 2004
    8. bis 10. Juli 2004
  • Mitgliederversammlung 2004
    Samstag, 18. September 2004
    in einer Gaststätte Nähe Hauptbahnhof
    Augsburg

[ Seitenanfang ]


Spruch

    »Geh den Weg, wie ich den meinen suche,
    zu dem Ziel, Mensch zu werden.
    Unterwegs begegnen wir der Wahrheit,
    der Freiheit
    und uns selbst.
    Unterwegs wächst und reift
    eine Weggemeinschaft, die uns befähigt,
    anderen Rastplatz zu sein und Wegweiser.

    Margot Bickel

[ Seitenanfang ]


[Zurück zur Übersicht] [Ihre Meinung und Ihre Rückfragen bitte an LAG-Info ]

© 2004-02-02