Fränkischer Tag, Donnerstag, 9. Juni 2005 / K

Kronach und Frankenwald

 

Die Gefangenen brauchen Betreuung

Justizvollzugsanstalt Kronach sucht ehrenamtliche Mitarbeiter und einen Trainer für den Kraftraum

KRONACH. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Kronach sucht dringend personelle Verstärkung. Es werden ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer sowie ein Trainer beziehungsweise Übungsleiter für den Kraftraum gebraucht.

Aber auch für andere kreative Ideen, was ehrenamtlichen Einsatz, zum Beispiel in der Gruppenarbeit aber auch Einzelbetreuung betrifft, wäre man dankbar. Ganz notwendig werden drei bis vier Personen benötigt, die Interesse haben, in ihrer Freizeit einen oder mehrere Gefangene zu betreuen. Zum Aufgabenbereich des ehrenamtlichen Betreuers gehören unter anderem Schriftwechsel, Besuchsdienst, Gespräche und auch Ausgangsbegleitung zu Behördengängen oder Begleitung bei Einkäufen. Es entsteht also ein vertrauensvolles Verhältnis zuwischen Gefangenen und Betreuer. Wer über gesunden Menschenverstand und gewisse Lebenserfahrung aber auch Einfühlungsvermögen verfügt, sowie soziales Engagement zeigen möchte, wäre richtig. Vorurteile sind nicht angebracht, jeder muss sich mit dem Gefangenen erst auseinandersetzen um dann zu urteilen, inwieweit dieser die Hilfe ernst gemeint annehmen möchte, sagen bereits erfahrene Betreuer sowie der Vollzugsdienstleiter in der JVA, Oberinspektor Bruno Beierlorzer.

Derzeit befinden sich etwa 90 Insassen in der JVA Kronach, davon sind cirka die Hälfte Untersuchungshäftlinge die noch auf ihren Prozess warten. Je nach Strafmaß werden sie nach einer möglichen: Verurteilung entweder in ein anderes Gefängnis transferiert oder bleiben bei einem Strafmaß unter 18 Monaten in Kronach in Haft.

Der Betreuungsdienst erstreckt sich auf Gefangene die einige Wochen oder Monate vor ihrer Entlassung stehen und Hilfe für die Resozialisierung beziehungsweise Begleitung für den Übergang in die Freiheit möchten. Die Betreuung bezieht sich dabei nicht nur auf Behördengänge wie bei Wohnungs- oder Arbeitssuche, sondern ist auch in der Haftanstalt In Form von Beratungsgesprächen und Aussprachen erwünscht. Aber auch Vermittlung von Rechtschreibung sowie bei ausländischen Insassen auch Erlernen der deutschen Sprache sind Möglichkeiten des sinnvollen Einbringens.

Seit einiger Zeit ist der pensionierte Sänger am Landestheater Coburg, Michael Morton mit seiner Gitarre dabei, einer Häftlingsgruppe das Gitarrenspiel zu erlernen. Diese musische Betreuung wird sehr gerne angenommen, doch momentan reichen die Gitarren nicht mehr aus. „Musik ist eine Sprache, die jeder versteht und wir kommunizieren hauptsächlich mit Musik, aber automatisch kommt die Sprachverständigung und Entwicklung der Aussprache dazu", erzählte Morton aus seiner Arbeit dem diese sichtlich Spaß macht.

Wohnung aufgebrochen

Petra Müller aus Lichtenfels ist ebenfalls seit einigen Jahren ehrenamtliche Betreuerin. Sie erinnert sich an einen Gefangenen, mit dem sie in Coburg beim Arbeitsamt gewesen ist, der nie selbst zum Zuge gekommen wäre, hätte er nicht ihren Beistand gehabt. Auch beim Aufsuchen dessen vorheriger Wohnung erlebten sie eine Überraschung, da diese aufgebrochen wurde. Die Vermittlung mit der Polizei musste sie in ihre Hände nehmen, der Gefangene wirkte ziemlich hilflos. Zu einem seit Februar vorigen Jahres Entlassenen habe sie heute noch Kontakt, weil sie es interessiere, wie es den ehemaligen Gefangenen im Resozialisierungsverhalten weiter ergehe; Sie als Frau verspüre dabei keine Angst, sondern gehe die Sache couragiert an, womit sie Erfolg habe.

In der JVA befindet sich ein gut ausgestatteter Kraftraum, den es an einigen Stunden mit einem Übungsleiter zu besetzen gilt, damit auch sinnvolles Training durchgeführt werden kann. Die Betreuer sind im Übrigen in einer Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern organisiert. Die Betreuer arbeiten eng mit im Vollzug Tätigen zusammen und wirken mit die Aufgabe des Vollzuges zu erfüllen. Wie wichtig die Aufgabe der Ehrenamtlichen ist, zeigt § 2 des Strafvollzugsgesetzes. Hier heißt es: „Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftateri zu führen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient aber auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten". Weiter heißt es in Paragraph 3, „Der Vollzug ist darauf auszurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern".

Der ehrenamtlich tätige Mitarbeiter/in hat die verantwortungsvolle Aufgabe die Arbeit an bayerischen Justizvollzugsanstalten zu unterstützen um die Wiedereingliederung Strafgefangener mit allen Beteiligten des Vollzugs zu fördern. Dabei kann man auch Einfluss nehmen, um dem Leben eine neue, bessere Richtung zu geben. Der Zeitaufwand ist übrigens wie bei allen ehrenamtlich Tätigkeiten natürlich nicht vorgeschrieben. Jeder Ehrenamtliche kann frei verfügen, wann und wie lange er einen Gefangenen oder mehrere Gefangene betreuen möchte.

Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit hat, kann sich bei der JVA, Bruno- Beierlorzer Telefon 09261/620413 oder bei Susanne Daum Telefon 09261/620421 oder über die Zentrale Telefon 09261/62040 melden.

eh