LAG - Info Nr. 44


Inhaltverzeichnis

Auf ein Wort
Gesellschaft u. Strafvollzug
LAG u. Ehrenamtliche
Leitbild der LAG
Bundesverdienstkreuz
Vita: Gabriele Seifried
Peter Küspert
Albert Bickel 75.
Luginger, Mitterer
Zur Diskussion
Albert Schweitzer
Opfer von Erfurt
Dialog nötig
Gefährliches Gesprächsthema
Aufgelesen
Protokollabschrift
Privatisierung
Supervision
Odo Marquard

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Inhaltverzeichnis

"Gasthörer"
Buchempfehlung
10 Jahre ZfS
JVA Kronach
1628 meint
Ehrenamtliche fragen
Nachhaltige Reintegration
Für den Betreuer
Straubinger Tagung 2003
Zu den wichtigen Dingen
Werbung für eine Cd
Aus den Regionen
Trauer um Christine
Familienseminar Reso Nbg.
Leserbriefe
Presseclub
Beitrittserklärung
Termine
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Auf ein Wort

Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!
Was haben Sie sich gedacht, als Sie das Leitbild auf der Titelseite unserer LAG-Info 44 gelesen haben?
Um ganz ehrlich zu sein, mich hätte es brennend interessiert, was in dem einen oder anderen Kopf vorgegangen ist. Was wäre Schlimmes daran, wenn Sie mir Ihr „Erlebnis“ mit der Titelseite in einer kleinen Mail, einem kleinen Brief, auf einer Ansichtskarte Ihres Ortes mitteilen würden.
Es hätte eine doppelte Wirkung. Wir kämen uns näher, Sie würden mir etwas über sich verraten, Sie dokumentierten mir Ihre Verbundenheit zur LAG und würden einen manches Mal einsamen Heftchenmacher sehr glücklich machen.
Die heutige Info ist voller Berichte aus dem Leben. Da gibt es karrierebedingte Versetzungen, Abschiede vom Leben, Ernennungen und Verleihungen. Dazwischen auch den einen oder anderen überdenkenswerten Bericht und Wissenswertes für Ihr ehreamtliches Engagement. Herrn Regnar Schneider, Oberregierungsrat werden wir in unserer nächsten Ausgabe „LAG-Info“ vorstellen.
Ihr
Norbert Merz

Ihr
Norbert Merz

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Gesellschaft und Strafvollzug

  • Strafvollzug ein Teil der Gesellschaft
  • Strafvollzug ein Problem des jeweiligen Sanktionsrechtes
  • Vergehen - Beurteilen - Verurteilen - Strafvollzug - Entlassen - Wiedereingliedern - Rückfall?
  • Verantwortung der Gesellschaft?
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    Leitbild der LAG

    • Wir machen unsere Mitglieder stark - verschaffen ihnen eine Plattform zur Aussprache und unterstützen sie bei ihrer nicht immer leichten Aufgabe.
    • Wir treiben mit unserem Engagement und einem ehrlichen Zusammenwirken mit allen im Vollzug Involvierten die Wiedereingliederung voran - und gestalten so die Zukunft für Straffällig gewordene Menschen
    • Wir steigern den Unternehmenswert - und sichern uns Handlungsfreiheit Wir fördern unsere Mitglieder durch Aus– und Weiterbildung, Diskussionsforen und Einzelaussprachen - und motivieren zu Spitzenleistungen
    • Wir tragen gesellschaftliche Verantwortung - und engagieren uns für eine Vermeidung des Rückfalls

    Wir leben es vor!

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    Bundesverdienstkreuz für Gabriele Seifried

    Augsburg

    Wir gratulieren und verneigen uns vor einer sehr engagieren Frau, der das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.
    30 Jahre für die Gestrauchelten, für die Eingesperrten, für Menschen, die immer wieder versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
    Kein Weg ist zu weit und keine Strapaze zu groß, keine Besuchsregelung unüberwindbar, wenn es darum geht, Ihren Gefangenen zu besuchen und mit ihm zu sprechen.
    Sie kann nervig sein! Aber für ihren Gefangenen ist der „kleinen“, engagierten Frau kein Hindernis zu hoch.

    Eine Auszeichnung für eine ganz große Dame.

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    Unserem lieben Albert Bickel Glückwunsch und alles, alles Gute zum

    75. Geburtstag

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    „Gasthörer“ im Gesprächskreis der JVA Hof
    Bericht von Gerhardt Zimmermann, Bayreuth, Kontakt e.V.

    Herr Engelen ist der Gründer der Waldorfschule in Wernstein bei Kulmbach und noch heute als Waldorf-Lehrer tätig. Er ist aus Baden-Württemberg zu uns nach Oberfranken gekommen, in Stuttgart-Stammheim und anderen Haftanstalten hat er die ersten Erfahrungen in der Straffälligenhilfe gesammelt.
    Nun schon im zweiten Jahr leitet Herr Engelen einen Gesprächskreis der sozialpädagogischen Spitzenklasse. Die Waldorfpädagogik ist spürbar und trägt Früchte. Die zentralen Merkmale der Waldorfpädagogik – eine Pädagogik vom Menschen aus – zogen sich wie ein roter Faden durch den Gesprächsabend. So wurde eine Gerichtsverhandlung nachgespielt, wobei alle Teilnehmer mit Anklage, Verteidigung und Verurteilung befasst waren. Das Engagement war beachtlich, ganz besonders im Hinblick auf ein möglichst gerechtes Urteil und Strafmaß. In dieser Hofer Montagsgruppe gibt es noch Gespräche zu weiteren wichtigen Themen, z.B. Gibt es ein gerechtes Urteil? Gibt es eine gerechte Strafe? Gibt es einen gerechten Strafvollzug? ...
    Für mich war die Teilnahme an dieser Runde ganz besonders interessant und lehrreich, ich habe mir vorgenommen dem Vorbild von Herrn Engelen in unserer Bayreuther Montagsgruppe zu folgen. Ich danke Herrn Soz. Päd. Schmidt und Engelen für die Erlaubnis zu meiner Teilnahme.

    Anmerkung der Redaktion: Sicher hören wir bald wieder von den Aktivitäten in der JVA Hof.

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    Buchempfehlung

    Eine Buchempfehlung für alle, die sich mit diesem sehr heiklen und tabuisierten Thema beruflich oder privat beschäftigen müssen und/oder wollen:

    Wenn es dunkel wird - zum Verständnis des Selbstmordes
    Die renommierte Medizinerin und Psychiaterin Kay Redfield Jamison untersucht aus der Nähe eigener Erfahrung und der Distanz jahrzehntelanger Forschung Formen und Motive des Selbstmordes von der Antike bis heute und unter vielfältigsten Blickwinkeln. Neben statistischem und wissenschaftlichem Material, das den Stand der medizinischen, neurologischen, genetischen und psychologischen Forschung wiedergibt, zieht sie literarische Zeugnisse, Tagebücher und Abschiedsbriefe von Seneca bis Virginia Woolf , Evelyn Waugh, Sylvia Plath, Dorothy Parker oder Anne Sexton heran und wertet Biografien und gerichtsmedizinische Akten aus. Sie diskutiert Gründe, Methoden und Schauplätze von Selbstmorden ebenso wie die Erkennung von suizidalem Verhalten, die öffentliche Aufklärung und die medizinische Prävention.
    Jamison schreibt aus eigener Erfahrung. Selbst manisch-depressiv, überlebte sie mit 28 Jahren nur knapp einen Selbstmordversuch. Seither hat sie sich zu einer international anerkannten Spezialistin für Gemütskrankheiten und Selbsttötung entwickelt. "Wenn es dunkel wird" ist das wissenschaftliche Ergebnis einer lebenslangen Forschung und zugleich eine leidenschaftliche Verteidigung des Lebens.

    ISBN 3-442-76088-7, 11,90 €

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    10 Jahre ZfS - Der steinige Weg aus dem Teufelskreis

    Die Münchner Zentralstelle für Strafentlassene wurde zehn Jahre alt.

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    JVA Kronach nicht vor 2015

    Mit einer klaren Botschaft ist der Bayerische Staatsminister der Justiz, Dr. Manfred Weiß, nach Kronach gekommen: An den Neubau einer Justizvollzugsanstalt (JVA) im Landgerichtsbezirk Coburg ist nach derzeitiger Sachlage vor dem Jahr 2015 nicht zu denken.
    Die LAG-Redaktion hat diese Einmaligkeit von Anbeginn mit verfolgt. Noch vor wenigen Jahren hatten sich beide Städte mit ihren Bewerbungen um den Neubau einer Haftanstalt eine harte Konkurrenz geliefert. Deshalb riet Dr. Manfred Weiß den politisch Verantwortlichen in Kronach und Rödental dazu, künftig „nicht allzu viel Zeit und Engagement" in einen Wettstreit dieser Art zu investieren, denn „in den nächsten zehn Jahren können wir sowieso nicht bauen". mb - stark gekürzt!

    Anmerkung der Redaktion: „Kenner der Situation vor Ort bedauern diese Entwicklung, da, und obwohl sich die Bediensteten größte Mühe geben und organisatorische Höchstleistungen vollbringen, die räumliche Situation in der JVA - auch für eine ehrenamtliche Arbeit - nicht überwältigend ist.
    Norbert Merz

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    16 28 meint:

    Besuch in der Vergangenheit?

    1628 ist eine Gefangenen-Buchnummer von 1967 aus der Strafanstalt Bernau (jetzt JVA). Ich war der Gefangene 1628, es war meine Nummer. Über 2 Jahre war ich in Bernau in Haft, gearbeitet habe ich in der Landwirtschaft, im Haus 1, und nach einem „Nachschlag“, in der Taschennäherei im Haus 2. Die Anstalt Bernau und auch meine Gefangenen-Buchnummer sind für mich - oder soll ich nun sagen: waren für mich - der Inbegriff für Strafvollstreckung und das Leben als Häftling in einem Gefängnis. Keine andere Anstalt (gut, Augsburg noch) hat bei mir diese nachhaltige Wirkung in meinen Erinnerungen als Bernau. In meinen Beiträgen „1628 meint“, erscheint oft Bernau, Bernau und immer wieder Bernau, wie nachgelesen werden kann. Über die Lage der JVA am Chiemsee vor den Bergen habe ich berichtet, genauso über Mitgefangene und Erlebnisse in der Anstalt. Jetzt, in diesem Moment, würde es mir leicht fallen, einige „Storys“ aus Bernau niederzuschreiben, die Erinnerung ist immer präsent. Oft habe ich versucht, den Grund für mein Bernau-Syndrom herauszufinden. So nach und nach kommt dann doch eine gewisse Klarheit in die Gedanken: Es ist nicht nur die Lage von Bernau, mitten im Urlaubsgebiet, es war nicht nur das Arbeiten in der Landwirtschaft, es waren auch nicht nur die „Legenden“ und der Mythos der „grünen Hölle“ von Bernau, es waren und sind die Menschen im und um den Strafvollzug in Bernau. Bei Gesprächsrunden zum Thema „Lebenswelt von Gefangenen, Subkulturen“, bei unserer jährlichen Tagung in der Justiz-Vollzugsschule in Straubing, habe ich auch oft von meinen Eindrücken in Bernau berichtet.
    Herr Josef Obermeier, der zuständige Kontaktbeamte für die Ehrenamtlichen, meinte, ich solle mir meine „alte Wirkungsstätte“ mal wieder ansehen und er lud mich nach Bernau ein. Ich brauche wohl nicht näher darauf einzugehen, was es für einen „Ehemaligen“ bedeutet, von einem leitenden Beamten einer JVA eingeladen zu werden, in eine Anstalt, in der er inhaftiert war, und das nicht nur für ein paar Tage.
    Am 3. Juni 2003 war es nun soweit. Um 13.00 Uhr sollte ich in Bernau sein. Um 12.00 Uhr war ich unten, eine innere Unruhe trieb mich, ich glaube auch, ich hatte Angst. Kann mir jemand von Ihnen sagen, wie man sich verhalten soll, wenn man als „Besucher“ wieder in den Knast kommt, in dem man „gesessen“ hat? Wer erlebt so was schon? Gut, ungezwungen, locker und der Sache gewachsen. Ja, ja - in Wirklichkeit ist man gehemmt, steif und unsicher. Auch jetzt nahezu 26 Jahre als Ehrenamtlicher ändern da nichts. Nach Durchschreiten der Torwache braucht man schon einige Minuten bis man sich wieder gefangen hat. Herr Obermeier hatte ein kleines Programm zusammengestellt, mit Besichtigungen und Gesprächen.
    Das äußere Erscheinungsbild der Anstalt hat sich verändert: Ein neuer, hoher grüner Drahtzaun, der Neu- und Anbauten umschließt, neu gestalteter Eingangsbereich, neue Außenanlagen. Das „alte Bernau“ ist aber immer noch vorhanden. Wuchtig und dunkel, wird es jetzt von hellen Neubauten umgeben. Wichtiger waren mir aber die Gespräche, und das hauptsächlich mit Beamten, die zu „meiner Zeit“ noch im Dienst waren. Herr Merz, damals Leiter der „BA“ (besondere Aufsicht) in der Feldarbeit, konnte nicht kommen, er hat gesundheitliche Probleme. Herrn Hartl aber, den „Hartl Schorsch“, damals Leiter der „Gruppe“ in der Feldarbeit, haben wir zu Hause abgeholt. Ich kann nicht sagen, woran es liegt oder was es ausmacht, aber sofort ist das Vertraute in den Worten, aber auch in den Bewegungen wieder da. Diese Ruhe, dieses vorurteilslose Gegenübertreten vom „Hartl Schorsch“ ist sagenhaft. Man weiß sofort, der nimmt dich so, wie du bist, nicht wie du sein solltest. Kleine Tipps fürs weitere Leben hatte er immer parat. Als ich damals meine Scheidung zugestellt bekam, war ich natürlich moralisch am Boden. In einer ruhigen Minute meinte er: „Seh‘s doch so, wenn du jetzt entlassen wirst, kannst du dein Leben ganz neu beginnen, ohne eine Frau, die dich sowieso bei der nächsten Kleinigkeit verlassen würde.“ Nur ein Ratschlag von vielen anderen. So was vergisst man nicht! Das alles noch zu einer Zeit, als Beamte mit Gefangenen keine privaten Gespräche führen sollten. Die Beamten von Bernau waren in den 60iger Jahren in erster Linie auch Mensch und sind es bis heute geblieben. Herr Merz hat, nach einem sehr, sehr unschönen Ereignis im Torf, menschliche Größe und Herzensbildung bewiesen. Die Gefühle von Gefangenen waren Herrn Merz nicht gleichgültig - dafür meine Hochachtung! Das hätte ich ihm gerne noch selber gesagt.
    Ein anderer ehemaliger Beamter, Siegfried Hartl, hat in einer für einen Gefangenen brenzligen Situation ein Verhalten gezeigt, das die Ehrfurcht vor dem Leben anderer, auch eines Gefangenen, widerspiegelt. Nach den damals geltenden Vorschriften hätten Herr Merz und Herr S. Hartl auch anders handeln können - vielleicht auch sollen.
    Ich könnte so weiterschreiben, über andere Beamte, über Herrn Hansbauer, Herrn Buck, und - und - und.
    Im Haus 2 - jetzt hat es, so glaube ich, eine andere Nummer - wurden wir von einem jüngeren Beamten begleitet. Die Art, wie er uns Haus 2 näherbrachte, war schon beeindruckend. Als wir dann noch Gelegenheit hatten, mit Beamten und Gefangenen im großen Arbeitssaal zu sprechen, wurde mir klar: Der Geist von Bernau lebt weiter. Er wird von den jungen Beamten genauso weitergetragen, wie es die Beamten zu meiner Zeit schon gemacht haben. Ein kurzes Gespräch mit dem Leitenden Regierungsdirektor und Anstaltsleiter Herrn Engert hat mein Bild von Bernau abgerundet.
    Ich wünsche mir, dass auch in Zukunft vielen Gefangenen, einfach durch die Art des Strafvollzugs in Bernau, geholfen wird.
    Natürlich weiß ich, dass auch in Bernau nicht nur „heile Welt“ ist. Strafvollzug ist in erster Linie Strafe, und das soll auch so sein. Aber der Gefangene, der nach seiner Entlassung ein straffreies Leben führen möchte, kann die ihm gebotenen und auch die manchmal versteckten Hilfen in Anspruch nehmen - wenn er nur will!
    Ich treffe oft ehemalige Mitgefangene aus Bernau, auch solche, die es „geschafft“ haben. Immer wieder: „Ja – Bernau, das waren noch Zeiten.“ Dann das gemeinsam Erlebte - nie abwertend - und dann Namen von Beamten - und immer die gleichen. Wenn ich dann sage, ich schreibe drüber, sagt jeder - bis auf einige Rabauken: „Schreib nicht meinen Namen, mein Umfeld weiß nichts von Bernau, aber richte allen Grüße aus, und ich werde Bernau nicht vergessen“.
    Besuch in der Vergangenheit, in der „Grünen Hölle von Bernau“? Grüne Hölle bezeichnet doch wohl eher die Gemütslage der Gefangenen, als die Art und Beschaffenheit der JVA, vom Vollzug ganz zu schweigen. Für mich war es ein Besuch in der Gegenwart, in einer Anstalt, die sich ihre Eigenheiten bewahrt hat, aber in keiner Weise altertümlich oder altmodisch ist. Bernau ist eben Bernau und so soll es auch bleiben.
    Für diesen Nachmittag an meiner alten „Wirkungsstätte“ bedanke ich mich recht herzlich bei der Anstaltsleitung, bei Herrn Obermeier, der Beamtenschaft und den Senioren.

    Ihr 1628

    PS: Geschrieben, gelesen, ist halt doch nur geschrieben und gelesen.

    Erlebt ist erlebt!

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    Straubinger Tagung 2003

    Es war wieder ein voller Erfolg!

    Fast 60 Teilnehmer, ein überzeugendes Eingangsreferat von Bernhard Wydra, dem Leiter der JVS, fünf Gruppen mit hochinteressanten Themen und ein neuer Partner aus dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz, das war der Stoff, aus dem diese erfolgreiche Straubinger Tagung gemacht war.
    Mit Ragnar Schneider, Oberregierungsrat aus dem Justizministerium, so scheint es, sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Anliegen gut betreut und vertreten.
    Sehr locker und bereits mit viel Gespür für die Sache der Ehrenamtlichen war er sowohl während die Gruppen ihre Ergebnisse präsentierten als auch während der gesamten Sonntagvormittagsveranstaltung ein aufmerksamer Zuhörer und ein guter Informant. Mit Interesse hörte er sich die Sorgen und Probleme der Ehrenamtlichen an, gab Antwort oder versprach Information und Unterstützung. So war es selbstverständlich, dass er über die neueste Entwicklung des Strafvollzugs aus Sicht des Ministeriums und die Situation, die sich durch die angespannte Haushaltslage ergibt, berichtete. Dankbar nahmen die Ehrenamtlichen auf, dass trotz der finanziellen Problematik der Mittel für die Kostenerstattung nicht gekürzt werden würden.
    Norbert Merz

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    Aus den Regionen

    Vorstandswahlen in Landsberg

    Der SkM-Landsberg e.V. wählte einen neuen Vorstand. Gewählt wurden Bernhard Groeneveld, Alfred Helms und Gudrun Neumeyer. Der neugewählte Vorstand beauftragte Alfred Helms mit der Aufgabe des Vorsitzenden.
    Damit ist eine gewisse Kontinuität gewährleistet, die bei diesem „Geschäft“ nicht ohne Bedeutung ist.
    Die LAG wünscht dem Triumvirat Geduld, Freude an der Aufgabe und eine hohe Frustrationsgrenze

    Werbung in Lichtenfels

    Der Fränkische Tag mit der Überschrift: „Wege zurück in Gesellschaft offen halten“ berichtet u.a. wie folgt:
    LICHTENFELS. „Gefangen - Befangen - Anfangen!“ unter diesem Motto stand ein Informationsabend der katholischen Pfarrgemeinde Lichtenfels im Pfarrzentrum Sankt Marien. Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e. V., Norbert Merz, berichtete von seinen Erfahrungen und forderte auf, selbst aktiv zu werden.
    Auch die übrigen Zeitungen im Lichtenfelser Land waren uns wohlgesonnen und informierten ausführlich über die Werbeveranstaltung der LAG. So titelte die Neue Presse Coburg: „Strafgefangene brauchen unsere Hilfe" und die Obermain Zeitung wählte die Schlagzeile: „Gestrauchelten Hoffnung geben“.
    Und was hat es gebracht?
    Wir gehen davon aus, dass sich zwei bis drei für eine Mitarbeit melden werden. Bereits am nächsten Tag wurde ich von einer Angehörigen eines zur Zeit einsitzenden Strafgefangenen angerufen, da ihr so viele Gegebenheiten in und um den Strafvollzug unverständlich und fremd seien. Und damit konnte sie auch die Kümmernisse ihres Angehörigen, die er beim Besuch zum Besten gab, nicht einordnen.
    Über Ehrenamtliche und Kontaktpersonen dieser Anstalt konnten wir schnell einige Frage für die Frau klären und beantworten.
    Nichts Schlimmes, aber das Nicht-wissen ängstigt. Und manchmal fehlt den Menschen die Courage, in der Anstalt zu fragen.
    Aber auch dies ist eine Form unserer Betreuungsaufgabe.
    Norbert Merz

    Straubing

    Das von Horst Münzer verfasste Protokoll „Treffen 26. Mai 2003“ weist folgende Themen und Problempunkte aus: Auslagenerstattung (Kilometerpauschale z.Zt. 30 Cent), Urlaub mit Gefangenen (Wer bezahlt das bestellte Zimmer des Gefangenen bei kurzfristigem Urlaubswiderruf?), Gespräche mit Werkdienstleiter bzw. Vollzugsinspektor, Vollzugsplan (Urteil des Bundesgerichtshofs), Ausbildung (Orientierungshilfe für die Gefangenen.), Darstellung der Aktivitäten und Werbung von Ehrenamtlichen für die JVA Straubing in den örtlichen Medien.
    Nächster Termin: 8. 9. 2003

    Rosenheim - Bernau

    Die Zusammenkünfte erfreuen sich großer Beliebtheit. Als Erfahrungsaustausch auf sehr hohem Niveau beschrieb einer der Teilnehmer diese unter der Leitung von Peter Möller durchgeführten Begegnungen. Kaum dass acht Monate vergangen sind, trägt man sich bereits mit dem Gedanken, für den Herbst wieder eine Werbekampagne mit anschließendem Grundseminar zu starten. Dabei ist den Verantwortlichen sehr wohl bewusst, dass die Betreuung der Ehrenamtlichen sehr bald vom Diakonischen Werk Rosenheim übernommen werden muss.
    Nächster Termin: 19. 8. 2003

    Erlangen

    Die JVA Erlangen bietet im Herbst wieder einen Weiterbildungssamstag an. Unter der Leitung von Uta Trübenbach, Sozialpädagogin, und Oliver Bischof werden die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Themen- und Problemfelder besprechen, die sich ganz speziell bei der Betreuung „Erlangen“-Strafgefangener ergibt. Dabei spielen die Behandlungskonzepte der sozialtherapeutischen Strafvollzugsanstalt keine unwesentliche Rolle.
    Termin: 18. 10. 2003

    Kaisheim

    Die Gespräche am Rande (Straubinger Tagung) zeigten den Verantwortlichen wieder einmal sehr deutlich, dass die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer aus allen Regionen sehr stark an einem intensiven und regelmäßigen Erfahrungsaustausch vor Ort interessiert sind. Aus diesem Grund haben Verantwortliche unter der Leitung von Sozialamtsrat Josef Wegele vereinbart, nach den Schulferien ein erstes Sondierungsgespräch in Donauwörth durchzuführen.

    Würzburg

    Die Initiative Zelle, ein Arbeitskreis der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg zur ehrenamtlichen Betreuung von Strafgefangenen, plant für den Winter 2003 ein Symposium. Unter dem Motto

    „Hinter Gittern - Härter, länger, kostendeckend? Ist der heutige Strafvollzug zeitgemäß?"

    werden voraussichtlich am 12. Dezember von 17 bis 21 Uhr vier Referenten Kurzvorträge mit jeweils anschließender Publikumsdiskussion halten.
    Mit der Veranstaltung sollen sowohl Studierende als auch interessierte Bürger angesprochen werden.
    Ziel ist es, das Thema Strafvollzug und seine gesellschaftlichen und rechtlichen Problemfelder sachlich zu beleuchten. Die Teilnehmer sollen dabei aus Wissenschaft und Praxis fundierte Einblicke in die Materie erhalten.
    Dazu konnten bisher als Referenten Prof. Dr. Laubenthal, Ordinarius für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Würzburg, der stellvertretende Leiter der hiesigen Justizvollzugsanstalt, Herr Landauer, sowie Prof. Dr. Wiestner, Leiter des Fachbereichs Resozialisierung an der FH Würzburg, gewonnen werden.
    Geplanter Termin: 12. 12. 2003

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    Leserbrief

    Ein Leserbrief aus Bautzen in Sachsen zum Artikel im LAG-Info 43: „Ehrenamt darf nicht missbraucht werden!“

    Lieber Herr Merz,
    beim ersten Durchlesen Ihrer Reaktion auf die Presseerklärung "Ehrenamt darf nicht missbraucht werden" war ich erstaunt, wie diese Erklärung bei Ihnen angekommen ist. (Danach habe ich mir den LOTSE noch mal vorgenommen, und verstehe, dass Sie sie so lesen).
    Ich war bei der Diskussion um die Formulierung dabei: es ging nicht um Personaleinsparungen in der Justiz und auch nicht um Ehrenamtliche im Strafvollzug. Anlass für diese Erklärung war, dass in einem Bundesland versucht wird, den Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) von Ehrenamtlichen "durchführen" zu lassen. Bisher wird der TOA in einigen Bundesländern von freien Trägern (Diplomsozialarbeitern/-pädagogen möglichst mit Zusatzausbildung) angeboten. Wie ich Ihrer LAG-Info 43 entnehme, ist das auch in Bayern so.
    Es geht also mehr um die Frage: Soll und kann in Arbeitsfeldern, in denen Fachwissen wichtig ist, diese Arbeit völlig ehrenamtlich getan werden, oder ist hier „nur" eine Unterstützung der Fachleute durch Ehrenamtliche möglich.
    Auch die Justizbehörden sehen die Ehrenamtlichen im Vollzug - wenigstens im Idealfall - als Unterstützung in ihren Bemühungen um Resozialisierung. Es wird also gar nicht erwartet, dass ehrenamtliche Betreuer die Aufgaben des Vollzugs übernehmen. Das wäre Missbrauch.
    Es wäre doch paradox, würde das ehrenamtliche Präsidium vom DBH-Fachverband „Ehrenamtlichen das schlechte Gewissen des Jobvernichters" einreden wollen.
    Meine persönliche Meinung: Der Bayer hat schon recht, wo nichts ist, kann man nichts holen und nichts fordern. Aber es ist doch der kleine Mann, von dem erwartet wird, dass er sich kostenlos für andere einsetzt. Und so dankbar wir als Vertreter der Vereine für diesen Einsatz sind, so sehr wir persönlich die Ehrenamtlichen achten, so viel wir selbst (und gern) ehrenamtlich tun - wenn das vorrangig in der Erwartung begrüßt wird, dass es nichts kostet, misstraue ich dem Lob. Werden meine Urenkel von ehrenamtlichen Lehrern unterrichtet, während der Jet-Set Parties auf dem Mond feiert?
    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Ihre
    Gabriele Nagel

    P.S. So ein Aufgabenkatalog wäre eine tolle Sache. Fangen Sie ihn an?

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    Termine

    • Mitgliederversammlung 2003
      Samstag, 20. September 2003
      Gaststätte Rubenbauer ⁄ Im Hauptbahnhof
      Augsburg

    • Straubinger Tagung 2004
      8. bis 10. Juli 2004

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    Spruch

      »Wenn du willst,
      dass man dich achte,
      so achte vor allem dich selbst.

      Nur dadurch,
      nur durch Selbstachtung,
      zwingst du auch andere,
      dich zu achten.«

      Dostojewski

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    © LAG 2004-01-10